Badische Zeitung - Ettenheimer Heimatbote, Freitag, 17. Oktober 2003
"So. Nun ist das Schlimmste passiert, was passieren konnte", erklärte Jörg Sieger dem Publikum. Dabei hatte Bernhard Uttenweiler, Vorsitzender des Historischen Vereins, nur mal eben einen Stecker gezogen. Das Licht im Rathaussaal ging aus, der Computer samt Beamer auch und mit ihm das Filmbild auf der Leinwand. Die Zuschauer raunten achtungsvoll vor so viel empfindlicher Technik. Uttenweiler steckte den Stecker wieder in die Buchse - und siehe da: Alles war wie vorher.
Es wäre auch zu schade gewesen, wenn der Ettenheimer Theologe und Historiker Jörg Sieger diesen wunderbar animierten - in der Wortübersetzung also beseelten - Kardinal Rohan nicht hätte vorführen können. Sieger, ein profunder Kenner des letzten Fürstbischofs aus Straßburg, hatte das Publikum eingestimmt: Seit 25 Jahren gebe es eigentlich nichts Neues über "den" Kardinal zu sagen. Da wollte er nun zur Erinnerung im 200. Jahr nach dessen Tod das Ganze wenigstens einmal anders sagen. Herausgekommen ist ein 70-minütiger durchweg spannender Videofilm, der sich an den Stationen orientiert, die auch die aktuelle Ausstellung im Rathaussaal zeigt.
Der Kardinal lernt nicht laufen. Das geht auch mit viel neuer Technik nicht. Doch hat Sieger mit Montagen und Überblendtechnik, mit Barockmusik und professionellen Sprechern eine Stimmung erzeugt, wie sie ein Film kaum besser hätte schaffen können. So leiht der Schauspieler Manfred Rieger dem Conrad Machleid, Chirurgus und Bürger von Ettenheim, seine Stimme und liest aus dessen Diarien (Tagebüchern von 1755 bis 1794) vor, was die Einquartierungen von Militär für Ärger bereiteten.
Die Zuschauer waren begeistert von der Premiere. Doch Sieger hat schon ein neues Projekt: Er will in den nächsten Jahren alles Schriftliche über Ettenheims Geschichte einscannen, so dass es für jeden verfügbar ist. Näheres auf seiner Homepage: www.joerg-sieger.de.
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