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Kaum jemand hat sich besser in die Welt der tiefreligiösen, lokalpatriotischen und vor allem traditionsbewussten Ettenheimer des 18. Jahrhunderts hineinzuversetzen gewusst, als der am 17. Juli 1820 dort geborene Historiker Johann Baptist von Weiß (vgl. über ihn: Johann Baptist Ferdinand, Der Geschichtsschreiber J. B. v. Weiß, in: Neue Miszellen aus Heimat und Landschaft, Bd. 1 (Ettenheim 1955) 16-25). Ettenheim hatte sich seit den Tagen eines Louis de Rohan kaum verändert, als von Weiß in seiner Weltgeschichte den Ort folgendermaßen beschrieb:

"Ettenheim liegt malerisch an einem Ausläufer der Berge des Schwarzwaldes. Von weitem her sieht man schon die Kirche emporragen, die auf einem Hügel am südlichen Ende der Stadt thront; sie ist hoch und weit, am Sonntag aber dicht besetzt von der frommen Gemeinde. Zur Zeit Karl Martells vom Bischof Etto gegründet, im dreißigjährigen Krieg vollkommen infolge einer Schlacht in nächster Nähe verbrannt, wurde sie nach einem einheitlichen, zweckmäßigen Plane wieder erbaut und zum Schutz mit Graben und Stadtmauer umgeben. Sie gehörte mit der Umgebung zum Bisthum Straßburg. Zwei Stunden davon im Osten war das Kloster Ettenheimmünster, von wo aus die Stadt mit Geistlichen versehen wurde. Zwischen Ettenheim und Ettenheimmünster ist die große Kirche St. Landolin, an der Stätte gebaut, wo in heidnisch=alamannischer Zeit ein Glaubensbote aus Irland den Märtyrertod erlitt. In dem nur eine Viertelstunde entfernten Altdorf zeigt man noch die Hütte, wo der fromme Mann sich aufhielt, ehe er in dem Urwald, wo jetzt ihm zu Ehren der prachtvolle Tempel steht, eine Einsiedelei sich erbaute. Der Jäger des nahen Grundherrn Giso soll dem Betenden das Haupt abgeschlagen haben. Da, wo das Blut des Glaubensboten floß, sprudelt jetzt eine Quelle, welcher Heilkraft für kranke Augen zugeschrieben wird; in der Nähe zeigt man die Trümmer von der Burg Gisos. Andere Glaubensboten vollendeten, was Landolin begonnen, und in der Nähe entstand das Benedictinerkloster Ettenheimmünster; als es aufgehoben wurde, war darin ein Gymnasium und eine Buchdruckerei. - Rings um St. Landolin stehen prachtvolle Buchenwälder, in welchen Enghien Rehe und Hirsche jagen konnte.

Aus dem Thale bei St. Landolin windet sich an Ettenheim vorbei ein kleines Flüsschen, die Unditz, jetzt oft Ettenbach genannt. Der Name ist keltisch, von einer Pflanze genommen, die viel darin gedeiht - er ergießt sich in die Elz und mit dieser in den Rhein.

Die Bewohner von Ettenheim leben dem Ackerbau. Der fruchtbare Boden liefert durch ihre Emsigkeit reichen Ertrag. Im Juni ist ein Wald von blühenden Bäumen und wogenden Saaten um die Stadt zu sehen, zur Zeit der Ernte und des Herbstes eine geordnete Regsamkeit wie in einem Bienenstock."

(Johann Baptist von Weiß, Weltgeschichte (fortgesetzt von Richard von Krailik) Bd. XX (Graz/Leipzig 3. Auflage 1896) 397-398)

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Dr. Jörg Sieger - Kardinal im Schatten der Französischen Revolution