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In
der Folge des Konzils von Trient hatte Kardinal Karl im Jahre 1607 ein den
Jesuiten anvertrautes Seminar für die Weltkleriker in Molsheim errichtet, das
von Erzherzog Leopold weiter ausgebaut worden war. Die Jesuiten waren zu einem
großen Teil an der katholischen Erneuerung in der Straßburger Diözese
beteiligt gewesen. Bereits 1557 weilte Petrus Canisius in Zabern, 1558 predigte
er in Straßburg und 1567 kam er erneut ins Elsass. Unter Bischof Johann von
Manderscheid, der die Jesuiten 1580 in Molsheim ansiedelte, hatte der Plan eines
Jesuitengymnasiums Gestalt angenommen. Trotz zweimaliger Vertreibung in den
Jahren 1592 und 1610 entfalteten sie eine fruchtbare Tätigkeit in ihrem Kolleg,
dem Seminar, in der Akademie und in der ganzen Umgebung. Von Molsheim aus waren
1604 eine Niederlassung und ein Gymnasium in Hagenau und 1615 in Schlettstadt
gegründet worden. Bereits 1632 konnte ein Haus in Ottersweier eröffnet werden.
Durch diese Einrichtungen wurde das geistige und wissenschaftliche Niveau der
oberen Schichten sowie der sittlich-religiöse Stand des einfachen Volkes in der
Straßburger Diözese entscheidend gefördert
.
1682 - das Straßburger Bistum hatte sich deutlich nach Paris
ausgerichtet - kam ein Vertrag mit den Jesuiten im Einvernehmen mit dem König
und dem Domkapitel zustande, wonach jene das Molsheimer Seminar nach Straßburg
in den Bruderhof überführen sollten, und 1685 wurde in Straßburg ein eigenes
Jesuitenkolleg eingerichtet
.
Infolge verschiedener königlicher Edikte erhielten die französischen Jesuiten
der Provinz Champagne schließlich das Straßburger Seminar, während die
Kollegien zu Molsheim, Hagenau und Schlettstadt der deutschen Ordensprovinz bis
zu deren Auflösung im Jahre 1765 erhalten blieben
.
Die über die Grenzen Frankreichs herausragende Diözese
Straßburg bildete in Molsheim die aus der Ortenau kommenden Kandidaten aus,
während die elsässischen Theologiestudenten im Straßburger Seminar ihren
Studien nachgingen
.
Nachdem am 1. Oktober 1765 die Aufhebung der Gesellschaft Jesu auch in
Straßburg vollzogen wurde, übernahm der Weltklerus den höheren und mittleren
Unterricht in den umgestellten Kollegien von Straßburg und Molsheim
.
Erst die Französische Revolution schuf neue Voraussetzungen für die
Priesterbildung.
Obschon der am 6. März 1791 gewählte
konstitutionelle Straßburger Bischof das Seminar bei sich behalten wollte,
sprachen sich die Seminaristen einhellig für ihren eigentlichen Bischof aus.
Die Folge davon war, dass das Seminar aufgehoben wurde. Etwa 60 Seminaristen
verließen Straßburg und begaben sich über den Rhein in die Obhut des
Kardinals
.
Am
31. März trafen fünf Seminaristen mit ihren 'Instructores' in Ettenheim ein,
wo sie über Nacht blieben, um am anderen Tag in das Kloster Schuttern
weiterzureisen; dort sollten sie 'biß außtrag der ßach' bleiben
.
Das Kloster hatte sich bereit erklärt - vorbehaltlich der Zustimmung der
Freiburger Regierung - das Seminar in Zukunft zu beherbergen
.
Ebenso beteiligten sich auch die Benediktinerabteien in Gengenbach und
Ettenheimmünster an der Unterbringung der Seminaristen
.
Am 2. April 1791 führte der Kardinal selbst 'etlich zwanzig' Studenten in den
Ettenheimmünster'schen Konvent, wo dieselben unter der Leitung zweier Priester
zunächst verbleiben sollten
.
Am 11. April wurde die Karlsruher Regierung darüber informiert, dass der
größte Teil der Seminaristen in Ettenheimmünster, die übrigen in Schuttern,
Gengenbach und Schwarzach untergebracht waren
.
Die Klöster trugen die Last, diese Gäste zu beherbergen, allerdings nur
ungern. Der Schutterner Prälat griff daher zum damals üblichen Mittel, der
Freiburger Regierung neben dem Gesuch, das Seminar für die straßburgische
Diözese in Schuttern errichten zu dürfen, die geheime Bitte zuzustellen,
dieses Gesuch negativ zu bescheiden, um einer längeren Unterbringung der
Studenten zu entgehen. Anfang Mai 1791 wurde in Freiburg der Antrag des
Schutterner Konvents abgelehnt, und die Errichtung des Seminars in Schuttern war
damit unmöglich geworden. Dennoch verblieb ein Teil der Studenten noch geraume
Zeit im Kloster Schuttern, zum größten Leidwesen des Konvents
.
