Vorträge von Marieluise Gallinat-Schneider
„Weibsbilder“
Biblische und heilige Frauengestalten in der Kunst – ein Streifzug durch die Jahrhunderte – von Judith bis Mutter Teresa. Mit Beispielen von Malerinnen wie Artemisa Gentileschi oder den Frauenaltären von Sieger Köder und Candace Carter, gehalten am 09.06.2026 bei der kfd St. Paul Bruchsal
Als ich mich schon längst für das Vortragsthema entschieden hatte, kam das Buch von Annette Jantzen, die ignorierten Frauen der Bibel, heraus, es geht darum, was im Gottesdienst nicht gelesen wird. Es half mir bei der Vorbereitung. Das Vorwort ist von Sr Philippa, sie berichtet über Kunstinstallation in der Hl Geist Kirche in Pullach, wo neben den Apostelfiguren Frauenfiguren aus Papier hängen, Frauen im Schattendasein. Darum geht es heute in meinem Vortrag. Weibsbilder soll provokativ meinen, Bilder von Frauen, aber auch Frauen, die dargestellt werden. Es gab die Künstlerinnen, aber es gibt auch Bilder, auf denen Frauen das Objekt sind. Griechische und römische Göttinnen waren sehr beliebt, auch gerne nackt.
Am 06.06. war in den BNN im Kulturteil zu lesen: Auch in Karlsruhe rücken Künstlerinnen derzeit stärker in den Blick. So zeigt die Staatliche Kunsthalle in der Orangerie Zeichnungen von Nanne Meyer. Und das städtische Kunstmuseum setzt in seiner Sammlungspräsentation einen Schwerpunkt auf Künstlerinnen der Gegenwart. Die aktuelle Schau im Kunstmuseum wirkt wie eine Korrektur: Zwar stammt mehr als die Hälfte der gezeigten Positionen von Künstlerinnen. In der gesamten städtischen Sammlung liegt ihr Anteil bisher aber nur bei 17 Prozent. Das Museum will diesen Anteil Schritt für Schritt erhöhen. Einer der fünf Themenräume mit dem Titel „17 Prozent“ macht dieses Ziel ausdrücklich sichtbar.“ Es herrscht viel Aufholbedarf bei Kunst von Frauen.
Wie sehr habe ich mich z.B. gefreut, als mir die damalige Frauenreferentin des Bistums, Claudia Fuchs-von Brachel mitteilte, es gebe nun ein Frauenfenster im Freiburger Münster.
Ja, es hat sich inzwischen einiges geändert, dass sehe ich, wenn schon meine vierjährige Enkelin sagt, sie will nur Lieder hören, die Frauen singen und schon ein „Swifti“ ist und die Ophelia aus dem Kunstmuseum in Wiesbaden kennt, weil sie das Lied von Taylor Swift hört und daher auch von dem dazu gehörigen Video gehört hat.
Mein Zugang zu Kunst, war daher sicher eher ungewöhnlich. Als ich ca 4 Jahre alt war, fuhren wir zu Verwandtenbesuch nach Niedersachsen. Der Bruder und die Schwester meines Vaters wohnten in der Nähe von Bremen und es gab ein Familientreffen in Worpswede. Meine Mutter liebte diese Künstlerkolonie und ging in viele der Häuser, um die Bilder anzuschauen und ich auch. So habe ich sofort Gefallen an den Bildern von Paula Modersohn-Becker gefunden, die dieses Jahr ihren 150. Geburtstag feiert. Die Bilder von Bauernkindern, von Birken im Moor, einer Landschaft, die ich durch die Besuche bei meiner Tante, die im Moor wohnte, kannte, waren für mich als Kind eine Form von Kunst, die mich ansprach.
