Bruchsaler Rundschau Nr. 287 vom Mitttwoch, 12. Dezember 2007 - Seite 15

St. Paul und St. Anton sind künftig St. Peter

Drei katholische Pfarreien in Bruchsal fusionieren zum 1. Januar / Vorreiterrolle in der Diözese

Von unserem Redaktionsmitglied Tina Kampf

Bruchsal. Der Slogan klingt locker-lässig: "Aus drei wird eins" ist eine Informationsschrift überschrieben, die derzeit in Bruchsal verteilt wird — und nicht weniger verkündet als eine grundlegende Neugestaltung eines Teils der Kirchenstruktur. Zum 1. Januar fusionieren die Pfarrgemeinden St. Paul, St. Peter und St. Anton (von links, Fotos: Heintzen), die bisher lediglich in einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst waren.

Künftig gibt es dann nur noch eine Pfarrei, die unter dem Namen St. Peter auftritt und am 1. Januar um 17 Uhr bei einem großen Festgottesdienst in der Pauluskirche die Fusion feiert. Diese bezeichnete Pfarrer Jörg Sieger gestern als große Chance: "Gerade mit Blick auf die Verwaltung und den bürokratischen Aufwand erreichen wir eine Verbesserung", erklärte der Geistliche, der schon seit Jahren alle drei Pfarreien betreut. Bisher habe er beispielsweise drei Kirchenbücher führen und drei Haushaltspläne anfertigen müssen. Künftig wird alles gemeinsam erfolgen. Zeit, die er dadurch gewinne, wolle er in Seelsorgearbeit investieren. Geplant sei unter anderem eine verstärkte religiöse Bildungsarbeit.

Beibehalten werden soll indessen die bestehende Gemeindestruktur, das Leben vor Ort, was auch Oberbürgermeister Bernd Doll betonte: "Das Ehrenamt der Kirchen ist für eine Stadt von entscheidender Bedeutung, und es ist wichtig, dass Menschen vor Ort ansprechbar sind", erklärte der Verwaltungschef, der die Neustrukturierung als "richtigen Schritt" bezeichnete.

Nach Überzeugung von Sieger wird die Veränderung für die Gemeindemitglieder kaum spürbar: "Die großen Veränderungen haben wir hinter uns, die Schaffung der Seelsorgeeinheit und die Entscheidung, gemeinsam nur einen Pfarrgemeinderat und einen Stiftungsrat zu haben."

Dennoch sei es künftig verstärkt an den Gemeinden, etwas zu tun — ohne immer darauf zu setzen, dass der Pfarrer dabei ist. Bruchsal nimmt mit der Fusion eine Vorreiterrolle in der Diözese Freiburg ein. Bisher geht es hier im Wesentlichen darum, Seelsorgeeinheiten zu bilden — als Pfarreien zu bündeln, die von einem Pfarrer betreut werden. Hintergrund ist der seit Jahren herrschende Priestermangel, der sich Prognosen zufolge noch weiter verschärfen könnte. "Ich gehe davon aus, dass in Freiburg schon Überlegungen in der Schublade liegen, die in Zukunft von nur noch einem katholischen Priester in Bruchsal ausgehen", sagt Sieger. Sein Kollege Edgar Neidinger, der die Seelsorgeeinheit, bestehend aus der Bruchsaler Hof- und der Stadtpfarrei sowie St. Josef, betreut, hat indessen derzeit keine Fusionspläne: "Natürlich gibt es auch hier eine Zusammenarbeit, etwa gemeinsame Kommunionsvorbereitungen. Grundsätzlich möchte ich aber über sehr lange Zeit gewachsenen Strukturen nicht von heute auf morgen aufgeben", erklärt er auf Anfrage.

 
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