
Über
die Anfänge des Christentums in der Ortenau fehlen uns jegliche Aufzeichnungen,
doch zweifelsohne sind die alte Römergründung Straßburg und der in dieser
Stadt residierende Bischof an der Christianisierung des rechtsheinischen
Gebietes hauptsächlich beteiligt gewesen. Jahrhunderte lang war die Ortenau ein
Teil des Bistums Straßburg, das neben den drei rechtsrheinischen Kapiteln Lahr,
Offenburg und Ottersweier im Elsass die Kapitel Straßburg, Markolsheim, Rheinau,
Schlettstadt, Andlau, Oberehnheim, Benfeld, Molsheim, Zabern, Ober- und
Unterhagenau umfasste
.
Nachdem Straßburg selbst in den Wirren der Reformation protestantisch geworden
war, residierten die Bischöfe in Zabern.
Eine große Zahl von Klöstern belebte sowohl rechts als links
des Rheins die kirchliche Landschaft. Sie waren allesamt nach der eigentlichen
Christianisierung entstanden. In Gengenbach, Schuttern und Schwarzach
existierten Benediktinerklöster, Prämonstratenser fanden sich in Allerheiligen
und Zisterzienserinnen in Lichtenthal
,
um nur einige der klösterlichen Gemeinschaften zu nennen.
Im Jahre 762 wurde das aufgrund der Landelinsverehrung
im Unditztal entstandene Kloster, das später den Namen Ettenheimmünster tragen
sollte, erneuert. Damit wurde der Grundstein für das nachmalig zweitgrößte
badische Kloster gelegt. Seine Erneuerung verdankt die Benediktinerabtei dem
Straßburger Bischof Etto, Sohn Ettikos II.
,
Auf ihn geht auch die Gründung des Ortes Ettenheim zurück, der Jahrhunderte
lang in Konkurrenz zum Kloster wuchs und Anfang des 14. Jahrhunderts als seit
seiner Gründung den Bischöfen von Straßburg als weltlicher Besitz
zugehöriger Ort das Stadtrecht erhielt
.
Während
der Bischof von Straßburg für die ganze Ortenau der Diözesanoberhirt war, war
sein weltliches Territorium stark zersplittert und keineswegs so überschaubar
wie die Diözese. Der größte Teil des weltlichen Gebietes lag links des
Rheins. Er umfasste das Ried nördlich von Straßburg, die beiden großen
Distrikte Zabern und Molsheim, die Besitzungen an der Ill von Erstein bis
Ebernheim und am Rhein von Rheinau bis Markolsheim, die Mundat von Rufach, die
sich mit den beiden Abteien Murbach und Masmünster von Egisheim bis an die
obere Thur hinzog, und endlich die Mitte des 14. Jahrhunderts an das Bistum
gekommenen Güter der Grafschaft Oettingen an der Gieser und Leber. Alle diese
Besitzungen zählten im 18. Jahrhundert etwa 1350 Quadratkilometer und
30.000 Einwohner.
Rechts des Rheins gehörte die alte Mark Ettenheim, die
später in der Hauptsache das Gebiet des Klosters Ettenheimmünster und des
Oberamtes Ettenheim einschloss und sich von der oberen Schutter bis an den Rhein
hinzog, zeitweilig schon im achten Jahrhundert und endgültig dann ab dem
12. Jahrhundert zur weltlichen Herrschaft des Bistums Straßburg. Im 11.
Jahrhundert hatte das Hochstift darüber hinaus auch an der Rench Fuß gefasst.
1017 erlangte es durch Schenkung des fränkischen Edelmannes Siegfried die Feste
Ullenburg bei Oberkirch, und 1303 kaufte der Straßburger Bischof Friedrich von
Lichtenberg die Herrschaft Oberkirch
.
Die sogenannte Untere Herrschaft an Rench
und Acher umfasste das Stadtgericht Oberkirch und die fünf Gerichte
Kappelrodeck, Sasbach, Oppenau, Ulm und Renchen
.