Ich bin später in viele Museen und Ausstellungen gegangen, war immer ein Fan von Kunst, von Bildern und Bildhauerei. Natürlich habe ich im Erwachsenenalter verstanden, dass es wenige Künstlerinnen gab und das meiste auch hier männlich dominiert ist. Frauen waren Objekt von Gemälden, Göttinnen, aber auch Heilige oder biblische Gestalten wurden dargestellt. Und in leibfeindlichen Zeiten durften diese sogar nackt, allenfalls mit Feigenblättern gemalt werden, sie waren Objekt der Begierde. Ein Beispiel ist es, wenn Männer wie Rembrandt oder Rubens ein Bild der biblischen Szene von Susanna im Bade malen. Das Buch Daniel ist griechisch geschrieben, wohl um 100 v. Chr. Es gab ein ursprünglich hebräisches Buch, das aber um einige Erzählungen ergänzt wurde, so die von Susanna. Die Erzählung spielt in Babylon. Susanna ist die Ehefrau von Jojakim, eine sehr schöne Frau, aber auch fromm und in der Tora unterrichtet. Dort gingen die Juden und Jüdinnen ein und aus, auch zwei Älteste, die in dem Jahr zu Richtern bestimmt worden waren. Es heißt in Satz 5: „Toraverletzung ging von Babylon aus, von Ältesten, Richtern, die sich einbildeten das Volk zu lenken.“ In der Mittagszeit, wenn das Volk sich entfernt hatte, ging Susanna in den ans Haus angrenzenden Garten, um zu baden. Das beobachteten die beiden Männer und ihre Begierde wurde geweckt. Eines Tages versteckten sie sich also im Garten, um Susanna beim Baden zuzusehen. Sie schickte ihr Mädchen weg, um Salböl zu holen und die Männer liefen zu ihr hin. Sie sagten, dass sie behaupten würden, sie habe ihre Dienerin weggeschickt, um einen jungen Mann zu empfangen und wollten sich ihr nähern. Sie aber schrie laut. Daraufhin klagten die Richter sie tatsächlich an. Am nächsten Tag war die Verhandlung und natürlich wurde nicht Susanna, sondern den Ältesten geglaubt. Daniel ist noch ein kleiner Junge, ist aber bei der Verhandlung dabei und klagt die Versammlung an, ohne Zeugenaussagen Susanna der Lüge zu bezichtigen und ihr nicht zu glauben, dass sie unschuldig ist. Also werden die Männer getrennt voneinander befragt, die Handlung noch einmal zu schildern. Als beide verschiedene Aussagen dazu machen unter welchem Baum der Ehebruch geschehen sein sollte, war klar, sie haben diese Tat gar nicht gesehen. So wird Susanna geglaubt und die beiden werden für ihr falsches Zeugnis angeklagt. Eine Geschichte, die eigentlich gut für die Frau ausgeht, aber in der Kunst immer wieder benutzt wird, um einen Akt zu malen. Es sind voyeuristische, lüsterne Blicke alternder Männer auf eine junge Frau.
Ein aufsehenerregendes Bild ist von Artemisia Gentileschi (1593-1654), die von ihrem Vater unterrichtet wurde. Sie malte in Rom oder Florenz das Bild „Judith und Holofernes“. Es ist inzwischen umstritten, aber lange galt das Bild als Verarbeitung einer Vergewaltigung. Ein Schüler ihres Vaters, bei dem sie arbeitete, soll sie vergewaltigt haben. Ihr Vater hat diesen Agostino Tassi 1612 angezeigt. Das erste Mal überhaupt wird der Akt der Enthauptung selbst gemalt. Das häufigste Motiv in der Kunst ist sonst Judith, die den Kopf des Holofernes in Händen hält, bzw. danach mit ihrer Dienerin flieht. Es ist kein nettes Motiv, Rache könnte in der Tat der Beweggrund sein.
