Bereits im Jahre 1791 wurden Gerüchte laut, dass zu den
Gebieten, die als Entschädigung der deutschen Fürsten angeboten werden
sollten, auch die rechtsrheinischen Oberämter des Straßburger Hochstiftes
gehören würden
.
Mit der ihm in den Anfangsjahren der Revolution innewohnenden kämpferischen
Vitalität wehrte sich Louis de Rohan gegen solche Maßnahmen
Am 6. März 1791 erschien in. Ettenheim das
"Manifest
des Herrn Kardinals von Rohan, Fürst=Bischofes
von Straßburg, Landgraferi im Elsaß, und Reichs=
standes an Seine Kaiserl. Majestät und alle
deutsche Fürsten, Seine Hohe Mitstände." ![]()
Rohan pochte dadurch als
ebenso wie die übrigen rechtsrheinischen Landesherren beeinträchtigter
Reichsfürst auf seine Rechte
.
Für ihn war die Wiederherstellung der Zustände vor 1789 die einzig akzeptable
und legitime Möglichkeit. Entschädigungen mittels anderer Territorien lehnte
er verständlicherweise als Ungerechtigkeit ab
.
Der feierliche Protest des Kardinals zeigte
allerdings kaum Wirkung. Bei Gesprächen württembergischer und badischer
Vertreter mit Pariser Verantwortlichen im August 1796, entsagte Württemberg
seinen linksrheinischen Besitzungen, versprach sich, auch gegen die Aufforderung
des Reiches, nie mehr an einem Krieg gegen Frankreich zu beteiligen, und sagte
gemeinsam mit dem badischen Unterhändler, Freiherr von Reizenstein, der
ähnliche Zugeständnisse einräumte, zu, für die Grundsätze der
Säkularisation geistlicher Güter, die Abtretung des linken Rheinufers und den
Verzicht aller deutschen Lehen in Italien bei einem zu erfolgenden
Friedensvertrag einzutreten
.
Bei diesen Verhandlungen ließ sich Württemberg das
Straßburger Oberamt Oberkirch, die Abtei Zwiefalten und die Propstei Ellwangen
von Frankreich versprechen, während Baden neben einigen kleinen und kleinsten
Territorien das Oberamt Ettenheim zugesprochen wurde
.
Im Januar 1798 waren die Pläne von
bevorstehenden 'Ländervertauschungen' ein offenes Geheimnis
.
Am 8. September 1802 nahm die am 24. August - nur einen Tag
vor Rohans letztem Namenstag
- in Regensburg zusammengetretene Reichsdeputation die am 4. Juni in Paris durch
die vermittelnden Mächte Frankreich und Russland abgeschlossene
Mediationskonvention unter Vorbehalt einiger Änderungen grundsätzlich an.
Demzufolge wurde Markgraf Carl Friedrich von Baden unter anderem das
rechtsrheinische Gebiet des alten Hochstifts Straßburg als Entschädigung für
den Verlust von Land und Leuten, die er durch die Abtretung des linken
Rheinufers an Frankreich erlitten hatte, zugesprochen
.
Österreich und Preußen
nahmen die Entschädigungslande, ohne eine letzte Entscheidung von Kaiser und
Reich abzuwarten, umgehend in Besitz
,
und auch Baden wurde durch ein Schreiben, das Brigadegeneral Lauriston am 3.
September Markgraf Carl Friedrich auf Schloss Favorite übergab, von Napoleon zu
einer provisorischen Besitznahme gedrängt
.
Landvogt von Roggenbach, Nachfolger des Oberamtmanns von Blittersdorf von
Mahlberg, erschien daraufhin am 20. September in Audienz vor dem Straßburger
Fürstbischof in Ettenheim, um demselben durch ein markgräfliches Schreiben die
'provisorische Occupation' seines Territoriums anzukündigen
,
Nach Empfang des Schreibens protestierte Kammerpräsident de
Heille feierlich - mehr erfolgte nicht
.
Roggenbach sandte nach Überreichung des
Ankündigungsschreibens - Carl Friedrich hatte angeordnet, dass mit der
militärischen Besetzung bis zu diesem Zeitpunkt gewartet werden müsse
- einen Eilboten nach Bühl zu Obervogt August, Freiherr von Harrant, der mit
der Besitznahme der Herrschaft Oberkirch und der Prämonstratenserprälatur
Allerheiligen beauftragt war. Am 22. September rückten dort die badischen
Soldaten ein. Baron von Lasollaye, der damalige fürstbischöfliche Landvogt,
legte den Beamten keine Schwierigkeiten in den Weg, sondern war zuvorkommend und
ging in. 'jeden und allen Stücken' den Soldaten an die Hand
.
