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Wenn Müller, der die Lage vor allem aus Bruders Berichten kannte, noch nicht überzeugt gewesen wäre, so würde ihn das Schreiben des Freiherrn Johann von Türckheim sicherlich überzeugt haben. Auch Türckheim war daran interessiert, dass das Regiment Bruders nicht zu neuen Aufständen mit unvorhersehbarer Ausweitung führte, deren politische Folgen er aus eigenem Erleben kannte. Am 27. Mai 1790 schrieb er:
"Ich beende meinen Brief und antworte auf Ihr edles Vertrauen mit einer Offenheit, die Ihnen vielleicht mißfallen wird, aber ich versuche vergeblich, meine Erregung zu unterdrücken. Man hat Ihren Herrn getäuscht, wenn man ein schreckliches Instrument in Anspruch nimmt, um die unglücklichen Einwohner des Amtes Oberkirch zu bestrafen und zugrunde zu richten. Ich bin dem Herrn Kardinal de Rohan verbunden, aber noch mehr der Wahrheit, und man zerstört dieses Land aus freien Stücken. Selbst Ihr Kommissar zeigt dabei eine Parteilichkeit, die in der Umgebung nicht günstig beurteilt wird. Dies geschieht, indem er den Einflüsterungen eines ebenso gefährlichen wie schuldigen Mannes folgt: Ich meine denselben Vogt Bruder, der die Truppen angefordert und den Aufstand übertrieben dargestellt hat, der sein persönliches Un- gemach auf dem Rücken seines Herrn rächt. Sie verdächtigen mich sicherlich nicht, daß ich die Sache der Aufständischen vertreten will; ich seufze zu sehr über das, was das Elsaß für immer verloren hat: aber die Lage erforderte keine solche Härte. Man konnte alles ohne solche hoffnungslosen Mittel wiederherstellen. Ich fühle mich nicht dazu berufen, Ihnen mehr darüber zu erzählen, aber das Herz blutet mir, wenn ich die grausamen Ungeschicklichkeiten sehe, die man den Kardinal begehen läßt und deren Augenzeuge ich fast geworden bin."
(J. v. Türckheim, zitiert nach: Erwin Dittler, Die Vermittlungsversuche der Freiherrn Wilhelm von Edelsheim und Johann von Türckheim beim Staatsrat Johannes Müller im Frühjahr 1790 während der Reichsexekution im Amt Oberkirch, in: Die Ortenau (56/1976) 40)
Dr. Jörg Sieger - Kardinal im Schatten der Französischen Revolution