Bruchsaler Rundschau Nr. 64 vom Samstag, 15./Sonntag 16. März 2008 - Seite 31

"Altenherberge-Projekt" unter weltlicher Regie

Die Bruchsaler Perureisende Elisabeth Rieger berichtet von Missständen und Lichtblicken

DIE EINFACHEN PERUANISCHEN INDIOS singen, tanzen und feiern liebend gern. Ob im Gottesdienst oder bei festlichen Riten zu Ehren der Berggötter oder der Pacha Mama. Beim Fest der Urmutter Erde durfte Elisabeth Rieger (Mitte) festlich geschmückt mit dabei sein. Foto: prBruchsal (schu). In der peruanischen Andenregion weilte Elisabeth Rieger mehrere Wochen und besuchte als Partnerschaftsbeauftrage alle zehn verstreut liegenden Anden-Pfarrgemeinden, die innerhalb der Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg die Verbindung mit Perus Prelatur (etwa Diözese) Surandino pflegen. Mit gemischten Gefühlen kehrte sie nach Bruchsal zurück. Sorgen bereiten den Ordensgeistlichen, Ordensschwestern und Katecheten vor Ort restriktiven Maßnahmen in der Besetzungspraxis von Bischofsstühlen und Gemeindepriestern. Vorkonziliare Verhältnisse, vom Vatikan sanktioniert, machten die ohnehin schwierige Arbeit perspektiveloser und demoralisierten die Mitarbeiter, so ihre Erfahrung. Aus der Ferne schon hat die Perureisende brieflich die Bruchsaler Katholiken auf etliche Missstände hingewiesen. Jetzt tut sie dies bei ihren Erlebnisberichten in Gottesdiensten und Perukreis-Veranstaltungen. Die Situation der Kirche im Surandino sei übel. Es herrsche große Angst, dass in zwei Jahren ein neu ernannter, Rom genehmer Bischof Mitarbeiter entlassen und ausländische Priester und Ordensleute weg schicken könnte, wenn sie nicht ins Konzept passen. So wie es in Nachbardiözesen bereits geschehen sei.

Von der blühenden Pfarrei unter Padre Gabriel (die BNN berichteten) sei leider nicht mehr viel übrig. Es gab noch einmal Hoffnung, als Schwestern vom armen Jesus im verwaisten Pfarrhaus ihr „Mutterhaus" einrichteten mit einer sehr klugen und starken Frau als Priorin. Eine Frau, die den Menschen mehr zu geben hatte als der zuständige Pfarrer und die sogar dem Bischof die Stirn bot. Das konnte nicht gut gehen. Der Konflikt spitzte sich zu. Teil davon war auch der Geländeerwerb für die Altenherberge. Im Januar reiste die Priorin ab in ihre Heimat im Norden Perus, um dort das Mutterhaus einzurichten. Drei Schwestern blieben in San Pablo um sich um die entstehende Altenherberge zu kümmern.

Das wegen der Einwände und Bedenken des Bischofs ruhende Altenherberge-Projekt in San Pablo könne nur weitergeführt werden, wenn dies nicht mehr im kirchlichen Rahmen geschehe, sondern in Verantwortung eines örtlichen Vereins. Der Bürgermeister stehe hinter der Sache. Entsprechend notwenig seien weitere Spendengeldern zum Bau des „Altendörfchens". Das Projekt sei also nach wie vor höchst förderungswürdig, betonte die Perureisende. Trotz aller Schwierigkeiten gehe es unter Regie der „weltlichen Neukonstruktion" ab Mai zügig und hoffnungsvoll weiter.

Erst in der Trockenzeit können Adoben zum Bau der Häuschen gemeinsam hergestellt werden. Dies sind Bauziegel aus luftgetrocknetem Lehm-Stroh-Gemisch, klassisches Baumaterial für mit Langgras gedeckte Häuschen. Die Lebensweise der indianischen Ureinwohner kann so im Alter beibehalten werden, und die Gemeinschaft wird hilfreich für alle sein.

„Die Not vieler Menschen ist groß. Alleinstehend „leben" manche alte Frauen am Existenzminimum. Durch die Auflösung sozialer Familienstrukturen sind sie oft völlig unversorgt. Einseitig ist die Ernährung durch kärgliche Ernten von Kartoffeln, Mais und Bohnen. Viele Kinder sind unterernährt. Es fehlt an Milch, Milchprodukten und Fleisch. Solche Nahrungsmittel sind nahezu unerschwinglich. Doch die mit Spenden eingerichtete Schüler- und Altenspeisung funktioniert bestens und wird von den Bedürftigen gern in Anspruch genommen", berichtet Elisabeth Rieger. Dieses erfolgreiche Projekt müsse unbedingt fortgesetzt werden zur Linderung existentieller Daseinsnot.

Mit ihren aussagekräftigen Dias wird sie für weitere Hilfsbereitschaft und Patenschaften werben. Auch etwa in Todtnau, in Karlsdorf-Neuthard oder im Raum Heidelberg, bei all den peruanischen Partnergemeinden eben, die sie im fernen Südamerika, in den abgelegenen Bergregionen in über 3 500 Metern Höhe, vertreten hat.

ZUM BILD: DIE EINFACHEN PERUANISCHEN INDIOS singen, tanzen und feiern liebend gern. Ob im Gottesdienst oder bei festlichen Riten zu Ehren der Berggötter oder der Pacha Mama. Beim Fest der Urmutter Erde durfte Elisabeth Rieger (Mitte) festlich geschmückt mit dabei sein. Foto: pr

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