Bruchsaler Rundschau Nr. 102 vom Dienstag, 4. Mai 2004 - Seite 17

Mehrdimensionale Glaubensverkündigung

Auftakt der Orgelfestwoche in St. Peter: Experimentelle Klangperformance kam gut an

Als "Wagemutige" begrüßte Dr. Johann J. Beichel die zahlreichen Besucher in der barocken Peterskirche in Bruchsal zum Auftakt der Orgelfestwochen anlässlich der Indienstnahme der neuen Orgel. Ob die experimentelle Klangperformance "... und aus der Ferne grüßt der neuen Orgel Klang und Atem!" eher Konzert oder Meditationsgottesdienst sei, stellte das kreative Multitalent zur Disposition, was eher einer rhetorischen Frage gleichkam, denn diese konzertante Darbietung von Musik geistlichen Inhalts in einem Sakralraum muss als Glaubens Verkündigung betrachtet werden, die sich obendrein durch die Synthese von Text und Musik mehrdimensional und somit mehr als paraliturgisch gestaltet.

Die ausführenden Musiker zelebrierten einen musikalischen Gottesdienst und wurden zu Liturgen mit profunder theologischer Expressivität. Über fünf Teile spannte sich ein theologischer roter Faden, eine gleichsam liturgische Dramatik mit Klimax und Peripetie vom Tod und der vermeintlichen Verdammnis über Gott in der Natur und Kriegswirren hin zum Weg der Erlösung und zum Licht. Beichel stellte Schrifttexte mit musikalischen Zitaten zumeist aus der Oratorienliteratur zusammen, wobei es nicht um eine originalgetreue Wiedergabe der Musikteile, sondern eher um assoziative Momente in teils experimenteller Verzerrung ging.

Schon allein das Instrumentarium mit Saxophon, Posaune, Keyboards und Drum-Set verhieß keine Authentizität, dafür aber reizvolle, nie gehörte Klangeffekte und -mischungen, welche die fürstbischöfliche Grablege St. Peter als akustische Heimat der neuen Orgel auszuloten vermochten. Hinzu kamen passende Lichteffekte des technischen Projektleiters Thomas Kunle.

Als die Stimme des Herrn im vierten Kapitel des Buches Joel erdröhnte, kommentierte nicht nur Ulrich Dürr an Pauken und Schlagwerk, sondern ließ Kunle auch das Trinitäts-Symbol oberhalb des mit Pfeilen gemarterten Heiligen Sebastian erstrahlen. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes in der barocken Kanzelkrone erleuchtete stets die Lesungen Pfarrer Siegers, dessen sympathische Stimme ein auf der Kanzel positionierter Lautsprecher von seinem Platz in der Sakristei in die Kirche hineintrug.

Besonders gefielen die musikalischen Einlagen von Sebastian Czuray mit Michael Langs Komposition "Gesang der Hebräer im Feuerofen" auf dem Marimbaphon, sowie von Jürgen Gutgsell, der meisterlich über das Lied "Hilf, Herr meines Lebens" improvisierte, welches als Hilferuf der Gemeinde den Weg zur Erlösung symbolisieren sollte. Stephanie Trexler-Walde fungierte wie Beichel und Gutgsell als Vokalistin beim "Pilgerchor" aus Wagners Tannhäuser, ehe sie mit ihrem Saxophon stimmengleiche Melodielinien im mythischen Kerzenlichtambiente der Kirche zauberte.

Von der neuen Slajch-Orgel waren als Präludium zum Gottesdienst lediglich das Windgeräusch, ein tremolierender Pedalcluster und einige Mixturklänge im Dialog mit Saxophon und Posaune zu hören. Als Intonation zum Postludium entlockten die Musiker vier Orgelpfeifen improvisierte Flageolett-Klänge, ehe sie hinführten zum gemeinsamen Schlusslied "Ein Haus voll Glorie schauet" - gemixt mit dem Zitat aus Heinrich Bones deutschem Te Deum "Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit!". Mit großem Beifall bedankte sich das begeisterte Publikum bei den Mitwirkenden, denen mit den Worten Beichels "ein Stein vom Herzen fiel".

Markus Zepp

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