Wochenblatt Bruchsal & Region, Nr. 49 vom 1. Dezember 2004 - Seite 3
Von Cornelia Bauer
Die Ganztagesschule sei nicht nur "technisch" eine neue
Herausforderung, sondern vor allem pädagogisch, erklärte Oberbürgermeister
Bernd Doll bei der Einweihung der Ganztagesschule an der Bruchsaler
Konrad-Adenauer-Schule.
Seit Beginn des laufenden Schuljahres erprobt man an der Hauptschule in der Südstadt ein solch neues pädagogisches Konzept - ein Konzept, das Veränderungen unterliegt. Das derzeitige Konzept ruht laut Rektor Raimund Glastetter auf fünf Säulen: der Förderung der Schüler, einem erweiterten Bildungsangebot, der Erziehung zur Freizeitgestaltung, der Schulsozialarbeit, und der Rhythmisierung.
Zuvor mussten die äußeren Rahmenbedingungen für eine solche Einrichtung stimmen. Möglich wurde der Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung durch das Investitionsprogramm "Zukunft, Bildung, Betreuung" des Bundes. 90 Prozent der anerkannten Baukosten wurden aus diesem Programm bezuschusst. Mit einer Million Euro baute Architektin Susanne Bacher sogar 100.000 Euro billiger als veranschlagt. An der Stadt bleiben zehn Prozent, also 100.000 Euro hängen. Hinzu kommen 50.000 Euro für die Außenanlagen sowie 90.000 Euro für den Hartplatz - beides Investitionen, für die es keine Zuschüsse zu holen gab.
"Die miserable finanzielle Situation darf uns nicht daran hindern, das Notwendige zu tun", unterstrich Doll. Kinder seien die Zukunft, in diese Zukunft gelte es zu investieren. Gesellschaftliche Veränderungen hätten dafür gesorgt, dass man Schule als Lebensraum nicht wie in der Vergangenheit weiter organisieren könne. Es müssten neue Wege gefunden werden, die den veränderten Lebensverhältnissen in den Familien gerecht würden. In diesem Zusammenhang zeigt der OB wenig Verständnis dafür, dass das Land sich aus der Schulsozialarbeit zurückziehen will.
"Jedem Schüler soll das bestmögliche Rüstzeug mitgegeben werden", sagte Doll. Dazu gehöre nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch die von sozialer Kompetenz. "Kinder und Jugendliche genießen in dieser Stadt Priorität", stellte OB Doll fest.
"Eine verbesserte Qualität unserer Schulen erreichen wir nicht mit einer bloßen Ausdehnung der Betreuungszeiten", stimmte der Präsident des Oberschulamtes Karlsruhe, Dr. Werner Schnatterbeck, dem OB zu. Die Ganztagesschule ist für ihn allerdings nur eine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit, nicht die alleinige.
Ganztagesschule sei ein Familien ergänzendes, aber kein die Familie ersetzendes Angebot. Ansonsten überfordere man die Einrichtung, sagt Schnatterbeck. Es gelte nicht, Kinder besser zu "verwahren", sondern sie mithilfe eines stimmigen pädagogischen Konzeptes in die Lage zu versetzen, Sachverhalte zu beurteilen und das Erlernte dann auch anwenden zu können. Mit der Ganztagesschule müsse eine Verbesserung der schulischen Qualität einhergehen.
Die Ganztagesschule begünstige projektorientierte Lernformen und setze die Pädgagogen in die Lage, Themenbereiche anders anzugehen. Hinzu käme eine Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung. Seinem Ziel, Schule als Lebensraum zu gestalten, fühlt sich Rektor Raimund Glastetter mit der Ganztagesschule ein ganzes Stück näher.
ZUM BILD: Pfarrer Dr. Jörg Sieger und Pfarrvikar Achim Schowalter erbaten für die Ganztageseinrichtung an der Konrad-Adenauer-Schule In der Südstadt Gottes Segen. Foto: Bauer
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