Zu der Zeit, als der Prince de Rochefort am
2. März 1791 Ettenheim verließ, um nach Rom zu reisen
‚
wandten sich die Reichsstädte Zell am Harmersbach und Gengenbach an den
Markgrafen in Karlsruhe. Ein Graf von Meon und ein Graf von Mirabeau, die sich
im 'Römischen Kaiser' in Freiburg aufhielten, hätten in diesen Städten
bezüglich der Unterbringung einiger Leute anfragen lassen. Gengenbach wie Zell
teilten Carl Friedrich mit, dass sie dieses Ansinnen negativ beschieden hätten
.
Anders hingegen reagierte Rohan auf das
Begehren des Boniface Louis Riqueti, Vicomte de Mirabeau
.
Anfang
März wurden die Wirte des Oberamtes befragt, wie viele Leute sie aufnehmen
könnten, und welches Kostgeld zu entrichten sei
.
Am 7. März wurde Abt Landelin Flum von Ettenheimmünster ersucht, die Erlaubnis
zur Unterbringung mehrerer Leute bei den Wirten auf klösterlichem Gebiet für
vier bis sechs Wochen zu erteilen. Obgleich der Abt sich damit entschuldigte,
das Kapitel zunächst befragen zu müssen, zweifelte niemand daran, dass sich
der Fürstbischof um die sicher ablehnende Antwort desselben nicht kümmern
werde
.
Ohne Zögern ließ der Kardinal durch seinen Kammerdiener beim klösterlichen
Wirt zu Sankt Landelin erfragen, wie hoch das Kostgeld für 40 bis 50 'Söhne
von französischen advocaten, und Procuratoren' sei
.
"Solchergestalten wird der Sa
elplaz
der Fran=
zösischen und zu einer gegen Revolution besti
-
ten Emigranten die hiesige gegend seyn, woher
sich grosses Unheil vor das hiesige Ober Amt, und
das Ober Amt Hochberg ergeben wird, ..." ![]()
... befürchtete das Oberamt Mahlberg
.
Am 11. März begab sich
der erste Kammerdiener des Kardinals nach Grafenhausen und Ringsheim, um die
ersten Truppen anzumelden, die am 14. eintreffen sollten
.
Zwei Tage später, am Sonntagabend, trafen mehrere Abteilungen von sogenannten 'aristocratischen
Rekruten', die jeweils zehn bis zwanzig unbewaffnete Mann umfassten und mit
Pässen des Oberamtes Rötteln und der Stadtschreiberei von Schopfheim versehen
waren, im Oberamt Hachberg ein. In Bötzingen, Eichstetten, Nimburg und
Bahlingen übernachteten die Soldaten, bevor sie am folgenden Montagmorgen nach
Ettenheim weitermarschierten
.
Täglich vermehrte sich die Anzahl des 'von
denen französischen mißvergnügten großen engagirten Volks', das vornehmlich
aus den südlichen Gegenden des Reiches nach Ettenheim geführt wurde. Mehrere
Wirtshäuser in der Stadt waren bereits am 18. März gefüllt, und auch in
Weiler, Ringsheim und Grafenhausen befanden sich Soldaten. Allein am 17. kamen
40 Leute und 54 Pferde, die immer vier und vier zusammengekoppelt neben einem
Bagage-Wagen nach Ettenheim gebracht wurden. Man führte die Tiere nach
Grafenhausen und brachte sie am Ortsaus- gang in Richtung Kappel unter
.
Für Aufregung bei den Nachbarn des
Hochstiftes sorgte die Äußerung eines Reitenden. Als man ihm auf die Frage, ob
das Land des Kardinals groß sei, antwortete, es bestehe nur aus der Stadt
Ettenheim und einigen wenigen Dörfern, wunderte sich der Fremde, wo denn die
vielen noch nachfolgenden Leute untergebracht werden sollten
.
Bis zum 22. März hatte sich das für die Gegenrevolution bestimmte Volk auf
vierhundert Mann verstärkt. Weitere 200 wurden für die nächste Zukunft
erwartet
.
Zunächst
vermehrten sich die Soldaten vor allem durch französische Deserteure
.
Das Oberamt Mahlberg schätzte die in der Nachbarschaft untergebrachten Soldaten
am 26. März bereits auf 500 Mann, und allenthalben hörte man das Gerücht,
dass sich diese Zahl in Kürze verdreifachen werde
.
In den Dörfern des Oberamtes wurde inzwischen jeder, der eine Muskete tragen
konnte, angeworben
.
