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Leben und Offenbarungen der heiligen Brigitta
Nachdem der vormalige Bischof von Jaen und später gar
fromme Einsiedler Don Alfonso auf Christi Befehl die himmlischen, an die
heilige Brigitta ergangenen Offenbarungen in Bücher abgeteilt hatte, brachte
der Herr Pater Prior von Alvastra, der erste Aufschreiber dieser
Offenbarungen, einige andere Offenbarungen, welche in den
Originalhandschriften ausgelassen waren, auf Zetteln und Blättern zusammen.
Dieselben übergab er in Gegenwart des ehrwürdigen Vaters seligen Andenkens,
des Herrn Nikolaus, damaligen Bischofs von Linköping, und sehr vieler anderer
geistlichen und weltlichen Herren, den ersten Brüdern des Klosters Wadstena,
und beteuerte beim Worte der Wahrheit, wie diese und mehrere andere
Offenbarungen, welche er in seinem Kloster Alvastra aufbewahrt behalten, der
seligen Brigitta von Gott eröffnet und durch ihn aus ihrem Munde getreulich
übersetzt und niedergeschrieben worden. Einige dieser Offenbarungen sind
wegen der Übereinstimmung, welche sie mit den in der Originalsammlung
enthaltenen zeigen, nach sorgfältiger Erforschung der Originalsammlung, in
frommer Absicht hier und da einverleibt. Die übrigen aber sind
sorgfältig in ein besonderes Buch zusammengetragen und in
aufeinanderfolgender Zahl, wie nachstehend zu ersehen, geordnet. Obwohl nun
diese Offenbarungen von Einigen Extravaganten, d. h. nachträglich
zusammengetragene genannt werden, weil dieselben anfänglich in die
Originalsammlung der himmlischen Offenbarungen nicht aufgenommen worden, so
glaubt man doch frommerweise, daß sie aus eben der Quelle der Weisheit
Gottes, woher auch, wie wir wissen, die anderen alle geflossen, wirklich
hervorgegangen sind. Weil aber die meisten dieser Extravaganten entweder ganz
oder zum Teil die Regel des heiligen Welterlösers betreffen, werden dieselben
in der nachfolgenden Zusammenstellung als der Regel näher den anderen
vorangestellt. Die übrigen jedoch, welche die verschiedenen Stände der
Menschen abmahnen von Mißbräuchen und Fehlern, oder Vorbilder im Wandel und
den Tugenden aufstellen, folgen ausführlicher bis an das Ende des Buches
nach. Die Wahrheit dieser Offenbarungen aber, und daß dieselben von Gott
geschehen sind, wird nach den Zeugnissen des Herrn Priors Petrus und der
seligen Katharina, der Tochter der heiligen Brigitta, welche dieselben bei der
Heiligsprechung der oft gedachten heiligen Brigitta abgelegt haben, wohl meist
einem jeden, welcher die Zeugnisse mit treuem Sinne in Betracht zieht,
einleuchten.
In betreff des zweiten Kapitels der Regel des heiligen Welterlösers befiehlt Christus dem Schreiber der Regel, die Stufen der wahren Demut zu erklären und auszulegen.
Christus sprach: "Wenn jemand ein schönes Gefäß hat
und sagt, es seien wohlriechende Spezereien darin, wer glaubt es ihm, oder was
nützt es, wenn er dieselben nicht auslegt und ihre Art und Kräfte sehen
läßt? So ist es auch mit den Tugenden. Es predigte einer: Die Demut ist eine
Tugend. Was nützt es aber dem, welcher dieses hört, wenn ihm nicht ihre
Wurzeln und Stufen gezeigt werden, noch auch, wie man dieselbe sich aneignet
und erhält? Darum und weil die Demut eine vollkommene Tugend ist, die ich an
mir selber habe sehen lassen, soll Dein Beichtvater mit wenigen
Worten die Grade der Demut erklären, welche er aus der Regel meines Benedikt
gelernt, auf daß die Töchter meiner Mutter den Anfang der Tugenden, auf
welchem sie ihren Bau befestigen sollen, lernen mögen."
Als Prior Peter beim dritten und vierten Kapitel der Regel des heiligen Welterlösers im Zweifel war, ob etwas über die Schlafstellen oder die Anzüge hinzuzufügen, befahl Christus, er solle hinzusetzen, was nützlich und notwendig sei.
Der Sohn Gottes sprach: "Weshalb weiß der Bruder nicht, was wegen der Schlafstellen und Kleider anzuordnen ist. Habe ich ihm denn nicht durch Dich gezeigt, wie mein Diener Benedikt seinen Leib wie einen Sack behandelte und wie das Gewand des Benedikt beschaffen sein muß? Darum soll er um der Schwachen willen manches hinzusetzen, was ihm nützlich und notwendig ist und geduldet werden mag, jedoch nichts Überflüssiges; jene aber, denen ich die Gnade größeren Abbruches geben werde, werden die Kälte nach Maßgabe der inneren Wärme mildern."
Bei Gelegenheit des fünften Kapitels der Regel des heiligen Welterlösers, betreffend die Tagzeiten, den Gottesdienst, Gesang u. s. w., vergleicht Christus die menschliche Natur mit einer belagerten Stadt, welche ein Armer, nämlich die heiligste Jungfrau Maria, durch ihre Weisheit entsetzte; Unterscheidung der Armen am Geiste von den Armen an Gütern, und nicht am Geiste. Er sagt auch, daß der Gesang der Brüder in seinem Kloster dem Gesange der Schwestern vorausgehen soll, und daß die Schwestern die Zeit in acht nehmen und ihren Gesang etwas leiser und langsamer anstimmen sollen, als die Brüder.
"Die Schrift, welche ihr die Bibel nennt, und wir die
goldene heißen, meldet, daß ein Armer eine Stadt, die durch einen Mächtigen
belagert worden, durch seine Weisheit entsetzt, daß aber dieses Armen
nachmals niemand gedacht habe. Diese Stadt ist die mensch-
liche Kreatur, welche der Teufel an vier Seiten belagert, denn er hält den
Menschen mit einer vielfachen Sünde umlagert: mit dem ungehorsame gegen das
göttliche Gebot, mit der Übertretung des natürlichen Gesetzes, mit
schädlicher Begierlichkeit, mit Verhärtung des Herzens. Diese Kreatur hat
auf gewisse Weise meine heiligste Mutter befreit, als sie allen ihren Willen
in meine Hände überantwortet und lieber alle Trübsal deshalb, damit die
Seelen errettet würden, hat leiden wollen. Denn das ist die wahre göttliche
Weisheit, sein ganzes Wollen und Können Gott befehlen und auch an
widerwärtigen Dingen um Gottes willen einen Gefallen finden. Um dieses
Willens halber bin ich, Gott, von Ewigkeit her der Sohn Gottes, Mensch in der
Jungfrau geworden, deren Herz gleichsam mein Herz war, und deshalb kann ich
wohl sagen, daß meine Mutter und ich den Menschen gleichsam mit einem Herzen
erlöst haben, ich durch das Leiden im Herzen und Fleische, sie durch den
Schmerz des Herzens und durch die Liebe. Diese Jungfrau war fürwahr arm, denn
sie begehrte nichts vom Reichtume der Welt, und an ihrem Geiste haftete nicht
die mindeste Sünde. Es giebt solche, die arm an Gütern, aber voll im Geiste
sind, d. h. von Begierlichkeit und Hoffart; diese sind nicht die Armen,
welche ich im Evangelium bezeichnet habe. Andere sind reich an Gütern, aber
arm im Geiste; diese sind es, welche in Betracht ziehen, daß sie Staub sind
und sterben werden; sie begehren, bei Gott zu sein, und haben nur zur eigenen
Notdurft und zum Nutzen des Nächsten Reichtümer. Diese sind wahrhaft arm,
aber reich in Gott. Zu ihnen gehörte meine Mutter. Aber dieser meiner Mutter
und Jungfrau Weisheit und Armut sind nun fast vergessen worden; denn wenn auch
etliche wenige sie mit dem Munde loben, rufen sie doch nicht mit dem ganzen
Herzen zu ihr, und folgen nicht den Fußstapfen ihrer Liebe. Weil nun in der
Kirche Gottes zu Gottes Ehre von vielen siebenmal, nach Gewohnheit der
früheren Väter, täglich gesungen wird, so will ich jetzt, daß erstlich die
Brüder ihre Tagzeiten zu den schuldigen Zeiten singen sollen; die Schwestern
sollen sodann das tägliche Offizium ziemlich langsam verrichten und wird
ihnen die Siebenzahl nicht nach dem Laufe der Sonne vorgeschrieben, sondern
sie sollen es thun mit Einhaltung der Zeit, soweit sie es können. Dieses
ordne ich, der ich die Regel einge-
geben, deshalb an, damit auch die Heiden, welche bekehrt werden sollen,
wissen, mit welcher Ehre Gott seine Mutter geehrt haben will. Und weil sie das
Haupt und die Gebieterin dieses Klosters ist, durch welche ich auch den
Sündern gnädig sein will, und damit die Schrift erfüllt werde, welche
spricht: Ich will Gott loben zu aller Zeit und mein ganzes Leben lang! -
deshalb soll ihnen dieses Privilegium gewährt sein, weil es einem allgemeinen
Gebrauche nicht zum Nachteile gereicht, auch ist deshalb der löbliche Brauch
der Väter nicht zu verwerfen, sondern es gefällt mir, daß auch in anderen
Kirchen zuerst die Tagzeiten von meiner Mutter gelesen, und sodann die
Tagzeiten in den dazu geordneten Stunden gesungen werden."
Christus sagt, daß im Gesange der Schwestern vom Orden des Welterlösers kein Fürwitz herrschen, sondern derselbe ein Lied wohllautenden Lobes sein solle.
Der Sohn Gottes sprach: "Hast Du nicht gelesen, wie
Maria, Mosis Schwester, wegen der besonderen That Gottes im roten Meere mit
den Jungfrauen und Frauen hinausgegangen und Gott mit Pauken und Cymbeln ein
Freudenlied gesungen? Also sollten die Töchter meiner Mutter ausgehen von dem
roten Meere, d. h. von der Begierlichkeit und weltlichen Lust, sollen in den
Händen haben die Pauken ihrer guten Werke und der Enthaltung von der
fleischlichen Wollust, und die Cymbeln des wohllautenden Lobes. Ihr Gesang
soll nicht nachlässig, nicht abgebrochen und zerstreut, sondern ehrbar,
ernsthaft und gleichförmig sein, auch durchgängig demütig; sie sollen dem
Gesange derer nachfolgen, welche man Kartäuser nennt, deren Gesang mehr
Lieblichkeit des Gemütes, Demut und Andacht atmet, als ein gewisses
hoffärtiges Großthun; das Gemüt ist nicht frei von Schuld, wenn den Sänger
mehr die Note, als die Sache, welche gesungen wird, erfreut, und es ist
durchaus abscheulich vor Gott, wenn die Stimme mehr um der Zuhörer als um
Gottes willen erhoben wird." ![]()
Wie sehr Magister Petrus bei der Feier der Messe und beim Angeben des Gesanges der Schwestern vom Erlöser Gott gefallen, erhellt aus folgender Offenbarung.
Eines Tages, als Herr Petrus, seligen Andekens, der Beichtvater der heiligen Brigitta, die Messe in der Kapelle vor ihr las, sprach Gott der Vater zu seines Sohnes Braut: "Obwohl wenig Personen in der Welt persönlich bei dieser Messe zugegen gewesen, so sind doch das ganze himmlische Heer und alle Seelen im Fegfeuer dadurch getröstet worden. Sage doch auch diesem Priester, er solle den Hymnus: Sponsae jungendo filio, so bleiben lassen, wie er denselben gesetzt hat; denn da die heilige Kirche alle Seelen Bräute meines Sohnes nennt, kann noch weit mehr die Seele Mariens seine Braut genannt werden."
Die Jungfrau Maria erzählt hier, wie lieb Gott und ihr der Magister Petrus, der heiligen Brigitta Beichtvater, sei, und lobt den Gesang der Schwestern des heiligen Welterlösers.
Die Mutter Gottes redete zur Braut Christi: "Dein
Magister ist durch einen verwundet worden, welcher wider Gott redete; weil er
die Wunde um der Liebe Gottes willen erhalten, so wollen wir dieselbe nicht
heilen, sondern ein Pflaster darauf legen, damit sie noch größer wird. Sage
außerdem Deinem Magister, welcher die heilige Dreieinigkeit aus allen
Kräften liebt, daß ich ihn in der Liebe derselben heiligen Dreieinigkeit so
weit gefördert habe, daß er selbst einer von denjenigen Priestern ist, die
Gott am meisten in der Welt liebt. Darum ist ihm gewährt worden, jenen Gesang
anzugeben, welcher Gold ist, das vielen zum Troste gereichen wird." ![]()
Die Mutter Gottes zeigt der seligen Brigitta, wie angenehm Gott und ihr der Gesang der Schwestern vom Orden des heiligen Welterlösers sei.
"Sage dem mein Lob, der meinen Gesang nicht seines Lobes und Lohnes willen schreibt." Siehe das weitere im XXXII. Kapitel des vierten Buches. (Bd. II. S. 71.)
Christus befiehlt der Braut, nach Rom zu gehen. Sie weilte daselbst fünfzehn Jahre lang in großer Trübsal, ward aber durch Christum und die Jungfrau Maria getröstet. Wie die Anordnung getroffen worden, daß der Gesang: Ave maris stella im im Orden des heiligen Welterlösers nach der Vesper der Brüder gesungen werden soll.
Christus redete zur Braut, die sich im Kloster von Alvastra
befand, und sprach: "Gehe nach Rom und bleibe dort, bis Du den Papst und
den Kaiser gesehen und mit ihnen von meiner Seite die Worte geredet haben
wirst, welche ich sagen will." Die Braut Christi ging also im
zweiundvierzigsten Jahre ihres Alters nach Rom, und blieb dort in Gemäßheit
der göttlichen Gebotes fünfzehn Jahre, bevor der Papst, nämlich Urban V.,
und der Kaiser Karl, der Böhme, dorthin kamen. Diesen überreichte sie die
Offenbarungen wegen Reform der Kirche und die Regel. Denn sie hatte in den
fünfzehn Jahren, während welcher sie vor der Ankunft des Papstes und Kaisers
in Rom weilte, viele Offenbarungen über den Zustand der Stadt gehabt, in
denen unser Herr Jesus Christus die Ausschweifungen und Sünden der Bewohner
der Stadt unter Androhung schwerer Strafe tadelt. Als diese Offenbarungen zur
Kenntnis der Bewohner der Stadt Rom gekommen waren, gaben sie Anlaß zu einem
wütenden Hasse wider die selige Brigitta. Einige unter ihnen drohten, sie
lebendig zu verbrennen; andere lästerten sie als eine Landstreicherin und
Wahrsagerin. Die selige Brigitta selbst jedoch ertrug geduldig ihre Drohungen
und Schand-
reden. Aber sie fürchtete, daß ihr Gesinde und einige ihrer Verwandten und
Freunde, welche mit ihr in Rom waren, an diesen Widerwärtigkeiten und
Schandreden ein Ärgernis nehmen und abfallen möchten. Deshalb beschloß sie,
auf eine Zeit lang sich der Wut der Boshaften zu entziehen, wollte aber nicht
ohne besonderes Gebot Christi irgendwo anders eine Unterkunft suchen; sie hat
sich überhaupt achtundzwanzig Jahre lang, nachdem sie sich aus ihrem
Vaterlande entfernt, in keinerlei Stadt, Provinz und selbst an Stätten
Heiliger nicht ohne Befehl Christi begeben. Als deshalb die selige Brigitta in
ihren Gebeten hierauf eine Antwort erwartete, sprach Christus zu ihr: "Du
begehrest, meinen Willen zu wissen, ob Du in Rom bleiben sollst, wo Du viele
Feinde hast, welche auf Deinen Tod sinnen, oder für eine Zeit lang ihrer
Bosheit weichen mögest. Ich antworte Dir, daß, wenn Du mich hast, Du niemand
fürchten darfst. Ich werde mit dem Arme meiner Macht ihre Bosheit im Zaume
halten, so daß sie nicht vermögen, Dir zu schaden. Und obschon unter meiner
Zulassung meine Feinde mich gekreuzigt haben, werden sie doch keineswegs Dir
zu schaden oder Dich zu töten imstande sein." - Zu der nämlichen Zeit
erschien ihr auch die glorwürdige Jungfrau Maria und sprach: "Mein Sohn,
der da mächtig ist über alle Menschen und Teufel und über jedes andere
Geschöpf, hält unsichtbarerweise jeden Versuch ihrer Bosheit zurück. Und
ich will der Schild des Schutzes für Dich und die Deinigen wider alle
Anläufe Deiner geistlichen und leiblichen Feinde sein. Deshalb will ich, daß
Du und Dein Gesinde alle Abende zusammenkommet, um den Hymnus Ave maris stella
zu singen, und ich will in allen eueren Nöten Hilfe reichen." -
Infolgedessen haben Herr Petrus Olafson, welcher neunundzwanzig Jahre hindurch
ihr Beichtvater war, und ihre Tochter Katharina, heiligen Andenkens,
angeordnet, täglich diesen Hymnus zu singen, und nachmals versichert, wie die
selige Brigitta selber befohlen, daß dieses auf Befehl derselben
glorwürdigen Jungfrau geschehen solle; denn die glorwürdige Jungfrau selber
hatte verheißen, daß sie diesen Orden, der ihr von ihrem Sohne zugeeignet
worden, mit besonderer Gnade schirmen und bei den Segnungen der Süßigkeit
des heiligen Geistes erhalten wolle. ![]()
Christus sagt, wie die Schwestern und Brüder alle Freitage die sieben Bußpsalmen lesen sollen.
Der Sohn Gottes sprach: "Alle Freitage sollen die Schwestern ihren Umgang halten und die sieben Bußpsalmen lesen, nach Beendigung derselben in ihren Chor eintreten und knieend die Litanei beten. Ähnlicherweise sollen die Brüder ihre Umgänge halten."
Christus erklärt, weshalb man in den Klöstern vom Orden des heiligen Welterlösers durchaus keine Orgeln haben solle.
Der Sohn Gottes sprach: "Die Kinder Israel hatten, weil
sie fleischlich waren und im Schatten des Gesetzes dienten, viele Mittel, um
sich zur Andacht anzuregen. Sie hatten Posaunen, Orgeln und Harfen, womit sie
zum Lobe Gottes entflammt wurden. Sie hatten auch Ceremonien und Gebote,
wodurch sie zur Verehrung Gottes Erleuchtung erhielten. Sie hatten auch das
Gesetz und Strafbestimmungen, wodurch sie von den Lastern abgehalten und zu
ihren Pflichten angeleitet wurden. Weil nun aber die Wahrheit gekommen ist,
die in den Vorbildern vorbedeutet war, nämlich ich, der wahre Gott selber, so
ist es billig, daß man mir in Wahrheit und mit ganzem Herzen diene. Obwohl es
nun gut und lieblich ist, Orgeln zu hören, solches auch den guten Sitten
nicht widerstreitet, sollen dieselben doch in den Klöstern meiner Mutter
durchaus nicht gehalten werden; in ihnen soll eine gewisse Verwendung der
Zeit, Ernst im Gesange, Reinheit der Herzen, Pflege des Stillschweigens,
Stetigkeit des göttlichen Wortes, und vor allen Dingen wahre Demut und
unverzüglicher Gehorsam zu finden sein." ![]()
In Bezug auf das sechste, siebente und achte Kapitel der Regel des heiligen Welterlösers sagt Christus, wie die Äbtissin mit den Handwerksleuten im Kloster in Kürze reden möge, und um welcher Ursachen willen die Äbtissin oder Schwestern und der Beichtvater oder die Brüder außerhalb des Klosters sich begeben können.
Der Sohn Gottes sprach: "Die Äbtissin wird im Kloster kurzes Gespräch mit den Handwerkern pflegen dürfen, wenn Baufälliges wieder hergestellt oder etwas neu gebaut werden soll. Nie soll sie im Kloster mit Weltleuten aber anders reden, als am Gitter. Auch soll weder sie, noch irgend eine von den Schwestern jemals hinausgehen, ausgenommen, wenn etwa ein neues Kloster gebaut werden soll. Alsdann sollen die Äbtissin, der Beichtvater und der Konvent betagte Schwestern dahin aussenden. Der Beichtvater aber soll mit einem Gefährten zu gunsten der Feststellung der Regel und der regelentsprechenden Disciplin mit dm Obern hinausgehen dürfen, auch wenn ein Ärgernis aufzuheben, üble Nachrede für das Kloster, wenn, was Gott verhüte, solche stattfinden sollte, zu verhindern, wenn Ketzer notwendigerweise zu widerlegen sind, oder wenn er zum Nutzen der heiligen Kirche von den geistlichen Vorgesetzten gerufen worden, oder wenn solche Geschäfte vorfallen, welche durch die Schaffner des Klosters nicht füglich wohl ausgeführt werden können."
Eine andächtige Unterweisung, durch welche die Äbtissin mit den Schwestern und der Beichtvater mit den Brüdern des Ordens vom heiligen Welterlöser belehrt wird, die Zeit, welche zwischen den Tagzeiten an den Feiertagen inne liegt, weislich hinzubringen.
"An den Festtagen soll die Äbtissin den Schwestern den
Stand des Hauses und der Einkünfte und die obwaltenden Schwierigkeiten
vorlegen, ihnen auch einige Kapitel aus der Regel vorlesen, und
wo sie darin abgebrochen, soll sie am nächsten Festtage weiter lesen, bis das
Lesen zu Ende geführt worden, damit keine sich mit Unkenntnis der Regel
entschuldigen möge. Sie soll auch erbauliche Gespräche mit ihnen halten und
bei Ausschreitungen, welche sie wahrnimmt, Ermahnungen eintreten lassen.
Danach soll sie ihnen Gespräche untereinander verstatten, während sie im
Garten lustwandeln. Auf ähnliche Weise sollen auch die Priester lesen, sich
unterhalten und studieren, wie an anderen Tagen, wenn nicht etwa der
Beichtvater über den Zustand des Klosters und vorfallende Geschäfte sie
befragt, oder ihnen Rat giebt. Außerdem mögen sie, wenn sie wollen, mit
Erlaubnis des Beichtvaters spazieren gehen und sich ergötzen."
In Bezug auf das neunte Kapitel der Regel vom heiligen Welterlöser, nämlich das Fasten, sagt Christus, daß ihm Demut und besonnene Bescheidenheit besser gefalle, als Fasten, und daß denen, welche bei Brot und Wasser fasten, Gemüse zu essen erlaubt ist.
Der Sohn Gottes sprach: "Obwohl meine Mutter die
vollkommenste Mäßigkeit geübt, hat sie ihren Leib doch so weislich
beherrscht, daß derselbe weder durch Überfluß noch gewaltsame Beschränkung
geschwächt ward. Und obwohl die Pharisäer und auch noch jetzt unter den
Ordensgeistlichen viele keinen Wein trinken, kommen sie mir darum doch nicht
nahe; denn sie haben die Grundlage der Enthaltsamkeit, nämlich die Demut und
besonnene Bescheidenheit nicht. Wenn daher manche höhere Dinge vorgelegt und
geboten werden, müssen sie von den Schwachen erwogen und erörtert werden,
damit sie nicht thun, wie viel sie wollen, sondern was ihnen nützlich und
erlaubt ist. So ist z. B. bei Wasser und Brot zu fasten für die Gesunden gut,
es ist aber nicht das höchste Gute, das höchste Gute ist die Liebe, ohne
welche kein Heil ist; es kann auch ohne Fasten bei Wasser und Brot doch
jedermann selig werden, wenn Vollkommenheit des Glaubens und bescheidene
Besonnenheit und gerechter Grund vorhanden sind. Weil nun jetzt die Zeiten
anders, die Stätten kalt, die Herzen lau und die Gefäße schwach geworden
sind, deshalb wird der Rebensetzer das Rauhe mildern und das
Trockene mit Naß befeuchten. Dieses ist so zu verstehen, daß denen, welche
bei Wasser und Brot fasten, erlaubt ist, Gemüsefrüchte und Wassersuppe zu
genießen; denn das Brot ohne Gemüse ist trocken und von elender
Beschaffenheit, und das Wasser ist hart und kalt, wenn es nicht mit Graupen
oder Gerste gekocht wird."
Christus unterscheidet drei Stufen von Sündern und sagt, daß in der neuen Regel des Ordens vom heiligen Welterlöser, die er selber eingegeben, alle Liebe, Demut und Bescheidenheit gewahrt werden soll.
Der Sohn Gottes sprach: "Jedes göttliche Gesetz wird
angeordnet entweder, um die Kühnheit der Übertreter zu unterdrücken, oder
den Mutwillen der Ausgelassenen zu beschränken, oder um das, was man thun
oder lassen soll, bekannt zu machen. Daher empfängt bei jedem Gesetze
derjenige, welcher aus Schwäche oder unerträglicher Not sündigt, Erlaß;
wer wider seinen Willen und aus Mangel an Überlegung sündigt, wird
glimpflicher beurteilt; wer aber mit Fleiß und Beharrlichkeit sündigt,
erhält keine Entschuldigung. Ähnlich war es mit meinen Jüngern. Als ich
noch im Fleische wandelte, wurden dieselben, weil sie an meinem Sabbath
Körner rieben und aßen, von jüdischen Heuchlern gerichtet. Ich aber, der
ich ihre Einfalt und Schwachheit kannte, habe sie entschuldigt und Davids
Beispiel angezogen, welcher unterwegs aus Not von den Broten der Priester
gegessen, was im Gesetze verboten war. (Lukas VI.) Nun habe ich, Gott selber,
die von wir aufgestellte neue Regel meinen Freunden gesendet. Es soll danach
alle Liebe, Demut und Bescheidenheit in acht genommen werden. Man soll auch,
wie mit den Kranken, so mit den Gesunden Mitleid haben; denn kein Gesetz, das
nicht in Liebe, Demut und Bescheidenheit vollzogen wird, verdient Lob. Wenn
ich daher auch gleich in der Regel gesagt habe, alle Gesunden sollten zu
bestimmten Zeiten fasten, so darf ihnen doch die Dispense nicht versagt
werden, wenn ihnen eine jähe Veränderung oder Krankheit zustößt, oder die
Zeit der Arbeit Nachsicht erfordert. Die Bestimmung darüber soll nun in der
Hand der Äbtissin und des Beichtvaters und dessen Anord-
nung gelegt sein, dem es übertragen ist, zu bestimmen, wie oft es den
Gesunden zuträglich ist, die Fasten zu brechen und Erquickung zu sich zu
nehmen. Darum soll denen, welche sich nach dem Aderlasse schwach fühlen, den
von plötzlicher Krankheit Ergriffenen und übergroßer Arbeit Ermüdeten
Dispens erteilt werden."
Daß auch gesunden Personen aus dem Orden des heiligen Welterlösers aus gewissen Ursachen und zu gewissen Zeiten Bäder nicht verboten werden sollen.
Der Sohn Gottes sprach: "Die Lehrer des Gesetzes und die Priester schmähten meine Jünger, weil dieselben mit nichtgewaschenen Händen aßen. Ich habe denselben geantwortet, die Reinigung des Fleisches nütze nichts, wenn das Herz unrein ist. (Matth. XV. Mark. VII.) Ein reines Herz ist also Gott angenehm und das Waschen und die Sorge für das Fleisch schadet nichts, wenn ein gerechter und vernünftiger Grund vorhanden. Darum sollen den Gesunden bei gewissen Anlässen und zu Zeiten die Bäder nicht verboten werden, weil auch die Gesundheit bewahrt werden muß, auf daß sie nicht schwach werden. Bäder soll man daher verstatten, so oft es den Kranken nützt; den Gesunden einmal im Monate, oder alle vierzehn Tage, wenn es für die Gesundheit nützlich ist."
Zum zehnten Kapitel der Regel des heiligen Welterlösers, in Bezug auf die Weise der Prüfung, Aufnahme und Weihe der Personen.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir vorhin von dem
Probejahre gesagt, das man halten soll. Dies sollst Du in Betracht ziehen bei
Personen, deren Leben und Wandel weniger bewährt und bekannt ist. Deshalb
erlaube ich, daß, wenn eine, die um Aufnahme in den Orden bittet, von solchem
Ansehen und solchem Ernste ist, daß man wegen eines Mangels an Beharrlichkeit
und wegen Unbeständigkeit ihrerseits nicht in Furcht zu sein braucht, und
welche die Anfechtungen des Fleisches und die Nachstellungen
des Teufels zu unterscheiden weiß, und deren Alter und Leben bewährt sind,
eine solche etwa nach einem halben Jahre in die Genossenschaft aufgenommen
werden dürfe, nachdem man ihr die Strenge der Regel und die Satzungen
vorgehalten, damit sie wisse, wozu sie komme."
Eine schöne Lehre, nach welcher sich die Jungfrauen und auch andere, welche sich zur Regel vom heiligen Welterlöser bekennen wollen, achten und bei Befolgung der Regel halten sollen.
"Alle, welche Bräute Gottes zu sein oder zu werden
verlangen, müssen sich mehr bemühen, den Willen Gottes zu vollbringen, als
auf ihren Nutzen oder Erfüllung ihres Willens bedacht zu sein. Sie sollen
sein wie Bräute, welche von ihren Besitzungen weit entfernt sind, sich auf
der Reise befinden, und auf des Bräutigams Erbe herbergen müssen. Ihre
Besitzung ist die Freiheit des Leibes und der weltliche Wandel, samt allem,
was ihnen gehört und wovon sie sich mit vollem Willen unwiderruflich scheiden
müssen. Sie müssen sich auch hochzeitliche Kleider anlegen, nämlich Demut,
Geduld und Gehorsam, welche die Seele zieren und vor Gott schön machen. Sie
müssen sich auch erheben und fortschreiten, um vor dem Bräutigam und vor den
von ihm Eingeladenen zu erscheinen. O, wie ehrbar und gesittet müssen sie vor
den Augen deren, welche auf sie schauen, in Wort und Wandel einherschreiten,
zumal die Jungfrau und Mutter Gottes Maria samt dem ganzen himmlischen Heere
zur Hochzeit geladen sind und ihre Blicke auf sie richten! Der Bräutigam
aber, welcher ihrer begehrt, ist der wahre Gott, der König der Könige, der
Herr der Herren, der über alle Geschöpfe Mächtige. Aufgestanden sind sie
dann, wenn sie ihre Beicht in bescheidener Verfassung, mit wahrer Demut und
dem Willen, nicht weiter zu sündigen, abgelegt haben, fortgeschritten sind
sie, wenn sie alle weltlichen Dinge freiwillig aufgegeben haben, sich um deren
Besitz nicht kümmern, auch keinen eigenen Willen zu haben besorgt sind.
Alsdann aber sind sie ihres Bräutigams geweihte Bräute, wenn sie
versprechen, die Regel und ihr Gelübde
unverletzt zu beobachten, und gehen dann den richtigen Weg zum Brautgemache
des Bräutigams, wenn sie ihre Regel und ihr Gelübde, so gut sie es vermögen
werden, halten. Mit Ablegung des Gelübdes aber beginnt der erste Tag der
Hochzeit und endet, wenn die Seele zum Leibe hinausgeht. Darum sollen sie
diesen Tag ausfüllen mit weiser Furcht, andächtiger Freude und brünstiger
Liebe."
Zum zwölften Kapitel der Regel vom heiligen Welterlöser, welches von den Tagzeiten der Brüder und der Zahl der Brüder und der Schwestern handelt.
Jesus Christus, der Sohn Gottes, sprach: "Die goldene
Schrift sagt, daß zum Schmucke des Tabernakels in der Wüste die einen Gold
und Silber ,und kostbare Steine, andere Felle und Ziegenhaare zu den Zelten
geopfert haben, und alles Geopferte sei Gott angenehm gewesen nach der
Verfassung und dem Willen des Opfernden. (Exodus XXV.) Also ist es auch mit
dem Gebete und der Lesung der Gläubigen; die einen, welche sich über die
Liebe der Welt erhoben haben, bieten Gott ein ganz reines Herz wie lauteres
Gold dar, andere, vom Geiste der göttlichen Weisheit entflammt, reden und
singen die Worte der göttlichen Weisheit, welche wie geläutertes Gold sind.
Andere wissen kaum das Vaterunser, jedoch opfern sie aus zerknirschtem Herzen
und in Werken der Buße Gott im vollkommenen Glauben das wenige auf, das sie
wissen und vermögen, z. B. Ziegenhaare. Alle diese gefallen mir in ihren
Gebeten, wenn Absicht und Wille gut sind. Weil es den alten Priestern schwer
ist, das Gewohnte zu verlassen und sich an Neues zu gewöhnen, wird ihnen
gestattet, das Offizium der Kathedralkirche, in deren Sprengel ihr Kloster
gelegen, zu verrichten, die Schwestern aber sollen das festgesetzte Offizium
durchaus nicht ändern." ![]()
Als die selige Brigitta sich um die Personen kümmerte, welche in den Orden vom heiligen Welterlöser eintreten sollten, hörte sie von der seligen Jungfrau, daß von Gott für dieselben gesorgt sei, daß aber einige von ihnen sich wider Christi Worte auflehnen würden.