Auch das Buch Judit ist wie Daniel vermutlich um 100 v. Chr entstanden und in griechischer Sprache überliefert, erzählt von einer existentiellen Bedrohung des Volkes Israel. Es handelt vom Feldzug des Feldherrn Holofernes gegen die Völker, die sich weigerten, König Nebukadnezzar im Krieg beizustehen. Nebukadnezzar will als Gott anerkannt werden, was Israel ihm verweigert. Im Glauben an ihren Gott leistet es Widerstand. Das Dorf Betulia wird von Holofernes belagert, um nach Jerusalem vorzudringen. Das Wasser ist knapp, die Ältesten setzen ein Ultimatum, wenn Gott nicht binnen fünf Tagen hilft, kapituliert das Dorf. An dem Punkt kommt Judit ins Spiel, gottesfürchtig, reich, toratreu und schön. Sie geht ins Lager des Holfernes und erschleicht das Vertrauen der Verantwortlichen. Am 4. Tag wird sie vom Feldherrn selbst zu einem Gastmahl eingeladen und enthauptet den betrunkenen Feldherrn. Der Feind wird in die Flucht geschlagen, das Volk pilgert zum Tempel nach Jerusalem und feiert ein großes Fest. Wer ist der Kyrios, der Herr, Gott oder Nebukadnezzar, dessen Macht sich auf Gewalt und Krieg gründet? Gott steht auf Seiten der Unterdrückten, es wird Gewalt gegen Frauen und die Zivilbevölkerung in Kriegen thematisiert. Von daher ist es folgerichtig, dass eine Frau, die selbst Gewalt von Männern erfahren hat, dies im Bild umsetzt. Es gibt eine 2. Fassung aus Florenz, die ich kenne, weil ich fast jährlich in Florenz bin. Artemisia Gentileschi war die 1. Frau, die in die Accademia dell’arte del Disegno aufgenommen wurde.
Die zweite Malerin, mit der ich mich schon als Jugendliche beschäftigt habe, ist Angelika Kauffmann, deren Biographie ich per Zufall in unserer Stadtbücherei in die Hände bekam. Diese Schweizer Malerin, die von 1741-1807 gelebt hat, war die Porträtmalerin der Reichen und Schönen. Wer zu der Zeit etwas auf sich hielt, saß ihr Modell. So auch Goethe. Auch sie wurde von ihrem Vater, der Porträt- und Freskenmaler war, unterrichtet. Als er 1757 im Bregenzerwald in Schwarzenberg eine Kirche ausmalen sollte, erkannte er das Talent seiner Tochter, die die Apostel und das Altargemälde malte. Ein anderes biblisches Motiv von ihr ist Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.
1992 war in Karlsruhe Katholikentag und die Künstlerin Candace Carter malte ihren Frauenaltar, der inzwischen an vielen Orten ausgestellt wurde. Candace Carter, 1951 in den USA geboren und gemeinsam mit ihrem Mann, dem Künstler Tutilo Karcher in Karlsruhe ein Atelier gehabt. Ich durfte sie kennenlernen und habe eine Einführung in ihren Frauenaltar bekommen. Dort geht es auch um Vergewaltigung, um gefolterte Frauen. Viele uns unbekannte Frauen sitzen beim Abendmahl. Aber auch Figuren wie Eva, Maria Elisabeth von Dijon, eine Karmelitin, die 1880-1906 lebte und 2016 heilig gesprochen wurde, sind auf den Flügeln abgebildet, ebenso Camille Claudel und Simone Weil. Simone Weil 1909-1943 war eine jüdische Philosophin, die sich ebenso wie Edith Stein von jüdischen Traditionen abwand, sehr sozialkritisch war, in der Resistance, dem französischen Widerstand gegen die Besetzung Frankreichs von den Nazis aktiv war. Immer wieder überlegte Simone Weil, katholisch zu werden. Sie hat sich wohl auf dem Sterbebett taufen lassen.
Bei Camille Claudel schließt sich ein Kreis und wir gelangen wieder zu Paula Modersohn-Becker. Deren beste Freundin war Clara Westhoff. Die beiden jungen Frauen waren in Worpswede unterwegs, haben auch einmal die Glocken der Zionskirche geläutet. Weil dies nur bei Feuer und anderen Katastrophenmeldungen geschah, erlegte der Pastor ihnen die Strafe auf, in der Kirche Putten und Blumen zu malen. Clara Westhoff ging als Bildhauerin eine Zeit lang nach Paris, wo sie mit Auguste Rodin und Camille Claudel arbeitete. Auch Paula Modersohn-Becker lebte in Paris, ebenso Rilke, der Mann von Clara Westhoff. Camille Claudel war eine begabte Bildhauerin, wurde von ihrem Bruder aber in eine Nervenheilanstalt gesteckt. Schicksal einer hochbegabten Künstlerin? Ich war auf jeden Fall in Paris auf den Spuren dieser Menschen unterwegs, wenn ich mal wieder zu Besuch zu meiner Tochter fuhr.
