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Leben und Offenbarungen der heiligen Brigitta
Am Leben und den Offenbarungen der heiligen Brigitta würde
etwas zu fehlen scheinen, wenn dieselben ohne eine nähere Erwähnung dessen
bleiben würden, was ihre gleichfalls heilig gesprochene Tochter Katharina
gewesen und gewirkt hat, denn schon war es der wohlbegründete Brauch der
früheren Herausgeber, welche alle das Leben der heiligen Katharina den
Offenbarungen ihrer heiligen Mutter folgen ließen. Schon vor den Kardinälen,
welche über die Heiligsprechung Brigittas berieten, sprach Papst Urban VI. zu
Katharina, welche diesen Prozeß zu fördern in Rom war: "Wahrlich,
Tochter! Du hast die Milch Deiner Mutter getrunken." Diese anerkennende
Äußerung gab hinreichende Veranlassung, die heilige Katharina mit zu
verehren, wenn man ihrer Mutter durch Veröffentlichung ihrer Offenbarungen
und Lebensbeschreibung seine Verehrung darbrachte. Dies bezweckt auch die
gegenwärtige Bearbeitung, welche sich dabei an die der Kölner Ausgabe von
Brigittas Offenbarungen vom Jahre 1628 beigegebene vita; sive legenda cum
miraculis divae Catharinae filiae sanctae Brigittae de Regno Sueciae gehalten
hat. ![]()
Katharinas Geburt und Kindheit.
Aus dem Leben der heiligen Brigitta ist bekannt, daß sie
ihrem Gemahle Wulf Gudmarsson, da sie zum vierten Male Mutter ward, eine
Tochter gebar, welche in der heiligen Taufe den Namen Katharina erhielt. Schon
als diese noch in der Wiege lag, ließ sie Zeichen sehen, an denen man ihre
künftige Reinheit und den frühen Einfall der göttlichen Gnadenstrahlen in
das Herz des Säuglings erkennen mochte. Sie war einer Amme anvertraut,
welche, was man nicht gewußt hatte, einem unzüchtigen Leben fröhnte. Voll
Abscheu wandte sich das Kind jedesmal von der Brust dieser Person hinweg, nahm
aber ohne Scheu die Brust ihrer Mutter und anderer keuschen Frauen, die sich
ihr darboten. Es geziemte sich auch, daß diejenige, welche ganz dem Dienste
Gottes gewidmet werden sollte, nach Art der Essener, nichts Unreines genoß
von Jugend auf. Nachdem sie den Gebrauch ihrer Glieder erlangt, ward Katharina
von ihrer Mutter der frommen Äbtissin von Risaberg in Erziehung übergeben,
um sie in den heiligen Sitten zu erziehen, welche man an der würdigen
Klosterfrau bewunderte. Allein der böse Feind, dem besonders darum zu thun
ist, gute Anfänge zu verhindern und zu vernichten, war dem Kinde gar gram.
Man schrieb es ihm zu, daß, während die Äbtissin nachts andächtig dem
Gebete oblag und das Kind in seinem Bettlein schlief, ein Unhold in Gestalt
eines bösen Stieres demselben sich näherte und es mit seinen Hörnern vom
Lager auf den Estrich stieß. Die Äbtissin, welche das Schreien des Kindes
hörte, eilte herbei und hob das halbtote kleine Wesen auf ihren Schoß. Da
erschien der böse Feind abermals in schrecklicher Weise und sprach: "Wie
gern hätte ich sie getötet, wäre es mir von Gott gestattet worden!" Im
siebenten Jahre ihres Alters ließ sie sich von ihren Gespielinnen überreden,
wie jene mit Puppen zu spielen. Sie fühlte sich alsbald vor der Eitelkeit
eines solchen Spieles gewarnt. Eines Tages hatte sie diesem Spiele mit Eifer
obgelegen. In der darauffolgenden Nacht glaubte sie wahrzunehmen, daß viele
unreine
Geister in Gestalt von Puppen zu ihrem Schlafgemache hineinzögen. Dieselben
warfen das Kind aus dem Bette und führten so viele und so starke Geißelhiebe
auf dasselbe, daß es am anderen Tage ganz mit den Spuren der Schläge
überdeckt war. Sie erkannte nun, wie Gott an der Art ihres Spieles kein
Wohlgefallen habe, verzichtete auf das bisher dabei empfundene Vergnügen und
mied alle Gelegenheit, in die Leichtfertigkeit dieses Zeitvertreibes
zurückzufallen. Sie floh auch den Umgang aller mit Spielen beschäftigten
Kinder. Das Bemühen im Kampfe gegen die Unbeständigkeit und
Flatterhaftigkeit des kindlichen Alters gab ihr bald das Gepräge eines für
ein Kind ungewöhnlichen Ernstes.
Katharina nimmt aus Gehorsam den edlen Jüngling Eckhard zum Gemahle. Sie beredet denselben zu beständiger Keuschheit und führt mit ihm in großer Liebe, Mäßigkeit und Geduld ein strenges Leben.
Nachdem sie das heiratsfähige Alter erreicht, unterwarf sie
sich in dem Vertrauen, das sie immer auf Gott und die Gnade der Jungfrau Maria
gehabt, ihre Keuschheit zu bewahren, dem Willen ihres Vaters und willigte in
die von demselben gewünschte. Ehe mit Eckhard,
einem jungen Edelmanne. Als man sie am Hochzeitstage im Brautgemache allein
gelassen, überredete die fromme, Gott und seiner heiligen, jungfräulichen
Mutter ergebene Jungfrau mit heiligen Ermahnungen ihren Bräutigam, unter dem
Beistande dessen, welcher alle Reinheit und alle keuschen Entschlüsse in die
Herzen seiner Auserwählten eingießt, das Gelübde der Keuschheit zu thun.
Nachdem sie sich gegenseitig das Gelübde der beständigen Keuschheit mit
einem Eide bekräftigt, liebten sie einander im Herrn zärtlichst und betrogen
den Feind der Keuschheit unter einer äußerlich weltlichen Pracht mit
heiliger List. Das Wohlgefallen Gottes an diesem heiligen Gelübde ließ sich
nicht unbezeugt, wie folgender erwähnenswerter Vorfall darthut. Wie andere
vornehme Herren befand sich Eckhard einst auf der Jagd und hetzte einem Damm-
hirsch mit Hunden. Es begab sich, daß während der Jagd Frau Katharina, in
ihren Geschäften unterwegs begriffen, auf ihrem Wagen durch den Wald fahren
mußte, in welchen der von den Hunden abgehetzte Hirsch seine Zuflucht
genommen hatte. Alle Scheu hintansetzend, nahte das Tier der Frau, welche mit
keuschem Vorsatze in sich jede tierische Regung abgeschnitten hatte, und legte
ergeben und zahm sein müdes Haupt in ihren Schoß. Katharina bedeckte den
Hirsch mit ihrem Mantel. Als ihr Gemahl und die übrigen Verfolger des Wildes
nahten, bat die milde Frau demütig um die Freiheit für ihren Gefangenen, den
sie ihnen unter ihrem Gewande zeigte. Natürlich ward die Bitte bewilligt. Das
Tier lief fröhlich in den Wald zurück. Die Herren aber waren voll Freude und
Trostes und dankten dem, welcher die Tiere zahm macht und bändigt. -
Damit der einheimische Feind, nämlich das Fleisch, sich
nicht auflehnen möchte, betteten sie sich, nachdem sie wachend im Gebete und
unter Kniebeugung einen Teil der Nacht hingebracht, auf dem Fußboden ihres
Schlafzimmers, wobei sie sich mit einem Unterbette, einem Kopfkissen und einer
Decke begnügten. Selbst der Winter vermochte nicht diese Strenge zu mindern.
Je mehr sie sich um Gottes Willen der Weichlichkeit entzogen, desto heftiger
wurden sie in göttlicher Liebe entbrannt. Die ehrwürdige Frau bemühte sich,
durch Ermahnungen ihren Gemahl zu den frommen, Übungen zu bewegen, welche sie
von ihrer Jugend auf ihre Mutter Brigitta hatte üben sehen und von anderen
gelernt hatte, da ihr höchster Wunsch war, es hierin jenen gleichzuthun.
Daher gesellten sie dem Wachen und Beten auch das heilige Fasten zu, damit an
ihnen alle Tugenden der Seele zur Blüte kommen möchten, das Fleisch der
Seele unterwürfig werde und der Diener seiner Herrin nach Gebühr gehorche.
Um Gottes und des eigenen Heiles willen legten sie sich Abbruch jeder Art auf.
Nicht allein von unziemlichem und Verbotenem enthielten sie sich, sondern auch
das Zulässige und Erlaubte versagten sie sich. Sie hatten wohl erkannt, wie
der Abbruch das Leben verlängert, die Keuschheit erhält, Gott versöhnt, die
bösen Geister überwindet, den Verstand erleuchtet, das Gemüt stärkt, die
Laster bändigt, das Fleisch unterwirft und das Herz zur Liebe Gottes hinzieht
und dazu entflammt. Selig
war deshalb diese Ehe, da nicht die Fleischeslust und üppige Neigung aus den
beiden Herzen eins gemacht hatte, sondern die Liebe, welche in Jesu Christo
ist, sie zu keuschem Umarmen mit dem Bande der Liebe zusammengefügt hatte.
Selig war ferner diese Ehe, weil sie ihr Bemühen darein setzten, der
heiligsten, jungfräulichen Ehe Marias und Josephs, im Hinblicke auf Gottes
Barmherzigkeit und Liebe nachzufolgen. Sie waren in ihren Tagen gleichsam zwei
duftende Lilien im Garten Gottes und im Stande der Ehe, hatten vor dem Herrn,
der alles sieht, den Glanz der Keuschheit, und dufteten vor dem Nächsten
durch die Vorbilder der Tugenden und fromme Übungen, bei gutem Leumunde mit
einem lieblichen Geruche. Einige Leute aus ihrem Hausgesinde, welche sich in
den ungewohnten Abbruch und das geistliche Leben nicht zu finden wußten,
beschuldigten die frommen Ehegatten verleumderischerweise beim Herrn Karl, dem
Bruder Katharinas, als eitel und abergläubisch. Derselbe nahm eine
Gelegenheit wahr und schlich sich heimlich in seines Schwagers Schlafzimmer
ein, fand sie aber nicht, wie andere Ehegatten, dem fleischlichen Vergnügen
fröhnend, sondern wie andächtige Ordensleute mit wollenen, rauhen Gewändern
angethan, das weiche Lager verschmähend, abgesondert auf dem Estrich
schlafend. Darob schalt der gedachte Herr Karl, welcher noch zu wenig wußte,
was des Geistes des Herrn ist, den Herrn Eckhard und dessen Gemahlin, seine
Schwester, abergläubische Narren. Sie aber ertrugen den herabstürzenden
Regen der Scheltreden, die daherrauschenden Ströme der Verleumdung und die
wehenden Winde des Spottes mit Gleichmut, ohne im mindesten vom Vorsatze der
Keuschheit nachzulassen und von der Grundlage der Enthaltsamkeit zu weichen,
denn sie hatten einen festen Stand auf dem sicheren Grunde der heiligen
Beharrlichkeit. Die Reinheit des Fleisches reicht aber nicht aus, wenn
derselben sich nicht die Reinheit des Herzens und die wahre Demut zur Ehre
Gottes anschließt. Wie die Reinheit des Fleisches ein Freisein von der
Befleckung der Menschen ist, so ist die Demut ein Freisein von der Befleckung
der bösen Geister; denn diese Geister vermischen sich mit den Seelen und
verderben dieselben durch Hoffart, wie die Menschen die Leiber durch Unzucht
schwächen. So war denn auch Katharina beflissen, ihre Keuschheit mit dem
Bollwerke der Demut zu sichern. ![]()
Katharina legt die Kleiderpracht ab und dagegen schlechte Kleidung an. Viele vornehme Damen, von ihrem Beispiele angeregt, folgen ihr darin. Obwohl man sie deshalb schilt und tadelt, leidet sie dieses ruhig und hält sich an die Demut.
Katharina begann auch noch die Gewänder, welche dem alten
löblichen Gebrauche des Vaterlandes entgegen waren und worin in neuerer Zeit
vornehmlich die Vornehmen viel Hoffart zu treiben pflegten, allmählich
abzulegen. Weder Spott, noch üble Nachrede brachten sie von dem Vorsatze
zurück, die alte, schlichte Weise der Vorfahren in ihrer Tracht zu
beobachten. Nach ihrem Beispiele entäußerten sich viele ihrer vornehmen
Freundinnen und Anverwandtinnen der prächtigen Gewänder und der
überflüssigen Zieraten. Unter diesen befand sich auch eine hohe Dame, die
Gemahlin ihres vorgedachten Bruders Karl. Dieselbe hatte anfänglich
Katharinas Ratschlägen und Vorbilde beharrlichen Widerstand geleistet, sich
aber infolge eines besonderen Ausspruches und göttlicher Heimsuchung zu einer
besseren Lebensordnung bekehrt. Denn es begab sich in der Stadt Calmar, in der
Kapelle der seligen Jungfrau, während sie, nämlich die selige Katharina und
ihres Bruders Karl Gemahlin, vor dem Bilde der allerseligsten Jungfrau sich im
Gebete befanden, daß die Schwägerin ein wenig einschlief. Da dünkte sie,
als wenn die selige Jungfrau ihres Gemahles Schwester Katharina mit
fröhlichem Antlitze anschaute, ihr selber aber aus zornigem Angesichte
grimmige Blicke zuwerfe. Diese Vision beunruhigte sie sehr; sie begann unter
vielen Thränen zur seligen Jungfrau zu beten und zu sprechen: "Weshalb,
o Frau, schauest Du mich so an?" Die Jungfrau erwiderte ihr:
"Weshalb folgst Du dem Rate meiner geliebten Katharina nicht? Wenn Du nah
ihrem Rate und Vorbilde Deine Tracht und Sitten zum Bessern ändern wolltest,
würde ich Dich mit meiner Gnade fröhlich anblicken" - Nachdem sie
erwacht war, erwies sie sich gegen diese Mahnung nicht undankbar, that sofort
den Schmuck ihrer Hoffart hinweg und befliß sich, an Demut und Wandel der
Frau Katharina
es gleich zu thun. Der Herr Karl, damals noch ganz weltlich gesinnt, sprach,
als er die Wandlung in der Kleidung und die andächtigen Mienen an seiner
Gemahlin wahrnahm, mit entrüstetem Gemüte und unter Schelten zu seiner
Schwester, der Frau Katharina: "Du begnügst Dich nicht damit, selber
eine Nonne aus Dir zu machen, sondern willst auch meine Frau zu einer Nonne
und zum Spotte der Leute machen?" Um des Herrn willen ertrug Katharina
solche Scheltworte und Verhöhnung mit Geduld. Es war ihr ein Abscheu, um
ihrer tugendhaften Werke willen gelobt zu werden, und wenn jemand sie lobte,
bat sie denselben um der Barmherzigkeit Christi willen, er möchte dergleichen
nicht von ihr sagen, noch denken. Ihre näheren und geheimen Freunde strafte
sie sehr häufig unter Thränen, wenn diese sie wegen ihrer jungfräulichen
Keuschheit und weil sie das Ehebett unversehrt erhielt, glücklich priesen,
und beschwor dieselben, daß sie fortan dergleichen Benennungen nicht auf sie
anwenden möchten.