Als die Braut Christi einmal im Gebete sich befand,
überfiel sie der Gedanke vom Zustande dieses Ordens in der Zukunft und wie
man so viele Personen beiderlei Geschlechts dazu werde finden können. Da
erschien die Mutter Gottes und sprach: "Meine Tochter, Du bist bekümmert
um Personen, welche künftig in diesen Orden eintreten sollen. Du sollst
wissen, wie mein Sohn, welcher in Person diese Regel eingegeben hat, tausend
Personen für jede Person, von der Du weißt und hoffst, daß sie in den Orden
eintreten wird, vorher kennt." Die Braut antwortete ihr: "O meine
Frau, leicht mögen sich Weiber finden, welche sich dem Orden unterwerfen;
schwer aber werden Männer gefunden werden, welche sich der Obhut eines Weibes
untergeben wollen, weil es unter den Regularpriestern viele giebt, welche die
Wissenschaft aufbläht und welchen die Welt mit Ehren, Reichtum und Vergnügen
schmeichelt." Darauf entgegnete die Mutter Gottes weiter: "Es werden
ohne Zweifel solche kommen, welche die Worte meines Sohnes mit Süßigkeit
aufnehmen und dieselben zum Nutzen ihrer Seele und zu Ehren Gottes gebrauchen
werden, andere dagegen werden kommen, die nicht weniger den Worten meines
Sohnes und der einfältigen Regel, welche Dir geoffenbart worden, widerstreben
werden, als jene Ungläubigen, welche den Worten Gottes und Mosis in der
Wüste widerstrebten, indem sie die Worte Gottes nach ihrem Willen auslegten.
Gleichwohl sollst Du wissen, daß die Worte dieser Regel zur Ausbreitung wohl
geeignet sind und bis ans Ende Frucht dringen werden. Auch sollst Du, meine
Tochter, nicht bekümmert sein um Personen, welche in diesen Orden eintreten
werden, denn mein Sohn weiß, welche er rufen und nach seinem Willen zur
Arbeit in diesem Kloster abordnen wird; freilich werden ihrer etliche sich
nach ihrer menschlichen Meinung wider die Worte meines
Sohnes auflehnen und hoffärtigerweise die Einfalt der Worte gering achten,
gleichwie die Weltweisen sich vermessen, ihre Meinungen zuweilen dem
göttlichen Willen vorzuziehen, wodurch sie den wahren Verstand fälschen und
Irrtum herbeiführen."
Beim vierzehnten Kapitel der Regel vom heiligen Welterlöser, nämlich bezüglich der Wahl der Äbtissin, unterscheidet der Sohn Gottes drei ihm am meisten gefallende Stände unter den Menschen. Auch will er nicht, daß eine Schwester, die in einer außerehelichen Verbindung geboren, zur Äbtissin erwählt werde.
Der Sohn Gottes sprach: "Obwohl der Sohn nicht des Vaters Missethat tragen wird, so müssen doch, weil es drei Stände giebt, welche mir am meisten gefallen: der jungfräuliche, der Witwen- und der Ehestand, diese drei vorgezogen und vor den übrigen geehrt werden, sowohl weil sie Zeichen einer großen Reinheit und Ehrbarkeit sind, als weil meine Mutter dieselben an sich vollzogen hat. Denn sie ist in, nach und vor der Geburt die reinste Jungfrau gewesen, sie war wahrhaft Mutter und Jungfrau, war auch nach meiner Himmelfahrt Witwe, weil sie meiner leiblichen Gegenwart beraubt war. Deshalb soll, wenn eine Äbtissin zu erwählen ist, eine aus diesen drei Ständen gewählt werden. Eine Schwester aber, welche von anderer (unehelicher) Abstammung ist, soll zur Äbtissin nicht gewählt werden, sei sie auch noch so enthaltsam und tadellos."
Christus sagt, daß die Äbtissin eine reine und bewährte Jungfrau und exemplarisch von Wandel sein soll, und daß in Ermanglung einer solchen Jungfrau eine demütige und bewährte Witwe zur Äbtissin genommen werden kann.
Jesus Christus sprach: "Es ist eine schöne Vereinigung
und geziemende Verbindung, daß eine Jungfrau Vorsteherin der Jungfrauen sei.
Denn unter allen Dingen hat die Reinigkeit des Fleisches und Herzens den
Vorzug, von welcher und durch welche
ich, Gott, habe das Fleisch annehmen wollen. Weil nun aber meine Mutter eine
Jungfrau war und Mutter, letzteres jedoch nicht, weil sie von einem Manne
erkannt, sondern von meinem und des Vaters Geiste angehaucht worden, und mich,
wahren Gott und wahren Menschen, geboren hat, deshalb ist dieser neue Orden
meiner Mutter gewidmet. Und es ist notwendig und löblich, daß eine jegliche,
welche Jungfrauen vorstehen will, eine reine Jungfrau, bewährt an Sitten und
ein Vorbild in den Tugenden sei. Wenn aber in dem Vereine eine solche Jungfrau
sich nicht befinden möchte, welche das Amt der Jungfrau meiner Mutter
ausfüllen könnte, so mißfällt es mir nicht, wenn statt einer hoffärtigen
Jungfrau eine demütige Witwe von bewährtem Leben das Amt der Demut und
Vorstandschaft übernimmt. Wenn es dann Gott gefällt, das Demütige zu
erhöhen und aus Notwendigkeit den Witwenstand zu erheben, wird dadurch der
löblichen Gewohnheit der Jungfrauen nichts genommen, da in Gott alles
Demütige zu erhöhen sich herabläßt. Denn was ist demütiger gewesen, als
meine Mutter? Was giebt es, das die vollkommene Demut nicht verdiente? Um der
Demut willen bin ich, Gott und Gottes Sohn, der Jungfrau wahrer Sohn geworden,
und ohne Demut ist kein Weg zum Himmel."
Christus sagt, weshalb und wie die Äbtissin vom Orden des heiligen Welterlösers segnen soll.
Christus sprach: "Wer das Amt eines zeitlichen Fürsten
hat, muß mit irgend einem Zeichen bezeichnet werden, auf daß ihm von allen
gehorcht und Ehre erwiesen werde. So ist es mit der Äbtissin, weil sie das
Amt und die Stelle meiner Mutter auf Erden versieht. Deshalb soll sie zum
Zeichen einer größeren Sorgfalt und Mehrung der geistlichen Gnade vom
Bischofe die Gabe des Segens empfangen, damit sie von den übrigen
unterschieden und geehrt werden möge, nicht um ihrer Erhöhung, sondern um
meiner und meiner Mutter Ehre willen. Der Segen der Äbtissin soll nach dem
Brauche der Äbtissinnen des heiligen Benedikt geschehen, und ohne den zuvor
gesegneten Stab und Ring." ![]()
Zum fünfzehnten Kapitel der Regel des heiligen Welterlösers, daß die Brüder dem göttlichen Predigtamte, dem Studieren und Gebete obliegen sollen. Christus zeigt, wie und was man dem Volke predigen soll.
Christus sprach: "Diejenigen, welche meine Wahrheit predigen, sollen wenige und einfache Worte haben, welche sich auf Lesen der heiligen Schrift gründen, damit Menschen, welche weit herkommen, sie zu fassen vermögen und der Weitläufigkeit und des Vortrages überflüssiger Worte nicht überdrüssig werden. Sie sollen auch nicht nach Art der Schmeichler künstlich gedrechselte Worte hervorbringen, auch nicht vielfache Abschnitte und Unterscheidungen der Kapitel oder subtile, bilderreiche Reden halten, sondern alles nach der Fassungskraft der Hörenden einrichten, denn was das einfältige Volk nicht versteht, darüber pflegt es sich mehr zu verwundern, als davon erbaut zu werden. Wenn es daher Sonntag ist, sollen diejenigen, welche in diesem Orden predigen, das Evangelium des Tages, dessen Auslegungen, die Bibel und diese meine und meiner geliebten Mutter und meiner Heiligen Worte, das Leben der Väter, die Wunder der Heiligen, das Glaubensbekenntnis, die Mittel gegen Versuchungen und Laster vortragen, je nachdem es jeder zu fassen vermag. Denn meine geliebteste Mutter war gar einfältig, Petrus ungelehrt, Franziskus ein Mann aus dem Volke, und gleichwohl haben sie den Seelen mehr genützt, als beredte Magister, weil sie zu den Seelen eine vollkommene Liebe getragen."
Gesicht zum zwanzigsten Kapitel der Regel vom heiligen Welterlöser, Wie die Jungfrau Maria mit dem Teufel gestritten und den Ort Wadstena rechtlich ersiegt, um dort ihr Kloster zu gründen; Christus hat denselben mit vielen Gnaden ausgestattet und ihr zuerkannt und geschenkt.
Der Braut kam es vor, als wäre sie in einem weitläufigen
Hause und dort ein großes Heer zusammengekommen. Da sprach
die selige Jungfrau zum Könige des Himmels: "Mein Sohn, gieb mir den Ort
Wadstena." Alsbald war der Teufel bei der Hand und sprach: "Dieser
Ort gehört mir, denn ich besitze denselben mit dreifachem Rechte. Das erste
Recht besteht darin, daß ich den Stiftern dieses Ortes den Willen eingegeben
habe, zu bauen, und die Vornehmsten bei diesem Baue sind meine Diener und
Freunde gewesen. Das zweite Recht besteht darin, daß dieser Ort eine Stärke
der Strafen und des Zornes ist, und meine Freunde, welche ganz nach meinem
Willen grausam waren, hier ihre Untergebenen ohne alles Erbarmen gestraft
haben, und deshalb, weil ich ein Herr der Strafen und ein Fürst des Zornes
über diesen Ort bin, darum ist er mein. Das dritte Recht besteht darin, daß,
weil diese Stätte viele Jahre hindurch mein gewesen, daselbst mein Sitz ist
und mein Wille vollzogen wird." Da sprach die selige Jungfrau weiter zu
ihrem Sohne: "Mein Sohn, ich suche Gerechtigkeit bei Dir. Wenn vielleicht
einer den anderen seiner Güter und seines Geldes beraubt hätte und ließe
ihn außer seinem Schaden nun auch noch mit eigener Arbeit von dem Gelde, das
er ihm geraubt, ein Haus bauen, wessen wäre, o mein Sohn, der gebaute
Ort?" Der Herr antwortete: "Geliebte Mutter! derjenige ist der
rechtmäßige Besitzer des Hauses, welcher das Geld besessen und die Arbeit
geleistet hatte." Da sprach die selige Jungfrau zum Teufel: "Darum
hast du an diesem Hause kein Recht." Weiter richtete die selige Jungfrau
an den Richter die Frage: "Mein Sohn und mein Herr, wenn in jemandes
Herzen Grausamkeit und Zorn herrschte, und nun Barmherzigkeit und Gnade darin
einzögen, wer müßte dann fliehen?" Der Richter antwortete:
"Grausamkeit und Zorn müssen fliehen und der Barmherzigkeit
weichen." Und die Jungfrau sprach zum Teufel: "So mußt du denn
fliehen, weil du ein Herr der Strafen, ein Fürst des Zornes bist, ich aber
bin die Mutter der Barmherzigkeit und die Königin des Himmels, weil ich mich
aller erbarme, welche mich anrufen." Zum dritten fragte die selige
Jungfrau den Richter: "Mein Sohn, wenn ein Knecht in einem Hause sich
befindet oder sitzt, und sein Herr träte ein, und wollte in demselben Hause
und auf demselben Sitze Platz nehmen, was wird der Knecht thun?" Der
Richter antwortete: "Es ist recht, daß der Knecht aufsteht und sein
Herr, wo es ihm beliebt, Platz nimmt."
Da sprach die Jungfrau zum Teufel: "Weil du ein Knecht meines Sohnes
bist, und ich Gebieterin bin über dich, so ist es recht, daß du fliehest und
ich meinen Sitz nehme, wo ich will." Darauf sprach der Richter zur
Jungfrau: "Meine Mutter, Du hast diesen Ort mit gutem Rechte erstritten,
deshalb gebührt er Dir von Rechts wegen, und darum spreche ich denselben Dir
zu. Und wie nun an dieser Stätte bisher Thränen und Seufzer der Elenden
gehört worden, deren Blut und Jammer von der Erde zu mir rief und in meinen
Ohren erschollen ist, so wird fortan die Stimme derer, welche Dich loben,
aufsteigen zu meinem Ohre. Und gleichwie an diesem Orte eine Stätte der
Strafen und Beschwernis des Landes gewesen ist, so werden sich jetzt an dieser
Stätte die versammeln, welche Barmherzigkeit und Verzeihung für Lebende und
Verstorbene verlangen, und mich in Bezug auf den Stand des Königreiches
versöhnen werden." Hierauf fuhr der Richter fort, zur Jungfrau zu reden:
"Meine Mutter, Dein Feind ist lange Zeit Herr an diesem Orte gewesen,
aber fortan wirst Du hier Gebieterin und Königin sein."
Christus erklärt der heiligen Brigitta, weshalb die Stadt Jericho zerstört worden, und stellt eine Art Vergleichung mit der Stätte ihres Klosters Wadstena und dessen Bewohnern an.
Christus redete zur Braut und sprach: "Was hast Du
heute in Deinem Buche gelesen?" Sie sprach: "Ich habe gelesen und
mich verwundert, daß die verfluchten Mauern Jerichos beim Schalle der
Posaunen und dem Umgange der heiligen Lade auf Dein Geheiß niedergestürzt
sind." Der Geist antwortete: "In jener Stadt und aus jener Stadt ist
viel Übles geschehen, und keiner war darin, der mir gefiel. Darum verdiente
sie keine Verzeihung, war auch nicht wert, von meinem Volke bewohnt zu werden.
Weil aber mein Volk, in der Wüste mürbe und matt geworden, nun das
verheißene Erbe in Besitz nehmen sollte, mußte es zuvor durch Worte,
Vorbilder und Wunder erzogen werden. Deshalb nun ist eine wunderbare und
gerechte Verteilung und Vergeltung in dieser Stadt
geschehen, auf daß das wunderbar aus dem Wasser herausgeführte Volk auch
Wunder zu Lande sehen, und also Gott, wenn es die Wunder geschaut, desto
tiefer in sein Herz möchte eingeprägt werden, es selber aber lerne,
Größeres zu hoffen, und zu Größerem angereizt würde. Diese Stätte nun
war zur Betrübnis meiner Freude die Wohnung der Teufel, aber meine Mutter hat
den Ort aus dreifachem Rechte erlangt, nämlich durch Liebe, Gebet und
Änderung der Beschäftigungen in der Zukunft." Darauf sprach sie zu ihm:
"O Herr, zürne nicht, wenn ich rede. Du hast gesagt, in Deinem Hause
müsse alle Demut sein. Soll dieser Bau wohl beständig bleiben an diesem
Orte?" Der Geist antwortete: "Jenes unglückselige Jericho war für
mein Volk eine bequeme Stätte, mußte aber zuerst vom Feuer gereiniget
werden, damit es mein Volk bewohnen und die Arbeit der Heiden übernehmen
konnte. Weil denn nun dieses Haus vom Schweiße der Armen zur Hoffart der
Reichen auferbaut worden, so werden dasselbe meine Armen bewohnen und alles,
was überflüssig und prächtig ist, allein zur Demut und zum Nutzen ordnen.
Doch soll man sich hüten, daß, was die göttliche Macht aus einem besonderen
Grunde zugelassen, für die Hoffärtigen als ein Beispiel angezogen
werde."
Christus redet zur Braut vom Ungehorsame eines Königs von Schweden, daß derselbe nämlich nicht zum Papste gegangen wegen Lossprechung von seinen Sünden, noch wider die Heiden, auch spricht er von der Stadt Jericho und dem Orte und Kloster Wadstena.
Der Sohn Gottes sprach: "Siehe, der König hat meinen
zweiten Rat verachtet, gleichwie den ersten, und deshalb sind meine Feinde
eingefallen in die Stätten meiner Mutter, und haben Zerstörung und
Verwüstung angerichtet, wie Du gehört, und deshalb ruft Stein und Holz Rache
über den König. Gott aber schafft sich aus der Bosheit der Menschen Ehre,
und der Teufel wird von dort, wo er die Oberhand zu gewinnen glaubt,
verstoßen und zu Schanden gemacht. Wären jene hohen Gebäude stehen
geblieben, so würden dieselben für die Nachkommen ein Anlaß zur Hoffart
und stolzer Erhebung geworden sein, wären sie aber mit Fleiß zerstört
worden, so würde der Leichtfertigkeit der Schaden zuzuschreiben sein. Nun
aber will ich Dir aus Anlaß des Schadens und der Bosheit der Menschen zeigen,
wie man Gott eine angenehme Niedrigkeit aus hoher Hoffart aufbauen kann und
wie eine unnütze und prachtvolle Erhebung der Mauern erniedrigt werden soll.
Die hohen Häuser und Wände werden zuerst niedergeworfen und das wird Gott
zur Ehre, den Einwohnern wohl geraten, für die, welche es ansehen, ein Jubel
und ein großer Beweis von Demut sein. Wie das aber geschehen soll, soll in
der Hand und im Rate derjenigen beruhen, welche die Gebäude zu erhöhen
wissen würden." Ferner redete der Sohn Gottes: "Ich habe Dir
jüngst von der Stadt Jericho erzählt, welche ich mit der Stätte dieses
Klosters verglichen habe, und wie die schon zubereiteten Gebäude zwar stehen
bleiben, aber auf das Demütige und allein Notwendige zurückgeführt werden
sollten. Dieses habe ich meinen Freunden versprochen, wenn der König
dieselben nach meinem Rate versammelt haben würde. Darum sollen jetzt
diejenigen, welche sich versammelt haben, sich Mühe geben und alles
Überflüssige hinwegwerfen, sich dagegen mit dem Notwendigen und Demütigen
allein begnügen und dessen rühmen."
Der Sohn Gottes zeigt der seligen Brigitta, wie ein König um seiner Sünden willen nicht würdig war, sich ein Haus, nämlich das Kloster zu Wadstena, zu erbauen.
Der Sohn Gottes sprach: "Weil dieser König meine
Wärme nicht sucht, sondern in der Kälte verharrt, auch das Ärgernis aus
seinen Händen nicht fahren läßt, so wird er mir kein Hans bauen, wie
Salomo, noch einen Lebensausgang haben, wie David. Aber es wird auch seiner
nicht gedacht werden, wie meines geliebten Olaf, noch er gekrönt werden, wie
mein Freund Erich, sondern er wird die Gerechtigkeit empfinden, weil er die
Barmherzigkeit nicht gewollt hat, und ich werde das Land pflügen in Gericht
und Trübsal, bis die Einwohner um Barmherzigkeit zu bitten lernen. Was
für eine Person aber diejenige sein wird, welche mein Kloster auferbauen
wird, und wann dieselbe kommen wird, wird Dir noch bekannt werden, ob aber
noch in diesem Leben, geziemt Dir nicht, zu wissen."
Christus zeigt hier der heiligen Brigitta die Lage, die Ausdehnung und Anordnung der Kirche des Klosters Wadstena und des Chores der Brüder, des Sprechraumes zwischen Schwestern und Brüdern, die Gewölbe, Altäre, Türme, Kreuzgänge, Säulen des Chores der Schwestern, der Fenster und des Sprachzimmers für die Weltleute.
Der Sohn Gottes sprach: "Der Chor der Kirche muß gegen
Niedergang am See sein, und eine hohe Mauer von Mitternacht, von dem
Ziegelsteinhause am See bis zum Ende des Hofes der Geistlichen laufen.
Zwischen dieser Mauer und dem Chore soll ein Raum von achtzehn Ellen zur
Einrichtung eines Sprechraumes sein, welchen mittendurch der Länge nach eine
Mauer vom Brüderchor bis zur Mauer neben dem See scheiden soll. In diesem
Sprechraume können die Brüder und Schwestern miteinander von notwendigen
Dingen reden. In der Scheidewand zwischen den Brüdern und Schwestern dürfen
keine Fenster sein, damit keines vom anderen gesehen werde. Ingleichen sollen
in dieser Mauer zwei Drehladen sein, wie in dergleichen Klöstern zu sein
pflegen. Der Chor der Brüder muß zweiundzwanzig Ellen lang sein, und unter
einem Gewölbe von der westlichen Wand an bis zum Hochaltare, so daß der
Hochaltar unter dem Gewölbe steht; die Geistlichen sollen ihren Stand
zwischen dem Hochaltare und der westlichen Wand haben. Das Gewölbe sei
zwanzig Ellen breit. Diejenige Wand aber, welche sich hinter dem Gestühl der
Schwestern gegen Mitternacht befindet, wird fünf Fenster nahe am Boden haben,
an denen die Schwestern ihre Beichten ablegen und den Leib des Herrn empfangen
sollen. Die Kirche selbst ferner soll fünf Gewölbe in der Länge haben und
drei in der Breite. Jedes Gewölbe sei zwanzig Ellen breit und zwanzig Ellen
lang. Die drei Gewölbe zunächst hinter dem Hochaltare, gegen Morgen, sollen
quer durch die Mitte
der ganzen Kirche dem Chore der Geistlichen angefügt werden. Sechs Stufen
müssen vom Hochaltare herabführen, quer unter den gedachten drei Gewölben.
Und jede dieser Stufen soll zwei Altäre tragen, so daß sechs zur Rechten,
und sechs zur Linken des Hochaltares sind. und jeder Altar soll dem anderen in
der Quere gegenüberstehen, und solches zunächst auf der ersten Stufe,
nächst dem Hochaltare auf beiden Seiten der Fall sein. Der Hochaltar muß
fünf Ellen Länge und drittehalb Ellen Breite haben. Jeder andere der zwölf
übrigen Altäre wird eine Länge von drittehalb Ellen und eine Breite von
anderthalb Ellen haben. Zwischen jedem der zwölf Altäre muß ein
Zwischenraum von zwei Ellen sein. Jede Stufe soll ungefähr die Höhe von der
Breite einer Hand haben. Die Wand gegen Morgen wird unter den beiden letzten
Gewölben zwei Thüren haben. Unter dem Mittelgewölbe darf keine Thür sein.
Eine jegliche Thür wird sechs Ellen in der Breite haben, und in der Höhe
sollen sie bis an die Bretter oder den Boden reichen, welcher unter den
Füßen der Schwestern ist. In der Mitte zwischen diesen beiden Thüren soll
an der Wand gegen Osten der Altar der seligen Jungfrau sich befinden, welcher
vier Ellen lang und drei Ellen hoch sein muß. Der Chor um den Altar herum
soll zehn Ellen in der Länge und zehn Fuß in der Breite haben, auch mit
eisernen Gittern umgeben sein. Es muß auch ein Kreuzgang sein um die Kirche,
innerhalb neben den Wänden, welcher mit eisernen Gittern eingefaßt zu sein
hat. Derselbe soll eine Breite von vier Ellen zwischen der Mauer und dem
Gitter haben, damit die Geistlichen oder Brüder umherwandeln können, ohne
daß sie mit dem Volke zusammenkommen. Über beiden Thüren soll auf Stufen
der Eingang zum Chore der seligen Jungfrau hinaufführen, und keine andere
Thür weiter in diesem Chore befindlich sein. Es darf auch im
eisenvergitterten Kreuzgange der Kirche nur die eine, neben dem Hochaltare
befindliche Thür vorhanden und soll dieselbe stets mit einem Schlosse
verwahrt sein; ausgenommen, wenn eine Person in den Orden treten will, oder so
oft der Bischof das Kloster besuchen wird. In der Mitte der Wand, gegen
Mittag, innerhalb des eisernen Kreuzganges, soll ein Altar des heiligen
Michael sein, so daß der Priester sich nach Mittag wenden muß. In der Mitte
der Wand, gegen Mitternacht, muß sich ein Altar
des heiligen Johannes des Täufers befinden, so daß der Priester sich nach
Mitternacht zu wenden hat. Außerhalb des eisernen Kreuzganges sollen Altäre
erbaut sein, vor denen die ankommenden Priester Messe lesen können. Die
Säulen sollen vom Pflaster der Kirche an bis zu den Balken oder dem Fußboden
im Chore der Schwestern elf Ellen Höhe haben Über den Balken soll ein
Fußboden aus Brettern, aus Lehm und Ziegelsteinen gelegt werden. Hierauf
werden die Schwestern stehen; unter die Bretter sind Kupferbleche zu
befestigen, auf daß das Feuer keinen Schaden thue. Die Säulen müssen durch
den Fußboden der Schwestern hindurchgehen, und vier Ellen oder ungefähr so
hoch über den Boden hinaufreichen, bevor die Gewölbe beginnen oder erreicht
werden. Alle Gewölbe über dem Chore und der ganzen Kirche sollen eine
gleiche Höhe haben. Das Dach aber soll eine solche Höhe haben, als es haben
kann oder nötig sein mag. An den Thüren, Fenstern, Säulen oder Wänden soll
keine feine Skulpturarbeit sich befinden, sondern alles soll glatt, demütig
und stark gearbeitet sein. Die Glasfenster dürfen nur von weißer oder blauer
Farbe sein. Das Haus, worin die Schwestern mit Leuten aus der Welt reden
sollen, muß gegen Morgen liegen, zwischen dem großen Ziegelsteinhause und
der Kirche. Darin sollen die Fenster so sein, daß die Personen nicht
voneinander gesehen werden können. Die Kirche ist aus Steinen aufzuführen,
welche aus Felsen herausgehauen oder in der Erde gefunden sind, nicht aber aus
Ziegelsteinen, desgleichen die Gewölbe."
Hierauf erblickte ich jenseits des Sees eine dieser
ähnliche Kirche mit ihren Gebäuden, welche allenthalben eine lange, starke
und hohe Mauer umgab, und vernahm im Geiste: "Die Häuser und Kirchen,
welche man nach dieser Kirche bauen wird, sollen in ähnlicher Weise gebaut
werden, wie Du es jetzt siehst." ![]()
Gesicht, welches die heilige Brigitta über die Einrichtung und Lage der Räume hatte, worin die Schwestern und Brüder einander und mit Weltlichen sprechen können; von der Wohnung der Brüder, vom Obstgarten der Schwestern, und der Krankenräume.
"Ich erblickte ," so sprach die selige Brigitta,
"vom großen Steinhause an bis an den Friedhof, welcher gegen Mittag am
breiten Wege liegt, eine lange, breite Mauer. Sodann sah ich innerhalb der
Mauern eine Kirche, deren Grundlage, Wände, Fenster, Länge und Breite ich
sorgfältig in Obacht nahm. Ferner erblickte ich vom Flügel des nämlichen
Hauses an eine große Mauer bis an die Sakristei, wobei mir vom Geiste gesagt
ward: Von dieser Mauer an soll eine andere Mauer gebaut werden, wo der
Sprechraum der Brüder und Schwestern sein wird; in diesem müssen zwei
Fenster sein, damit Brüder und Schwestern miteinander reden und die Brüder
ihren Lebensunterhalt empfangen können. Ferner sah ich von dieser Mauer an
eine dritte, welche sich bis an das kleine Steinhaus erstreckte, und wovon mir
gesagt ward: Hier sollen die Wohnungen der Geistlichen sein. Vom südlichen
Flügel des kleinen Hauses an erhob sich eine Mauer, welche sich bis an
diejenige erstreckte, die am Friedhof stand. Und ich vernahm im Geiste: In
dieser Mauer wird eine kleine Pforte sein, wodurch die Bedürfnisse der
Brüder, z. B. Holz und dergleichen, eingenommen werden. Dort soll auch zur
Beaufsichtigung und Heilung der Kranken ein Haus sein. Von der Mauer sodann,
welche am Friedhof zu stehen schien, erstreckte sich eine andere Mauer bis an
das steinerne Haus, welches gegen Morgen steht, allein sie erreicht das Hans
nicht ganz, denn es war ein kleiner Raum dazwischen, weil von der Südwand der
Kirche eine andere Mauer ausging, welche sich mit der Mauer verband, die vom
Friedhof ausging, und beide Mauern zusammenfügte. Dabei ward mir gesagt: Hier
soll der Raum zum Sprechen der Brüder mit Leuten aus der Welt sein. Vom
Abendhügel gegen Mitternacht des großen steinernen Hauses sah ich eine
Mauer, welche um den Obstgarten lief, nach der Stellung der alten Bäume,
und welche nach dem Herumgehen um den Obstgarten sich wieder zurückbog nach
dem Morgenflügel des großen Hauses. Hiernächst sah ich eine Mauer
heraufgehen vom Morgenflügel, welche sich geradezu auf die Wand der Kirche
hin erstreckte. Und da vernahm ich im Geiste: An dieser Mauer werden die
Häuser sein. Eines sei reicher gebaut; darin können die Bischöfe und
fürstliche Personen die Schwestern hören; das andere soll zur Aufnahme von
Bedürfnissen, das dritte zur Beaufsichtigung der Kranken und deren Heilung
dienen. - Hierauf erblickte ich jenseits des Sees eine Kirche, welche dieser
gleich war, mit ihren Gebäuden. Dieselbe umgab auf allen Seiten eine lange
Mauer. Da vernahm ich im Geiste: Sowohl das Haus, als die Kirche, welche nach
dieser Kirche werden erbaut werden, sollen in ähnlicher Weise gebaut werden,
wie Du jetzt siehst."
Christus teilt der heiligen Brigitta die Einrichtung seines Hauses mit, unter welchem besonders das Kloster Wadstena und der Orden vom heiligen Welterlöser verstanden wird u. s. w.
"In meinem Hause muß alle Demut herrschen, welche jetzt durchaus verachtet ist. Darin muß eine starke Mauer zwischen Männern und Weibern sein." (Das weitere siehe im XVIII. Kapitel des ersten Buches.)
Christus sagt hier, was für Gemälde im Kloster vom heiligen Welterlöser sein sollen, und daß die Kirche drei Pforten haben müsse. Von der geheimnisreichen Bedeutung derselben.
Der Sohn Gottes sprach: "An den Kirchenwänden sollen
sich keine anderen Bilder befinden, als allein meine Leiden und das Andenken
meiner Heiligen. Denn häufig haben die in die Kirche Eintretenden mehr Freude
am Anblicke der Bilder an den Wänden, als an den Wohlthaten Christi. Es ist
auch zu merken, daß man
in der Kirche drei Pforten haben soll. Die erste soll heißen: die Pforte der
Vergebung; durch dieselbe sollen alle Weltleute hereintreten. Denn ein
jeglicher, welcher mit reuigem Herzen und dem Willen, sich zu bessern, durch
diese Pforte eintritt, wird eine Erleichterung in seinen Anfechtungen, Stärke
zum Vollbringen des Guten und Vorsicht beim Handeln erlangen. Deshalb soll
diese Pforte gegen Morgen sein, weil den Eintretenden die göttliche Liebe
aufgehen und das Licht des Glaubens in denselben gestärkt werden wird. Die
zweite Pforte wird die Pforte der Versöhnung und Wiedervereinigung heißen,
und durch dieselbe sollen die Brüder in ihren Chor eintreten; denn durch ihr
Gebet und ihren Glauben werden die Sünder sich Gott nahen, der Zustand des
Königreichs gebessert und der Zorn Gottes besänftigt werden. Deshalb soll
diese Pforte nach Niedergang führen, weil durch ihr Gebet in vielen die Macht
des Teufels untergehen und abgeschnitten werden wird, daß er nicht die
Übermacht erlange, zu versuchen, soviel er will. Die dritte Pforte soll die
Pforte der Herrlichkeit und der Gnade heißen. Durch dieselbe sollen die
Schwestern eintreten; eine jegliche Schwester, welche durch diese Pforte mit
reuigem Herzen und der alleinigen Absicht, Gott zu gefallen, eintritt, wird in
dieser Zeit Gnade empfangen, von einer Tugend zur anderen fortzuschreiten,
Erquickung in den Anfechtungen und die Herrlichkeit in der Zukunft zu
erlangen. Deshalb soll diese Pforte gegen Mitternacht sein. Denn gleichwie vom
Teufel alle Kälte der Bosheit herrührt, so wird denen, welche in diese
Pforte eintreten, die Fülle des Segens und die Wärme des Geistes eingegossen
werden, und in ihnen die Glut der göttlichen Liebe sich mehren."
Christus begehrt von der Reichsgemeinde einige Hilfe zur Vollendung des Klosters von Wadstena.
