Spitz-Wegerich
- Plantago lanceolata L.

Alle Autoren, die die Kräuter auf dem Besuchsbild beschreiben, erwähnen den Spitzwegerich. Wo er allerdings zu sehen ist, ist nicht ganz so einfach auszumachen.
Wolfgang Kühn, auf dessen Arbeit in den meisten auf ihn
folgenden Publikationen Bezug genommen wird, erwähnt in seinem Aufsatz von
1948, dass einige Pflanzen mehrfach dargestellt seien. Leider sagt er nicht
welche. Er zählt die Pflanzen, die er identifiziert auch nur auf und macht
nicht deutlich, an welchen Stellen er sie zu sehen meint. Glücklicherweise
fügt er Zeichnungen bei. Aus ihnen geht - zumindest für die linke
Pflanzengruppe mit dem Wappen des Guido Guersi - hervor, wo er welche Pflanze
zu sehen glaubt. Dort macht Kühn den Spitzwegerich neben dem Eisenkraut und
dem Breitwegerich aus. Ob er den Spitzwegerich in der großen Gruppe der
Kräuter auf der rechten Seite des "Besuchsbildes" ein zweites Mal
sieht, sagt er nicht. ![]()
Lottlisa Behling, die sich auf Kühns Aufsatz bezieht,
glaubt den Spitzwegerich nur einmal entdecken zu können und zwar in der vom
Betrachter aus gesehen linken Pflanzengruppe. ![]()
Unter Hinzunahme neuerer Aufnahmen kann man mit Prof.
Henning Häupler, Christian Schulz und Prof. Thomas Stützel von der
Ruhruniversität Bochum zum Schluss kommen, dass ein zweiter Spitzwegerich
dargestellt sein dürfte und zwar in der rechten Gruppe der Heilkräuter. Dort
ist er allerdings nicht, wie auf der linken Seite mit aufrechten, sondern mit
ausgebreiteten, am Boden liegenden Blättern dargestellt. ![]()
Welche Absicht verfolgte Meister Mathis, diese Pflanze zweimal in beiden Gruppen und in unterschiedlicher Art und Weise zu malen? Wollte er mit der linken Pflanzengruppe etwas anderes ausdrücken als mit der rechten?
Der Spitzwegerich ist durch das 1992 wiedergefundene Rezept
belegterweise Bestandteil des Antoniterbalsams. In diesem Rezept, das
Elisabeth Clémentz zufällig wieder entdeckte, finden sich aber auch
zahlreiche Pflanzen, die nicht auf dem Besuchsbild dargestellt sind
.
So könnte man vermuten, dass die beiden Wegericharten, die hier detailgetreu
dargestellt sind, stellvertretend für das Rezept des Antoniusbalsams
abgebildet wurden. Es wäre dann darum gegangen, die Medizin der Antoniter ins
Bild zu bringen, ohne das komplette Rezept, das ja der Geheimhaltung oblag,
preiszugeben.
Steht die - vom Betrachter aus gesehen - linke Gruppe der Kräuter für Antoniusbalsam und Antoniuswein, die bedeutenden Arzneien der Antoniter? Ist dann die entsprechend rechts dargestellte Gruppe ein Hinweis für die allgemeine Heilkraft der Kräuter, einfach eine Gruppe von Heilkräutern, wie sie in der Natur vorkommt?
Wolfgang Kühn hat in seinem Aufsatz die Annahme verworfen, dass hier einfach einer Naturdarstellung, entsprechend Dürers Rasenstück etwa, vorliegen könnte. Die Pflanzengruppe, die hier dargestellt sei, würde keine Einheit darstellen, wie sie in der Natur denkbar wäre. Er begründet seine Aussage damit, dass auf dem Bild sowohl Pflanzen, die einen trockenen als auch Pflanzen, die einen feuchten Grund lieben, gemalt seien.
Beim näheren Hinsehen fällt allerdings auf, dass Wolfgang
Kühn nur eine einzige wasserliebende Pflanze entdeckt, die Scrophularia
aquatica L. - geflügelten Braunwurz, in der Vergangenheit auch Drüsenwurz
genannt. Dieselbe wird aber nur von ihm auf dem Bild gesehen. Weder Lottlisa
Behling
noch Emile Issler
identifizierten auf dem Besuchsbild eine Pflanze, die dem Drüsenwurz
entsprechen würde, und auch beim Betrachten neuerer Fotos ist Scrophularia
aquatica L. nicht auszumachen
.
