Bruchsaler Rundschau Nr. 237 vom Mittwoch, 14. Oktober 2009 - Seite 18
In der Herbstsaison der von der Sparkasse Kraichgau ermöglichten Meisterkonzerte in der Barockkirche St. Peter gastierte das angesehene Vokalensemble „Cantus Solis" aus Karlsruhe in Bruchsal. Werke von Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein, Max Reger und Johannes Brahms standen auf dem anspruchsvollen Programm. Auf beiden neuen Orgeln spielte und begleitete Rudolf Peter, solistisch von der Empore mit dem selten gehörten Concerto des Signor Albinoni von Johann Gottfried Walter, dem Bach-Zeitgenossen, und der fünften Orgel-Sonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Der Organist aus Landau in der Pfalz studierte in der Solistenklasse von Martin Sander an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, zuvor in Karlsruhe und Stuttgart bei Andreas Schröder und Christian von Blohn, bei Martha Schuster und Hans Martin Corrinth. Als freischaffender Kirchenmusiker ist er hauptsächlich an der Landauer Marienkirche mit ihrer großen Steinmeyer-Orgel zu hören. Seine Spielvitalität und intelligente Registrierung haben überzeugt. Interessant auch zu erleben, wie man bei professioneller Phrasierung einer barock disponierten Orgel romantische Klangbilder entlocken kann.
Geistliche Chorwerke aller Stilrichtungen und Epochen stehen im Zentrum der musikalischen Arbeit von Cantus Solis Karlsruhe. Der Name des Vokalensembles bezieht sich auf den Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi und verdeutlicht das christliche Selbstverständnis des ambitionierten semi-professionellen Ensembles. Sein Erfolgsrezept ist die artikulatorische Präzision, das durchweg kultivierte und immer ausbalancierte Klangbild mit erstaunlichen solistischen Beiträgen und die konsequente Texttreue. Die Musik als Dienerin der Texte und Inhalte wird als Basispostulat befolgt und umgesetzt, die Sprachverständlichkeit ist vorbildlich und die Pianissimo-Stellen der Vorträge einfach einmalig in der hervorragenden Raumakustik von St. Peter.
Die Leiterin Anja Daecke aus Bad Neustadt ist seit 2001 künstlerisch verantwortlich für Cantus Solis. Sie studierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe und schloss ihr Diplom-Klavierstudium mit Auszeichnung ab. Ihr souveränes Dirigat in scheinbar völliger Gelassenheit, mal zupackend und vital-antreibend, mal bremsend, asymmetrisch in der Zeichengebung, entlockte dem Chor zauberhafte Klangbilder im gesamten A-cappella-Teil des Vortrags. Intonationssicher und aufmerksam bis in die feinsten Details folgen die 35 Sängerinnen und Sänger, die man zutreffender als Vokalästheten bezeichnen möchte, jedem Impuls ihrer Leiterin.
Deren künstlerische Autorität ist getragen von professioneller Kompetenz und einer beneidenswerten Gefolgschaft ihres Chores, den die begeisterten Bruchsaler Zuhörer nicht ohne Zugabe verabschiedeten: Das 1991 entstandene zeitgenössische „Bendictio" von Urmas Sisask dokumentierte dann auch überzeugend die Meisterschaft von Cantus Solis im minimalistischen, groove-nahen quasi Jazzgesang mit noch präziserer, exakt-perkussiver Artikulation.
Klaus Evers
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