![]()
![]()
Noch
im Mai 1791 war man darauf bedacht, im Elsas zu retten, was zu retten war.
Amtmann Solf stellte auf Verlangen des Kardinals eine 'Ehescheidungsurkunde von
Tisch und Bett' für den alten Prince de Rohan-Rochefort und dessen Gemahlin
aus, vermutlich um durch diese Maßnahme, die Rohan'schen Güter für die Kinder
der Rocheforts zu erhalten
.
Anfang September 1791 war
dann zu hören, dass der Prince de Rohan-Rochefort das unsichere Grenzland mit
seiner Tochter zu verlassen gedenke. Die Gerüchte über eine Auflösung der
Ettenheimer Hofhaltung vermehrten sich mit der wachsenden Furcht vor einem
französischen Überfall. Anfang November hieß es, dass sich der Prince de
Rohan-Rochefort nach Freiburg, die Prinzessin mit ihrer ersten Hofdame, der
Gräfin von Würmb, nach Koblenz und die zweite Hofdame nach Wien begeben
würden. Auch Rohan solle daran denken, nach Freiburg überzusiedeln
.
Andere Gerüchte sprachen davon, dass sich de Rohan-Rochefort nach Worms
zurückziehen werde, während der Abbé d'Eymar in Trier bereits Räume für die
Prinzessin bestellt haben solle
.
Der Prinz und seine Tochter verließen Ettenheim wahrscheinlich erst am 30.
April 1792
,
wobei Charlotte in Heidelberg blieb, ihr Vater jedoch nach Koblenz weiterzog
.
Bereits
am 28. Dezember dürfte Charlottes Mutter Ettenheim mit zwei schwer beladenen
Wagen verlassen haben
.
Rohan ließ einpacken und dem Vernehmen nach die Pferde beständig im Geschirr
halten, um bei Gefahr rechtzeitig fliehen zu können
.
Bei Nacht wurden auf Wagen verladene Wertsachen aus dem Besitz des Kardinals in
die Schweiz gebracht
.
Dem Beispiel ihres
Landesherren und der benachbarten Herrschaften
,
folgten die Ettenheimer Beamten. Besonders die Juden der Gegend hatten Mühe,
ihre wertvollsten Stücke teils nach Lahr, teils ins Vorderösterreichische und
sogar bis in die Schweiz zu flüchten
.
Weitere vier große, mit Hausrat gefüllte
Verschläge ließ Rohan ins Haus des Stadtschreibers Sartori bringen, damit es
weniger Aufsehen errege, wenn auch diese abtransportiert werden würden; was
allerdings die Dienerschaft nicht hinderte, ihre Habseligkeiten und sogar den
Wein unter den Augen der Öffentlichkeit fortbringen zu lassen
.
Der Kardinal war davon überzeugt, in Ettenheim nicht mehr sicher zu sein und sich auf niemanden mehr verlassen zu können. Am Weihnachtsabend soll er in Gegenwart von Pfarrer Mast geweint und mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen ausgerufen haben:
"Stürmt denn alles Unglück auf mich los." ![]()
Der Wiener Hof betrachtete
die Anwesenheit Rohans auf rechtsrheinischem Territorium als Sicherheitsrisiko.
Seine Bitte, während der in der Folge des Krieges zu erwartenden Unruhen im
'fürstlich Heitersheimischen Haus' in Freiburg wohnen zu können, scheint man
im Januar 1792 abgeschlagen zu haben
,
woraufhin man in Baden vermutete, dass Rohan in St. Peter im Schwarzwald
Zuflucht suchen werde, falls es zu Kämpfen am Oberrhein käme
.
Tatsächlich bemühte sich Rohan um das Schloss in Riegel als Wohnsitz für den
Fall etwaiger Kampfhandlungen
,
während man andernorts sicher annahm, dass der Kardinal bei seinem Metropoliten
in Mainz Unterkunft erhalten werde
.
Obschon Rohan zu Beginn
des Jahres 1792 das Haus kaum noch ohne größere Begleitung verließ
,
wurden die Sicherheitsvorkehrungen, als im Mai das Gerücht laut wurde, 16
verkleidete Jäger seien mit dem Auftrag ausgesandt worden, den Kardinal zu
ermorden, noch einmal verstärkt
.
Die auf Druck der
Anliegerstaaten geschehene Verlegung des Regiments 'Royal Rohan' verstärkte die
Befürchtungen des Kardinals, obwohl am 31. Mai 134 Mann österreichischer
Soldaten als Schutztruppe für den Kirchenfürsten nach Ettenheim verlegt wurden
,
weiter. Am 17. und 18. November 1792 waren erneut einige Ettenheimer unterwegs,
um Rohan'sche Habe ins Ausland - dieses Mal nach Villingen - zu befördern
und im März 1793 ließ der Kardinal, unter dem Vorwand, ungestört spazieren
gehen zu können, einen 'Ausfall' anlegen,
"... durch deß H:
pfarers garthen über die stattmauren durch
in deß H: Laibliß garten, eine stegen hinundter
in daß finster weldelin, auff deß caßpar
=Jegers prelaten guet, Etliche stapflen
hinauff, alß dann kaner fürst ßpaziren
gehn, od(er) flien wo mann will, amen."
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
Letzte Änderung: 10. Mai 2003