Katharina erhält von ihrem Gemahle, freilich mit Mühe, die Erlaubnis, nach Rom zu ihrer Mutter zu reisen. Sie hat darüber von ihrem Bruder Karl mannigfache Anfechtungen zu erleiden, wird aber von ihrer Mutter Bruder, Israel, in ihrem Vorhaben der Reise gestärkt und gefördert.
Seit Katharinas Vermählung war erst eine kurze Zeit
verflossen, als ihr Vater, Wulf Gudmarsson, in einem noch nicht weit
vorgerückten Alter starb und im Kloster Alvastra ein ehrenvolles Begräbnis
erhielt. Nach seinem Tode war seine Witwe Brigitta auf des Herrn Befehl nach
Rom gegangen. Als diese dort um eine Person in Sorgen war, welche, ihr näher
stehend, sie in schwierigen Lagen unterstützen könne und im fremden Lande
zum Troste gereichen möge, erhielt sie von Christo die Antwort, sie solle
sich darüber nicht beunruhigen, denn er würde ihr eine Person senden, welche
ihr in den ihr von Gott aufgetragenen Geschäften eine treue Helferin sein,
und die er auch mit der besonderen Gnade seines Segens ausrüsten würde.
Ungefähr fünf Jahre waren vergangen, nachdem die selige Brigitta aus ihrem
Vaterlande gen
Rom gezogen war, da ward Katharina von einem so mächtigen Verlangen
ergriffen, ihr dahin nachzuziehen, daß sie in Seufzern und täglichem Wachsen
ihrer Sehnsucht fast zu verkommen schien. Als dieses ihr frommer Gemahl
bemerkte, begehrte er den Grund so vielen Seufzens und solcher Gemütserregung
kennen zu lernen. Im Vertrauen auf die Güte und Frömmigkeit des Gemahles
eröffnete sie diesem ihr geheimes Verlangen. Der weise Herr, welcher der
Beständigkeit ihres Lebens gewiß war, vermutete sogleich, daß die Anregung
zu diesem Verlangen seiner Gemahlin vom Herrn ausgehen möge, und deschalb
wagte er, so zärtlichst er sie auch liebte, nicht zu widersprechen. Er
fürchtete jedoch, es möge einer so schönen und jungen Frau (sie zählte
erst achtzehn Jahre) auf einer so langen Reise etwas Widerwärtiges begegnen.
Deshalb zögerte er ein wenig mit der Erteilung seiner Zustimmung. Endlich
aber von der Furcht Gottes überwunden, welche sich dawider auflehnt, Gott
unfolgsam zu sein, gab er den ungestümen Bitten seiner Gemahlin nach. Es
wurde zur Beschaffung des nötigen Reiseaufwandes für sie und ihr Gefolge
geschritten, ein anständiges Geleit eingerichtet und schon war man des
Aufbruches gewärtig. Der alte Verfolger der Tugenden aber, welcher nur darauf
sinnt, heilige und gute Vorsätze zu vernichten, oder falls er dies nicht
vermag, dieselben wenigstens zu verhindern sich bemüht, erregte im Gemüte
von Katharinas Bruder, Karl, eine Entrüstung wider seine Schwester, infolge
deren er an seinen Schwager Eckhard schrieb und denselben unter Drohung des
Todes davon abzubringen suchte, Katharina außer Landes reisen zu lassen.
Dieser Brief geriet, weil bei dessen Ankunft Eckhard eben in Geschäften von
Haus abwesend war, seiner Gemahlin in die Hände. Da diese eine Ahnung davon
hatte, was darin enthalten sein möchte, so öffnete sie denselben. Nachdem
sie den Inhalt ersehen und namentlich von der Todesdrohung Kenntnis genommen,
übergab sie den Brief ihrer Mutter Bruder, dem Herrn Israel, einem
mächtigen, frommen und klugen Herrn. Dieser tröstete sie liebevoll in dem
Herrn und ermahnte sie, von ihrem heiligen Vorhaben infolge der Drohungen
ihres Bruders nicht abzulassen, gab ihr auch die Versicherung, die Drohung
wider ihren Gemahl, den Herrn Eckhard, zu Schanden machen zu wollen. Er
tröstete sie nicht bloß mit
Worten, sondern machte ihr auch Geschenke, um die Beschleunigung ihrer Abreise
aus dem Vaterlande zu fördern. Katharina säumte nun auch nicht länger, und
schiffte sich in Gesellschaft des Herrn Gorstago Thunasson, dem Marschall von
Schweden, und zwei anderer Damen aus diesem Königreiche ein.
Katharina kömmt nach Rom. Sie findet nach langem Suchen ihre Mutter, besucht die Kirchen der Heiligen. Als sie hernach wieder heimziehen will, wird sie auf Geheiß Gottes durch ihre Mutter zurückgehalten, von Christo gelobt, aber in einer Versuchung von ihrem Beichtvater mit Ruten gezüchtigt und von der Versuchung befreit.
Nachdem Katharina unter großen Schwierigkeiten die Seefahrt
nach Deutschland bestanden, ging sie durch die deutschen und italienischen
Gebiete nach Rom, wo sie im Augustmonate ankam. Um diese Zeit war ihre heilige
Mutter im Kloster Farfa bei Bologna, wo sie dem Abte und dem Konvente
Strafreden zu halten von Christo beauftragt war, und sich einige Zeit lang in
Gesellschaft ihres geistlichen Vaters Petrus Olafson und einiger anderen
Personen ihres Gefolges aufhielt. Frau Katharina suchte mit ihren Gefährten
ihre Mutter acht Tage hintereinander vergeblich in Rom auf und geriet in
große Angst, als sie nicht zu erfahren vermochte, wohin dieselbe sich
gewendet haben möchte. Inzwischen empfand der Herr Petrus, Brigittas
Beichtvater, einige ganz wunderbare innere Anregungen und Bewegungen in seiner
Seele, welche ihm keine Ruhe ließen, sondern mit solcher Gewalt nach Rom zu
gehen drängten, daß er davor weder zu schlafen, noch zu essen vermochte, bis
er sich wirklich auf die Reise dahin machte. Ungern hatte ihn die heilige
Brigitta von sich entlassen. Eilends machte er die Reise und begegnete nun in
der St. Peterskirche der Frau Katharina und deren Begleitung. Er war voll
Freude und erkannte nun, wie der Herr ihn nur auf den Weg gebracht, um der
Tröster jener zu werden. Tags darauf begaben sie sich, um Brigitta
aufzusuchen, nach dem Kloster Farfa zurück. Der Abt empfing sie aus Verehrung
gegen Brigitta, durch deren heilige Ermahnungen er bereits
zu einem besseren Leben bekehrt worden, mit Achtung. Sie verweilten noch
einige Tage selbander in Farfa und traten dann auf den Rat Brigittas die
Rückreise nach Rom an. Hier angekommen, besuchten sie demütig die Stationen
und die Kirchen der Heiligen. Nachdem sie einige Wochen in Rom zugebracht,
schickte sich die Frau Katharina an, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Als sie schon im Begriffe war, diesen Entschluß auszuführen, ward sie von
ihrer Mutter Brigitta auf Christi Geheiß gefragt, ob sie ihm zu Ehren in Rom
bei ihr zu verbleiben und für Christum Beschwerlichkeiten und
Widerwärtigkeiten zu ertragen vermöge und willig sei. Im Geiste ganz
entzündet, antwortete sie, wie sie nicht allein Vaterland, Freunde,
Verwandte, Reichtum, Vergnügungen, sondern selbst ihren Mann, den sie mehr
als ihren eigenen Leib liebte, wenn es Christus verlange, willig verlassen
werde. Nachdem Katharina darein gewilligt, in Rom zu bleiben, offenbarte sich
Christus ihrer Mutter, der seligen Brigitta, und sprach: "Deine Tochter
Katharina ist die Person, welche ich Dir zur getreuen Gehilfin in den Dir von
Gott übertragenen Geschäften verheißen. Sie ist ein schönes Pflänzlein,
das ich selber unter meinen rechten Arm pflanzen will, damit es zu einem
fruchtbringenden Baume aufwachse. Und weil sie des Taues rneiner Gnade bedarf,
werde ich sie mit meiner Weisheit netzen. Empfiehl ihr deshalb, daß sie eine
Zeit lang bei Dir bleibe, weil es für sie nützlicher ist, zu bleiben, als
heimzukehren. Ich will an ihr handeln, wie ein Vater an seiner Tochter, welche
von zweien geliebt und zur Ehe begehrt wird. Einer von ihnen ist arm und der
andere reich und beide werden von dem Mädchen geliebt. Der weise Vater
berücksichtigt die Neigung der Tochter und giebt, da er steht, daß der Arme
von ihr geliebt wird, demselben Kleider und Geschenke, dem Reichen aber die
Tochter selber. Also will auch ich thun. Katharina liebt mich; sie liebt aber
auch ihren Gatten. Weil ich nun aber reicher, weil ich der Herr aller Dinge
bin, will ich jenen mit denjenigen meiner Gaben ausstatten, welche für seine
Seele am nützlichsten sind; ich habe beschlossen, ihn zu mir heimzurufen. Die
Krankheit, an welcher er leidet, ist ein Zeichen seines Hintrittes. Es geziemt
sich, daß, wenn einer nach dem Mächtigsten unterwegs ist, er seine Rechnung
in den Händen habe und sich frei mache vom Fleischlichen. Sie aber will ich
hinführen und zurück-
führen in ihr Eigentum, bis sie zu dem Werke tauglich wird, welches ich von
Ewigkeit her vorausgewußt habe, und welches mir ihr anzuzeigen
gefällt." - Von diesem Tage an nahm die Gabe der Beredsamkeit bei
Katharina dermaßen zu, daß sie vor Fürsten und Meisen getrost über die
Zeugnisse Gottes redete. Der Papst Urban VI. wunderte sich deshalb über ihre
Weisheit so sehr, daß er, als sie einstmals vor ihm und den Kardinälen
redete, wie schon gedacht, freundlich zu ihr sprach: "Fürwahr, Tochter!
Du hast die Milch Deiner Mutter getrunken!" -
Einige Zeit später, als sie bei ihrer Mutter zu bleiben
gelobt hatte, bekam sie einen Schauder vor dem ungewohnten Leben, gedachte
angstvoll der früheren Freiheit und bat ihre Mutter, nach Schweden
zurückkehren zu dürfen. Als ihre Mutter um dieser Versuchung willen sich ins
Gebet begeben hatte, erschien Christus derselben und sprach: "Sage jener
Jungfrau, Deiner Tochter, daß sie allbereits Witwe geworden. Ich rate
derselben, daß sie bei Dir bleibe, weil ich für sie sorgen werde."
Obwohl Katharina den Beschluß des göttlichen Willens demütiglich annahm,
fühlte sie sich gleichwohl gedrungen, an den lieblichen Boden ihres
Geburtslandes, ihres Vaterlandes, innig im Herzen zu denken. Doch schlug sie
diese Empfindungen mit ihrem Willen und der Stärke ihrer Vernunft nieder. Sie
begann, ihre gütige Mutter zu bitten, ihr, wenn sie ein Gott gefälliges
Mittel wüßte, dasselbe in dieser Aufregung ihrer Gefühle zukommen zu
lassen. Ihre verehrungswürdige Mutter, welche alle dergleichen Versuchungen
bereits siegreich überwunden hatte, reichte ihrer von irdischer Lust
verwundeten Tochter ein heilsames Mittel. Sie rief ihren Beichtvater herbei
und bat denselben flehentlich und andächtig, daß er ihr diese Gemütsunruhe
mit Ruten ausschlagen möge. Katharina begehrte nun selber dieses Mittel auf
das inständigste. Während sie vom Beichtvater mit Ruten gestrichen ward,
sprach sie: "Schone meiner nicht, sondern schlage schärfer, denn noch
hast Du die Herzenshärtigkeit nicht getroffen." Nachdem der Magister die
Geißelung eine Weile fortgesetzt, sagte sie mit fröhlichem Antlitze:
"Es ist genug, ich fühle mein Herz umgewandelt; alle Bewegung jener
Versuchung ist von mir gewichen." ![]()
Katharina muß aus Anlaß gefährlicher Unruhen in Rom auf Befehl ihrer Mutter viele Tage zu Hause bleiben, darf die Kirchen der Heiligen nicht besuchen. Sie wird darob von Herzen betrübt und von einer neuen Anfechtung der Sehnsucht nach Schweden heimgesucht. Ihre Mutter straft sie und ermahnt sie zum Gehorsame, den sie auch leistet.
Um die Zeit, als Brigitta und ihre Tochter Katharina ihren
Aufenthalt zu Rom genommen, residierte das Oberhaupt der Kirche zu Avignon.
Infolgedessen unterstanden sich, darauf gestützt, viele Söhne Belials,
ungestraft auszugehen, in der Stadt Rom wider die öffentliche Gerechtigkeit
sich aufzulehnen, strafbare Unordnungen und Gewaltthätigkeiten auf
öffentlicher Straße zu verüben, ohne daß sie darob angefochten wurden. Die
Fremden und Furchtsamen wagten aus Furcht vor diesen Bösewichten von den
Indulgenzmitteln keinen Gebrauch zu machen, noch die Stationen zu besuchen. Am
meisten hatten jüngere Frauenzimmer von jenen wüsten Gesellen zu
befürchten. Deshalb ward der seligen Katharina auch von ihrer Mutter
untersagt, die Ablaßstationen zu besuchen, wenn sie nicht ein großes und
starkes Geleit habe. Sie mußte deshalb an vielen Tagen, wenn ihre Mutter und
der Beichtvater die Stationen besuchten, mit den Mägden zu Hause bleiben und
fing einmal an, von folgenden bitteren Gedanken bewegt zu werden: "Ich
führe hier ein klägliches Leben; andere nehmen ihren Vorteil wahr und
schaffen sich zum Heile ihrer Seelen Gewinn; sie besuchen die Stätten der
Heiligen und wohnen der Feier der göttlichen Geheimnisse bei; ich aber werde
wie ein unvernünftiges Tier von allen geistlichen Gittern zurückgehalten.
Meine Anverwandten, meine Brüder und Schwestern dienen in meinem Vaterlande
in aller Ruhe Gott. Weshalb bin nur ich in dieses Elend geraten? Wäre es
nicht besser, gar nicht zu existieren, als auf diese Weise, sowohl in Bezug
auf den Leib als die Seele, unnütz zu leben?" So saß Katharina daheim,
von Trauer verzehrt und innerlich mit übergroßer Bitterkeit erfüllt. Als
sie in solchen Gedanken hin und her schwankte, kamen ihre Mutter und deren
Beichtvater Herr Petrus dazu. Man
befragte sie um den Anlaß ihrer Traurigkeit. Sie vermochte jedoch vor
heftigem Schmerze und bitterer Empfindung nicht zu antworten. Die Mutter aber
verlangte in Kraft des heiligen Gehorsams eine Antwort. Nun sprach Frau
Katharina auf das Wort des Gehorsams wie aus tiefinnerstem Herzen: "O
Frau! ich vermag nicht zu reden." Sie war wie erstorben, bleich von
Antlitz; ihre Augen waren infolge des gewaltsamen Arbeitens ihrer Gedanken und
Empfindungen, welche ihr Herz gefangen hielten, wie verdreht. In der folgenden
Nacht aber kam es ihr im Traume vor, als ob die ganze Welt brenne und sie
selbst inmitten des Feuers sich auf eine kleine Ebene, versetzt sähe, stark
zitternd und zagend und voll Verzweiflung, wie sie dem Feuer entrinnen möge.
