Bruchsaler Rundschau, Nr. 92 vom Samstag, 21. April 2001, Seite 31

Das Interview

Kurios: Benefizkonzert für St. Peter in St. Paul

Dr. Johann Beichel dirigiert den Landesgospelchor zum dritten Mal in der Bruchsaler Kirche

ZUM BILD: JOHANN BEICHEL dirigiert am 5. Mai in St. Paul Bruchsal den Landesgospelchor. Foto: hpsMit neuem Programm und neuer Besetzung tritt der vom Landesmusikrat organisierte und vom Kultusministerium geförderte Landesgospelchor am Sonntag, 5. Mai, um 19.30 Uhr in der Bruchsaler Kirche St. Paul auf. Der Chor steht unter Leitung seines Bruchsaler Gründers Dr. Johann Beichel. Alle freiwilligen Eintrittsspenden sollen für den Neubau des Pfarrheimes von St. Peter gestiftet werden, nachdem engagierte Sponsoren aus Bruchsal und der Region die organisatorischen Kosten des Konzerts übernommen haben. Im Vorfeld des nunmehr dritten Auftritts des Landesgospelchors in St. Paul stellte die "Bruchsaler Rundschau" seinem Dirigenten einige Fragen.

BNN: Weshalb alljährlich Gospelkonzerte in St Paul Bruchsal mit einem Landesauswahlchor? Des Heimvorteils wegen für den künstlerischen Leiter oder gibt es noch andere Gründe?

Beichel: Die Wiege des Landesgospelchores steht in Bruchsal und in Karlsruhe Proben finden oft in der nordbadischen Region statt. Heimvorteil insofern als die räumlichen und akustischen Voraussetzungen in St Paul nahezu ideal sind und die große Kirche unserer Fangemeinde gut aufnehmen kann. Gondulf Schneider als Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Konzertmanager agiert obendrein ziemlich professionell.

BNN: Wie kommen Sie auf den Benefizzweck "St.-Peter-Pfarrheim", wenn Sie in St. Paul singen?

Beichel: Unsere Idee gründet auf der Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, im Barockjuwel St. Peter des Architekturgenies Balthasar Neumann afro-amerikanisch lautstark und bewegt anzuheben. Mein persönlicher Respekt vor der barocken Stilepoche macht mich befangen. Übrigens fasst die kleinere Peterskirche auch weit weniger Konzertbesucher. Pfarrer Dr. Sieger wird es zudem gleichgültig sein, in welcher Schwestergemeinde wir uns für seine aktuellen Anliegen idealistisch engagieren.

BNN: Der Landesgospelchor hat seit 1994 nun seine vierte Besetzung? Weshalb die vorsätzliche Diskontinuität? Gibt es Vorschriften seitens des geldgebenden Ministeriums?

Beichel: Ja! Das Kultusministerium als "Hauptsponsor" des Landesgospelchores möchte, dass möglichst viele Jugendliche in diesem Ensemble mitsingen können. Deshalb ist die aktive Mitgliedschaft auf eine oder zwei Spielzeiten begrenzt. Ferner leisten die Chormitglieder oft einen enormen Fahraufwand zu Proben und Aufführungen, der irgendwann erlahmt. Sie wirken anschließend als Multiplikatoren weiter und leiten in der Regel selbst Gospelchöre oder treten als Solisten auf. Mit der entstandenen Diskontinuität habe ich zwischenzeitlich gelernt zu leben.

BNN: Wie wird man aktiver Mitsänger in diesem Landesauswahlchor? Gibt es Wartelisten?

Beichel: Es gibt alljährlich Ausschreibungen an Gymnasien, Realschulen und Hochschulen. Die Interessenten melden sich, werden je nach schriftlich dargestellter Vorerfahrung und musikalisch-sängerischem Bildungsstand zu Probenwochenenden eingeladen und dann chorisch oder solistisch eingesetzt. Das Interesse ist so groß, dass wir nicht alle aufnehmen, und manche zur nächsten Saison vertrösten müssen.

BNN: Beichel als Barockimpresario und aktiv in der überregionalen Gospelszene: Haben Sie sich musikalisch verirrt?

Beichel: Meine Studien- und Unterrichtsfächer im Lehramt waren Musik, Englisch und Theologie. Fasst man die drei Bereiche zusammen, kommt Gospel raus. In der barocken Aufführungspraxis gibt es übrigens auch Metrum, Improvisation und Emotionalität. So weit entfernt voneinander sind diese beiden Bereiche gar nicht. Musiziere ich vornehmlich klassisch, freue ich mich auf's "Gospeln". Nach Gospelphasen kann ich's kaum erwarten, Händel oder Vivaldi einzustudieren und zu dirigieren. Nach Gospel im St. Paul folgt in diesem Jahr Händels Dettinger Te Deum mit dem Landkreis-Projektchor und eine Vivaldi-Gala mit dem Bruchsaler Barockensemble beim "Fest" in Karlsruhe. Die Mischung macht's!

ZUM BILD: JOHANN BEICHEL dirigiert am 5. Mai in St. Paul Bruchsal den Landesgospelchor. Foto: hps

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