Bruchsaler Rundschau Nr. 249 vom Samstag, 26. / Sonntag 27. Oktober 2002, Seite 32

Freie Melodieentfaltung im Zusammenspiel mit sakraler Würde

Benefizkonzert für die Orgel in St. Peter war dem ehemaligen Kantor der Leipziger Thomaskirche, Gustav Schreck, gewidmet

Die Orgel wird als Königin der Instrumente bezeichnet. Eine solche allerdings will gehegt und gepflegt sein. Das wissen auch die Besucher der Kirche St. Peter in Bruchsal. Sie müssen seit geraumer Zeit auf einen Teil ihrer Orgel verzichten, da sich diese zum Neu- bzw. Umbau in Prag befindet. Zur Finanzierung dieser kostenintensiven Maßnahme haben der Förderverein Orgelbau St. Peter, Bruchsal, sowie der Rotary-Club Bruchsal-Schönbon ein Benefizkonzert in St. Peter veranstaltet.

Allein einem Komponisten war der Abend gewidmet, dem ehemaligen Kantor der Thomaskirche zu Leipzig, Gustav Schreck (1849 bis 1918), dessen Nachkommen Renate und Klaus Schreck heute in Bruchsal ansässig sind und unter deren Schirmherrschaft das Konzert stattfand. Markus Zepp, Orgel, sowie Hans-Jürgen Höfele, Fagott, eröffneten den Abend mit dem Präludium/Postludium für Orgel. Mit ruhiger Stimmung und sakraler Würde erklang las Werk in einer Art Uraufführung. Weil das Pedal der Orgel in der Peterskirche derzeit Fehlt, wurde die Bassstimme vom Fagott übernommen, was eine schöne klangliche Bereicherung darstellte.

Die Sonate op. 13 für Oboe und Klavier wurde von Petra Flender, Oboe, und Irina Skhirtladze, Klavier, vorgetragen. Die Oboistin führte ihre Linien elegant und mit vollendetem rundem Ton. Bei der im romantischen Stil komponierten dreisätzigen Sonate konnten sich Musikerinnen schön entfalten, während die Pianistin umsichtig und souverän begleitete und die beiden Musikerinnen auch im rhythmisch und klanglich anspruchsvollen dritten Satz ein feines Gespür für gutes Zusammenspiel offenbarten.

Das Heinrich-Schütz-Ensemble zeigte anschließend eine A-cappella-Komposition aus der Feder des Thomaskantors. Die Motette aus Psalm 25 für vier Stimmen op. 23 Nr. 2 mit ihrem gefühlvoll vorgetragenen Leitmotiv zeichnete sich durch klare Artikulation sowie einen weichen und zugleich transparenten Klang aus, dem insbesondere der Sopran eine leuchtende Note verlieh.

Mit Leben und Werk Gustav Schrecks beschäftigte sich Sebastian Herda. Er führte durch die wichtigsten Stationen im Leben Schrecks.

Die Besetzung Orgel und Fagott trug das Choralvorspiel für Orgel mit dem Untertitel "O Ewigkeit, du Donnerwort" vor und überzeugte in der bewährten Manier. Teilweise jubelnd, dann fast entsetzt erklang die Orgel, die mit weichem Registerwechsel auf ihre klanglich vielfältigen Möglichkeiten aufmerksam machte, welche der Komponist gut auszuschöpfen wusste. Singend und mit tragfähigem Klang ergänzte die Oboe den fehlenden Bass. Mit sehr ansprechendem, harmonisch gerundetem Klang ertönte die Liedmotette für vier Stimmen op. 44 Nr. 3 "Gott mit uns", wiederum vorgetragen vom Heinrich-Schütz-Ensemble, ehe der ebenfalls aus Darmstadt stammende Hans Jürgen Höfele begleitet von Irina Skhirtladze am Klavier mit der Sonate für Fagott und Klavier op. 9 den letzten Programmpunkt erklingen ließen. Das dreisätzige Werk mit der Satzbezeichnung Allegro ma non troppo, Largo und Allegro zeichnete sich durch ein sehr gutes Zusammenspiel beider Musiker aus, wobei das Fagott in hohen wie auch tieferen Lagen souverän seinen besonderen klanglichen Reiz entfalten konnte, zumal die Pianistin auch bei stürmischen und technisch anspruchsvollen Einlagen nie zu dominant wurde und dem Fagott daher immer eine freie Melodieentfaltung erlaubte.

Manfred Nistl

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