Da erschien ihr die Mutter Gottes, die Jungfrau Maria, zu welcher sie sich mit
flehentlicher Bitte wandte und sprach: "O meine teuerste Frau! hilf
mir." Die Jungfrau entgegnete: "Wie kann ich Dir helfen, da Du so
heftiges Verlangen trägst, in Dein Vaterland, zu Deinen Freunden und
Verwandten zurückzukehren? Du verachtest das Deinem Gott gethane Gelübde,
bist ihm und mir, Deiner Mutter und Deinem geistlichen Vater ungehorsam
geworden." Darauf sprach Katharina: "O gütigste Frau! ich nehme
alles gern an, was Du mir auferlegen wirst." Und die Jungfrau fuhr fort:
"So sei denn also anstatt mir Deiner Mutter und Deinem geistlichen Vater
gehorsam. Dieses sollst Du nach meinem Willen thun und es gefällt mir, Dich
dieses erkennen zu lassen." Als die Frau Katharina erwacht war, eilte sie
sofort in aller Demut zu ihrer Mutter, warf sich vor derselben auf die Kniee
nieder und flehte sie um Vergebung der Schuld ihres hartnäckigen Ungehorsams
an, durch welche sie Gott, die ehrenreiche Jungfrau und sie selber schwer
gekränkt." Sie erzählte nun ihrer Mutter das nächtliche Gesicht
vollständig, versprach ihr willigen Gehorsam bis zum Tode und daß sie
standhaft auf ihrer Pilgerfahrt und in ihrer Entfernung aus der Heimat ihre
Gefährtin bleiben wolle, Die Mutter freute sich dieser wunderbaren Bekehrung,
wünschte ihr Glück und sprach: "Diese Änderung kommt von der Rechten
des Allerhöchsten. (Psalm LXXVI. 11.) Gebenedeit sei der, der da macht, daß
denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen." (Römerbrief VIII.
18.) ![]()
Katharina macht sich zum Gehorsame verbindlich und hält denselben sorgfältig. Sie erwählt sich in einem schönen Gebete den heiligen Sebastian zum Beschützer ihrer Keuschheit. Sie führt ein fast klösterliches Leben. Ihr Leben und ihren Wandel richtet sie ganz nach denen ihrer Mutter ein, ist eine große Freundin des Schweigens und der Armen, und redet gern von göttlichen Dingen.
Nun war es Brigittas Wunsch, ihre Tochter durch das Joch der
Demut und des Gehorsams noch stärker zu binden, damit sie nicht durch
Nachsicht des mütterlichen Mitleids auf dem Wege der heiligen Buße zu
lässig sich bewegen wöge. Sie berief ihren Beichtvater, den Herrn Petrus,
einen in geistlicher Leitung bewährten Mann, der mit der Gabe der Heiligkeit
und Tugenden reichlich überströmt war, und bat ihn inständigst, er möge
ihrer Tochter das Gelübde des Gehorsams abnehmen. Der Herr Petrus gab den
Wünschen der so vernünftig und fromm Bittenden nach. Katharina gelobte ihm
demütig Gehorsam und hielt denselben so kräftiglich, daß sie auch nicht das
geringste ohne seine Erlaubnis zu thun sich unterstand. Denn sie wußte wohl,
wie die Tugend des Gehorsams für die Wahrheit streitet, die Schritte des
Menschen auf die Zucht richtet und die Gnade des heiligen Wandels sich
verdient. Mit dieser Tugend bewehrt, trat sie hinein in den Streit der
geistlichen Übung und legte ihrem Leibe das Band keuscher Enthaltsamkeit an,
damit er nicht ausgleiten möchte zu tötender Wollust. Und obwohl sie selbst
während der Ehe mit ihrem Gemahle in der Jungfräulichkeit gelebt hatte,
fürchtete sie dennoch die abschüssige Neigung der jugendlichen
Gebrechlichkeit, und daß der Feind, der Erfinder aller Nichtswürdigkeit,
durch seine List den Grund ihres heiligen Vorsatzes zerstören möchte. Sie
erwählte daher den Höchsten zu ihrem Helfer und bat ihn in tiefster Andacht,
er wolle ihr Kraft und Stärke verleihen, den Listen des Feindes Widerstand zu
leisten. Als sie eines Samstags das Sakrament des heiligen Leibes Christi
empfangen sollte und an den Altar herantrat, betete sie so, daß es der
Priester hörte, und sprach: "O liebster Erlöser! der Du diesen
Leib von der unbefleckten Jungfrau angenommen und am Kreuze mit zerrissenen
Nerven und Adern hast ausspannen lassen wollen, ich unwürdige Sünderin,
flehe Dich bei Deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit an, Du wollest mich
erhalten, auf daß ich nicht in Sünden falle. Und weil ich durch Deine Gnade
zum Hüter meiner Keuschheit einen trefflichen, aber sterblichen Ritter
gehabt, muß ich nach Auflösung meiner Ehe mit demselben einen anderen
Eiferer für meine Keuschheit mir ausbitten und wähle dazu den überaus edlen
Ritter, den Ausbreiter Deiner heiligsten Gebote, den seligen Sebastian, dessen
Hut und Sorge Du, liebevollster Jesu, mich anzuvertrauen würdigen
mögest." Während sie dieses und anderes andächtig gelobte, empfing sie
den Leib Christi zum Unterpfande des Heiles und der Umkehr aus der Versuchung
des Feindes. Das Opfer dieses Gebetes und dieser Empfehlung war so wirksam,
daß Katharina von diesem Tage an, wie bekannt ist, nicht ohne große Wunder
von Gott erhalten worden ist, wie unten noch ausführlicher gemeldet werden
soll. Während die ehrwürdige Frau, durch den eingetretenen Tod ihres Mannes
Witwe geworden, sich mit ihrer Mutter zu Rom befand, begann sie unter deren
sorgfältiger Obhut, da sie wußte, wie dieselbe vom Geiste Gottes erleuchtet
und mit den Gaben der göttlichen Tugenden geschmückt worden, wie in einem
Kloster zu leben. Zum Lehrmeister hatte sie Petrus, den Beichtvater ihrer
Mutter. Nach seinen Ermahnungen, Lehren und heilsamen Ratschlägen richtete
sie sich gänzlich, als eine aufrichtig Gehorsame in Demut. Fortwährend aber
betrachtete sie das Leben und den Wandel ihrer Mutter wie in einem
fleckenlosen Spiegel, und war voll Begierde, ihren Wandel und ihre Handlungen
nach ihrem Vorbilde einzurichten, ihr auch in den heiligen Bußübungen
nachzufolgen. Von ihr lernte sie, zu gewissen Zeiten Schweigen zu beobachten,
indem sie wohl wußte, wie die Tugend des Schweigens den Frieden des Herzens
und die Pflege der Gerechtigkeit gewährt und den Frieden unter den Nächsten
nährt und behütet. Denn wenn der Mensch nicht sehr fleißig seinen Mund
bewacht, wird er die unverdienten Güter, welche er hat, bald verbringen und
in viele Übel geraten. Wenn sie gefragt ward, antwortete sie wenige, aber
erbauliche Worte, welche den Willen Gottes und seine Gebote zum Inhalte
hatten, und redete mit allen, besonders mit den Armen
und Pilgern, freundlich und demütig, indem sie den Spruch des Weisen
beachtete: Richte alle Deine Reden auf die Gebote des Allerhöchsten. (Ekklesiastikus
IX. 23.) Wenn sie zu Rom war, nahm sie sich der Armen und Pilger auf eine
liebliche Weise an, deren sehr viele aus ihrem Vaterlande kamen, und erquickte
dieselben nicht nur mit Almosen, sondern auch durch süße und freundliche
Unterhaltung, ermahnte sie zur Geduld und Liebe Christi und suchte ihnen
häufig einzuprägen, daß sie stets an das bittere Leiden Christi denken und
die Gebote Gottes ganz besonders pflegen sollten. Erwähnen will ich nur das
Eine, wie sie einen armen Pilger mehrmals in ihr Zimmer gerufen und ihm das
Evangelium und die Lebensbeschreibung der Heiligen vorgelesen, die Gebote
Gottes erklärte und mit höchstem Nachdrucke in ihn drang, die sieben
Todsünden zu meiden. Dieser Pilger ward nach seiner Heimkehr in das Vaterland
ein Laienbruder im Kloster Wadstena, übte sich in der guten Ritterschaft
Christi und pflegte den Brüdern von Katharinas Heiligkeit viel Liebliches zu
erzählen."
Katharina wird ihrer Schönheit, Klugheit und Geistesstärke wegen von vielen großen Herren zur Gemahlin begehrt, schlägt aber alle Anträge aus. Jene stellen ihr daher heimlich nach, Gott macht jedoch ihre Anschläge wunderbar zu Schanden. Ein Graf, der sie gewaltsam entführen will, wird mit Blindheit geschlagen, aber von ihr und ihrer Mutter in der Kirche des heiligen Laurentius wieder sehend gemacht. Später erweist er beiden vieles Gute.
Katharina war jetzt, da sie bei ihrer Mutter in Rom wohnte,
zwanzig Jahre alt; dieses jugendlichen Alters ungeachtet war sie ernst und
streng in ihrem Verhalten, ihr Verstand erschien als der eines gereiften
Alters. Von Leibesgestalt war sie schön und anmutig, wie es die Herzen vieler
einnimmt und den Augen aller angenehm ist. Deshalb wünschten viele vornehme
Herren, sich ehelich mit ihr zu verbinden, und machten ihr ihre Anträge teils
in Person, teils durch andere, erklärten auch, wie sie ihr eine große und
kostbare Heimsteuer verheißen wollten, wenn sie in die eheliche Verbindung
mit ihnen willigen möchte. Sie erteilte standhaft die
Antwort, sie habe das Gelübde beständiger Keuschheit und Ehelosigkeit gethan,
und werde fortan mit keinem sterblichen Bräutigam eine eheliche Verbindung
mehr eingehen. In blinder Liebe gefangen, sannen jene darauf, dasjenige, was
sie durch Verheißungen und Schmeicheleien nicht hatten erreichen können,
durch Drohungen und Gewaltthätigkeiten an sich zu reißen. Sie legten ihr
daher auf den öffentlichen Straßen bei engen Wegen Hinterhalte, um sie
gefangen nehmen und von dannen führen zu können, damit sie nicht ferner,
durch die heiligen Ratschläge ihrer Mutter gestärkt, ihnen ihre Zusage
verweigern möge. So begab es sich denn, daß an einem Feiertage, als ihre
Mutter, von anderen Geschäften verhindert, daheim bleiben mußte, Katharina
ohne dieselbe eine mit anderen Damen unternommene Wallfahrt nach St.
Sebastian, außerhalb der Mauern Roms, antreten mußte. Ein Graf hatte sich
mit einem großen Gefolge zwischen die Weingärten, durch welche der Weg der
Wallfahrerinnen hindurchführte, in den Hinterhalt gelegt, wobei er sein
Augenmerk darauf gesetzt hatte, ob Frau Brigitta mit ihrer Tochter unter den
Wallfahrerinnen wäre. Als ihm Katharinas Anwesenheit dabei bekannt ward,
gebot er den Seinigen, sich bereit zu halten, sie gefangen zu nehmen.
Dieselben brachen aus ihren Verstecken hervor, um die Unschuldige zu
entführen; allein sie hatten ihrer Bosheit Bogen umsonst gespannt; der
Ratschluß des Herrn, welcher allezeit die auf ihn Hoffenden beschützt und
verteidigt, war mächtiger. Denn als die Ruchlosen hervorbrachen, rannte ihnen
eilenden Laufes ein Hirsch entgegen, mit dessen Einfangen sie sich erst zu
schaffen machten. Während sie dabei waren, begab sich Frau Katharina mit den
anderen Damen mit beschleunigtem Schritte in die Stadt zurück und
entschlüpfte ihren Händen wie ein Wild seinen Verfolgern und wie ein Vogel
dem Vogelsteller. Als sie nach Hause zurückkam, sprach ihre Mutter, die
selige Brigitta, welche im Geiste die Gefahr erkannte, aus welcher jene
befreit worden war: "Gebenedeit sei der Hirsch, welcher Dich heute von
den Nachstellungen des brüllenden Feindes erlöste, wie mir, als ich im
Gebete war, die ehrenreiche Mutter Gottes zu zeigen mich gewürdigt hat."
Daher vermochte sie wohl mit jener liebevollen Braut zu sprechen: Fliehe, mein
Geliebter! und werde gleich einem Reh und jungen Hirsch auf den Gewürz-
bergen. (Hoheslied VIII. 14.) - Seit diesem Tage wagte sie es nicht ferner,
die Stationen öffentlich zu besuchen, sondern nur eine ihrer Wohnung nahe
gelegene Kirche, wollte sich selten auf der Straße sehen lassen und zog es
vor, mit ihren Füßen daheim zu bleiben, weil die festen Füße eines
standhaften Weibes auf ihren Sohlen stehen. (Ekklesiastikus XXVI. 23.) Aus den
Mauern Roms hinauszugehen, wagte sie in keinerlei Weise, wenn sie nicht dazu
eine göttliche Eröffnung erhalten, damit ihre Kühnheit ihren Feinden keine
Freude bereiten möchte. Wenn sie aber von ihrer Mutter durch eine göttliche
Offenbarung versichert worden war, trat sie unbedenklich die Gänge zu den
Ablässen an. - Nun begab es sich, als das Fest des heiligen Laurentius nahe
war, daß die selige Brigitta am Vorabend desselben zu ihrer Tochter, der
seligen Katharina, sprach: "Morgen werden wir mit Gottes Gnade zusammen
zum heiligen Laurentius wallfahrten." Frau Katharina antwortete ihr:
"Ich fürchte sehr, daß ich von dem Euch wohlbekannten Grafen unterwegs
Euch mit Gewalt entführt werde." Die Mutter entgegnete darauf: "Ich
glaube fest und vertraue auf den Herrn Jesum, er werde uns mittels seiner
Barmherzigkeit aus den Händen dieses Mannes befreien und vor aller Gefahr
behüten." Am Tage des heiligen Laurentius verließen sie ihre Wohnung,
bezeichneten sich zu ihrem Schutze fünfmal mit dem Zeichen des
lebendigmachenden Kreuzes und empfahlen sich den fünf Wunden Christi und der
Obhut des heiligen Laurentius, Durch solchen Schutz gesichert, kamen sie
selbander bei der Kirche des heiligen Laurentius an. Jener Graf aber hatte
sich mit seinen Dienern, während es noch Nacht war, nahe dem Wege in einem
Weinberge versteckt, um die auf nichts Vorbereitete beim Anbruche des Tages,
aus seinem Verstecke hervorbrechend, zu entführen; aber Gott demütigte ihn
in seiner Schlinge, die er verborgen hatte. Nachdem die Sonne bereits
aufgegangen und ein ziemlicher Teil vom Tage verstrichen war, sprachen die des
Wartens überdrüssigen Diener des Grafen: "Herr! was wartet Ihr
hier?" Der Graf antwortete: "Wir warten fürwahr auf jene Dame,
welche wir heute zu entführen gedachten." Darauf die Diener: "Sie
muß schon längst vorübergegangen und in der Kirche des heiligen Laurentius
angekommen sein." Der Graf fragte sie nun, ob es denn bereits Tag wäre?
verwundert
erwiderten jene: "Freilich, Herr! ringsum leuchtet der helle Tag und die
Sonne steht schou hoch." Da erst erkannte der Graf, daß, von seiner
Bosheit herausgefordert, des Herrn Hand wider ihn ausgestreckt sei. So oft er
die Augen öffnete, erblickte er nichts. Er befahl, man solle ihn
augenblicklich in die gedachte Kirche des heiligen Laurentius führen. Dort
angelangt, fragte er die Diener, ob sie dort Frau Brigitta und ihre Tochter
sähen? Diese erkundigten sich unter der Menge der Ankommenden und meldeten
ihm: diejenigen, nach denen er gefragt, seien da. Sofort ließ er sich zu den
Damen führen und warf sich, bei ihnen angelangt, mitten in der Kirche mit
lautem Weinen nieder, erkannte in seinem Elende seine Bosheit, bat demütig um
Verzeihung, und daß sie ihm um Gottes willen seine Schuld vergeben möchten,
gelobte auch Gott, daß er nimmer wieder dergleichen unternehmen wolle, fügte
auch beteuernd hinzu, daß er nach Kräften ihr Schützer und Helfer und zu
allem, was sie wünschen möchten, ihr williger und bereitester Förderer sein
würde. Die beiden Frauen beteten augenblicklich für ihn und so erhielt er
das Licht seiner Augen wieder. Von diesem Tage an behielt er eine große
Ehrfurcht vor ihnen, hielt sie in Ehren und erwies ihnen sehr vieles Gute.
