

![]()
Die
Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes auf dem Kahlenberg
gewährt möglicherweise ein wenig Einblick in die persönliche Religiosität
des Fürstbischofs. Niemals zuvor in der Geschichte der im Süden der Stadt
Ettenheim gelegenen Kahlenbergkapelle scheint die Verehrung dieses Gotteshauses
größer gewesen zu sein, als in den Jahren der Anwesenheit des Kardinals.
Ein Hinweis auf das Interesse an der Kapelle
auf dem Kahlenberg ist die Renovation in der Woche vor dem Pfingstfest des
Jahres 1793
.
Am 20. November wurde das kleine Gotteshaus durch Abbé Francois Regis Weinborn
eingeweiht
.
Von einer weiteren Weihe durch Abbé d'Eymar ist am 15. Dezember die Rede,
anlässlich derer d'Eymar eine Messe auf dem neu gefassten Altar las
.
Montags wurde nach Machleids Angaben regelmäßig ein Gottesdienst in der
Kapelle gefeiert, auf den um 11 Uhr die Glocken der Pfarrkirche hinwiesen
.
Dass
Rohan die Verehrung der Schmerzhaften Mutter Gottes auf dem Kahlenberg
persönlich gefördert hätte, lässt sich aus den Quellen nicht belegen; doch
ist das Zusammenfallen der Blüte der Wallfahrt mit seiner Anwesenheit in
Ettenheim auffallend. Während die Opfererträge im Jahr 1793 bei 2 Gulden
lagen, erbrachten sie 1795 schon über 16 Gulden und stiegen in der Folgezeit
weiter an
.
Die Kapelle erhielt einen eigenen Mesnerdienst. Von Januar 1796 bis Ende Mai des
gleichen Jahres hatte Johann Rauch 24 Wochen lang den 'Kallenberg bedient', im
darauffolgenden Jahr waren es 25 Wochen und 1798 sogar 30
.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die Verehrung nahezu schlagartig wieder ab
.
Sicher lässt sich aus diesen Ereignissen
entnehmen, dass Gedanken der Aufklärung und eines wie auch immer gearteten
Rationalismus dem Kardinal selbst fremd waren
.
Darauf weist auch die Betroffenheit Rohans
durch einen vielbeachteten Vorfall des Jahres 1792 hin. Wie in jedem Jahr hatte
Amtsschreiberin Maria Anna Haßner als gebürtige Böhmin auch am 16. Mai 1792
zu Ehren des Heiligen Nepomuk einen Blumenstrauß an das Kreuz auf dem Arm der
Brunnenfigur des Ettenheimer Nepomukbrunnens
gebunden.
"... dißer strauß
aber ware 5 wochen und 3 dag an dem
cruxifix
wo der heilig auff dem arm ligen hat, angebunden,
ohne Grund, ohne Wurzel, an einem düren stengel,
ßo abgehauen ware, ßo that die weiße lilien den
25=te(n) brachmonat vollkomen auffgangen und
anfangen zu bliehen, acht dag lang frisch und schön
an dißem diren stein, daß unßer Gnädiger lants
fürst und cardinal, weltlich(en),.ßambt Geistlichen, ßambt
der ganzen gemein, ßich thuet verwunderen, und thäte
=fremde leuth glein, und große, Junge, und alt, diße
wunderßach zue ßehen, hiehero kamen ßein, und alda
vor dem bildnuß, nider kneien und betten thuen,
Waß eß noch bedeiten thuet ist allein Gott bekant,
hoffentlich nix übelß."
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
Letzte Änderung: 8. Mai 2003