Bruchsaler Rundschau Nr. 270 vom Dienstag, 22. November 2005 - Seite 16

Requiem in der Grabeskirche

St.-Peter-Vokalchor beeindruckte bei Konzert am Ewigkeitssonntag

Am Ewigkeitssonntag der Protestanten und im Nachgang zu Allerseelentag der Katholiken hatte der Bruchsaler St.-Peter-Vokalchor, ein 25-stimmiges semi-professionelles Vokalensemble unter der Leitung des Hausorganisten und engagierten Kirchenmusikers Sebastian Münz eingeladen zu Besinnlichem auf höchstem künstlerischem und theologischem Niveau. Zunächst erklangen im barocken Verständnis von Tod, Gottesfurcht und Osterglaube Werke von Johann Sebastian Bach und seinem Schüler Gottfried Homilius. Dem Ausblick zum Auferstehungsgedanken in Gottes Barmherzigkeit und Schutz war das Verständnis von Paul Gerhardt vorangestellt: "Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meiner Not".

Das St.-Peter-Vokalensemble folgt einer durchweg schlanken und filigran-transparenten Tongebung mit sauberen und klaren, auch farblich einheitlichen Frauenstimmen, stressfreien Tenören und kultivierten Bässen. Die fleißige Vorarbeit dokumentiert sich in der stets exakten Phrasierung und punktgenauen Artikulation, welche die Hand des Perfektionisten Sebastian Münz erkennen lässt. Sparsame Besetzungen haben immer den Vorteil der federnden Transparenz und klanglichen Geschmeidigkeit, die in der Kathedralakustik der Basilika St. Peter einen würdigen, kontemplationsstützenden Partner fand.

Stimmlich außerordentlich sympathisch, in gewohnt professioneller Artikulation und mit angemessenem Sprechtempo rezitierte Manfred Rieger Texte und Zitate, die zum Nachdenken einluden und für deren hohen Anspruch und Entstehung man geistlichen Beistand aus dem Pfarrhaus wohl vermuten darf. Heine-Zitate leiteten den romantischen Teil des kurzweiligen Programms in idealer Gesamtlänge ein, und mit liturgischen Kompositionen und Motetten von Herzogenberg, Brahms und Rheinberger haben sich jene Kirchenkomponisten in die bessere Welt hinübergeträumt, wie der Rezitator anfügte. Behaglichkeit und Mühsal, endliche Ruhe und Todessehnsucht kontrastierten in "chromatischer Qual" zu Erlösung und endlichem Frieden mit melodisch-harmonischen Anleihen aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms.

Das Vokalensemble als engagiertes Team beispielgebender Idealisten mit spürbarer Leistungsbereitschaft meistert die Fugato-Einleitungen mit lupenreiner Intonation nach solider Vorbereitung. Chorleiter Münz verfügt über ein hervorragendes musikalisches Gehör, zeichnet verlässlich, hat die Noten im Kopf, weniger den Kopf in den Noten und verstärkt mit hoher Intensität die Botschaft der tiefsinnigen Textvorlagen. An ihm ist ein hauptberuflicher Kirchenmusiker verloren gegangen, weil er als ausgewiesener Organist und Spezialist für das Neue Geistliche Lied genau so zu begeistern weiß wie für klassische Projekte der vorliegenden Art. Bleibt zu hoffen, dass dem engagierten Mediziner neben seinem Einsatz an Krankenbetten noch Zeit und Kraft bleibt für die Pflege der Musica Sacra in Bruchsal.

Mit Bach-Vater fang an, mit Bach-Sohn hör auf - das garantiert einen interessanten Konzertverlauf. Deshalb schloss mit Johann Christoph Friedrich Bachs Motette "Ich lieg und schlafe ganz mit Frieden" ein beachtliches Konzert mit hohem theologisch-religiösem Anspruch, der auch Theodizee-Gedanken und gesellschaftliche Aktualitäten mit nur vermeintlichen Paradiesersatzwelten nicht tabuisierte und eingebettet war in die besonderen Klangsphären eines würdevollen Rahmens im unvergleichlichen Kirchenraum von St. Peter.

Der besondere Zauber des reinen Stimmklanges rührte die in Andacht versunkenen Besucher spürbar an, die mit langem Applaus den Akteuren des musikalisch-theologischen Projektes dankten.

Johann J. Beichel

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