Diese Gnade und das an ihm geschehene Wunder hat der Graf als große Thaten
Gottes vor dem Papste Urban V. und dessen Kardinälen bezeugt.
Katharina gerät auf Anstiften des bösen Feindes nächtlicherweile auf ihrer Reise nach Assisi unter Mörder. Ihre Keuschheit gerät in Gefahr. Ein zweifaches Wunder Gottes befreit sie von derselben.
Verschwiegen werden darf auch nicht, durch welche
Anfechtungen der Widersacher des menschlichen Geschlechtes mitteIs seiner
Freunde Katharinas Gott geweihte Keuschheit bestürmt, der Herrscher der
Tugenden aber, Christus, der König der Herrlichkeit, sie barmherziglich aus
denselben befreit hat. Es begab sich, wie aus Brigittas Leben bekannt, daß
der heilige Franziskus dieser Heiligen in einem Gesichte erschien und dieselbe
in seine Zelle einlud. Die andächtige Frau schickte sich, dem heiligen
Franziskus gehorsam,
sogleich an, die Pilgerfahrt nach Assisi, zur Kirche dieses Heiligen, welche
Portiunkula genannt wird, anzutreten. Da ward ihr von Christo geboten, daß
die Frau Katharina sie zu begleiten habe, welche mit großem Verlangen dorthin
zu wallfahrten begehrte. Christus versicherte ihr auch, sie unter den
bevorstehenden Gefahren der Reise in seiner Barmherzigkeit bewahren zu wollen.
Sie sollten sich nicht fürchten; denn wenn auch der Widersacher viele
heimliche Nachsteller aufregen würde, wolle er sie doch deren Händen
wunderbarlich entreißen und sie retten. So traten sie denn mit einem
anständigen Gefolge die Fahrt gen Assisi an. Eines Tages konnten sie, da sich
der Abend bereits geneigt hatte, eine passende Herberge nicht mehr erreichen.
Sie hatten sich unter Strauchwerk und Bergpfaden verirrt, und gelangten, als
es bereits dunkel geworden war, an ein armseliges Wirtshaus; mit Not nahm sie
der Wirt auf und sie mußten in den höhlenartigen Räumen dieser Hütte ein
Obdach gegen den draußen stürmenden Schnee und Regen, so gut es gehe wollte,
sich verschaffen. Mitten in der Nacht traf bei diesem, Wirtshause eine
zahlreiche Räuberbande ein. Die Räuber zündeten ein Feuer an und besahen
sich die Gesichter unserer Reisenden. Von der Schönheit Katharinas betroffen,
wagten sie, an dieselbe verliebte und unzüchtige Reden zu richten. Welche
Angst hierbei ihr unschuldiges Herz empfand, läßt sich nicht beschreiben.
Sie vernahm der brüllenden Löwen schreckliche Stimme. Alle menschliche Hilfe
war fern; nur der göttliche Schutz blieb ihnen, den sie mit demütiger Bitte
inständigst herabflehten. Gebenedeit Gott, welcher die auf ihn Hoffenden
aufzurichten weiß! Von unkeuscher Brunst entzündet, hatten die Räuber sich
bereits angeschickt, über Katharina herzufallen, als draußen ein Geräusch
wie von heranziehenden Truppen sich vernehmen ließ. Man vernahm
Zusammenschlagen von Waffen und Stimmen, welche zur Gefangennehmung der
Räuber aufforderten. Als diese elenden Söhne des Mordes diese Töne
vernahmen, flohen sie erschreckt von dannen und wagten nicht, in derselben
Nacht zu der Herberge zurückzukehren. Die unerwartete, jäh über sie
gekommene Furcht ließ sie glauben, es sei ein ansehnliches Heer bewaffneter
Leute herangezogen. Die selige Brigitta, ihre Tochter und ihr Gefolge
verharrten die ganze Nacht unter Gottes Schutze in der Herberge und traten in
der Frühe die
Fortsetzung ihrer Reise nach Assisi an. Jene Verruchten aber, welche nachts
durch die Wächter Israels erschreckt worden, lagerten sich am Wege und
setzten sich auf beiden Seiten der Straße fest, welche Brigitta und ihre
Begleitung zu passieren hatten, um wenigstens auf diese Weise ihre Hände zur
Niederträchtigkeit auszustrecken. Im Vertrauen auf Gott setzten die Reisenden
ihren Weg auf der Landstraße fort. Sie erblickten zu beiden Seiten des Weges
die auf ihr Verderben sinnenden Räuber, wurden jedoch selber von denselben
nicht gesehen; ihr ganzer Umkreis war mit hellem Lichte erleuchtet, aber über
jenen allein lag eine drückende Nacht, das Vorbild der Finsternis, die über
sie hereinbrechen sollte. (Weish. XVII.) So entgingen die frommen Frauen den
Händen der Bösewichte und setzten im Namen des Herrn ihre Wallfahrt nach
Assisi fort, wo sie, in St. Francisci Heiligtume mit göttlichem Troste gar
sehr erquickt, die großen Thaten Gottes priesen und sodann mit großer Freude
wieder nach Rom zurückkehrten.
Katharinas Eifer in der Demut, Liebe und Andacht. Von, Kindheit auf betete sie täglich die Tagzeiten unserer Lieben Frau, die sieben Psalmen, nebst vielen anderen Gebeten, und zwar vier Stunden lang, bevor sie schlafen ging. Sie schläft wenig, steht vor Tage auf und bringt den ganzen Vormittag unter Gebet und Schweigen zu. Einmal erscheint ihr die Seele der Gattin ihres Bruders und begehrt Hilfe von ihr, bringt ihr auch gute Kunde aus Schweden.
Die ehrwürdige Katharina nahm sich die göttliche Liebe und
Güte, welche sich in der ihr erwiesenen Wohlthat ihrer Erhaltung so deutlich
kundgethan, tief zu Herzen, und legte in demselben als eine Tochter Gottes aus
Gnaden den Grund der Demut, welche Dankbarkeit gegen Gott erzeugt, die Güte
Gottes an sich zieht, die übrigen Tugenden in ihrer Stärke bewahrt und
selber unter denselben die vornehmste ist. Sie wußte wohl, daß, solange das
menschliche Gemüt sich auf die Demut lehnt, es sicherlich zur Liebe Gottes
und der himmlischen Dinge entzündet wird. Deshalb pflegte sie nicht allein
die Demut, mittels deren sie sich selber wahrhaft
verachtete, sondern sie wollte auch von anderen verachtet und geringgeschätzt
werden. So groß sie durch verdiente Lebensführung und so angenehm sie in den
Augen Gottes war, wollte sie doch nicht eine Heilige, sondern eine Sünderin
genannt werden. Sie befleißigte sich also im Geiste der Demut, dem Herrn aufs
innigste zu dienen, erniedrigte sich allezeit in ihrer Meinung inwendig und
demütigte sich äußerlich vor den Menschen in Worten, mit Seufzern und durch
Kleidung, und hatte einen überaus großen Abscheu dafür, für irgend eine
Handlung gelobt zu werden. Daher tadelte sie eine ihrer Dienerinnen, welche
sie der ihr verliehenen Gaben halber pries, sehr scharf und sprach: "Im
Namen unseres Herrn Jesu Christi beschwöre ich Dich, daß Du nimmermehr
dergleichen von mir sagst und denkst, da ich eine elende und unwürdige
Sünderin bin; er werde vielmehr von jedem seiner Geschöpfe gepriesen,
welcher alles Gute in Allen wirkt." Weitläufig zu erzählen würde sein,
eine wie große Liebe und göttliche Inbrunst sie im Dienste Gottes gehabt.
Von Kindheit auf betete sie täglich die Tagzeiten der seligen Jungfrau und
die sieben Psalmen, samt vielen anderen besonderen Gebeten. Welcher Inbrunst
sie in den eigenen Gebeten sich hingegeben, mag nach dem, was nun folgt,
leicht ermessen werden. Vor dem Schlafengehen brachte sie unter Kniebeugungen,
Brustklopfen und häufigen Thränen, in der Erinnerung an das überaus bittere
Leiden, alle Abende als ein Brandopfer sich gänzlich dem Herrn dar und legte
erst dann die von den täglichen und nächtlichen Anstrengungen ermüdeten
Glieder zur Erholung in das Bett nieder, um einen kurzen Schlaf zu genießen.
Stets erhob sie sich vor der Morgendämmerung zum Gebete und vollbrachte ihr
tägliches Opfer im Schweigen, in welchem sie durch Fragen sich nicht
unterbrechen ließ, wie sie auch ohne augenscheinliche Not vor Mittag keine
Unterbrechung in ihren heiligen Beschäftigungen sich erlaubte. Wie wirksam
und Gott angenehm ihre Gebete waren, welche sie für andere im Geiste der
Andacht und des Mitleids vollbrachte, ergiebt sich aus vielen Wunderzeichen.
Als ihre fromme Mutter, die heilige Brigitta, noch unter den Lebenden wandelte
und sie zu Rom bei derselben sich befand, hatte Katharina sich eines Tages im
Gebete vor einem Altare des heiligen Evangelisten Johannes, in der größeren
Kirche des heiligen Petrus, niedergeworfen.
Da erschien ihr eine fremde Frau, angethan mit einem weißen Rocke, mit einem
Gürtel, einem weißen Schleier auf dem Kopfe, mit einem schwarzen Mantel
bekleidet, welche sich Katharina eilenden Schrittes nahte, sie beim Namen
grüßte und sie flehentlich bat, sie möge für die Seele der Norwegerin
beten. Katharina richtete sich empor und fragte jene, woher sie sei. Die
Fremde erwiderte, sie sei aus Schweden, und die Gemahlin von Katharinas Bruder
Karl sei gestorben. Frau Katharina lud die Fremde nun in ihrer Mutter Haus
ein. Die Fremde aber fing an, sich zu entschuldigen, und sagte, sie habe zum
Bleiben nicht längere Zeit; wiederholte aber ihre früheren Worte:
"Betet für die Norwegerin; ihr werdet bald Nachricht und eine gute Hilfe
aus dem Vaterlande empfangen, weil euch die Nordländerin die goldene Krone
ihres Hauptes vermacht hat." Alsbald war die Fremde verschwunden.
Hierüber verwundert, wendete sich Frau Katharina zu ihren Mägden, die in
ihrer Nähe standen und fragte dieselben, wohin die Person, welche eben mit
ihr geredet, sich gewendet haben möge. Jene antworteten: "Wir haben Euch
zwar mit jemand reden hören, aber niemand gesehen." Da entsetzte sich
Frau Katharina und teilte ihrer Mutter Brigitta mit, was sie gesehen und
gehört hatte. Als diese darüber sich ins Gebet begeben hatte, ward ihr von
Gott geoffenbart, daß Frau Gyddha, die Gemahlin ihres Sohnes Karl, gestorben
sei, deren Seele Katharina erschienen und Hilfe von ihr begehrt habe. Nicht
lange darauf kam Ingwald Asmundsson, ein guter Freund der Frau Katharina, aus
Schweden und meldete den Tod der gedachten Frau Gyddha. Er brachte ihr auch
das Vermächtnis, nämlich den goldenen Reif oder die Krone, welche sie bei
ihren Lebzeiten nach dem Brauche ihres Landes zu tragen pflegte, denn Frau
Gyddha stammte aus einem gar erlauchten norwegischen Geschlechte. Jene Krone
aber hatte einen so ansehnlichen Wert, daß aus deren Erlöse die selige
Brigitta und ihre Tochter, samt dem ganzen Gesinde, ein ganzes Jahr hindurch
zu leben vermochten Hieraus erhellt deutlich, wie angenehm das Opfer von
Katharinas Gebeten gewesen sein müsse, da einer Seele, welche sich im
Fegfeuer befand, gestattet worden, zu ihrer Befreiung Katharina anzugehen. Die
ehrwürdige Frau hatte den Brauch, für die Zeit ihres Gebetes eine heimliche
Stätte aufzusuchen und sich aus dem Getümmel zu flüchten,
um Gott ein würdiges Opfer und Gehorsam darzubringen, indem sie glaubte, sie
werde um so eher erhört werden, je tiefer sie aus dem innersten Grunde ihres
Herzens zum Herrn emporrufe. Und wenn schon die Zunge des Fleisches schwieg,
so ließen doch die Reinheit des Lebens, samt den frommen Übungen und guten
Werken nicht nach, zum Herrn zu flehen.
Katharina ist sehr mildthätig gegen die Armen und Kranken und erweist ihnen viel Gutes. Sie folgt hierin den Fußstapfen ihrer heiligen Mutter, verachtet die Welt und alles, was in der Welt ist, und hängt allein Christo an. Ihre äußere Erscheinung und Wandel. Von einem Wunderzeichen, das Gott an ihr gethan.
Wie groß das Mitleid und die Liebe dieser
verehrungswürdigen Frau gegen den Nächsten gewesen, kann daraus abgenommen
werden, daß die Barmherzigkeit gegen Arme und Kranke mit ihr aufgewachsen
war. Denn ihre überaus heilige Mutter Brigitta war, wie bekannt, gewohnt, die
noch im zarten Alter stehende Tochter mit sich in die Hospitäler zu nehmen,
wo die Mutter die Wunden und Geschwüre der Kranken ohne allen Abscheu mit
eigenen Händen berührte und pflegte, ihnen sehr viel Gutes und tröstliche
Worte zu teil werden ließ, und so dem jungen Mädchen ein Beispiel
aufstellte, wie sie in ihrer ganzen kommenden Lebenszeit um Gottes willen
ähnliches an Armen und Kranken zu thun habe. Wenn nun etwa einige die fromme
Mutter tadelten, daß sie ihre zarten Töchter in die Wohnungen der Armen und
Kranken führte, auch die Besorgnis aussprachen, sie könnten durch die üblen
Ausdünstungen der Kranken übel erregt oder angesteckt werden, so antwortete
sie ihnen freundlich, sie führe ihre Töchter deshalb in die Häuser der
Armen, damit sie lernen möchten, Gott in den Armen und Kranken zu dienen.
