Als im März 1779 bekannt wurde, dass der Kardinal de Rohan im 'Palais Cardinal' in Paris im Alter von 82 Jahren verstorben war, nahm sein Neffe und bisheriger Koadjutor das Straßburger Bistum in Besitz.
Am
25. September 1734 wurde Louis René Edouard in Paris als dritter Sohn des
Hercules Mériadec de Rohan, Duc de Montbazon, und Louise Gabrielle Julie de
Rohan-Soubise geboren. Nur eine höhere Laufbahn kam für ihn als Mitglied
dieses alten Adelsgeschlechtes in Frage; so begann eine glanzvolle Karriere:
Studien im Collegium du Plessis, im Seminar von St. Magloire und Empfang der
Priesterweihe. Der junge Student lernte außerordentlich leicht, besaß jedoch
kaum Ausdauer.
Im Jahre 1756 erhielt der 21jährige die Abtei Chaise-Dieu in der Auvergne und am 22. November 1759 wurde er zum Koadjutor seines Onkels, des Fürstbischofs von Straßburg, ernannt. Am 18. Mai 1760 wurde der neue Bischof von Canopolis 'in partibus infidelium' konsekriert. Bereits ein Jahr später erhielt er die Abtei Mont-Majour und am 11. Juni desselben Jahres erwählte man ihn zum Mitglied der Französischen Akademie.
Als im Jahre 1770 Marie Antoinette ihren
Einzug als Braut des Dauphins in Straßburg hielt, hatte der Koadjutor die Ehre,
mit seinem Onkel die künftige Dauphine von Frankreich an der Spitze des Klerus
zu empfangen
.
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Der
Duc d'Aiguillon suchte, nachdem er den Platz des Außenministers Choiseul -
letzterer hatte sich mit der Dubarry überworfen, war bei Ludwig XV. in Ungnade
gefallen und seines Amtes enthoben worden - eingenommen hatte, um die Dauphine,
deren Verhältnis zur Dubarry gespannt war, zu gewinnen, als Botschafter an der
Wiener Hofburg einen Mann, der dort 'persona grata' wäre. Choiseul hatte zwar
noch am Ende seiner Amtszeit den Baron de Breteuil zum Botschafter in Wien
ernennen lassen - dessen Galakutschen und Dienerschaft waren bereits dorthin
abgegangen -‚ doch war de Breteuil als ein Choiseul völlig ergebener Mann
für d'Aiguillon ganz und gar untragbar. Er hoffte in Louis de Rohan, der ihm
von mehreren Seiten empfohlen worden war, eine geeignete Persönlichkeit
gefunden zu haben. Rohan zeichnete sich durch ein angenehmes Äußeres, durch
seine liebenswürdigen Manieren, durch seine trefflichen Geistesanlagen aus und
gehörte zur höchsten Aristokratie Frankreichs. Erst die dringenden Bitten
d'Aiguillons und die Vorstellung Erzbischofs de Beaumont von Paris, den Rohan
hoch ehrte, bewogen den Prinzen jedoch zur Annahme dieses Vertrauenspostens.
Möglicherweise ahnte er, dass ihm diese Ernennung die unversöhnliche
Gegnerschaft des Baron de Breteuil zuziehen würde
.
Selbstverständlich
stattete Rohan sein Gefolge mit grossem Aufwand aus. Der Hof von Versailles
hatte ihm 100.000 Livres für diesen Zweck zur Verfügung gestellt, doch gab der
neue Botschafter, um standesgemäß auftreten zu können, eine viel größere
Summe aus
.
Mit wahrhaft fürstlichem Gefolge erreichte er am 6. Januar 1772 Wien und wurde
wie die Quellen übereinstimmend berichten - aufs zuvor- kommendste von Kaiserin
Maria Theresia und Erzherzog Joseph empfangen. Die Kaiserin stellte dem
Botschafter ein Landhaus in der Nähe von Preßburg zur Verfügung, unmittelbar
an den Ufern der Donau
.
