Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger, Pfarrer in 76646 Bruchsal)

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29. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr A (Mt 22,15-21)

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! (Mt 22,15-21)

Na, dann machen doch auch wir die Probe aufs Exempel. Holen Sie Ihren Geldbeutel heraus und schauen Sie, was darauf zu finden ist, auf unserem Geld. Was für ein Bild ist da heute zu sehen?

Liebe Schwestern und Brüder,

es werden überwiegend Gebäude sein, die Sie dort finden, aber diese Bilder meine ich jetzt nicht.

Natürlich fressen Häuser und Wohnungen ein gut Teil unseres Geldes auf - da kann jeder und jede ein Lied davon singen, wenn die Mietabrechnung ins Haus flattert, eine neue Reparatur ansteht oder wir als Kirchengemeinden wieder einmal ein Pfarrzentrum oder ein Kirchendach zu sanieren haben.

Aber das meine ich jetzt nicht.

Schauen Sie sich an, was sich auf dem Euro oder dem Zwei-Euro-Stück findet, dort, wo sich früher - zur Zeit Jesu - der Kaiserkopf befand. Viel geändert hat sich nicht: Es ist der Bundesadler, den Sie dort finden.

Zur Zeit Jesu war es der Kaiser, der den Menschen eine Steuerlast aufbürdete, die sie kaum zu tragen vermochten - Heute frisst das Finanzamt den größten Teil unseres lieben Geldes auf.

Und dagegen lässt sich auch nichts machen, schon gar nicht auf dem irdischen Rechtsweg und mit den Mitteln der Religion kommen wir auch nicht dagegen an. "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört", sagt Jesus, und damit meint er heute implizit - so leid es mir auch tun mag - auch dem Finanzamt, was dem Finanzamt zusteht.

Schade drum! Wäre doch schön gewesen, wenn er da eine andere Auskunft gegeben hätte, wenn wir etwa aus religiösen Gründen keine Steuern bezahlen dürften - solch eine Ausflucht gab es damals nicht, und heute kommt sie genau so wenig in Frage, das macht schon das Bild auf unseren Münzen deutlich.

Nur gibt es jetzt ja auch andere Münzen - das ist ja das Interessante an unserem neuem Geld. Es gibt ja nicht nur Euros mit dem Bundesadler. Andere Länder haben andere Symbole.

Die wenigsten sind viel besser als die unsrigen. Eine aber ist anders. Ich habe eine Münze gefunden, die mir ungeheuer gut gefällt. Ich habe sie aus dem Urlaub mitgebracht und ich verwahre sie seither als nettes kleines Andenken, als eine Münze, die mich nachdenken lässt.

Es ist der Italienische Euro. Auf ihm ist weder ein Bundesadler noch ein Staatssymbol zu sehen. Auf der Rückseite des italienischen Euros ist der Mensch eingeprägt, jene berühmte Darstellung von Leonardo da Vinci.

Und der italienische Euro lässt mich ganz anders auf unser Geld schauen, als es der unsere tut. Was seht ihr da? Wes Bildnis ist das? Ein Mensch! So gebt dem Menschen, was dem Menschen zusteht. Setzt euer Vermögen ein, damit ein wenig mehr Menschlichkeit um sich greift.

Das ist doch eine wirklich schöne Botschaft!

Natürlich kommen wir nicht darum herum, dem Finanzamt seinen Teil zukommen zu lassen. Wenn aber vom Rest ein gutes Stück in Menschlichkeit investiert wird, dann freue ich mich auf die Zinsen.

Und wenn ich mich für den Menschen einsetze, wenn ich mich darum kümmere, dass um mich herum ein wenig mehr Menschlichkeit entsteht - wer weiß -, vielleicht habe ich dann implizit das zweite, was Jesus gesagt hat, auch schon getan. Wer weiß, vielleicht habe ich dann Gott bereits gegeben, was Gott gehört.

Amen.

Diesen Text als Word '97-DokumentDiesen Text als Vortragsmanuskript im Word '97-FormatEinfacher Lied- und Verlaufsplan als Word '97-Dokument(gehalten am 20. Oktober 2002 in der Paulus- und Antoniuskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.

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