Vorträge von Marieluise Gallinat-Schneider
Die Botschaften des Auferstandenen: 153 Fische und die starken Frauen
Überlegungen zum Buch "Weil Gott es so will und zum 21. Kapitel im Johannesevangelium, die mir beim Schalomabend und beim Gespräch am Jakobsbrunnen als Grundlage dienten
Das Buch „Weil Gott es so will“ erzählt Berufungsgeschichten von 150 Frauen, so viele, wie es Psalmen gibt. Schon in der Schulzeit habe ich durch meinen Religionslehrer die Psalmen lieben gelernt. Zum Abitur bekamen wir das Neue Testament mit Psalmen als Geschenk zur Erinnerung. Mir persönlich bedeuten die Psalmen ganz viel, Lobpreis, Traurigkeit, Zweifel, Verlassenheit, auch Gott-Verlassenheit, Gewalt, Zorn, Auflehnung, Anbetung, alles wird dort formuliert, alle menschlichen Empfindungen vor Gott gebracht. Nichts ist den Psalmbetern fremd. Sie entsprechen so sehr meiner Art zu beten, so kann ich mit Gott sprechen. Mein Religionslehrer attestierte mir einen sehr jüdischen Zugang zum Gebet.
Die Psalmen sind Antwort Israels auf Taten und Worte Gottes. Sie sind personal und richten sich an Jahwe als Gegenüber, als Du. Dieser Gott ist ein der Welt und der Menschheit zugewandter Gott. Vermutlich lassen sie sich überwiegend in nachexilische Zeit datieren, also in die Zeit des 6. Jh v. Chr. Sie sind Dichtung, Gebet, Hymnen für den Kult und Klagelieder, also verschiedene literarische Gattungen. Die Menschen, die sich an ihren Gott wenden, haben oft Leid erfahren, sind Opfer und suchen in Gott, einen, der sich mit ihnen solidarisiert. Insgesamt enthält das von Schwester Philippa Rath herausgegebene Buch 153 Texte, 150 Zeugnisse berufener Frauen plus 3 Solidaritätsbekundungen von P. Ralf Sagner OP, Magnus Lux und Christian Weisner gemeinsam sowie Thomas Müller. 153 Fische sind es in der Stelle vom nachösterlichen wunderbaren Fischfang. Eine Stelle, die für mich immer mehr an Bedeutung gewinnt.
2025 war die Bibelstelle aus dem Johannesevangelium Thema der Erstkommunion: „Kommt und esst“ sagt Jesus zu seinen Jüngern.
Johannes berichtet uns, die Jünger haben die ganze Nacht gefischt. Es sind bekannte Apostel, erfahrene Männer, Simon Petrus, Thomas der Zwilling, die Söhne des Zebedäus, bekannte Gestalten, die uns immer wieder in der Bibel begegnen. (Johannesevangelium, 21. Kapitel) Sie fingen nichts in der Nacht. Alle Bemühungen waren umsonst. Sie waren müde und entmutigt. Am Morgen kam ein Fremder und bat sie, ihm Fisch zu essen zu geben. Aber bei aller Gastfreundschaft, sie konnten ihm nichts geben, sie hatten nichts gefangen. Er aber sagte zu ihnen, werft das Netz auf der rechten Seite aus. Nicht die erfahrenen Fischer sollen wissen, wo der Fang wartet, sondern der unerfahrene Fremde? Aber sie hören auf ihn. Als sie die Netze einholten, waren sie voller Fische. Sie hatten quasi auf der falschen Seite gefischt, sie hatten sich zwar sehr bemüht, aber mit den falschen Mitteln. Als sie ans Ufer kamen, war dort ein Kohlenfeuer und Jesus bat sie, die Fische zu bringen. Sie brieten die Fische. Jesus sagte: Kommt her und esst! Als er das Brot brach, erkannten sie, wer bei ihnen war, sie erkannten den Auferstandenen. Wie offenbart er sich ihnen? Im Mahl. Und er hat bereits das Feuer angezündet und alles vorbereitet, als sie aus dem See kommen, er gibt ihnen heimatliche Gefühle, das Gefühl willkommen zu sein. Aber davor macht er ihnen klar, dass sie keinen Erfolg hatten, weil sie auf der falschen Seite gefischt hatten. Die gewohnte Seite bescherte ihnen keinen Erfolg. Ich finde, das ist ein starkes Bild.Vielleicht müssen wir die vertrauten Wege verlassen, die Netze auf der rechten Seite auswerfen? In der katholischen Kirche bleiben die, die keinen Wandel wollen, denn die stört nichts, die anderen wenden sich enttäuscht ab. Wir verlieren vor lauter Strukturwandel und bei allem Nachdenken über organisatorische Dinge den Blick auf das, was uns ausmacht. Was aber macht Jesus? Er bereitet ein Feuer, brät die Fische, die die Jünger gefangen haben, bricht Brot und isst mit ihnen. Er ist bei den Menschen. Im Orient ist Gastfreundschaft immens wichtig, Menschen setzen sich um einen Tisch. Jesus gibt den Menschen Nahrung und Heimat. Wir stellen fest, auch im Glauben fehlt uns was, wenn nicht Leib und Seele angesprochen werden. Ein Bibelteilen, ein Glaubensgespräch, das mit einem gemeinsamen Essen beginnt, eine Agapefeier geben uns ein Gefühl von Gemeinschaft.
Wir brauchen Menschen, die das Feuer bereiten und warm halten, die anderen Nahrung für Leib und Seele anbieten, die da sind Hätte man uns Frauen Gemeindeleitung gegeben, müssten die Pfarreien nicht so gigantisch sein. Die Menschen verlieren ihre Heimat, Kirche setzt genau auf das Gegenteil von Nähe und Zuwendung mit den immer größer werdenden Einheiten.
(Marieluise Gallinat-Schneider)