Wir wollen eins sein...

Untenstehender Text entstand in der Folge einer Begegnung zwischen den Gemeinden Paul-Gerhardt und der Pfarrei St. Peter am Pfingstmontag diesen Jahres. Es ist uns wichtig darauf hinzuweisen, dass er nicht das Ergebnis eines Prozesses darstellt, sondern an dessen Anfang steht. Die Aussagen sind daher pointiert und auch provokativ formuliert. Sie sollen auf- und wachrütteln und haben bereits jetzt eine intensive und breite Diskussion in den Gemeinden in Gang gebracht. Im Pfarrgemeinderat St. Peter wurde der Text bereits thematisiert.

Durch das frühzeitige und für uns in diesem Maße unerwartete öffentliche Interesse zu diesem Zeitpunkt ist vielerorts ein völlig falscher Eindruck entstanden. Es ist den Pfarrgemeinderäten und Pfarrgemeinderätinnen deshalb ein großes Anliegen ausdrücklich zu betonen, dass wir zu keinem Zeitpunkt strukturelle Veränderungen, ein Schisma oder eine Abspaltung von der Kirche beabsichtigt haben. Das genaue Gegenteil ist unser Anliegen. Wir wissen uns als römisch-katholische Katholiken dem Schreiben Papst Johannes Pauls II. verpflichtet, der ausdrücklich betont:

Es sind aber auch alle Gläubigen vom Geist Gottes eingeladen, ihr Möglichstes zu tun, damit sich die Bande der Gemeinschaft unter allen Christen festigen und die Zusammenarbeit der Jünger Christi wächst: "Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seiner Fähigkeit " (Enzyklika "Ut unum sint" Papst Johannes Paul II.)

Niemand von uns kann für die Trennung vor 500 Jahren verantwortlich gemacht werden, keiner von uns hat eine solche gewollt. Wir wurden hineingeboren in eine gespaltene Christenheit, die letztlich ein Ärgernis ist und unter der wir zutiefst leiden. Die Bemühungen um ein immer intensiveres Auf-einander-zu-Gehen hier vor Ort gehen mittlerweile ins 40. Jahr. Angesichts der Tatsache, dass es im "katholischen Bruchsal" in einer zweiten Klasse einer Grundschule nur ein einziges katholisches Kind gibt, einer unserer Kindergärten mit seinen sechs getauften Kindern sich fast nur noch im Zusammenschluss mit einem Nachbarkindergarten an der Gestaltung eines Gemeindegottesdienstes beteiligen kann, wird uns immer bewusster, dass die Zeit drängt. Wir werden nur gemeinsam in der Lage sein, den Glauben überzeugend weiterzugeben.

Dass es uns nicht zusteht, Entscheidungen zu treffen, denen kirchliches Recht entgegensteht bzw. die unsere Kompetenz überschreiten, ist uns bewusst. Der Pfarrgemeinderat erkennt daher an, dass der Beschluss in seiner Seitzung vom 28. Juni 2011, in der untenstehender Text als Grundlage des weiteren Handelns angenommen wurde, rechtlich ungültig und formal gar nicht zustande gekommen ist. Es geht bei den Formulierungen auch nicht um Erklärungen im Sinne eines "declaramus" oder darum bestehende Vorschriften selbstherrlich über Bord zu werfen. Es ist uns ein Anliegen, einerseits die drängende Notwendigkeit und gleichzeitig eine tief empfundene Sehnsucht zum Ausdruck zu bringen. Mit großer Hoffnung nehmen wir zur Kenntnis, dass gerade das Anliegen der Gemeinschaft in Abendmahl und Eucharistie in den Dialogprozess der Bischöfe als eines der besonders wichtigen Themen hineingenommen ist.

