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Es
blieb leere Hoffnung, 'daß sich die Finanzen des Kardinals bessern würden'.
Unmengen von Schuldforderungen, Berge von Prozessakten türmen sich auf. Der vom
Kardinal in seinem Testament genannte Prince de Rohan-Guémené, nahm das
Vermächtnis seines Onkels
"jedoch nicht anders als unter
der gesetzlichen Wohlthat eines zu errichtenden gerichtlichen
Inventar, und ohne mich auf irgend eine Art für die
Schulden, oder Verpflichtungen des Erblassers zu einer Haftung
welche den Aktivstand der Verlassenschaft überschreiten
verbindlich zu nehmen" ![]()
an und setzte Oberforstmeister Baron von Müllenheim als
Bevollmächtigten am 27. Februar 1803 über die Angelegenheit ein, da er in Linz
in Österreich weilte.
Ferdinand Maximilien Meriadec de Rohan, 'archeveque
demissionaire de Cambray', verfolgte die Angelegenheit aus Paris, während
allein die Universalerbin Charlotte de Rohan in Ettenheim war
.
Charlotte selbst hatte ebenfalls nur unter erheblichen
Vorbehalten angenommen. So machte auch sie die Bedingung eines 'beneficium legis
et Inventarii'. Am 20. September 1803 wurde daraufhin ein Inventar des
Rohan'schen Nachlasses erstellt
.
Zweihundert Seiten stark ist die Aufstellung der Aktiva und
Passiva
.
Neben Gütern im Oberamt Oberkirch - es ist vom 'Turrenischen Haus' am
Turenne-Denkmal in Sasbach die Rede - wird eine Plantage auf der Insel St.
Domingo genannt, die Rohan bereits zu Lebzeiten seiner Nichte überschrieben
hatte, wodurch dieser Besitz der Prinzessin vorläufig erhalten blieb und nicht
positiv im Nachlass des Kardinals auftauchte.
2900 fl 9 ß 6 (Pfg) waren an barem Geld vorhanden, darüber hinaus mehrere Gedächtnismünzen Ludwigs XVI. und Ludwigs XIV. Ferner fanden sich 51 Silbermünzen mit Porträts berühmter Franzosen und ähnliches mehr. Der Kardinal tat sich ebenfalls durch äußerst kostbare bischöfliche Insignien hervor. Ein Pektorale, das mit etlichen Diamanten besetzt war, fällt allein mit 660 fl ins Gewicht; auffallend ist die Zahl der Ringe im Besitz des Bischofs. Zum Teil mit Bildnissen verziert - z. B. von Kardinal Armand Gaston de Rohan-Soubise oder auch mit einem weiblichen Porträt - macht ihre Aufzählung mehrere Seiten aus. Uhren, verzierte Petschaften, Tabatieren - eine davon mit dem Porträt von Charlotte de Rohan - Laternen, wertvolle ausländische Tassen, ein Muttergottesbild aus Korallen und wertvolle Schuhschnallen, sind nur einige wahllose Beispiele aus der Fülle der Wertgegenstände.
Unvermittelt tauchen eine Unmenge von liturgischen Gewändern in der Aufzählung auf, die mitten unter anderen Besitztümern aufgeführt und mit 4516 fl 4 ß 6 (Pfg) angesetzt wurden.
Äußerst interessant ist die Aufstellung der Bücher. Abbé
Simon hatte leider das Verzeichnis der meisten Titel in Händen, die daher im
Inventar fehlen
,
doch was wir über die restlichen Titel erfahren, reicht aus, um den Charakter
des Kardinals ein wenig greibar zu wähnen. Die 'Version latine du Livre
classique chou king par la P: Michel Benoist Jesuite francais á Peking', ein
gedruckter Bogen chinesischer Schrift, ein Alkoran in türkischer Sprache, ein
Buch über verschiedene chinesische Operationen und eines über medizinische
Geheimnisse zeigen uns erneut die Vorliebe des Straßburger Kardinals für alles
Fernöstliche, Exotische und Geheimnisvolle. Ein 'Electrometum', ein Apparat zur
Verstärkung des 'Electrums', eine 'Accromatische Waage' und verschiedene
Mikroskope verstärken die Hinweise auf diesen Charakterzug. Die Bekanntschaft
mit Cagliostro liegt ganz auf der Linie einem Vorliebe für das Obskure,
Unbekannte und die Anfänge der Chemie, wie die vielen chemischen Geräte und
die gut bestückte Hausapotheke zeigen.