Sobald die Truppen bewaffnet seien, sollten jedem Soldaten 50 Livres Handgeld
ausgezahlt werden
.
Täglich kamen Fremde in die Stadt und alle 'Logis' waren besetzt
.
Zu viele waren im kleinen Ettenheimer Oberamt einquartiert, und von der
Nachbarschaft war keine Unterstützung zu erwarten
.
Während sich Mitte April die Zahl der Angeworbenen noch immer auf etwa 500
Personen belief
,
soll die Kavallerie allein Ende April bereits 500 Mann stark gewesen sein
.
Noch waren die vielen Fremden für die Bevölkerung des Oberamtes Ettenheim
keine übergroße Belastung. Es scheint trotz der großen Zahlgelungen zu sein,
unter den Truppen 'gute Manneszucht' zu halten. Kaum Desertionen sind zu dieser
Zeit belegt
‚
und auf dem Anfang April gehaltenen Jahrmarkt waren lediglich drei bis vier
Soldaten anzutreffen gewesen, die sich ruhig verhielten und sich beizeiten in
ihre Quartierte begaben
.
Noch zu Beginn des Monats Mai - Machleid sprach zu diesem Zeitpunkt von 700
Soldaten - soll keine Verteuerung der Grundnahrungsmittel festzustellen gewesen
sein
.
Für den 16. und 17. Mai
ist die Ankunft von zwanzig weiteren Rekruten in Ettenheim belegt
,
und am 25. trafen wiederum zwanzig Personen ein, die - größtenteils Offiziere
- 22 Pferde für die Husaren des Landesfürsten mitbrachten
.
Um
weitere Soldaten unterbringen zu können, hatte Rohan bereits Anfang Mai im
Oberamt Oberkirch bei den Wirten anfragen lassen, ob sie bereit wären, einige
derselben zu übernehmen, da sie in Ettenheim zu eng aufeinander lägen
.
In Renchen gab man Landvogt Bruder
jedoch deutlich zu erkennen, dass der Kardinal, wenn er dort Truppen
unterbringen wolle, eine Kaserne errichten solle. Dagegen war zumindest ein Wirt
der Stadt Oberkirch und sämtliche Oppenaus zur Übernahme von Soldaten bereit
.
Zunächst wurden von Ettenheim aus jedoch nur 100 Mann in die Untere Herrschaft
des Straßburger Fürstbischofs verlegt, da dem Kardinal 300 bisher in Worms
einquartierte Mann vom Prince de Condé zugeteilt worden waren, die Rohan im
Oberamt Oberkirch unterzubringen gedachte
.
Im Gegenzug sollte die Kavallerie Ende Mai in Richtung Worms abgehen - in
Ettenheim und Umgebung hatte man kaum Anstalten getroffen, Pferde auf längere
Zeit unterbringen zu können. Geplante größere Ankäufe waren anscheinend
fallengelassen worden
.
Am 22. Mai wurden die badischen Nachbarn über den etwaigen Termin des
Abmarsches unterrichtet. Nähere Angaben über den Durchzug erfolgten nicht
.
Mittlerweile war es schwer geworden, genaues
über die Anzahl der Fremden im Bischöflich-Straßburgischen zu erfahren. Die
Legionäre aßen nicht mehr bei den Wirten, sondern bei der Bevölkerung
.
Die Einquartierungen in den Dörfern wechselte durch häufige Verlegungen rasch
und Pferdelieferungen, Neuanwerbungen, wie auch die allmählich einsetzende
Desertion machten die Verhältnisse im Bischöflichen nahezu unübersehbar
.
Nachdem der Vicomte de Mirabeau am 16. Juni
von Verhandlungen mit dem Bruder des französischen Königs aus Brüssel nach
Ettenheim zurückkehrte
- die Ettenheimer Truppen trugen sicher nicht zufällig etwa ab diesem Zeitpunkt
den Namen 'Mirabeau'sche Legion' - vergrößerte sich die Anzahl der Soldaten
und der Waffenankäufe noch einmal beträchtlich. Dieses Wachstum wurde durch
enorme Truppentransporte aus dem Basler Raum bedingt und brachte die
Truppenstärke bis zum 2. Juli 1791 auf etwa 1800 Mann
.