Daher ist denn wohl genug Grund zu dem Glauben, daß bei dieser Tochter der
ehrwürdigen Frau Brigitta mit zunehmendem Alter auch das Erbarmen mit Kranken
und armen Personen zunahm, sie dieselben fleißig besuchte, ihnen trostreiche
Worte spendete und mit liebreichen Almosen erquickte, wobei
sie in andächtiger Nachahmung, soviel sie vermochte, in die Fußstopfen ihrer
heiligen Mutter trat. Die Worte, welche sie von ihrer heiligen Mutter Brigitta
gehört und die Werke der Liebe, welche sie an derselben wahrgenommen, hatten
ihr eigenes Herz mit Liebe durchdrungen, so daß sie von ganzem Herzen mit der
Not der Armen Mitleid trug und in der Rede Teilnahme zeigte gegen diejenigen,
welche im Leide waren, auch ihnen durch die That zu Hilfe kam, indem sie
reichliche Wohlthaten an sie spendete, Sie stand auch in der Nacht, wenn ihre
Mutter auf dem harten Fußboden schlief, aus kindlichem Mitleid heimlich auf
und legte jener ihren Mantel unter, um die Härte ihres Lagers zu mildern. O
gottesfürchtiges, liebevolles Mitleid! Wie gering es auch in der
äußerlichen That sich darstellt, so zeigt es doch eben in der Äußerung die
höchste Liebe, wie es einer guten Tochter gegen ihre Mutter geziemt.
Glücklich daher die Mutter, welche dem Fleische nach der Welt eine solche
Tochter geboren; ja, noch viel seliger ist sie, weil sie dieselbe durch ihr
heiliges Vorbild und die Heiligkeit ihres Lebens Christo, dem Herrn aller
Dinge, geistlich wiedergeboren und für seinen heiligen Dienst zugerüstet
hat. Und weil die größten Hindernisse der Frömmigkeit und des Gebetes die
Begierden der Welt und des Fleisches sind, so war sie eifrig bemüht,
dieselben als etwas Giftiges aus ihrem Herzen zu entfernen, indem sie nach
Armut trachtete und um Gottes willen ein niedriges Leben begehrte, damit sie
Christo, welcher auch ihretwegen arm geworden war, freier nachzufolgen
verdienen möchte. Sie ist ihm auch wahrhaft nachgefolgt, indem sie auf den
Reichtum der Welt und die Lust des Fleisches verzichtete, welche ihre
Liebhaber quälen und peinigen. Sie verachtete der Welt Herrlichkeit und trat
dieselbe im Geiste unter die Füße, um Gottes Ehre zu verbreiten; und um auf
dem Wege Gottes bessere Fortschritte machen zu können, unterwarf sie sich
selber dem Willen eines anderen im Gehorsam, indem sie es für eine große
Ehre erachtete, um des Herrn willen arm zu sein und von der Welt
geringgeschätzt zu werden. Die Besitztümer der Welt, den Trost der
Geschwister und Verwandten entfernte sie gänzlich aus ihrem Sinne, liebte das
Leben in (freiwilliger) Verbannung, statt des Vaterlandes, um die Richtung
ihres Gemütes desto genauer an Christum, ihren Geliebten, und an die ewigen
Güter heften zu können. Deshalb hat dann
jener gütige Belohner, welcher denen, die ihn lieben, alles unwürdige, das
sie seinethalben übernommen, in Herrlichkeit und Ehre verwandelt, die Armut
und Niedrigkeit dieser ehrwürdigen Frau nicht allein für das künftige,
sondern auch im gegenwärtigen Leben in Ruhm und Zierde umgewandelt. Denn es
begab sich einmal, daß, als ihre Mutter Brigitta noch lebte, einige der
vornehmeren Damen Roms Katharina baten, mit ihnen der Erholung halber einen
Spaziergang vor die Mauern Roms zu machen, denn sie ward von allen wegen der
vielfachen ihr von Gott erwiesenen Gnaden sehr geliebt, da sie sich durch
Andacht und Strenge des Wandels auszeichnete, durch liebliche Körpergestalt
und löbliche Unterhaltung in geselligen Kreisen die Aufmerksamkeit in
Anspruch nahm. Ihre Mutter Brigitta erlaubte ihrer Tochter, in Betracht deren
Frömmigkeit, nicht aus sorglosem Leichtsinne, sondern damit diese auf dem
Spaziergange sich erholen möchte, den Hinausgang vor die Mauern Roms. Als sie
aus Rom hinausgekommen waren, befanden sie sich zwischen den Mauern der
Weingärten. Einige der Damen, welche über diese Mauern Trauben
hinüberhängen sahen, baten Frau Katharina, welche von hoher Gestalt war,
daß sie ihnen die über die Mauern hinausragenden Trauben abbrechen möge.
Obwohl sie nun infolge der Armut, welche sie erwählt, abgenützte und
verschlissene Ärmel trug, schämte sie sich doch nicht, unter so hohen Damen
in ihrer Armut und Niedrigkeit sich sehen zu lassen. Als sie nun die Arme aus
den Falten herausstreckte, um die Frucht vom Weinstocke zu brechen, glaubten
alle Damen wahrzunehmen, daß ihre Arme mit hyacinthfarbener Seide und Purpur
aufs beste bekleidet seien. Hierüber erstaunt, betastete eine nach der
anderen die Arme der Heiligen und sprachen, als sie den kostbaren Purpur an
den Ärmeln erblickten, zu ihr: "O Frau Katharina! wer in aller Welt
hätte glauben können, daß Ihr jemals euch so kostbarer Kleiner und
Gewänder hättet bedienen mögen?" Dieses haben das gegenwärtig
gewesene Hausgesinde und ihr Beichvater Petrus, heiligen Andenkens, bezeugt. ![]()
Von einem anderen Wunder, das Gott an der heiligen Katharina während einer Krankheit derselben gewirkt. Eine Offenbarung, worin die seligste Jungfrau Katharina wegen ihrer Armut belobt. Von Katharinas großer Geduld.
Ein anderes Mal, als Frau Katharina noch bei Lebzeiten ihrer Mutter an einer schweren Krankheit danieder und im Bette lag, ließ ein besonderer Freund derselben, ein vornehmer, römischer Baron, Lodovico mit Namen, der seligen Brigitta melden, wie es sein Wunsch sei, ihrer Tochter seinen Besuch zu machen. Als dies ihre Hausgenossen vernahmen, schämten sie sich vor sich selber, daß ein so vornehmer Herr sie auf so armseligen Lager liegen sehen sollte. Denn sie lag auf einem Strohsacke, hatte ein kleines Kissen unter dem Haupte und war überdeckt mit einem alten und geflickten Mantel. Allein der Herr Jesus Christus, welcher durch seine Armut seiner Armen Elend mit Herrlichkeit und Ehre erhöht, hat auch diese Niedrigkeit und Verächtlichkeit ihrer freiwilligen Armut durch den Reichtum seiner unaussprechlichen Gnade vor den Augen des mächtigen und reichen Herrn Lodovico ausgezeichnet. Denn als dieser Herr mit einem sehr zahlreichen Gefolge dahin gekommen war, wo die Kranke lag, erschien ihm ihr Bett auf das Schönste ausgestattet, mit einer Decke darüber von Gold und Scharlach. Er wunderte sich gar sehr und sprach zu den Dienern, welche ihm gefolgt waren: "Diese Damen werden von allen Leuten für arm gehalten, weil sie so oft Geld aufnehmen, um sich die notwendigen Bedürfnisse einzukaufen. Es würde besser sein, wenn sie den kostbaren Purpur und die vornehme Ausstattung, welche sie, wie wir gesehen, ihrem Hause gegeben haben, zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse verkaufen möchten, als daß sie sich vom Mangel und Entbehrung au Nahrungsmitteln und Kleidern drücken ließen." -
Wie sehr aber Gott und der ehrenreichen Jungfrau Maria ihre
freiwillige Armut gefiel, ward der seligen Brigitta geoffenbart, während sie
in der Süßigkeit des Geistes also betete: "O meine teuerste Frau! ich
bitte Dich um der Liebe Deines geliebten Sohnes willen, daß Du mir helfen
wollest, denselben von ganzem
Herzen zu lieben. Ich fühle mich zu schwach, ihn mit so feuriger Liebe, als
ich sollte, zu lieben. Deshalb bitte ich Dich, o Mutter der Barmherzigkeit, Du
wollest mich würdigen, seine Liebe auf mein Herz zu binden. Ziehe dasselbe
mit aller Anstrengung zu Deinem Sohne, daß es sich losmache von aller
fleischlichen Liebe, und ziehe um so stärker, je schwerer es ist." Die
Jungfrau Maria antwortete ihr: "Gebenedeit sei der, welcher Dir solche
Gebete eingiebt. Wie süß Dir aber auch die Unterhaltung mit ihm erscheinen
mag, so gehe doch nichtsdestoweniger hin und nähe Deiner Tochter Katharina
den Rock zusammen; denn sie freut sich mehr über einen alten und geflickten
Rock, als über einen neuen, hat mehr Lust zu grauem, grobem Tuche, als zu
Seide oder anderen köstlichen Gewändern. Selig ist sie, daß sie so frei das
Weltliche verlassen, ja selbst den Gemahl mit dessen freundlicher Zustimmung
aufgegeben hat, dessen Leib sie mehr liebte, als sich selber, sowie seine
Seele mehr, als beider Leiber. Sie hat auch die Brüder und Schwestern, die
Verwandten und Freunde leiblicherweise verlassen, am ihnen geistlicherweise
helfen zu können, und hat der Welt Besitztümer nicht geachtet, nun sind ihr
für die Dahingabe der Verwandten alle Sünden verziehen. Darum soll sie
fortan beständig bleiben, denn für irdischen Besitz wird ihr das Himmelreich
gegeben werden und Jesus Christus selber zum Gemahl, und alle, welche sie um
Gottes willen lieben, werden um ihrer willen gefördert werden." Und
obwohl sie mit mannigfaltigen Tugenden geziert war und bei allen im Geruche
der Heiligkeit und eines guten Leumundes stand, war sie doch unter ihren
Hausgenossen besonders um ihrer Geduld willen gepriesen. Denn sie bedachte
fleißig, wie das Gemüt, wenn es nicht mittels der Geduld seiner Beunruhigung
widersteht, auch was es etwa mit ruhigem Sinne gut ausgeführt hat, zu
Schanden macht und in einem plötzlichen Anstoße über den Haufen wirft, was
vielleicht während einer langen Zeit mit umsichtiger Mühe aufgeführt worden
war. Es ist gar leicht, ein verächtliches Kleid zu tragen und gebeugten
Hauptes einherzugehen; allein der wahrhaft Demütige zeigt sich als solcher im
geduldigen Ertragen des Unrechtes. Wie die Salben ihren Duft nicht verbreiten
können, wenn sie nicht geschüttelt werden, so hat diese ehrwürdige Frau
Katharina durch die Kraft ihrer Geduld mittels der
Verfolgungen und der Schmach, die ihr ungerechterweise zugefügt worden, ihren
Wohlgeruch weithin verbreitet. Durch eine dreifache Übung hatte sie sich der
Übung der Geduld gänzlich hingegeben: von ihrem Nächsten ertrug sie
Beschädigungen, Verfolgungen, Schmach und Lästerung überaus geduldig, von
den Mägden und Hausgenossen angezankt, erduldete sie Beleidigungen und
Angriffe mit Gleichmut und liebte ihre Beleidiger im Geiste der Sanftmut
gleichsam . wie Wohlthäter. Über diese ihre Tugend der Geduld berichtete
eine Ordensschwester, eine gottesfürchtig wandelnde Nonne des Klosters
Wadstena, Margareta, Karls Tochter, welche der Frau Katharina fünf Jahre
hindurch gedient hatte, wie sie von derselben niemals ein Wort der Ungeduld
vernommen, noch Zeichen eines Unwillens wider diejenigen, die sie beleidigten,
habe wahrnehmen können. Daher ist an einigen sehr zu beklagen und
tadelnswert, wenn sie wegen eines unbedeutenden Vorwurfes oder selbst eines
liebevollen Wortes also sich abkehren, daß sie mehrere Tage lang mit dem
Nächsten weder reden, noch ihm Freundschaft oder ein Zeichen der Freundschaft
erweisen, noch ihm Gutes thun mögen. Die Märtyrer und übrigen Heiligen
konnten von der Liebe Gottes selbst durch erschreckliche Martern nicht
abwendig gemacht werden; wir aber, leider! wenden der Liebe Gottes und des
Nächsten bisweilen aus Anlaß müßiger Mährlein, oft auch wegen des
geringsten Tadels, ja manchmal bei einem leichtfertigen Zeichen den Rücken.
Welche Anfechtungen sie vom Widersacher hat erdulden müssen, kann nicht
leicht auseinandergesetzt werden, weil das Leben der Gerechten nur ein Kampf
auf Erden ist. Die Geißelschläge des Schöpfers aber ertrug sie heiter und
mit Danksagung und ließ sich nicht im entferntesten zu einem Murren darüber
hinreißen, denn sie erwog, daß, wer die Belohnungen des künftigen Lebens
begehrt, alle Übel des gegenwärtigen Lebens gleichmütig ertragen muß. ![]()
Katharina besucht mit ihrer Mutter die Kirchen vieler Heiligen an verschiedenen Orten, ingleichen auch das heilige Grab. Sie kehrt nach Rom zurück, begräbt daselbst ihre Mutter, und führt nicht lange danach deren Gebeine nach Schweden hinüber. Unterwegs erteilt sie heilsame Lehren, straft die Kreuzherren in Danzig scharf, schifft von dort nach Wadstena, und wird daselbst mit Freuden empfangen.
Nicht nur in den hier beschriebenen Tugenden, sondern auch
in anderen guten Werken übte sich Katharina die ganze Zeit ihres Lebens
hindurch eifrig. Während sie mit ihrer Mutter fünfundzwanzig Jahre hindurch
zu Rom sich aufhielt, war sie diese ganze Zeit über deren unzertrennliche
Begleiterin auf ihren Reisen, und besuchte nicht allein mit ihr die Stationen
der Kirchen zu Rom um der Ablässe willen, sondern auch verschiedene Stätten
der Heiligen, die an mancherlei Orten und in mehreren Reichen vorhanden sind,
ingleichen des Herrn Grab zu Jerusalem unter großen Beschwerden und brennend
im Verlangen nach Gott. Nachdem sie die heiligen Stätten durchwandelt, begann
ihre Mutter, die heilige Brigitta, in der heiligen Stadt Jerusalem an einem
Fieber zu erkranken, welches anhielt, bis sie wieder nach Rom zurückgekommen
waren. Hier offenbarte der Herr Jesus seiner heiligen Braut Tag und Stunde
ihres Todes, sowie andere Dinge, welche geschehen sollten, was alles sie ihren
Beichtvätern und der Frau Katharina, wie es ihr von Christo geoffenbart und
geboten war, mitteilte. Nachdem sie ihrer heiligen Mutter bei deren Tode, die
auf ihr liegende Schuld abgetragen und deren Leib, wie es durch ihren eigenen
Willen angeordnet war, im Kloster Panisperna bestattet hatte, erwies sich Frau
Katharina, wie sie sich ihrer Mutter, da dieselbe noch lebte, als getreueste
Gehilfin in Förderung der ihr von Christo aufgetragenen Geschäfte gezeigt
hatte, nun auch in allen Stücken als eine pflichtgetreue Vollstreckerin des
Willens der Verstorbenen nach Christi Verordnung. Christus hatte nämlich der
Mutter geoffenbart, daß ihr Leichnam zu Rom beigesetzt und dann nach Schweden
hinübergeführt werden solle. Dieses führte sie in aller
Sorgfalt mit den Beichtvätern der heiligen Brigitta nach Verlauf von fünf
Wochen aus. In der obengedachten Zeit nach ihrem Tode (es war noch in dem
nämlichen Jahre) ward die Translation nicht ohne ausgezeichnete Wunder,
welche sich in der Ablösung des Fleisches von den Gebeinen zeigten, und nicht
ohne unterwegs hervortretende Wunderzeichen vollendet. Während der
Überführung der Reliquien kamen Frauen von vornehmem Stande und aus dem
Volke zu der ehrwürdigen Katharina und verehrten und küßten diese heiligen
Überreste. Katharina gab ihnen heilsame Ermahnungen, daß sie die Pracht des
vergänglichen Aufwandes der Welt hintansetzen und sich dem Verlangen nach den
zukünftigen Gütern desto feuriger hingeben möchten. Auf ihre heilsamen
Ermahnungen wurden viele Herren und Damen vom Adel zur Reue angeregt,
bekehrten sich und begannen unter Gottes Beistand einen besseren Lebenswandel.