Am 18. Juni weilte der Kardinal persönlich in Schuttern und
spendete dort im Kloster sowohl den Kandidaten für das Welt- als auch
Ordenspriestertum die hl. Weihen. Für die Straßburger Diözese wurden bei
diesem Anlass Subdiakone, Diakone und Priester geweiht
.
Acht Tage später versammelte sich ein Teil des Priesternachwuchses in
Ettenheim, um gemeinsam mit dem Bischof der Feier des Fronleichnamsfestes
beizuwohnen
.
Im Juli befanden sich immer noch 14 Semianaristen in Schuttern,
die, wie man dem Kardinal in selbigem Monat zu verstehen gab, im August den
Konvent endgültig zu verlassen hätten. Der Prälat von Schwarzach erklärte
sich daraufhin bereit, sieben von ihnen aufzunehmen
,
Ein Teil der Seminaristen wurde auf Schloss Wolfsau untergebracht
‚
während wieder andere nach Kloster Allerheiligen übersiedelten, wie der 'Liber
Renovationis Votorum ab anno 1727 usque 1802' zeigt. Für das ganze Jahr 1792
ist deren Aufenthalt dort weiter belegt
.
In Ettenheimmünster hatte man den Studenten bis zum 11.
Oktober 1791 Unterkunft gewährt. Sie waren mit ihrem Vizeregens, Direktor und
Professor innerhalb der Klausur untergebracht, im unteren Stock der Abtei, wo
auch ihr Studierzimmer lag. Die Mahlzeiten nahmen sie gemeinsam mit den
Religiosen des Klosters im Refektorium ein. Im Oktober mussten die Seminaristen
das Kloster verlassen, da ihnen der Konvent keinen weiteren Aufenthalt zugestand
.
Bevor das Kloster die Seminaristen wieder aufnehme - was der Kardinal, der für
die Studenten keine andere Unterkunft habe, dringend verlangte - solle das
Kostgeld für den bisherigen Aufenthalt bezahlt werden. Rohan stellte hierauf
einen Wechsel über 4392 Livres auf das Seminar aus, welches diesen Betrag dem
Kloster
"... mit dem Bedinge, wenn es wiederum zu seinen Handen
sollte gestellt werden..."
,
bezahlen sollte. Im entgegengesetzten Falle müsse sich das
Kloster damit trösten, ein Werk der Barmherzigkeit geübt zu haben. Das Kloster
müsse sich 'in Zeit und Umstände schicken', wie auch Rohan selbst alles
verloren habe
,
Ettenheimmünster musste die 12 Studenten, die in der ersten Novemberhälfte
1791 gemeinsam mit ihren Vorstehern erneut einzogen, auf seine Kosten
unterhalten, wies denselben allerdings einen eigenen Speiseraum zu
.
Über den Aufenthalt der
Serninaristen selbst ist recht wenig bekannt. Vizeregens Franz St. Quentin tat
sich einige Male durch seine Rednergabe hervor. Am 11. Dezember hielt er eine
kurze Ansprache bei der Fahnenweihe der Gegenrevolutionstruppen, und anlässlich
des Todes von Abt Landelin Flum im Jahre 1793 übertrug man ihm die Trauerrede
.
Als 1793 im Münstertal das Fleckfieber ausbrach, wurde auch er infiziert. Er
überlebte die Krankheit nicht und wurde auf dem Friedhof bei St. Landelin
beigesetzt
.
Auch zwei Seminaristen fanden durch die Seuche den Tod. Die übrigen Studenten
verblieben bis zum Jahre 1796 im Benediktinerkloster Ettenheimmünster
.
Die Seminaristen, die an
anderen Orten der Straßburger Diözese untergebracht waren, machten lediglich
durch die verschiedentlich gespendeten Weihen auf sich aufmerksam. Im Jahre
1791, am 17. Dezember, weihte Weihbischof Lanz in der Klosterkirche von
Gengenbach Welt- und Ordenspriester
.
Am 22. Dezember 1792 fanden Weihen in Offenburg, am 21. September 1793 wieder in
der Klosterkirche Gengenbach statt
.
Im Jahre 1794 sind im Ettenheimer Raum 24 Seminaristen belegt, von denen 12 nach
Allerheiligen verlegt wurden, wo sie unter Direktor Beckmann und Bruno Franz
Liebermann, ehemaliger Lehrer am Straßburger Seminar, ihren Studien nachgehen
sollten
.
Am 30. Mai 1795 fand zum vorläufig letzten Mal eine Weihe in
der Pfarrkirche von Hofweier statt
.
Andere elsässische Theologen erhielten ihre Weihen in ihrem jeweiligen Exil in
den übrigen deutschen Diözesen, in der Schweiz bis hin nach Italien
.
Durch die im Jahre 1796 über die Ortenau hereingebrochenen militärischen Ereignisse versiegen die Quellen über den Priesternachwuchs in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts. Das Schicksal der Seminaristen in diesen Jahren entzieht sich fast völlig unserem Zugriff.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 7. Mai 2008