Willi - Das Stadtmagazin, Oktober 2009 - Seite 3
In seiner Predigt am Verkaufsoffenen Sonntag ging Pfarrer Sieger darauf ein. In seiner Predigt schildert er, wie Gewinnmaximierung, immer härterer Wettbewerb und die Schere zwischen arm und reich zusammenhängen.
„(Wettbewerb, die Red.) ...ein nettes Wort für etwas, was heute nicht weniger unbarmherzig ist, als es damals war. Denn dieser Wettbewerb hat nur ganz wenige Gewinner. Die meisten bleiben auf der Strecke. Er macht die Großen größer und die Kleinen kleiner, die Reichen reicher und die Armen ärmer. Und er mündet - was die Gesellschaft angeht - immer in der Katastrophe“.
Tausende Besucher hatten damit offensichtlich kein Problem. Nun gut, sie waren ja auch die, die sich einen netten Nachmittag gönnten. Arbeiten mussten andere. Die indessen sind in guter Gesellschaft: viele arbeiten an Sonntagen, warum nicht auch im Handel? Vielleicht weil dort nicht zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Betriebes gearbeitet wird, wie in Krankenhäusern oder im Zugverkehr?
„Wer sich in diesen Teufelskreis begibt, kann eigentlich nur darin umkommen ...und die Folge davon ist, dass der Wettbewerb jedes Jahr nur noch härter wird. Wir reden uns ein, dass man halt mitmachen müsse, und wir drehen dabei ohne es zu merken immer weiter an einer Schraube, die uns am Ende die Luft zum Atmen nehmen wird. Anstelle gegenzusteuern, hört man auch heute nur allenthalben: Wir sind zwar auch dagegen, aber wir können nichts machen. Wir müssen da doch mitmachen, denn wenn wir es nicht tun - die andern tuns!“
Sehen das die Händler anders? Machen viele nur mit, weil alle mitmachen? Sind sie schon mittendrin, in der Spirale aus der keiner mehr rauskommt? Ist der bilanzierte wirtschaftliche Erfolg so, dass sich der Aufwand, die Investition für den Handel wirklich „lohnt“? Haben die Menschen wirklich nicht genug Zeit, sich während der normalen Öffnungszeiten zu versorgen? Oder ist ein Verkaufsoffener Sonntag eher ein Marketing - Signal des Mittelzentrums Bruchsal?
„Eine Gesellschaft, die sich an so etwas gewöhnt, die nur noch mit den Achseln zuckt und sagt, dass man dagegen sowieso nichts machen könne, in der man als einzige Konsequenz danach strebt nicht ganz zu den Verlierern zu gehören, eben darauf zu achten, dass der Nachbar eingeht und man nicht selbst den Laden schließen muss, in der man eher wenn auch notgedrungen an der Schraube mitdreht, als zu überlegen, wie man aus dem Teufelskreis entrinnen kann, eine solche Gesellschaft wird keinen Bestand haben“.
Ja, es ist legitim darüber nachzudenken. Denn wenn das Heil des strapazierten Handels garnicht im Verkaufsoffenen Sonntag zu suchen ist, ihm eher noch mehr Arbeit, noch mehr Kosten und noch mehr Sorgen bereitet, dann muss man darüber nachdenken. Und wenn der „Kleine“ nur mitmacht, weil die „Großen“ es vormachen, dann sollen doch alle Kleinen einfach mal geschlossen lassen. Mal sehen, ob das Interesse der Besucher daran dann auch so groß sein wird.
Ja, auch KraichgauTV war dabei. Wir hatten viel Arbeit damit, es hat uns viel gekostet und wir hatten nichts zu verkaufen. Wir wollten einfach nur viele Menschen erreichen und zeigen, dass in Bruchsal ein Fernsehsender seinen Sitz hat. Die tollen Bilder davon werden gesendet. Aber ja, auch wir hätten dies an jedem anderen Tag der Woche machen können. Nur sind da eben nicht so viele Menschen ín der Stadt. „Die andern tuns, dann tun wir es eben auch“ oder hätten wir zuhause bleiben sollen?
Was denn nun?
U. Konrad
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