Wir werden vor Ort die gewachsenen Beziehungen weiter ausbauen und in diesem begonnenen Prozess das weitere Miteinander regeln. Ziel wird eine entsprechende ökumenische Vereinbarung sein. Wir betrachten unsere Geschwister in der Paul-Gerhardt Gemeinde dabei als Partner in der Nachfolge Christi und als Christen, die mit uns auf einem gemeinsamen Weg sind. Dass wir gerade in den letzten Tagen erleben mussten, wie Menschen, die sich römisch-katholisch nennen, unsere evangelische Schwestergemeinden als evangelische Beliebigkeitsvereine und ähnliches mehr bezeichnen, schmerzt uns und wir schämen uns für solche Entgleisungen, die dem Ansehen der ganzen Kirche schaden.

Wenn der Ausdruck "Ökumenische Pfarrei" zu Missverständnissen Anlass gegeben hat, dann bedauern wir das. Das was in unseren Gemeinden in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist, soll aber fest im Gemeindeleben verankert sein. Deshalb sehen wir uns als Pfarrei, die sich der Ökumene zutiefst verpflichtet weiß. Nicht anders wollen wir den Ausdruck verstanden wissen.

Der Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Peter in Bruchsal

Wir wollen eins sein...

Wir, die unterzeichnenden Gemeinden, erklären für uns die fast 500 Jahre andauernde unsägliche Spaltung der Christenheit in unseren Breiten für beendet.

Wir erachten den Willen Jesu Christi, dass alle eins seien, als gewichtiger, als alle theologischen und kirchenpolitischen Überlegungen und Fragestellungen, und wissen uns der Überzeugung verpflichtet, ihm mehr gehorchen zu müssen, als den Menschen.

Wir stehen uneingeschränkt zur Tradition und je eigenen Spiritualität unserer Gemeinden und bekennen die Vielfalt christlichen Lebens in miteinander vereinbarer Verschiedenheit.

Wir bekennen uns zur synodalen Struktur der Alten Kirche und erwarten von unseren eigenen Kirchenleitungen, sich dieser urkirchlichen Tradition wieder zu besinnen.

Wir erkennen an, dass in den anderen mitunterzeichnenden Gemeinden in gleicher Weise Nachfolge Christi und Gemeinde Jesu Christi gelebt wird.

Wir erkennen, dass in unseren Gemeinden Jesus Christus zum Tisch des Herrn einlädt und wissen darum, dass er niemanden, der in seiner Nachfolge steht, auslädt. Diese gegenseitige Gastfreundschaft erklären wir hiermit ausdrücklich.

Für uns ist der Gedanke der weltumspannenden Christenheit bedeutender, als das Denken in Konfessionen. Wir erklären uns dementsprechend zur

  • ökumenischen Pfarrei St. Peter in der römisch katholischen Erzdiözese Freiburg.

  • ökumenischen Pfarrgemeinde Paul-Gerhardt in der evangelischen Landeskirche Baden.

Text in seiner ursprünglichen Fassung als Grundlage für das gemeinsame Gespräch am 26. Juni 2011

   

Nachdem es in den letzten Wochen viele - zum Teil erfreuliche, zum Teil auch besorgte und verärgerte - Äußerungen zum Thema Ökumene gegeben hat, wollen wir als Ältestenkreis unser Anliegen verdeutlichen.

Schon seit Beginn der Paul-Gerhardt-Gemeinde vor 57 Jahren gibt es gute ökumenische Beziehungen zur St. Antonius-Gemeinde. Zwischen den Gemeindegliedern und Hauptamtlichen bestand ein freundschaftliches Verhältnis. Sogar der Name unseres Gemeindefestes "Brückenfest" geht auf eine Brücke zwischen den beiden Kirchengebäuden beim ersten Paul-Gerhardt-Gemeindefest zurück.