Wenn man alle bis dato annähernd und sicher identifizierten
Pflanzen hinsichtlich ihrer Bedürfnisse genauer betrachtet, wird deutlich,
dass alle keinen feuchten Grund benötigen
.
All dies sagt natürlich noch nicht, dass Meister Mathis hier tatsächlich einfach einen Naturausschnitt gemalt hat. Diese Möglichkeit aber gänzlich auszuschließen, so wie Kühn es in seinem Aufsatz tut und wie es bis in die Publikationen unserer Tage von Kühn her einfach übernommen wird, kann man nicht.
Vielleicht weist diese Pflanzengruppe in ihrer Anordnung,
wie sie einfach in der Natur vorkommen könnte, dann ja über die kunstvoll
zusammengesetzte Medizin der Antoniter hinaus. Möglicherweise bringt Meister
Mathis hier die schon von Natur her in den Pflanzen steckende Heilkraft in den
Blick. Links wäre dann der Hinweis auf die menschliche Arbeit und die
Wissenschaft der Medizin gegeben, rechts wird unser Blick auf die Natur selbst
und die in ihr steckende Heilkraft gelenkt. Damit weist auch diese Darstellung
über sich selbst hinaus und bringt den Heilswillen Gottes in den Blick, wie
er sich so vielen Details der Schöpfung manifestiert
.
Bevor hier die Texte der mittelalterlichen Abhandlungen im Wortlaut des jeweiligen Originales wiedergegeben werden, sei darauf hingewiesen, dass die hier vorgestellten Ausführungen zu den Pflanzen nicht dazu geeignet sind, Krankheiten selbst zu behandeln. In dem Buch "Höhepunkte der Klostermedizin - der 'Macer floridus'" weisen die Autoren und Übersetzer auf das nicht geringe Risiko eines solchen Tuns hin.
"Um etwaigen gefährlichen
Missverständnissen vorzubeugen, sei folgendes vorweg gesagt: Dies ist kein
medizinisches Hausbuch für den modernen Menschen, dieses Buch ist nicht als
Anleitung zur Selbstmedikation zu gebrauchen. Zwar handelt es sich bei dem
"Macer floridus" um das erfolgreichste Werk der Epoche der
Klostermedizin, und es spricht auch manches dafür, dass dieses Lehrgedicht
zur Selbsthilfe innerhalb und außerhalb des Klosters herangezogen wurde. Aber
hier werden keineswegs nur mild wirkende Arzneipflanzen behandelt, die man
bedenkenlos auch in der Drogerie vertreiben könnte, sondern es werden ebenso
"echte Hämmer" herangezogen, Pflanzen, die schweren Schaden oder
gar den Tod bringen können, auf die man - lange vor der Zeit der chemischen
Pharmazie - aber nicht verzichten wollte oder konnte. Hinzu kommt, dass nach
heutigem Wissen viele der Rezepte und Ratschläge kurios bis dubios
erscheinen, ganz abgesehen davon, dass wir heute von einem Großteil der hier
empfohlenen Anwendungen keine Erfahrungswerte besitzen."
(Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl (Hrsg.),
Höhepunkte der Klostermedizin - der 'Macer floridus' und das Herbarium
des Vitus Auslasser, Erweiterte Reprintauflage der Originalausgabe von 1832 ab
Seite 28, Seite V).
Diese Bedenken lassen sich auf alle mittelalterlichen Kräuter- und Medizinempfehlungen übertragen und gelten selbstverständlich für alle in diesem Zusammenhang behandelten Pflanzen.
Den heutigen Kenntnisstand über die Wirkung
der klassischen Heilkräuter gibt beispielsweise das 'Handbuch der
Klostermedizin'
wieder. Auch entsprechende Websites geben hilfreiche Auskunft
.
Sehr schnell werden Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede zur
mittelalterlichen Verwendung der Kräuter deutlich.