Bei Künstlerinnen denken viele an Frida Kahlo, sie ist eine der bekannten Malerinnen. 2010 war ich in Wien das erste Mal in einer Ausstellung ihrer Bilder und über ihr Leben.
Im Jahr 2020 waren für mich zwei sensationelle Ausstellungen angekündigt. Das war einmal „Fantastische Frauen“ in Frankfurt im Schirn mit Frida Kahlo, 1907-1954. Dann noch im Juni 2020 in Düsseldorf „Verrückt nach Angelika Kauffmann“ Angelika Kauffmann: Künstlerin, Powerfrau, Influencerin". Für mich waren diese beiden Ausstellungen eine Rückkehr ins Leben, eine Art Auferstehung nach den vielen Wochen des Eingesperrtseins. Und das im Coronalockdown. Ich war als eine der ersten überhaupt im Mai 2020 mit Maske und begrenzten Einlasszeiten im Frankfurter Schirn. Die Bilder dieser Malerinnen sind nicht unbedingt religiöse Kunst, aber wenn ich an das Bild „Die Sonne und das Leben“ von 1947 denke, dann ist dies Schöpfung pur. Ebenso wie sich Paula Modersohn-Becker als erste Frau selbst als Schwangere portraitierte.
Wenn ich an religiöse Kunst denke, die als Vorbild für Künstlerinnen dient, fällt mir auch immer die Pieta von Käthe Kollwitz ein. Kollwitz 1867-1945 hat ihren Sohn und sich dargestellt. Diese Pieta steht in der Neuen Wache in Berlin. Ihr Sohn Peter fiel 1914 in der 1. Flandernschlacht und sie hat sich als Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß dargestellt. Das Kind sucht Schutz im Schoß der Mutter, hier sind es nicht Maria und Jesus. Die Art der Darstellung ist jedoch eine typische Pieta, eine trauernde Mutter mit dem Sohn im Schoß, sie ist angelehnt an die Plastiken die wir aus dem Vatikan etc kennen.
Sieger Köder, hat in Wasseralfingen zwischen 2001-03 zur gotischen Madonna einen Flügelaltar gemalt, auf dem Eva, Sara, Tamar, Rahab, Rut, Batseba, Jeanne d’Arc, Hl. Elisabeth, Maria, Edith Stein und Mutter Teresa dargestellt sind. Biblische Frauen, Heilige, Kämpferinnen für die Rechte der Frau, im Einsatz für das Gute der Welt, für Gerechtigkeit. Der Titel eines Buches zu diesem Altar lautet: Schwestern, Mütter und Prophetinnen. Eva die erste Frau, durch sie kommt das Weibliche in die Welt, sie wird als Gebärerin gezeigt, sie ist die Lebensspendende, so wie auch Paula Modersohn-Becker sich schwanger malt, so wie viele dieser Frauen sich mit dem Thema Kinderlosigkeit, Mutter sein auseinandersetzen Sara, die kinderlose Frau, die dann doch dem Erzvater Abraham noch den Sohn Isaak gebärt Dann die vier weiteren Frauen in der Erbfolge Jesu: Tamar, Rut, Rahab und Batseba. Im Matthäusevangelium wird so der Stammbaum Jesu beschrieben; Mt 1: 1 Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: 2 Abraham zeugte den Isaak, / Isaak zeugte den Jakob, / Jakob zeugte den Juda und seine Brüder. 3 Juda zeugte den Perez und den Serach mit der Tamar. / Perez zeugte den Hezron, / Hezron zeugte den Aram, 4 Aram zeugte den Amminadab, / Amminadab zeugte den Nachschon, / Nachschon zeugte den Salmon. 5 Salmon zeugte den Boas mit der Rahab. / Boas zeugte den Obed mit der Rut. / Obed zeugte den Isai, 6 Isai zeugte David, den König. / David zeugte den Salomo mit der Frau des Urija. Immerhin Tamar, Rahab und Rut werden namentlich erwähnt, Batseba nicht, David hat den Salomo gezeugt. Das wars.
