Bruchsaler Rundschau Nr. 270 vom Donnerstag, 22. November 2001, Seite 20

Projekt der "Schülerspeisung" kommt zusehends in Bewegung

Peru-Tag der Bruchsaler Gemeinden St. Peter und St. Paul

EIN KOSTENLOSES WARMES MITTAGESSEN bekommen die Kinder bei der Schülerspeisung in der peruanischen Partnergemeinde San Pablo. Beim Peru-Tag erfuhren die Besucher auch, dass für die Mehrzahl der Kinder die Schuluniform - ein blaugelber Trainingsanzug - die einzige Kleidung ist. Foto: prBruchsal (schu). Zur Unterstützung ihrer Partnergemeinden San Pedro/San Pablo im südperuanischen Andenhochland organsisierte. der Bruchsaler Perukreis St. Peter/St. Paul einen Peru-Sonntag. Feierlicher Gottesdienst und gemeinsames Essen, was in Peru an den dort im Volk höchst beliebten Heiligenfesten immer zusammengehört, wurden sozusagen nachvollzogen.

Pfarrer Dr. Jörg Sieger stellte in einer eindringlichen Predigt heraus, dass ohne soziale Gerechtigkeit wirklicher Friede ein Wunschtraum bleiben wird. "So lange Menschen hungern, gibt es keine soziale Gerechtigkeit auf dieser Erde. Ohne Gerechtigkeit aber gibt es weder Frieden noch Sicherheit", lauteten zwei seiner Kernsätze (im Internet nachzulesen). Mit thematischen Liedern, teilweise in spanischer Landessprache, gestaltete die Gruppe "Neues geistliches Lied" den Gemeindegottesdienst.

Essen, damit andere zu Essen bekommen, könnte der weitere Verlauf des Peru-Tages überschrieben werden. Denn ein wichtiges Anliegen ist neben der bescheidenen Bezahlung von Arbeitsplätzen (Köchinnen, Pfarrhaushälterin, Katecheten) die Schülerspeisung. Ganze hundert Mark kostet die Jahresverpflegung pro Kind, die in einer täglichen warmen Mahlzeit besteht. Schulkinder aus weit entfernt liegenden Gemeindeteilen werden mittags kostenlos verpflegt. Dass dieses Projekt (die BNN berichteten) ins Laufen gekommen ist, dazu legte Elisabeth Rieger beweiskräftige Fotos ihres zweiten Besuchs vor. Die sehenswerten Dias, die sie zusammen mit dem Pfarrer kommentierte, hatten eine verblüffende. Wirkung: Urplötzlich wurden Land und Menschen sichtbar, rückten näher. Jetzt bekamen die Indio-Kinder Gesichter, für die letztes Jahr das von Bruchsal aus finanzierte Mittagessen eingerichtet wurde. Mütter kochen abwechselnd und verdienen so schmalen Lohn für ihre Familien. Oft sind es von ihren Männern unversorgt verlassene Frauen mit mehreren Kindern.

Von berückender Schönheit für Touristenaugen ist das Heimatland der armen Ketchuan-Indios, dessen höchster, schneeweißer Gletscherberg über 6 000 Meter hoch in der Ferne in den azurblauen Himmel über San Pablo ragt. In krassem Gegensatz zur Naturidylle ist die fast baumlose Kargheit des Andenhochtales, die mühsame Lebensweise der schlichten Hochgebirgsbewohner. Nur tägliches Abrackern hilft zu überleben. Perspektiven auf Verbesserungen aus eigener Kraft gibt es nicht. Die Touristengelder fließen in die Taschen der Reichen, denen auch weitgehend das Land gehört. Seit der spanischen Eroberung und Zwangsbekehrung zum Christentum sind die Einwohner im einst blühenden Hochkulturland Peru total verarmt.

Den Glaubensbrüdern in Südamerika zu helfen ist Christenpflicht. Das neue Pfarrheim von St. Peter war durch Kirchgänger und Peru-Freunde gut besucht. Etwas Abhilfe in dringlichen Fällen wird der Erlös aus typisch peruanischen Gerichten, Kuchenspenden und Tombola wieder ermöglichen. Hilfreicher wären indes Patenschaften und regelmäßige finanzielle Zuwendungen für die Projekte vor Ort, die der Reisebericht streifte. Informationen dazu gibt es über Telefon (0 72 51) 8 98 80.

ZUM BILD: EIN KOSTENLOSES WARMES MITTAGESSEN bekommen die Kinder bei der Schülerspeisung in der peruanischen Partnergemeinde San Pablo. Beim Peru-Tag erfuhren die Besucher auch, dass für die Mehrzahl der Kinder die Schuluniform - ein blaugelber Trainingsanzug - die einzige Kleidung ist. Foto: pr

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