| Weiterführende Information |
Henriette Dietz, geb. Stuber, Familien-Nachrichten (Karlsruhe 1853) (Abschrift einer Handschrift) *13-*14; auch die Stubers waren von Einquartierungen nicht verschont. Henriette Dietz, geb. Stuber, berichtet:
"So gab es noch manche Scene. Meine Mutter hatte es in ihrem Hause nicht besser, denn als einstmals die Condé-Anführer der Regimenter miteinander Streit bekamen, zogen sie die blanken Degen neben meiner Mutter, die vor der Wiege meines Bruders sass, und wollten aufeinander losgehen. Meine Mutter tritt mit Würde vor sie hin und sagt: "Meine Herren, wenn Sie Ihren Streit ausfechten wollen, so gehen Sie an einen geeigneten Ort, hier an der Wiege meines Sohnes werde ich dergleichen nicht leiden." - Beide steckten beschämt 'ihre Degen ein und baten meine Mutter um Verzeihung ihres Benehmens. - Meine Eltern hatten alle möglichen Prüfungen durchzuleben, und sie haben sie redlich bestanden. So war, wie ich schon sagte, im Hause beinahe kein Kreuzer Geld vorrätig, und man durfte nicht merken lassen und musste noch ein gutes Gesicht zu der Not machen. Als mein Bruder Louis geboren ward im Jahre 1792, da bot sich der Kardinal Rohan und die Prinzessin Charlotte Rohan-Rochefort, die Nichte des ersteren, zu Taufpaten an (Nach Auskunft der Taufbücher fand die Taufe 1791 statt (Anm. d. Verfassers)). Die Taufe ward natürlich in der Kirche mit grossem Pomp vollzogen, und mein Bruder erhielt die Namen Louis Ren~ Eduart Charles Dorotée. Nach der Taufe schickte der Fürst einen grossen Korb voll Konfekt nebst einem Hauptmann-Patent bei den 50er Leibhusaren (die er zu seiner Leibwache erhielt) für den kleinen Täufling, und die Prin zessin meiner Mutter 50 Ellen Brabanter Spitzen zum Geschenk. Mein Vater musste dagegen dem Bedienten, der diese unnützen Herrlichkeiten brachte, den letzten Kronentaler, den er im Hause hatte, zum Trinkgeld geben! Wären diese Kostbarkeiten Silber gewesen, so hätten sie doch etwas nützen können. So aber kann man sich die betrübten Blicke auf diese fürstlichen Geschenke denken! - Meine Mutter entwickelte bei allen diesen Prüfungen einen Heldenmut und christlichen Geist. Wer hätte je geahnt, daß diese freundliche, liebenswürdige, geistreiche Frau, bei der es jedem immer wohl war, oft sehr oft mit Mangel kämpfen musste, und oft das Notwendigste entbehrte, während sie immer eine offene Hand für andere hatte."
(Henriette Dietz, geb. Stuber, Familiennachrichten (Karlsruhe 1853) (Abschrift einer Handschrift) *13-*14)
Dr. Jörg Sieger - Kardinal im Schatten der Französischen Revolution