Infolge verschiedener Reibereien
war Rohans Stellung an der kaiserlichen Hofburg jedoch nicht unumstritten. Maria
Theresia beklagte sich mehrmals in vertraulichen Schreiben bei ihrer Tochter
Marie Antoinette über den französischen Botschafter. Erschwerend hinzu kam die
Haltung, die Rohan im Zusammenhang mit den Verhandlungen ces Wiener Hofes über
die Teilung Polens einnahm. Im Namen des Versailler Hofes machte er die
dringendsten Vorstellungen bei Fürst von Kaunitz.
Nach einer Audienz bei der Kaiserin berichtete Rohan in einem vertraulichen Schreiben an seinen Gönner, den Duc de Aiguillon:
"Ich habe Maria Theresia Thränen vergießen sehen; allein
diese Fürstin, wohlgeübt in der Kunst, sich nicht durchschauen zu lassen,
scheint mir die Thränen ganz in ihrer Gewalt zu haben; in einer Hand hat sie
das Taschentuch, um sie zu trocknen, mit der anderen ergreift sie das Schwert
der Unterhandlung (le glaive de la négociation), um die dritte Teilhaberin bei
der Teilung Polens zu sein." ![]()
Diese Worte veranlassten die Abberufung de
Rohans aus Wien
.
Doch trotz aller Gnaden, mit denen dies geschah - die Kaiserin übergab de Rohan
ein eigenhändiges Schreiben an ihre Tochter - musste der Prinz - nach
Frankreich zurückgekehrt - erkennen, dass er sich nicht nur den Groll der
österreichischen Kaiserin zugezogen, sondern auch die Gunst Marie Antoinettes
für lange Zeit, wenn nicht auf immer, verscherzt hatte. Ludwig XVI. empfing ihn
kalt, uni die Königin gewährte ihm keine Audienz, sondern ließ ihm den Brief
der Kaiserin abfordern. Bald darauf wurde der Baron de Breteuil zum Botschafter
in Wien bestellt.
Nichtsdestoweniger wurde Louis de Rohan im Jahre 1777 zum Großalmosenier (grand-aumônier) von Frankreich ernannt und ihm die Verwaltung der berühmten Pariser Blindenanstalt der 'Quinze-Vingts' übertragen. Ein Jahr darauf empfing er auf Verwendung des Königs von Polen, Stanislaus Poniatowsky, den Kardinalshut. Papst Pius VI. erteilte ihm am 1. Juli 1778 den römischen Purpur. Nebst der reichen Abtei Samt Vaast bei Arras, welche 600.000 Livres eintrug, erhielt Rohan darüber hinaus die vielgesuchte und wichtige Stelle eines Provisors der Sorbonne in Paris.
Als
am 11. März 1779 der Fürstbischof von Straßburg verstarb, folgte ihm sein
Neffe auf den Straßburger Bischofsstuhl nach und wurde dadurch einer der
reichsten Prälaten seiner Zeit. Allein der Ertrag des Bistums betrug 350.000
Goldgulden jährlich
.
Louis René Edouard, Prince de
Rohan-Guémené, begab sich Anfang 1779 nach Zabern, um nach altem Brauch
feierlichen Einzug in seine bischöfliche Residenzstadt zu halten. Viel Volk
strömte in die Bischofsstadt, und eine Festlichkeit folgte der anderen, bis in
der Nacht vom 7. auf den 8. September im Dachwerk des Schlosses zwischen 3 und 4
Uhr morgens ein Brand ausbrach, der die Hauptfassade des Schlosses, trotz der
Anstrengungen der bischöflichen Dienerschaft und der Zaberner Bürger, völlig
zerstörte. Nur die beiden vorderen Flügel konnten gerettet werden
.
Noch im September 1779 reiste der
Fürstbischof zurück nach Paris in seinen dortigen Palast - das Palais Cardinal,
die spätere Imprimerie nationale -‚ während im Jahre 1780 der Neubau der
Zaberner Residenz nach dem Vorbild des Schlosses Wiesenstein auf der
Wilhelmshöhe durch den Architekten Salins de Montfort begonnen wurde. Das Hohe
Stift von Straßburg genehmigte dazu eine Summe von 150.000 Livres; die Stadt
Zabern lieferte das Bauholz, und den bischöflichen Untertanen wurde auf die
Dauer von 18 Jahren eine außerordentliche Steuer von 150.000 Livres auferlegt
.