Mein erster ökumenischer Kinderbibeltag handelte von Rut, dieser Moabiterin, die in der Fremde weilt. Wie kein anderes biblisches Buch thematisiert es die soziale Realität für Frauen in der patriarchalen Gesellschaft des antiken Israel. Nachdem ihr israelitischer Mann verstorben ist, begleitet sie ihre Schwiegermutter, die Witwe Noomi, nach Bethlehem. Als sie nach dem Armenrecht während der Gerstenernte Ähren aufliest, begegnet sie dem wohlhabenden Bauern Boas, der sie begünstigt. Boas ist mit Noomis verstorbenem Mann verwandt und hat damit die Rolle als Beschützer. Daher rät Noomi Rut, zu Boas Kontakt aufzunehmen. Boas heiratet Rut, wodurch auch Noomis Zukunft gesichert ist. Einer ihrer Nachkommen ist König David. Im Neuen Testament wird Rut als Urgroßmutter Davids im Stammbaum Jesu namentlich genannt (Matthäus 1,5 EU). Wenn wir hier in dem Buch von Witwen lesen, müssen wir berücksichtigen, Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren heirateten, so dass Rut Mitte bis Ende Zwanzig war und Noomi als Mutter ihrer Ehemänner Mitte Vierzig. Das Buch ist Frauenliteratur. Manchmal wird eine Frau als Verfasserin erwogen. Eine andere Möglichkeit, die „Frauenperspektive“ des Rutbuchs zu erklären, ist die Tradierung des Stoffs durch weise Frauen vor seiner schriftlichen Fixierung.
Später hatten wir einen Kinderbibeltag zum Buch Josua, wo es auch um Rahab ging, diese Frau aus Jericho, die zwei israelitische Kundschafter rettet, indem sie sie im Haus versteckt. Sie wohnt in der Stadtmauer, so dass diese auch nach Schließung der Stadttore nachts an einem Seil heimlich ihr Haus verlassen können und ins Gebirge fliehen. Batseba, Frau des Hethiters Urija wird von König David begehrt. Auch sie wird beim Bade beobachtet. Während ihr Mann im Krieg ist, schläft David mit ihr, Ehebruch und wohlmöglich auch nicht freiwillig. Sie wird schwanger, David hofft, ihr Mann schaut während der Kampfhandlungen mal bei seiner Frau vorbei, sonst fällt nämlich auf, dass das Kind unmöglich von ihm sein kann, aber Urija weigert sich und wird daher von David an die Stelle beordert, wo der Kampf am heftigsten tobt und fällt. Das Kind von Batseba und David stirbt, Strafe Gottes? Später bekommt sie Salomo den späteren Nachfolger Davids. Sie ist also Königsmutter und sichert die Erbfolge.
Tamar ist die Schwiegertochter von Juda, Leas viertem Sohn und kommt im Buch Genesis vor. Juda sucht die Frau für seinen Sohn aus. Der Sohn stirbt, bevor Tamar schwanger ist. Daher wird sie mit Onan dem mittleren Sohn verheiratet. Da eine kinderlose Witwe weder rechtlichen Schutz noch Altersversorgung hat, ist die Schwagerehe ein Schutz. Die Kinder sind rechtlich Kinder des Verstorbenen, worauf Onan aber keine Lust hat. JHWH lässt daraufhin auch diesen sterben, also schickt Juda Tamar wieder zurück zum Haus ihres Vaters. Viele Jahre später geht Juda mit einem Freund nach Timna zur Schafschur (Gen 38,12) und Tamar geht verschleiert dorthin. Sie setzt sich ans Tor und wartet auf Juda, der sie nicht erkennt. Er sieht in ihr eine Prostituierte und will mit ihr Geschlechtsverkehr und sie vereinbart als Pfand, sein Siegel, seine Perlenschnur und seinen Stab. Sie schlafen miteinander und Tamar wird bald darauf schwanger. Als sein Freund zurückkehrt, um die Pfänder auszulösen, sucht er eine Prostituierte, die er nicht findet, denn Tamar ist in ihren Witwenstatus zurückgekehrt. Als klar ist, dass die verwitwete Schwiegertochter schwanger ist, droht ihr das Todesurteil. Tamar jedoch schickt Juda auf dem Weg zum Richtplatz die Pfänder mit der Begründung, dass sie ihm keinen Sohn mehr gegeben hat. Juda geht mit ihr keine Ehe ein. Sie bekommt Zwillinge. Es ist wichtig, welches Kind der Erstgeborene ist, Serachs Hand schaut zuerst aus dem Mutterleib und er bekommt ein rotes Bändchen. Dann wird aber Perez, der sich vordrängt, zuerst geboren. Perez bedeutet Riss und sagt alles über die Geburt aus. Wir wissen nicht, ob Tamar diese schwere Geburt überlebt. Perez gilt nun als Erstgeborener und sein Stammbaum taucht als erste Generation nach den zwölf Stammvätern im Buch Rut wieder auf.
