Bruchsaler Rundschau Nr. 219 vom Freitag, 20. September 2002, Seite 17

Meisterstücke der musikalischen Rhetorik

Das Karlsruher Heinrich-Schütz-Ensemble überzeugte in der Bruchsaler Peterskirche

Wenn vier ambitionierte Vokalsolisten ein Quartett bilden und sich dafür entscheiden, erst dann zu debütieren, wenn ein eigenständiges klangliches, künstlerisches und gestaltungsspezifisches Profil sich abzeichnet, verrät dies eine besondere Ernsthaftigkeit in der musikalischen Arbeit, künstlerische Seriosität und Weitsicht. Nur so war es den Quartettmitgliedern möglich, einen einheitlichen, tragfähigen und schlüssigen Spannungsbogen für ein knapp 90-minütiges anspruchsvolles Programm mit Juwelen der Geistlichen Musik aufrecht zu erhalten.

Andrea Stadel, Kerstin Wagner, Steffen Doberauer und Markus Wolf haben in der Bruchsaler Peterskirche eine Programmkonzeption präsentiert, die ihre auch musikwissenschaftliche Professionalität spiegelt. Eine Folge Geistlicher Konzerte für die Duett-, Terzett- und Quartettbesetzung vom Namensgeber des Ensembles mit einem eingeschobenen Block verschiedener Variationen von Choralbearbeitungen und Kantionalsätzen zum Choral "Christ lag in Todesbanden" von alten Meistern vor einer abschließenden Rückkehr zu Schütz für vier Stimmen und Continuo garantierte abwechslungsreiche Spannung bis zum letzten Ton. Technik und Stimmklang sind reif und überzeugend, stabil und immer angemessen dosiert, Farben und Dynamik sind konsequent textbezogen und intelligent gewählt.

Lehr- und Meisterstücke einer anspruchsvollen musikalischen Rhetorik werden vorgestellt, getreu der Maxime, die Musik sei die Dienerin der Texte. Mit der übergroßen Akustik in St. Peter sind sie nach fleißigen Vorbereitungen und aufgrund beispielgebender Artikulation und rhythmischer Präzision gut zurechtgekommen.

Markus Zepp assistierte an der neuen Chororgel in St. Peter rücksichtsvoll und bestens disponiert. In den eingeschobenen Choralvorspielen von Johann Heinrich Buttstett, Johann Ludwig Krebs, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach, von letzterem die Fantasia BMW 695, konnte der Organist die volle Klangschönheit der neuen Chororgel zur Wirkung kommen lassen und mit der Raumakustik des einmaligen Sakralbaus von Balthasar Neumann interessant gestalten.

Zum Zwecke der Finanzierungserleichterung wurde das Konzert veranstaltet und vom Rotary Club Bruchsal-Bretten nicht nur finanziell, sondern auch durch den regen Konzertbesuch mit mehreren hundert Gästen in St. Peter unterstützt. Präsident Dr. Wolfgang Vivell - in Personalunion auch Vorstandsmitglied im Förderverein Orgelbau - dankte dem begabten Künstlernachwuchs für einen Konzertgenuss der besonderen Klasse und überreichte dem Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Johann Beichel, einen namhaften Betrag zur Unterstützung des Orgelneubaus. Angekündigt sind im aufwendig gestalteten Programmheft zwei weitere Benefizkonzerte der Mittwochsreihe am 9. Oktober mit dem Geigenvirtuosen Aureli Blaszczok und Professor Andreas Schröder sowie am 23. Oktober mit Werken des Thomaskantors Gustav Schreck.

Klaus Evers

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