Bruchsaler Rundschau Nr. 70 vom Freitag, 24. März 2006 - Seite 15

Sehr magere Quellenlage

Hutten-Vortrag stieß in Bruchsal auf großes Interesse

CHRISTOPH VON Hutten auf einem wenig bekannten Gemälde nach 1761 aus dem Hutten-Nachlass im Schloss Birkenau. Repro: schuBruchsal (schu). Auf großes Interesse stieß das Vortragsangebot von Kolpingsfamilie und Stadt Bruchsal, Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg, " ... das für das wahre Wohl seiner Unterthanen immer so beschäftigt gewesene Vaterherz", näher kennen zu lernen. Nur einen Steinwurf vom Sarg in der Gruft des Fürstbischof und Kardinals entfernt beleuchtete Dr. Markus Lamm im Pfarrsaal von St. Peter diverse Aspekte zum Leben und Wirken des vor 300 Jahren geborenen Kirchenfürsten der Rokokozeit.

Der gütige Landesvater, ein Waffen- wie Büchernarr, der friedliebend regierte und militärische Auseinandersetzungen verabscheute, war quasi zufällig 1743 zu Bischofsamt und Fürstenhut gelangt. Förderlich waren seine Studien in Rom, schon weil sein Kirchenrechtslehrer später als Papst Benedikt XIV regierte. Reformfreudig bemühte sich Hutten um die Erneuerung seiner Kirche und den Abbau von Missständen, so etwa im Wallfahrts- und Ordenswesen oder Neuregelungen von Trauerordnung oder Bruchsaler Priesterseminar.

Dabei war er kunstsinnig, musikalisch, selbst- und standesbewusst. Er liebte verschwenderische Pracht, Juwelen, die Jagd, die Schießkunst (Belvedere) und den ungarischen Tokajerwein. Der Kardinalspurpur, angeregt durch Maria Theresias Ehemann, schmückte den Habsburgtreuen seit 1761 (siehe Foto). Wegen sich stets verringernden Staatseinnahmen und der vielen mittellosen Untertanen versuchte er sich - leider recht erfolglos - in merkantiler Wirtschaftspolitik durch Betriebsansiedlungen (Saline, Spitzenfabrik) mit damals üblicher Kinderarbeit. Außer einem kurzen Wien-Aufenthalt war er nie auf Reisen, aber voll Baulust, fast wie ein Schönborn: Prunkräume im Schloss, Innenausstattung der Peterkirche, Saline, Huttenkaserne, Schießhaus Belvedere. Seine kostenintensive Hofhaltung (mit Profi-Musikkapelle) diente zur standesgemäßen Selbstdarstellung.

Anders als der Amtsvorgänger hinterließ er Schulden, als ihn am 20. April 1770 letztlich eine Lungenentzündung - so die heutige Interpretation des Sektionsbefundes, aufgezeichnet vom Leibarzt - dahinraffte. Es gibt keine persönlichen Briefe. Die gesamte Quellenlage, abgesehen vom Familienarchiv, ist mager und durch Verluste im Zweiten Weltkrieg dezimiert.

Übrig blieb jedoch ein wenig bekanntes Gemälde von Kardinal Hutten (nach 1761, unsigniert, nicht datiert) aus dem Hutten-Nachlass im Schloss Birkenau. Brustkreuz und Ring sind mit Smaragden und Diamanten besetzt, die teilweise in die badische Herrscherkrone eingearbeitet wurden.

ZUM BILD: CHRISTOPH VON Hutten auf einem wenig bekannten Gemälde nach 1761 aus dem Hutten-Nachlass im Schloss Birkenau. Repro: schu

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