Jeanne d’Arc lebte im 15. Jh. Geboren in einem kleinen Ort, Domremy in Lothringen hat sie versucht, den 100jährigen Krieg zwischen Frankreich und England zu beenden. Jungfrau, Kämpferin, in Rouen als Hexe verbrannt, später heilig gesprochen, eine zwiespältige Persönlichkeit, die mich schon als Jugendliche fasziniert hat, als ich ein Hörspiel über sie gesprochen habe. Die anderen, Maria, Hl. Elisabeth und Edith Stein kennen wir, über Edith Stein, die Heilige Elisabeth und Mutter Teresa habe ich auch Vorträge gehalten. Vor zwei Jahren während der Weltsynode im Oktober 2024 habe ich mit einer anderen Frau Gebete von Frauen gesammelt und deren Biographie vorgestellt.
Durch eine Bekannte bekam ich den Hinweis auf eine Kirche in der Schweiz, St. Stephan in Therwil. Dort ist unter der Orgelempore ein Bild gemalt, das acht Frauen darstellt. Sie sitzen beim Abendmahl und sind ins Gespräch vertieft. Es wirkt, als sei das Gemälde eine Maueröffnung mit einem Fresko. Es hat einen goldfarbenen Hintergrund, der in der Kunst immer das Heilige repräsentiert. Es wirkt, als sei ein früheres Kunstwerk freigelegt worden. Die acht Frauen sitzen um einen mit einem weißen Tuch bedeckten langen Tisch und teilen miteinander Brot und Wein. Die Gesprächsrunde erinnert an das Letzte Abendmahl, ohne dass es in irgendeiner Weise einen Verweis auf eine traditionelle Darstellung gibt. Das Leinentuch dient oft als Hinweis auf die Kreuzigung Jesu. Auf der Brüstung der Chor-Empore finden sich die Namen der Frauen, die auf dem Gemälde abgebildet sind: Maria Magdalena, Martha, Phoebe, Junia, Lydia, Thekla, Priska und Die Namenlose. Diese Apostelinnen, Diakoninnen und Prophetinnen waren zu Jesu Zeiten und in seiner Nachfolge hoch angesehen und übernahmen mit Autorität verantwortungsvolle Führungspositionen in den ersten christlichen Gemeinden. Die Künstlerin Corinna Gödemann hat sie als moderne Frauen von heute gemalt, denn ohne ihr Engagement und ihren Mut hätte sich die damals neue Religion nicht entwickeln können und so bleiben sie bis heute als Leitungsfiguren des frühen Christentums aktuell.