Christus sprach: "Ich bins [sic!], der dem Abraham
geboten, seinen Sohn zu opfern, nicht daß mir das Gut seines Gehorsams vorher
unbekannt gewesen, sondern weil ich gewollt, daß sein guter Wille auch den
Nachkommen zur Befolgung in ähnlicher Weise bekannt
werden solle. So will ich denn nun jetzt, daß der Landesfürst ein Kloster zu
Ehren meiner Mutter baue, damit die Sünden des Reiches gemindert werden. Zur
Vollendung dieses Klosters begehre ich von der Reichsgemeinde Hilfe, jedoch
nicht als ein armer Dürftiger, da ich der Herr aller Dinge bin, sondern damit
die Bereitwilligkeit ihres guten Willens auch anderen bekannt werde. Darum
soll ein jeglicher, der zu den Jahren der Unterscheidung gelangt, und sich
vorsetzt, in der Jungfräulichkeit zu verharren, sei es Mann oder Frau, einen
Groschen gebräuchlicher Münze spenden; und ähnlicherweise, wer im
Witwenstande lebt. Wer aber im Ehestande ist, soll für sich und seine Frau
zwei Groschen zum Baue dieses Klosters meiner Mutter beisteuern. Diejenigen
jedoch, welche Söhne und Töchter haben, die zu den Jahren der Unterscheidung
gekommen, nämlich sechzehn Jahre alt geworden sind, sollen für jedes einen
Groschen beisteuern, auf daß in ihnen meine Liebe und die Furcht des
Gehorsams vermehrt werde. Die Religiosen aber, welche sich und das Ihrige mir
zu geben schuldig sind, und die Geistlichen, die mein Los sind, mögen frei
bleiben. Ähnlicherweise soll das im Dienste befindliche Gesinde frei sein,
weil sie ihr Brot im Schweiße essen, und nicht ihre eigenen Herren
sind."
Daß die Äbtissin vom Orden des heiligen Welterlösers vier gut beleumundete Männer zu Brüdern außerhalb des Klosters annehmen soll. Von der Kleidung und Weise derselben, zu leben.
Christus sprach: "Die goldene Schrift sagt, daß, als
Moses für sein Volk gebetet, Aaron und sein Genosse dessen Hände gestützt
haben, damit er von dem beständigen Ausstrecken derselben nicht ermüdet
werden möchte. Aber wozu das? Hätte Gott, der ihm die Kraft des Gebetes gab,
ihn nicht auch stärken können? Er hätte freilich gekonnt. Allein es war ein
Zeichen für diejenigen, welche, indem sie alles verachten, Gott allein
anhangen, daß die menschliche Natur schwach ist und des Beistandes bedarf.
Damit nun die Freunde Gottes bestehen mögen, und nach der geistlichen
Betrachtung nicht mit Zeitlichem sich beflecken, werden ihnen äußere
Trostmittel verliehen, damit sie desto kräftiger sich zum Göttlichen erheben
mögen. Darum sollen vier Männer von gutem Zeugnisse, Leben und Alter am Hofe
zu Beamten angenommen werden, welche an die Armen Almosen und Kleider
austeilen und bereit sein sollen, der Schwestern und Brüder Worte anzunehmen
und die Antworten zurückzubringen, auch in Klosterangelegenheiten mit den
weltlichen Herren zu reden und der Äbtissin eifrig zu Diensten stehen sollen,
um ihre Lasten zu erleichtern. Zu dem Ende aber, und damit die besagten Bruder
die erhaltenen Aufträge getreulich vollziehen, sollen sie vom Kloster leben
und aller geistlichen Güter, welche das Kloster besitzt, teilhaftig sein. Sie
sollen auch enthaltsam leben, und zum Zeichen der göttlichen Freundschaft und
Liebe ein rotes Kreuz auf den Kleidern neben dem Herzen tragen; auch in die
Hand der Äbtissin Gehorsam in weltlichen, und dem Beichtvater in geistlichen
Dingen versprechen; in gleicher Liebe und Regel, in gleichen Sitten, in
Gehorsam und der Zucht leben, wie die innerhalb des Klosters sich Befindenden,
damit weder in den Sitten, noch im Essen und Trinken, noch im Strafen ein
Unterschied sei, keines anderen Geheiß sollen sie dem Befehle der Äbtissin
oder des Beichtvaters vorziehen. Wenn aber einiges Unregelmäßige oder so
Abscheuliches von ihnen begangen werden sollte, wodurch der Orden beschmutzt
würde, oder das Kloster in üble Nachrede geriete, sollen sie in das
Klostergefängnis eingesperrt werden. Wenn der Beichtvater es nicht bessern
kann, soll Rat und Hilfe beim Bischofe gesucht, aber in allen Stücken die
Fortsetzung der heiligen Regel beobachtet werden. Der Beichtvater soll
darüber wachen, wie sie fasten und in welchen Stunden sie Mahlzeit oder
Stillschweigen halten und wann sie schlafen sollen, und wie und welcher Art
sie aus dem Kloster oder zu dem Herrn des Landes gehen sollen. Gleicherweise
soll er auch für ehrbaren Anzug, für Lesung der Tagzeiten und wo sie in den
Kirchen stehen und den Leib Christi empfangen sollen, Sorge tragen. Auch soll
ihnen ein Ort bestimmt werden, wo sie essen und schlafen mögen; desgleichen
sollen sie einen besonderen Beerdigungsplatz haben. Unter den vier Männern,
welche das Kreuz tragen, können einer oder zwei Priester sein, so jedoch,
daß sie in allen Stücken der Äbtissin und dem Beichtvater gehorchen. Wenn
aber Arbeitsleute oder Handwerker sich der Regel unterwerfen wollen, sollen
sie das-
selbe Gesetz und die nämlichen Satzungen haben, nur nicht das Kreuz tragen;
einer von den vieren soll ihr Meister sein, durch welchen sie geleitet und
nach dem Rate und der Vorschrift der Äbtissin und des Beichtvaters in
geistlichen Dingen unterwiesen werden."
In betreff des achtzehnten Kapitels der Regel vom heiligen Welterlöser unterscheidet Christus dreizehn Altäre, welche den dreizehn Aposteln nach ihren dreizehn hervorragenden Tugenden gewidmet werden sollen.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir vorhergesagt, man
solle dreizehn Altäre in der Kirche auf den dreizehn Stufen haben, je nach
der Berufung und der einem jeglichen der Apostel verliehenen Inbrunst meines
Geistes. Der erste und vornehmste Altar nun soll Petrus, dem Fürsten der
Apostel, geweiht sein, weil er der erste in der Berufung und Erwählung
gewesen ist, ingleichen der erste in der Würde der Gewalt und einer gewissen
Ähnlichkeit meines Todes. Zur Rechten des Altares des Apostelfürsten Petrus
soll der Altar des Paulus sein, welcher, obwohl er mich nicht im Fleische
wandeln sah, mich doch in einem geistlichen Gesichte erblickt, auch gar
vollkommen vom Eifer für die Seelen entzündet worden und in Liebe am meisten
gearbeitet hat, weshalb er auch Namen, Leben und Würde der Apostel erlangt
hat. Der zweite Altar zur Rechten gehöre dem Jakobus, dem Sohne des Zebedäus,
welcher durch Geduld und Predigteifer am ersten vor anderen verherrlicht zu
werden verdiente. Der dritte Altar zur Rechten sei dem Evangelisten Johannes
geweiht, welcher durch seine Liebe zur Keuschheit eine besondere Freundschaft
bei mir gefunden, kraft deren er in höherer Weise die evangelische Wahrheit
geschrieben. Der vierte Altar zur Rechten gehöre dem Bartholomäus, welcher
als Verächter des Reichtums und Liebhaber der Armut die ihm auferlegte Pein
geduldig ertrug. Der fünfte Altar zur Rechten sei dem Philippus gewidmet,
welcher die Geburt des Fleisches verachtet, aber viele zum ewigen Leben
wiedergeboren hat. Der sechste Altar zur Rechten sei dem Thomas geweiht,
welcher in meiner Seite den vollkommenen
Glauben erkannt und in vollkommener Liebe verharrt hat. Zur Linken vom Altare
des Apostelfürsten aber sei der erste Altar dem Andreas gewidmet, welcher
mir, seinem Meister, nachgefolgt ist und sich der Schande des Kreuzes nicht
geschämt hat. Der zweite Altar zur Linken gehöre dem Matthäus, welcher den
Gewinn der Welt verlassen hat und ein Meister der Seelen geworden ist. Der
dritte Altar werde dem Jakobus, des Alphäus Sohne, gewidmet, welcher mir dem
Fleische nach gar ähnlich, so nun auch mir im Himmel in gewisser Weise gleich
geworden ist. Der vierte Altar werde des Simon, seines Bruders, welcher die
fleischlichen Eltern verachtet und mit der himmlischen Weisheit erfüllt zu
werden verdient hat. Der fünfte soll des Thaddäus sein, welcher durch die
Reinheit des Herzens den Teufel mannhaft bekriegte. Der sechste Altar gebührt
dem Matthias, welcher vor der Begehrlichkeit meines Verräters einen Abscheu
gehabt, und durch wahre Demut die Stätte der ewigen Herrlichkeit verdiente. -
Jetzt, meine Tochter, wirst Du fragen können, weshalb ich den Johannes und
die übrigen zur Verwandtschaft meines Fleisches gehörigen Apostel nicht dem
Petrus in der Würde vorgezogen habe? Ich antworte Dir: Die vollkommene Liebe
zu Gott ist diejenige, wenn der Mensch sich nichts von sich selber
zurückläßt, sondern sich zu jeglicher Tugend und Vollkommenheit erweitert.
Die vollkommene Liebe zum Nächsten besteht aber darin, wenn der Mensch den
Bösen, auch wenn sie ihn mit Zorn erbittern, Gutes thut, den Guten aber noch
Besseres erweiset, vorzüglich denen, welche er in guten Werken als die
Bessern findet. Weil nun Petrus brünstiger in der Liebe war und nichts als
sein eigen erachtete, als was ewig bei ihm bleiben würde, so ward, damit das
Fleisch nicht dem Geiste vorgezogen werden möge, Petrus zum Papste erwählt.
Wenn aber an Johannes größere Erweise der Liebe sich offenbarten, so
verdienten seine Keuschheit und seine künftige Standhaftigkeit solches. Denn
Gott erwählt, um die Süßigkeit seiner Güte auszubreiten und seine Liebe
anzudeuten, zuweilen, um den Glauben zu erhöhen, Zeit und Personen, in denen
er von seinen Geschöpfen verherrlicht werden will. Zuweilen macht er, wie ein
Schmied, feurig, was stumpf und kalt ist, um das Schwache zu erheben und das
Hoffärtige zu erniedrigen, damit Gott überall geehrt werden möge." ![]()
Zum zwanzigsten Kapitel der Regel vom heiligen Welterlöser sagt Christus, daß die Schwestern vier Köchinnen, und ähnlicherweise die Brüder zwei Köche in der Klausur haben dürfen, um der Arbeit willen u. s. w.
Der Sohn Gottes sprach: "Als ich mit den Aposteln in
der Welt wandelte, war meine Absicht nur auf den Gewinn der Seelen gerichtet,
weil es sich nicht zusammenreimte, noch erfreulich war, den Seelen und der
Welt zu dienen. Darum reichten getreue Männer und Frauen das Leibliche dar,
welche doch keine Apostel waren, noch so genannt wurden, sondern Verwalter und
Erleichterer der Arbeit derjenigen waren, welche mir ganz im geheimen dienten
und beistanden, nämlich der Apostel, So ist es auch jetzt. Ich habe Dir
früher von der Zahl der Töchter meiner Mutter geredet, welche, ihr näher
befreundet, als andere, ihr nahe stehen müssen. Einige derselben hatten
feinere Speisen, andere waren schwach und alt, andere an Arbeit minder
gewöhnt, andere mehr der göttlichen Betrachtung ergeben. Wenn es daher not
thut und der Ort es erfordert, wird der Äbtissin erlaubt, vier Küchenfrauen
in die Klausur aufzunehmen, welche nach Alter und Wandel vorsichtig und von
gutem Rufe sind. Dieselben sollen das Feuer besorgen, Holz und Wasser
eintragen, aus dem Kloster die Unreinlichkeiten hinwegräumen, und den minder
starken Schwestern in ihren Ämtern helfen. Diese Küchenfrauen dürfen um der
Arbeit willen in die Kirche und an die übrigen Orte im Kloster gehen. Sie
sollen ihre Behausung in der Nähe der Pforte und Küche haben, um allezeit
bereit zu sein, aufzunehmen und hineinzutragen, was in den Arbeitsraum
geschafft werden muß. Doch sollen sie dem Konvente weder im Chor, noch im
Speise- oder Schlafraume zugesellt werden, sondern, wenn sie nichts zu thun
haben, außerhalb des Chores sich aufhalten. Sie sollen auch nicht mit dem
Konvente gespeist werden, sondern vom Almosen der Schwestern oder der Pfründe
leben, welche ihnen die Äbtissin übertragen. Sie sollen der Äbtissin
Gehorsam leisten und mögen, wenn die Schwestern ihre Mahlzeit gehalten haben,
in der Stube essen. Zum Erkennungszeichen sollen sie ein Skapulier ohne
Kapuze tragen. Wenn aber in der Küche einiges unvermeidlicherweise durch die
Hände von Weltleuten geschehen muß, dann sollen eine oder zwei
Küchenschwestern dabei sein und darauf sehen, daß nichts wider die Regel
geschehe. Ähnlicherweise sollen die Brüder zwei Küchenleute haben, wenn es
für sie nützlich und notwendig ist. Diese Küchenbrüder sollen keine Kutte
tragen, sondern einen Mantel über den Rock; daran soll eine kleine Kapuze
festgenäht sein, wie bei anderen Ordensleuten. Wenn sie arbeiten, sollen sie
den Mantel ablegen und eine hierzu besonders bestimmte Kapuze tragen, wie die
Laienbrüder vom Orden des heiligen Benedikt oder Bernhard, desgleichen einen
Gürtel von schwarzem Leder."
Zum einundzwanzigsten Kapitel der Regel vom Welterlöser bemerkt Christus, wie die Ordensgenossen das Gewürz gebrauchen sollen.
Der Sohn Gottes sprach: "Weil erhitzende Dinge ein Zunder der Üppigkeit sind, so ist es gut, wenn die Gesunden im Kloster nicht beständig Pfeffer, Ingwer und dergleichen Gewürze genießen. Sie mögen sich vielmehr der gemeinen Kräuter bedienen, welche das Land, in welchem sie wohnen, hervorbringt. An den Festen, wo neun Lektionen stattfinden, kann ihnen in Betracht der Arbeit gestattet werden, sich jener Gewürze zur Erholung zu bedienen; den Kranken und Schwachen aber sollen solche Dinge, so oft sie ihnen dienlich sind, nicht verweigert werden."
In betreff des zweiundzwanzigsten Kapitels der Regel vom heiligen Welterlöser nennt sich Christus einen Vater aller Erschaffenen und Neuerschaffenen und derer, welche seine Gebote halten. Er nennt auch Maria seine Mutter und Tochter, die Schwestern vom Orden des heiligen Welterlösers seine und Marias Töchter. Er gestattet ihnen, seinen Leib zu haben, und im Falle der Not, jedoch nur mit Genehmigung der geistlichen Vorgesetzten, zu den Kranken zu tragen, und lobt gar sehr die jungfräuliche Keuschheit.
Jesus Christus, der Sohn Gottes, sprach: "Wie der ein
Vater genannt wird, welcher mittels der wechselseitigen Verbindung des
Fleisches einen Sohn erzeugt, so bin ich, Gott, der Vater aller, weil ich dem
Leibe eine Seele eingieße und dieselbe, wenn sie verunstaltet worden, durch
mein Leiden und die Wirksamkeit der göttlichen Eingebung wieder erzeuge und
erneuere. Wie ich demnach ein Vater aller derer bin, welche erschaffen und in
der Taufe von neuem erschaffen worden, so bin ich auch ein Vater aller derer,
welche dem Wege meiner Demut nachwandeln, und den Pfad meiner Gebote
verfolgen. Darum kann Maria, die Mutter meiner Menschheit, sowohl Mutter, als
Tochter genannt werden: eine Mutter, weil sie mein Fleisch geboren, eine
Tochter, weil sie meinem Willen gefolgt ist. Denn die Ähnlichkeit ihres
Leibes kam gleichsam in meinem Fleische wieder zum Vorscheine, und die
Ähnlichkeit aller Tugenden glänzte auf vollkommene Weise in ihrem Herzen und
Wirken wieder. Weil nun meine Mutter sich Töchter erwählen will, deren
Unterweiser und Regierer ich bin und denen ich durch Dich eine neue Satzung
gezeigt habe, deshalb will ich ihr Vater sein und heißen, und zum Zeichen
dessen gebe ich ihnen zwei besondere Vorrechte. Das eine besteht darin, daß
sie das Sakrament meines Leibes stets auf ihrem Altare in einem schicklichen
Gefäße von Saphir oder Krystall ausgestellt haben dürfen, auf daß sie
mich, den sie täglich unter einer fremden Gestalt schauen, brünstiger
begehren, bis sie mit der wirklichen Wahrheit ersättigt werden. Das zweite
besteht darin, daß, wenn irgend eine Schwester mit einer so schweren
Krankheit heimgesucht wird, daß sie des Erbrechens halber das Sakrament
meines Leibes nicht zu nehmen vermag, oder damit sie nicht nachts ohne
Wegzehrung sterben möge, ich, der Gott aller Dinge, zugebe, daß die
Äbtissin, oder wem sie es auftragen würde, in Begleitung des Konvents das
Sakramentsgefäß zur Kranken trage, und derselben mein Leib gezeigt werde,
den sie aber nicht berühren darf, wobei jedoch gesagt werden soll: Dein
Glaube gereiche dir zum Heile und ewigen Leben!"
Die heilige Brigitta antwortete: "O Herr, Du Eingeber
aller Gnade, zürne nicht, wenn ich rede. Wahrlich, mit reichlichem
Überflusse gießest Du Dich über uns aus; ja, wofern es recht ist, so zu
sprechen, Du vergeudest Dich vor Verlangen nach uns. Wer kann wohl Deine so
große Güte und Süße jemals glauben, wenn er nicht von Deinem Geiste zuvor
berauscht worden? Denn es steht
geschrieben, daß diejenigen, welche im Gesetze Mosis die heilige Lade, welche
Dich bedeutete, berührten und sahen, starben. (I. Kön. VI.) Und jetzt
lässest Du Dich selbst berühren, der Du die Wahrheit selber bist, welche
alle Zeichen nur vorbildeten. O, wie rein muß der sein, welcher sich dem
höchsten Gott naht!" Gott antwortete: "Was verwunderst Du Dich,
meine Tochter, wenn ein Gefäß sich dem anderen naht; wenn, will ich sagen,
ein jungfräuliches Gefäß sich dem Gefäße des unvergänglichen Schatzes
naht? Denn wie beim Einzuge der Lade Mosis die unreinen Mauern niederstürzten
und das Götzenbild zertrümmert ward, so wird durch jungfräuliche Liebe des
Teufels Hoffart zu Schanden gemacht, des Herzens Härtigkeit erweicht und die
Unreinigkeit des Fleisches vernichtet. Denn wie soll es dem wunderbar sein,
sich von einer Jungfrau berühren zu lassen, welcher sich herabgelassen, auch
von einer Jungfrau geboren zu werden? Alles vermag ja die jungfräuliche Liebe
mit Gott, wenn sie mit der wahren Demut vereinigt ist. Damit aber der
Geistlichkeit und sonst den Weisen kein Nachteil geschehe, übertrage ich
diese Gnade der Herrschaft und Macht den geistlichen Vorgesetzten. Denn es
wurden auch Moses und die Propheten nicht ohne Urteil und vorgängige
Untersuchung durch die Hohenpriester gelesen, und ebenso dürfen meine Worte
nicht ohne die Gutheißung und Billigung der Päpste ans Licht treten, denen
ich die Macht gegeben habe, zu binden und aufzulösen; wer sie verachtet,
verachtet mich selber."
Christus ordnet hier an, was für ein Estrich in seinem Kloster sowohl für die Welt-, als für die Klosterleute sein soll; wie derselbe, wenn dort einige begraben worden, wieder herzustellen, und wer in der Kirche zu begraben.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir zuvor gesagt, wie
die Schwestern und Brüder begraben werden sollen. Nun füge ich weiter hinzu,
daß, wenn die Kirche vollendet worden, die Um- und Kreuzgänge innerhalb des
Gitters mit behauenen reinen Steinen, oder mit Ziegelsteinen gepflastert
werden sollen, damit den Reinen alles rein werde. Darum soll innerhalb der
großen Mauer, da,
wo es am passendsten geschehen kann, ein Beerdigungsplatz eingerichtet werden,
auf welchem die Schwestern zu begraben sind. Sollen dieselben aber in den
Kreuzgängen begraben werden, so muß man sorgfältig darauf achten, daß
keine Verunstaltung oder Unebenheit im Estrich erscheine, sondern derselbe
nach dem Begräbnisse wieder in seine frühere Schönheit und Gestalt gebracht
werde. Ähnlicherweise soll auch der Estrich der Kirche aus geraden und reinen
Steinen bestehen, damit die Eintretenden nicht an den Vertiefungen und der
Unebenheit der Steine Anstoß nehmen, sondern eine reine, für das göttliche
Gebet geschmückte Stätte haben mögen. wenn aber geistliche und solche
Personen, welche eine Würde bekleideten, in die Kirche begraben werden
müssen, soll sorgfältig achtgegeben werden, daß nach Beisetzung der Leichen
der Estrich wieder in seine frühere schöne Verfassung und Gestalt gebracht
werde."
Aus Anlaß des sechsundzwanzigsten Kapitels der Regel vom heiligen Welterlöser zeigt die Jungfrau Maria dreierlei Beschaffenheiten der in diesen Orden eintretenden Personen an. Die ersten sind, welche von Liebe entzündet die Wohlthaten Gottes betrachten. Die zweite Art sind diejenigen, welche wegen ihrer Sünden Buße thun. Die dritte Art sind die, welche mehr die Werke des Fleisches, als des Geistes, mehr die Welt, als Gott lieben. Sie wünscht auch diesem Orden und den ihm ergebenen Andächtigen verschiedenen Segen Gottes, und fügt den Grund hinzu, weshalb der Tempel der Juden nicht wieder auferbaut werden wird.
Die Mutter Christi sprach: "Ein jeglicher, der da sitzt
auf einem erhöhteren Sitze, wird das Licht in Mittag sehen. Wer aber zur
Rechten sitzt, wird früh vom Schlafe erwachen, der zur Linken Sitzende jedoch
vor dem Hauch der Nacht erstarren. So soll ein jeglicher, welcher in dieses
Haus eintritt, sorgfältig darauf achten, daß er nicht das Leben für den
Tod, die Kälte statt der Hitze liebe. Auch soll sich derjenige, der in mein
Haus eingeht, vor dem Feinde hüten, welcher vor der Thüre ist. Deshalb soll
er die Vernunft zum Führer und Gott zum Leiter haben. Das Haus, von welchem
ich Dir zuvor gesagt habe, soll wie ein Feuer sein, das sich zunächst im
Stroh und auf dem Boden ausbreitet
und hernach das Dach und das ganze Haus dergestalt anzündet, daß diejenigen,
welche draußen sind, nichts davon erfahren, als bis das ganze Haus in Feuer
sieht. Dieses Haus muß im heiligen Geiste gestärkt werden, wie Elias,
welcher Brot aß und Wasser trank, und durch diese Speise gestärkt vierzig
Tage und Nächte ging. So sollen alle, welche in dieses Haus eingehen,
gestärkt werden und mit jeglichem Tage zunehmen, und es soll ihnen die Kraft
des Geistes und die Inbrunst des Gaubens [sic!] und der Liebe wachsen. Gott
möge auch bei denen bleiben, welche in dieses Haus eingehen, wie er mit Jakob
war, welcher aus seines Vaters Hause allein ausging, aber mit einer
zahlreichen Schar heimkehrte und Joseph erzeugte, welcher Heil des Volkes
genannt ward, weil er sein Volk errettete. (Genesis XXXII. und XLI.) Gott
bewahre auch dieses Haus und diejenigen, welche hineingehen, wie er seinen
Apostel bewahrte, daß derselbe in dem fetten Öle nicht verbrannte; möge er
auch denen, welche ihn lieben, geben, daß sie im Fette der Liebe der Welt
nicht verbrennen, auch bei deren Widerwärtigkeit nicht schwach werden, oder
erliegen. Es mögen auch alle, welche in dieses Haus eingehen, Frucht bringen
wie das Korn, das aus sich hundertfältige Frucht hervorbringt, und wie der
Ölkrug der Witwe, damit sie fortschreiten von einer Tugend zur anderen, bis
sie den Herrn in seiner Seligkeit anschauen. Dies Haus soll auch bewehrt sein
mit einer Mauer geistlicher Hut, welche so stark und so groß ist, daß der
Feind, welcher dieselbe durchgraben wollte, sagen müßte, er habe nicht Zeit
genug, sie zu unterwühlen, noch Werkzeuge, mit denen er an die Grundmauer
gelangen könne, noch viel weniger aber an die Mauer selbst. Gott wolle auch
auf dieses Hans sehen, wie er auf sein Volk gesehen, als er dasselbe aus
Agypten [sic!] hinausführte und ihm den Weg am Tage mittels einer Wolken- und
Nachts mittels einer Feuersäule zeigte. Überdies wolle er die in dies Haus
Eintretenden segnen, wie er seine Apostel und mich, seine Mutter, segnete, als
er uns den heiligen Geist gab und versprach, bei uns zu bleiben bis ans Ende
der Welt. (Apostelgesch. II. Matth. XXVIII.) Es soll in diesem Hause auch eine
Pforte sein, durch welche allen erlaubt ist, einzutreten; die Eintretenden
müssen zu den Schafen meines Sohnes gehören, welche die Stimme desjenigen
hören,
welcher seine Seele für sie hingegeben. Der Vater möge sie bewahren mit
seiner Macht, der Sohn lenken mit seiner Weisheit, der heilige Geist
entflammen mit seiner Liebe, damit, wenn ein Wolf in Schafskleidern
hereingekommen, dieses den Schafen zu größerem Verdienste gereichen, er
selbst aber hinunterfahren müsse an den ihm bereiteten Ort." Weiter
sprach die Mutter Gottes: "Du sollst auch wissen, wie dem Propheten
Gottes befohlen worden, dem undankbaren Volke die Schilderungen von der
Verwüstung des Tempels vorzutragen, welche er im geistlichen Gesichte
geschaut (Ezechiel LXIII.); nicht daß das Leibliche als wie vom Himmel
gewesen wäre, sondern weil unter dem Leiblichen das Geistliche zu verstehen
ist, damit das ungehorsame Volk seine Undankbarkeit erkennen, von seinem
Bösen ablassen und sich vorbereiten möchte, die Verheißung Gottes zu
empfangen. Dasselbe ist deshalb der Verheißungen Gottes beraubt worden, weil
es in seiner Bosheit verharrte und seinen Willen nicht hat zum Guten wandeln
wollen; auch der Tempel ist nicht wieder aufgebaut worden und wird es auch in
Ewigkeit nicht werden. In meinem Hause aber werden nicht allein die
materiellen Wände aufgeführt werden, sondern es werden auch die Seelen der
Gerechten darin meinem Sohne gefallen. Es hat sich an ihm geistlicherweise die
Beschreibung des Tempels erfüllt, welchen der Prophet Gottes im Geiste
erblickte."
Christus unterscheidet hier dreierlei Früchte, d. h. dreierlei Stände von Personen, welche sich unter der Regel vom heiligen Welterlöser befinden werden.
Der Sohn Gottes sprach: "Dreierlei Frucht wird unter
meiner Regel sein. Die erste wird hervorgehen aus der Furcht, welche nach Art
einer Braut will und nicht will, die, nachdem sie den Willen und die Lust des
Bräutigams gekostet, wünscht, daß des Bräutigams Wille sich nach dem
ihrigen richte. Diese Frucht wird die Lust des Bräutigams nicht vollkommlich
kosten, weil sie sich nicht ganz bemüht, die volle Süße des Bräutigams zu
erfassen. Die zweite Frucht ist, welche nach Gott verlangt und an seiner
Freude teilzunehmen begehrt, aber in Trauer verfällt, wenn sie
seine Widerwärtigkeiten ertragen soll. Diese ist einem Kriegsmanne ähnlich,
welcher, der Gerechtigkeit und der Erlangung der Krone uneingedenk, in der
Zeit des Glückes eine große Belohnung sucht, seinem Herrn aber zur Zeit der
Widerwärtigkeit nicht hat folgen mögen. Die dritte Frucht ist, welche sich
und alles das Ihrige nicht allein in die Hände Gottes überläßt, sondern
alles von sich entfernt, was sie versteht, wie ein seinem Besitzer
willfähriges Tier, und allem die Süßigkeit ihres Herrn sucht, in
Widerwärti6keitrn voll Freude, im Glücke demütig und furchtsam ist. Diese
Frucht verdient, daß Gott in seiner Barmherzigkeit sich aufmacht und daß die
verheißene Freude erlangt oder erstiegen werde, in welcher die Heiden sich
erfreuen, die Lauen erwärmt und die Kalten entzündet werden."
Christus gebietet der heiligen Brigitta, mach Rom zu gehen, und verheißt den Fortgang der Regel vom heiligen Welterlöser.
Christus, der Sohn Gottes, sprach: "Nun ist die Regel geschrieben, nun sind ihre Blumen hinzugesetzt und die Farben geordnet. Ziehe nun hin an den Ort, wo Du den Papst und den Kaiser sehen sollst. Denn diese Regel wird vorwärtsschreiten, wie ein Licht und eine Leuchte, sich auch in enge Schranken ziehen, auf daß sie zunehme, bis die dritte Frucht zum Vorscheine kommt, welche die Ähre zermalmen und das reine Korn in ihre Scheuer bergen wird."
Christus befiehlt der heiligen Brigitta, wegen Bestätigung der Regel vom heiligen Welterlöser an den Kaiser zu schreiben.
Christus redete zur Braut und sprach: "Schreibe von
meiner Seite an den Kaiser folgende Worte: Ich bin das Licht u. s. w."
Siehe den Verfolg im LI. Kapitel des siebenten Buches. ![]()
Christus zeigt durch die heilige Brigitta einem Könige, welcher ungehorsam gegen ihn ist, den Weg, auf dem er versöhnt werden kann.
Der Sohn sprach: "Weil der, welchen ich meinen Sohn genannt, ungehorsam und einem ungezogenen Jungen ähnlicher geworden, als einem gehorsamen Sohne; weil er ferner den ersten Weg, nämlich den Zug gegen die Heiden, nicht gemacht hat, darum zeige ich ihm einen zweiten Weg; wenn er diesen inne hält, wird er glücklich sein. Dieser Weg besteht darin, daß er zum Papste ziehe, denn die schwersten Verschuldungen müssen beim höchsten Herrn, durch die Ratschlüsse des höchsten Herrn, geheilt werden. Zieht er aber hin, so soll er sich nicht schämen, ihm darzulegen, wie er ein Räuber der Gemeinde, ein Verräter der Seelen, ein Verächter der Kirche, ein Verletzer des Eides und des öffentlichen Gesetzes, ein verschwenderischer Vergeuder und Entfremder der königlichen Krone und der Schätze derselben ist. Überdies soll er sich die Verzeihung seiner Sünden und die Bestätigung meiner Regel erwirken, welche ich in seinem Reiche geoffenbart habe, auf daß die Bienen, welche an den bereits zubereiteten und zu hoffenden Stätten versammelt werden sollen, durch ihre Segnungen befestigt werden. Er zögere daher nicht, hinzuziehen, damit nicht etwa, wenn er verzieht, Heuschrecken und dergleichen Ungeziefer die den Bienen zubereiteten Stätten einnehmen und durch ihr Geschmeiß verunehren und verwüsten, so daß die Mühe, den Ort zu reinigen und zu erneuern, größer ist, als diejenige gewesen, denselben neu zu bauen."
Eine Offenbarung vom Ablasse zu St. Peter in den Ketten und der Bestätigung der Regel vom Welterlöser.
Der Sohn Gottes sprach zur Braut: "Wer ein von Faden
gewickeltes Knäuel hat u. s. w." Siehe das weitere im CXXXVII. Kapitel
des vierten Buches. ![]()
Christus befiehlt durch die heilige Brigitta dem Prior Petrus zu Alvastra, die Regel vom Orden des heiligen Welterlösers niederzuschreiben.
Der Sohn Gottes sprach: "Sage jenem, er solle die Regel aufschreiben, welche von meinem Geiste eingegeben worden. Aber hüte Dich sorgfältig, daß Du nicht aus eigenem Geiste davon hinwegthuest, oder etwas hinzusetzest, sondern schreibe nur das, was von mir gesagt worden. Sollte aber der Schreiber etwas aus den Regeln der Väter hinzufügen, wo er es dem Gegenstande angemessen sieht, auch merkt, daß dabei der bekannte Hauch meines Geistes in ihm zugegen ist, da ist mir's nicht unangenehm; denn Benediktus, Franziskus und andere Väter haben nach Art der Bienen aus den Vätern in ihren Regeln vieles aufgestellt, und solches ist mir lieb gewesen, weil sie meinen Geist gehabt haben, und ihr Wille ist meinem Willen entsprechend gewesen. Darum ist mir alles lieb gewesen, was sie angeordnet haben."
