Bruchsaler Rundschau Nr. 269 vom Montag, 21. November 2005 - Seite 9

Auflösung nach getaner Arbeit

Förderverein für die Orgel in St. Peter zog den Schlussstrich

Von unserem Mitarbeiter Stefan Schuhmacher

ALS INSTRUMENT BESONDERER GÜTE gilt die neue Orgel der Bruchsaler Peterskirche, die VIadimir Slajch errichtet hat. Der Förderverein, der sich maßgeblich um das Projekt gekümmert hat, löste sich nach getaner Arbeit auf. Foto: schu

Bruchsal. Einen Schlussstrich unter fünf Jahre intensiver Tätigkeit zog der Bruchsaler "Förderverein Orgelbau Barockkirche St. Peter" und löste sich auf. Ein dankbarer Pfarrer hielt den federführenden Aktivisten in Sachen Orgelbau eine wohl verdiente Laudatio. Seinen unermüdlichen Orgelfans im Laienstand hatte er freie Hand für alle Aktivitäten gegeben. Dr. Jörg Sieger hob insbesondere die intensive Arbeit des Vorsitzenden und Konzertmanagers Dr. Johann Beichel hervor. Er darf sich als Souvenir klangreicher Einsätze die größte Zinnpfeife aus dem alten Orgelprospekt ins Wohnzimmer stellen (siehe "Angemerkt").

Angemerkt

Der nicht mehr existierende Förderverein für den Orgelbau in der Bruchsaler Peterskirche hat zwei Dinge erreicht. Zum einen den Neubau der Orgel an sich. Das Projekt von über 500 000 Euro wäre nicht zustande gekommen, hätten nicht Johann Beichel und Norbert Pohl mit nie nachlassendem Eifer die Umsetzung des Vorhabens angestrebt. Mit Unterstützung der Stadt und vieler Spender konnte die neue Orgel errichtet werden. Das zweite ist das Bewusstsein um die Peterskirche. Das im Krieg zerstörte Bruchsal hat in dem Barockbau ein Gotteshaus, das nicht nur bei den Obervorstädtern, sondern in der ganzen Stadt wahr genommen wird. Die neue Orgel hat dieses Bewusstsein gefördert.

Das wird Konsequenzen haben. Wenn im Freiburger Ordinariat wirklich schon Pläne für das zwar nicht pfarrerlose, aber nur noch von einem katholischen Seelsorger betreute Bruchsal liegen, dann wird die Peterskirche auch in dieser Zeit eine "gebrauchte" Kirche sein. Andere mögen möglicher Weise geschlossen, verkauft werden. In St. Peter wird es immer eine Messfeier geben.

Der Verein hat entscheidend das Bewusstsein für diese Kirche gefördert. Die Orgel wird dauerhaft erklingen. Jetzt muss das Dach saniert werden. Eine neue Aufgabe für Beichel, Pohl und Konsorten? Mit bürgerschaftlichem Gemeinsinn wird man auch diese Maßnahme stemmen - unbeschadet der Haltung des Ordinariats. Freiburg hat die Chance, nach der reservierten Haltung zur Orgel durch Unterstützung der Dachsanierung einen Beitrag zum dauerhaften Erhalt eines für die Bruchsaler Geschichte bedeutenden Gotteshauses zu leisten.

Matthias Kuld

Norbert Pohl war das stets einsatzbereite "Baubüro" für das Drum und Dran, das mit dem Ausbau des alten Kircheninstruments, der Renovierung der Emporerückwand der Barockkirche und dem Einbau des Slaich-Neubaus zu tun hatte. Etliche Handwerker hat er beschäftigt, sich mit Zöllnern und Finanzämtern erfolgreich herumgeschlagen und unmäßigen Schriftverkehr bewältigt. Fünf dicke Aktenordner wandern nun ins Pfarrarchiv. Josef Oszter war nur im "Nebenjob" Konzertkarten-, Professor-Schröder-CD- oder Festschriftverkäufer bei gut 30 Veranstaltungen. Hauptamtlich hielt er die Finanzen zusammen und gab letztlich insgesamt 544 314 Euro aus.

Die neue, in Bauart des 18. Jahrhunderts geschaffene "Barockorgel", die Restaurierung des barocken Orgelgehäuses in seiner ersten Farbgebung 1768 und das Orgelpositiv (die mobile Chororgel), kosteten knapp 473 600 Euro. Für Gutachten, Gerüstbau, Elektro-, Schreiner-, Malerarbeiten, Rückwanderneuerung und Kreditvorfinanzierung waren nochmals 70 700 Euro zu berappen. Die Stadt Bruchsal zahlte 409 000 Euro als vertragliche Ablösesumme der seit 1747 bestehenden Bau- und Unterhaltspflicht für die Orgel. Der Förderverein trug, unterstützt von regionalen Lions- und Rotary Clubs, Vereinsmitgliedern, Spendern und Konzertbesuchern stolze 68 900 Euro zusammen. Der Förderverein Barockkirche St. Peter bezahlte 15 700 Euro für Stuckerneuerung und Malerarbeiten hinter der Orgel. Das Erzbischöfliche Ordinariat überwies 30 650 Euro, und Bruchsals katholische Gesamtkirchengemeinde gab 20 000 Euro.

Ungut allein sei das wenig sachdienliche Gebaren des Freiburger Ordinariats den ehrenamtlich Engagierten gegenüber gewesen ("ein Wermutstropfen"), musste Dr. Beichel feststellen. Positiv bilanzierte er, die Balthasar-Neumann-Kirche habe nun wieder eine Orgel, die sie verdiene, "die sicherlich beste Barockorgel in Nordbaden".

Noch bis Mitte Dezember können Orgelpatenschaften (ab 100 Euro) gezeichnet werden (Kto. 2 44 22 / BLZ 663 500 36 Sparkasse Kraichgau). Das Anbringen der Stiftertafel steht dann als letzte Aufgabe an. Überschüsse gehen an den Barockkirchen-Förderverein. Der lässt das Kirchendach herrichten, "damit die neue Orgel nicht nass wird" (Sieger). Der Peterspfarrer empfahl diesen Verein allen Gebefreudigen, um "das einzigartige Kult- und Kulturdenkmal zu erhalten".

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