
Rohans
theologischer Horizont lässt sich - unter der Voraussetzung, dass der Kardinal
seine Hirtenbriefe schwerlich selbst verfasst hat - aufgrund der Quellenlage
kaum eruieren. Während des gesamten Aufenthaltes in seinem Ettenheimer Exil ist
lediglich eine 'theologische' Äußerung aus dem Mund des Fürstbischofs selbst
überliefert. Als im Frühjahr 1795 der aufgeklärte protestantische Theologe
Friedrich Christian Laukhard den Kardinal in Ettenheim aufsuchte und beide auf
Laukhards Konfession zu sprechen kamen, habe der Straßburger Bischof
geantwortet:
"Das ist einerlei! Die Liebe zum Guten
macht die wahre Religion, der Name tut dazu nichts." ![]()
Wenn wir die Frage der Glaubwürdigkeit von
Laukhards Aufzeichnung - welche letztendlich wohl nicht mehr zu beantworten sein
wird - dahingestellt lassen, so haben wir es mit einer Äußerung Rohans zu tun,
die sicher von wenig theologischem Gespür zeugt. Während die liturgischen und
praxisbezogenen Kenntnisse des Kardinals als durchaus gediegen erscheinen
,
dürfte seine Ausbildung in dogmatischen und systematischen Fragen kaum
zureichend gewesen sein. Daraus jedoch folgern zu wollen, dass Rohan zu keinem
anderen Glaubensbekenntnis fähig gewesen sei, scheint nach Lage der Dinge
allerdings bedeutend zu weit zu gehen. Das energische Eingreifen des
Kirchenfürsten gegen den Umsturz der traditionellen, für sein Empfinden
gottgewollten Ordnung und der kirchlichen Verhältnisse Frankreichs, lässt die
tiefe Verwurzelung innerhalb der katholischen Tradition erahnen. Nicht nur der
Politiker, auch der Bischof, der ganze Mensch waren durchdrungen vom Zeitalter
des 'Ancien régime', aus dem der katholische Glaube und seine Gedankenwelt
nicht wegzudenken war.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 4. Dezember 2001