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Marieluise Gallinat-Schneider

Gemeindereferentin in Bruchsal

Predigten von Marieluise Gallinat-Schneider

Predigt ökumenischer Hospizgottesdienst 27.11.2018 Paul-Gerhardt Kirche, Bruchsal

Bibelstelle

Bibeltext Lk 24, 13-32 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?«

Da gehen zwei ihres Wegs, traurig, verzweifelt, voll trüber Gedanken. Sie haben gerade einen lieben Menschen verloren, ihr Herz ist schwer und voller Trauer. Plötzlich gesellt sich einer zu ihnen, ein Fremder, wie es scheint, einer der sie begleitet. Der spricht mit ihnen über ihre Probleme, hört zu, widmet sich ihnen, ist für sie da.

Liebe Schwestern und Brüder,

so haben es die Jünger wohl erlebt, auf ihrem Weg nach Emmaus. Ich weiß nicht, ob Sie sich in dieser Situation wiederfinden? Meines Erachtens gleicht die Situation dem, was Sie erleben. 5 Punkte sind es, die uns der Text lehren kann. 1. Begleitung 2. Jesus im Leid erkennen 3. Die Bedeutung des Mahls 4. Der Glaube an die Auferstehung 5. Die Wegstrecke

Begleitung

Da sind einerseits die Menschen, die im vergangenen Jahr jemanden verloren haben. Sie haben sich dem Hospizdienst anvertraut. So kamen Menschen zu ihnen, die sie auf dem Weg begleitet haben, die Hilfe angeboten haben in ihrer Trauer. Es war zwar nicht die Zeit nach dem Tod, sondern die davor, aber eine Zeit mit vielen Fragen und angefüllt mit Leid. Da sind andererseits die Menschen, die sich im Hospizdienst engagieren, die ihre Begleitung anbieten, die bereit sind, eine Wegstrecke mitzugehen, so wie Jesus die Jünger begleitet hat. Zunächst sind Sie Fremde, aber nach und nach gewinnen die Familien, zu denen Sie kommen, auch Vertrauen zu Ihnen, sie können Gespräche führen, Hilfestellung anbieten und entlasten. Diese Begleitung, diese Wegstrecke, die gemeinsam zurückgelegt wird, ist ungeheuer entlastend und hilfreich. Es ist ein ganz wichtiger Dienst.

Jesus im Leid erkennen

In schwierigen Zeiten kann es uns auch passieren, dass wir vor lauter Schwere wie mit Blindheit geschlagen sind. Wir erkennen unsere Freunde nicht, sehen nicht, wo jemand uns Gutes tun will, seine Hilfe anbietet. Es ist nur Dunkelheit um uns herum. So haben die Jünger Jesus auch nicht erkannt. Sie haben nicht bemerkt, wer da mit ihnen geht. Dennoch können seine Worte nach und nach in Herz dringen.

Die Bedeutung des Mahls

Wirklich die Augen geöffnet werden ihnen jedoch erst, als er mit ihnen das Brot teilt. Abendmahl, das von Jesus eingesetzte Mahl aus Wein und Brot, das er am letzten Abend noch mit seinen Jüngern teilte. Dabei gab er sich ganz hin, er selbst als Leib und Blut. Egal ob wir als evangelische und katholische Christen dies unterschiedlich ausdeuten, wir glauben daran, dass von diesem Mahl, das Jesus gestiftet hat, Kraft für uns ausgeht. Dieser Jesus, der sich den Menschen hingibt, wurde von den Jüngern erkannt, als er das Brot brach. Dieses Mahl kann für uns alle Stärkung sein, es kann uns helfen und Kraft geben für unseren Dienst. Die Jünger sagten „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete und uns die Schrift erschloss? Jesus gibt sich ihnen hin im Brot. Danach verschwindet er. Aber sie spüren das Brennen in ihnen, sie spüren die Kraft, die davon ausging. Nun können sie alleine weiter, nun haben sie wieder Kraft genug, um selbst weiterzumachen. Auch wir wollen heute miteinander Mahl halten, wollen uns dadurch stärken lassen. So können wir unsere eigene Trauer besser aushalten, können mit anderen Wege der Trauer gehen, können aufeinander eingehen und Wege zueinander finden. Essen und Trinken als Nahrung für die Seele, als Kraftquelle unseres Glaubens sind wichtig. Stärkung für uns und unseren Dienst gehen von diesem Jesus aus. So habe ich eine Meditation über die Emmausjünger bekommen, in der es heißt:

Wer sich auf andere einlässt, lässt sich auf Gott ein.
Wer sich anderen gegenüber öffnet,
öffnet sich für Gott.
Wer sich anderen zuwendet,
wendet sich Gott zu.
Der Weg nach Emmaus
ist mehr als ein Spaziergang!
Der Weg nach Emmaus ist der Weg
von Menschen, zueinander und miteinander.
Der Weg nach Emmaus ist ein Weg
der Suche, des Zweifels,
der Erkenntnis, der Freude
und letztlich des inneren Friedens.
Der Weg nach Emmaus ist der Weg
von Gott zu uns Menschen.
Gott kommt aus Liebe auf uns zu!
Kommen wir selbst auch von uns los,
so finden wir auch zum anderen.
Gott geht auf uns zu,
gehen wir mit IHM auf andere zu.
Der Weg nach Emmaus
ist also mehr als nur ein Spaziergang.
Der Weg nach Emmaus
ist Gottes Weg zu uns
durch die Auferstehung seines Sohnes,
unseres Bruders und Herrn
Jesus Christus.

Soweit die Gedanken der Meditation von Heinz Pangels. Unser Tun ist genau davon geprägt, davon, dass wir uns auf Gott einlassen und zwar, indem wir uns auf unsere Mitmenschen einlassen, indem wir uns den anderen zuwenden. Der Weg der Jünger war kein Spaziergang sondern ein beschwerlicher Weg der Trauerarbeit. Am Ende stand die Erkenntnis im Zeichen von Brot und Wein, dass Gott unter uns ist, dass er sich in Jesus auf unsere Ebene begibt, uns begleitet und tröstet.

Der Glaube an die Auferstehung

Dieser Jesus, der mit den Jüngern geht, ist der Auferstandene. Es ist derjenige, der den Tod schon überwunden hat, der die Verheißung in sich birgt, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern das Leben erst beginnt, das Leben in Gott, das Leben in Christus. Darauf können wir vertrauen, darauf können wir hoffen. Gott hat uns seinen Sohn gesandt, um sich im Leid mit uns zu solidarisieren, aber auch damit wir die Verheißung haben, dass es mit dem Tod nicht aus ist. Die Jünger waren voller Trauer, weil Jesus am Kreuz gestorben war und sie haben nicht glauben können, was die Frauen ihnen erzählt hatten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Aber sie haben ihn am Ende erkannt, ihn den Auferstandenen. Wenn wir uns auf diesen Glaubensweg nach Emmaus begeben, ihn nachvollziehen, dann dürfen wir auf ein ewiges Leben bei Gott vertrauen. So dürfen wir die Menschen, die Sie begleitet haben, ihre Angehörigen, die Menschen, um die Sie heute in diesem Gottesdienst trauern und an die Sie heute voller Liebe denken, getrost in Gottes Hand legen.

Wegstrecke

So wie Jesus nachdem er sich den Jüngern im Brotbrechen zu erkennen gab, danach verschwand, dürfen wir jedoch auch unsere Verantwortung für Begleitung, für Trauer, für unseren Dienst, abgeben. Unser Dienst ist eine Wegstrecke. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Jesus Christus bei uns und den Menschen ist und wir nicht alles allein können müssen, sondern Kraft schöpfen dürfen aus ihm.

Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)