Rogier van der Weydens "Jüngstes Gericht" in Beaune

Van der Weydens wie Schongauers "Jüngstes Gericht" folgen dem klassischen Schema dieser Gerichtsdarstellungen. Die wichtigsten Bestandteile sind:

Zur noch ganz mittelalterlich streng symmetrischer Komposition stehen die plastisch modellierten Figuren und die Akte, denen man im 19. Jahrhundert übrigens - mittlerweile wieder entfernte - Hosen malte, in einigem Kontrast.

Rogier van der Weyden: "Jüngstes Gericht".

Die in leuchtenden Farben gehaltene Szene ist auf ein dreiteiliges Mittelteil und sechs Flügel verteilt. In der Mitte ist der Erzengel Michael dargestellt, der die Menschen mit seiner Waage wiegt. Begleitet wird er von vier Trompetenengeln, die zum Gericht blasen. Über Michael thront Jesus auf einem Regenbogen, von je zwei Engeln, die die Marterwerkzeuge tragen, flankiert. Maria und Johannes der Täufer halten Fürbitte. Die Apostel und andere ihnen vom Künstler zur Seite gestellte Personen - darunter ein Papst, der Herzog von Burgund und einige noble Damen und Würdeträger - heben sich vom prachtvollen goldenen Untergrund ab. Im unteren Bereich des Altarbildes sieht man, wie die Toten aus ihren Gräbern auferstehen. Nachdem sie entsprechend der Schwere ihrer Sünden oder ihrer Tugenden gewogen wurden, ziehen sie, je nach dem Ausschlag des Züngleins an der Waage, in Richtung der flammenden Hölle oder der Himmelspforte.

Die übliche Darstellung von Michael mit der Seelenwaage fehlt aufgrund der Architektonischen Gegebenheiten im Breisacher Münster. Dort wo klassischerweise die Seelenwaage dargestellt werden müsste, befindet sich in Breisach das Westportal.

Rogier van der Weyden: "Jüngstes Gericht" - Geschlossener Altar.

Im Gegensatz zu diesem wahren Feuerwerk der Farben ist der geschlossene Altar in wesentlich gedeckteren Farbtönen gehalten. Er zeigt unter anderem die Porträts des Kanzlers Nicolas Rolin und seiner Gemahlin Guigone de Salins.

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