Eine der wichtigsten Quellen über die Verwendung ist der "Gart der Gesundheit". In ihm wird dem Spitzwegerich ein eigenes Kapitel gewidmet. In den übrigen, hier vorgestellten Publikationen verschiedener Autoren, wird er üblicherweise zusammen mit den anderen Wegericharten behandelt.
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Plantago minor kleyn wegerich oder spitz wegerich Cap • cccix • |
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Plantago minor lanne • Die meister sprechen das
Spitz we |
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Item welchen dückt in synem lyb das er geßen oder
gedruicken |
Als zweiter Text soll die Abhandlung wiedergegeben werden, wie sie sich im sogenannten 'Macer floridus' findet. Hier zunächst der originale lateinische Wortlaut:
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VI. Plantago |
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Herbam, quae nostra lingua Plantago vocatur, |
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200 |
Altera vero minor, quam vulgo lanceolatam |
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205 |
Si superaddatur cum melle, et sordida purgat. |
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210 |
Stringit manantem superaddita trita cruorem, |
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Macer Florius. |
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Sola canis morsum curat sedatque tumorem, |
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215 |
Hydropicis ut olus decocta comestaque prodest, |
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220 |
Et dolor hoc auris sedabitur et sacer ignis. |
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225 |
Pellitur es oculis tumor hoc fervorque perunctis. |
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230 |
Stringit manantem nimium siccando cruorem. (...) |
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Konrad Goehl und Johannes Gottfried Mayer übersetzen den Text folgendermaßen:
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6. Plantago, der Wegerich |
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|
Das Kraut, welches in unserer (lateinischen)
Sprache Plantágo heißt, |
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Breitwegerich (plantago maior), / die andere
Kleinwegerich (planta- |
200 |
|
Letzterer, also der Breitwegerich,
trocknet, / mit Honig darüber |
205 |
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bei Blutstuhl und Bauchgrimmen. / Legt man das
Kraut gestampft |
210 |
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Halsdrüsen. Als Gemüse gekocht und gegessen, /
hilft's Wassersüch- |
215 |
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Träufelt man diesen Saft in eine Fistel, so
heilt sie ab; / auch der |
220 |
|
er den unmäßigen Fluß der Blutstuhl Leidenden.
/ Augenschwellung |
225 |
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zäpfchen von unten her an die Gebärmutter
heran, / trocknet und (...) |
230 |
Folgen wir nun den Ausführungen des Hieronymus Bock in seinem 'Kreutterbuch' aus dem Jahre 1577:
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Von Wegerich. Cap. lxxv. |
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Kein wunder ist das Chrysippus vom We= |
Chrysippus. |
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gerich kraut in d'kost / wie andere můß
kreutter / bereiten lassen / sonderlich aber in Bauch= |
Bauchfluß. |
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tago. Das aller groest hat bletter wie
Entian oder Mangolt / auff der Erden aufge= |
Grosser Wege= |
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O iii |
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Von der Kreutter Vnderscheid / |
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Das mittelst würt inn der ganzen Substantz ein wenig kleiner. Bleibet mit sei= |
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Mittel Wege= |
nen blettern die auff dem grundt als ein Stern
außgespreit ligen / uber Winter gruen / |
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Der dritt Wegerich ist d'aller schmaeehlest an den blettern / hatt auch seine Rippen |
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3. |
wie die andern / von farben schwarzgru en.