Christus befiehlt der heiligen Brigitta, dem Herrn Petrus, Prior von Alvastra, zu sagen, was für eine Regel man im Kloster des heiligen Welterlösers haben soll, und fügt den Grund hinzu, weshalb er hierüber mit ihr, aber nicht mit anderen rede.
"Ich will Dir zeigen, was für eine Regel man im
Kloster meiner Mutter haben soll. Auch die Einsiedler und heiligen Väter
hatten Eingebungen von meinem Geiste. Darum melde alles, was Du von meinem
Geiste hören wirst, dem Schreibenden, und hüte Dich auf alle Weise, daß Du
auch nicht ein Wort von Deinem Geiste meinen Worten hinzufügst. Du
wirst Dich aber wundern können, weshalb ich, der Schöpfer aller Dinge, nicht
zu einem Gelehrten, oder in einer solchen Sprache rede, welche von jedermann
verstanden oder erkannt zu werden vermag. Ich antworte: Ich habe viele
Propheten gehabt, welche meines Geistes Worte nur
durch einen Dolmetscher und Vermittler haben aussprechen können, und
gleichwohl zum Lichte und zur Erkenntnis gekommen sind. Denn, wenn einem die
Gabe Gottes anvertraut wird, wird Gott noch weit mehr verherrlicht; so ist es
auch mit Dir, denn ich habe wohl Freunde, durch welche ich meinen Willen rede;
allein Dir, als einem neuen Werkzeuge, will ich Neues und Altes zeigen, damit
die Hoffärtigen gedemütigt und die Demütigen geehrt werden."
Wie die heilige Brigitta göttliche Offenbarungen zu haben angefangen, und warum.
Als einige Jahre seit dem Tode ihres Eheherrn verflossen
waren und die selige Brigitta um ihren Stand in Sorgen war, ergoß sich der
Geist des Herrn um sie und entzündete sie. Im Geiste verzückt, erblickte sie
eine leuchtende Wolke und aus der Wolke vernahm sie eine Stimme, welche zu ihr
sprach: "Ich bin Dein Gott und will mit Dir reden." Als jene aus
Furcht, es möchte eine Verblendung des Feindes sein, erschrocken war, vernahm
sie ferner: "Fürchte nicht, denn ich bin der Schöpfer aller Dinge, aber
kein Betrüger. Wisse, daß ich nicht Deinetwegen allein rede, sondern auch
zum Heile aller Christen. Vernimm also, was ich Dir sage. Du wirst meine Braut
und mein Kanal sein, Du wirst Geistliches und geheimes Himmlisches hören und
sehen und mein Geist wird bei Dir bleiben bis zu Deinem Tode. Glaube deshalb
festiglich, daß ich es selber bin, der von einer reinen Jungfrau geboren
worden, der zum Heile aller Seelen gelitten hat und gestorben ist; ich bin's
auch, der von den Toten auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist und der
jetzt mittels meines Geistes mit Dir redet." ![]()
Ein Gesicht, wie Christus den Herrn Petrus, damaligen Subprior von Alvastra, zum Schreiber gegenwärtiger Offenbarungen bestellt, und als er dieses ablehnte, gestraft hat, bis er einwilligte; es wird die Ursache vorangeschickt, weshalb diese Dinge geoffenbart sind.
Als die selige Brigitta betete, erschien ihr Christus und
sprach: "Sage meinesteils dem Bruder Subprior, daß ich einem Herrn
ähnlich bin, dessen Söhne, an eine harte Säule gefesselt, gefangen gehalten
wurden. Er schickte seine Gesandten aus, damit sie seine Söhne befreiten,
auch andere warnten, daß sie nicht in die Hände ihrer Feinde fielen, welche
sie für ihre Freunde hielten. So habe ich, Gott, viele Kinder, nämlich
Christen, welche in den schwersten Fesseln des Teufels festgehalten werden.
Deshalb sende ich ihnen aus Liebe die Worte meines Mundes, welche ich durch
eine Frau rede. Vernimm also Du, Bruder Petrus, dieselben und schreibe in
lateinischer Sprache die Worte, welche sie Dir meinerseits sagt, und ich werde
Dir für jeden Buchstaben nicht Gold oder Silber, sondern einen Schatz geben,
der nicht altern wird." Diese Offenbarung gab die Frau Brigitta alsbald
in Christi Auftrage dem gedachten Prior zu wissen, welcher damals Subprior
war. Dieser wollte sich die Sache näher bedenken und war, während er sich
abends in der Kirche befand, mit seinen Gedanken bei sich im Streite. Nachdem
er endlich aus Demut sich entschlossen hatte, die gedachten göttlichen
Offenbarungen nicht anzunehmen und zu schreiben, da er sich derselben für
unwürdig hielt, auch zweifelhaft war, ob nicht ein Teufelsblendwerk vorhanden
sei, traf ihn aus göttlicher Hand ein solcher Backenstreich, daß er alsbald
wie tot hinfiel und des Gebrauches der Sinne und leiblichen Kräfte beraubt
ward; jedoch blieb der Verstand in seinem Inneren gesund. Da ihn nun seine
Mönche also auf der Erde liegend fanden, trugen sie ihn in seine Zelle und
legten ihn auf das Bett. So lag er eine lange Zeit während der Nacht wie
halbtot da. Endlich kam ihm mittels göttlicher Eingebung folgender Gedanke in
den Sinn: Vielleicht, so sprach er, leide ich das, weil ich der Offenbarung
und den mir durch Frau Brigitta von seiten Christi eröffneten Befehlen nicht
habe gehorchen wollen. Und er sprach in seinem Herzen also: O Herr Gott! ist
es darum, so schone meiner; denn siehe! ich bin bereit, will gehorchen und
alle Worte schreiben, welche sie mir von seiten Deiner sagen wird. In dem
Augenblicke, als diese Einwilligung in seinem Herzen erfolgt war, wurde er
unverzüglich gesund. Er begab sich eilends zur Frau Brigitta und erbot sich,
alle Offenbarungen niederzuschreiben, welche sie ihm von seiten Christi sagen
würde. Ferner sagte der Prior, wie er nachmals von der Frau Brigitta gehört,
Christus habe in einer anderen Offenbarung folgende Worte zu ihr gesprochen:
Ich schlug ihn, weil er nicht gehorchen wollte, und danach habe ich ihn gesund
gemacht, weil ich der Arzt bin, der den Tobias und den König in Israel gesund
gemacht hat. Sage ihm also: Greife zu und lies, und lies abermals das Werk der
Schriften meiner Worte und schreibe, denn ich werde Dir einen Lehrer meines
Gesetzes zum Gehilfen geben,Wisse auch auf das zuverlässigste, daß ich ein
solches Werk durch meine Worte, welche Du aus dem Munde dieser Frau
niederschreibst, ausführen will, daß die Mächtigen gedemütigt werden und
die Weisen verstummen sollen. Glaube ferner nicht, daß die Worte, welche
dieses Weib mit Dir redet, vom bösen Geiste kommen, weil ich, was ich Dir
sage, mit Werken beweisen werde. Und alsbald begann der Prior, dieses zu
schreiben und alle Gesichte und göttlichen Offenbarungen, welche der Frau
Brigitta zu teil wurden, nach deren Vorschrift niederzuschreiben.
Gleichwohl hat auch Herr Petrus einiges davon
aufgeschrieben, ihr Reisegefährte, Beichtvater und während dreißig Jahren
bis zu ihrem Tode ihr Schreiber in den gedachten Offenbarungen. Christus
selbst befahl nachher noch vor ihrem Tode, daß dieselben dem Herrn Alfonso,
einem spanischen Einsiedler, der vormals Bischof von Jaen gewesen, übergeben
werden sollten. Auf diese Art sind die Bücher der himmlischen Offenbarungen
niedergeschrieben worden. ![]()
Christus vergleicht sich, indem er diese Offenbarungen giebt, einem Bildhauer, und sendet dieselben nachher an den Herrn Bischof Alfonso, welcher damals Einsiedler war, um dieselben zu erläutern; er sagt auch, wie der heilige Geist seine Auserwählten zuweilen sich selber überläßt.
Der Sohn Gottes redete zur Braut und sprach: "Ich bin
gleich einem Bildhauer, der aus einem Stücke Holz, das er im Walde geschlagen
hat, ein schönes Bild verfertigt, und solches mit Farben und Malereien ziert.
Wenn nun seine Freunde das Bild sehen, und wie es mit noch schöneren Farben
geziert werden könne, so setzen sie auch noch ihre Farben darauf und malen
dieselben darüber. So habe ich, Gott, aus dem Walde meiner Gottheit meine
Worte gebildet und dieselben in Dein Herz getragen; meine Freunde aber haben
dieselben nach Maßgabe der ihnen verliehenen Gnade in Bücher geordnet und
ihnen Farben und Schmuck gegeben. Damit sie nun in mehrere Sprachen
übertragen werden, übergieb alle Bücher dieser Offenbarungen meiner Worte
meinem Bischofe, dem Eremiten, welcher sie zusammenstellen, erläutern und den
katholischen Sinn meines Geistes darin festhalten soll, denn mein Geist
überläßt zuweilen meine Auserwählten sich selber, damit sie meine Worte in
ihrem Herzen wie auf einer Wage abwägen und erörtern, auch nach langem
Sinnen dieselben deutlicher auslegen und das Beste auslesen. Denn wie Dein
Herz nicht allezeit fähig und eifrig im Hervorbringen und Schreiben dessen
ist, was Du empfindest, sondern wie Du in Deinem Geiste dasselbe hin- und
wiederkehrest und erwägst, dann schreibst und wieder schreibst, bis Du zum
eigentlichen Sinne meiner Worte gekommen bist, so stieg mein Geist bei den
Evangelisten und Lehrern auf und ab; denn bald setzten sie etwas hin, das
wieder zurückgenommen werden mußte, bald wurden sie von anderen einer
Prüfung unterzogen und getadelt und noch kamen nachher andere, welche
geistvolle Erörterungen anstellten und ihre Worte in ein helleres Licht
stellten. Gleichwohl haben alle meine Evangelisten die Worte, welche sie
redeten und schrieben, vom heiligen Geiste gehabt. Sage darum jenem Eremiten
weiter, er solle das Amt eines Evangelisten verrichten und ausfüllen." ![]()
Die Jungfrau Maria preist hier Christum auf fünffache Weise. Christus rühmt sie seinerseits, und meldet weiter von der Erschaffung und dem Falle der Engel, und der Erneuerung der Menschen und seiner Menschwerdung, wobei er sich mit einem Vogel vergleicht, der nichts genießt, als ein frisches, Herz.
Maria redete und sprach: "Gebenedeit seist Du, mein
teuerster Sohn, ohne Anfang und ohne Ende. In Dir sind drei Herrlichkeiten:
Macht, Weisheit und Kraft. Deine Macht hast Du bei Schöpfung der Welt
gezeigt, welche Du aus nichts erschaffen; Deine Weisheit bei der Anordnung der
Welt, als Du alles im Himmel, auf Erden und im Meere weislich und vernünftig
geordnet; Deine Kraft aber hast Du hauptsächlich gezeigt, als Du von
demjenigen gesandt worden, welcher Dich in meinen Schoß sendete. Noch zwei
Herrlichkeiten hast Du neben diesen dreien: Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.
Alle Weisheit hast Du ähnlicherweise sehen lassen, als Du alles
barmherziglich geordnet, als Du mit dem Starken gestritten und weise gesiegt
hast. Auch Deine Kraft hast Du in aller Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sehen
lassen, als Du von mir hast geboren werden und den erlösen wollen, welcher
durch sich wohl fallen, ohne Dich aber nicht zurückkehren konnte." Der
Sohn antwortete: "Gebenedeit seist Du, Mutter des Königs der
Herrlichkeit und Gebieterin der Engel! Deine Worte sind süß und sehr wahr.
Du hast wohl gesprochen, denn alles thue ich in Barmherzigkeit und
Gerechtigkeit. Das hat sich im Anfange der Erschaffung der Welt an den Engeln
gezeigt, welche in demselben Augenblicke, wo sie erschaffen worden, in ihrem
Gewissen sahen, welcher Art ich bin, obwohl sie es noch nicht gekostet hatten.
Die einen unter ihnen machten dann von der Freiheit ihres Willens einen guten
Gebrauch und faßten in ihrem Gewissen den festen Vorsatz, aus Liebe fest zu
beharren in meinem Willen; andere ober überhoben sich, und wendeten ihren
Willen wider mich und die Vernunft. Darum war es recht, daß die Hoffärtigen
fielen, die Gerechten aber meine Süßigkeit kosteten und desto mehr befestigt
wurden, um sodann meine Barmherzigkeit zu zeigen, und damit die Stätte derer,
welche fielen, nicht leer bleiben möchte, habe ich aus Liebe den Menschen auf
Erden gemacht. Aber auch dieser fiel durch die eigene Freiheit und verlor das
erste Gut. Er ward aus der Süßigkeit vertrieben, aber doch wegen meiner
Barmherzigkeit nicht gänzlich verlassen. Die Gerechtigkeit bestand darin,
daß, wie er mittels seines freien Willens von der ersten Ordnung gewichen
war, er durch seinen freien Willen zurückkehren mußte, und zwar mittels
desjenigen, der keine Sünde, sondern die höchste Reinheit hatte. Allein es
ward keiner gefunden, welcher genügte, seine Gerechtigkeit zur eigenen
Zahlung hinzugeben, geschweige denn zur Erlösung anderer. Auch war niemand
geboren, welcher von der durch den ersten Ungehorsam bewirkten Sünde frei
gewesen wäre. Gleichwohl hat Gott aus Barmherzigkeit in den Samen des
Menschen eine von der Gottheit erschaffene Seele gesendet, damit sie warten
und bleiben solle, bis der Beste und Reinste käme, welcher mit seiner
Freiheit hinreichende Macht hätte, den Gefallenen aufzurichten, damit der
Teufel nicht in Ewigkeit sich über seinen Fall freue. Deshalb gefiel es, als
die ewig vorausgesehene angenehme Zeit erschien, Gott, dem Vater, mich, seinen
Sohn, samt sich selber und dem heiligen Geiste, in Deinen gesegneten Schoß zu
senden, und aus doppeltem Grunde von Dir sein Fleisch und Blut anzunehmen: erstens,
damit der Mensch keinem anderen dienen möge, als Gott, seinem Schöpfer und
Erlöser, und sodann, damit ich meine Liebe zeigen könne, welche ich
zu dem Menschen trug, und meine Gerechtigkeit; denn da ich, der ich nicht
gesündigt, aus Liebe gestorben bin, war es recht, daß derjenige, welcher mit
Recht gefangen gehalten ward, erlöst wurde. Deshalb, meine teuerste Mutter,
hast Du wohl gesprochen, daß ich alles in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
gethan habe. Gebenedeit seist Du, weil Du so süß gewesen, daß es der
Gottheit gefallen, zu Dir zu kommen und sich nimmer von Dir zu trennen. Du
bist so rein gewesen, wie das reinste Haus, duftend vom Wohlgeruche der
Tugenden und mit jeglicher Schönheit geschmückt. Du bist so im Feuer
gewesen, wie ein brennender und heller Stern, der doch nicht verzehrt wird. So
hast Du in Liebe, die niemals verzehrt wird, zu mir vor allen gebrannt. Du
heißest mit Recht die Liebe und Barmherzigkeit,
weil viele allen durch Dich blühte und alle durch Dich Barmherzigkeit finden,
weil Du in Dir den Quell der Barmherzigkeit eingeschlossen gehabt hast, aus
dessen Überflusse Du auch Deinem ärgsten Feinde, d. h. dem Teufel,
Barmherzigkeit erweisen würdest, wenn er demütig darum bitten würde,
Deshalb wird Dir gegeben werden, was Du willst und warum Du bittest." Die
Mutter antwortete: "Mein Sohn! meine Bitte ist Dir von Ewigkeit her
bekannt. Deshalb und damit jene Deine Braut das Geistliche erkennen möge,
bitte ich Dich, daß Deine Worte, welche Du zu zeigen Dich herabgelassen, in
den Herzen Deiner Freunde wurzeln und vollkommen erfüllt werden mögen."
Der Sohn antwortete: "Gebenedeit seist Du vom ganzen himmlischen Heere.
Du bist wie die Morgenröte, welche in der Klarheit der ganzen Kraft aufgeht.
Du bist wie ein der Sonne vorauswandelndes Gestirn, weil Du mit Deiner Liebe
meiner Gerechtigkeit vorausgehest. Du bist eine weise Mittlerin, weil Du
Frieden machst zwischen denen, die uneinig sind, nämlich dem Menschen und
Gott. Deshalb wird Deine Bitte erhört und werden Deine Worte, wie Du willst,
erfüllt werden. Weil Du aber alles in mir siehst und weißt, deshalb zeige
Deiner Tochter, meiner Braut, wie diese Worte ausgehen sollen in die Welt, und
wie sie mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit verkündigt werden sollen. Ich
bin wie jener Vogel, welcher zur Speise nichts begehrt, als das frische Herz
der Vögel, der nichts trinken mag, als das reine Blut aus dem Herzen der
Vögel, auch so scharfen Gesichtes ist, daß er während des Fluges der Vögel
erkennt, ob das Herz frisch oder verdorben ist, weshalb er dann auch nur
Vögel fängt, welche ein frisches Herz haben. Ich bin ein solcher Vogel. Ich
begehre nichts, als das frische Herz, d. h. die mit guten Werken und
göttlichen Neigungen erfrischte Seele des Menschen, das Blut derjenigen, von
deren Liebe ich zu trinken begehre. Meine Erquickung ist eine brünstige Liebe
zu Gott und eine von Sünden gereinigte Seele. Weil ich denn liebreich und
gerecht bin und keinen begehre, als wer in Liebe brennt, deshalb müssen meine
Worte in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in die Welt treten; in
Gerechtigkeit, damit der Mensch mir nicht aus Furcht vor meinen Worten diene,
auch nicht gleichsam durch eine gewisse fleischliche Süßigkeit zum Dienen
gezogen werde, sondern aus göttlicher Liebe, welche
aus innerlichster Betrachtung meiner Werke und der Erinnerung an die Sünden
hervorgeht. Wer diese beiden Dinge häufig bedenkt, findet die Liebe und wird
auch mich alles Guten würdig finden, denn meine Worte müssen auch mit
Barmherzigkeit eingehen, auf daß der Mensch betrachte, wie bereit ich bin,
Barmherzigkeit zu gewähren; damit er seinen Gott erkenne, den er verachtet
hatte und der die Sünder bessert."
Christus zeigt hier einem Erzbischofe, weshalb er diese Worte hat offenbaren wollen. Er beklagt sich über alle Stände der Menschen, legt den Verlauf seines Leidens dar und sagt, daß dieses vernachlässigt, er selber aber verachtet werde. Er befiehlt auch diesem Erzbischofe, für diese Offenbarungen zu arbeiten, dem Könige von Schweden aber, wider die Heiden zu ziehen, und dem Bischofe von Abo, die Angelegenheit vor den Papst zu bringen. Er fügt hinzu, daß es dreierlei Arten von Teufeln giebt, durch welche die Menschen besessen werden.
"Ich bin's, der von dem, welcher mich gesandt hat, in
den jungfräulichen Schoß gesandt worden bin und Fleisch angenommen habe und
geboren worden bin Aber wozu? Fürwahr, damit ich mit Worten und Werken den
Glauben zeigte. Darum bin ich gestorben, daß ich den Himmel öffnete. Darum
bin ich begraben worden und wieder auferstanden, und werde kommen, um zu
richten. Weil denn nun die Bischöfe zusammengekommen sind, so sage dem
Erzbischofe: Du verwunderst Dich, weshalb ich meine Worte rede. Hebe Deine
Augen auf und schaue. Merke mit Deinen Ohren auf und höre. Öffne Deinen Mund
und frage, wie ich von allen vernachlässigt worden bin; schlage Deine Augen
auf und siehe, wie ich von allen verstoßen bin; siehe, wie mich niemand in
seiner Liebe zu haben begehrt. Richte Deine Ohren auf und höre, wie vom
Aufgange bis zum Niedergange der Sonne des Menschen Herz begehrlich und hart
ist in Vergießung des Blutes seines Nebenmenschen um seiner Begehrlichkeit
willen. Höre, wie sie alle ihre Glieder aus Hoffart schmücken. Vernimm, wie
die Lust der Menschen unvernünftig ist, gleich derjenigen der Tiere. Öffne
Deinen Mund
und frage, wo die Verteidiger des Glaubens sind, wo diejenigen sich finden,
welche die Feinde Gottes bestreiten, wo die sind, welche ihr Leben einsetzen
für ihren Herrn. Forsche fleißig danach, und Du wirst sehr wenige als meine
Freunde finden. Bedenke das und Du wirst erfahren, wie ich nicht ohne Ursache
rede. Forsche weiter und vernimm, wie der römische Hof beschaffen ist, der
mein Sitz sein sollte; denn gleichwie an einem Stuhle vier Stützen sind,
welche denselben halten, und ein Mittelstück, auf welchem der Sitzende ruht,
so sollten auch an meinem Stuhle, den ich den Päpsten hinterlassen habe, vier
Stützen sein: die Demut, der Gehorsam, die Gerechtigkeit und die
Barmherzigkeit, und ein Mittelstück, nämlich die göttliche Weisheit mit der
göttlichen Liebe. Dieser Stuhl aber ist umgewandelt und ein neuer angenommen
worden, an welchem statt der Demut die Hoffart, der eigene Wille statt des
Gehorsams, die Geldliebe statt der Gerechtigkeit, Zorn und Neid statt der
Barmherzigkeit sind, das Mittelstück aber weise und Meister nach der Welt
sein heißt. Siehe, also umgeworfen und gewandelt worden ist mein Sitz. Schaue
aber noch weiter und durchforsche des Hauptes übrige Glieder und die ganze
Geistlichkeit und Du wirst finden, daß ich, Gott und Schöpfer aller Dinge,
ihnen zur Last bin wie ein Stein; ich schmecke ihnen wie Gift; ihrer
Gefräßigkeit bin ich wie ein kleiner Bissen. Siehe, wie verworfen ich bin!
Siehe, welch ein Lohn mir für meine Liebe wird! Ich habe sie erschaffen und
mit so großer Billigkeit und Gerechtigkeit erlöst, als wenn, um mittels
eines Bildes zu reden, eine Wage vor mich hingestellt wäre, auf welche ich,
damit richtig darauf gewogen werden möchte, nichts anderes als mein eigenes
Herz gelegt hätte. Ich bin geboren und beschnitten worden. Ich habe
verschiedene Trübsale und Beschwerden ertragen. Ich habe die garstigsten
Worte und Schandreden gehört, bin gefangen genommen und gegeißelt, bin mit
Stricken gebunden und wie in einer Presse gequetscht worden; meine Nerven sind
auseinandergezerrt, meine Adern zerrissen, alle Gewebe auseinandergegangen.
Darauf wurden mein Scheitel und mein ganzes Haupt mit Dornenstichen zerrissen.
Das herniederrinnende und geronnene Blut entstellte mir das ganze Antlitz und
meinen Bart. Mund und Zunge wurden gleicherweise mit Blut besudelt; das
Zahnfleisch schwoll auf von den Schlägen. Als ich
darauf am Kreuze ausgespannt hing, hatte mein Nacken keine andere Lehne, als
meine Schultern. Meine Arme wurden an die Löcher des Stammes mit Stricken
gezerrt, die Füße abwärtsgezogen; mit zwei Nägeln durchbohrt, hatten
dieselben keine andere Stütze, als die Nägel. Mein ganzes Innere war
ausgedorrt und zusammengezogen. Mein Herz war voll von Schmerz; weil dasselbe
von sehr kräftiger und trefflichster Beschaffenheit war, zog sich der Schmerz
zuweilen von den Nerven nach dem Herzen und wiederum vom Herzen nach den
Nerven, und so ward der Schmerz erhöht und der Tod verlängert. Als ich nun
so in Schmerzen dahing, öffnete ich meine Augen und sah meine Mutter weinend
dastehen; ihr Herz war voll Bitternis, alle ihre Glieder waren erstarrt und
erbleicht; ihr Weh und ihre Bitternis peinigten mich mehr, als meine eigenen.
Ich sah auch, wie meine Freunde in größter Angst waren. Einige von ihnen
zweifelten gleichsam, andere bewahrten zwar die Treue, waren aber über die
Maßen beunruhigt. Als ich mich aber in solchem Schmerze befand und in so
großem Weh verharrte, brach mir endlich das Herz vor der Heftigkeit des
Leidens, und die Seele nahm ihren Ausgang. Nachdem sie ausgefahren, richtete
sich das Haupt ein wenig empor und alle Glieder zitterten. Die Augen öffneten
sich halb, das ganze Gewicht des Leibes sank auf die Füße, und ich hing da
wie ein mißgestaltetes Tuch. Siehe! solches habe ich, Dein Schöpfer,
gelitten, und solches nimmt sich niemand zu Herzen. Darüber beklage ich mich
vor Dir, damit Du betrachten mögest, was ich gethan habe und wie mir
vergolten wird. Weiter bitte ich, Du wollest mit mir arbeiten. Ein jeglicher,
der ein Werk ausführen will, muß drei Dinge haben. Erstens einen Stoff, aus
welchem das Werk gemacht werden soll; zweitens Werkzeuge, mit denen es
gefertigt wird; drittens sorgfältigen Vorbedacht, damit es mit Weisheit
gemacht werde. Der Stoff bin ich, die Weisheit selber, von welcher und durch
welche jegliche Weisheit ist, weil ich meine Worte in die Welt gesendet habe.
Die Werkzeuge sind meine Freunde. Nimm deshalb meine Worte an und schaue, ob
sie frisches Leben haben oder Modergeruch aushauchen, ob sie nach dem rechten
gesunden Glauben schmecken und goldwürdig sind. Betrachte, ob sie von der
Liebe der Welt zur Liebe Gottes, vom Wege zur Hölle nach des Himmels Höhe
hinaufführen. Und wenn
Du es so findest, so wirke mit meinen Freunden, als guten Werkzeugen, meine
Ehre. Wirke, sage ich, weislich als ein weiser Mann, arbeite mannhaft wie ein
tapferer Mann, arbeite eifrig wie ein Freund des Herrn. Sodann gebiete ich Dir
als der Herr, daß Du vollendest, was Du begonnen. Du bist meinen Weg
gewandelt, hast Deinen Pflug in ein kleines Stück Landes eingesetzt und zu
pflügen angefangen. Jetzt befehle ich Dir, wende öfter um und vernichte die
Wurzeln und Dornen, und erbaue dort Kirchen aus den Gütern Deiner Kirche.
Diesen Teil des Landes überantworte ich in Deine Hände, diesen fordere ich
von Dir. Deshalb arbeite eifrig und emsig. Dem Könige gebiete ich, daß er,
sobald er kann, gegen die Feinde ziehe; wenn er meint, dasjenige, was er für
mich thut, sei Großes, so habe ich doch noch Größeres für ihn gethan, weil
ich meines Lebens um seinetwillen nicht geschont habe. Ihm will ich drei zu
Gesellen geben; zwei, welche Einsicht haben in geistlichen Dingen, den
dritten, welcher das Gesetz der Kirche kennt. Dem Bischofe soll er sein
Königreich empfehlen; dieser wird sich einen Weltlichen zugesellen, welcher
für die Gerechtigkeit kein Geld annimmt, im Gerichte sich vor keinem Menschen
fürchtet, der nicht Gold für Erz ausgiebt, und für den Himmel keinen Kot
annimmt. Dem Bischofe von Abo gebiete ich, daß er die Angelegenheit vor den
Papst bringe. Diesem gebiete ich, nichts zu mindern; gestatte aber,
hinzuzuthun, was zu meiner Ehre und zum Heile der Seelen gereicht.
Man wundert sich, weshalb der Geist nicht ausfährt vom
Besessenen. Hieran können sie meine überaus große Gerechtigkeit ermessen.
Ich thue dem Teufel kein größeres Unrecht, als dem Engel im Himmel, denn die
Gerechtigkeit ist, daß, wie etwas kommt, also es auch wieder geht. Dieser
Geist ist von weitem herbeigekommen, so wird er auch in die Weite wieder
hinweggehen. Es giebt dreierlei Gattungen von bösen Geistern. Eine Art ist
wie die Luft, welche leicht hineinschlüpft und das Gewissen des Menschen
verschattet, so daß er Schamloses redet und handelt. Dieser Geist kommt und
fährt mit Leichtigkeit aus. Ein solcher war in jenem Knaben, wie Dir früher
gezeigt worden. Die zweite Art ist wie ein Feuer, das den ganzen Leib und das
Fleisch mit Ungeduld quält, und dem Menschen das Leben so bitter macht, daß
er lieber sterben, als leben möchte; und vor Ungeduld wird er zu allem
hingerissen, was dieser unreine Geist ihm eingiebt. Wie derselbe leicht kommt,
so fährt er auch leicht aus; es bleibt jedoch eine Leibesschwäche zurück.
So war es bei dem bewußten Weibe. Die dritte Gattung ist wie ein Rauch. Wie
der Rauch, wo er eingeht, alles verunreinigt und sich mit allem mischt, so hat
sich diese Gattung mit der Seele und dem Leibe dieses Mannes gänzlich
vermischt. Wie aber der Rauch, wenn er irgend eine Öffnung findet,
allmählich entweicht und weit abzieht, also wird dieser Geist, der schon
angefangen hat, auf das Wort hin auszufahren, allmählich ganz entweichen, bis
jener gereinigt worden. Wenn aber so viele Thränen vergossen worden und so
viele Enthaltsamkeit geübt ist, wie hierzu erforderlich und recht ist, dann
wird er vollständig ausfahren und der Besessene sich für gereinigt erkennen;
denn wie jener Geist allmählich und von weitem herbeigekommen, so wird er auf
ähnliche Weise und wenn die Gerechtigkeit es erfordert, abziehen."
Die heilige Brigitta schuldigt sich hier vor der seligen Jungfrau wegen Nichtbezähmung und Unbeständigkeit des Willens an. Trostreiche Antwort der Jungfrau.
"Gebenedeit seist Du, Königin des Himmels, Du, die Du
keinen Sünder verachtest, der Dich aus vollem Herzen anruft. Höre mich,
obwohl ich unwürdig bin, meinen Mund aufzuthun, um Dich zu bitten. Denn ich
weiß, daß, wenn ich mich nicht auf Deine Hilfe lehne, ich mich selber nicht
regieren kann, weil mein Leib wie ein ungebändigtes Tier ist, das, wenn ihm
kein Gebiß in den Mund gelegt wird, an alle Orte läuft, an denen es seine
Lust zu haben pflegte. Mein Wille ist wie ein Vogel, der beständig dem Fluge
seiner Gedanken folgen und sie auf ihrem Fluge begleiten will. Deshalb bitte
ich, daß meinem Leibe ein Zügel angelegt werde, sobald er irgendwohin eilen
wollte, wo es Deinem Sohne mißfällt. Führe ihn dahin, wo er den Willen
Deines Sohnes wird vollbringen können. Lege auch dem Vogel, welcher mein
Wille
ist, ein Band an, daß er nicht weiter hinwegfliegen mag, als es Deinem
geliebtesten Sohne gefällt." Die Jungfrau antwortete: "Ein aus
andächtigem Herzen zur Ehre Gottes ergossenes Gebet verdient erhört und
erfüllt zu werden. Deshalb frommt es Dir, die Du bittest, daß Deinem Leibe
ein Zügel angelegt werde, auf daß er nach dem Willen Gottes regiert werde,
daß demselben jetzt eine Last auferlegt werde, die er zur Ehre des
Herrschenden weiter fördern muß, da ja Dein Wille so beschaffen ist, daß Du
lieber zu schweigen, als mit Leuten aus der Welt zu reden, und daß Du lieber
Armut in Deinem Hause zu leiden, als allen Reichtum der Fürsten in deren
Palästen zu schauen verlangest; Du achtest auch die Feindschaft derselben
nicht, wenn Du Gottes Freundschaft Dir verdienen kannst. Darum lege ich Dir
jene Last auf, daß Du Worte reden sollst, welche Gott gefallen."
Christus verwirft durch sein Leiden die Sorgfalt in Einrichtung der Gebäude und die fleischliche Lust.
Es begab sich einst, daß, als die selige Brigitta noch bei
Lebzeiten ihres Eheherrn durch einen Schreiner eine Bettlade mit größerer
Pracht und sorgfältigerer Arbeit, als gewöhnlich, für das Haus auf ihrem
Landgute Ulfasa hatte arbeiten lassen, sie von einer Hand mit solcher Kraft an
den Kopf geschlagen ward, daß sie sich kaum vor Schmerz zu bewegen vermochte.