Das
neue bischöfliche Schloss von Zabern
wurde der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Höheren Stände im
Elsass von 1781 bis 1784. Während Kardinal Louis Constantin großen Einfluss am
Versailler Hof besaß und beinahe in allen wichtigen politischen
Angelegenheiten, die das Elsass betrafen, zu Rate gezogen wurde, fehlte dieser
Einfluss seinem Neffen gänzlich. Daher suchte er sich durch die Feste, die er
gab, durch Freuden und Genüsse des gesellschaftlichen Lebens dafür zu
entschädigen. Sein immer wieder als äußerst liebenswürdig geschilderter
Charakter, die Ungezwungenheit in seiner Umgebung - neben dem üblichen Luxus -
scheinen von besonderer Anziehungskraft gewesen zu sein. Die Einladungen in das
Schloss von Zabern waren sehr begehrt, so dass der höchste Adel Frankreichs und
des Elsass, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, die höhere
katholische und evangelische Geistlichkeit sich dort einfanden.
Persönlichkeiten wie die Prinzessin Christine von Sachsen, Äbtissin von
Remiremont, Prinz Max von Zweibrücken, Marechale de Contades, die Baronne
d'Oberkirch
und Friedrich von Dietrich, der spätere erste konstitutionelle Maire von
Straßburg und damit erklärter Feind des emigrierten Kardinals, verkehrten in
den Räumen des Zaberner Schlosses. Auch Giuseppe Balsamo, genannt Graf
Cagliostro, war in der Gesellschaft des Kardinals anzutreffen.
Gerade jener gibt einen Hinweis auf den Charakter Rohans in
diesen Jahren, auf seine Leichtgläubigkeit und Verführbarkeit - Untugenden,
die ihm in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts schwer zu schaffen machen
sollten
.
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Im
Monat September 1781 stellte die Gräfin de Boulainvilliers dem Kardinal de
Rohan eine Dame vor, deren Wohltäterin sie bisher gewesen war, und die sie in
ihrem Haus hatte erziehen lassen. Dieselbe stammte nach eigenen Aussagen vom
königlichen Geschlecht der Valois ab. Jeanne de Saint-Rémy de Valois, 1756 in
der Champagne geboren, zählte zu ihren Ahnen Heinrich von Saint-Remy, der ein
natürlicher Sohn Heinrichs II. war
.
Die Empfehlung durch M
de Boulainvilliers brachte der de la Motte - wie sie sich nach ihrer Heirat
nannte, eine mehrmalige Unterstützung mit einigen Louisd'or durch den Kardinal
ein, was für ihre Bedürfnisse jedoch keineswegs ausreichend schien. Jeanne de
la Motte wandte sich daraufhin - der Kardinal selbst habe ihr dazu geraten
- an die Königin. Umstritten ist, inwieweit sie mit diesen Bemühungen die
Gunst Marie Antoinettes gewinnen konnte. Einigermaßen gesichert scheint allein,
dass M
de la Motte Rohan
nach einiger Zeit eröffnete, mehrere Audienzen bei der Monarchin gehabt zu
haben. Sie genieße deren Gunst nun in einem solchen Maße, dass sie ihrerseits
imstande wäre, für ihren bisherigen Wohltäter, den Kardinal, Fürsprache
einzulegen, was sie bei der ersten günstigen Gelegenheit tun werde. Bald darauf
erklärte sie Rohan, dass die Königin ihm die Erlaubnis einer Rechtfertigung
gewähre. Der Kardinal verfasste daraufhin eine eigenhändige
Verteidigungsschrift, welche die La Motte in Empfang nahm, unter dem Vorgeben,
sie der Monarchin zu überreichen. Nach einigen Tagen empfing der Straßburger
Bischof ein angebliches Handschreiben der Königin, unterzeichnet mit 'Marie
Antoinette de France', aus dem er entnehmen konnte, dass die Monarchin nunmehr
von seiner Unschuld völlig überzeugt sei und ihm eine Audienz gewähre, sobald
die Umstände es erlauben würden. Einstweilen wurde ihm jedoch empfohlen, die
größte Verschwiegenheit zu wahren
.