An die militärische Besetzung des Oberamtes Oberkirch schloss
sich unmittelbar die der Prälatur Allerheiligen an. Schon am 23. September
genehmigte der Geheime Rat in Karlsruhe mit anerkennenden Worten sämtliche von
Obervogt von Harrant getroffenen Anordnungen und sprach gleichzeitig dem
Landvogt von Lasollaye für sein zuvorkommendes Verhalten den Dank des
Markgrafen aus
.
Mit Nachricht vom 17. September 1802 wurde Roggenbach
aufgefordert, sich zur provisorischen Besitznahme des Oberamtes Ettenheim bereit
zu halten
.
Doch verspätete sich der Einmarsch um eine Woche, da Roggenbach zunächst die
vorläufige Besitznahme der Reichsstädte Offenburg, Gengenbach und Zell, sowie
der Reichsabtei Gengenbach und des Reichstal Harmersbach durchführte
.
Erst am Montag, 27. September 1802 bestellte Carl Ludwig, Freiherr Schilling von
Canstatt, in Mahlberg fünf Förster und drei Burschen zu Pferd zu sich, die,
vermehrt um Leutnant Brückner und einen Unteroffizier mit 10 Mann nach Kappel,
Grafenhausen, Ringsheim, Ettenheim, Münchweier, St. Landelin und
Ettenheimmünster marschierten, wo überall
"... im Namen unseres durchlauchtigsten Fürsten Besitz
genommen wurde und Patente angeschlagen worden sind.
"
Sicherlich war es kein Zufall, dass Rohan an diesem Tag auf
der Jagd war. Roggenbach war so kulant gewesen, in einem Privatschreiben Stuber
von der Ankunft der Soldaten zu verständigen
.
Im Laufe des Vormittags war Roggenbach in
Ettenheim angekommen und von Hofrat Stuber und Amtschultheiß Kollofrath
empfangen worden. Zu dritt regelten sie die Unterbringung der Soldaten
.
Roggenbach begab sich danach zur fürstbischöflichen Regierung und stellte dort
die militärische Besetzung des Oberamtes fest
.
In
ähnlicher Weise vollzog sich die Besetzung des Klosters Ettenheimmünster
.
Zunächst blieb es bei dieser lediglich militärischen
Besetzung der badischen Entschädigungsgebiete. An ihren bisherigen Verfassungen
war nichts geändert worden, lediglich gegen Anordnungen, die sich etwa zum
Nachteil Badens hätten auswirken können, hatte sich die Besitznahmekommission
verwahrt und im voraus deren Nichtigkeit erklärt
.
Die Zahl der badischen Soldaten, die die
hochstiftischen Lande besetzt hielten, war gering. Nur je neun Mann bildeten die
Besatzung der beiden Oberämter und je drei bis vier Jäger die der beiden
Klöster
.
Man rechnete mit keinerlei Schwierigkeiten
.
Am 26. November verständigte ein persönliches Schreiben des
Markgrafen den Kardinal von der angeordneten staatsrechtlichen Besitzergreifung
und bat um die Entlassung der Beamten aus dem bischöflichen Dienstverhältnis
;
die endgültige 'Zivilbesitznahme' stand bevor.
Am nächsten Morgen versammelten sich die höheren Beamten der
straßburgischen Regierung in der bischöflichen Kanzlei, wo Geheimrat Abbé
Simon in Rohans Auftrag sämtliche Beamten, Diener und Untertanen der Pflichten
gegen ihren bisherigen Herren entließ. Roggenbach erklärte, dass die weltliche
Landesregierung sowie die gesamte bisher vom Hochstift Straßburg, vom dortigen
Domkapitel oder von irgend einem anderen linksrheinischen Stift ausgeübte
Lehensherrlichkeit ab jetzt auf den Markgrafen von Baden übergehe. Roggenbach
verpflichtete die anwesenden Beamten mittels Handschlag auf den badischen
Dienst, mit Ausnahme des Abbé Simon, den sich Kardinal Rohan zur Erledigung
seiner Privatgeschäfte vorbehielt. Präsident de Heille war bei diesen
Vorgängen nicht zugegen. Er verfolgte sie vom benachbarten Zimmer aus, in dem
er durch seine Krankheit festgehalten wurde. Da er wegen allzu großer Schmerzen
in den Händen am Schreiben gehindert war, bat er statt jeder ferneren
dienstlichen Verwendung um Gewährung einer Pension
.
