Zur nächsten SeiteZur vorigen SeiteVIII. Gefahr für Leib und Leben

Die Lebenshaltungskosten in Ettenheim stiegen allmählich an GLA 74-6284, 166v-167r, und im September 1791 traten im Oberamt 'Faulfieber' auf GLA 74-6283, 160v vgl. Joann Conrad Machleid, Diarium II, *133v. Hinzu kam die wachsende Bedrohung der Bevölkerung durch eine Reihe schwerwiegender Verbrechen.

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1. Zwischen Wald und Reben

Der Oberkircher WinzerbrunnenIm Juli bereits war die Mirabeau'sche Legion in Wildereiverdacht geraten. Im Wirtshaus Linde in Wittenweier beobachte man am 2. Juli vier Soldaten beim Treffen von Vorbereitungen Weiterführende Information. Einen Tag später verzehrten vier andere Soldaten in" der gleichen Wirtsstube einen mitgebrachten Hasen, ohne dass man ihnen etwas beweisen konnte GLA 74-6282, 103r.

Zur Zeit der Weinlese begannen Soldaten gruppenweise, um vor den Rebbannwarten sicher zu sein, die Rebberge heimzusuchen. Die Bannwarte wagten nicht, die Bewaffneten festzunehmen, und kaum eine Frau wagte sich noch allein in die Reben Weiterführende Information. Als Anfang September 1791 eine arbeitende Frau auf badischem Territorium von acht Soldaten überrascht wurde und sich gerade noch rechtzeitig zurückziehen konnte, beschloss das Oberamt Mahlberg, die Rebwachen zu verdoppeln und in Ettenheim zu protestieren Weiterführende Information. Oberamtsverweser Stuber antwortete umgehend auf das Mahlberger Schreiben vom 7. September GLA 74-6283, 160r und sicherte strengste Bestrafung der Übeläter, die man erwischen würde, zu GLA 74-6283, 190r GLA 74-6283, 191r. Der Kardinal entschuldigte sich schriftlich beim Markgrafen für die Vorkommnisse GLA 74-6284, 55r/v. In der Folge enden diese Zwischenfälle. Der letzte nennenswerte Vorfall ereignete sich Ende September, als mehrere 'Volontairs' in den Rebbergen von Ettenheimer Bürgern - trotz heftiger Gegenwehr mit den Seitengewehren - festgenommen und Oberamtsverweser Stuber ausgeliefert wurden Weiterführende Information.

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2. Willkür, Schikane und übertriebene Strafen

Das übergroße Misstrauen der Verantwortlichen in Ettenheim, vorab des Kardinals, als auch die Versuche, Soldaten mit Wacheschieben und Patrouillen zu beschäftigen, bedingten eine Reihe von Zwischenfällen.

Frühzeitig hatte man Posten in Ringsheim errichtet, die Passanten anhielten und über Herkunft und Ziel bzw. Zweck ihrer Reise befragten. An einem Tor der Residenzstadt war ein 12- bis 13jähriger Junge postiert, der selbst von dort stammend Straßburger Bürger identifizierte GLA 74-6281, 239v.

Kappel am RheinAm 21. April 1791 wurde der Sonnenwirt Caspar Jenne von Teningen ohne Angabe von Gründen in Kappel verhaftet, nach Ettenheim abgeführt und erst am darauffolgenden Tag wieder freigelassen GLA 74-6281, 178r/v. Einem Kaufmann von Riegel widerfuhr ähnliches bei Ringsheim Weiterführende Information. Vor allem aber waren es Elsässer, insbesondere Straßburger, die unter der Willkür der Soldaten zu leiden hatten Vgl. GLA 138-83, 158r.

Ein Straßburger namens Genshirt, der aufgrund von Erbschaftsangelegenheiten in Emmendingen war, wurde auf dem Rückweg in Ringsheim angehalten, in Ettenheim 'eingetürmt' und am anderen Morgen mit der Entschuldigung, dass ein Versehen der möglicherweise angetrunkenen Soldaten vorgelegen habe, wieder entlassen GLA 138-83, 158r/v.

Am 21. Mai wurde Friedrich Hofmann aus Westhausen in Kappel von Soldaten, solange bis der dortige Stubenwirt eingriff, verprügelt Weiterführende Information. Als 40 Mann am. 29. Mai mit einem Schiff von Basel kommend in Kappel anlegen wollten, hielt man sie dort für die Vorhut einer Invasion der Franzosen. Das Schiff wurde, allerdings ohne größeren Schaden anzurichten, beschossen GLA 74-6282, 34v.

Bereits einen Tag später ereignete sich in Kappel der nächste Zwischenfall. Zwei oder drei Straßburger Schiffleute wurden, während sie Holz in Kappel abholen wollten, als verdächtig verhaftet und, obschon der dortige Stubenwirt für ihre Zuverlässigkeit bürgte, mit 'Stock streichen' belegt Weiterführende Information.