Die glatten stengel seind nicht rund / son= |
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Tempus. |
licher vnnd gebreuchlicher. Dise kreutter blueen
alle sampt gegen dem Meyen vnnd Sonst |
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Namen und Würckung I Theil. |
83. |
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Sonst findet man noch ein schoen
kraut / mit feißten gruenen blettern / den Wegeri= |
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Von den Namen. |
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Dise kreutter weil sie dē zungen gleich seind /
werdē sie mit den namē
Αρνόγλοσ= |
Arnoglossa. |
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kraut einand' aehnlich seind. Sonst heißt
sie auch Cotunix / Gelapyros / Stelaphuros / |
Coturnix. |
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selb kraut vn
samen / aller meist fuer die rote Rhůr braucht. Das and'
vnd spitz Wegerich dritten |
Rote růhr. |
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Von der kreutter Vnderscheid / |
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dritten vnd weissen Wegerich nicht gekennt haben /
oder haben den roten vnnd den mit |
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Von der Krafft vnd Würckung. |
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Vnder vilen kreuttern ist der Wegerich mit seinen
geschlechten inn der Arznei am |
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Wunden. |
beide Vihe vnnd menschen. |
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Innerlich. |
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Versehrung / |
Gruen Wegerich kraut gekocht vnnd inn der
Speiß genossen / deßgleichen der sa= |
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Phthisis. |
Phthisis genat. |
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Abnemmen. |
Das gebrant wasser ist inn disem
presten lieblicher zůbrauchen / dienet auch für blůt |
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Reichen / Fallen- |
Wegerich safft gedrucken ist nutz vnnd
gůt fuer die Reichende / vnd denen welche |
|
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Drei Wegerich wurtzel inn Wein gesotten vnnd gedruncken vom selben wein / soll |
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Tertiana. |
das Feber tertianam vertreiben. Vier wurtzeln also
bereit vnd gebraucht / soll hiennem= |
|
Weiberfluß. Versehrung im Leib. |
Gemelt Wegerich wasser / oder der außgetruck safft
daruon / stopfft den Weibi= |
|
Drittaegige Fe= |
Den safft von Wegerich mit Eßig
vermischet / vnd etliche tag nach einander frue |
|
Verstopffte Le= ber / Nieren. Wurm im leib. |
Wegerich bletter vnd der
samen eröffnet die verstopffung der Leber vnd der Nierē. |
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Eüsserlich. |
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Hauptwehe. |
Der Wegerich safft vnnd wasser benemmen das grausam Hauptwehe / leine důch |
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Augen hitz vnd |
lein darinn genetzt vnd vbergeschlagen / ist ein Experiment. |
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sehre. |
Wegerich safft inn die Augen gethan / reiniget sie vnd leschet die hitz / inn die |
|
Ohren Schmerz. |
Ohren gethan heilet das versehret ist vnd bringet wider das gehoer. |
|
Den |
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Namen vnd Würckung I Theil. |
84 |
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Den mund mit Wegerich wasser offtermals
zům tag geweschen / vnnd den Halß |
Effen im Mund. |
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Wegerich wurtzel mit souil Bertram
gepuluert / vnnd auff den holen Zan gelegt / |
Zahn Schmerzen. |
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Die wunden von schlangen vnd rasenden
Hunden gebissen / mit Wegerich safft |
Schlagen / |
|
Alle fliessende Schaeden der
Maltzey vnnd Flechten / deßgleichen andere schaeden |
Fliessende Schaeden. |
|
Wegerich safft oder wasser mit
Hauswurtz temperiert / vnd vber das wild Fewr ge= |
Carbunckel |
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Etlich hencken Wegerich wurtzel an den
Halß / vermeinen die kroepff darmit zů= |
|
|
Allerlei hitz zů leschen vnnd
geschwulst nider zůlegen / würt Froesch loeffel
kraut / oder |
Geschwulst vnnd Hitz. |
|
In summa / alle Wegerich seind
wundkreutter zů allen schaeden / alt unnd new / |
Wundkreutter. |
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Erasmus schreibet / wan
ein Krott von einer Spinnen gestochen werde / eil sie zům |
Spinnen stich. In Dial. Amici= |
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Wegerich gestossen vnnd mit Eyerweiß auffgelegt / stillet das blůten der wunden / deßgleichen heilet es auch die gebrant glider. |
Wunden blůten. |
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Wegerich wasser mit souil Eßig
vermischet weret dem blůte der Nasen / duechlein |
Nasen blůten |
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Einen Badschwammen inn Wegerich wasser
vnnd Eßig genetzet / den Weibern |
Můter. |
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Drei bletter Spitzen Wegerich im mund gehalten / ist gůt fuer Bienen stich. |
Bienen stich. |
|
Wegerich puluerisiert vnnd inn die fleisch wunden gezettelt / heilet. |
Wunden heilen. |
|
Wegerich bletter puluersisiert mit ein
wenig Saltz vermischet / Pflasters weiß auff |
Podagram. |
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So jhemand die fueß von muedigkeit geschwollen weren / der neme Wegerich vnnd Eßig / zerstoß mit einander / vnnd leg es vber die
geschwulst / es hilfft. |
Geschwollene Fueß. |
Abschließend sei die Datstellung des Otto Brunfels aus seinem 'Contrafayt Kreuterbuch' angeführt.