In gleicher Weise vollzog Roggenbach drei Tage später die
Zivilbesitznahme in der Herrschaft Oberkirch. Gleichzeitig belegte er auch
anlässlich der Inbesitznahme der Reichsstadt Offenburg die dortige
domkapitularisch-straßburgische Schaffnei mit Beschlag. Die Beamten wurden
angewiesen‚ ihre Register mit dem 30. November für die, alte Herrschaft
abzuschließen und mit dem 1. Dezember für den Markgrafen zu beginnen
.
Landvogt von Lasollaye wurde mit der
weiteren Durchführung der Zivilbesitznahme der Prälatur Allerheiligen betraut,
während Oberamtmann Stuber für das weitere Schicksal des Klosters
Ettenheimmünster zuständig war
.
4.788 Einwohner des Oberamtes Ettenheim und
21.400 der Oberkircher Herrschaft waren badisch geworden
.
64.626 Seelen hatte Carl Friedrich verloren, 253.396 neue Untertanen gewonnen
.
Zwar war offiziell immer noch Louis de Rohan immediater Reichsfürst, direkt dem
Kaiser unterstellt, doch an der praktisch bereits vollzogenen Inbesitznahme
änderte dies nichts
.
"Den festlichen Abschluß der durch den
Reichsdeputationshauptschluß für Baden eingetretenen so mannigfachen und so
erfreulichen Veränderungen bildeten die Feierlichkeiten des 15. Mai 1803 Durch
den Hinzutritt der Indemnitätslande war Baden so sehr vergrößert worden, daß
es jetzt zu den bedeutenderen Ständen des im Todeskampf liegenden Heiligen
Römischen Reiches gehörte. Äußerlich kam diese Machtsteigerung des badischen
Staats durch die dem Landesherrn bewilligte Rangerhöhung zum Ausdruck. Am 15.
Mai nahm der Markgraf den Titel Kurfürst an. Wie überall in Baden wurde auch
im ehemals Straßburgischen Gebiet dieser Tag festlich begangen. Am frühen
Morgen wurden die Menschen durch Böllerschüsse und das Jubelgeläute aller
Glockengeweckt. In den Kirchen wurden feierliche Dankgottesdienste mit Te Deum
gehalten, wobei die Bürgermilizen paradierten. Nach Beendigung der
Gottesdienste durfte in allen Wirtschaften Tanzmusik veranstaltet werden.
Ausgelassene Freude vereinte alte und neue Untertanen des badischen
Kurfürsten." ![]()
Bald jedoch meinten die Bürger in der ehemaligen Oberen
Herrschaft des Straßburger Hochstiftes Grund zum Klagen zu haben. Das im Jahre
1803 endgültig aufgehobene Kloster Ettenheimmünster trug hier die Hauptlast
der säkularistischen Entwicklung. Hinzu kam, dass die Bischöfe, die ihr Recht,
Truppen auszuheben, in der Regel nur im Falle der Landesverteidigung ausgeübt
hatten, niemals ein stehendes Heer auf Kosten ihrer Untertanen unterhalten
hatten. Dafür hatten sie tausend Gulden an den Oberrheinischen Kreis bezahlt,
die auf die militärdienstpflichtigen Untertanen umgelegt wurden. Ein Vertrag
darüber, dass die Bischöflichen nicht wehrpflichtig seien, wurde allerdings
nie geschlossen und so auch 1802 vergeblich gesucht. Erst nach langen
Verhandlungen wurde der Fall zwei Jahre später entschieden. Am 30. November
1804 bestimmte der Geheime Rat in Karlsruhe, dass bis zur neuen Kreisregelung
von den Einwohnern der ehemaligen Oberämter Ettenheim und Oberkirch die alte
Kreissteuer weiter aufzubringen und an den Kreis zu entrichten sei. Große
Enttäuschung und Erbitterung war die Folge. Man wollte nicht einsehen, dass man
in Zukunft Soldat werden und trotzdem das 'Soldatengeld' weiterbezahlen sollte.
Die Auseinandersetzungen dauerten an
.
Die Bemerkung von Roggenbachs, dass sich die badischen Einkünfte...
"... bei einer guten Oekonomie und Aufsicht hauptsächlich
bei Erhebung der Zehnten, wo das Kloster bisher kaum die Hälfte dessen was ihm
gebührt erhalten haben soll, noch um ein gutes erhöhen lassen..." ![]()
ist darüber hinaus deutlicher Hinweis dafür, dass sich die Erwartungen der Bewohner Ettenheimmünsters an den neuen Landesherren nicht erfüllen sollten
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Letzte Änderung: 12. Mai 2003