Nachdem sie in einen anderen Teil des Hauses geführt worden, vernahm sie wie
aus der Wand eine Stimme, welche also sprach: Ich stand nicht, sondern hing am
Kreuze, und mein Haupt hatte keine Stätte, wo es sich anlehnte, Du aber
suchest Dir eine solche Bequemlichkeit und Ruhe. Nachdem sie diese Worte
gehört, ward die Frau Brigitta in Thränen aufgelöst und auf der Stelle
gesund. Und hernach schlief sie, wenn sie konnte, lieber auf Stroh und auf
einer Bärenhaut, als im Bette." ![]()
Ein geistliches Gesicht von einem Topfe und einer angenehmen Speise, und einem kleinen Feuer unter dem Topfe. Von einem in Gold gekleideten Manne, der um den Topf her arbeitete, und was darunter verstanden wird.
Als einst die heilige Brigitta sich im Gebete befand,
erblickte sie in einem geistlichen Gesichte ein kleines Feuer vor sich, und
über dem Feuer stand ein kleiner Topf, und in demselben war eine liebliche
Speise. Sie sah auch einen Mann, in Gold und Purpur auf glänzende Weise
gekleidet. Dieser bewegte sich auf den Knieen um den Topf herum, wobei er bald
das Feuer anblies, bald das Holz zurückzog und solchergestalt um den Topf her
beschäftigt war. Endlich redete er die an, welche dieses mit anschaute, und
sprach: "Hast Du, die Du dieses schauest, schon je einen so demütigen
Menschen gesehen, als mich? Ich bin zwar, wie Du siehest, mit goldbesetzten
Kleidern angethan, verrichte aber doch bei diesem Topfe so viele Dienste. Ich
rutsche auf den Knieen um denselben herum, beuge mein Haupt zur Erde, blase
das Feuer an. Ich lege und richte auch das Holz zusammen; bisweilen auch ziehe
ich dasselbe wieder auseinander und scheue mich keiner Arbeit und darum sollst
Du mich für sehr demütig ansehen. Allein ich muß Dir zeigen, was dieses
bedeutet. unter dem Topfe verstehe ich Dein Herz; unter der Speise, welche im
Topfe ist, die überaus süßen Worte, welche Dir von Gott droben gegeben
werden; unter dem Feuer die Inbrunst der Liebe, welche Du von Gott hast. Ich
bin aber der Teufel, der Dich um Deinen Trost beneidet. Deshalb erweise ich
mich so demütig dienend, indem ich bald nicht nur so stark blase, damit das
Feuer stärker brenne, sondern auch, damit die Asche, d. h. die Neigung zu
irdischen Dingen, in den Topf, d. h. in Dein Herz, emporsteige, so daß jene
wohlschmeckende Speise, d. h. die Worte des heiligen Geistes, die Dir
eingegossen worden, ein wenig den Geschmack verlieren mögen. Ich bewege die
Brände und das Holz, damit der Topf, d. i. Dein Herz, zur Erde, d. h. zu
einigen irdischen Bekannten oder Nächsten, sich neigen möge, auf daß Gott
weniger geliebt werde." ![]()
Eine Erzählung vom herrlichen Verdienste der Heiligkeit der heiligen Brgitta, welche der Bruder Gerrechinus vom Kloster Alvastra, ein Mann von großer Heiligkeit, geschaut und vorausverkündigt hat.
"Ein Mönch von heiligem Lebenswandel, im nämlichen Kloster Alvastra, erzählte unter Thränen und mit einem Eide dem Prior Petrus, daß, als die Frau Brigitta im gedachten Kloster eingetroffen war, um daselbst ihren Aufenthalt zu nehmen, er, der Mönch, sich in seinem Herzen verwundert und im Eifer für die Regel und die Heiligkeit im Herzen gesprochen habe: Warum wohnt diese Dame hier im Mönchskloster wider unsere Regel, und führt einen neuen Brauch ein? Danach ward derselbe Bruder während des Gebetes innerlich verzückt, und vernahm eine Stimme, welche zu ihm sprach: Diese Frau ist eine Freundin Gottes und zu dem Ende in das Kloster gekommen, damit sie auf diesem Berge Blumen sammle, aus denen alle Völker, auch jenseits des Meeres und an der Welt Enden, Arznei empfangen sollen. Dieser Bruder hieß Gerrechinus. Derselbe war von so heiligem Leben und Wandel, daß er in vierzig Jahren niemals aus dem Kloster ging, sondern Tag und Nacht dem Gebete oblag, und von Gott die besondere Gnade erhalten hatte, die neun Chöre der Engel fast ununterbrochen im Gebete vor sich zu sehen. Er erblickte auch während der Elevation des Leibes Christi Christum in Gestalt eines Knaben."
Ferner sah der nämliche Bruder Gerrechinus einmal im
gedachten Kloster Alvastra die Frau Brigitta sich in die Luft erheben, und aus
ihrem Munde ging ein Strom aus. Er selber betete damals und vernahm eine
Stimme im Geiste, welche also sprach: "Dies ist die Frau, welche von den
Enden der Erde kommt und den Völkern Weisheit zu trinken giebt. Ein Zeichen
dessen wird sein, daß sie aus Gottes Munde Dir Deines Lebens Ende voraussagen
wird und Du wirst Dich erfreuen an ihren Worten und über ihre Ankunft. Und
gar bald wird Dein Verlangen gestillt werden,
auf daß Du die Übel nicht sehen magst, welche Gott über dieses Haus bringen
wird."Von diesem Bruder wird auch erzählt, daß ihm einmal der Abt
befahl, er solle denen, welche in der Bäckerei waren, helfen, er, der in der
Backkunst unerfahren war. Da sprach er zu einem an die Wand gemalten
Marienbild, das er zu verehren pflegte, also: "Gar liebe Frau! Der Vater
Abt hat befohlen, daß ich mit den Bäckern arbeiten solle. Du aber weißt,
daß ich vom Backen nichts verstehe; gleichwohl will ich nach Deinem Willen
thun." Das Bild antwortete ihm: "Thue, was Du bisher gethan! und ich
will für Dich in der Bäckerei dienen." Und also geschah es; diejenigen,
welche dort arbeiteten, wußten nicht anders, als daß Bruder Gerrechinus
persönlich mitgearbeitet hätte, während er doch, im Gebete versunken,
unbeweglich in der Kirche geblieben war. Von demselben Bruder ist auch im XXI.
Kapitel des vierten Buches die Rede, wo es heißt: Der Teufel erschien und
sprach u. s. w.
Herr Wulf Gudmarson, seligen Gedächtnisses, weiland der seligen Brigitta frühverstorbener Gemahl, erschien ihr und zeigte ihr die Ursachen, weshalb er sich im Fegfeuer befinde, erklärte ihr auch die Mittel seiner baldigen Erlösung.
Ein gewisser Verstorbener erschien und sprach: "Ich
hatte die Gerechtigkeit des Richters an mir erfahren, nun aber wird die
Strenge allmählich gemindert werden und die Barmherzigkeit mehrt sich. Denn
während meines Lebens habe ich auf fünffache Weise gesündigt, und habe
deshalb am letzten Ende nicht genugsam Buße gethan. Erstens habe ich es wohl
mit jenem wahnwitzigen Knaben, den Du kennst, übertrieben, indem ich seinen
abgeschmackten Einfällen meinen Beifall gegeben und mich darüber gefreut,
auch an seinen Narrheiten ergötzt habe. Zweitens habe ich eine Witwe für die
vor meinem Tode von ihr erkauften Güter nicht befriedigt und das hatte in
meiner Nachlässigkeit seinen Grund und damit Du erfährst, daß ich die
Wahrheit rede, wird sie morgen zu Dir kommen; gieb ihr wieder, was sie
begehrt, weil sie um nichts bittet, als was sie zu fordern hat. Drittens habe
ich im Leichtsinne meines Herzens einem Manne versprochen, ihm in allen
schwierigen
Lagen beizustehen. Durch dieses Versprechen allzukühn geworden, hat er sich
wider den König und das Gesetz aufgelehnt. Viertens habe ich mich im
Lanzenspiele und in den Eitelkeiten der Welt mehr um mich zu zeigen geübt,
als um einigen Nutzens willen. Fünftens habe ich bei der Verbannung eines
Edelmannes mich zu halsstarrig und unerbittlich benommen, und obwohl derselbe
der Verurteilung würdig war, bin ich doch weniger barmherzig gewesen, als ich
gesollt hätte." Darauf antwortete die Frau: "O glückliche Seele!
was nützt Dir zunächst zu Deinem Heile? Oder was ist es, was Dir jetzt zu
Deiner Erlösung nützen kann?" Er antwortete: "Sechs Umstände
waren es, die mir genützt haben. Erstens meine Beicht, welche ich alle
Freitage, wenn ich Gelegenheit dazu fand, verrichtet habe, indem ich den
festen Vorsatz hatte, was mir auferlegt worden, zu thun. Zweitens habe ich,
wenn ich zu Gericht saß, nicht aus Liebe zum Gelde oder Gunst gerichtet,
sondern alle meine Urteile sorgfältig geprüft, bereit, meine Fehler zu
bessern und was weniger gut gethan worden, zurückzunehmen. Drittens, weil ich
meinem geistlichen Führer gehorcht, welcher mir empfohlen, mich der
Beiwohnung zu enthalten, nachdem ich gewahr geworden, daß die Frucht Leben
erhalten. Viertens, daß ich, so viel ich vermochte, Vorsicht anwendete, um
nicht für mich selbst oder für die Meinigen bei Beherbergung der Armen
undankbar, lästig oder verschwenderisch zu sein, noch daß ich Schulden
machte, wenn ich nicht voraussah, wovon dieselben wieder bezahlt werden
könnten. Fünftens, daß ich mich der Enthaltsamkeit auf der Pilgerfahrt nach
St. Jakob befleißigte, denn ich hatte mir vorgesetzt, nicht außer der
Mahlzeit zu trinken. Durch diese Enthaltsamkeit ist das lange Sitzenbleiben
bei Tische, die Geschwätzigkeit und die Übertretung ausgetilgt worden, und
nun bin ich meines Heiles gewiß, obwohl ich der Stunde meiner Erlösung nicht
versichert bin. Sechstens, daß ich das Gericht jenen übertrug, die ich für
gerecht hielt, daß sie bezahlten, was ich schuldig war, und weil ich mich
fürchtete, in Schulden verwickelt zu werden, so habe ich bei meinen Lebzeiten
dem Könige seine Landschaften zurückgestellt, auf daß meine Seele nicht
Gottes Gerichte auszuhalten haben möchte. Nun aber, weil mir gegeben worden,
um Hilfe zu bitten, bitte ich Dich, Du wollest ein ganzes Jahr hindurch
unausgesetzt die Messen von unserer Retterin, der heiligsten Maria, von
den Engeln und allen Heiligen und für die Verstorbenen feiern lassen;
außerdem vom Leiden Christi, unseres Seligmachers, weil ich so schneller
erlöst zu werden hoffe. Vorzüglich sollst Du auch besorgt sein um die Armen,
und Dich nicht scheuen, Geschirre, Pferde und anderes zu verteilen, woran ich
meine Lust gehabt und am meisten gesündigt habe. Unterlasse auch nicht,
wofern Du vermagst, einige Kelche Gott zum Opfer darzubringen, weil sie der
Seele sicherlichst zum Heile gedeihen. Die unbeweglichen Güter aber
überlasse den Kindern, denn mein Gewissen fühlt sich nicht beschwert, daß
ich einiges übel erworben oder behalten habe, oder hätte behalten
wollen."
Als die Braut Christi einst vom Geiste der Unmäßigkeit versucht ward, gab ihr der Engel eine Norm und Vorsichtsmaßregel, solchen Versuchungen zu entgehen.
Einstmals ward die selige Brigitta im Kloster Alvastra von
der Eßbegierde dergestalt angefochten, daß sie vor Hunger kaum etwas anderes
denken konnte. Zuletzt, da sie betete, erschienen ihr im Geiste zwei Personen,
nämlich ein Mohr, welcher in der Hand einen Bissen Brotes hatte und ein gar
schöner Jüngling, welcher ein vergoldetes Gefäß trug. Der Jüngling sprach
zum Mohren: "Was beunruhigst Du diejenige, welche meiner Hut anvertraut
worden?" Der Mohr antwortete: "Weil sie sich der Enthaltsamkeit
rühmt, welche sie nie gebabt hat, denn sie hört nicht auf, sich den Bauch zu
füllen, bis derselbe voll des köstlichen Kotes ist, deshalb reiche ich ihr
meinen Bissen dar, damit ihr das Gröbere süß werde." Der Jüngling
antwortete ihm: "Du weißt wohl, daß sie keine körperlose Natur hat,
wie wir, sondern wie ein Sack von Erde ist, und weil sie hinfällige und
ruhelose Erde ist, bedarf sie steter Labung." Der Mohr entgegnete darauf:
"Euer Christus hat einst gefastet und nichts gegessen und die Propheten
haben Brot gegessen und das Wasser mäßig getrunken; deshalb haben sie hohe
Dinge verdient. Wie soll aber diese sich ein Verdienst erwerben, welche
immerdar Sättigung empfindet?" Der Engel antwortete: "Ist er
nicht auch Dein Christus, wie der unsrige?" Der Mohr sprach: "Mit
nichten; denn ich will mich niemals vor ihm demütigen, sondern ihm
entgegentreten, weil ich nicht wieder in seine Herrlichkeit kommen
werde." Der Jüngling antwortete: "Christus hat fasten gelehrt, so
jedoch, daß der Leib nicht über die Maßen geschwächt, sondern nur
gedemütigt würde, auf daß er sich nicht auflehne wider die Seele. Unser
Christus sucht auch nicht, was der Natur unmöglich ist, sondern Mäßigkeit;
er frägt auch nicht, was und wie viel einer nehme, sondern mit welcher
Absicht und mit welcher Liebe." Der Mohr entgegnete ihm: "Es ist
recht, daß diese Frau im Alter empfinde, was sie in der Jugend nicht erfahren
hat." Dagegen der Jüngling: "Für junge Leute ist es löblich, sich
der Sünde zu enthalten, auch schließen vom Himmel nicht Purpur, noch zartes,
in der Liebe Gottes genossenes Fleisch aus, denn die Gewohnheit einer guten
Erziehung muß man zuweilen mit Danksagung festhalten, damit das Fleisch nicht
zu sehr geschwächt werde." Danach aber in derselben Stunde erschien
derselben Frau Brigitta die Jungfrau Maria mit einer Krone auf dem Haupte, und
sprach zum Mohren: "Verstumme, Du neidischer Händelsucher, denn diese
ist mir überantwortet." Und der Mohr sprach: "Wenn ich nichts
anderes werde thun können, will ich wenigstens einen Stechdorn in den Saum
ihrer Kleider werfen." Die Jungfrau sprach zu ihm: "Ich aber werde
ihr helfen, und so oft Du ihn auswirfst, wird er Dir ins Antlitz
zurückgeworfen und ihre Krone erhöht werden."
Die Jungfrau Maria sagt, daß alles Fasten und andere verdienstliche Werke in Gehorsam und mit Klugheit zu vollbringen sind. Sie sagt auch, daß drei Dinge beim Fasten sein sollen.
Maria sprach zur Braut: "Alles, was Du vornimmst,
sollst Du mit Gehorsam und Klugheit thun. Denn meinem Sohne ist es lieber,
wenn gegessen, als wider den Gehorsam gefastet wird. Deshalb sollst Du Dich
beim Fasten vor drei Fehlern hüten. Erstens, daß Du nicht vergeblich
fastest, wie diejenigen, welche ihre Fasten in der Absicht sehen lassen, um
anderen im Fasten und Arbeiten
gleich und ähnlich zu sein; dieses ist unvernünftig, denn das Fasten muß
der Stärke des Leibes angemessen und zur Zähmung der Begierde nach
unerlaubten Regungen gemäßigt werden. Zweitens sollst Du nicht unweise
fasten, wie diejenigen, welche in ihrer Krankheit sich im Fasten wider die
Kraft der Natur so üben wollen, wie in der Gesundheit. Diese mißtrauen der
Barmherzigkeit meines Sohnes, als habe er ihre Schwachheit nicht wollen für
das Werk oder den Willen annehmen; faste also mit Vorsicht, meine Tochter, und
so oft Dir eine Krankheit zustößt, sei ein wenig milder gegen Deinen Leib,
indem Du Mitleid mit ihm hast, wie mit einem unvernünftigen Tiere, damit er
der Beschwerde nicht erliege. Drittens hüte Dich, daß Du nicht unvernünftig
fastest, wie diejenigen, welche mehr als andere in der Absicht fasten, um
einen größeren Lohn und größere Ehre als andere davonzutragen. Diese sind
gleichsam wie diejenigen, welche sich den Lohn ihrer Arbeit selber bestimmen;
deshalb faste im übrigen, damit Du meinem Sohne gefallen mögest und wie es
Deine Natur zu ertragen vermag. Halte deshalb Maß in Dir selber nach der
Stärke Deiner Kräfte und vertraue allezeit auf meines Sohnes Barmherzigkeit.
Glaube, daß Du zu allem unwürdig seiest, und denke nicht, daß irgend eine
Deiner Bemühungen wert sei, die Vergebung Deiner Sünden zu erlangen, noch
weniger aber die ewige Belohnung, wofern nicht mein Sohn an Dir seine
Barmherzigkeit übt."
Man soll die Reliquien der Heiligen in Ehren halten.
Zur Zeit als die selige Brigitta Oberhofmeisterin der
weiland Königin von Schweden, Blanka, war, erhielt sie von derselben ein sehr
schönes elfenbeinernes Behältnis, in welchem die Reliquien von vielen
Heiligen eingeschlossen waren; auch vom heiligen Ludwig, dem Könige von
Frankreich, welche die Königin selber aus Frankreich mitgebracht hatte. Nun
begab es sich zufälligerweise, daß dieses Behältnis von den Dienern an
einen minder geeigneten Ort gestellt und vergessen ward. Da sah die selige
Brigitta im Geiste aus diesem Behältnisse ein glänzendes Licht hervorgehen.
Nachdem
sie sich darüber gewundert, vernahm sie eine Stimme, welche also sprach:
"Siehe, der Schatz Gottes, den man in den Himmeln ehrt, wird auf Erden
verachtet. Lasset uns deshalb nach anderen Orten hinüberwandeln." Als
die Frau dieses hörte, ließ sie den Behälter in ehrender Weise auf den
Altar stellen.
Christus erklärt hier, wie die Bäder oder andere körperliche Arzneien, wenn sie von den Auserwählten mit Klugheit gebraucht werden, Gott nicht mißfallen.
Als die selige Brigitta sich im Gebete befand, erschien ihr
Christus und sprach: "Wisse, daß diejenigen, welche geistliche Leute zu
sein schienen, im alten Gesetze Pharisäer genannt wurden und drei
Gewohnheiten hatten. Sie wuschen sich beständig, um rein zu erscheinen; sie
fasteten und beteten öffentlich, um Heilige genannt zu werden; sie lehrten
und geboten viele Dinge, welche sie selber am wenigsten thaten. Allein dies
half ihnen bei Gott wenig, weil ihre Absicht verderbt und ihre Seele unrein
war. Wie nun einer unreinen Seele das Waschen des Fleisches ohne Reinigung des
Gewissens nichts hilft, so schadet auch einer reinen Seele das Waschen des
Fleisches nicht, wenn es nur aus vernünftigem Mitleid und ohne Lust
geschieht. Deshalb hat es mir mehr gefallen, daß Du Deinem Meister wider
Deinen Willen gefolgt bist, als wenn Du Deinem Willen wider sein Gebot gefolgt
wärest. Denn es hat viele meiner Heiligen gegeben, welche keine Arzneien für
den Leib, noch andere Gemächlichkeiten des Fleisches gehabt haben und
dieselben haben aber mir gefallen; andere haben nach Verhältnis der Zeiten
und Orte und verschiedener Krankheiten Arzneien gebraucht und auch diese haben
mir nicht mißfallen, weil sie alles gethan haben, um mir zu dienen. Darum
gefällt mir der Gehorsam, welcher nichts vom eigenen Willen an sich hat,
besser, als ein großes Opfer." ![]()
Daß ein frommer Brauch um des Gehorsams willen geändert werden darf.
Die Frau Brigitta hatte es an der Gewohnheit, außer der Mahlzeit nicht zu trinken. Eines Tages begab sich's, daß sie kaum zu reden vermochte. Als Magister Matthias, ihr geistlicher Vater, dieses wahrnahm, gebot er ihr zu trinken, und obwohl es ihr schwer vorkam, alle frühere Gewohnheit zu ändern, gehorchte sie nichtsdestoweniger. Sie vernahm darauf im Geiste: "Was fürchtest Du, Dein Leben zu ändern? Bedarf ich denn Deiner Verdienste, oder wirst Du durch Deine Verdienste eingehen in den Himmel? Folge deshalb Deinem Meister. Er hat den Streit zweier Geister erfahren, der Wahrheit nämlich und der Täuschung; denn wenn Du auch zehnmal an einem Tage um des Gehorsams willen gegessen und getrunken hättest, wird es Dir nicht zur Sünde angerechnet werden."
Wie die heilige Brigitta sich vom Teufel hinweg und gänzlich Gott zugewendet hat und wie groß die Bosheit des Teufels wider Gott ist.
Es erschienen Engel. unter ihnen befand sich ein böser, der
zur Braut Christi sprach: "Deine Seele hat jetzt eine andere Haltung,
denn zuvor. Deine Amme entfernt sich bereits von Dir - die Hoffart, welche ich
bin. Weshalb redest Du nicht und bist mir hold wie früher?" Jene
antwortete in ihrer Seele: "Das ist, weil du Gott nicht liebst. Wenn du
auch meine Seele mit jeglicher Süßigkeit weidetest, meinen Leib mit Golde
bekleidetest, so werde ich dich nicht lieben, weil du meinen Gott verachtest,
denn ich würde lieber Gott in die Pein, als dir in alle Süßigkeit folgen
und weil du Gott hassest, ist mir alles verhaßt, was dein ist. Wenn du aber
dein Gemüt Gott zuwenden willst, so will ich dich gewiß lieb haben und
deinen Willen thun." Der Teufel antwortete: "Fürwahr, könnte ich
einen sterblichen Leib annehmen, so möchte ich
in demselben lieber alle Pein ertragen, und obendrein alle Strafen der Hölle,
als meine Liebe Gott zuwenden." Darauf antworteten die beiden guten
Engel: "Wenn unser Herr dein Gott und Schöpfer ist, weshalb willst du
dich ihm nicht unterwerfen?" Jener antwortete: "Weil ich mein Gemüt
und meinen Willen, den ich nicht ändern will, also verhärtet habe, daß mir
Gott verhaßt ist." Darauf sprach der eine der guten Engel: "Herr,
obwohl Du alles weißt, so führe ich Dir doch, weil es Dir also gefällt, ein
Wort vor das Gemüt. Du hast früher von Deiner neuen Braut gesagt: Wenn ich
mich gegen Mittag wende, wendet sie sich nach Abend. Nun aber kannst Du sagen:
Wohin Du Dich wendest, dahin folgt Dir nach ihrem Maße Deine Braut." Der
Herr antwortete: "Der Braut geziemt es, zu gehorchen und sich so vor
ihrem Gotte zu demütigen."
Worte der heiligen Brigitta zur Jungfrau Maria von ihrer Liebe gegen sie, und der Jungfrau liebevolle Erwiderung.
"Gebenedeit seist Du, o Maria, Mutter Gottes, und
gebenedeit sei derselbe Gott, Dein Sohn Jesus Christus, für alle Freude,
welche er mir deshalb gegeben, weil Du seine Mutter bist. Derselbe weiß auch,
daß Maria, die Tochter Joachims mir lieber ist, als die Kinder Wulfs und
Brigittens. Ich wollte lieber, daß Brigitta, Birgers Tochter, niemals geboren
worden wäre, als daß Maria, Joachims Tochter, ungeboren geblieben wäre, und
leichter würde es mir sein, zu wählen, daß Brigitta in der Hölle, als daß
Maria, Joachims Tochter, nicht die Mutter Gottes im Himmel wäre. Die selige
Jungfrau antwortete ihr: Tochter, Du sollst für gewiß wissen, daß jene
Maria, Joachims Tochter, Dir nützlicher sein wird, als Du, Birgers Tochter,
Brigitta, Dir selber. Dieselbe Tochter Joachims, welche die Mutter Gottes ist,
will auch den Kindern Wulfs und Brigittens Mutter sein. Bleibe daher standhaft
und gehorche der Agnes in den Ratschlägen, welche sie Dir in der geistlichen
Vision giebt und Deinem Magister, welche Dich beide in einerlei Geiste
unterweisen; wenn Du einem unter ihnen gehorchst, gehorchst Du beiden. Sage
auch diesem Deinem
Magister, er solle nichtsdestoweniger thun, was ihm obliegt, wenn er auch
infolgedessen in leibliche Trübsale hineingerät, denn die Trübsale, welche
wider gute Werke sich in den Weg legen, sind nichts als Fallstricke des
Teufels. Darum soll er tapfer über die Stricke hinüberspringen, weil der
Weg, welchen der Mensch unter größerer Trübsal zur Ehre Gottes wandelt, ihm
bei Gott zum größeren Lohne und zur Krone gereichen wird, als derjenige,
welcher unter geringerer Trübsal zurückgelegt wird. Und ein jeglicher
Schritt wird ihm vom Herrn zur Krone gerechnet werden."
Die heilige Brigitta beweist hier, daß die Jungfrau Maria in zweifacher Weise die liebreichste Frau sei. Von fünf Versuchungen, welche geistlich Gesinnten Hindernisse zu bereiten pflegen.
"Gebenedeit seist Du, die Du Jungfrau und Mutter bist.
Maria ist Dein Name. Du hast Jesum Christum geboren. Ich habe einst ein
Gleichnis vernommen, worin viele edle und weise Leute einem Zeugnis gaben,
daß er liebreich und barmherzig wäre, und eine Schar Armer stand von fern
und bestätigte die Wahrheit ihres Zeugnisses. O meine teuerste Frau; also ist
es, dünkt mich, mit Dir; denn alle Heiligen, welche zugleich edel und weise
waren, geben Dir Zeugnis, daß Du fürwahr die liebreichste und barmherzigste
Frau bist. Ich aber, die ich zur Schar der Armen gehöre, habe von mir selber
nichts Gutes und rufe und sage, daß das Zeugnis jener sehr wahr sei. Deshalb
bitte ich Dich, Du liebreichsie Frau, daß Du Dich herablassen wollest, Dich
meiner zu erbarmen. Denn mich dünkt, daß es mit mir gar gefährlich steht,
weil es mir vorkommt, als stehe ich an der Schwelle zwischen zwei Häusern,
von denen das eine sehr hell, das andere überaus dunkel ist Wenn ich aber die
Augen nach dem dunkeln Hause hin aufschlage, erscheint mir alles, was ich in
dem hellen Hause gesehen habe, wie ein in der Nacht erblickter Traum. Die
selige Jungfrau antwortete: Sage mir, obwohl ich alles weiß, was hast Du
besonders in dem dunkeln Hause gesehen? Ich antwortete: Es schien mir, als ob
gleichsam ein Eingang in das finstere Haus hineinführe,
und hinaus ein enger Ausgang, außerhalb des Ausgangs aber war eine gewiße
helle Klarheit, in welcher alles erfreulich war. Vom Eingange an führten
viele Wege zum Ausgange, und auf jedem Wege standen fünf Todfeinde aller
derer, welche auf anderen Wegen vorüberwandelten. Der erste Feind sprach in
freundlichen Worten zu ihnen, blies aber in das Gehirn derer, welche ihm ihre
Ohren liehen, eine brennende Flamme hinein. Der zweite hielt Blumen und
anderes, was die Erde an Früchten hervorbringt und was bald vergeht, in der
Hand. Wer aber die Augen mit dem Verlangen darauf richtete, dieselben zu
besitzen, ward durch sie mit einer sehr scharfen Lanze in die Augen gestoßen.
Der dritte Feind hatte ein mit Gift angefülltes Gefäß, dessen äußerer
Rand obenauf mit ein wenig Honig bestrichen war, goß aber jenes allen, welche
aus dem Gesäße kosteten, in den Schlund. Der vierte hatte verschiedene und
kostbare Kleinodien von Gold und Silber und kostbaren durch Menschenhände
bearbeitenden Steinen. Wenn jemand seine Hand mit dem Verlangen daran legte,
etwas davon zu besitzen, ward er von einer sehr giftigen Schlange verletzt.
Der fünfte legte den Vorüberwandelnden sehr weiche Kissen unter die Füße;
sobald aber einer Lust hatte, darauf zu ruhen, entzog ihm der Feind das Kissen
und so fiel, wer da zu ruhen vermeinte, sehr tief auf ganz harte Steine
nieder."
Christus offenbart hier der Braut für sich und ihr Hausgesinde eine Art, nach der Regel zu leben.
Christus sprach: "Ich rate euch, daß ihr vier Stunden
vor und vier Stunden nach Mitternacht zum Schlafen verwendet. Wer das nicht
vermag, möge den Willen haben, und es wird ihm von statten gehen. Kann jemand
vernünftigerweise am Schlafe etwas abbrechen, so daß es an seinen leiblichen
Sinnen oder Kräften keine Abnahme herbeiführt, so mag es ihm zum größeren
Verdienste und Lohne gereichen. Danach sollet ihr vier Stunden haben, um zu
beten und andere andächtige und nützliche Werke zu verrichten, so daß keine
Stunde ohne Frucht vergehen mag. Sodann möget ihr
zwei Stunden bei Tische sitzen. Macht ihr es aber kürzer, so werdet ihr
dafür den Lohn von Gott empfangen, aber ohne vernünftige Ursache sollt ihr
diese Zeit durchaus nicht verlängern. Demnächst sollet ihr sechs Stunden
verwenden, um notwendige Werke zu verrichten, die euch gestattet oder
auferlegt werden. Ferner sollet ihr zwei Stunden für die Vespern und Komplett
und andächtigen Gebete haben. Hernach zwei Stunden zur Nacht zu essen und zu
trinken, nebst ehrbarer Ergötzung, zur Erleichterung des Leibes. Wenn ihr
euch vom Lager erhoben, sollet ihr vier Stunden Stillschweigen beobachten, so
daß ihr nichts ohne Erlaubnis redet, auch das Notwendige nur mit gar wenigen
Worten, wenn ihr auf eine an euch gerichtete Frage zu antworten habt. Nachher
ist euch gestattet, ehrbarem Troste zur Erquickung und körperlichen
Erfrischung euch hinzugeben. Nach der Danksagung sollet ihr Schweigen
beobachten, bis ihr die euch auferlegten und angeordneten Gebete hergesagt.
Sechs Stunden aber sollet ihr nach eueres Meisters Vorschrift verwenden, um
entweder etwas Nützliches zu lernen oder zu wirken, und dann könnet ihr, mit
wem ihr wollet, Dinge reden, welche ehrbar und nicht wider Gott sind. Während
der Vespern und in der Komplet sollet ihr Stillschweigen beobachten. In der
kleinen Stunde, die alsdann bis zum Nachtmahle verläuft, könnet ihr
miteinander ehrbare Unterredungen führen, und euch bis zum Schlafengehen
trösten. Ich habe im Evangelium gesagt, daß, wer in meinem Namen einen
Becher kalten Wassers gegeben, seines Lohnes nicht verlustig gehen wird.
Ebenso verdient jeder, auch der mindeste Abbruch, wenn er zu meiner Ehre
unternommen und andächtig vollzogen wird, gebührenden Lohn. Weiter wisset
ihr wohl, wie ihr unterwegs euer Fasten halten sollet. Wäret ihr in einem
Kloster, so hättet ihr vielleicht größere Muße oder Überfluß. Nehmet
daher den Unterhalt des Leibes mit kluger Sparsamkeit zu euch, genießet
Zuspeise von einerlei Art, sei es Kohl oder jegliche andere genießbare Kost,
das meiste aber sollet ihr um Gottes willen stehen lassen. Fleisch und Fisch
jedoch soll euch in doppelter Art bei Tische zu haben erlaubt sein. Was
darüber ist, sollet ihr aus Liebe zu mir fahren lassen. Das Brot, das euch
vorgesetzt wird, sollet ihr essen und wenn ihr mehr, als euch vorgesetzt wird,
bedürfet, möget ihr es in meinem Namen von euerem
Meister begehren. Dasselbe Gesetz, das hinsichtlich der Brotes gegeben worden,
soll auch beim Trinken stattfinden. Wisset auch, wie ein Kranker die Regel
nicht ebenso befolgen kann, wie ein Gesunder und an Kräften Starker. Darum
kann er fordern, was er notwendig hat, und es darf ihm gereicht werden, was
vorhanden ist. Weil ihr ferner nichts zu besitzen entschlossen seid, dürfet
ihr auch ohne Erlaubnis nichts geben, noch was euch gegeben worden, ohne
Erlaubnis annehmen, ich warne euch, weil der Teufel euch stündlich Stricke
und Nachstellungen legt. Deshalb rate ich euch, daß ihr euch die Worte merkt,
die ihr zu der dem Stillschweigen gewidmeten Zeit unvorsichtig gesprochen,
thut eine aufrichtige Beicht darüber und leistet schuldige Genugthuung
dafür. Und wenn in den Worten eine unnütze und nicht klüglich erwogene Rede
oder Antwort gefunden wird, muß die Buße und Genugthuung um so größer
sein. Wenn aber jemand aus einer jähen Bewegung oder im Zorne dem anderen
entgegenredet, sollet ihr, sobald es geschehen kann, einen geeigneten Ort
aufsuchen und ein Ave Maria beten und von Gott demütig Verzeihung erbitten.