Neben dem reichlich ausgestatteten
Kleiderkammer fand sic eine Reihe Gewehre und Waffen, die an die Jagdleidenschaf
des Fürstbischofs erinnern, und eine Fülle von Gemälden und Kupferstichen,
geschmackvoller Spiegel, 'Wand= und Hang=Leuchter' - Hinweise auf den Kunstsinn
des Kardinals. Mit den in der Rubrik 'Tapeten und Umhänge' genannten
Wandteppichen, lassen sich 33 Gobelins im Besitz des Kardinals nachweisen, von
denen einige bei der Fronleichnamsprozession 1791 der Öffentlichkeit
zugänglich waren
.
Eine Fülle von Bett- und Federwerk, Leinwand und Getüch, Geschirr und Gläser, Porzellan und Fayencen, Küchengerät und Schreinerwerk, einige musikalische Instrumente, die Ausrüstung für den Keller und mehrere Weine, eine Menge Pferde- und Fuhrgeschirr und übriger Hausrat beschließt die Aufzählung der Habe, vermehrt um einige Seiten noch ausstehender Gelder, die insgesamt 128 691 fl 2 ß ausmachten. Dies war das Aktivvermögen, das 184 643 fl 9ß 8 (Pfg) umfasste.
Oberamtmann Stuber hatte in allen Orten Mittelbadens und in
der Presse Karlsruhes, Frankfurts und Straßburgs die Bekanntmachung erlassen,
dass sich innerhalb einer Frist von zwei Monaten die Gläubiger des Kardinals zu
melden hätten. Mit Erstellung des Inventars war diese Frist abgelaufen. Nur
64 642 fl 46 / ß wollte man von der Fülle der Schuldforderungen
anerkennen; 339 215 fl 58 / ß sollten niedergesprochen werden. Die Folge
war der Konkurs über den Nachlass und eine unermessliche Reihe von Prozessen,
die sich bis zum Jahre 1840 hinzogen
.
Oftmals konnten die Gläubiger den Verlust ihrer Finanzen nicht verkraften.
Zeugnisse menschlicher Tragödien stapeln sich in den Regalen des Badischen
Generallandesarchives in Karlsruhe.
Damit ein Teil des Geldes zurückbezahlt
werden konnte, begann man den Nachlass zu versteigern. Schon im Jahre 1803
finden sich zwei Ankündigungen von Versteigerungen
.
Am 26. und 27. Juni 1811 wurden noch einmal Besitzstücke des
Kardinals versteigert, auch Dinge, die Rohan bei seinem letzten Aufenthalt in
Wien zurückgelassen hatte, wurden veräußert
.
Charlotte, die die Erbschaft nicht mit Aktiva und Passiva angetreten hatte, machte in einem Brief vom 29. September 1803 an den damals schon Kurfürst gewordenen Carl Friedrich den Antritt der Erbschaft von der Frage abhängig, welche Ansprüche der Fürst auf die Hinterlassenschaft mache. Geheimrat von Roggenbach führte die Verhandlungen.
Prinzessin Charlotte wünschte unter anderem, dass Carl
Friedrich das Haus am Turenne-Denkmal in Sasbach mit allem Zubehör kaufe und
die Forderungen wegen der von den Klöstern Ettenheimmünster und Gengenbach zur
Erbauung des Schlosses in Zabern vorgestreckten Summen aufhebe. Die Forderungen
der Klöster ließ der Kurfürst fallen und eine Reihe von anderen Forderungen
übernahm er selbst, namentlich diejenigen des Straßburger Domkapitels, die
sich auf 55.833 fl 20 xr beliefen. Im übrigen willigte er nur in wenigen
Punkten ein. Da Rohan jedoch bis zu seinem Tode von Kaiser und Reich unmittelbar
abhängiger Fürst gewesen sei, die Erbschaftsmasse somit immediat wäre,
forderte Charlotte, diese von einer kaiserlichen Kommission gänzlich
liquidieren zu lassen. Verlauf und Ausgang der Auseinandersetzung sind bis heute
im Dunkel der Archive letztlich verborgen
.