Weitaus kleiner war die Obere Herrschaft des Straßburger
Hochstiftes. Sie umfasste neben Ettenheim die Gemeinden Ringsheim, Grafenhausen
und Kappel am Rhein. Zur Stadt Ettenheim gehörten darüber hinaus das Dörflein
Ettenheimweiler und drei Häuser von Wallburg
.
Das Kloster Ettenheimmünster, das sich
Jahrhunderte lang mit seinen Dörfern Wittelbach, Dörlinbach und Schweighausen
im oberen Schuttertal, ferner Münstertal und Münchweier bei Ettenheim und dem
dritten Teil des Orts Riegel am Kaiserstuhl dem Zugriff des Fürstbischofs zu
entziehen versucht hatte, nahm eine Sonderstellung ein. Durch den Vertrag von
1740 war zwar nach langen Irrungen die bischöfliche Landeshoheit ausdrücklich
anerkannt worden, aber gerade in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts wurde
sie vom Kloster wieder aufs lebhafteste angefochten. Die Tage des letzten Abts
Arbogast Heißler waren erfüllt von erbittertem Kampf gegen das Hochstift, dem
man vorwarf, die Abtei durch Hinterlist der Reichsunmittelbarkeit beraubt zu
haben. Dennoch blieb das Kloster bis zuletzt - wie übrigens auch die
Prämonstratenserprälatur Allerheiligen - der vollen straßburgischen
Landesoberhoheit unterworfen
.
Die
beiden Oberämter Ettenheim und Oberkirch waren umgeben von verschiedensten mehr
oder minder souveränen Herrschaften. Dabei spielt vor allem badisches Gebiet
eine große Rolle. Die badischen Oberämter Mahlberg und Hachberg umgaben das
Oberamt Ettenheim gemeinsam mit vorderösterreichischem Territorium, das sich
südlich Ringsheim anschloss und von Freiburg aus verwaltet wurde. Der Unteren
Herrschaft des Hochstifts Straßburg war das badische Amt Staufenberg
benachbart, neben dem großen Gebiet der vorderösterreichischen Ortenau.
Dazwischen gab es eine Unmenge kleinerer ritterschaftlicher Herrschaften,
Reichsstädte und reichsunmittelbarer Klöster; alles in allem ein
undurchsichtiger Flickenteppich unterschiedlichster Kompetenzen und
Zuständigkeiten, wie er sich dem Politiker am Vorabend der Revolution darbot.
Der
Hauptort des Oberamtes Ettenheim lag Jahrhunderte lang im Spannungsfeld zwischen
Bischof und Landesherrn, zwischen Straßburg und Ettenheimmünster. Vom
Straßburger Bischof gegründet, wurde der Stadt von jenseits des Rheins
beständig eine große Aufmerksamkeit geschenkt. Mit drei Toren, zwei
Mauerringen und Gräben versehen bot der Flecken im ausgehenden Mittelalter ein
äußerst wehrhaftes Bild. Der Kirchturm der Chorturmkirche auf dem Ettenheimer
Kirchberg war mit einer Wachstube versehen, von der aus das ganze umliegende
Land eingesehen werden konnte
.
Nachdem Ettenheim 1637 im
Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Bernhards von Weimar zerstört worden
war
,
musste die Stadt fast zur Gänze wiederaufgebaut werden. Im Zeichen des Barock
entstand das neue Rathaus und vor allem die Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus,
die auf dem Kirchberg ein notdürftig wiederhergestelltes Gotteshaus ersetzte
.
Das straßburgische Amtshaus
scheint die Kriegsjahre einigermaßen unbeschadet überstanden zu haben. Dort
residierte, während das Rathaus Schultheiß und Bürgermeister vorbehalten war,
der bischöflich-straßburgische Amtmann mit der Verwaltung der Oberen
Herrschaft des Hochstiftes
.
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Letzte Änderung: 1. September 2005