Endlich langte Katharina mit den heiligen Reliquien in Preußen an und kam zu
der Stadt Danzig, wo zwei der vornehmsten Herren aus dieser Stadt, welche ihr
von Rom aus gefolgt waren, mit ihrem übrigen Gefolge die Gnade der Kraft
Gottes an der heiligen Frau lobten. Dort hielt sie auch voll Standhaftigkeit
den Übertretungen der Kreuzheeren Strafreden und legte ihnen, ganz vom Geiste
Gottes erfüllt, die schrecklichen Drohungen vor, welche der seligen Brigitta
wider sie geoffenbart worden waren; dabei fürchtete sie sich nicht vor der
weltlichen Macht derselben, so daß sie jenem ewigen Richter und getreuem
Zeugen in Wahrheit hätte sagen können: Ich will reden von Deinen Zeugnissen
vor Königen und mich nicht schämen. (Psalm CXVIII, 46.) Denn sie entsetzten
sich ob ihrer wunderbaren, mit göttlicher Weisheit erfüllten Beredsamkeit;
deshalb mußte auf ihre Worte jegliches Unrecht seinen Mund verstopfen, und
die Weisheit der Welt vermochte nicht, der Wahrheit zu widerstreben. Nachdem
sie die Stadt Danzig verlassen, ging sie mit den heiligen Reliquien und ihrem
Gefolge zu Schiffe und fuhr nach Schweden hinüber. Nach der Überfahrt
gelangten alle, unter der Leitung eines heller als die Sonne am Mittage
glänzenden Sternes, in einen Meerhafen Schwedens, an welchen sie gar nicht
gedacht hatten, und landeten wohlbehalten in der Bucht von Söderköping in
Ostgotland. Nachdem ihre lange ersehnte Ankunft kundbar geworden, kam ihnen
aus allen Gegenden
Ostgotlands eine zahllose Menge von Männern und Frauen, von Adeligen und
Leuten aus dem Volke, von Welt- und Ordensgeistlichen entgegen, und geleiteten
Katharina und die heiligen Reliquien ihrer seligen Mutter Brigitta, sowie
verschiedener anderer Heiligen, mit denen Mutter und Tochter von hohen
Personen, als der Königin von Neapel, den Kardinälen, Baronen und vornehmen
römischen Damen, auch sehr vielen Ordensleuten beschenkt worden waren, mit
vorzüglicher Andacht und nicht geringer Freude bis zum Kloster Wadstena. Der
verehrungswürdige Cistercienser-Ordensprior von Alvastra, Petrus, seligen
Andenkens, war der Frau Katharina von Rom aus bei dieser Überführung der
Reliquien gefolgt. Auf dem Wege von Söderköping bis Wadstena hielt er in
größeren wie kleineren Städten häufige Predigten an das zusammenströmende
Volk und verständigte dasselbe, wie große Dinge der gütige Gott durch sie
zu wirken sich herabgelassen und mit wie erstaunlichen Wunderzeichen er ihre
Mutter Brigitta in Deutschland und Welschland, in Spanien und in den Ländern
jenseits der Meere verherrlichte.
Katharina wird vom Bischofe von Linköping feierlich empfangen. Sie tadelt denselben wegen seiner Strenge und wird von ihm geehrt. Nach Wadstena gekommen, wird sie von den Schwestern zur Oberin gewählt, erklärt denselben die Regel und weidet sie mit Worten und Beispiel. Sie haßt das Lästern und die Beeinträchtigung des Rufes des Nächsten und ist im Kloster ein Spiegel aller Tugenden, namentlich in der Liebe.
Nicht verschwiegen werden darf, mit wie großen Ehren Frau
Katharina, als sie mit den Reliquien ihrer heiligen Mutter gen Linköping kam,
vom Bischofe dieses Sprengels, dem Herrn Nikolaus, seligen Andenkens,
empfangen worden. Derselbe kam ihr mit den Welt- und Klostergeistlichen in
feierlichem Aufzuge entgegen. Hinterdrein folgte das Volk aus der Stadt.
Festliches Glockengeläute erschallte, die Orgeln ertönten; der Jubelruf des
Volkes mischte sich mit dem Gesange der Geistlichen. Gepriesen ward der
höchste Gott in Sion, der seine Heiligen auf Erden verherrlicht. Die
ehrwürdige
Katharina wurde mit den heiligen Unterpfändern in die Kathedrale
hineingeführt. Nach Beendigung der Predigt lud sie den Bischof samt seinem
Kapitel zu sich ein und erzählte ihnen die Angelegenheiten, welche sie
angingen. Dann aber sprach sie gegen den Herrn Bischof in aller Ehrerbietung
ihren Tadel über gewisse Fasten und Entsagungen aus, welche nicht ganz
klüglich geübt worden, denn er hatte sich eine lange Zeit eingeschlossen und
allein Gott mit Fasten, Wachen und Gebeten gedient, dabei aber die Sorge für
sein Hirtenamt gänzlich zurückgesetzt; er begehrte aufgelöst zu werden und
bei Christo zu sein und zwar nicht aus Unruhe über die Arbeit und Sorge,
sondern weil er bei Häufung der Übelstände im Königreiche Schweden ohne
Nachteil der Kirchen und seiner Geistlichkeit nicht imstande war, sich
denselben wie eine Mauer für das Haus des Herrn entgegenzustellen. Der Eifer
für das Haus des Herrn verzehrte ihn und die Schmähungen derjenigen, welche
die Freiheiten der Kirche lästerten, waren auf sein Herz gefallen. (Psalm
LXVIII.) Als er aber den Rat der heiligen Frau vernommen, welcher mit
himmlischer Weisheit gewürzt war, zog er es vor, mit dem Volke Gottes geplagt
zu werden und erachtete es für Reichtum, statt unthätiger Langmut und Geduld
die Schmach Christi zu tragen. An ihm bewahrheitete sich der Ausspruch des
Weisen: Gieb dem Weisen Gelegenheit, so wird er in der Weisheit zunehmen;
lehre den Gerechten, so wird er's eilends annehmen. (Sprüche Sal. IX. 9.) Von
der Zeit an hielt der heilige Bischof sie in Ehren, da er erkannte, daß die
Weisheit Gottes in ihr war, deren Lippen erwägen, was Gott gefällt, während
die Zunge Klugheit ertönen läßt, wie auserwähltes Silber. Endlich gelangte
Katharina am Mittwoch in der Oktave Petri und Pauli im Kloster von Wadstena
an, und wurde von der ganzen Versammlung der Brüder und Schwestern mit
überaus großer Freude empfangen. Alle Schwestern empfing sie mit
mütterlicher Liebe und freute sich über ihre Gesundheit, sowie über ihre
Fortschritte in der Andacht gar sehr. Nachdem sie eine Ansprache an die
Brüder gehalten, schloß sie sich bei den Schwestern ein und opferte, ganz
erfüllt mit dem Geiste der Andacht, Gott ein Opfer des Lobes und freute sich,
den wilden Wirbeln dieser flutenden Welt heilsam entkommen zu sein. Um diese
Zeit begann sie auch, bei den Schwestern die Vorstandschaft zu übernehmen und
denselben
die Regel vom Welterlöser, welche sie vierundzwanzig Jahre hindurch noch bei
Lebzeiten ihrer Mutter im geistlichen Leben praktisch erlernt hatte, im
wachsamen Eifer eines heiligen Wandels darzulegen und erwies sich selber für
alles, was in der Regel enthalten ist, als ein leuchtendes Vorbild. Alles
daher, was bei einem heiligen Wandel tadelnswürdig war, als:
Beeinträchtigung der Ehre anderer und Schmähreden erregten ihren großen
Abscheu. Darum sagte sie einmal, wie erzählt wird, ihrer Nichte Ingrid,
welche noch jung war, nachmals aber zur ersten Äbtissin in Wadstena geweiht
ward, als sie dieselbe bei einer Stickerei, wie junge Mädchen dieselbe zu
fertigen pflegen, antraf: "Meine Tochter Ingrid! was stickest Du da in
Deine Arbeit hinein, welche Du in den Händen hast?" Jene antwortete:
"Frau! ich sticke hier zwei Menschen, die einander in den Rücken
beißen." Die ehrwürdige Katharina holte aus tiefstem Herzen einen
Seufzer und brach in diese flehentlichen Gebetsworte aus: "Du gütigster
Jesu! bei der würdigsten Fürbitte Deiner liebreichen Mutter bitte ich Dich,
wende von diesem der Jungfrau, Deiner Mutter, geweihten Orden die giftigen
Bisse der Lästermauler [sic!] ab." Sie erwog den Ausspruch eines
Heiligen, daß der Lästerer und derjenige, welcher ihn gern hört, beide den
Teufel auf der Zunge tragen. Es erblickte also die ganze Versammlung der
Schwestern und Brüder an ihr, wie in einem Spiegel, die rechte Art aller
Zucht und Heiligkeit, auch wie brünstig sie im göttlichen Gehorsame und in
den Trübsalen geduldig war. Sie betrachteten sie als den Glanz der Sonne auf
dem Gipfel des Berges, welcher im Widerscheine seiner Strahlen die Thäler
umher erleuchtet. Die göttliche Liebe führte in ihr aber schließlich die
Oberherrschaft. Sie muß, wenn man alle Tugenden vergleicht, als deren
stärkste Grundlage erkannt werden. Denn bei der Meisterschaft in dieser
ausgezeichneten Tugend zeigte sich die ehrwürdige Katharina wunderbar in
ihrem Rate, sanftmütig in der Demut, lieblich in der Güte, mitleidig in der
Liebe, standhaft in der Geduld, freundlich im Gespräche, fröhlich in der
Spendung der Almosen und ernst in aller Ehrbarkeit des Wandels. Nach ihren
Tagzeiten und Gebeten las sie mit irgend einer Schwester den Psalter. Alle
Schwestern berief sie zu sich, bald miteinander, bald eine um die andere, und
ermahnte sie mit süßer und mütterlicher Empfindung, die Regel zu halten. ![]()
Katharina reist nach Rom, um die Heiligsprechung ihrer Mutter zu betreiben. Herrliches Wunderzeichen, das Gott durch sie zu Rom an einer verzweifelten Witwe gewirkt.
Nachdem Katharina die Reliquien ihrer heiligen Mutter zu
Wadstena in Aufbewahrung gegeben, begannen dieselben hier viele leuchtende
Wunder hervorzurufen und in der ganzen Welt breitete sich der Ruf von der
Heiligkeit der seligen Brigitta aus. Aus den verschiedensten Gegenden kamen
Leute nach Wadstena und lobten und priesen Gott in den Wundern und Zeichen,
welche er durch ihre Verdienste vielfach zu wirken sich herabließ. Von der
Herrlichkeit dieser Wunder wurden der König und die Prälaten, sowie die
Vornehmen des Reiches, ingleichen die Geistlichkeit tief ergriffen, und
faßten einmütig, unter Zustimmung vorgedachten Klosters, den Entschluß, die
Frau Katharina müsse wiederum nach Rom gehen, um dort die Heiligsprechung
ihrer Mutter herbeizuführen. In dem auf die Beisetzung ihrer Reliquien zu
Wadstena folgenden Jahre, und zwar in der Osterwoche, machte sich Katharina,
mit allem für ein so wichtiges Geschäft notwendigen Aufwande ausgerüstet,
auf den Weg. Am Tage vor ihrer Abreise sprach sie zu ihren näheren Freunden:
"Gott, der getreueste Zeuge aller Geheimnisse, weiß, wie ich mit ganzem
Verlangen meines Herzens begehre, mein Bemühen diesem heiligen Geschäfte zu
widmen, und selbst mein Leben daranzusetzen, damit es den gebührenden Ausgang
nehmen möge; allein ich liebe auch den Gehorsam so sehr, daß, wenn mein
Gewissensrat auch nur das eine Wort spräche: Du darfst nicht aus dem Kloster
gehen, bis Du Dein Leben hienieden beschließest! ich auf das bereitwilligste
seinem Willen nachkommen wurde." Sie wußte, daß der Gehorsam besser
ist, als Opfer, weil der Gehorsam dem Opfer mit Recht vorgezogen wird; denn
beim Opfer wird nur fremdes Fleisch geschlachtet, beim Gehorsam aber der
eigene Wille. Endlich kam sie unter Gottes Leitung unbeschädigt an Leib und
Gut wieder in Rom an. Hier brachte sie den Vorschlag der Heiligsprechung ein
und legte die Wunder der seligen Brigitta, die
demütigen und frommen Bitten des Königs von Schweden, der Herren und
Prälaten des Reiches vor. Alle Hofleute des Papstes, sowohl die Kardinäle,
als die übrigen, welche, so lange die heilige Brigitta lebte, ihr immer
ergeben und ihre besonderen Gönner gewesen waren, zeigten sich auf gleiche
Weise geneigt, dieses heilige Geschäft zu fördern. Als nun der Ruf von der
Heiligkeit der Frau Katharina und ihre selige Absicht zu den Ohren der Römer
gekommen war, erinnerten sich dieselben, wie wirksam ihre Gebete bei Gott
gewesen waren, als ihre heilige Mutter Brigitta noch lebte. Daher begehrten
sehr viele Edelleute demütig ihres fürbittenden Gebetes für sich und die
Bekehrung der ihrigen, wovon unten noch näher die Rede wird sein müssen.