Ferner sollet ihr an jedem Freitage mit dem Willen in das Kapitel kommen, daß
ihr von eueren Fehlern, Schulden nichts verbergen, noch dieselben
wiederbegehen, sondern alles, je nachdem es euch auferlegt wird, bessern
wollet."
Hier wird der heiligen Brigitta zu sehen verstattet, wie Christus gewesen ist.
Maria sprach: "Ich bin die Königin des Himmels und die
Mutter der Armen; ich will Dir zeigen, wie mein Sohn in seiner Menschheit
beschaffen gewesen, und wie als er am Kreuze litt; und dieses soll Dir ein
Zeichen sein, daß Du an die Orte lo#en wirst, an denen ich leiblich gewandelt
habe; dort wirst Du auch mit Deinen leiblichen Augen meinen Sohn
schauen." ![]()
Sehr tröstliche Worte, welche die Jungfrau Maria an die selige Brigitta während deren letzten Krankheit gerichtet hat.
Kurz vor dem Tode der seligen Brigitta erschien derselben
die Jungfrau Maria und sprach: "Wenn ein Weib gebärt, während sie krank
ist, so erkranken alle Kinder, welche sie gebärt. Du aber wiest starke und
gesunde, Gott ergebene Kinder gebären, auch gesünder werden, als Du je
früher gewesen, und nicht sterben und Du wirst an die Dir verheißene und
bereitete Stätte kommen. Auch der heilige Franziskus war lange krank, und hat
dennoch Frucht gebracht und den Willen Gottes gethan, später ist er gesund
geworden und that und thut noch Größeres, als da er trank war. Allein Du
kannst fragen, weshalb Deine Krankheit sich so sehr in die Länge zieht und
Deine Natur und Stärke verzehrt wird? Ich antworte Dir: daß mein Sohn und
ich Dich lieben. Erinnerst Du Dich nicht, wie mein Sohn Dir zu Jerusalem
gesagt, daß Deine Sünden, als Du in die heilige Kirche seines Grabes
eingetreten, Dir vergeben worden, als wie wenn Du damals aus der Taufe gehoben
worden wärest? Allein er hat Dir nicht gesagt, daß Du nichts leiden
solltest, solange Du in der Welt lebst; deshalb ist es der Wille Gottes, daß
die Liebe des Menschen der Liebe Gottes entspreche, und daß die früheren
Vernachlässigungen durch Geduld und Krankheit aufgehoben werden. Erinnere
Dich auch, wie ich Dir sehr oft gesagt, daß meines Sohnes Worte in
geistlicher und leiblicher Weise verstanden werden können, wie ich Dir in der
Stadt Stralsund gesagt, daß, wenn Du vor Erfüllung der göttlichen Worte,
welche in den himmlischen Büchern begriffen und Dir von Gott gegeben worden
sind, aus der Welt gerufen sein würdest, Du alsdann wegen Deines guten
Willens für eine Klosterfrau zu Wadstena erachtet, und alles dessen, was Dir
von Gott verheißen worden, teilhaftig geworden wärest." ![]()
Die heilige Jungfrau erklärt hier, was es heißt, geistlich sterben oder leben.
Die Jungfrau Maria erschien der heiligen Brigitta am sechsten Tage vor deren Tode und sprach also: "Was sagen die Ärzte? Sagen sie nicht, Du würdest nicht sterben? Wahrlich, meine Tochter, sie geben nicht acht darauf, was sterben ist. Denn es stirbt derjenige, welcher sich von Gott trennt und wer in der Sünde verhärtet, die Unreinigkeit der Sünden nicht durch die Beicht ausspeit. Auch der ist tot, der nicht an Gott glaubt und seinen Schöpfer liebt. Aber derjenige lebt und stirbt nicht, welcher allezeit Gott fürchtet, wer durch häufige Beicht sich von seinen Sünden reinigt, wer zu seinem Gott zu gelangen begehrt. Weil aber der Gott der Natur mit Dir redet, welcher auch wider die Natur etwas anordnen kann und Dein Leben erhält, so ist in den Arzneien weder Heil, noch Leben. So hast denn auch Du jetzt nicht nötig, Dich auf die Arznei zu verlassen; denn wenig Zeit bedarf wenig Speise."
Ein Gebet der heiligen Brigitta an die heilige Maria, und Antwort der Jungfrau, worin sie die Tochter der Braut, die selige Katharina, lobt.
Die Braut Christi betete zur Jungfrau und sprach: "O
meine teuerste Frau, ich bitte Dich um der Liebe Deines geliebten Sohnes
halber, daß Du mir helfen wollest, ihn von ganzem Herzen zu lieben, wie ich
müßte. Deshalb bitte ich Dich, Mutter der Barmherzigkeit, Du wollest mich
wert erachten, seine Liebe an mein Herz zu binden; ziehe dasselbe mit aller
Macht zu Deinem Sohne und scheide es von aller fleischlichen Liebe und ziehe
um so stärker, je schwerer es ist." Die selige Jungfrau antwortete:
"Gebenedeit sei derjenige, welcher solche Gebete eingiebt. Allein obwohl
Dir jetzt meine Ansprache süß vorkommt, so gehe doch hin und nähe Deiner
Tochter den Rock zusammen, welche sich über den alten und geflickten Rock
mehr freut, als über einen neuen, welche mehr
Lust hat zu grauem, groben Tuche, als zu seidenen und anderen köstlichen
Kleidern. Selig ist die, welche so freiwillig das Weltliche aufgegeben hat.
Sie hat ihren Mann mit dessen gutwilliger Zustimmung verlassen, dessen Leib
sie geliebt hat, wie sich selber, und seine Seele mehr, als ihrer beiden
Leiber. Sie verließ auch ihre Brüder, Schwestern, Anverwandten und Freunde
leiblicherweise, um ihnen auf geistliche Weise Beistand leisten zu können.
Sie kümmerte sich nicht um die Besitztümer der Welt. Darum sind ihr für die
Dahingabe ihrer Verwandten alle ihre Sünden erlassen; sie bleibt nun fortan
standhaft. Denn für irdischen Besitz wird ihr das Reich des Himmels und Jesus
Christus selber zum Gemahle gegeben werden. Und alle diejenigen, welche sie
lieben, werden um ihretwillen zu Gott gefördert werden."
Christus verheißt, er wolle für seine Braut und die Ihrigen um der Liebe willen Vorsorge tragen.
Als sich die selige Brigitta in der Nähe von Lodöse, im
Königreiche Schweden, befand, begegnete ihr ein Armer von ihrem Hausgesinde
und bat sie, sich seiner zu erbarmen, weil er vorhatte, seiner verlobten
Tochter die Hochzeit auszurichten, dazu aber aus Armut unvermögend war. Als
nun die Frau Brigitta von ihrem Hausverwalter erfahren, wie viel Geld er
bereit habe, antwortete sie und sprach: "Gieb diesem Armen den dritten
Teil von dem, was Du hast, auf daß seine Tochter getröstet werde und für
uns bete." Als sie nun in die Stadt gekommen waren, fanden sie an der
Thüre der Herberge genannter Frau Brigitta Arme versammelt, denen sie Almosen
zu verabreichen befahl. Der Verwalter erwiderte, was er habe, reiche durchaus
nicht zu, die Zahlung in der Herberge zu leisten, wofern er nicht von jemand
das Geld leihe. Wie könnt Ihr doch das Geld so reichlich ausgeben? Wahrlich,
eine große Vollkommenheit ist es, an die Armen Geld zu verteilen, das man von
anderen entlehnen muß! Die Frau Brigitta antwortete ihm: "Lasset uns
geben, solange wir haben, denn der gütige Gott hat im Überflusse, um uns zu
geben, wenn wir bedürfen. Diesen
Armen bin ich vorbehalten, weil sie keinen anderen Trost haben. Ich aber
verlasse mich in meiner Not auf den Willen Gottes." Als die selige
Brigitta nun eine Messe in der Kirche hörte und betete, hörte sie Christum
zu ihr sprechen: "Unsere Tochter ist wie diejenige, welche so brünstig
zum Bräutigam eilt, daß sie Vater und Mutter und alles vergißt, was sie
hat, bis sie den findet, den sie sucht. Was wird nun der Bräutigam thun? Er
wird ohne Zweifel seine Diener schicken und bewirken, daß der Braut alles
folge, was ihr gehört. So wollen wir Deiner Liebe halber für Dich und die
Deinigen sorgen, o Tochter! Denn wie die Liebe mich auf unaussprechliche Weise
in den Schoß der Jungfrau eingeführt hat, also führt die mitleidige Liebe
zu den Menschen Gott in seine Seele."
Der heilige Johannes der Täufer redet mit der seligen Brigitta von einem, den man für den Magister Petrus Olafson, ihren Beichtvater, hält, von welchem oben die Rede gewesen ist.
"O Tochter, Du sollst Dich nicht über den Sieg Deines
geistlichen Freundes beunruhigen. Er ist ein Streiter und Freund Gottes und
erstritt über den Feind Gottes einen schönen Sieg. Der Feind fiel ihn
unversehens von hinten an und wollte ihn darin beschädigen, daß er sich
wider die Räuber, welche ihn ausgeplündert, erzürnen sollte. Er aber sprang
auf den Speer des Feindes ein und zerbrach denselben. Auch durchstach er ihn
mit seinem eigenen Spieße, indem er unter Beseitigung aller Zornesaufregung
zu den Räubern, nachdem sie ihm alles genommen, sprach: Meine Freunde, wenn
euch zu trinken beliebt, so habe ich noch Wein in der Flasche. Mit einem
anderen Spieße hat er ihn zum zweiten Male durchstochen, indem er jenen,
nachdem sie ihm den Mantel genommen, ohne einige Ungeduld auch den Rock gab.
Mit dem dritten Spieße durchbohrte er ihn dadurch, daß er, nachdem jene
gewichen waren und er nackt zurückgeblieben dasaß, voll Freuden Gott für
seine Trübsal dankte und für seine Beschädiger mit Liebe betete. Als er
sodann seinen Weg fortsetzte, hat er sich seiner Ent-
blößung durchaus nicht geschämt. Seines Sieges hat sich unser ganzer
himmlischer Hof gefreut."
Der heilige Botvid hat der der seligen Brigitta die Gnade verdient, Geistliches zu schauen.
Im vierten Jahre vor ihrem Tode erschien der Frau Brigitta gleichsam in einer Verzückung ihres Herzens ein heiliger Mann aus dem Reiche Schweden, Namens Botvid, und sprach: "Ich habe Dir nebst anderen Heiligen diese Gnade Gottes verdient, Geistliches zu hören, zu sehen und zu empfinden, und der Geist Gottes wird Deine Seele entzünden."
Daß um der bösen Fürsten willen zuweilen Königreiche zerstört werden, und wie ein König sich gegen Gott verhalten soll.
Der Sohn Gottes sprach: "Wie um der Liebe des Menschen
willen zuweilen ein Reich gerettet wird, so sind öfter aus Anlaß der neu
ausgesonnenen Bedrückungen Reiche zu Grunde gegangen. So will ich Dir von
einem Reiche ein Beispiel melden. Der König verließ sich mehr auf das Geld,
das er vom Volke und Durchreisenden mit Betrug und erheuchelter Gerechtigkeit
erpresset, als auf Gott. Deshalb verlor er sein Leben und ließ sein Reich in
Trübsal zurück und seine neuen Erfindungen sind zu einer Gewohnheit und
gleichsam zu einem Gesetze geworden. Vertraut der Fürst aber auf Gott und
bittet er mit Liebe die Gemeinde um Hilfe, so ist Gott vermögend, mit wenigem
Rettung zu gewähren und um der Liebe willen den Frieden gar schnell
zurückzuführen. Will daher der König sein Glück machen, so halte er sein
Versprechen gegen Gott und die Wahrheit mit seiner Gemeinde und hüte sich
vornehmlich, Neuerungen einzuführen und sich auf Kniffe zu verlegen. In
schwierigen Lagen aber soll er den Ratschlägen derer, die Gott fürchten und
nicht denen der geldgierigen Leute folgen,
weil es besser ist, einige Widerwärtigkeiten der Welt zu leiden, als
wissentlich wider Gott und seine Seele zu sündigen."
Eine schwere Drohung Gottes in Bezug auf die Kriegsverfassung eines Königreiches. Wie aber um dreier Dinge willen die Gerechtigkeit Gottes gemildert werden kann.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir zuvor gesagt: Ich
wollte über das kriegerische Wesen dieses Königreiches Heimsuchung halten
mit Schwert, Speer und Zorn. Aber sie antworteten: Gott ist barmherzig; es
wird nichts Übles kommen; lasset uns unseren Willen thun, unsere Zeit ist
kurz. Deshalb vernimm, was ich Dir jetzt sage. Siehe, ich will mich erheben
und nicht des Jünglings und des Greises, nicht der Reichen, noch der Armen,
nicht der Gerechten, noch der Ungerechten schonen; sondern ich werde mit
meinem Pfluge kommen und die Halme und Bäume vernichten, so daß, wo tausend
waren, kaum hundert übrig bleiben und die Häuser ohne Bewohner sein werden.
Es wird auch eine Wurzel voll Bitterkeit herauswachsen und die Mächtigen
werden abfallen, die Raubvögel mit ihren Krallen werden Erfolg haben und
verzehren, was nicht ihnen gehört. Doch kann um dreier Dinge willen meine
Gerechtigkeit besänftigt und gemildert werden. Weil drei Sünden in diesem
Reiche überflüssig im Schwange sind, nämlich Hoffart, Gefräßigkeit und
Begehrlichkeit, so soll Demut, Ehrbarkeit in der Kleidung, Mäßigkeit im
Trinken, Zügelung in den Begierden der Welt an ihre Stelle treten, damit mein
Zorn sich besänftige. Auch der Fürst des Landes soll, weil er lässig in der
Gerechtigkeit gewesen und sich vielerlei angeeignet hat, in dem Orte, den ich
Dir bestimme, ein Kloster zu Ehren meiner Mutter bauen; thut er das, so werde
ich ihm helfen und meine Liebe an ihm und allen seinen Mitgehilfen mehren, wo
nicht, so werde ich ihm die Krone nehmen und nach Maßgabe seiner Herrlichkeit
werden seine Trübsale sich vermehren; sein Königreich wird verachtet werden
und die Einwohner werden sich nicht freuen." ![]()
Christus zeiht eine Frau schwerer Übertretungen und zeigt ein Gericht, das dieselben verdienen, und wie er um der Buße und Genugthuung willen die Gerechtigkeit in Barmherzigkeit verwandelt.
Christus sagte zu einer, so daß die Braut es hörte:
"Deine Augen waren neugierig, Vergnügliches, zu schauen; die Ohren aber,
Dein, Lob und Possen zu hören; Dein Mund war zu Ehrabschneidungen und
unnützen Reden bereit; Dein Bauch allezeit voll Wollust und Du versagtest ihm
nicht, was er wollte. Du schmücktest Deinen Leib über die Maßen zu seinem,
aber nicht zu meinem Lobe mit Kleidern. Meine Freunde aber standen draußen
elend, hungrig und nackt und riefen, Du jedoch erhörtest sie nicht; sie
begehrten Einlaß und Du wurdest unwillig. Du warfst ihnen ihr Elend vor und
verhöhntest sie, und Deine Seele hatte kein Mitleid mit ihnen. Alles, was Du
zu Ehren Deines Leibes thatest, dünkte Dich leicht, alles aber, was Du für
mich thatest, über die Maßen schwer. Du lagst und saßest, wenn Du wolltest,
und fragtest nichts nach meiner Gerechtigkeit. Du suchtest alles, was schön
war, in der Welt, und um mich, den Schöpfer der Welt, der schöner ist, als
alles, hast Du Dich sehr wenig bekümmert. Wenn ich daher mit gerechtem
Urteile für die Hoffart Deines Mundes und aller Deiner Glieder wider Dich
vorgehen wollte, so würde es recht sein, daß alle Dich verabscheuten und
Dich öffentlich mit aller Schmach und Schande beschämten. Für Deine
Unkeuschheit wärest Du wert, daß sich die Gewebe aller Deiner Glieder
auflösten, Dein Fleisch durch Fäule verzehrt würde, Deine Haut vor
Geschwulst zerrisse, Deine Augen ausgerissen würden, Dein Mund sich
verzerrte, daß man Dir Hände und Füße abhiebe und alle Deine Glieder
beständige Verstümmelungen erführen. Für die Verachtung der Armen und
meiner Freunde aber und für Deinen Geiz wäre es recht, wenn ein solcher
Hunger Dich ergriffe, daß Du Deine Glieder, als wären sie ein Stück
Fleisch, gern verschlingen, Deinen Kot fressen und Deinen Harn trinken
müßtest, ohne jenen gleichwohl stillen zu können. Für Deine Ruhe und
Trägheit verdientest Du keine Ruhe, sondern
überall Elend und Traurigkeit zu haben. Für die Gunst der Menschen, welche
Du mehr suchtest, als mich, wärest Du einer solchen Verachtung aller wert,
daß auch Deine Kinder und teuersten Freunde Dich fliehen müßten und Du in
ihren Augen und Nasen wie übelriechendes Fleisch und Menschenkot stinken
müßtest. Sie müßten hundertmal lieber hören, daß Du tot seiest, als Dich
lebendig sehen wollen. Dafür aber, daß Du Deinen Nächsten Schaden
zufügtest und, Deine Hoffart zu erweitern, fremde Güter gehabt und an Dich
behalten hast, wäre es recht, daß alle Deine Glieder und Deine Gebeine
gliederweise zerschnitten würden, eine sehr scharfe Säge Dein Fleisch
unaufhörlich zerrisse, weil der Arme gepeinigt ward und Du kein Mitleid mit
ihm hattest. Für den Neid und den Zorn, wovon Du überflossest, wäre es
recht, daß Dich die Teufel mit ihren Rachen gänzlich verschlängen und mit
den Zähnen wie Mehl zerrieben, so daß Du den Tod wünschtest und nicht zu
sterben vermöchtest, aber immer hin und her gezerrt würdest und immer
lebtest, um die nämliche Pein zu erdulden. Weil ich jedoch barmherzig bin und
keine Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit thue, und auch keine Barmherzigkeit
ohne Gerechtigkeit, so bin ich bereit, mich aller zu erbarmen, welche Buße
thun, so jedoch, daß ich die Gerechtigkeit nicht verlasse, sondern die
Größe der Gerechtigkeit in Leichteres umwandle, weil ich den Teufeln
ebensowenig unrecht thue, als den Engeln im Himmel. Wie Du nun also in allen
Deinen Gliedern gesündigt hast, so mußt Du mit allen genugthun, und wirst
für eine mäßige Arbeit eine große Süßigkeit haben. Es enthalte sich also
Dein Mund des Vielschwätzens und jeglichen mühigen Wortes. Deine Ohren
mögen sich vor dem Ehrabschneiden und Deine Augen vor überflüssigem
Umherblicken verschließen. Deine Hände sollen sich aufthun, um den Armen
Almosen zu geben. Deine Kniee sollen sich beugen, um ihnen die Füße zu
waschen. Dein Leib müsse sich der Lüste enthalten und nur so viel Erquickung
zu sich nehmen, um in meinem Dienste zu bestehen, ohne geil zu werden. An
Deinen Kleidern soll kein Faden sein, an welchem Hoffart gefunden wird,
sondern alles soll nur zum Nutzen, zur Notdurft, aber nicht zum Überflusse
sein." ![]()
Es folgt eine andere Offenbarung.
Christus sprach: "Sage Deinem Meister, er solle nicht aufhören, zu rufen und seine Stimme zu erheben, weil ich bald komme. Glücklich werden sein, welche zur wahren Demut ihre Zuflucht nehmen."
Schwere Bedrohung des Königreiches Schweden.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich will dieses Land pflügen in Gericht und Trübsal, bis die Einwohner lernen, Gott um Barmherzigkeit zu bitten."
Von fünf Königen dreier Königreiche, welche unvernünftigen Tieren ähnlich sind, und wie der sechste König erhoben und gestürzt werden wird. Drohung Christi über Städte und Königreiche.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir zuvor fünf
Könige und deren Reiche gezeigt. Der erste ist ein gekrönter Esel, weil er
aus der Art guter Fürsten geschlagen und seinem Ruhme eine Makel beigefügt
hat. Der zweite ist ein unersättlicher Wolf, welcher seinen unversehenen Fall
nicht erkannt hat, um seinen Feind reich zu machen. Der dritte ist ein
hochfliegender Adler, welcher die übrigen verachtet; der vierte ein
stößiger und zerstörender Widder, der da zunimmt aus Gerechtigkeit Gottes;
der fünfte ein geschlachtetes Lamm, aber nicht ohne Makel, dessen Blut vielen
ein Anlaß der Trübsal und des Verderbens gewesen ist. Nun zeige ich Dir am
sechsten Könige, daß derselbe Land und Meer in Unruhe gesetzt hat und die
Einfältigen betrüben, auch das Land meiner Heiligen entehren und
unschuldiges Blut vergießen wird, der die
Zeit meiner Rache in die Kühnheit seiner Hände gelegt hat. Wenn er daher
nicht schnell aufmerkt, so werden sich meine Gerichte nahen; er wird sein
Reich in Trübsal zurücklassen und es wird geschehen, wie geschrieben steht:
Wollust und Wind säen sie aus, Trübsal und Schmerz werden sie ernten. Und
nicht allein dieses Reich werde ich heimsuchen, sondern auch noch reiche und
große Städte. Denn ich werde einen Hungrigen erwecken, welcher verschlingen
wird, was sie Angenehmes haben; die einheimischen aber werden nicht aufhören
und Zwietracht wird im Überflusse vorhanden sein; die Thoren werden herrschen
und die Greise und Weisen ihr Haupt nicht erheben. Die Ehre und Wahrheit
werden daniederliegen, bis derjenige kommen wird, welcher meinen Zorn
besänftigen, seine Seele aber aus Liebe zur Gerechtigkeit nicht schonen
wird."
Christus redet von zweien, welche in unähnlicher Weise ein bischöflicher Stoff genannt worden. Er giebt hier den Bischöfen eine sehr gute Lehre, sich in der Gnade zu erhalten und die Versuchungen zu fliehen.
Der Sohn Gottes sprach: "Erinnere Dich, daß ich Dich
zu einem Magister gesendet habe, von dem ich gesagt habe, daß er das Zeug zu
einem Bischofe habe, und daß ich gesagt habe, man solle aus vier Gründen
ersprießlich um ihn nachsuchen. Er ist jedoch nicht zum Bistume gelangt, weil
die Ratschlüsse der Menschen anders ausfallen, als die Ratschlüsse Gottes
und weil es Gott so haben wollte, daß er die Verachtung der Welt nicht zu
leiden hätte. Jetzt will ich Dir von einem anderen erzählen, von dem ich
gleichfalls gesagt habe, daß er zu einem Bisehofe geeignet sei, und dessen
Leib ich selber stärken und aus den Fallstricken des Teufels erretten werde.
Sein Gewissen wird die Hinterlist des Teufels nicht verdunkeln und seine Seele
wird meine Mutter mir darreichen. Ich begehre drei Dinge von ihm. Erstens,
daß er behutsam vorwärtsgehe und auf dem Wege nicht weiter, als er muß,
vorschreite. Zweitens, daß er über Mauern und Gräben springe und mir, was
mir am liebsten ist, nämlich Seelen, darbiete. Drittens soll er nicht den
linken Fuß vor den rechten setzen, noch den einen Fuß früher
ausheben, bevor nicht der andere feststeht. Was bedeutet das behutsame
Vorwärtsgehen auf dem Wege anderes, als daß er in den Versuchungen
vorsichtig sein und sich nicht zu viel abbrechen soll, damit die Natur durch
das Arbeiten nicht geschwächt werde, auch dem Leibe nicht mehr, als recht
ist, nachgebe, auf daß das Fleisch sich nicht auflehne wider die Seele.
Zweitens soll er über Mauern und Gräben springen. Diese Mauern sind die
Hindernisse und Widerwärtigkeiten, durch welche mein Freund verhindert und
überdrüssig wird, die Seelen zu gewinnen. Diese Hindernisse aber sind:
Furcht vor den Mächtigen, die Gunst der Schmeichler, das Drohen der Bösen,
die Schande und der Schaden der Welt, die Freundschaft fleischlicher Freunde
und die Ruhe des Privatinteresses. Über diese wird mein Freund mittels der
Beständigkeit des Glaubens, mittels der Süßigkeit des himmlischen Lebens
und seines Verlangens danach hinwegspringen. Die Gräben aber sind die
Versuchung der Fleischeslust, die Anfechtung unreiner Geister, die Verzagtheit
des Herzens, zügellose Freude, ungemäßigte Traurigkeit, Verhärtung und
Kälte des Gemütes. aber diese soll mein Bischof hinwegsteigen mittels des
Trostes der heiligen Schrift, durch Vorbilder aus dem Leben der Heiligen,
durch die Betrachtung der Schuld und der ihm widerfahrenen Barmherzigkeiten,
durch Reue und Leid, durch beständiges Beichten, Erforschung des göttlichen
Ratschlusses und die Furcht vor dem ungewissen Tode. Wenn der Bischof über
diese Mauern und Gräben hinübergestiegen ist, dann wird er einen für mich
kostbaren Schatz, das heißt, mir Seelen gewinnen können, und ich, Gott,
werde mit ihm sein in seinem Herzen und Munde, und werde seinen Leib bewahren,
auf daß nicht die Geschosse der Boshaften an sein Herz gelangen. Gleichwohl
wird er den Angriffen des Teufels nicht entgehen, ich werde sie aber von ihm
abwenden. Die beiden Füße aber sind die beiden Begierden, zu gefallen, die
eine Gott, um das ewige Leben zu erlangen, die andere, daß er den Menschen zu
gefallen suche, um zu Gott Fortschritte zu machen. Daher also soll der Bischof
den linken Fuß ausstrecken, d. i. den Menschen gefallen, nämlich dieselben
ermahnen, mit ihnen umgehen und mit den Irrenden Mitleid haben, damit er Gott
und dessen Geboten nicht mißfalle. Also soll er auch den rechten Fuß
ausstrecken, d. h. Barmherzigkeit üben, damit er nicht die Gerech-
tigkeit vergessen möge, weil es vor Gott rühmlicher ist, von einer mäßigen
Barmherzigkeit, als von einem Überflusse an Gerechtigkeit Rechenschaft zu
geben. Daß aber der Bischof den einen Fuß nicht eher aufheben soll, bis der
andere feststeht, bedeutet, daß er die Neigung und den Eifer gegen die
Sünder nicht eher üben soll, als bis er zuvor die Wahrheit erkannt und
fleißig erwogen hat. Denn er ist nicht heiliger, als David, welcher auch
gefehlt in Vollziehung der Gerechtigkeit, aber nachdem er gefehlt und die
Wahrheit erkannt, sich nach dem göttlichen Rate gebessert hat."
Die selige Jungfrau giebt hier den Fürsten eines Reiches etliche Ratschläge, um den König dieses Reiches von seinen Übertretungen abzuhalten.
Die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, redete mit, der Braut
Christi: "Ich bin diejenige, zu welcher der Engel gesprochen hat: Sei
gegrüßt, voll der Gnaden! Und darum erweise ich weine Gnade allen denen,
welche dieselbe in der Not haben wollen. Ich erzeige der Regierung des
Königreiches, in welchem Du geboren worden, meine Hilfe wider die leiblichen
und geistlichen Feinde Gottes. Die Einwohner desselben ermahne ich, einmütig
zu arbeiten, einen König zu erlangen, welcher sie zu andächtigen Werken und
ehrbarem Wandel anleiten wolle. Ich thue ihnen auch zu wissen, wie die
göttliche Gerechtigkeit vorhat, den König und sein ganzes Geschlecht von der
Leitung dieses Reiches zu entfernen; ein anderer, der im Reiche geboren
worden, wird zum Könige erwählt und wird nach dem Rate der Freunde Gottes
und zum Nutzen des Reiches herrschen. Daher sollen euer vier nach meinem Rate
thun, damit ihr noch mehrere zu euch herbeiziehen könnt. Haltet aber diesen
Rat geheim mit den Freunden Gottes und bewahrt ihn vor meinen Feinden
verborgen, auf daß die Ehre Gottes vermehrt, die gute Gewohnheit erneuert und
was der Krone entwendet worden, dem Reiche erstattet werden möge. Es möge
demnach einer oder auch mehrere zum Könige gehen und zu ihm sprechen: Wir
haben Euch etwas, das Euerer Seele Heil betrifft, zu sagen, das wir Euch unter
dem Siegel der Beicht behalten zu wollen bitten. Ihr möget
auch, je nachdem es euch nützlich scheint, noch mehr Worte hinzufügen, deren
Sinn etwa folgender sein mag: Ihr habt einen gar übeln Ruf im ganzen Reiche,
denn es heißt, Ihr triebt eine unnatürliche Vermischung und Unzucht mit
Männern wider die Ordnung der Natur. Dies ist deshalb wahrscheinlich, weil
Ihr wider Gott und Euere Seele einige Männer mehr liebt, als Euere eigene
Gemahlin. Zweitens darf gezweifelt werden, ob Ihr den rechten Glauben habt,
weil Ihr, durch die Kirche vom Anhören der Messe ausgeschlossen, gleichwohl
in die Kirchen gekommen und Messen gehört habt. Drittens seid Ihr ein Räuber
der Krone und der Güter des Reiches. Viertens seid Ihr ein Verräter Euerer
Diener und Unterthanen, welche Euch und Euerem Sohne getreulich dienten, und
die Ihr von freien Stücken samt der ganzen Landschaft Schonen in die Hände
ihres ärgsten Feindes verraten habt; vor seiner Bosheit und Arglist werden
sie, solange er lebt, nimmer sicher sein können. Wenn Ihr den Entschluß
gefaßt haben werdet, dieses zu bessern und die entfremdeten Landschaften
wieder zu erobern, werden wir Euch dienen. Wo nicht, so befehlt Euerem Sohne
unter dem geleisteten Eide, er solle die entfremdeten Länder wieder erobern,
die Gemeinde lieben, seinen Kriegsleuten treu sein, und alles nach den
Gesetzen des Vaterlandes gerecht und fromm regieren und lenken. Wisset aber,
ihr vier, daß Gott sich für die Zukunft einen anderen König vorgesehen hat,
welcher solchergestalt mit minderem Schaden und Gefahr öffentlich
hervortreten kann, denn der Herr ist vermögend, sowohl das Leben des
Jüngeren, als des Älteren abzukürzen, oder sie sonst aus dem Reiche zu
vertreiben und alles nach seinem Willen zu ordnen, zu verkürzen und auch zu
verlängern. Wenn aber jener nicht gehorchen will, so befragt insgeheim einige
von den Fürsten und Kriegsleuten des Reiches um Rat, und wenn ihr etliche
findet, die mit euch zu einerlei Willen geneigt, auch getreu sind, so sagt
ihnen öffentlich, was ihr zuvor dem Könige insgeheim gesagt habt, daß ihr
keinem Ketzer oder Verräter dienen wollet, ja auch seinem Sohne nicht, wenn
derselbe entschlossen ist, dem Laster seines Vaters zu folgen. Nachdem dieses
geschehen, sollet ihr einen zum Fürsten annehmen, welcher Namens der Krone
die Kriege des Reiches wird führen können. Ist derselbe nun erwählt und
vollkommen im Guten, so wird er mein Freund sein; wo aber nicht, wird er bald
vertilgt
werden. Ihr sollet Geld und dergleichen hergeben; ich will ein männliches
Herz und Kühnheit hinzufügen, so daß, wer nicht freiwillig gehorchen will,
wider Willen dazu getrieben werden wird. Wenn der König aber aus dem Reiche
weichen wollte, sollet ihr euch hüten, daß niemand unter euch seinen
Fußstapfen folge."
Erklärung einer besonderen Gnade der seligen Brigitta.
