Zur nächsten SeiteZur vorigen SeiteDer Kreuzweg der Bruchsaler Peterskirche

Die Peterskirche bietet dem Besucher eine reiche Bilderfülle, so dass die 14 kleinformatigen Bilder nicht jedem, der die Kirche betritt, gleich auffallen. Links und rechts vom Hauptschiff und im westlichen Querschiff sind sie in Augenhöhe zu betrachten. Es sind dies Kreuzwegbilder im Format von 27 zu 20 cm, die vermutlich 1725, also vor dem barocken Wiederaufbau der Kirche, gemalt wurden.

Dieser barocke Kreuzweg fand erst zurzeit von Pfarrer Herb in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts den Weg in die Kirche. Er wurde bei einem Kunsthändler in Wertheim erworben. Die einzelnen Bilder sollen von Bruchsaler Familien gestiftet worden sein. (Näheres hierzu kann erst im Rahmen der laufenden Neuordnung des Pfarrarchivs festgestellt werden). Leider wurden 2 Bilder vor Jahren gestohlen. Deshalb wurden zur Vervollständigung zwei Ersatzbilder gemalt (Stationen VIII und IX). Diese Bilder sind an der körnigen Farboberfläche, an einer flächigen, weniger plastischen Darstellung und an einer Rittergestalt mit voller Rüstung zu erkennen.

Kreuzwege fanden erst nach den Kreuzzügen allmählich in unseren Kirchen Eingang. Die Bilderfolge wurde von den Kirchenoberen genau festgelegt. Ihre Aufhängung in einer Kirche oder Aufstellung im Freien bedurften der bischöflichen Genehmigung. Aus diesem Grund waren die Zyklen inhaltlich über mehrere Jahrhunderte gleich, damit die gedruckten Kreuzwegtexte in allen Kirchen Anwendung finden konnten. Das geschah vor allem in der Fastenzeit vor Ostern in den Kreuzwegandachten, bei denen die Gemeinde oder der Priester mit Ministranten von Bild zu Bild zogen, die Bilder betrachteten und die vorgegebenen Texte lasen. Auch der Kreuzweg in St. Peter hält sich mit seinen 14 Stationen genau an die kirchlichen Vorschriften. Nur bei der Anbringung der Ersatzbilder ist der Fehler unterlaufen, den 3. Fall Jesu vor der Begegnung mit den Frauen aufzureihen.

Kreuzwegandachten sind heute eher selten. Gelegentlich trifft man noch einzelne Beter, die den Kreuzweg betrachtend und betend abschreiten, besonders an Wallfahrtsorten. Noch immer ist mit einer solchen Andacht gemeinsam mit dem Empfang der Sakramente ein Ablass verbunden. Vielleicht ist aber gerade die Ablassproblematik mit ein Grund dafür, dass der Kreuzweg unter den heute verbreiteten Meditationsübungen nur noch selten vertreten ist.

Wir werden heute in Film und Fernsehen durch grausamste Darstellungen des Leidens Jesu so stark beeindruckt, dass von den Bildern eines barocken Kreuzwegs nicht die gleiche Wirkung erwartet werden kann. Bei aller Grausamkeit des Geschehens scheint in diesen Bildern doch immer noch hindurch, dass es beim Leiden Jesu um sein Erlösungswerk geht. Die Gestalt Jesu wirkt hier auf allen 14 Bildern wie verklärt. Wohl sieht man Wunden, Blut und Brutalitäten, aber die letzte Grausamkeit muss man sich hinzudenken.

Zu den folgenden Bildern werden hier die dazu passenden ersten Worte des Kreuzweges angegeben, wie sie in der überlieferten Form in den Gebetbüchern zu finden sind. Zusätzlich wird auf einige gestalterische Besonderheiten hingewiesen, Erklärungen zum Verständnis gegeben und auf Bibelstellen verwiesen. Neben der Bibel sind auch Legenden und nichtbiblische Überlieferungen, Geschichtliches und Zeitgenössisches in die Bildgestaltung eingeflossen. Schließlich hat auch der Maler seine eigene Sicht des Geschehens eingebracht.

Der Kreuzweg beginnt im Hauptschiff links mit den Stationen I und II, setzt sich im westlichen Seitenschiff auf der linken Seite fort. Es folgen die nächsten Stationen auf der gegenüberliegenden Seite, und er endet mit den letzten Stationen auf der westlichen Seite des Hauptschiffes auf der gleichen Höhe wie die Station I mit der Station XIV.

R. W. Loew

letzte Änderung: 16. März 2005

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