![]()
![]()
![]()
Schon
immer war der Straßburger Bischofsstuhl ein begehrter Sitz und eine
einträgliche Pfründe gewesen. Aufgrund ihrer Eigenschaft als Landesherren der
Besitzungen des Hochstifts Straßburg waren die Straßburger Fürstbischöfe
Reichsfürsten des 'Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation' und hatten
damit das Recht, an den Sitzungen des seit dem Jahre 1663 in Regensburg tagenden
Reichstages selbst teilzunehmen oder sich durch Gesandte vertreten zu lassen.
Insgesamt acht dieser Fürsten prägten die Jahrhunderte vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Auflösung der Straßburger Diözese. Während das 17. Jahrhundert noch ganz im Zeichen der Fürstenberger und der österreichischen Erzherzöge stand - Erzherzog Leopold von Österreich (1607-1625), Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich (1625-1662), Franz Egon von Fürstenberg (1663-1682) und Wilhelm Egon von Fürstenberg (1682-1704) -‚ wurde das 18. Jahrhundert ganz vom Einfluss der Rohans bestimmt.
(Alle oben gezeigten Bilder befinden sich im Heimatmuseum der Stadt Oppenau)
Im
Jahre 1704 bestieg der Koadjutor des letzten Straßburger Fürstenbergers, der
am 24. Juni 1674 in Paris geborene Armand Gaston Maximilien, Prince de
Rohan-Soubise, genannt der große Kardinal, den Bischofsstuhl von Straßburg.
Während seiner Regierung wurde der Umbau der Residenz zu Zabern begonnen
,
und auch am Bau der Kunststraße über die Zaberner Steige - 1728 begonnen und
nach neun Jahren, 1737, durch den 'directeur des ponts et chauées',
königlichen Baumeister und Ingenieur, de Regemorte vollendet - beteiligte sich
der Fürstbischof. In den Jahren 1728 bis 1741 ließ er zwischen Ill und
Münster das Straßburger 'Chateau de Rohan'
errichten.
Gesellschaftlicher Höhepunkt seiner Regierungszeit dürfte die am 15. August 1725 im Chor des Straßburger Münsters stattgefundene Trauung König Ludwigs XV. - vertreten durch den Duc d'Orléans - mit Maria Leczinska, der Tochter des vertriebenen Polenkönigs Stanislaus Leczinskis, der sich seit mehreren Jahren mit seiner Familie in Weißenburg im Elsass aufhielt, gewesen sein.
Als
der Kardinal am 19. Juli 1749, 76jährig im alten Louvre in Paris starb, bestieg
dessen Großneffe Francois Armand Auguste, Prince de Rohan-Soubise-Ventadour
(*1. Dezember 1717 in Paris), der Kardinal de Soubise, den Stuhl des
Straßburger Bistums, der ihm vom Tod in Zabern bereits im Jahre 1756 wieder
entrissen wurde. Am 23. September desselben Jahres versammelte sich das
Straßburger Domkapitel, um zur Wahl eines Nachfolgers für den verstorbenen
Oberhirten zu schreiten. Die Wahl fiel auf einen nahen Verwandten desselben, den
bisherigen Dompropst Louis Cäsar Constantin, Prince de
Rohan-Guémené-Montbazon, geboren in Paris am 24. März 1697. Knapp 60jährig
begehrte der nunmehrige Straßburger Bischof bereits zwei Jahre später, im
Jahre 1759, einen Koadjutor und erhielt denselben in der Person seines
fünfundzwanzigjährigen Neffen, des Prinzen Louis René Edouard de
Rohan-Guémené.
Im Jahre 1769 ließ Kardinal Constantin den Bau des Priesterseminars in Straßburg an der Stelle des einstigen sogenannten 'Bruderhofes' in Angriff nehmen, während er als Förderer und Freund von Kunst und Wissenschaft vor allem die Herausgabe der 'Histoire de l'Eglise et des Princesévêques de Strasbourg' des Abbé Grandidier (Strasbourg 1777/1778) unterstützte.
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
Letzte Änderung: 24. März 2003