Am 10. Oktober sollen in Oberkirch die Wirte Grimeisen und Kiener aus Straßburg mit Schimpfworten überhäuft und

"... meuchelmörderischer Weise an hellem Tage,
sowohl in dem Ort, als auf öffentlicher
Landstraße geschlagen und fast getödet
                                     worden (sein)." Weiterführende Information

Wenige Tage später wurde Catarina Herr als angebliche Spionin des Maire von Straßburg misshandelt Weiterführende Information, während der Hänfer Michael Mißmer für vielleicht etwas gewagte Worte im November eine Nacht in Haft verbringen und 12 Taler Strafe bezahlen musste. Darüber hinaus erhielt er 50 Hiebe auf den Hintern Weiterführende Information. Besonders übel wurde es in Straßburg aufgenommen, als der von dort stammende Johann Jacob Jung am 7. Dezember mit seinem Vater an der Rheinbrücke in Kehl belästigt wurde Weiterführende Information.

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3. 'Mißliebige Händel und Sittenverderbl. Verführungen'

Opfer einer Unzahl schwerer Verbrechen wurde vor allem die einheimische Bevölkerung. Im ganzen Oberamt Ettenheim beschuldigte man die Soldaten, besonders die gebürtigen Franzosen, immer wieder Frauen bedroht zu haben GLA 74-6281, 205r/v. Dies wurde mit Sicherheit durch Feste in Ettenheim gefördert. Tanzveranstaltungen in der Stadt zogen die Jugend der Umgebung in nicht geringer Zahl an Weiterführende Information.

EttenheimweilerAls im Juli 1791 ein 12jähriges Mädchen vergewaltigt wurde, war dies letzter Anlass für die Errichtung des Lagers in Ettenheimweiler Weiterführende Information. Wie notwendig es war, für eine bessere Kontrolle über die Soldaten zu sorgen, zeigt auch der Vorfall vom 6. Juli 1791. Abends zwischen 6 und 7 Uhr stiegen einige Soldaten in ein Ettenheimer Bierhaus ein, wo sie mit den beiden Töchtern des Besitzers 'nach Gefallen umgehen wollten'. Nur durch 'Feurio-Rufe' gelang es den sich wehrenden Wirtsleuten, den Soldaten Einhalt zu gebieten und die Bevölkerung zu Hilfe zu rufen.

Nachdem die herbeigeeilte Wache, um die Unruhen beizulegen, zwei Bürger verhaftet hatte, wollten die aufgebrachten Ettenheimer Sturm läuten, wurden allerdings durch Soldaten daran gehindert. Da man jedoch auf der Freilassung der Inhaftierten bestand und der Tumult immer größere Ausmaße annahm, ließ Mirabeau Militär aufmarschieren und den Feuerbefehl auf die Bevölkerung geben. Im letzten Moment konnte die Ausführung aber durch die Ortsverwaltung und angesehene Bürger verhindert werden; die Inhaftierten wurden freigelassen, und die Bürgerschaft gab sich damit zufrieden Weiterführende Information.

Auch als die Lager eingerichtet waren, dauerten die Zusammenstöße mit der Bevölkerung fort. In Lauterbach misshandelten am 1. September 1791 Soldaten bei einer Auseinandersetzung in einem Wirtshaus den Wirt, dessen Ehefrau und das Gesinde. Ein Bauernbursche wurde schwer verwundet und einem Werber, der zum Frieden mahnte, mit einem Stein das Auge ausgeworfen Weiterführende Information. Im Oktober fügte man einem Wirt in Kappel eine gefährliche Verletzung im Unterleib zu Weiterführende Information. Als am Barbaratag 1791 ein Bürgerssohn, der sich als Schneider anwerben lassen wollte, ohne Erlaubnis über ein von Truppen bewachtes Feld ging, wurde er von einem Jäger erschossen Weiterführende Information. Schimpfreden über den Kardinal wurden in Ettenheim laut und mehrten sich, nachdem ein weiterer Bürgerssohn im Dezember an einer Wirtshaustüre von einem Soldaten mit jemand anderem verwechselt und durch einen Säbelhieb im Unterleib so verwundet wurde,

"... daß die Gedärme sich gleich aus der Wunde gedränget." Weiterführende Information

Von weiteren grausamen Verbrechen zeugten die zwei Leichen, die man um die Jahreswende in Renchen in einem Dunghaufen gefunden hatte GLA 74-6285, 34r, und vor allem die vielen Frauenschicksale der Jahre 1791 und 1792. Dreißig Frauen wurden durch Soldaten schwanger, eine sogar 'venerisch angesteckt' Weiterführende Information. Am 22. Januar 1792 wurde Chatarina Beck in den Turm gesperrt. Unter dem Boden eines Schweinestalles hatte man die Leiche ihres unehelichen Kindes gefunden Weiterführende Information.

Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 6. Mai 2003