Außer den allerorts lebendig erhaltenen Erinnerungen blieb in
Ettenheim selbst wenig aus dem Nachlass des Kardinals. Ein paar Bilder im
Rathaus stellen die Rohan-Kadinäle dar, während die Büste, die J. N.
Roëttiers de la Tour im Jahre 1783 schuf, die baulichen Veränderungen an der
Kirche, der im Chor noch heute sichtbare Baldachin und vor allem jener
prunkvolle Wappengobelin, der an hohen Festtagen die Rückwand des Baldachins
zierte, allein in Ettenheim verblieben sind. Viele Gegenstände aus dem Nachlass
traten eine unbeschreibliche Irrfahrt an, insbesondere jene Gobelins, deren
Aufenthaltsort erst in den letzten Jahren geklärt werden konnte und die sich
mittlerweile im Besitz des Landes Baden-Württemberg befinden.
.
Geblieben
ist das Grab im Chor der Kirche, das jahrelang für den Nicht-Eingeweihten kaum
zu finden war. Schon bald nach dem Ableben des Kardinals hatte Charlotte zwar
eine Grabinschrift verfasst, deren Inhalt des Leben des Bischofs von Straßburg
mit äußerster Klarheit umschrieb
,
doch wurde dieselbe nie ausgeführt. Nur die Büste des Kardinals stand einige
Jahre im Chor, um an den letzen Rohan auf dem Straßburger Bischofsstuhl zu
erinnern
.
Sicher befand sich auch ein Kreuz an der Stelle, an der das Grab liegt, wie auch
1888, als ein neuer Fußbodenbelag in die Kirche kam, die Stelle mit farbigen
Platten gekennzeichnet worden war
.
Als sich im Jahre 1953 der Todestag zum 150. mal jährte, entstand der Wunsch, eine Gedenktafel für die beiden in der Kirche beerdigten Bischöfe anzubringen. Auch Nachkommen aus der Familie der Rohan bedauerten das Fehlen der Grabinschrift, und so gelang es, eine schlichte Gedenktafel zu schaffen.
Am 5. November 1953 fand anlässlich der Enthüllung dieser Tafel ein feierlicher Gottesdienst statt, an dem der Straßburger Bischof Jean Julien Weber und der Freiburger Weihbischof Dr. Eugen Seiterich, der den erkrankten Erzbischof Dr. Wendelin Rauch vertrat, teilnahmen. Unter den geladenen Gästen befanden sich auch hohe französische Offiziere und Vertreter der Familie Rohan.
Besonderes
Interesse verdient die Predigt, die Bischof Weber in französischer und
deutscher Sprache über Persönlichkeit und Leben seines Vorgängers hielt.
Weber betonte, dass nach einem schnellen und glänzenden Aufstieg eine Zeit
harter Prüfungen folgte, die zum Ausgangspunkt dessen geworden sei, was man als
die Bekehrung des Kardinals Rohan bezeichnen könne. Die Französische
Revolution und deren Auswirkungen hätten ihm reichlich Gelegenheit gegeben,
seine Festigkeit im Glauben, seine Treue zur Kirche und seine Liebe zu den des
Landes verwiesenen Priestern zu beweisen. Sein Klerus und sein Volk habe mit
ehrfurchtsvoller Gegenliebe geantwortet
.
Nach der Predigt enthüllte der Bischof die
Gedenktafel, die bis vor wenigen Jahren die Grabesstelle bezeichnete
.
Anlässlich der jüngsten, grundlegenden Renovierung der Ettenheimer
Stadtpfarrkirche wurde die Grabstelle neu gestaltet und eine neue Gedenktafel
angebracht.
Nicht die Grabinschrift, die Charlotte de Rohan entwarf, zeugt von der einstmaligen Anwesenheit eines Bischofs und Kardinals in Ettenheim, sondern Gedenktafeln, geschaffen aus dem lebendigen Andenken der Stadt an ihren Landesherren. Die Erinnerung an den Fürstbischof verlosch in Ettenheim zu keiner Zeit; wenn auch seine Beurteilung so verschieden und zweideutig wie sein Leben selbst ist. Und jene Gedenktafel ist nicht das Ende der Beziehung zwischen Rohan und Ettenheim. Diese besteht weiter im Geschichtsbewusstsein der Stadt und den unzähligen lebendigen Spuren, die Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, in seiner kleinen Residenzstadt hinterließ.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
Letzte Änderung: 12. Mai 2003