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Henriette Stuber, Memoiren einer Ahnherrin (Abschrift einer Handschrift) *3-*4;
"Meine Eltern (...) waren beide sehr feine gebildete Leute, da beide ihre frühere Erziehung in Frankreich erhalten hatten, so daß ihnen der damalige feine Ton nicht fremd war, und alles, was nach Ettenheim kam, besuchte meine Eltern, wo (sic!) daß alle Tage ein ausgesuchter Zirkel bei meiner Mutter war, die darüber dennoch ihre Pflichten als Hausfrau und Mutter keineswegs vergaß, und beides sehr wohl miteinander zu verbinden wußte; so kam es, daß ich immer im Zimmer bei ihr war, ja meistens hatte sie noch eins von den kleinen Kindern auf dem Schoß oder auf dem Sofa neben sich sitzen während sie mit den Prinzessinen Rohan sprach, oder ihnen eine feine weibliche Arbeit zeigte, in denen sie sehr wohl erfahren war oder von dem Herzog von Enghien sich aus seinen früheren Feldzügen erzählen ließ, während mir der Marquis von Sully zeigte, wie man Filet strickte, oder der Maltheser Commandeur von Farques mich ein französisches Liedchen lehrte, und der Baron von Grünstein mir versprach, ich sollte morgen auf dem kleinen Pferdchen und auf dem Sattel der Prinzess Charlotte reiten lernen, diese wollte mir beides schenken, allein da wir keinen Pferdestall hatten, so mußten wir das Geschenk ablehnen, da wir lieber eine Kuh im Stall hatten, die uns Milch gab, als ein Pferd, das uns nichts nützte. Oft, wenn ich aus der Schule kam, spielte ich meistens im Schloßhof, weil mir da nichts geschehen konnte. Der Cardinal hatte einen von den großen Schäferhunden vom Montblanc. Dieser war mir so zugetan, daß ich auf seinem Rücken reiten durfte, was mir lieber war als das versprochene Pferdchen besonders, wenn sich manchmal der Cardinal den Spaß machte, mir aus dem Fenster oben herab in mein aufgehobenes Schürzchen einen Teller voll kleiner Pasteten oder Zuckerwerk herabzuwerfen..."
(Henriette Stuber, Memoiren einer Ahnherrin (Abschrift einer Handschrift) , *3-*4)
Dr. Jörg Sieger - Kardinal im Schatten der Französischen Revolution