In der Folge bat die de la Motte den
Kardinal um 60.000 Livres. Die Königin wolle eine achtungswerte Familie
unterstützen und bitte den Straßburger Bischof um dieses Darlehen. Jeanne de
la Motte solle die Wohltat übermitteln. Eine Summe in derselben Höhe wurde ihr
auf ein ähnliches Begehren ein zweites Mal ausgezahlt
.
Rohan
scheint bei alledem - überglücklich, in der Gunst der Königin zu steigen -
Jeanne de la Motte keinerlei Misstrauen entgegengebracht zu haben
.
Auch nicht, als sie ihm beibrachte, die Königin wünsche sehnlich, ein Halsband
der Juweliere Böhmer und Bassenge
zu besitzen. Dem Kardinal gäbe sie als besonderes Zeichen ihres königlichen
Wohlwollens den Auftrag, diesen Ankauf in ihrem Namen zu tätigen. Er würde zu
diesem Zweck eine schriftliche Autorisation von ihr erhalten. Die Zahlung
erfolge in dreimonatlichen Raten vom 30. Juli 1785 an. Der Name des Königs
dürfe aber unter keinen Umständen genannt werden.
Die Aussicht auf ein Ministerportefeuille,
das Anraten des Barons von Planta - eines Bekannten des Kardinals - und des
Grafen Cagliostro ließen Rohan auf das Ansinnen der de la Motte eingehen.
Völlig im Dunkeln bleibt bei all dem die Rolle der Königin selbst, deren
stilles Wirken man bei den nun folgenden Ereignissen insgeheim im Hintergrund
wahrzunehmen meint
.
Es ist hier nicht der Ort, in die
Einzelheiten des 'Procès du Collier', der der Monarchie Frankreichs immensen
Schaden zugefügt hat
,
einzudringen. Erwähnt sei lediglich, dass der Kardinal den Handel mit den
beiden Juwelieren um 1.600.000 Livres abschloss und die de la Motte den Vertrag
durch Villette mit einer Namenschiffre der Königin versehen ließ. Nach diesem
Vertrag sollte die Bezahlung des Halsbandes in halbjährlichen Raten von je
400.000 Livres erfolgen. Der Schmuck sollte am 1. Februar 1785 übergeben
werden, die erste Zahlung am 1. Juli erfolgen
.
Nachdem die de la Motte ein weiteres angebliches Schreiben der Königin übermittelt hatte, nahm sie das Halsband in Empfang; Stück für Stück wurden die Diamanten des Schmuckes durch deren Mann und Villette herausgebrochen und größtenteils in England verkauft.
Als die Juweliere im Monat Juli die erste Abzahlung nicht erhielten und Erkundigungen bei Hof einzogen, wurde der Betrug aufgedeckt. Marie Antoinette beschwerte sich in höchster Verbitterung bei Ludwig XVI., Kardinal de Rohan wurde am Fest Maria Himmelfahrt 1785 als Großalmosenier von Frankreich 'in pontificalibus', als er in der Schlosskapelle von Versailles das Hochamt zu feiern gedachte, festgenommen, verhört und schließlich in die Bastille geführt - Baron de Breteuil hatte die Verhaftung veranlasst.
Diese unter solch ungewöhnlichen Umständen
vorgenommene Festnahme war ein Eklat, der das Haus Rohan und die mit demselben
verwandten und befreundeten hohen Adelsfamilien auf das tiefste verletzte
.
Graf de la Motte entkam; die Gräfin wurde in Bar-sur-Aube festgenommen. Sie wies alle Schuld auf Cagliostro, den man gleichfalls in die Bastille brachte; den Brieffälscher Villette ergriff man in Venedig, wo er wegen anderer Delikte gefänglich eingezogen wurde.