In den vergangenen Jahren hat sich die "ökumenische Freundschaft" an vielen Stellen intensiviert. Über Jahre hinweg prägend waren die persönlichen Beziehungen, gemeinsame Bibelwochen, der schon Tradition gewordene gegenseitige Besuch bei den Gemeindefesten und deren Mitgestaltung durch die beiden Kirchenchöre sowie der Weltgebetstag der Frauen. Auch während des Zusammenwachsens der Gemeinden St. Antonius, St. Peter und St. Paul zur Pfarrei St. Peter haben sich weitere gemeinsame Aktivitäten entwickelt wie der Ökumenische Kinderbibeltag, der Ökumenische Jugendkreuzweg sowie ein jährlicher Gottesdienstbesuch in Paul-Gerhardt und in der Pfarrei St. Peter.

Aus der Beobachtung und Erfahrung heraus, dass trotz des guten Miteinanders wenig Vertrautheit mit und Wissen von der jeweils anderen Konfession vorhanden ist, wurde nach den Gottesdiensten jeweils zu einer ökumenischen Gesprächsrunde eingeladen, in der man über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über Vertrautes und Befremdliches sowie über gute und schlechte Erfahrungen in der Ökumene reden konnte. Diese Gesprächsrunden waren jedes Mal sehr intensiv und von vielen beeindruckenden persönlichen Erfahrungen geprägt. Konfessionelle Vielfalt - das war spürbar - bedeutet einen Reichtum an geistlichen Traditionen. In diesen Gesprächen wurde jedoch auch immer wieder deutlich, wie schmerzhaft es ist, dass das Miteinander von Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen an entscheidenden Stellen nicht möglich ist - besonders bei der Feier des Abendmahls bzw. der Eucharistie.

Freude und Schmerz motivieren uns, auf dem Weg zueinander und miteinander in der Ökumene weiterzugehen.

Wir wissen uns darin verbunden mit den vielen Gemeinden in Evangelischen Landeskirchen und den katholischen und freikirchlichen Schwestergemeinden, in denen ein lebendiges ökumenisches Miteinander gelebt und um die Überwindung kirchentrennender Unterschiede gerungen wird.

Und wir sind froh, Pfarrgemeinde in der evangelischen Landeskirche in Baden zu sein, in der das ökumenische Anliegen nicht nur in der Grundordnung ein besonders Gewicht hat, sondern auch im Miteinander mit der Erzdiözese Freiburg vergleichsweise weitreichende rechtliche Möglichkeiten geschaffen hat.

Für unser ökumenisches Miteinander vor Ort sind uns einige Abschnitte aus der Grundordnung der Evangelischen Landeskirche in Baden besonders wichtig:

In der Gemeinschaft der Getauften, deren Haupt Jesus Christus ist, haben alle Unterschiede der Menschen ihre trennende Bedeutung verloren. [Artikel 2 (1)]

Die Evangelische Landeskirche in Baden steht in der Gemeinschaft des Ökumenischen Rates der Kirchen. Mit ihm sucht sie die Zusammenarbeit mit allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Als Unionskirche weiß sie sich dabei verpflichtet, kirchentrennende Unterschiede zu überwinden, und die in Christus vorgegebene Einheit der Kirche im Dienst an der Welt sichtbar werden zu lassen. [Artikel 4 (2)]

Das Recht zur Teilnahme am Abendmahl setzt die Taufe voraus. Zur Teilnahme am Abendmahl sind die Glieder aller christlichen Kirchen eingeladen. Wer am Abendmahl teilnimmt, soll angemessen darauf vorbereitet sein. [Artikel 10 (3)]

Wenn der Apostel Paulus in den Differenzen und Streitigkeiten seiner Gemeinden immer wieder auf Jesus Christus hinweist, in dem die Einheit der Christinnen und Christen vorgegeben ist, und wenn Jesus Christus seinen Vater um die Verwirklichung dieser Einheit bittet (Joh 17), dann ist das ökumenische Miteinander und das Ringen um Einheit nicht eine mögliche Option sondern ein Gebot.

Deshalb bitten wir die verschiedenen Gemeinden und die Kirchenleitungen, sich für das ökumenische Miteinander einzusetzen - in Gebet und Wort und Tat.

Der Ältestenkreis der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Bruchsal, im Juli 2011