Bruchsaler Rundschau Nr. 62 vom Mittwoch, 16. März 2005 - Seite 16

Spielfreude als Erfolgsrezept

Dierk Modrow und Andreas Fabienke musizierten in St. Peter

Es ist immer wieder faszinierend, was die Raumakustik der barocken Peterskirche in Bruchsal mit Klängen und Rhythmen zu zaubern weiß. Bei einerseits maestosen Breitband-Blechbläser-Monumentalsounds oder beim Generaltutti der neuen Slajch-Orgel wird sie niemals aufdringlich und bei filigranen und entrückten Pianissimo-Passagen bleibt sie präsent, sieht man einmal davon ab, dass bei allzu großer Distanz der Solisten zu den Konzertbesuchern die Transparenz des ansonsten imposanten Nachhalls wegen ein wenig verschwimmt.

Für die Frühjahrssaison der Benefizkonzerte hatte der Förderverein gemäß dem Motto "Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?" zwei Bruchsaler Vollblutmusiker eingeladen. Dierk Modrow ist seit Jahrzehnten gesuchter Tutti- und Solocellist in verschiedenen Formationen, Andreas Fabienke aus Bruchsal hauptamtlicher Kirchenmusiker in Hamburg-Wandsbek. Beide starteten ihre Musikerlaufbahn und reüssierten in der Bruchsaler Musikschule, entsprechend groß war im hervorragend besuchten Konzert die Anzahl der Musikschulfreunde unter den Zuhörern.

Die Programmkonzeption war originell und schwerpunktmäßig Johann Sebastian Bach zugedacht, lediglich eine Orgelsonate seines Sohnes Carl Philipp Emanuel, ein Cello-Orgel-Konzert als Bearbeitung von François Couperin und die Sonate a-moll für die Duo-Besetzung von Antonio Vivaldi wurden als willkommene Stilkontraste eingefügt. Das Zusammenspiel der Duopartner war reif und wohlvorbereitet, immer spannungsvoll und vital unter Auslotung aller dynamischen Varianten und mit geistreicher Artikulation zelebriert.

Spielfreude war das Erfolgsrezept, Leidenschaft und Begeisterung für die großen Vermächtnisse der barocken Musikliteratur die überzeugende Grundlage der Präsentation. Der Organist nützte die Registriervarianten der großen Orgel mit breiter Gestaltungserfahrung und subtiler Klangästhetik, und er nahm sich als Continuopartner an der kleiner disponierten Chororgel angemessen zurück.

Das wertvolle Instrument des Cellisten und seine frische zupackende, dennoch durchweg sensible Gestaltung überzeugten sowohl in den Duo-Beiträgen, aber insbesondere im "großen Brocken" der Bachschen Solosonate in Es-Dur, die er bravourös meisterte. Die Choräle und Choralvorspiel des Organisten zeugten von langjähriger Praxiserfahrung und soliden Studien, sowohl musikologisch als auch spieltechnisch und künstlerisch.

Beide Musiker endeten mit einem meditativversöhnlichen Abendchoral von Johann Sebastian Bach sowie einem venezianischen langsamen Satz von Vivaldi und bescherten den Zuhörern ein eindrucksvolles Konzerterlebnis von besonderem Rang, das obendrein mithelfen wird, die Klangschönheit der neuen Orgel weithin zu propagieren und deren Finanzierung zu erleichtern.

Klaus Evers

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