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Wegrich |
B |
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Von den Namen des Wegrichs. Wegrich würt vff kryechisch genent Ar= noglossos / oder Heprapleuros / oder Polyueuros /
vnd vff Latinisch Planta= |
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Wie der Wegrich geformyert vnd
gestalt/ |
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Wegrich ein vast gemeyns kraut /
menigklich wol bekant. Würt von Dio= |
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Von der gestalt des breytten Wegerichs. |
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Der Grossz / oder Breyt Wegerich / hat ein breyts blatt / gleich einer zungen. Darumb er auch Schaffzung genant / vnd über den
rucken mit syben rippen |
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LVIII |
Contrafayt |
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C |
Contarfactur des Spitzen Wegrichs. |
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Der Kleyn / würt darumb der Spitz
Wegrich genant / das er ein spitz blatt |
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Wie Froeschleffel kraut geformyert. |
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Froeschleffelkraut / ist dem
vorderigen nit vast vngleich / ist aber zaeher / vnd |
|
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An was statt der Wegrich gern wechszt. |
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Wegrich hat sonderlich kein eyg en
statt / doch wechßt er vast vmb die wege / |
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Welcher Wegrich der besszer. |
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Wiewol aber beyde Wegrich / ein
kostbarlich / hochberuempt kraut ist / dauvon |
|
D |
Zů Welcher zeit man den Wegrich |
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Die best zeit seiner distillyerung /
ist am ende des Meyen / da sol man yn sam= |
|
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Wie lang disz kraut werhafft. |
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So Wegrich an einem sauberen trucknē
ort verwart / halt er sich ein jar lang |
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Wie ein Wegerich vmb den anderen mag |
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So man einerley des Wegrichs nit wol moecht
zůrhanden haben / als dann |
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Von der Complerion des Wegerichs. |
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Wegrich kueelet vnd doret in
dem zweytē grad. Hat ein kleine Schaeerffe. Der |
|
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Kraeffte vnd tugent des Wegrichs. |
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Wegrich blaetter trücknen
auß / vnd zychen zůsamen. Darumb so werde sye |
|
Kreüterbůch. |
LIX |
|
gebraucht / zů den boeßen / faulen vnd flyesszenden Schaeden. Auch zů den schaeden / die man nennet Elephantiam / maleerey geschlecht. Was für geschwaere
seind / die da vmb sich fresszen / Carbunckel / vn
veraltet= Wegrich stillet das blůt /
stopffet die rote Růr / mit esszig gekocht / vn
gesszen= Mag auch vffgelegt werden
über den Brant / hitzige apostemen / geschwulst= Der mundt mit dißen
wasszer / oder decoction geweschen / vertreibet das Sein safft in die Fistelin getropfft / heylet sye. Des gleichen in die augen
getropfft / reyniget / vnd kuelet sye / vnd in die oren / Wer blůt speyet /
oder harnet / trinck des wasszers / es versteedt ym. Etlich tragen sye an dem
halß / für die pestilentz / gegraben zwischen den zwey Die weiber hencken auch
solich den Kinden an den halß / zů vertreiben die Plinius schreibt / vnd ist
ein erfaren artzeney / das dißer wurtzelen drey mit |
A |
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Nim Wegerich wasser / vnd
Endivien wasszer / vermēge sye mit gůtem weis= Für Sanct Anthonien fewr
/ nim Wegrich wasszer / vnd Haußwurz wasszer / Wegrich vnd Aron puluer gerban in die feygblattern / heylet sye. Was vom fewer gebrant / leschet dißes kraut. Bertram wurtzel / vnd
Wegerich wurtzel gepuluert / vnd mit laebem wasszer Welcher frawē ire kranckheit zů vil geet / die trincke dißes waszer / es stopfft. Dißes kraut / mit allem
dem das es anym hatt / o effenet die lebern / miltz / Zům fyertaeglichen
feber / sol es gebrauchr werden / mit Theriacks / ehe dann es Wen ein roßender hundt
gebisszen hatt / der legt dißes kraut in die wunde / es Also auch was sunst von
schlangen / oder andern gifftiger thyer gebissze werē Hat sich yemants
übergegangen / vnd seind ym die fuessz geschwollen / der
lege Wegerich blaetter
gestosszen mit saltz / vnd über das schmertzenhafft ort ge= Offt genater safft von den
blaettern / vnd geben dem keichenden menschen / |
B |
Die Quellenschriften sind folgendermaßen
greifbar:
Hieronymus Bock, Kreutterbuch, 1577, gedruckt zu Straßburg,
Otto Brunfels, Contrafayt Kreutterbuch, 1532 gedruckt zu
Straßburg,
Johann Wonnecke von Cube, Hortus sanitatis Germanice, erschienen
bei Peter Schöffer 1485 in Mainz, Reprint 1966, (München-Allach 1966).
