Bruchsaler Rundschau Nr. 69 vom Donnerstag, 24./Freitag, 25., März 2005 - Seite 23

Gaudi in der Karwoche?

Zu "Volles Haus..." vom 21. März

"Volles Haus, mehr als 100 Geschäfte lockten, mit Aktionen und Attraktionen", so hieß es in der Bruchsaler Rundschau, oder "Fischereitage, der ASV Forst lädt Sie ein zum Karfreitagsfischessen von 11 bis 19 Uhr" war in einer Anzeige im "Kurier" zu lesen. Zwei Veranstaltungen mit Gaudi und Volksfestcharakter am Beginn der heiligen Woche oder während eines der höchsten christlichen Feiertage, an dem des Leidens Christi gedacht wird.

Hier muss ich Herrn Pfarrer Sieger zustimmen, der im Palmsonntagsgottesdienst in St. Paul sinngemäß ausgeführt hat, dass immer wieder die Bedrohung des christlichen Abendlandes durch den Islam beklagt werde (s. Türkei-Beitritt in die EU), aber die eigentliche Gefahr für die christlichen Werte nicht durch die Moslems komme, sondern wir es schon selbst schaffen, unser christliches Fundament zu zerstören.

In einer Stadt, deren Gemeinderat durch eine Partei dominiert wird, die einen christlichen Namen führt und deren Oberbürgermeister ein gläubiger Katholik ist, finde ich diese Sonntagsveranstaltungen schon etwas befremdlich. Auch die meisten Mitglieder des ASV Forst sind vermutlich christlich getauft, und führen trotzdem eine solche Veranstaltung am Karfreitag durch (wenn es Muslime wären, würden sie dies wegen des Freitagsgebets nicht tun).

Dr. Franz Porz
Obere Au 21
Bruchsal 

Kommerz kontra Kirche

Zu "Volles Haus..." vom 21. März

"Viele kennen Sinn von Ostern nicht" war am Samstag in den BNN auf der ersten Seite zu lesen. Ein Viertel der Befragten hatten "keine Ahnung"; dreizehn Prozent antworteten falsch. Und Palmsonntag?

Nun, in Bruchsal gedachte man des Einzugs Jesu in Jerusalem so: verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt - Jahrmarkt auf dem Messplatz - Flohmarkt beim "Marktkauf" - Automarkt vor dem Schloss.

Wer den Tag doch etwas nachdenklicher begehen wollte, konnte in der "Hofkirche" dem traditionellen Passionskonzert des Kammerchors lauschen und sich an wunderbar leisen geistlichen Liedern erfreuen. Dachte man: denn zwischen den einzelnen Gesängen erdröhnte von draußen das Bum, bum, bum aus den Lautsprechern. Anders kann man wohl Autos nicht verkaufen...

Bruchsal, die einstige Bischofsstadt, leistete sich an diesem Sonntag einen Fauxpas: Kommerz kontra Kirche!

Helga Langrock
Berliner Straße 95
Bruchsal

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