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Nachdem
die ersten großen Unruhen der Revolution überstanden waren, stellen wir im
Februar des Jahres 1791 eine erhöhte Furcht vor Aufruhr und Umsturz fest. Am
14. meldet die Speyerische Regierung ihren badischen Nachbarn, dass ein als
Pferde- bzw. Vieh- oder auch Kurzwarenhändler verkleideter Straßburger Bürger
dem Vernehmen nach durch rechtsrheinisches Gebiet ziehe und die Untertanen zu
Aufständen zu ermuntern suche, wobei sicherlich noch mehrere andere unter
ähnlichen Vortäuschungen, um Aufruhr zu stiften, unterwegs seien
.
Warnungen dieser Art waren der Karlsruher
Regierung nicht neu. Bereits am 4. Februar hatte Rohan den Oberkirchischen
Amtsverweser Solf zu sich bestellt, der nach seiner Rückkehr zwei Tage später
in allen Gemeinden des Oberamtes ein auf den 4. Februar datiertes Schreiben der
Öffentlichkeit bekannt machte
.
Am selben Tag warnte Solf das Oberamt
Ortenau vor elsässischen 'Emissären' und unterrichtete daraufhin den Vogt von
Achern. Obervogt von Harrant aus Bühl erstattete seinerseits der
markgräflichen Regierung umgehend Meldung und berichtete von Rohans Anweisung
an die Geistlichkeit, die Bevölkerung vor Aufwieglern zu warnen und zu Ruhe und
Ordnung zu mahnen
.
Der
badische Landvogt von Blittersdorf in Mahlberg
war davon überzeugt, dass sich zum damaligen Zeitpunkt keine französischen
Emissäre im Oberamt Oberkirch aufhielten und ebenso wenig irgendwelche
Regungen, die auch nur von weitem neue Unruhen zu befürchten Anlass geben
könnten, unter dem Volk zu verspüren seien
.
Obervogt von Harrant verwies darauf, dass vor der Aussendung irgendwelcher
'Emissäre' bekanntlich schon seit Jahr und Tag gewarnt werde, ohne dass man
sich bisher viel darum hätte kümmern müssen. Er vermutete, dass die im
Februar 1791 sich häufenden Gerüchte in dieser Sache allesamt auf das
Rundschreiben des Kardinals, der sich beständig mit 'Re- und
Contra-Revolutionen' beschäftige, zurückzuführen seien und wollte die
Warnungen als unbegründet angesehen wissen
.
Auch wenn die Unbegründetheit der
Befürchtungen des Kardinals von allen Seiten beteuert wurde, änderte dies
nichts an Rohans Furcht. Am 10. April 1791 wurde das Mahlberger Oberamt von
Ettenheim aus benachrichtigt, dass der 'Münzcontroler Rivage' aus Straßburg
mit etwa sechs bewaffneten und verkleideten Nationalgardisten am Abend des 9.
Aprils dort, um im Rechtsrheinischen Unruhe zu stiften beziehungsweise andere
'strafwürdige Absichten' zu verfolgen, aufgebrochen sei. Das Oberamt Mahlberg
vermutete, dass man in Ettenheim ein Attentat auf den Kardinal befürchtete
,
unternahm seinerseits jedoch nichts, da man, wenn beispielsweise gegen den dort
angesehenen Rivage 'Arrest-Briefe' erlassen worden wären, mit recht eine
Verstimmung der Straßburger befürchtete. Dem Ettenheimer Oberamt antwortete
man lediglich, dass die nötigen Anweisungen erlassen worden seien und der
Bevölkerung erneut eingeschärft würden
.
Rohan ging im festen Glauben, einen Angriff auf seine Person befürchten zu
müssen, nur noch in starker Begleitung aus; zwei bis drei seiner Bedienten
waren ständig mit geladenen Waffen versehen
.
In
der Beurteilung der Gefahr, in der sich Rohan sah, stehen wir vor ungelösten
Rätseln. All die Gerüchte einfach vom Tisch zu wischen, hieße es sich zu
einfach zu machen. Dass mit ziemlicher Sicherheit Versuche gemacht wurden, von
französischer Seite ins rechtsrheinische Oberamt einzufallen, haben wir bereits
gesehen
.
Jeden nächtlichen Aufruhr in den Lagern der Legion als Probealarm einzustufen
entspricht nach Lage der Quellen sicher nicht der Realität. Wie sicher die
Informationen Rohans, die er allenthalben an die umliegenden Herrschaften
weitergeben ließ, jedoch waren, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.
Als gesichert festhalten dürfen wir, dass
der Fürstbischof von der rechtsrheinischen Bevölkerung keinen Anschlag zu
befürchten hatte
.
Ganz anders gestaltete sich jedoch das Verhältnis zum Elsass. Dass von daher
eine konkrete Bedrohung bestand, glaubte der Kardinal in seiner nächsten
Umgebung feststellen zu müssen. Am
17. Februar 1791 musste er seinen 'Obriststallmeister'
entlassen, da dieser heimlich mit dem Straßburger Bürgermeister korrespondiert
und ihm mehrere geheime Briefe zugestellt hatte
.
Wenn jemand ein Interesse an der Entfernung des Fürstbischofs aus Ettenheim
hatte, so waren es die neuen Machthaber Frankreichs; wenn es eine ernsthafte
Bedrohung des Kardinals im Jahre 1791 gab, so ging sie von jenseits des Rheins
aus.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 9. Mai 2003