Diese große Gabe hat die Braut Christi von der Gnade des heiligen Geistes gehabt, daß, so oft sich ihr Menschen mit unreinem, hoffärtigem Geiste näherten, sie alsbald einen solchen Gestank empfand und im Munde einen so bitteren Geschmack hatte, daß sie es kaum zu ertragen vermochte. Als sich daher einer, der voll Sünden war, neben sie gesetzt und sie gefragt hatte: "Was hat es mit dem Geiste für eine Bewandtnis, den Du, wie man sagt, hast; ist derselbe von Dir, oder jemand anders, oder etwa vom Teufel?" da antwortete sie, welche seinen Gestank kaum auszuhalten imstande war: "Du hast einen stinkenden Einwohner und was aus Deinem Munde hervorgeht, stinkt. Thue also Buße, auf daß die Rache Gottes nicht über Dich komme." Er aber zürnte heftig darob und entfernte sich. Als er sich dem Schlafe hingegeben hatte, vernahm er die Stimmen unzähliger Teufel, welche sprachen: "Lasset uns diesen in die Schweinställe zerren, weil er die Ermahnungen des Heiles verachtet." Er ging nun in sich und besserte durch Gottes Gnade sein lasterhaftes Leben. Und nachmals kehrte, nachdem der Gestank aufgehoben war, der gute Geruch wieder.
Christus ermahnt die Menschen barmherziglich zur Betrachtung seiner Werke und ladet die Sünder unter Androhung schrecklicher Strafe und ewigen Wehes zur Buße ein.
Christus sprach: "Ich bin der Gott aller Dinge, dessen
Stimme Moses im Dornenbusche (Exodus III.), Johannes am Jordan
(Matthäus III. Markus I.), Petrus auf dem Berge (Matth. XVII. Lukas lX.)
vernahm. Ich rufe nach dir, o Mensch, voll Barmherzigkeit, der ich für dich
unter Thränen am Kreuze gerufen habe. Erhebe deine Ohren und höre mich;
öffne deine Augen und siehe mich. Siehe mich, denn ich, der ich rede, bin der
Mächtigste, der Stärkste, der Weiseste, der Kräftigste, der Gerechteste,
der Liebevollste und bei alledem der Allerschönste. Siehe und erforsche meine
Macht im Alten Gesetze, und du wirst dieselbe in der Erschaffung aller
Geschöpfe wunderbar und furchtbar finden. Du wirst auch meine Stärke bei den
widerspenstigen Königen und Fürsten finden, meine Weisheit in der
Erschaffung und Würde des menschlichen Bildnisses und in der Weisheit der
Propheten. Forsche nach meiner unvergleichlichen Kraft und du wirst dieselbe
in der Verkündigung des Gesetzes und meines Volkes Befreiung finden. Schaue
auch meine Gerechtigkeit am ersten Engel und am ersten Menschen, schaue sie in
der Sündflut, schaue sie in der Zerstörung der übrigen Städte und Staaten.
Meine Liebe siehe in Ertragung und dem Dulden meiner Feinde und in der
Ermahnung durch die Propheten. Siehe endlich und beherzige meine Schönheit an
der Schönheit und Wirksamkeit der Elemente, an der Verklärung Mosis, und
führe Dir zu Gemüt, wie recht es ist, daß du mich erwählest und lieben
mußt. Siehe außerdem, wie ich derselbe bin, der ich im Neuen Gesetze geredet
habe, der Allermächtigste und Allerärmste; der Allermächtigste bei Anbetung
der Könige und der Anzeige des Sterns, der Allerärmste, da ich in Windeln
eingewickelt und in die Krippe gelegt ward. Siehe mich ferner, den
Allerweisesten, der für den Unweisesten erachtet ward; den Weisesten, dem die
Gegner nicht zu antworten vermögen, den Unweisesten, als ich der Lüge
beschuldigt und wie ein Schuldiger verurteilt ward. Siehe mich auch, den
Allerkräftigsten und den Verworfensten; den Allerkräftigsten bei Heilung der
Kranken und Austreibung der Teufel, den Verworfensten bei Geißelung aller
Glieder. Siehe in mir den Allergerechtesten, der für den Ungerechtesten
erachtet worden; den Allergergerchtesten in Einsetzung der Wahrheit und
Gerechtigkeit, für den Ungerechtesten erachtet in der Verurteilung zum
schmählichen Tode. Siehe mich auch, den Liebevollsten und lieblosesten
Behandelten; den Liebevollsten bei der Erlösung und Verdammung der Sünder,
den am lieblosesten Behan-
delten, weil am Kreuze Mördern hinzugesellt. Siehe mich endlich als den
Allerschönsten auf dem Berge, den Allerhäßlichsten am Kreuze, weil ich
weder Schönheit, noch Schmuck gehabt. Siehe mich und betrachte, wie ich, der
ich um deinetwillen litt, jetzt mit dir rede. Siehe mich nicht mit den Augen
des Fleisches, sondern des Herzens; siehe, was ich dir gegeben habe, was ich
von dir fordere und was du mir zu vergelten hast. Ich gab dir eine fleckenlose
Seele, gieb mir dieselbe fleckenlos wieder. Ich litt für dich, auf daß du
mir folgen möchtest. Ich habe dich gelehrt, daß du leben solltest nach mir,
nicht nach deinem Willen. Höre ferner meine Stimme, womit ich im Fleische zu
dir gerufen habe: Thut Buße! Höre meine Stimme, womit ich am Kreuze zu dir
rief: Mich dürstet! Höre jetzt noch lauter, daß, wenn du nicht Buße thun
wirst, Weh über dich kommen und von diesem Weh dein Fleisch vertrocknen,
deine Seele vor Schrecken verschmachten und alles Mark verdorren, die Stärke
entkräftet werden, die Schönheit vergehen wird; das Leben wird zum
Überdrusse gereichen, die Flucht versucht, aber nicht gefunden werden.
Deshalb nimm eilends deine Zuflucht in den Schlupfwinkel meiner Demut, damit
das Weh nicht komme, welches angedroht wird, weil es darum angedroht wird,
damit es geflohen werden könne, wenn du von Herzen glaubst; wo nicht, so wird
die That den Worten Glauben verschaffen. Forsche jedoch bei den Weisen; was
ich verheißen habe, werde ich nicht unterlassen, obwohl ich in Geduld
geduldig des Duldens Frucht erwarte."
Aus dreierlei Dingen erkennt man, daß Christus bei seinem Tode wahrer Gott und Mensch gewesen, und daß Christus drei Freunde in der Welt gehabt, die sich nun von ihm abgewandt haben.
Maria redete und sprach: "Auf dreifache Weise konnte
beim Tode meines Sohnes erkannt und abgenommen werden, daß er wahrer Gott und
wahrer Mensch war. Erstens, weil die Erde erzitterte und die Felsen
zersprangen. (Matth. XXVII.) Zum anderen, weil er gesprochen: Die Schrift ist
erfüllt. Drittens, als
er zum Schächer sprach: Heute wirst Du mit mir im Paradiese sein. Denn dies
hätte kein Heiliger versprechen können."
Darauf redete der Sohn zu seinem Heere, das umherstand, und
sprach: "Meine Freunde! meine Worte sind ewig, und ihr wisset und sehet
alles in mir; wegen dieser aber, welche hier steht, rede und klage ich, was
sie ohne Gleichnis nicht zu verstehen vermag vor euch. Ich hatte drei Freunde
in der Welt. Der erste liebte mich, weil er meine Werke empfand, denn er
dachte bei sich: Gott giebt mir Frucht aus der Erde und von den Bäumen und
Fische ans dem Meere; er giebt mir außerdem Leib und Seele und daneben
Gesundheit und alle Notdurft; darum hat er mich mit dem Glauben und den Werken
der Liebe, mit Almosen und Fasten geliebt. Und so waren alle gute Laien. Auch
der zweite liebte mich, weil er mich empfunden und gesehen hat; denn er nahm
wahr, wie die Erde Frucht, der Himmel Regen gab; er sah auch in der Schrift,
wie er leben solle, wie der Weg und die Lehre meiner Heiligen beschaffen war,
und dachte bei sich: Die Menschen sind wie blind und gleichsam tot; weil Gott
mir Erkenntnis gab, will ich sie unterweisen. Und so waren die Gelehrten und
Geistlichen, welche mich mit dem Werke lobten und ehrten, indem sie einen
guten Wandel führten, denn sie empfanden und liebten mich, und trieben mit
ihrer Rede andere an und lehrten dieselben. Der dritte empfand, sah und
erkannte mich vollkommen in seiner Betrachtung. Er empfand wie der erste
Freund, welchen Nutzen ihm die Erde und der Himmel, durch den er erleuchtet
ward, brachte. Er hat auch mit dem zweiten aus der Schrift ersehen, was er
meiden und was er thun solle, drittens aber hat er auch aus innerstem Herzen
betrachtet, wie große Liebe ich ihm erwiesen habe. Deshalb hat er sich um
dreier Dinge willen, welche er betrachtete, dreifach ans Liebe betrübt: er
hat meine Nacktheit und Armut betrachtet, deshalb die Welt verlassen und die
Einsamkeit aufgesucht, er hat zweitens die Geduld in meiner Trübsal
betrachtet und deshalb sich die Enthaltsamkeit angeeignet; er hat meinen
Gehorsam bis zum Tode am Kreuze betrachtet und deshalb seinen Willen in die
Hände anderer übergeben; so waren fromme Klosterleute. Diese meine drei
Freunde riefen täglich in meine Ohren, und ihre Stimme war süß für mich
wie ein guter Trank und lieblich für
den Dürstenden. Nun aber haben diese meine Freunde sich hinweggewendet von
mir, und ihre Stimme ist mir ein Greuel geworden, wie das Geschrei der
Frösche. Denn der erste, die Laienwelt, spricht: Ich werde das Land bauen,
weil es mir Frucht bringt von meiner Arbeit nach meinem Gefallen; meine Arbeit
ist es, daß ich etwas habe; mein Fleiß, daß ich etwas besitze, denn wenn
ich nicht arbeitete, würde ich nichts haben. Sie danken mir nicht, daß ich
ihnen das Leben und die Gesundheit gebe, sie beachten nicht, daß ich ihnen
die Zeiten zu ihrem Nutzen ordne und eine passende Luft vom Himmel, sie
betrachten auch nicht, weshalb ich sie erschaffen und daß sie mir von ihren
Werken Rechenschaft ablegen sollen; darum eignen sie sich selber das Lob zu
und leben nach ihren Gelüsten. Außerdem berauben sie mich auch meines
Rechtes, weil sie mir den Zehnten nicht zahlen. Der zweite aber spricht: Was
ich habe, ist von meinem Fleiße; ich habe es mit einem gewissen Rechte und
deshalb will ich nach meinem Willen leben. Ich will mir die Weisheit der
Menschen erwerben, weil die göttliche Weisheit eine Thorheit ist, ihre Gebote
lästig sind und ihr Beispiel schwer nachzuahmen ist. Ich bin vielmehr zu
Ehren berufen; deshalb will ich dahin arbeiten, wie ich von den Menschen
geehrt werden könne; denn das ist weine Freude, in der Welt groß zu sein.
Der dritte spricht: Ich will in mein Kloster gehen, um eine größere Freude
zu erlangen, als die übrigen; ich will, wohin ich komme, unter den ersten
sitzen; statt der Armut spricht er: Ich will, daß mir nichts fehle; anstatt
der Enthaltsamkeit sagt er: Ich will nach eigenem Willen leben; statt des
Gehorsams sagt er: Ich werde den Menschen zu meinem Nutzen gehorsam sein, mich
aber nicht darum kümmern, Gott zu gehorsamen. Vermag ich den Menschen zu
gefallen, so genügt mir's. So klingt jetzt ihr vermaledeites Geschrei an
meine Ohren und so stehen sie vor mir." ![]()
Christus will an die Stelle der schlechten Christen die Heiden erwählen, wie der Thonbildner, wenn ihm ein Bild mißrät, ein anderes macht.
"Ich bin wie ein Bildner in Thon, welcher daraus ein
schönes Bild formt und es danach auf edle Weise vergoldet. Nach Verlauf
einiger Zeit sieht der Bildner nach seinem Bilde, findet dasselbe feucht und
durch die Feuchtigkeit wie veranstaltet; denn der Mund ist anstatt seiner
schönen Form gleichsam zu einem Hundsrachen verzerrt, die Ohren hängen
herab, die Augen sind herausgetrieben, Stirn und Wangen eingesunken. Nun
spricht der Meister: Du bist nicht wert, mit meinem Golde bekleidet zu werden.
Er ergreift das Bild und zerbricht es und macht ein anderes, das seines Goldes
würdig ist. Ich bin dieser Bildner, und habe den Menschen zu dem Ende
gemacht, um ihn mit dem Golde meiner Gottheit zu zeichnen. Nun aber hat ihn
die Liebe seiner Lust und Begierde so verunstaltet, daß er mein Gold nicht
wert ist. Der Mund, welcher zu meinem Lobe erschaffen worden, redet nichts,
als was ihm gefällt, dem Nächsten aber schädlich ist. Die Ohren vernehmen
nur Irdisches, die Augen erblicken nur Wollüstiges. Die Stirn der Demut ist
niedergesunken und die Hoffart aufgerichtet. Darum will ich mir die Armen
erwählen, d. h. die verachteten Heiden, und zu ihnen sprechen: Tretet ein und
ruhet im Arme meiner Liebe. Ihr aber, die ihr mein sein solltet, habt dies
verachtet und lebt nach euerer Lust zu euerer Zeit; und zu meiner Zeit,
nämlich der des Gerichtes, will ich zu euch sprechen: Sehet, man wird euch um
so viel Pein mehr auferlegen, als ihr euere Wollust mehr geliebt habt, denn
eueren Gott. Jener aber kommt zu mir wie ein Hündlein, legt sein Haupt und
seinen Hals in die Schlinge und bekennt sich schuldig. Darum ist ihm seine
Sünde vergeben." ![]()
Drei Dinge sind am Leibe und dreierlei an der Seele nötig, wie auch im himmlischen Heere ein dreifaches Gut ist. Von einem Bischofe, einem Freunde Christi und der Jungfrau Maria. Wie sich der in Erquickung seines Leibes zu verhalten hat, der auch diese Worte Christi den bösen Christen überbringen soll.
Maria sprach: "Im Heere des Königs der Engel findet
sich ein dreifaches Gut. Erstens, daß es Überfluß hat und sich nicht
vermindert. Zweitens, daß es beständig ist und nicht umkehrt. Drittens, daß
es leuchtend ist und sich nicht verdunkeln läßt. So müssen auch drei Dinge
im Leibe und in der Seele sein. Das erste, woran die Seele Überfluß haben
und das nicht gemindert werden soll, ist die Gabe des heiligen Geistes, welche
der Seele gegeben wird; obwohl sie zwar sich selbst und ihrer Kraft vollauf
hat, wird sie doch durch die Sünde vermindert. Das zweite soll die
Beständigkeit im guten Werke sein, daß sie nicht durch den bösen Willen
umgewandt werde. Das dritte soll glänzend sein von Schönheit und dem
Fortschritt in guten Werken, so daß sie nicht verdunkelt werde durch die
Farbe der bösen Lust oder der Begierlichkeit. Der Leib soll auch diese drei
Dinge haben: Erstens Erquickung, zweitens Arbeit, drittens Bezwingung der Lust
und fleischlichen Zustimmung, also erstens Sättigung im Schlafe und Wachen
und mäßige Erholung, so daß deren weder zu wenig, noch zu viel sei, sondern
so viel, daß der Leib im Dienste Gottes zu bestehen vermöge; zweitens
Ausdauer in der Arbeit mit aller Klugheit; drittens einen fröhlichen Willen
im Dienste Gottes und zur Bezwingung der bösen Lust, wodurch die Seele
erleuchtet wird. Weil nun mein Freund durch sein Gelübde seine Hände bindet,
damit sein Leib dem Fortschritte der Seele nicht entgegentrete, deshalb löse
ich, die ich die Königin des Himmels und meinem Sohne die Teuerste und
Nächste bin, sein Gelübde, weil es meinem Sohne also gefällt. Ich bin
diejenige, von welcher er seine Predigt anfängt, und gehe ihm vor meinem
Sohne mit meinem Gebete wie ein Gestirn der Sonne voraus und leite ihn und
folge ihm dann nach. Deshalb gestatte
ich ihm, daß er, wie es der Natur angemessen und nützlich ist, seinem Leibe
nachsehe und an den Fleischtagen Fleisch und an den Fischtagen Fische esse.
Außerdem verschaffe ich ihm drei Wohlthaten: Erstens eine sichere Weise für
gute Werke, zweitens reichliche Weisheit im Gewissen, drittens eine große
Freude zur Verkündigung des göttlichen Wortes. Außerdem wende ich ihm auch
jene Furcht, die er vor dem Übermaße im Genusse von Speisen hat, zum Guten,
so daß die Speise, welche er zu sich nehmen wird, ihm zur leiblichen und
geistlichen Stärkung gereicht, und ihn zum Fortschritte der Seele geeignet
macht."
Darauf erschien der Sohn und sprach: "Ihm ist das Amt
der Apostel aufgetragen; darum gestatte ich ihm, die Speise der Apostel zu
haben; denn die Apostel aßen, was ihnen vorgesetzt ward. (Lukas X.) So soll
er sich bei der Erquickung seines Leibes wie ein Apostel halten. Ich sende ihn
ja nicht zu den Heiden, wie meine anderen Freunde, sondern zu bösen Christen.
Denn gleichwie es schwieriger ist, eine Vermählte, welche böswilligerweise
aus der Gemeinschaft mit ihrem Gemahle geschieden ist, zurückzurufen, um
wieder bei ihrem Manne zu wohnen, als eine andere, welche des Mannes Lust noch
nicht gekostet, so ist es für böse Christen schwerer, zu Gott
zurückzukehren, als für solche, welche noch nicht die Worte Gottes und die
Süße seiner Güte gekostet haben. Weil er nun mein Freund ist und ich ihn
innigst liebe, lege ich ihm als einem Freunde eine beschwerlichere Last auf;
doch wird ihm alles, was er angreifen wird, durch meine Gnade leicht werden.
Am nächstfolgenden Osterfeste mag er sehen, daß er bereit sei, mein Werk in
Angriff zu nehmen; da wird er den Kern in fette Erde legen und derselbe wird
in vielen treiben und Frucht bringen. Dieser Kern sind meine Worte, die fette
Erde aber ist meine heilige Kirche, welche, durch die Weisen gepflügt,
fruchtbar werden wird. Darum möge er sicher dahin gehen, ich werde bei ihm
sein in seinem Herzen und Munde." ![]()
Weshalb die Freude am Weltlichen und die falsche Sicherheit gefährlich ist.
Maria sprach: "Eine kleine Freude nur gewährt das Lachen, von dem man auf das gewisseste weiß, daß Weinen folgen werde. So ist es mit dem Lachen der weltlich Gesinnten, wonach, die Menschen wissen es, Schmerzen in allen Gliedern folgen, das Herz brechen und die Freude sich in Trauer wandeln wird. Es ist auch eine große Gefahr, wenn man nicht darauf achtet, sich mit dem Richter zu versöhnen, bevor das Schwert den Kopf vom Leibe trennt. Eine solche Gefahr steht dem Menschen bevor, welcher verabsäumt, sich mit der Gerechtigkeit Gottes zu versöhnen, bevor der Tod die Seele vom Körper scheidet."
Der Gnade des heiligen Geistes sind diejenigen nicht würdig, welche von den Sünden nicht ablassen wollen.
Maria sprach: "Es ist der Brauch bei euch, daß, wenn
jemand mit einem geeigneten Sacke oder reinem Geschirre kommt, man ihm etwas
hineingiebt; allein wenn derjenige, welcher den Sack trägt, aus Faulheit
denselben nicht öffnen mag, und wenn sein Geschirr unrein und dem Kote
ähnlicher, als einem gereinigten Gesäße ist, der Träger auch keineswegs
den Vorsatz hat, dasselbe zu reinigen, wer sollte ihm dann seine kostbarsten
Sachen hineingeben, da er dessen nicht wert ist? Ebenso verhält es sich auch
geistlicherweise: Wenn der Wille sich zu dem Vorsatze, die Sünde aufzugeben,
nicht entschließen kann, dann ist es nicht recht, wenn ihm der Becher des
heiligen Geistes gereicht wird. Und wenn der Wille nicht im Herzen ist, die
Sünde zu bessern, so darf ihm die Speise des heiligen Geistes nicht
beigebracht werden, er sei König oder Kaiser, oder Geistlicher, reich oder
arm." ![]()
Den Dürftigen Geld leihen, aber ohne Zinsen, ist verdienstlich.
"Wenn jemand von Dir im Namen Gottes Geld zu leihen verlangt, von dem Du weißt, daß er davon keinen gottlosen Gebrauch machen will, so frage ihn, an welchem Tage er's zurückerstatten will, und nachdem Du überschlagen und zurückbehalten hast, was Du und die Deinigen zum täglichen Bedarfe nötig hast, so leihe ihm, soviel Du vermagst und er bedarf. Wenn er es auch am bestimmten Tage erstattet, wirst Du nichtsdestoweniger vom Herrn für jeglichen Pfennig Deinen Lohn empfangen. Hat er das Geld aber zur festgesetzten Zeit nicht zurückgegeben, so kannst Du von ihm verlangen, was nach den Gesetzen Deines Vaterlandes Dein ist und nichtsdestoweniger wirst Du Deinen Lohn für Deine Mühe und Dein Darlehen vom Herrn empfangen. So kannst Du mit Deinem Gelde weit mehr geistlichen Gewinn erwerben, als wenn Du es in Kisten verborgen liegen hättest. Aber hüte Dich soviel als möglich, daß Du auch nicht einen Heller als Zins annimmst, wenn anders Du für Dein Darlehen einigen Lohn von Gott zu haben begehrst."
Ein Gesicht, wie die Mutter Christi allen denen hilft, welche sich mit Gott versöhnen wollen, und denen die Pein verkürzt, welche verdammt werden sollen. Und von der Bosheit des Teufels wider die Menschen.
Es bedünkte die Braut Christi, die selige Brigitta, als
wenn die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, bei ihr stünde und ihr zur
Rechten verschiedene Werkzeuge lägen, mit denen sie sich in allen Gefahren
verteidigen könnte; zur Linken aber Waffen, diejenigen zu strafen geeignet,
welche sich durch bösen Willen zur Pein verdammt hatten. Darauf sprach die
Jungfrau zur Braut: "Wie Du verschiedene Werkzeuge erblickst, deren
jegliches zu seinem besonderen Werke notwendig ist, so will ich mit meinen
Werkzeugen allen
denen zu Hilfe kommen, welche meinen Sohn fürchten und lieben und mannhaft
wider die Anfechtungen des Teufels streiten. Diese sitzen gleichsam zwischen
Festungsmauern und kämpfen täglich wider die Nachstellungen der bösen
Geister, aber ich komme ihnen mit meinen Waffen zu ihrer Verteidigung zu
Hilfe. Während die Feinde sich bemühen, die Mauer zu untergraben und zu
zerstören, setze ich eine Stütze darunter; wenn sie sich bemühen, mit
Leitern hinaufzusteigen, so stoße ich sie mit Gabeln zurück; sind sie
bemüht, Öffnungen in die Mauerwände zu machen, so stelle ich dieselben
mittels meiner Maurerkelle wieder her und fülle die Löcher aus. Auf diese
Weise komme ich mit meinen Schutzwaffen allen denen zu Hilfe, welche sich mit
meinem Sohne versöhnt haben und fortan wissentlich niemals mehr wider ihn
sündigen wollen. Und obwohl ich nur drei Werkzeuge genannt habe, helfe ich
doch meinen Freunden mit zahllosen Waffen, womit ich dieselben verteidige. Von
den Werkzeugen, welche zu Deiner Linken sichtbar sind, will ich Dir drei
nennen. Das erste ist mein Schwert, welches aber schärfer ist, als das
Schwert des Henkers, das zweite ist ein Fallstrick, das dritte sind Hölzer,
womit diejenigen verbrannt werden, welche mit dem Willen, mit Ausnahme des
letzten Augenblickes bis ans Ende zu sündigen, vor dem Tode sich selber zur
ewigen Pein verdammt haben; denn wenn der Mensch in seinem Sinne entschlossen
ist, bis ans Ende wider Gott zu sündigen und nicht eher aufzuhören, als bis
er nicht mehr zu sündigen vermag, dann muß er von der göttlichen
Gerechtigkeit zu ewigen Strafen verurteilt werden. Und wie bei denen, welche
für verschiedene Verbrechen hingerichtet werden sollen, mancherlei Todesarten
auf Erden angewendet werden, so werden auch an den zur Hölle Verdammten
verschiedene Arten von Strafen ihrer Sünden halber vollzogen. Wenn der Mensch
daher so lange, als er lebt, zu sündigen gedenkt, so ist es recht, daß der
Teufel Gewalt über seinen Leib und seine Seele erhalte, und wie das Fleisch
von den Knochen geschnitten wird, so würde dem Teufel das Recht zustehen,
Leib und Seele jenes Menschen mittels einer so bitteren Pein zu trennen, als
wenn Fleisch und Knochen mit einem stumpfen Kieselsteine zerschnitten würden,
solange es der elende Leib in solcher Bitternis auszuhalten vermöchte. Wisse
jedoch auf das bestimmteste, daß, wenn einer auch wegen
der Größe seiner Laster an Leib und Seele von Gott dem Gerichte des Teufels
übergeben worden wäre, ihm doch, solange er lebt und Verstand hat, die Gnade
der Buße niemals entzogen wird; solchen aber, welche die Buße nicht
ergreifen, wird mein Schwert einige leibliche Pein vor ihrem Tode verkürzen,
damit der Teufel nicht über den Leib, solange derselbe in der Welt lebt, eine
volle Gewalt habe, wie er in der Hölle Macht hat; denn wie jemand seinem
Feinde zu dessen größerer Qual mit einer Säge den Hals abschneiden möchte,
so durchschneidet der Teufel die lebende Seele mit seinem Schwerte im ewigen
Tode. - Der Strick bedeutet den Schmerz, den eine verdammte Seele nach dem
Tode empfinden wird. Derselbe wird in der Hölle um so größer sein, je
länger das Leben in der Welt war, darum wäre es des Teufels Wunsch, daß der
Mensch, welcher den Willen hat, solange er lebt, zu sündigen, recht lange
leben möchte, damit er nach dem Tode desto längere Schmerzen haben möge.
Meine Gnade nun zerreißt den Strick, welchen Du siehst, d. h. verkürzt das
Leben des elenden Fleisches wider den Willen des Teufels, damit der Schmerz
aus dem Gerichte der Gerechtigkeit nicht so schrecklich werden möge, wie der
Feind begehrt; denn der Teufel zündet das Feuer in den Herzen seiner Freunde,
die in Wollust leben, an, und obwohl ihnen ihr Gewissen sagt, das sei wider
Gott, so verlangen sie doch so heftig, ihre Lust zu befriedigen, daß sie
unbekümmert wider Gott sündigen, und deshalb hat der Teufel das Recht, das
Feuer der Pein in der Hölle bei ihnen so oft anzuzünden und zu vermehren,
als er sie mit verkehrter Wollust in der Welt erfüllt hat."
Christus lobt den heiligen Franziskus, straft aber dessen Brüder, und fügt hinzu, daß er ihm den Ablaß gegeben habe, welcher zu Assisi ist.
Als die selige Brigitta in der Kirche der Brüder zu Assisi
war, hörte und sah sie Christum, welcher sprach: "Mein Freund Franziskus
ist vom Berge der Freuden hinabgestiegen in die Höhle, wo sein Brot die
göttliche Liebe, sein Trank beständige Thränen, und sein Lager die
Betrachtung meiner Werke und meiner Gebote
waren. Jetzt aber steigen seine Brüder auf den Berg der Sorgen und der Lust
der Welt und sehen nicht an die Demut und den Trost ihres Vaters und meines
Freundes. Aber sage mir, obwohl ich schon alles weiß, was ist in Deinem
Herzen, wodurch Du betrübt wirst?" Und jene sprach: "Ich bin
betrübt, weil einige sagen, dieser Heilige habe sich diesen Ablaß erdichtet,
und andere werfen ihm vor, daß derselbe nichtig sei." Christus
antwortete: "Wer etwas erdichtet, ist wie ein Rohr, das sich neigt nach
der Gunst der Schmeichler; mein Freund aber ist wie ein feuriger, brennender
Stein gewesen, weil er mich in sich hatte, der ich das göttliche Feuer bin.
Und wie Feuer und Stroh nicht zusammengehören, so findet auch die Lüge da
keine Gemeinschaft mit der Wahrheit und dem Feuer der göttlichen Liebe. Mein
Freund aber hat die Wahrheit gehabt und geredet und weil er die Lauigkeit der
Menschen gegen Gott und ihre Begierde zur Welt sah, empfand er heftigen
Schmerz. Deshalb hat er von mir ein Zeichen der Liebe begehrt, durch welches
der Mensch zur Liebe entzündet und die Begierlichkeit gemindert werden
möchte, und da er aus Liebe gebeten, habe ich, der ich die Liebe selber bin,
ihm ein Zeichen gegeben, nämlich, daß alle, welche arm an seine Stätte
kommen würden, mit meinem Segen erfüllt und von ihren Sünden befreit werden
sollten." Die Frau entgegnete weiter: "Mein Herr, soll dann der
Nachfolger widerrufen, was Du, der Geber aller Macht und Gnade, gegeben
hast?" Christus antwortete: "Was ich zu Petrus und dessen
Nachfolgern gesprochen, bleibt fest: Was Du binden wirst, das soll gebunden
bleiben. Doch werden um der Menschen Bosheit willen viele Gaben entzogen und
wegen des Glaubens und der Verdienste die schon gewährten Gnaden
vermehrt."
Alle Worte der Bibel sind von Gott ausgegangen und wie kostbare Edelsteine.
Gott der Vater redete mit der Braut des Sohnes und sprach:
Höre Du, die Du Dich über die Worte verwunderst, welche Du in der Bibel
geschrieben liesest. Sei auf das gewisseste überzeugt, daß jedes darin
geschriebene Wort von mir ausgegangen ist und
seine eigene Kraft und Wirksamkeit hat, wie Du siehst, daß die Edelsteine in
der Welt ihre natürlichen Kräfte haben, wie z. B. der Magnet seine
anziehende Kraft hat, mittels welcher er das Eisen anzieht. Einige Steine
mahlen die Körner und verwandeln dieselben in Mehl, andere werden in Mörtel
gewandelt und besitzen die Kraft, andere Steine zu verbinden, andere machen
das Eisen scharf, wie der Schleifstein, und so hat eine jegliche Gattung von
Steinen ihre Kraft. In der nämlichen Weise haben alle Worte, die von mir
ausgegangen sind, ihre Kräfte und alle stehen mit ewiger Schönheit im Himmel
und leuchten vor meinem ganzen himmlischen Heere wie die köstlichsten Steine
mit der lieblichsten Farbe im hellsten Golde. Und ein jeglicher, der im Himmel
ist, kennt die vorzügliche Kraft eines jeden derselben."
Wie der heilige Dionysius die Braut Christi tröstet, als ihr Gemahl auf einer Pilgerfahrt erkrankt war.
Als der Gemahl der heiligen Brigitta sich bereits auf der
Rückkehr von seiner Pilgerfahrt nach St. Jakob befand, ward er zu Arras
krank. Und als die Krankheit zunahm, ward die Braut Christi in große
Seelenangst versetzt, aber wert befunden, durch den heiligen Dionysius
getröstet zu werden. Derselbe erschien ihr im Gebete und sprach: "Ich
bin Dionysius und von Rom aus in diese Gegenden von Frankreich gekommen, das
Wort Gottes in meinem Leben zu predigen. Weil Du mich nun mit einer besonderen
Andacht liebst, deshalb sage ich Dir voraus, daß Gott durch Dich der Welt
bekannt werden will. Du bist meiner Hut und meinem Schutze anvertraut. Deshalb
will ich Dir allezeit beistehen und gebe Dir dessen zum Zeichen an, daß Dein
Gemahl an dieser Krankheit nicht sterben wird." So hat sie der nämliche
selige Dionysius auch noch viele andere Male in ihren Offenbarungen besucht
und getröstet. ![]()
Als der Teufel sie mit dem Adel ihres Geschlechtes und der Liebe Gottes versuchte, antwortete die heilige Brigitta und sprach:
"O Teufel! du bist durch deine Hoffart gefallen. Weshalb aber soll ich Hoffart suchen, da doch das Fleisch der Königin nicht besser als das der Magd, vielmehr alles schlecht und Erde ist? Weshalb aber soll ich mich nicht demütigen, da ich nicht Einen guten Gedanken von mir selber haben kann, es sei denn, daß Gott mir denselben eingebe?" Darauf erschien ihr Christus und sprach: "Die Demut ist eine Leiter, mittels derer man von der Erde zum Herzen Gottes hinaufsteigt."
