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Das
Sebastians-Reliquiar in der Bruchsaler Peterskirche
Am 13. Januar 1749 schenkte Kardinal Hutten der Peterskirche Reliquien des Heiligen Sebastian. In einem Protokoll heißt es dazu: "Damit durch die Fürbitt des Heiligen Sebastian die Stadt Brüchsal und das ganze Land von, allem Übel, absonderlich. von giftigen Kranckheiten verschont werde wozu wir auch ein eigenes Reliquarium von Silber haben verfertigen lassen."
Dieses prächtige Rokokowerk mit dem vorzüglich modellierten Heiligen als Griff, am Fuß ein auf Porzellan gemaltes Medaillon mit dem Wappen Speyer-Weißenburg-Hutten, ist ein Werk des Augsburger Gold- und Silberschmiedes Franz Thaddäus Lang. Dieser stammt aus Schwaz in Tirol und ist in Augsburg 1773 gestorben. Augsburg war das Zentrum der Gold- und Silberschmiede.
Wer war dieser Sebastian, nach dem auf der ganzen Welt unzählige Kirchen und Kapellen benannt sind? Gesichert ist kaum etwas. Die Legende berichtet folgendes: Er soll im dritten Jahrhundert in Rom gelebt haben und Soldat unter dem brutalen Kaiser Diokletian gewesen sein. Als der als Christenhasser bekannte Kaiser eines Tages erfahren habe, dass der von ihm so geschätzte Sebastian gläubiger Christ war, habe er ihn an einen Pfahl binden und von numidischen Pfeilschützen mit Pfeilen durchbohren lassen. Da er jedoch nicht tot gewesen sei, habe ihn eine Christin namens Irene wieder gesund gepflegt. Danach sei Sebastianus wieder mutig zu Diokletian gegangen und habe ihn seiner Verbrechen beschuldigt. Der Kaiser habe ihn daraufhin in den Circus von Rom abführen und von Soldaten mit Stöcken zu Tode prügeln lassen. Dies soll am 20. Januar des Jahres 288 geschehen sein. Seine Leiche sei daraufhin in die Cloaca Maxima geworfen worden, von dort aber durch die Christin Lucina geborgen worden. Lucina habe Sebastianus in einer Katakombe an der Via Appia bestattet - soweit die Legende.
Schon im vierten Jahrhundert wurde über Sebastians angeblichem Grab eine Kirche gebaut. Die Verehrung des Sebastian als Pestpatron geht darauf zurück, dass eine Pestepidemie in Rom im Jahre 680 erlosch, nachdem seine Gebeine durch die Straßen getragen wurden. Sebastianus ist einer der 14 Nothelfer. Verehrt wird er auch als Patron der Schützen, Soldaten und der Sterbenden. Selbst bei Viehkrankheiten wurde er als Helfer angerufen. So kam auch die Sebastianus-Verehurung schon sehr früh nach Bruchsal. Bereits 1698 ist in der damaligen Heiligen Rechnung eine Geldstiftung für eine Sebastianuskerze erwähnt. Das Fest des Heiligen war unter den Füfstbischöfen von Speyer ein gesetzlicher Feiertag und wurde erst um 1783 unter Fürstbischof Styrum auf den nächst folgenden Sonntag verlegt.
Dass dem Heiligen Sebastian in der Bruchsaler Peterspfarrei eine große Verehrung zuteil wurde, sieht man daran, dass in der Peterskirche in den Jahren 1754/55 durch den Bildhauer und Stukkateur Johann Michael Feichtmeier ein Seitenaltaer in Stuckmarmor für Sebastianus errichtet wurde. Ebenso wurde im westlichen Seitenschiff im Jahre 1910 von Josef Mariano Kitschker ein Deckengemälde mit dem Bildnis des Heiligen gemalt.
Auch die Sebastianusglocke, eine der fünf 1745 in Würzburg von Johann Adam Roth gegossenen Bronzeglocken ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Heiligen Sebastian für Bruchsal.
Weiter zeugt ein im Jahre 1906 im Gewann "Au" vor dem Konditormeister Schmider errichteter Bildstock von der Verehrung mit dem Gebet: "Heiliger Sebastian, Lass uns Deine Hilfe erreichen, sonderlich bei unserm Tod, Zeig uns Armen, Dein Erbarmen, Bitt für uns den höchsten Gott."
letzte Änderung: 20. Januar 1999