Zur nächsten SeiteZur vorigen SeiteIII. Wallfahrten und Volksfrömmigkeit

Erste Seite des Fastenbriefes des Jahres 1794Letzte Seite des Fastenbriefes des Jahres 1794Zu einem Bild auf dieser SeiteZu einem Bild auf dieser SeiteDie Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes auf dem Kahlenberg Weiterführende Information gewährt möglicherweise ein wenig Einblick in die persönliche Religiosität des Fürstbischofs. Niemals zuvor in der Geschichte der im Süden der Stadt Ettenheim gelegenen Kahlenbergkapelle scheint die Verehrung dieses Gotteshauses größer gewesen zu sein, als in den Jahren der Anwesenheit des Kardinals.

Ein Hinweis auf das Interesse an der Kapelle auf dem Kahlenberg ist die Renovation in der Woche vor dem Pfingstfest des Jahres 1793 Weiterführende Information. Am 20. November wurde das kleine Gotteshaus durch Abbé Francois Regis Weinborn eingeweiht Joann Conrad Machleid, Diarium II, *161v. Von einer weiteren Weihe durch Abbé d'Eymar ist am 15. Dezember die Rede, anlässlich derer d'Eymar eine Messe auf dem neu gefassten Altar las Joann Conrad Machleid, Diarium II, *162r. Montags wurde nach Machleids Angaben regelmäßig ein Gottesdienst in der Kapelle gefeiert, auf den um 11 Uhr die Glocken der Pfarrkirche hinwiesen Joann Conrad Machleid, Diarium II, *162r.

Dass Rohan die Verehrung der Schmerzhaften Mutter Gottes auf dem Kahlenberg persönlich gefördert hätte, lässt sich aus den Quellen nicht belegen; doch ist das Zusammenfallen der Blüte der Wallfahrt mit seiner Anwesenheit in Ettenheim auffallend. Während die Opfererträge im Jahr 1793 bei 2 Gulden lagen, erbrachten sie 1795 schon über 16 Gulden und stiegen in der Folgezeit weiter an Hubert Kewitz / Dieter Weis, Die anderen kirchlichen Denkmäler in Ettenheim, in: Dieter Weis, St. Bartholomäus Ettenheim (München / Zürich 1982) 150. Die Kapelle erhielt einen eigenen Mesnerdienst. Von Januar 1796 bis Ende Mai des gleichen Jahres hatte Johann Rauch 24 Wochen lang den 'Kallenberg bedient', im darauffolgenden Jahr waren es 25 Wochen und 1798 sogar 30 Hubert Kewitz / Dieter Weis, Die anderen kirchlichen Denkmäler in Ettenheim, in: Dieter Weis, St. Bartholomäus Ettenheim (München / Zürich 1982) 150. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die Verehrung nahezu schlagartig wieder ab Hubert Kewitz / Dieter Weis, Die anderen kirchlichen Denkmäler in Ettenheim, in: Dieter Weis, St. Bartholomäus Ettenheim (München / Zürich 1982) 150.

Sicher lässt sich aus diesen Ereignissen entnehmen, dass Gedanken der Aufklärung und eines wie auch immer gearteten Rationalismus dem Kardinal selbst fremd waren Weiterführende Information.

Der Ettenheimer NepomukbrunnenDarauf weist auch die Betroffenheit Rohans durch einen vielbeachteten Vorfall des Jahres 1792 hin. Wie in jedem Jahr hatte Amtsschreiberin Maria Anna Haßner als gebürtige Böhmin auch am 16. Mai 1792 zu Ehren des Heiligen Nepomuk einen Blumenstrauß an das Kreuz auf dem Arm der Brunnenfigur des Ettenheimer Nepomukbrunnens Weiterführende Information gebunden.

"... dißer strauß
aber ware 5 wochen und 3 dag an dem cruxifix
wo der heilig auff dem arm ligen hat, angebunden,
ohne Grund, ohne Wurzel, an einem düren stengel,
ßo abgehauen ware, ßo that die weiße lilien den
25=te(n) brachmonat vollkomen auffgangen und
anfangen zu bliehen, acht dag lang frisch und schön
an dißem diren stein, daß unßer Gnädiger lants
fürst und cardinal, weltlich(en),.ßambt Geistlichen, ßambt
der ganzen gemein, ßich thuet verwunderen, und thäte
=fremde leuth glein, und große, Junge, und alt, diße
wunderßach zue ßehen, hiehero kamen ßein, und alda
vor dem bildnuß, nider kneien und betten thuen,
Waß eß noch bedeiten thuet ist allein Gott bekant,
hoffentlich nix übelß." Joann Conrad Machleid, Diarium II, *221r

Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 8. Mai 2003