Der "Macer floridus" ist in Deutscher Übesetzung herausgegeben
worden von:
Konrad Goehl und Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.), Höhepunkte
der Klostermedizin: der 'Macer floridus' und das Herbarium des Vitus
Auslasser. - Erweiterte Reprintauflage der Originalausgabe von 1832 ab Seite
28 (Leipzig 2001).
Weiterführende Informationen bieten:
Brigitte Hoppe, Das Kräuterbuch des Hieronymus Bock,
Wissenschaftshistorische Untersuchung (Stuttgart 1969),
Henning Haeupler, Thomas Muer, Bildatlas der Farn- und
Blütenpflanzen Deutschlands (Stuttgart 2000),
P. H. List und L. Hörhammer (begonnen von W. Kern †,
hrsg. in Gemeinschaft H. J. Roth und W. Schmidt) Hangers
Handbuch (Berlin, Heidelberg, New York 1977) Band 6, 747.
|
1) Vgl.: Hernning Häupler, Thomas Muer, Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, herausgegeben vom Bund für Naturschutz (Stuttgart 2000) 424. |
|
|
2) Vgl.: Hangers Handbuch, begonnen von W. Kern †, herausgegeben in Gemeinschaft mit H. J. Roth und W. Schmidt von P. H. List und L. Hörhammer (Berlin, Heidelberg, New York 1977) Band 6, 747. |
|
|
3) Vgl.: Wolfgang Kühn, Grünewalds Isenheimer Altar als Darstellung mittelalterlicher Heilkräuter, in Kosmos: Handweiser für Naturfreunde, Heft 12, Dezember 1948, 44. Jahrgang, 327-333. |
|
|
4) Vgl.: Lottlisa Behling, Die Pflanzen in der mittelalterlichen Tafelmalerei, IX. Grünewalds Heilkräuterkunde, 2. Aufl. (Köln-Graz 1967). |
|
|
5) Freundliche Auskunft von Prof. Henning Häupler, Christian Schulz und Prof. Thomas Stützel, Lehrstuhl für Botanik der Ruhruniversität Bochum. |
|
|
6) Vgl.: Lottlisa Behling, Die Pflanzen in der mittelalterlichen Tafelmalerei, IX. Grünewalds Heilkräuterkunde, 2. Aufl. (Köln-Graz 1967) 145. |
|
|
7) Vgl.: Pierre Bachoffner, Bemerkung zur Therapie des Antoniusfeuers, in: Antoniter-Forum 4/1996, (München 1996) 85-86. |
|
|
8) Freundliche Auskunft von Prof. Henning Häupler und Prof. Thomas Stützel, Lehrstuhl für Botanik der Ruhruniversität Bochum. |
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|
9) Vgl.: http://www.floraweb.de/datenservice/datenservice.html?datenservice/datenservicetext.html. |
|
|
10) Vgl.: Dr. Johannes Gottfried Mayer, Dr. med. Bernhard Uehlke, Pater Kilian Saum OSB, Verlag Zabert Sandmann GmbH, München 2003. |
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|
11) Siehe auch: www.klostermedizin.de. |
|
|
12) Johann Wonnecke von Cube, "Gart der Gesundheit", Hortus sanitatis Germanice, erschienen bei Peter Schöffer (Mainz 1485). |
|
|
13) Johannes Gottfried Mayer, Höhepunkte der Klostermedizin der 'Macer floridus' und das Herbarium des Vitus Auslasser - Erweiterte Reprintauflage der Originalausgabe von 1832 herausgegeben von Konrad Goehl, ab Seite 28. |
|
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.