Wie die heilige Brigitta die Haare der seligen Jungfrau Maria erhalten.
Als die heilige Brigitta sich eine Zeit lang in der Stadt
Neapel aufhielt, schickte eine Schwester, Klara mit Namen, im Kloster der
Klosterfrauen zum heiligen Kreuze zu ihr, und ließ ihr sagen: "Ich habe
Reliquien von den Haaren der Mutter Gottes, welche mir von einer heiligen
Königin verehrt sind. Diese will ich Dir jetzt geben, weil es mir von Gott
eingegeben worden, daß ich sie Dir überantworten soll. Und das Zeichen, daß
ich wahr rede, soll Dir sein, daß ich bald sterben und zu meinem Herrn kommen
werde, den meine Seele über alles liebt. Nachdem sie also gesprochen, lebte
sie nur noch wenige Tage und gab nach Empfang der Sakramente der Kirche ihren
Geist auf. Da nun die selige Brigitta zweifelte, ob diese Haare von den Haaren
der Jungfrau Maria seien, oder nicht, erschien ihr dieselbe Mutter Gottes im
Gebete und sprach: "So wahr es ist und geglaubt wird, daß ich Annas und
Joachims Tochter bin, so wahr ist es, daß diese Haare auf meinem Haupte
gewachsen sind." ![]()
Gesicht von einem Topfe über einem Feuer, einem Knaben, der dasselbe anblies, und der überflüssigen Liebe gegen die Kinder.
Es begab sich einmal im Kloster zu Alvastra, daß das Gemüt der seligen Brigitta, da sie nach Rom gehen wollte, von Liebe zu ihren Kindern erfüllt wurde und es sie schmerzte, dieselben zu verlassen, da sie gleichsam des mütterlichen Trostes beraubt würden. Sie fürchtete auch, sie möchten Gott nach ihrer Entfernung in irgend etwas kecker beleidigen, weil sie jung, reich und mächtig waren. Da erblickte sie in einem Gesichte einen Topf über dem Feuer stehen und einen Knaben, welcher die Kohlen anblies, damit der Topf erhitzt werden möchte. Die selige Brigitta sprach zu ihm: "Weshalb bemühst Du Dich so sehr, daß der Topf Feuer erhält?" Der Knabe erwiderte: "Damit die Liebe zu Deinen Kindern in Dir stärker entzündet und entflammt werde." Die selige Brigitta entgegnete: "Wer bist Du?" "Ich bin," antwortete jener, "einer, der Geschäfte machen will." Nun erkannte sie, daß in ihrem Herzen einige ungeordnete Liebe gegen ihre Kinder bestehe und besserte sich alsbald, so daß sie der Liebe Christi nichts vorzog.
Daß der Gehorsam zum Himmel einführt.
Als eines Tages die selige Brigitta sich aus einem Buche,
der Jungfrauenspiegel genannt, vorlesen ließ, ward sie im Geiste verzückt.
Wieder zu sich gekommen, sprach sie: "Ich habe im Geiste eine Stimme
vernommen, welche mir sagte, daß die Jungfräulichkeit die Krone verdiene,
der Witwenstand Gott näher bringe, die Ehe vom Himmel nicht ausschließe, der
Gehorsam aber jedermann in den Himmel führe." ![]()
Christus nennt eine Hütte eine Kammer des Heiles und gebietet der heiligen Brigitta, darin zu wohnen.
Christus gebot seiner Braut, von Rom nach dem neuen Schlosse der Abtei Farfa zu gehen, und er sprach: "Gehe, denn es ist Dir eine Kammer zubereitet." Als sie nun mit ihrem Beichtvater, dem Herrn Petrus, und ihren Hausgenossen dorthin gekommen war, erhielt sie mit äußerster Schwierigkeit von den Brüdern jenes Klosters eine schlechte Hüte zum Bewohnen, indem jene sich darauf beriefen, es sei bei ihnen nicht Brauch, mit Weibern zusammenzuwohnen. Demnächst erschien ihr Christus und sprach: "Dies ist eine Kammer des Heiles, in welcher Du hohe Dinge wirst verdienen und lernen können. Wie Du früher in hohen und schönen Häusern gewohnt, so kannst Du jetzt lernen, was meine Heiligen, welche in Höhlen wohnten, erlitten." Sie erfüllte Christi Vorschriften und gehorchte denselben.
Standhaftigkeit der heiligen Brigitta beim Tode ihrer Tochter. Wer wahrhaft eine Mutter und eine Stiefmutter ist, und wie Töchter erzogen werden sollen.
Als die Braut Christi vernahm, daß ihre Tochter Ingeborg,
eine Nonne im Kloster Risaberg, gestorben sei, sprach sie freudenvoll: "O
Herr Jesu Christe, o mein Liebhaber! gebenedeit seist Du, weil Du sie gerufen,
bevor die Welt sie in ihre Netze zog." Sogleich ging sie in ihr Betzimmer
und vergoß so viele Thränen, und stieß so viele Seufzer aus, daß es von
den Umstehenden vernommen werden konnte, und die Anwesenden sprachen:
"Sehet, sie weint um ihre Tochter." Da aber erschien ihr Christus
und sprach: "Weib, was weinest Du? Ich weiß zwar alles, will es aber
doch aus Deinem Munde hören." Jene antwortete: "O Herr! ich weine
nicht, weil meine Tochter gestorben ist; nein, ich freue mich, weil
sie, wofern sie länger gelebt, eine größere Rechenschaft vor Dir abzulegen
gehabt haben würde. Ich weine vielmehr deshalb, weil ich sie nicht nach
Deinen Geboten unterwiesen, weil ich ihr das Vorbild der Hoffart gegeben und
sie, wenn sie fehlte, zu gelind gestraft habe." Christus antwortete ihr:
"Jegliche Mutter, welche weint, wenn ihre Tochter Gott beleidigt, und
dieselbe nach ihrem besten Gewissen unterweist, ist eine wahre Mutter der
wahren Liebe und eine Mutter der Thränen und ihre Tochter ist eine Tochter
Gottes um ihrer Mutter willen. Die Mutter aber, welche sich darüber freut,
daß ihre Tochter sich nach der Welt zu schicken weiß und sich um ihren
Wandel nicht kümmert, wenn sie nur von der Welt erhöht und geehrt wird, ist
keine Mutter, sondern eine Stiefmutter. Darum soll Deine Tochter um Deiner
Liebe willen und wegen Deines guten Willens auf einem kurzen Wege zur Krone
der Herrlichkeit hinübergehen."
Christus erläßt seiner Braut das Gelübde des Fastens im Advent des Herrn.
Als die selige Brigttia von Rom zum Grabe des heiligen
Apostels Andreas zog, konnte sie infolge verschiedener Krankheiten nicht nach
dem Königreiche Sicilien hinübergelangen, sondern nur bis zur Stadt Bari.
Als nun die Zeit des Advents des Herrn eintrat, in welcher sie zu fasten
gewohnt war, sich in ihrer Gesellschaft aber mehrere Kranke befanden und auf
dem Wege keine Fische zu finden waren, bat sie Gott, er wolle sich ihrer
erbarmen, damit sie Gott nicht beleidigten, oder dem Nächsten, wenn sie
äßen, kein Ärgernis gäben, noch daß die Kranken durch Fasten schwach
würden. Darauf erschien Christus und sprach: "Die Fische sind sehr kalt
und das Wetter ist nicht sehr warm, der Weg beschwerlich und steinig und ihr
seid krank, esset deshalb, was sich findet, denn ich bin über alle Gelübde.
Und was zur Ehre Gottes und zur mäßigen Unterhaltung des Fleisches ist, wird
nicht zur Sünde gerechnet werden." ![]()
Wie ein Bildnis des Gekreuzigten einer Frau, welche die selige Brigitta wie auf einer Säule stehen sah, ihr Ende voraussagte.
Eine gewisse hohe Dame aus dem Königreiche Schweden sah, als sie sich in der Nähe des heiligen Jakobus in Galizien befand, in einer Kirche ein Bild des Gekreuzigten, welches an die Wand gemalt war. Sie schaute dasselbe voll Andacht und Mitleid an, und vernahm alsdann eine Stimme, welche zu ihr sprach: "Wo Du dieses Bildnis reden, sehen und hören wirst, da wirst Du bleiben und sterben." Als sie nach ihrer Heimkehr ins Vaterland sich wieder auf die Reise nach Rom begeben hatte und in die Stadt Montefiascone gekommen war, erblickte sie im Hause einer gewissen Dame ein ähnliches Bild, wie sie in Spanien gesehen hatte. Dies Bild sprach zu ihr: "Hier wirst Du einkehren und verbleiben. Ich aber werde das Herz der Frau dieses Hauses bewegen, daß sie Dir allhier Wohnung gebe." Jene zog sich nun hierher zurück, blieb allda und führte unter Thränen, Fasten und Gebeten ein exemplarisches und wunderthätiges Leben. Sie erblickte einstmals eine Säule; auf derselben stand eine Frau von mittelmäßiger Statur, welche viele umherstehende Scharen anblickten und bewunderten. Aus ihrem Munde kam es wie Tau und weiße und rote Rosen, an deren Duft die zuschauenden Leute sich erfreuten. Als sie in der folgenden Nacht erwachte, erblickte sie ähnliches und vernahm eine Stimme, welche also sprach: "Die Frau, welche Du siehst, ist die Frau Brigitta, welche sich zu Rom befindet und aus fernen Landen Wein mit Rosen vermischt bringen und den dürstenden Fremden reichen wird."
Einer gewissen Dame Wallfahrt, Tod und Errettung, welche der Teufel, da sie noch lebte, gereinigt hat.
Eine gewisse Dame aus Schweden, welche der seligen Brigitta
nach Rom folgte und die Unbeständigkeit ihres Gemahls fürchtete,
bat die selige Brigitta, daß sie zu Gott für ihren Gemahl beten möge. Als
Brigitta dieses that, erschien ihr Christus und sprach: "Ziehet hin und
lasset euch von euerer Reise und heiligen Vorsatze nicht zurückhalten, denn
ich will dieser Frau die Reise abkürzen. Ich will ihren Leib bereiten, auf
daß, wenn der Sack ausgeleert worden, die Seele mit Süßigkeit erfüllt
werde; der Gemahl aber wird haben, was er begehrt." Als sie nun nach
Mailand gekommen waren, ward sie Dame krank und verschied in Frieden. Als sie
begraben worden, ward die Frau Brigitta während des Gebetes im Geiste
verzückt und vernahm, wie der Teufel sich beklagte, daß sie ihm nicht
zugesprochen worden. Christus antwortete diesem und sprach: "Gehe hinweg!
denn nachdem du den Sack gepeinigt und sie so gereinigt hast, will ich jetzt
die Seele, welche darinnen lag, in Besitz nehmen und ehren."
Wie ein Bischof, welcher die Welt liebte und vom Teufel betrogen worden, ohne Frucht gestorben ist.
Ein gewisser Bischof von Orvieto, welcher damals der
Statthalter des Papstes Klemens in der Stadt Rom war, hatte einige
Offenbarungen, welche der seligen Brigitta von Gott geschehen waren, bei sich,
achtete derselben aber wenig. Da erschien der seligen Brigitta, als sie im
Gebete war, Christus, und sprach folgende Worte: "Höre, Brigitta, weil
mein Wille ist, daß Dir einige künftige Dinge der Menschen geoffenbart
werden mögen, so wisse, daß jener Bischof niemals dasjenige erlangen wird,
was er zeitlicherweise mit allen Kräften und Neigungen seines Herzens
begehrt; das, was er gesammelt hat, wird er verlassen und an einem Orte
sterben, der nicht sein ist, und es wird ihm ergehen wie einem Hunde. Wenn
diesen der Mensch betrügen will, so bestreicht er zuvor ein Eisen mit fettem
Fleische; wenn der Hund dieses verschlingen will, wird er von dem Eisen
erwürgt. So zeigt der Teufel diesem Bischofe, wie die Freuden der Welt im
Herzen süß seien und daß alles, was er hat, seinem Stande gebühre. Darum
hat er sich vorgenommen, von seinen Belustigungen nichts seiner
Seele wegen aufzugeben, bis er, vom Tode gedrängt, alles ohne Frucht
zurücklassen wird. Warte daher und Du wirst alles das sehen, was ich Dir
gesagt habe." Wenige Tage danach ging der Bischof nach Avignon, wo er
sein Leben beschloß und wider seinen Willen seine Schätze zurückließ.
Christus tröstet die Braut, als sie wegen Bezahlung ihrer Schulden in Unruhe war, und sagt ihr voraus, es werde ein Bote mit Geld kommen.
Es begab sich vor dem Feste Allerheiligen, daß die selige Brigitta, als sich dieselbe zu Rom befand, wegen Mangels an Geld dergleichen von mehreren als Darlehen aufnehmen mußte, da sie in drei Jahren aus ihrem Vaterlande kein Geld empfangen hatte. Deshalb war sie in großer Angst um ihrer Gläubiger willen, welche sie täglich angingen, ihnen das geliehene Geld zurückzuzahlen. Da sprach Christus zu ihr: "Borge kühnlich Geld und tröste Deine Gläubiger; verheiße, am ersten Sonntage nach der Oktave der Erscheinung des Herrn, wenn man das Schweißtuch des Herrn zeigt, alles erstatten zu wollen; denn alsdann wird ihnen alles bezahlt werden." Also hat sie es auch gethan und um die Vesper des genannten Sonntags kam ein Bote aus ihrem Vaterlande, welcher Geld brachte und an demselben Tage wurden die Gläubiger befriedigt.
Christus offenbart der heiligen Brigitta die Gedanken eines Bischofs, der sie verurteilt, weil sie ißt, aber dennoch ein Freund der Jungfrau Maria ist.
Als die Braut Christi einmal bei einem Bischofe von Abo, dem
Herrn Hemming, bei einer Gasterei zu Tische saß, aß sie zur Ehre Gottes von
den ihr vorgesetzten köstlichen Speisen. Darob sprach der Bischof in seinem
Herzen: Weshalb enthält diese Frau wenn sie die Gabe des Geistes hat, sich
der köstlichen Speisen nicht? Während sie nun von solchen Gedanken nichts
wußte, ver-
nahm sie, als sie im Gebete war, im Geiste eine Stimme, welche sprach:
"Ich bin es, der einen Hirten mit dem Geiste der Weissagung erfüllt hat.
Geschah dies etwa seines Fastens halber? Ich bin es, der die Eheleute gemacht
hat; was verdienten dieselben? Ich habe einem Propheten befohlen, eine
Ehebrecherin zum Weibe zu nehmen. (Osee I.) Ist er nicht gehorsam gewesen? Ich
bin es, der mit Job geredet, sowohl während seines Freudenlebens, als da er
auf dem Miste saß. Deshalb, weil ich wunderbar bin, thue ich ohne
vorausgegangene Verdienste alles, was mir gefällt." Diese Offenbarung
teilte Brigitta sofort dem Bischofe mit und als er dieselbe vernahm, ging er
in sich und bekannte, daß er solche Gedanken bei Tische gehabt; deshalb
demütigte er sich von Herzen, bat sie um Verzeihung und forderte sie auf,
für ihn zu beten. Danach am dritten Tage erschien der Frau Brigitta die
seligste Jungfrau Maria und sprach: "Sage diesem Bischofe, daß, weil er
alle seine Predigten mit meinem Lobe anzufangen pflegt, und weil er durch sein
Urteil Dich bei Tische zwar gerichtet hat, dieses Urteil aber ein Urteil der
Liebe und nicht des Neides gewesen, verdient es seine Liebe, daß er
getröstet werde. Sage ihm also, ich wolle ihm Mutter sein und seine Seele
Gott darstellen, auch will ich ihm jetzt auseinandersetzen, daß er unter den
Dir früher gezeigten Tieren das siebente ist; auch, daß er die Worte Gottes
vor die Könige und Priester tragen wird." (Vergl. viertes Buch, CXXV.
Kapitel.)
Worte Christi, welche die heilige Brigitta dem Abte von Farfa mitteilte, damit er sich bessern möchte.
Christus sprach: "Du, Herr Abt, solltest ein Spiegel
der Ordensmänner sein, Du bist aber das Haupt der Huren. Das zeigt sich an
den Kindern, wegen derer Du berüchtigt bist. Du solltest ein Vorbild der
Armen, ein Spender an die Dürftigen sein, aber Du giebst zu erkennen, daß Du
vom Almosen ein großer Herr geworden bist, das wird daran sichtbar, daß Du
lieber in Schlössern, als im Kloster wohnst. Du solltest ein Lehrer, eine
Mutter Deiner
Brüder sein und bist ein Stiefvater, eine Stiefmutter geworden. Du spielst in
Wollust und Pracht, jene aber werden getränkt und murren den ganzen Tag. Wenn
Du Dich daher nicht besserst, werde ich Dich absetzen von Deinen Schlössern
und Du wirst mit den geringsten Brüdern keine Gemeinschaft haben, nicht, wie
Du meinst, in Dein Vaterland zurückkommen, noch in mein Vaterland
eingehen." Also ist nachmals auch alles eingetroffen.
Wie die Braut Christi ein Stücklein vom wahren Kreuze Christi erhalten, das, jetzt verachtet, schrecklich erscheinen wird.
Ein junger Mann in Schweden, aus dem Linköpinger Sprengel,
hatte aus der väterlichen Erbschaft ein goldenes Kreuz erhalten, in welchem
Reliquien vom wahren Holze des heiligen Kreuzes eingeschlossen waren. Aus Not
und Armut verkaufte er das Kreuz und gab das Holz vom Kreuze einer frommen
Frau. Diese fürchtete sich, dasselbe zu behalten und schenkte es der heiligen
Brigitta. Als diese in Zweifel war, ob es vom wahren Holze des Kreuzes wäre,
oder nicht, sprach Christus zu ihr: "Jener junge Mann hat einen
unlöblichen Tausch getroffen; denn er nahm Kot und gab die köstlichste Perle
hinweg. Er empfing verächtliches Gold und ließ das Holz von sich, mit
welchem er die Widersacher hätte besiegen können. Was seine Augen
verlangten, hat er bekommen, wonach die Engel verlangen, hat er verloren.
Deshalb kommt die Zeit, in welcher das Holz, das jetzt verachtet wird,
erschrecklich erscheinen wird, denn wenige denken daran, wie schmerzlich ich
an jenem Holze gehangen, als mein Herz zerbarst und meine Nerven aus ihrem
Gewebe gingen." Deshalb ließ die selige Brigitta jenes Holz des heiligen
Kreuzes auf ehrenvolle Weise in einen Behälter legen, damit es nicht von
Unwürdigen getragen werden möchte. ![]()
Wie Christus seine Braut durch den Mangel eines Unterkommens für sich und die Ihrigen in Rom einen Monat lang in Trauer ließ, nachher sie aber tröstete.
Als die selige Brigitta zu Rom in einem Kardinalatshause,
neben der Kirche des heiligen Laurentius in Damaso, vier Jahre lang gewohnt,
sagte ihr des Kardinals Stellvertreter, sie müsse binnen Monatsfrist
ausziehen und sich ein anderes Haus suchen. Als sie dieses hörte, ward sie
gar sehr betrübt, weil sie ihre schöne, junge, edle Tochter bei sich hatte,
die anzuschauen eine Lust war. Sie fürchtete nun, kein ähnliches Haus für
die Erhaltung ihrer, und der Ehre ihrer Tochter zu finden. Unter Thränen
betete sie zu Gott um geeignete Abhilfe. Dieser wollte seine Magd prüfen und
sprach zu ihr: "Gehe und forsche diesen Monat hindurch, indem ihr, Du und
Dein Beichtvater, in der Stadt umhergehet, ob Du vielleicht ein anderes für
euch taugliches Hans finden magst." Sie gehorsamte und ging mit ihrem
Magister und geistlichen Vater den ganzen Monat hindurch mit Schmerz und Pein
in der Stadt umher, vermochte aber kein geeignetes Haus zu finden. Als ihre
Tochter, die Frau Katharina, die Nöten ihrer Mutter sah und für ihre Ehre
besorgt war, weinte sie häufig. Zwei Tage vor dem letzten Termine des Monats
ließ sie ihr Gepäck zurüsten und zusammenbündeln, um das Haus zu verlassen
und in eine öffentliche Fremdenherberge einzuziehen; von Schmerz betrübt,
begab sie sich ins Gebet und flehte unter Thränen den Himmel um Hilfe an. Da
erschien ihr Christus und sprach: "Du bist beunruhigt, weil Du für Dich
kein geeignetes Haus hast finden können. Wisse nun, daß ich dieses zu Deinem
Frommen und zur Erhöhung Deiner Krone zugelassen habe, damit Du durch
Erfahrung die Armut und die Schmerzen, welche die armen Pilger erlangen, die
außerhalb ihres eigenen Vaterlandes wallfahrten gehen, empfindest und
wissest, mit ihnen Mitleid zu fühlen. Wisse aber, daß Du aus diesem Hause
nicht vertrieben werden wirst; sondern Du wirst von seiten des Hausherrn die
Nachricht erhalten, daß Du getrost in diesem
Hause verbleiben kannst, wie Du es bisher in gutem Frieden und Ruhe mit Deiner
ganzen Familie gewesen. Und Du und Deine Hausgenossen und alle die Deinigen
werden da sicher sein, und es wird euch niemand weiter stören können."
Frau Brigitta ging, fröhlich zum Herrn Petrus, ihrem geistlichen Vater, um
demselben diese Offenbarung mitzuteilen. Alsbald klopfte ein Bote an die Thür
des Hauses, welcher Briefe vom Herrn desselben, voll tröstlichen Inhaltes
für sie, überbrachte, worin er ihr schrieb, daß sie nicht aus dem Hause zu
gehen brauche, sondern fest darin sitzen und beständig in allem Frieden und
geruhig darin wohnen bleiben möge.
Vom seligen Briaulph, einem Bischofe von Skara. Wie angenehm derselbe Gott und der Jungfrau Maria gewesen.
Es begab sich, daß, als am Tage von Mariä Reinigung die selige Brigitta in der Kirche zu Skara sich befand, sie einen gar süßen und ungewohnten Geruch verspürte. Als sie hierüber in Verwunderung war, ward sie alsbald im Geiste verzückt und erblickte die selige Jungfrau Maria, und bei derselben einen Mann von wunderbarer Schönheit, angethan mit bischöflichen Gewändern. Die Jungfrau Maria sprach zu ihr: "Wisse, meine Tochter, daß dieser Bischof mich in seinem Leben ehrte und die Ehre durch die That bekräftigt hat. Wie angenehm sein Leben Gott gewesen, hat der Wohlgeruch dargethan, den Du empfunden hast. Aber obwohl seine Seele jetzt vor dem Angesichte Gottes ist, liegt doch sein Leib hier ungerecht in der Erde. Und so liegt meine geliebte Perle unter den Schweinen."
Von diesem Bischofe ist auch im XXX. Kapitel des zweiten
Buches die Rede. ![]()
Wie der Schreiber gegenwärtiger Offenbarungen von einem langwierigen Kopfweh geheilt worden.
Der Herr Prior Petrus erzählt, daß, nachdem er von seiner Kindheit auf beständig am heftigsten Kopfweh gelitten, er die im Kloster Alvastra weilende selige Brigitta gebeten, daß sie deshalb für ihn beten möge. Als sie betete, erschien ihr Christus und sprach: "Gehe und sage dem Bruder Petrus, daß er von seinem Kopfschmerz befreit wird. Er soll daher mutig die Bücher der Worte meiner Offenbarungen an dich aufschreiben, weil er Helfer haben wird. Und von dieser Zeit an hat er dreißig Jahre lang keinen Kopfschmerz mehr empfunden."
Daß von den Durstigen dasjenige, was ihnen gereicht wird, mit Dank angenommen werden soll.
Als die selige Brigitta aus der heiligen Stadt Jerusalem
nach Rom zurückkehrte, sendete ihr eine Königin eine Summe Geldes aus
Mitleid nach der Stadt Neapel als Beihilfe. Als Brigitta zweifelte, ob sie ein
solches Geschenk annehmen dürfe, erschien ihr Christus und sprach: "Soll
man Freundschaft mit Feindschaft, oder Gutes mit Bösem vergelten? Oder soll
man den Schnee in ein kaltes Gefäß legen, damit er noch kälter werde? Wenn
also nun auch die Königin, was sie Dir angeboten, aus kaltem Herzen gegeben
hat, sollst Du es gleichwohl mit Liebe und Ehrerbietung empfangen, und für
sie bitten, daß sie zur göttlichen Wärme gelangen möge. Denn es steht
geschrieben: Der einen Überfluß hat, soll der Armen Mangel abhelfen. (II.
Korinth. VIII. 14.) Und: Kein gutes Werk wird vor Gott vergessen werden."
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Die Güter der Geistlichen sind ein Eigentum Christi, Derselbe will, daß die Armen davon unterhalten werden sollen.
Als die selige Brigitta einmal auf einer Wallfahrt das Geld,
das sie mit sich genommen, zur Ehre Gottes verwendet hatte, und nun Mangel
litt, erschien ihr Jesus Christus, für dessen Liebe sie das Ihrige anderen
reichlich gespendet hatte und nun selber darbte, und sprach, da sie betete, zu
ihr: "Obwohl die Welt mein ist und ich allen geben kann, so ist mir doch,
was mir aus Liebe angeboten wird, angenehmer, und ich fordere am liebsten, was
mein eigen ist. Nun aber, da ihr euer Gut fröhlich mir zu Ehren verspendet
habt, so werdet ihr zur Zeit euerer Not von dem Meinigen empfangen. Lasse
deshalb dem Erzbischofe dieser Stadt also sagen: Wie alle Kirchen mein sind,
so sind auch alle Almosen mein. Gieb deshalb mir und meinen Freunden von
demjenigen, was mein ist, weil, wie angenehm es mir auch ist, daß die Mauern
der Kirchen aufgerichtet werden, mir es doch eben so angenehm ist, meine
bedürftigen Freunde zu unterstützen, welche aus Liebe zu mir ihre Güter
verwendet haben. Erinnere dich, daß ich Elias zu einer armen Witwe gewiesen,
den ich zuvor durch die Raben hatte speisen lassen, - (III. Kön. XXVII.)
nicht, daß es zu jener Zeit nicht reichere Leute gegeben, oder daß ich ohne
die Witwe den Propheten, welcher vierzig Tage ungespeist geblieben war, nicht
hätte ohne Nahrungsmittel erhalten können; sondern ich that dies, weil ich
die Liebe der Witwe versuchen wollte, die ich, der ich, Gott, die Herzen und
Nieren erforsche, recht wohl kannte, aber anderen kundthun wollte. Du also,
der Du ein Vater und Herr der Witwe bist, thue den Witwen mit dem Meinigen
Gutes. Denn obwohl ich ohne Dich alles vermag, Du aber ohne mich nichts, so
will ich doch inzwischen Deine Liebe an ihnen wahrnehmen." ![]()
Wie übel es ist, die Freunde Gottes zu beunruhigen.
Als die heilige Brigitta zu Rom war, redete ihr Koch sie boshafterweise also an: "Frau! eben ist Euer Sohn Karl gehenkt worden." Sie antwortete ihm und sprach: "Das verhüte Gott! von wem hast Du das vernommen?" Und jener: "Pilger haben mir's gesagt." Später, gegen das Ende des Jahres, that dieser Koch Buße, beichtete und starb. Die selige Brigitta war sorgfältig um das Heil seiner Seele bemüht und begab sich ins Gebet. Nachdem sieben Tage verflossen waren, ward sie in eine geistliche Vision verzückt und erblickte einen Balken quer über die Hölle hinübergelegt, auf dessen Mitte die Seele des vorgedachten Toten saß. Da erschien die Jungfrau Maria und sagte zu ihr: "Kein Mensch glaubt, in wie großer Furcht diese Seele hier sitzt und zwar deshalb, weil sie, während sie im Leibe war, die Freunde Gottes beunruhigte. Gleichwohl sollst Du wissen, daß sie unter die Zahl derer gehört, welche gerettet werden sollen."
Daß der Gesang der Schwestern vom Orden des heiligen Welterlösers und die Tagzeiten, welche Magister Petrus, der Beichtvater der heiligen Brigitta, angegeben, sowie die Lektion in der Frühmette und die Regeln vom heiligen Geiste sind.
Maria sprach zur heiligen Brigitta: "Sende jenem meinem
Freunde meine Tagzeiten und sage ihm, daß sie derselbe eingegeben hat,
welcher die Regel eingab, und daß der nämliche Geist, welcher Dir gegeben
hat, die Lektionen zu schreiben, ihm offenbarte, wie er den Gesang in
wunderbare Weisen anzugeben habe; denn er fühlte in seinen Ohren ein so
starkes Wehen, daß ihm Haupt und Brust erfüllt wurden und sein Herz zur
Liebe Gottes entzündet ward, und so, wie das Wehen es ihm angezeigt, hat
seine Zunge den Gesang und die Worte hervorgebracht. Deshalb darf daran nichts
gekürzt
werden. Aber sage ihm, er soll sie meinem geliebten Freunde Hemming, dem
wahren Bischofe, zeigen, daß derselbe, sofern er will, Zusätze oder
Erläuterungen machen möge. Alles aber, was dort von meiner Kindheit
geschrieben worden, ist wahr, und die Kirche kann dem nicht widersprechen. Und
obwohl darin kein meisterhaftes Latein ist, gefallen sie mir doch aus dem
Munde dieses meines geliebten Freundes besser, als aus dem Munde irgend eines
weltlichen Magisters. Demnächst aber sollen die Tagzeiten samt der Regel im
Kloster Alvastra aufbewahrt werden, bis die Stätte meines Klosters vollendet
worden."
Der heilige Geist erleuchtet in zweifacher Weise des Menschen Verstand, und die Lesung und der Gesang der Schwestern des Ordens vom heiligen Welterlöser sind aus dem heiligen Geiste.
Die Jungfrau Maria redete mit der Braut Christi: "Für
Gott ist es ebensowenig schwer, etwas zu thun, als zu reden. Er hat die
giftigen Würmer erschaffen, daß sie wissen, wohin sie nach ihrer Nahrung zu
gehen haben, lieber aber neigt er sich zum Menschen, um sein Gewissen, je
nachdem es ihm gefällt, mit dem Verstande seiner Worte zu erleuchten. Und das
thut er auf zweierlei Weise. Erstens, daß es Dir vorkömmt, als wenn
gleichsam eine Person Dir zeigte, was gesagt werden soll, zweitens daß es
Deinem Magister bedünkte, als würden seine Ohren und sein Mund mit Luft
erfüllt, welche das Herz ihm von brennender Liebe gegen Gott entzündete,
wodurch er erlangte, Worte zu wissen, welche er früher nicht kannte, wie er
nämlich die Responsorien, Antiphonen und Hymnen machen und den Gesang ordnen
müsse. Und deshalb darf nichts davon abgekürzt, noch etwas hinzugethan
werden. Es wird jedoch gestattet, daß irgend ein Wort, wenn es vielleicht
dunkel erscheint, erläutert werde:" ![]()
Noch von demselben Magister Petrus.
Ein Engel redete mit der heiligen Brigitta und sprach: "Sage Deinem Meister, daß wir beide, er und ich, ein Glied Gottes sind; er ein äußeres, ich ein inneres. Er soll daher die Worte schreiben, welche ich Dir sage, und was ihm gefällt, kann er davon thun oder hinzusetzen. Denn wir werden beide von Einem Geiste regiert."
Wie süß und lieb Gott der heiligen Brigitta gewesen, und sie Gott.
Die selige Brigitta redete mit der Gottheit und sprach:.
"O Du, mein süßester Gott! wenn Du mich würdigst, mein Herz zu
besuchen, so können sich meine Arme nicht enthalten, meine Brust vor der
vergöttlichenden Liebessüße zu umfassen, die ich alsdann in meinem Herzen
empfinde. Es kömmt mir vor, Du werdest in meine Seele also eingedrückt, daß
Du wahrhaft ihr Herz und ihr Mark und ihr ganzes Innere wärest. Und deshalb
bist Du mir teurer, als beide, d. h. als Leib und als Seele. Glücklich würde
ich sein, wenn ich thun möchte, was Dir gefällt. Gewähre mir daher,
teuerster Herr, Hilfe und Vermögen, in allen Dingen Deine Ehre zu
wirken." Gott antwortete: "Meine Tochter! wie Wachs in ein Siegel
eingedrückt wird, so wird Deine Seele eingedrückt werden in den heiligen
Geist, so daß nach Deinem Tode von vielen gesagt wird: Sehet, jetzt sehen
wir, daß der heilige Geist mit ihr gewesen. Und meine Glut muß der Deinigen
zugesellt werden, so daß alle, welche sich nahen, dadurch erwärmt,
erleuchtet und gestärkt werden." ![]()
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
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