Bruchsaler Rundschau Nr. 236 vom Freitag, 11. Oktober 2002, Seite 22
In der Mittwochsreihe der vom Förderverein Orgelneubau St. Peter und vom Lions Club Bruchsal-Schloss veranstalteten. Benefizkonzerte musizierte ein Trio der besonderen Klasse in der Barockkirche St. Peter. Der Geigenvirtuose Aureli Blaszczok aus Polen und Kirchenmusikdirektor Andreas Schröder aus Karlsruhe an der neuen Slajch-Chororgel in St. Peter sensibel, doch stets präsent unterstützt von Iris Finkbeiner am Kontabass präsentierten ein schlüssiges Konzertprogramm mit Kleinodien der Geistlichen Instrumentalmusik und mit teilweise programmatischem Charakter.
Professor Schröder ist auch als Hochschullehrer seinem Ruf und Anspruch schuldig, eine anspruchsvolle und beispielgebende Programmkonzeption vorzulegen. Der böhmische Einschlag für die Wahl der Orgelbeiträge wird von ihm eingangs mit Bezug auf die Seuffert-Tradition der Hauptorgel in St. Peter begründet. Er erläutert den aufmerksamen Konzertbesuchern die Programmfolge und ordnet Komponisten und Werke überzeugend ein. Buxtehude zum Einstieg, Johann Sebastian Bach gleich zweifach jm Zentrum und Heinrich Ignaz Franz Biber zum Beschluss. Der durchgängige Marien-Akzent und das pastorale Finale lassen eine schlüssige Folge und Hinführung erkennen. Als Pastoralreferentin rezitiert Marieluise Gallinat-Schneider vor den beiden Rosenkranz-Sonaten beziehungsreiche neutestamentliche Texte zum besseren Verständnis der Inhaltsbezüge jener musikalischen Raritäten des Salzburger Hofkapellmeisters Heinrich Ignaz Franz Biber, und sie spricht ein Ave Maria.
Die erste von Geige und Orgel meisterhaft interpretierte Mysteriensonate trägt den Untertitel "Marie Verkündigung oder die Menschwerdung Christi", die zweite bezieht sich auf Christ Geburt. Andreas Schröder hatte für alle Konzertbesucher einen wissenschaftlichen Aufsatz kopiert, der kirchen- und musikgeschichtliche wie theologische und interpretationskundliche Bezüge verdeutlicht und damit die Einordnung dieser selten gehörten Kompositionen erleichterte.
Die übergroße Akustik der Basilika stellte das prominente Trio vor zwei Herausforderungen. Wie waren Transparenz und klangliche Balance vor allem in den schnellen Sätzen zu garantieren und wie war andererseits die herrliche St. Peter Akustik - so man diese rhythmisch und klanglich zu beherrschen versteht - einzubeziehen in die anspruchsvolle und riskante aber auch chancenreiche Klangästhetik dieses einmaligen Sakralraumes, den um 1740 kein Geringerer als Balthasar Neumann baulich wie auch akustisch entworfen hatte.
Andreas Schröder ist als versierter Organist und Cembalist anschlagstechnisch ausgewiesen und überaus erfahren und Aureli Blaszczok verfügt über eine unglaubliche Professionalität in der geigerischen Gestaltung und Phrasierungsdynamik. Bodenständig schlicht und unkomplizierte Klänge produziert er mit gleicher Meisterschaft wie paganini-ähnliche Wirbelstürme und Gefühlsausbrüche. Am Kontrabass wird mit ruhender Energie begleitet und dort wo sinfonisches Bassfundament erforderlich wird, scheinen die klanglichen Reserven der drei Instrumente durch. Saftige Klangpracht - man vermutet bisweilen ein ganzes Orchester in Aktion - und versöhnte Übereinstimmung lassen den Zuhörern den Atem stocken, abgesehen davon, dass es sich natürlich bei den drei involvierten Instrumenten, Geige, Orgel und Kontrabass, um vorzügliche Exemplare der Instrumentenbaukunst handeln musste.
Muffats Ciacona wirkt verspielt und tänzerisch, eher parodistisch dagegen und frischverschmitzt das Kuckucks-Capricio von Johann Caspar Kerll. Nach dem im Tuttiklang der Chororgel intonierten Orgelchoral Johann Sebastian Bachs entrückte Aureli Blaszczok seine wie gebannten Zuhörer in besondere Höhen mit der Violin-Solosonate in g-Moll. Scheinbar ohne technische Grenzen bringt er den Raum zum Schwingen, mal rasant und kaskadisch, mal verzaubert und entrückt. Ein Wirbelsturm an Tönen nach dem anderen und im Wechsel introvertiertes musikalisches Fühlen und andächtiges Beten. Das Benefizkonzert mutiert zur Sternstunde geigerischer Virtuosität: Diese Musik, diese Musiker und dieser einmalige Klangraum!
Klaus Evers
Bitte sagen Sie uns Ihre Meinung oder schreiben Sie uns ganz einfach. Unsere Adresse lautet: Kath. Pfarramt St. Peter, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal, Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: bruchsal-st.peter@joerg-sieger.de.
Pressespiegel der Pfarrei St. Peter
in D-76646 Bruchsal