Neun volle Monate dauerte der Halsbandprozess. Die Stimmung während der Verhandlungen brachte unzweideutig die feindselige Gesinnung der Pariser Bevölkerung gegen den Hof und insbesondere gegen Marie Antoinette, 'l'Austrichienne', zu Tage. Am 31. Mai 1786 wurde das Urteil vom Pariser Parlament gesprochen. Der Graf de la Motte wurde 'in contumaciam' zum Staupbesen und zu den Galeeren auf Lebenszeit verurteilt; seine Frau ebenfalls zum Staupbesen, zur Brandmarkung auf beiden Schultern und zu lebenslänglicher Einsperrung.
Bereits am 5. Juni 1787 konnte sie jedoch
auf ungeklärte Weise aus ihrem Gefängnis entkommen
und nach England flüchten, wo sie mehrere Schmähschriften herausgab und am 23.
August 1791 in London nach einer nächtlichen Orgie aus dem dritten Stock eines
Hauses auf das Pflaster stürzte und tot liegen blieb.
Retaux de Villette wurde verbannt, Marie-Nicole le Guay,
genannt d'Oliva, die auf Anleitung der de la Motte die Rolle der Königin in
einer Nachtszene im Park von Versailles gespielt haben soll, wurde
freigesprochen
.
Cagliostro hatte sich durch ein langes Mémoire zu
rechtfertigen gesucht, wurde denn auch aus der Bastille entlassen, jedoch aus
Frankreich ausgewiesen. Zwei Jahre hielt er sich daraufhin in England auf, bevor
er durch die Schweiz in seine italienische Heimat zurückkehrte; seinen Nimbus
hatte er eingebüßt. In Rom, wo er sich niederließ, beschäftigte er sich mit
der Errichtung einer Freimaurerloge. Auf Befehl Pius VI. wurde er verhaftet
und als Freimaurer zum Tode verurteilt, letztendlich jedoch begnadigt und zu
lebenslänglicher Haft in das Fort San-Leon gebracht, wo er 1795 starb
.
Am
15. August 1785 war der Kardinal Louis de Rohan in Versailles in Gewahrsam
genommen worden, am 31. Mai 1786 wurde er nach einem achtzehnstündigen
Plädoyer freigesprochen, allein er musste den Juwelieren Böhmer und Bassenge
den Preis des Halsbandes entrichten. Er verpflichtete sich denselben gegenüber,
eine jährliche Summe von 300.000 Livres aus den Einkünften der Abtei St. Vaast
bis zur völligen Schuldtilgung auszubezahlen. Der Ausbruch der Französischen
Revolution und die Einziehung der Kirchengüter brachten diese Zahlungen ins
Stocken und stürzten die beiden Juweliere in größte Armut
.
Der Freispruch des Kardinals war ein Triumph für die
Opposition gegen Marie Antoinette, als deren Opfer man ihn ansah. Von allen
Seiten wurde er beglückwünscht; am Hofe aber war seine Ungnade eine völlige
geworden. Am Tage nach seinem Freispruch schickte ihn der König in die
Verbannung in seine Abtei Chaise-Dieu in den Gebirgen der Auvergne und entzog
ihm die Würde eines Großalmoseniers von Frankreich, sowie den 'Cordon bleu'.
Als der durch die zehnmonatige Bastillehaft geschwächte Kardinal. die raue
Gebirgsluft der Auvergne nicht ertrug und sein Gesundheitszustand sich zu
verschlechtern begann, erhielt er die Erlaubnis, in die Abtei Marmoutier in der
Tourraine überzuwechseln. Später durfte er in sein Bistum zurückkehren, das
mittlerweile von Prinz Camille von Lothringen, Dekan des Straßburger
Hochstifts, verwaltet worden war
.
Als der Kardinal anfangs Februar 1787 in seine bischöfliche
Stadt Zabern einzog, wurde er von der Bürgerschaft auf das freudigste
empfangen. Geistliche und weltliche Würdenträger zogen ihm entgegen und
begrüßten ihn mit begeisterten Hochrufen. Am Bergtor, am Fuße der Zaberner
Steige, spannten die Bürger die Pferde von der Kutsche aus und zogen dieselbe
unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Geschütze in das
bischöfliche Schloss
- ein wenig Genugtuung für den innerlich gekränkten Kirchenfürsten. Doch auch
er sollte bald die Wankelmütigkeit der Volksgunst kennenlernen.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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Letzte Änderung: 6. Mai 2003