Die hinterlassene Witwe eines verstorbenen Freiherrn, die
Schwester Latinis, eines edlen römischen Barons, lebte außerhalb Roms auf
ihrem Schlosse, und führte ein Leben in weltlicher Pracht. Vielfältig war
sie von ihrem Bruder und geistlichen Männern ermahnt worden, sie solle der
Eitelkeit den Abschied geben und mit größerer Eingezogenheit in ihrem
Witwenstande leben. Dieselbe verachtete aber diese für ihre Seele so
heilsamen Ratschläge und ergab sich mehr und mehr den Vergnügungen. Endlich
erlangte es ihr Bruder, der Heer Latini, mit vielen inständigen Bitten von
ihr, daß sie nach Rom kam, um bei ihm zu bleiben. So kam sie denn mit großer
Pracht nach Rom, aber keineswegs in der Absicht, um den Ablaß zu gewinnen,
worauf sie schwer zu erkranken anfing, daß sie bald von den Ärzten
aufgegeben ward. Ihr Bruder, der erwähnte Herr Latini aber, welcher stets um
seiner Schwester Seelenheil bekümmert gewesen war, ermahnte sie selber und
ließ sie durch andere fromme Leute ermahnen, daß sie eine aufrichtige Beicht
ihrer Sünden ablegen solle. Sie antwortete jedoch mit verhärtetem Gemüte
allezeit, sie habe genug gebeichtet. Weil nun der Herr Latini ein sehr großes
Vertrauen in die Heiligkeit und Frömmigkeit der Frau Katharina setzte, bat er
sie, sie wolle seine bereits dem Tode sehr nahe gebrachte Schwester besuchen
und ihr raten, vor dem Tode eine aufrichtige Beicht abzulegen. Frau Katharina,
welche zum Troste der Kranken gütig bereit war, kam zu ihr und bemühte sich,
durch fromme Ermahnungen sie zu bewegen, rücksichtlich alles dessen, was sie
begangen, eine vollständige Beicht abzulegen; allein
die Kranke wiederholte ihre frühere Versicherung, sie habe schon genug
gebeichtet und wolle nun weiter nicht beichten. Als Frau Katharina die
Verhärtung ihres Herzens erkannte, bat sie alle Anwesenden, sie möchten für
das Heil der Seele der Kranken beten, daß dieselbe die Gnade der Reue
erhalten möge. Sie selber warf sich auf die Kniee und begab sich ins Gebet.
Da sah man plötzlich aus dem Tiberflusse vor aller Augen einen Rauch,
finsterer als Ruß, emporsteigen; derselbe hatte die Gestalt einer Kugel und
die Größe eines Heuwagens; er hob sich über das Haus empor, worin die
Kranke lag und schwebte über demselben. Es entstand in dem Hause nun eine
solche Finsternis, daß vor dem dichten Dunkel einer den anderen nicht zu
sehen vermochte. Dieser finstere Wirbel, welcher das Herz der Kranken auch
innerlich verdunkelt hatte, gab ein Vorbild davon, wie baldigst auch äußere
Finsternis ihr nahe sein werde, wenn mit dem Heilmittel der Buße durch die
Gnade Gottes ihr nicht zu Hilfe gekommen würde. Und dies war, wie ein frommer
Glaube annimmt, eine Folge von den andächtigen Gebeten der Frau Katharina.
Der finstere Windwirbel riß das dem Zimmer, in welchem die Kranke lag,
zunächststehende Haus nieder und zerstörte es in den Grund und Boden. Durch
das gewaltige Getöse ward die Kranke so heftig erschreckt, daß sie Frau
Katharina zu sich herantreten ließ und ihr unter Thränen versprach, sie
wolle alles thun, was sie ihr zum Heile ihrer Seele raten werde. Deshalb nun
dankte Katharina dem Herrn, welcher allezeit auf die Wünsche seiner
Demütigen Rücksicht nimmt, unendlich und riet der kranken Dame wiederholt,
ein vollständiges Bekenntnis ihrer Sünden abzulegen. Auf der Stelle ward ein
Beichtvater gerufen, und was sie zuvor ohne Gemütsentsetzen nicht hatte
hören können, darum bat sie jetzt, reumütig geworden, mit Seufzen des
Herzens und Schmerz. Nachdem sie nun mehrmals gebeichtet und am anderen Morgen
in der Frühe die Sakramente empfangen hatte, entschlief sie im Herrn. Man
glaubt, sie habe diese Gnade auf die Gebete und durch das Verdienst der Frau
Katharina erlangt, wie alle bezeugten, welche gegenwärtig waren und die Güte
des Erlösers priesen, welcher das Gebet der Armen erhört und um derer
willen, welche ihn lieben, viele Barmherzigkeit thut. ![]()
Von drei anderen Wundern, welche Gottes Güte durch die Verdienste der seligen Katharina zu Rom und Neapel noch bei ihrem Leben gewirkt.
Die Aufrichtigkeit ihrer frommen Andacht wird männiglich
aus folgender göttlicher Gutthat allen auf augenscheinliche Weise
einleuchten. Zu Rom befand sich eine Dame, die ihrem Gemahle sieben zu früh
zur Welt gekommene Söhne geboren hatte. Ihres Mannes Liebe zu ihr hatte sich
infolgedessen gemindert. Sie war eben wieder gesegneten Leibes und besorgte
wiederum, wie in den früheren Fällen, ein totes Kind zur Welt zu bringen.
Daher wendete sie sich flehentlich bittend an die Frau Katharina, denn sie
wußte, daß diese eine heilige und vor Gott würdige Frau war, und legte ihr
ihren wunderbaren Fall vor. Katharina gab ihr ein Stückchen von den Kleidern
ihrer seligen Mutter Brigitta und ermahnte sie, dasselbe stets bis zur Zeit
ihrer Niederkunft bei sich zu tragen. Sie versprach der Frau auch, bei der
Geburt anwesend zu sein. Die Frau erfüllte im Vertrauen auf ihre Heiligkeit,
was ihr auferlegt war, in Andacht. Als aber die Zeit ihrer Entbindung
bevorstand, berief sie Frau Katharina zu sich, um ihr mit ihren heiligen
Gebeten bei Gott beizustehen, daß sie ein lebendiges Kind zur Welt bringen
möge. Katharina zögerte nicht, ihrem Versprechen gemäß zu kommen. Sie
eilte schnell herbei und langte an, als die Frau schon in den Geburtswehen
sich befand. Sie erwies in Demut der Kreisenden alle nötige Sorgfalt und
ließ nicht ab, zu beten und zu flehen, bis die Frau eines lebendigen
Mägdleins genas, welches sie wegen der Andacht Frau Katharinas Brigitta
nannte. Die Dame war wahrhaft überzeugt, daß sie diese Gnade durch die
Gegenwart, die Verdienste und Gebete der ehrwürdigen Frau Katharina erlangt
habe. Die Kunde dieses Ereignisses verbreitete sich in Rom und ward für ein
großes Wunder erachtet, und alle, welche davon hörten, lobten gleicherweise
den Herrn, welcher durch die Verdienste und die Andacht der Frau Katharina der
Mutter und dem Kinde in der Gefahr sich so wohlthätig erwiesen hatte. Es
begab sich auch, als sie zu Rom weilte, einmal, daß beim
übermäßigen Anschwellen der Tiber eine Überschwemmung entstand, so daß
das Wasser die Brücke des Lateran, das Kloster des seligen Jakobus und viele
andere umherliegende Gebäude überflutete. Die Römer fürchteten schon, ihre
Stadt werde in der Überschwemmung untergehen. Sie hielten einen Rat, kamen
infolgedessen in Frau Katharinens Haus und baten sie, es möge ihr gefallen,
mit ihnen zu dem strömenden Wasser hinunterzukommen, um den Herrn um
Abwendung des Unheils bitten zu helfen. Sie aber, ein Zögling der Demut,
achtete sich dieses Ansinnens unwert und fing an, ihnen unter Thränen
dasselbe abzuschlagen. Da jene sahen, wie sie mit ihren Bitten nicht vorwärts
kamen, wandten sie Gewalt gegen Katharina an, führten sie zum Hause hinaus
und stellten sie den heranflutenden Gewässern entgegen. Wunderbare
Erscheinung! Ein altes Wunder erneuert sich nun. Zur Zeit Josuas wendete der
Jordan seinen Lauf zurück. (Psalm CXIII.) Als Katharina aber mit dem Fuße
das heranrauschende Gewässer berührte, wich es mit aller Schnelligkeit
rückwärts, suchte sein Beet wieder auf und die Überschwemmungsgewässer
entwichen beim Herantreten der heiligen Frau. Alle sind voll Bewunderung; man
lobt des Herrn unermeßliche Macht, welche durch seine Heiligen auch im Wasser
Wunder thut. Deshalb hat auch der ehrwürdige Vater, heiligen Andenkens, der
Herr Petrus, Prior von Alvastra, Cistercienserordens, welcher diesem
Schauspiele beiwohnte, die Hausgenossen der Frau Katharina zusammenberufen und
also angeredet: Behaltet die Wunder im Gedächtnisse, welche ihr heute
geschaut, denn es wird hierüber, sowie über andere wunderbare Thaten und
Tugenden, welche Gott sie zu wirken gewürdigt hat, in künftigen Zeiten
Nachfrage geschehen.
Als die ehrwürdige Frau Katharina später nach Neapel ging
und sich daselbst infolge des Aufschubes der Kanonisationsangelegenheit
aufhielt, um die Wunder zu sammeln und aufzuschreiben, welche der Herr durch
ihre Mutter Brigitta sowohl während Lebzeiten, als nach dem Tode derselben zu
wirken sich herabgelassen, breitete sich dort das Gerücht ihrer Heiligkeit so
aus, daß man sie besonders feierte. Deshalb kam denn auch eine Dame, welche
in der Welt eine große Rolle spielte, zu ihr und trug ihr unter Thränen vor,
wie ihre verwitwete Tochter von einem bösen Nachtgeiste aufs
schwerste und feindseligste angegriffen werde. Sie hatte nicht gewagt, einem
ihrer Verwandten die schamlosen Beunruhigungen, denen jene sich ausgesetzt
sah, zu offenbaren. Allein wegen der hohen Meinung, welche sie von Katharina
hatte, und wegen des Rufes der Heiligkeit, worin diese stand, faßte sie sich
ein Herz und entdeckte ihr das Leid der Tochter. Als Frau Katharina die
schreckliche Anfechtung vernahm, welcher sie ausgesetzt war, empfand sie
innigstes Mitleid mit ihr und betete in der Stille ein Ave Maria, wie sie
allezeit zu thun pflegte, wenn sie in geistlichen Angelegenheiten um Rat
gefragt ward, und gab ihnen einen gar heilsamen Rat. Zunächst sollten sie
eine Beicht über alle ihre Sünden ablegen, da wegen ungebeichteter Sünden
dergleichen Trug sehr oft vielen entgegentritt; sodann sollten sie auf bloßen
Füßen, ohne leinene Hemden, in aller Demut in der Kirche des heiligen
Kreuzes acht Tage lang hintereinander sich einfinden und vor dem Bilde des
Gekreuzigten sieben Vaterunser und Ave Maria zu Ehren des Leidens Christi
beten. Sie selber wollte gern für sie beten, obwohl sie sich unwürdig
erachtete, etwas zu erlangen; gleichwohl verhieß sie es sehr demütig im
Geiste des Erbarmens. Die gedachten Frauen handelten nach ihrem Rate, kamen
nach acht Tagen wieder und lobten Gott, weil derselbe schon große
Barmherzigkeit wegen ihres heilsamen Rates und ihrer Gebete an ihnen erwiesen.
Jener abscheuliche Teufel war der jungen Frau beim Schweigen der Nacht
erschienen, hatte sie schrecklich bedroht und gesprochen: Verflucht sei jene
Tochter Brigittas, welche mich von Dir geschieden; nie werde ich wieder zu Dir
zurückkehren. Also hatte das Gebet der heiligen Frau den verfolgenden Feind
ausgeschlossen und in die Wüste des höllischen Ägyptens verbannt. Wegen
dieser und anderer Zeichen ihrer Heiligkeit ward Frau Katharina, als sie nach
dem Tode ihrer Mutter zu Rom und Neapel und in verschiedenen anderen Gegenden
Italiens und Deutschlands erschien, für eine große Heilige erachtet und
gehalten, welche ohne Zweifel Gott sehr angenehm sein müsse, so daß viele,
welche in Nöten versetzt waren, um Rat und Hilfe bei Gott zu erlangen, zu ihr
ihre Zuflucht nahmen und in ihren Gebeten und herrlichen Verdiensten angenehme
Mittel gegen ihre Leiden davontrugen. ![]()
Katharina betreibt fünf Jahre lang die Heiligsprechung ihrer Mutter beim apostolischen Stuhle, erreicht ihren Wunsch nicht und zieht unverrichteter Sache heim. unterwegs wird sie überall sehr geehrt. Sie erkrankt und zeichnet sich dabei durch ihre Geduld aus. Zwei Wunder, die sie gewirkt.
Nachdem sie ihre Geschäfte in Neapel beendigt und die
Wunder ihrer heiligen Mutter gesammelt und niedergeschrieben, begab sich Frau
Katharina nach Rom zurück und suchte den Kanonisationsprozeß, den sie unter
Gregor XI. begonnen, weiter zu führen. Dieser Zweck konnte aus dem Grunde
nicht weiter geführt werden, weil der Papst vom Tode überrascht ward. Nun
mußte das ganze Geschäft der Kanonisation von neuem begonnen werden, nachdem
es Gregors unmittelbarem Nachfolger, Urban VI., zugefallen war. Urban hatte
Brigitta, als dieselbe noch lebte, gekannt, und wußte aus Erfahrung um ihre
Heiligkeit. Deshalb nahm er ihre Heiligsprechung vor die Hand, beendete
dieselbe aber, von mehreren Unfällen, welche in jener Zeit die Kirche trafen,
verhindert, und weil ein neues Schisma ausgebrochen war, nicht. Die
ehrwürdige Katharina hielt sich daher unter großen und schweren Kosten zu
besagtem Zwecke vergeblich in Rom auf. Die gefährliche Kirchenspaltung,
welche vorhanden war, ließ die Hoffnung baldiger Erreichung des Zieles nicht
aufkommen. Auf den weisen Rat hoher Geistlichen begnügte sich daher Katharina
für jetzt damit, das Leben und die Wunder ihrer Mutter vollständig
aufzuzeichnen, und durch öffentliche Anerkennung und Zeugnisse, sowie durch
Besiegelung von Kardinälen, Prälaten, Herren und Damen aus verschiedenen
Städten und Gegenden festzustellen und in Rom zu hinterlegen. Sie stellte den
Fortgang des heiligen Anliegens der göttlichen Fügung anheim. Nachdem sie
vom genannten Papste die Bulle, in welcher die Regel vom Welterlöser
enthalten ist, auch andere Privilegien für das Kloster Wadstena erlangt
hatte, schickte sie sich an, in ihr Vaterland zurückzukehren und hinterließ
bei allen Einwohnern Roms ein gefeiertes Andenken ihres Namens und den Ruf der
Heiligkeit. Der Herr Eleazar, ein Kardinal, gewährte in frommer Gefälligkeit
derselben Frau Katharina den Trost seiner frommen Teilnahme und erwies ihr
Wohlthaten, Ratschläge und Hilfe in Förderung ihrer Geschäfte um der
ausgezeichneten Vortrefflichkeit ihres Lebens willen. Dieser Kardinal hatte
von Jugend auf die Gnade einer ganz besonderen Andacht zur heiligen Brigitta,
sowohl da sie noch lebte, als nach ihrem Tode. Er hatte sich, so lang sie
lebte, auf dem Wege Gottes und im Leben nach ihren heiligen Ratschlägen und
heilsamen Mahnungen in Andacht und Demut gerichtet. Der Papst Urban VI. aber
hatte samt seinem Kardinalskollegium Katharina mit besonderer Liebe und Gunst
aufgenommen und gab ihr nun neben seinem apostolischen Segen eine empfehlende
Geleitsbulle oder einen Paß an die Herrschaften, Städte und Schlösser, wo
sie etwa einkehren möchte, damit sie unterwegs Schutz und Sicherheit
genießen könne. Daher gebot er auch einem Herrn von großem Ansehen an
seinem Hofe, ihr durch die Länder Italiens sicheres Geleit bis zu den Alpen
zu geben. Es würde zu weitläufig werden, wenn man alles erzählen wollte,
mit wie großen Ehrenbezeigungen sie wegen des Herrn Papstes und seiner Bulle
von den Vorständen der Städte, den Herzogen und Fürsten sowohl in Italien,
als Deutschland aufgenommen worden. Das eine aber glaube ich melden zu
müssen, daß sie ab und zu denen allen, welche zu ihr kamen, heilsame
Ratschläge gab, welche nicht nur durch die heilige Aufrichtigkeit ihres
eigenen Lebens bewährt, sondern auch durch Wunderzeichen empfohlen wurden. Es
begab sich in Preußen, daß, als sie auf der Reise durch Beschwerde und
Krankheit im höchsten Grade angegriffen, in einem Wagen fuhr, einer aus ihrem
Gefolge, der vorn auf dem Wagen saß, einschlief. Durch eine Erschütterung
des Wagens von seinem Sitze geschleudert, fiel er den Pferden zwischen die
Beine, die Räder gingen über ihn hinweg und zerbrachen ihm die Rippen
dergestalt, dass er kaum noch zu atmen vermochte. Man hob ihn wieder auf den
Wagen hinauf. Katharina empfand mit ihm, wie sie mit allen Kranken und
Betrübten zu thun gewohnt war, ein herzliches Mitleid, berührte mit der Hand
sanft seine zerschmetterte Seite und betete ein Ave Maria. Als die Hand der
heiligen Frau die zerbrochenen Rippen berührt hatte, stellte die Kraft Gottes
dieselben wieder her und der Schmerz hörte auf. Derselbe Mann, welcher wegen
unermeßlicher Qual kaum zu atmen
vermochte, lief noch am nämlichen Tage ganz munter umher und pries Gott und
die Frau Katharina für die Wohlthat, daß er seine Gesundheit wieder erlangt.
