Bruchsaler Rundschau Nr. 274 vom Samstag, 26./Sonntag, 27. November 2005 - Seite 31

"Noch viel zu tun, wenn nichts mehr zu machen ist"

Ökumenischer Hospiz-Dienst (ÖHD) Bruchsal setzte zehn neue Sterbebegleiterinnen in ihren Dienst ein

Von unserem Redaktionsmitglied Hansjörg Ebert

BEGLEITUNG AUF DEM LETZTEN WEG bieten die Mitarbeiterinnen des Ökumenischen Hospizdienstes in Bruchsal an, die in einem besonderen Gottesdienst in diese Aufgabe eingesetzt wurden. Foto: prBruchsal. "Es gibt noch viel zu tun, wenn nichts mehr zu machen ist", steht als Leitgedanke über der Arbeit des Ökumenischen Hospiz-Dienstes (ÖHD) in Bruchsal. Denn wenn die medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, beginnt mit dem Sterben die letzte und schwierigste Aufgabe des Lebens.

Der Hospiz-Dienst hat sich der Aufgabe verschrieben, Sterbende und ihre Angehörigen auf diesem schweren Weg zu begleiten. Jahr für Jahr bildet er dazu Hospizbegleiterinnen und -begleiter aus. Zehn neue Mitarbeiterinnen wurden am Donnerstagabend in einem besonderen Gottesdienst in der Peterskirche in diesen Dienst eingesetzt.

Hinter ihnen liegt ein Jahr der Schulung und Vorbereitung. "Am Anfang standen im Januar zwei Orientierungswochenenden mit einmal 16 und einmal 13 Teilnehmern, bei denen Interessierte abklären konnten, ob sie in die Hospizarbeit einsteigen wollen", erklärte Claudia Schäfer, die Leiterin des ÖHD Bruchsal. Ein Dutzend Frauen entschied diese Frage positiv. Sie nahmen dann an vier Wochenenden an Aufbauseminaren teil, in denen es um Themen wie Abschied, Verlust und Loslassen, um Kommunikation und Rituale, aber auch um das eigene Sterben ging. "Jeder, der an ein Sterbebett tritt, sollte sich auch mit der eigenen Sterblichkeit auseinander gesetzt haben", betont Schäfer. Mit der Frage, was Seelsorge ist und was sie bei Sterbenden bedeutet, beschäftigten sich die Frauen an einem Wochenende mit dem katholischen Klinikseelsorger Bernd Michael Beck, daneben lernten sie auch einige pflegerische Grundlagen.

Den nötigen Praxisbezug erlebten die angehenden Sterbebegleiterinnen an einem Wochenende in einem Aids-Hospiz sowie in einem 40-stündigen Praktikum in stationären Hospizen oder Pflegeheimen. "Erst danach fällt die Entscheidung, ob sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen und in die Sterbebegleitung einsteigen wollen", erklärt Bärbel Seeburger, die stellvertretende Leiterin des ÖHD. Von den zwölf Teilnehmerinnen des Aufbaukurses bleiben nun zehn dabei und ergänzen das derzeitige Helferteam von 20 Aktiven, von denen nun allerdings vier verabschiedet werden. "Mit 26 Hospizbegleitern können wir die Arbeit jedoch gut und zeitnah bewältigen", erklärt Claudia Schäfer. In der weiteren Arbeit werdet diese ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen dann kontinuierlich fachlich betreut. "Eine erste Sterbebegleitung ist schon ein großer Schritt“, weiß Maria Hochstein aus eigener Erfahrung. Sie ist die dienstälteste Mitarbeiterin des ÖHD und ging bereits mit vielen Menschen die letzte Wegstrecke mit - manchmal über mehrere Jahre hinweg, manchmal nur wenige Tage. "Oft sind die Angehörigen so hilflos und können gar nicht mit dem Tod umgehen, man weiß nicht was hilft und wie man trösten soll", erzählt sie. Und dann wieder hat man mit Sterbenden zu tun, die sich dem Tod stellen, ihrem Schmerz nachgeben, die Weinen und das Sterben zulassen und froh sind, auf diesem Weg nicht alleine zu sein.

Mittlerweile ist der Hospiz-Dienst Bruchsal bekannt und wird auch von Menschen aus den Umlandgemeinden in Anspruch genommen. "Wir machen den Erstkontakt mit den Betroffenen und den Angehörigen und schauen dann, welcher Hospizhelfer für diese Aufgabe am besten geeignet ist", erläutert Claudia Schäfer die Vorgehensweise. Beim zweiten Besuch ist der Hospizhelfer dann mit dabei und vereinbart mit der Familie alles weitere. Rund 35 Sterbende hat der ÖHD in diesem Jahr begleitet. Kerzen vor dem Altar erinnerten beim Gedenkgottesdienst an sie.

Auffallend war dabei, dass diese Begleitungen oft sehr kurz und intensiv waren. "Die Leute kommen sehr spät, zum einen, weil sie lange meinen, sie schaffen es alleine, zum anderen, weil das Sterben so überraschend kommt", resümiert Bärbel Seeburger. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn dieser letzte Weg nicht hektisch und unter Zeitdruck gegangen werden muss.

Für Maria Hochstein ist die Sterbebegleitung eine wertvolle Erfahrung ihres Lebens geworden: "Man lebt mit den Betroffenen und nimmt ihr Leid auch ein Stück mit", sagt sie. "Und man ist schnell am Wesentlichen, bei dem eben, was das Leben ausmacht", unterstreicht Claudia Schäfer. Trotz allem mitempfundenen Leid erleben die Hospizhelferinnen ihre Arbeit auch als Bereicherung: "Man wird sensibler und dankbarer für das Leben", sagt Maria Hochstein.

ZUM BILD: BEGLEITUNG AUF DEM LETZTEN WEG bieten die Mitarbeiterinnen des Ökumenischen Hospizdienstes in Bruchsal an, die in einem besonderen Gottesdienst in diese Aufgabe eingesetzt wurden. Foto: pr

Zum Seitenbeginn Zu den Seiten der Pfarrei St. Peter in D-76646 Bruchsal Zum alphabetischen Index Zur Startseite Schreiben Sie mir Ihre Meinung

Bitte sagen Sie uns Ihre Meinung oder schreiben Sie uns ganz einfach. Unsere Adresse lautet: Kath. Pfarramt St. Peter, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal, Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: bruchsal-st.peter@joerg-sieger.de.

Pressespiegel der Pfarrei St. Peter
in D-76646 Bruchsal