Fazit
Immer noch ist der Anteil von Künstlerinnen geringer, als von männlichen Kollegen. Ihre Ausstellungen werden eher deswegen geordert, weil sie billiger sind, nicht weil das Ansehen der Frauen gestiegen ist oder ihre Kunst als wertvoll angesehen wird. In der Kirche werden die Texte, in denen Frauen vorkommen, immer noch ignoriert. Viele Frauen sind unbekannt, sowohl biblische Gestalten, als auch Künstlerinnen. Dabei leisten sie gute Arbeit. Ohne das Engagement der Frauen zu allen Zeiten, wäre die Kirche nicht das, was sie heute ist. Die biblischen Frauen, auch Heilige, haben oft Leid erfahren, Ausgrenzung, Vergewaltigung, fehlende Anerkennung. Es sind starke Persönlichkeiten, daher lohnt es sich, sich mit deren Biographien zu beschäftigen. Aber auch in der Kunst gilt es, einen verstärkten Blick auf die Frauen zu werfen, auf Malerinnen, Bildhauerinnen mit ihrer Botschaft. Ihre Kunst zeigt auch Lust auf Leben, zeigt Frauen beim Abendmahl, die miteinander feiern, Frauen mit Kindern, Schwangere, Gebärende, Frauen, die um ihre Kinder trauern, die alle Facetten des Lebens abbilden. Es sind starke Frauen, die allen Widerständen zum Trotz ihren Weg gegangen sind. Sie durften nicht an Kunsthochschulen studieren, standen oft auch im Schatten ihrer Männer, die teilweise auch Künstler waren, wie Claudel, Westhoff, Münter etc. Und Frauen können sehr hartnäckig sein! Auf dem Katholik*innentag in Würzburg haben wir in der ökumenischen Frauenliturgie aus dem Lukasevangelium von der bittenden Witwe gehört, die immer wieder zum Richter kam, bis er ihr Recht verschaffen hat, weil sie ihn genervt hat. (Lk 18, 1ff). So ist es oft, Jeanne d’Arc bekniet den König immer wieder, den Krieg zu beenden, Birgitta von Schweden und Katharina von Siena versuchen die Päpste zur Rückkehr von Avignon nach Rom zu bewegen. Wir haben soeben im Vortrag schon von Frauen gehört, die um ihr Recht gekämpft haben, auch um ihre Ausbildung, unablässig, die allen Hindernissen zum Trotz weitergemacht haben. Und tun es bis heute, auch in der Kirche.
Literaturhinweise:
- Baumgärtel, Bettina (Hrg), Verrückt nach Angelika Kauffmann: Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast Düsseldorf Gebundene Ausgabe – 1. Januar 2020
- Bernard, Caroline, Frida Kahlo und die Farben des Lebens, 3. Auflage, Berlin 2019
- Beuys, Barbara, Paula Modersohn-Becker oder: Wenn die Kunst das Leben ist, Verlag Friedrich Pustet, München 2007
- Buchhorn- Maurer, Kathrin (Hrg) Der Frauenaltar von Sieger Köder, Schwestern, Mütter und Prophetinnen, Schwabenverlag Ostfildern 3. Auflage 2007
- Endres, Elisabeth, Edith Stein, Christliche Philosophin und jüdische Märtyrerin, München 1987
- Jantzen, Annette, Die ignorierten Frauen der Bibel, Was im Gottesdienst nicht gelesen wird, Freiburg Herder 2026
- Mai, Klaus-Rüdiger, Edith Stein, Geschichte einer Ankunft, Leben und Denken der Philosophin, Märtyrerin und Heiligen, Kösel Verlag München 2022
- Murnau, Wiege des Blauen Reiter, Insel-Bücherei Nr. 1550, hg. v. Gloria Köpnick und Rainer Stamm, Berlin 2025
- Pfeiffer, Ingrid, Paula Modersohn-Becker, Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt, Hirmer Verlag München 2021
- Prignitz-Poda, Frida Kahlo, Retrospektive, Prestel Verlag München 2010
- Wimmer, Reiner, Vier jüdische Philosophinnen, Rosa Luxemburg, Simone Weil, Edith Stein, Hannah Arendt, 2. Auflage Reclam Leipzig 1999
- Biblische Biographien aus: Bibel in gerechter Sprache, Gütersloher Verlagshaus 1. Auflage 2006
- Mutter Teresa, Maria von Magdala, Kurzbiographien: Ein Weg, dein Weg bewegt, Hg Diözesanstelle Berufe der Kirche in der Erzdiözese Freiburg
- „Das Gebet hat große Macht, das ein Mensch verrichtet mit seiner ganzen Kraft.“ (Mechthild von Magdeburg), Frauen*- Gebetsinitiative zur Weltsynode 2.-27.Oktober 2024, hrsg Brigitte Schmidt und Marieluise Gallinat-Schneider
- https://www.joerg-sieger.de/gallinat/vortrag/101118.php (Hl Elisabeth)
- https://www.joerg-sieger.de/gallinat/vortrag/150310.php (Edith Stein)
(Marieluise Gallinat-Schneider)