Denn er erkannte, wie in der Berührung durch die Hand dieser Frau eine
angemessene und heilende Arznei gegen seine Schmerzen ihm zu teil geworden
war, wie sie in den Salben, die man um hohen Preis von den Ärzten einhandelt,
nicht gefunden werden mag.
Von der Zeit ihrer Abreise aus Rom an begann Katharina unterwegs schwach zu werden am Leibe; ihre Schwäche wuchs von Tag zu Tag; doch wurden die Kräfte ihrer Seele und die Andacht ihres Herzens gegen den Herrn niemals welk. Sie suchte auch nie die Arzneien der Ärzte auf, weil sie mit dem ganzen Verlangen ihres Herzens aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein begehrte. Von der Zeit an, wo sie aus Rom wieder in das Königreich Schweden und in das Kloster Wadstena zurückgekehrt war, bis zu ihrem Tode, nämlich von der Oktav der Apostel Petrus und Paulus bis zum Feste der Verkündigung Marias, hatte sie mit unaufhörlichen Körperleiden zu kämpfen. Je schwächer sie aber am Leibe war, desto kräftiger war sie vom Herzen; denn sie wußte wohl, wie die Kraft in der Schwachheit vollkommen wird, und die Beständigkeit der Krone zueilt. (II. Korinth. 12.) Es fehlten auch so großer Heiligkeit Wunderzeichen nicht, weil eine Stadt, welche auf dem Berge belegen ist, nicht verborgen bleiben kann. (Matth. V.)
Es begab sich nämlich, daß einer von der
Klostergenossenschaft von einem hohen Gebäude auf Steine und Balken
hinabstürzte. Durch diesen starken Fall erlitt er auf der rechten Seite einen
Rippenbruch und die Beschädigung war so stark, daß er nur mit Mühe Atem
holen konnte. Als dieses der liebevollen Mutter des Klosters, der Frau
Katharina, gemeldet worden, kam dieselbe voll Mitleids gegen den Leidenden an
die Pforte des Klosters hinab und berührte nach vorausgegangenem Gebete die
verletzten Glieder. Auf ihre Berührung stellte die göttliche Kraft die
zerbrochenen Glieder wieder her, der Verletzte ward wieder gesund und
wohlbehalten, kehrte sogleich an seine Arbeit zurück und pries Gott, welcher
den Menschen solche Macht gegeben. (Matth. IX.) Der Mann wußte wohl, wie für
solche Verletzungen Salben und Pflaster sich eignen, allein er hielt die
Berührung durch die Hand dieser
Frau für bei weitem vortrefflicher, als alles übrige, und pries die Kraft
Gottes, welche in ihrer Hand lag, vor allen.
Katharinas Krankheit nimmt immer mehr zu. Sie läßt sich häufig mit den heiligen Sakramenten versehen, beichtet oft und stirbt endlich einen seligen, Tod. Ihr feierliches Begräbnis. Vor, bei und nach demselben begeben sich Wunder.
Weil nun Katharinas Krankheit eine immer schlimmere Wendung
nahm, so ließ sie sich fleißig mit den heiligen Sakramenten ersehen. Sie
hatte auch in brünstiger Andacht, seitdem sie ihre Pilgerfahrt angetreten,
mit ihrer Mutter täglich eine Beicht in großer Herzenszerknirschung
abgelegt, bisweilen war sie auch zwei der dreimal täglich demütig zum Bade
der Beicht herangetreten, denn sie wußte, wie die Beicht ein Heil der Seelen,
eine Zerstörerin der Laster, eine Wiederherstellerin der Tugenden, eine
Bekämpferin der bösen Geister ist, und daß sie die Pforten des Paradieses
öffnet, den Mund der Hölle aber verschließt. Das Sakrament des Leides
Christi wagte Katharina wegen ihres Magenleidens in dieser ihrer letzten
Krankheit nicht zu nehmen, sondern verehrte, so gut sie vermochte, durch
andächtige Gebärden den hochheiligen Leib es Herrn, hob die Augen zum Himmel
auf und betete lange mit er Zunge des Herzens, weil die Zunge im Munde längst
verstummt war, was Gott allein bekannt war. Die Schwestern standen um sie her
und empfahlen ihren Ausgang Gott. So entschlief sie selig im Herrn. Alsbald
erschienen etlichen frommen Personen Wunderzeichen aus dem Himmel, welche ihre
Heiligkeit bezeugten. Über dem Hause, in welchem ihr entseelter Leib lag,
zeigte sich, bis derselbe dem Grabe übergeben worden, ein Stern, welcher dort
stehen blieb. Als der Leib zu Grabe getragen ward, schien es, als ob der Stern
sich von seiner Stelle bewegte, als wolle er bei ihrem Leichenbegängnisse
dienen helfen. Und als die Leiche in die Kirche gesetzt worden, blieb während
der Feier der Messe der Stern gleichsam über der Totenbahre schweben. Der
Dienst dieses Sternes hörte aber auf, sobald der Leib begraben war. Sehr
passend war durch
eines Sternes Dienst diejenige geehrt, welche, solange sie unter den Menschen
weilte, durch Reinheit des Lebens sich auszeichnete, sich fest und beharrlich,
leuchtend im heiligen Vorsatze, empfehlend durch ihr Vorbild im Wandel und in
aller Ehrbarkeit der Sitten zeigte. Es haben auch etliche fromme Personen
eidlich versichert, sie hätten wunderbar glänzende Lichter in der Luft vor
der Totenbahre schweben sehen, während sie zum Begräbnisse in die Kirche
getragen ward; von wem diese Lichter getragen wurden, vermochten sie aber
durchaus nicht zu sehen. Am Tage ihrer Beisetzung waren in Wadstena sehr viele
Prälaten, Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte aus den Reichen Schweden, Gotland,
Dänemark und Norwegen erschienen; von seiten der weltlichen Macht, Herr
Erich, des Königs von Schweden Sohn, mit vielen Fürsten, Großen, Freiherren
und samt einer Menge Personen niederen Standes und eine große Anzahl von
Geistlichen und Laien. Es ward aber kein geringes Seufzen und Klagen
vernommen, namentlich unter den Klosterjungfrauen, welche die Beisetzung ihrer
gütigen Mutter durch Schluchzen und Thränen feierten. Den entseelten Leib
trugen zu Grabe der gedachte Herr Erich mit den Fürsten des Reiches, und der
Zudrang des Volkes war so groß, daß sie nur mit Mühe den heiligen Leib zum
Grabe zu bringen vermochten, weil jeglicher aus der Menge diese kostbare Perle
berühren wollte. Die Leichenfeier hielt der Bischof von Linköping, Herr
Nikolaus, seligen Andenkens, unter reichlichen Thränen, im Beisein der
Erzbischöfe und Äbte, ingleichen einer Menge von Welt- und
Ordensgeistlichen. Unter anderen befand sich ein Magister von großem Ansehen
und großer Wissenschaft, Tordo, Bischof von Strengnäs, ein sorgfältiger und
andächtiger Diener bei ihrer Bestattung, welcher wegen der Andacht und
Freundschaft, die er gegen Katharina gehabt, als sie noch lebte, ihre Hand
berührte und sich ihrer Fürbitte beim ewigen Richter empfahl. O Wunder! der
Bischof fühlte seine Hand von der Hand Katharinas festgehalten und gedrückt
werden, wie unter Freunden und Bürgen zu geschehen pflegt, welche sich zum
Zeichen größerer Liebe und Festigkeit ihre Hände fest zu drücken pflegen.
Während sie in Rom sich befand, hatte sie, als der Bischof nach Rom kam, um
beim apostolischen Stuhle seine Bestätigung nachzusuchen, bei den Kardinälen
und Beamten der Kurie zu seinen Gunsten sich sehr bemüht. Durch
diesen Druck der Hand des Bischofs ward zu verstehen gegeben, daß, wie sie
ihn bei Lebzeiten ermahnt hatte, seines Gott gethanen Versprechens eingedenk
zu sein, für welches sie gewissermaßen dem Herrn Papste, indem sie sich für
seine Bestätigung verwendete, Bürgschaft geleistet, sie ihn nun, der Bürde
des Fleisches entledigt und vor dem ewigen Bischofe stehend, ermahnen wolle,
sein Versprechen getreulich zu halten, als habe sie ihm den Spruch des Weisen
einschärfen wollen: Bist Du Bürge geworden für Deinen Freund, hast Du einem
Fremden Deine Hand gegeben, so bist Du durch Deines Mundes Worte gebunden, und
gefangen durch die eigenen Reden. Thue also, was ich Dir sage, mein Sohn! und
rette Dich selber. (Sprüche Sal. VI, 1-3.) Die ehrwürdige Frau Katharina war
im Kloster zu Wadstena, im Jahre des Herrn 1381, am 22. März, an einem
Sonntage, an Mariä Verkündigung-Vorabend gestorben, und ward am folgenden
Tage ehrenvoll bestattet. An ihrem Grabe und in ihrem heiligen Andenken wurden
denen, welche andächtig baten, durch die Gabe dessen, welcher in seinen
Heiligen preiswürdig und wunderbar ist in alle Ewigkeit, viele Wohlthaten
erwiesen.
Von einem fortwährenden Wunder, das sich in Wadstena durch Katharinas Verdienste begeben.
Obgleich der vorgedachten Wohl- und Wunderthaten viele, und
da sie mannigfaltig und staunenswert sind, und den Tugenden und Verdiensten
anderer Heiligen, namentlich in Abhilfe von Nöten, Krankheiten, Siechtümern
und Besessenheiten auf das würdigste verglichen werden können, so mag es
genügen, auf dasjenige zu verweisen, was sie durch den Finger der Rechten
Gottes sowohl draußen während ihrer Wallfahrt, als daheim in ihrem sehr
guten und höchst tugendhaften Wandel gewirkt hat. Eins aber, das sich in
ihrem überaus kalten Vaterlande begeben, muß vor vielen, weil es
staunenswerter ist, als die übrigen, hier angegeben werden. Am Kloster der
heiligen Brigitta in Ostgotland, in Schweden, so meldet unsere alte Quelle,
liegt der Wettersee, welcher sechzig italienische Meilen lang und zwanzig
breit ist. Derselbe hat die
Eigenschaft, daß er, wenn er zugefroren gewesen und die Zeit des Auftauens
herannaht, mit überaus heftigem Getöse in der Tiefe aufzubrausen und sich zu
regen beginnt; durch die starke Gewalt entstehen im Eise kleine Risse oder
Spalten, welche sich in kurzer Zeit sehr erweitern, obwohl dann das Eis noch
eine Dicke von einer Elle oder zweien hat. Alsdann wird das Eis durch
Mitwirkung der von oben thätigen Windstöße in mehrere Stücke zerbrochen,
so daß sehr häufig viele Menschen, welche sich gerade auf dem Eise befinden
(wofern sie nicht durch Gottes Hut und der Heiligen Anrufung Schutz finden),
ertrinken. Wenn nun Menschen mit Vieh und Geschirr in diese Not gerieten, wenn
sie den schrecklichen Zusammenstoß und die Zerbröckelung des Eises und die
Klüfte darin erblickten, riefen sie im Anblicke des nahen Todes unter
schweren Seufzern Gott und die heilige Katharina oder ihre Mutter, oder beide
um ihre Rettung an. Dies pflegte nicht vergeblich zu sein. Denn die
Eisscholle, auf welcher solche unglückliche Menschen zurückblieben, zeigte
sich entweder verdickt, oder sie konnten von einer Scholle zur anderen
hinüberspringen. Andere aber wurden wider den Wirbel und die Gewalt der Winde
mittels eines doppelten Wunders wohlbehalten an das Gestade geführt, worauf
das Eis gleichsam in einem Augenblicke zu Wasser ward.
Von noch einem Wunder, das durch der seligen Katharina Verdienst an einem Priester sich begeben.
Ein Priester, Namens Petrus Kraka, Pfarrverweser an der
Kirche zu Wadstena, ward von solchem Kopfweh geplagt, daß er Schlund und
Zunge nicht bewegen, noch den Mund aufthun konnte, um Speise zu nehmen. Aller
menschlichen Hilfe in dieser Not beraubt, wandte er sich von ganzem Herzen und
mit voller Andacht an die Hilfe Gottes und der Heiligen, und gab durch Winke
und Zeichen zu verstehen, daß man für ihn einem Heiligen Gelübde thun
möge. Einige Freunde beschlossen, ein Gelübde und Opfer am Grabe der Frau
Katharina darzubringen, auf daß der Kranke durch ihre Verdienste in seinem
schweren Leiden Erleichterung finden
möge. Am Tage darauf, nachdem das Gelübde geschah, sah der Kranke bei nun
völlig erschöpfter Kraft, wie in eine Verzückung versetzt, zwei ehrwürdige
Frauen bei sich eintreten, deren eine zu ihm sprach: "Weil Du Deine
Gelübde an mich gerichtet, möchte ich Dir gern helfen; aber Du bist sehr
ungeduldig. Wisse jedoch, daß ich gekommen bin, Dir zu helfen. Nachdem jener
wieder zu sich gekommen, merkte er, daß sein Schmerz sich gemindert, daß
Mund, Zunge und übrige Sinne ihrem natürlichen Gebrauche zurückgegeben
worden. Und er, der sieben Tage lang unausgesetzt ohne Speise und Trank, und
ohne sprechen zu können, fast verschmachtet war, nahm Speise zu sich und
pries die großen Thaten Gottes, welche er durch Verwendung und Verdienst der
seligen Katharina an sich erfahren, mit frohem Herzen, und opferte am Grabe
der seligen Katharina ein Haupt von Wachs zum Zeugnisse, daß er seine
Gesundheit vollständig woeder erlangt hatte. ![]()
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
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1) Sein voller schwedischer Name
ist: Eggert von Kürnen zu Eggersnäs. |
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