Außer Furcht und Unsicherheit halten die Quellen nach Ausbruch der Revolutionskriege wenig fest. Die Zeiten, in denen der Kardinal für Skandale sorgte und in ehrlichem Ringen um die altvertrauten Zustände Soldaten um sich scharte, waren vorbei. Das Interesse der umliegenden Herrschaften an Louis de Rohan schwand. Nur mühsam lässt sich der weitere Lebensweg des Kardinals rekonstruieren.
Auch
nach der Kriegserklärung versuchte man mit dieser schwelenden Unsicherheit
fertig zu werden, indem man die Feierlichkeiten am Ettenheimer Hof fortdauern
ließ, wenn dieselben auch spürbar ruhiger, bescheidener und weniger
spektakulär verliefen. Anfang August 1792 verbrachte der Kardinal drei Tage in
St. Blasien
und am 8. desselben Monats fuhr er mit der gesamten Hofhaltung nach Oberkirch
,
von wo er am 26. dem Kloster Allerheiligen
und am 15. September mit großer Wahrscheinlichkeit dem Badhaus des Schwetzinger
Schlosses
einen Besuch abstattete, bevor er vier Tage später mit seinem Gefolge nach
Ettenheim zurückkehrte
.
Neben Jagden und Spazierritten
sorgten die in Ettenheim beständig anwesenden Franzosen für Abwechslung. Noch
im Winter 1795/96 zogen Feste und Feiern Emigranten nach Ettenheim.
"Keine Artigkeit, keine Gefälligkeit, die der Cardinal
uns nicht erweist", ![]()
urteilte der Duc d'Enghien.
Während am Mittelrhein, in den Niederlanden
und an anderen Kriegsschauplätzen starke Kämpfe stattfanden, war die
Beschießung Kehls
das einzige militärische Ereignis der ersten Kriegsjahre in der Ortenau
Dies war sicherlich mit ein Verdienst Markgraf Carl Friedrichs, der bereits zehn Tage nachdem die Kriegserklärung bekannt geworden war verkünden ließ, dass die französischen Nachbarn zwar mit dem König in Ungarn und Böhmen im Krieg stünden, nicht jedoch mit dem Kaiser, das Reich daher immer noch im Friedenszustand und die Verträge mit Frankreich in Kraft seien. Alles wäre zu tun,
"... dass jene
Kriegs Erklärung das bisherige gute Einverständnis
zwischen den diß= und jenseitigen Landen nichtunter-
brechen werde..." ![]()
Dennoch beherrschte auch am Oberrhein der
Krieg das Geschehen. Die badische Regierung ließ die wichtigsten 'Staats-Effecten
und insbesondere die Hauptarchive' auslagern
und am 25. September 1792 folgte das Lahrer Ruralkapitel, indem das Archiv und
einige Ornate beziehungsweise liturgische Geräte 'ob metum invasionis, ab
insurgentibus et seditiosis gallis' nach Schuttertal gebracht wurden, diesem
Beispiel
.
Die
Quellen berichten von ausgedehnten Truppenbewegungen am Oberrhein
.
Der Raum Kippenheim-Mahlberg diente im Oktober 1792 den im Elsass fechtenden
Condé'schen Soldaten als Hauptquartier, bevor dasselbe Ende des Monats nach
Lahr verlegt wurde
.
In Oberkirch entstand ein Lazarett mit dem Namen 'Rohan'sches Spital'
und am 14. September 1792 wurde 'in dem Kloster Ettenheimmünsterischen Badhaus
zu St. Landolin' ein Lazarett des Condé'schen Korps eingerichtet
,
was im Jahre 1793 zum Ausbruch von 'Fleck-' beziehungsweise 'Faul-Fiebern'
führte
.
Für weitere Belastungen der Bevölkerung
sorgten die Soldaten auf ihre Art
.
Als Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 die Guillotine
bestiegen hatte, sank der Mut der Emigranten nahezu gänzlich. Trotz des Grams
über die Halsbandgeschichte, trotz aller Verbitterung des Kardinals über das
vergebliche Werben um die Gunst der Königin, hatte auch er auf das
Monarchenpaar, die Personifikation des 'Ancien régime', seine ganze Hoffnung
gesetzt. So unversöhnlich der Straßburger Kardinal und die französische
Königin schienen, so ähnlich waren ihre Charaktere, so ähnlich ihr Auftreten
als Vertreter des längst zu Ende gegangenen 'Anden régime'. Unglücklich
mitein- der verstrickt wuchsen diese beiden 'mittleren Charaktere'
in den Herausforderungen dieser Zeit zu einer Größe heran, die ihre
Möglichkeiten bei weitem zu ersteigen schien.
Am 1. Oktober 1792 hatte der Kardinal die Bevölkerung Gebete
für den König und die Königin gebeten
;
knappe vier Monate später urteilte er:
"mortuus est heros verè christianus;
heros!"
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Letzte Änderung: 10. Mai 2003