Im Gegensatz zur zahlenmäßigen Entwicklung
der im Hoch- stift stationierten Soldaten ging deren Ausrüstung nur schleppend
vorwärts, obschon die Monturen der Truppen auf Wunsch der Verantwortlichen
gleichbald angeschafft werden sollten. Schon am 16. März war der erste Wagen
mit Gewehren eingetroffen
.
In Lahr kaufte man alle Flintensteine auf, die man erhalten konnte
und mit dem 'jud uffenheimerschen hauß in Kippenheim' wurde über 600 Monturen
verhandelt
.
Den Auftrag zu deren Herstellung erhielten zunächst jedoch einige Kaufleute in
Ettenheim und den österreichischen Orten Herbolzheim und Kenzingen
.
Um die Wende vom März zum April 1791 war man mit der Verfertigung der Uniformen
beschäftigt. Die Nachfrage nach Schneidergesellen in Ettenheim war groß
.
Noch
immer bemühten sich die Juden von Kippenheim um den Auftrag. Am 1. April
stellten sich Libmann Bär und Isaac Uffenheimerin Ettenheim vor und brachten
das Modell einer bereits fertigen Uniform mit. Da die Juden jedoch bare
Bezahlung
forderten und noch ein weiterer Konkurrent, ein Jude von Rappoltsweier - Favorit
des Vicomte de Mirabeau - sich um die Arbeiten bemühte, konnte der Akkord noch
nicht geschlossen werden
.
Das Uffenheimer'sche Haus scheint einen Großteil der Aufträge dennoch erhalten
zu haben
.
Am 21. Mai standen die
Uniformen zur Verfügung
,
wurden allerdings nicht an die Soldaten ausgeteilt, da die teuren Monturen nicht
dem täglichen Exerzieren ausgesetzt werden sollten. Für die Übungen hatte man
die Soldaten mit grauen Leinen-Kitteln und langen leinenen Beinkleidern
ausgestattet
.
Lediglich Offiziere und Freiwillige trugen Uniformen, die sie für ihr eigenes
Geld herstellen ließen. Bereits im April sind die ersten Monturen belegt
,
während die gemeinen Soldaten noch im Juli nachweisbar in ihren leinenen
Kitteln exerzierten
.
Noch
schwieriger als die Herstellung der Uniformen gestaltete sich die Besorgung von
Waffen und Ausrüstungsgegenständen. Zwar ist immer wieder von
Waffentransporten die Rede
,
doch deckten diese den Bedarf in keinster Weise. Es mangelte an vielem und nur
das Notwendigste war vorhanden
.
Beim täglichen Exerzieren wurde daher in aller Regel nur marschiert
.
Sicher nicht zuletzt um die Truppen zu beschäftigen, begann man rasch damit,
Wachposten einzurichten. Obschon Ende März erst ein Posten im Oberamt Ettenheim
existierte
,
beschloss man, nachdem die Franzosen den dem bischöflichen Kappel gegenüber
gelegenen Ort Rheinau mit 200 Mann Linientruppen besetzt hatten, in Kappel ein
Nachtfeuer am Rhein brennen und eine Wache dabei campieren zu lassen
.
Der größte Teil der contrarevolutionären Truppen wurde in Grenznähe
einquartiert, die Rheininseln regelmäßig visitiert und die Patrouillen
verstärkt
.
Mitte April errichtete man am Rheinübergang ein Wachhaus, an dem die aus dem
Elsass kommenden kontrolliert wurden
.
Darüber hinaus ließ man die Soldaten nachts auch im gesamten Oberamt
patrouillieren
,
auch wenn dies einige Unstimmigkeiten zur Folge hatte
.
Mitte Mai standen die Truppen bereits an den Ettenheimer Toren und hielten dort
Wache. Auch im Ort Kappel wurden drei feste Posten eingerichtet
.
Die militärische
Entwicklung im Straßburgischen schürte die Animosität des Elsass. Immer
wieder wird berichtet, dass die Nationalgarde entschlossen gewesen sei, trotz
des Befehles, sich ruhig zu verhalten, ins Oberamt Ettenheim einzufallen, um die
dortigen Truppen zu vertreiben
,
zumal die 220 Mann, die Ende Mai in Kappel stationiert waren, beinahe täglich
die französischen Linientruppen mit ihren 'Vive-le-Roi'-Rufen provozierten
.
Solche und ähnliche Provokationen waren mit Sicherheit langfristige Ursache
dafür, dass am 30. März 1791 auf eine rechtsrheinische Patrouille von
elsässischer Seite aus der erste Schuss abgefeuert wurde
.
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Letzte Änderung: 20. April 2003