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Leben und Offenbarungen der heiligen Brigitta
Es werden diejenigen getadelt, welche ohne weiteres, unversehens, ohne vorgängige Prüfung die Personen, welche Visionen und göttliche Offenbarungen zu haben behaupten, verwerfen oder zulassen.
"Drchlauchtigste und, wollte Gott, wahre Könige in
Christo, meine vortrefflichsten Herren! Eine bittende und demütige Empfehlung
zuvor zu den Füßen Euerer königlichen Majestät! Weil es ein Brauch der
Könige ist, die Eigenschaften jener Personen sorgfältig zu ergründen, und
ergründend kennen zu lernen, welche ihnen ungewöhnliche Geheimnisse des
göttlichen Willens schreiben, und
weil in den gegenwärtigen, durch dichte Finsterniß [sic!] verdunkelten
Zeiten eine Frau von erlauchtem Geschlechte und Geiste, die Frau Brigitta, aus
dem Königreiche Schweden, eine Zierde aller Frauen, aufgestanden ist, welche
wie ein hellglänzender Stern in der Heiligkeit leuchtende Strahlen durch
verschiedene Landstriche der weiten Welt ergoß, und welche Euch jetzt auf
Befehl des höchsten himmlischen Kaisers das gegenwärtige unten folgende
Buch, das ihr auf göttliche Weise offenbart worden, schreibt, und als einen
zur königlichen Zier, zur Besserung Eueres Wandels und heiligen Regierung der
Unterthanen des Reiches trefflichen Spiegel sendet, deshalb, meine zu
fürchtenden Herren, und damit nicht das vorschnelle, unversehene,
unbescheidene Urteil einiger Unverständigen Euch zum Unglauben und zur
Härtigkeit Pharaos bewege, und wie ein Wirbelwind aus Eueren Herzen den Samen
des Glaubens und der Gläubigkeit herausreiße oder hindere, dieses
ehrenreiche, im Herzen der vorgedachten Frau vom Finger des lebendigen Gottes
geschriebene Buch demütig anzunehmen und zu glauben, habe ich den Vorsatz
gemacht, Euch, auf daß Ihr nicht auf solche Weise getäuscht werden möchtet,
kurz und vollständig den Zustand und die Beschaffenheit der Seele der
gedachten höchstseligen Frau, sowie die Weise darzulegen, wie sie ihre
Gesichte von Gott empfing. Ich beabsichtige auch, indem ich Euch und andere
zur Vorsicht anleite, kürzlich die Art zu beschreiben und beschreibend zu
lehren, wie man die göttlichen Visionen von den gar bösen Täuschungen des
Satanas zu unterscheiden vermag. Ich sage daher nun kurz, meine Herren, wie es
viele und verschiedene Arten von Visionen giebt. Dieser Gegenstand ist wegen
der Unwissenheit und Mangel an Kenntnis der heiligen Schrift und wegen
Unbekanntschaft der Gefühlsregungen beim innerlichen Gebete, bei der
Betrachtung und im geistlichen Leben unter den Menschen fremd und fast
unbekannt. Deshalb habe ich oft gewünscht, eine kurze Abhandlung
niederzuschreiben, gleichsam als eine Wurfschaufel zur Sichtung der Visionen,
um der großen Gefahren willen, welche leider vielen Personen zu meiner Zeit
aus Unbekanntschaft mit diesem geheimen und so ungwohnten Gegenstande
zugestoßen sind. Weil nun die selige Frau, welcher das gegenwärtige Buch auf
göttliche Weise in einem Gesichte geoffenbart worden, im Anfange sagt, daß
sie im Gesichte einen großen Palast von unbegreiflicher
Größe, dem heiteren Himmel ähnlich, gesehen u. s. w., so habe ich mich
entschlossen, die erwähnte Abhandlung oder Untersuchung hier in Art eines
Sendschreibens zu fassen, damit die guten und von Gott gewirkten Gesichte von
den teuflischen und boshaften unterschieden werden mögen, wie die Spreu aus
dem Korn geworfen und sorgfältig davon gesichtet wird, auf daß so das Korn
rein und lauter in die Scheuer geistlicher und katholischer Leute geborgen und
daselbst in Ehren gehalten werde, die teuflische Spreu der Täuschungen aber
vom Wehen des Windes der göttlichen Schrift weithin auf den Düngerhaufen
geführt und unter die Füße getreten werden möge.
So fange ich denn in Christi Namen an, und unterwerfe
allezeit jegliches, das ich gesagt haben werde, der Berichtigung der heiligen
Mutter Kirche und einem gesünderen Urteile. Ich behaupte, daß, wer die Arten
der Gesichte oder Offenbarungen gerecht und verständig prüfen,
durchgründen, unterscheiden und richtig beurteilen will, die obengedachten
zwei Stücke haben muß: nämlich die theoretische Wissenschaft der heiligen
Schrift in der Materie von den Visionen, welche die heiligen Väter und Lehren
feinsinnig und einleuchtend beschrieben haben, und die Praxis der Erfahrung im
geistlichen Leben, in den Gefühlströstungen und den innerlichen,
geistlicherweise oder intellektuell von Gott ihnen eingegebenen Gesichten.
Leider werden heutzutage bei wenigen Personen die obengedachte Theorie und
Praxis in Unterscheidung und gerechter Beurteilung der Visionen und Geister
gefunden. Deshalb irren viele wie blind auf Abwegen in dieser Sache umher, und
ziehen es vor, ohne weiteres die einfältigen und heiligen, mit Gott
verbundenen Personen zu verurteilen, als ernstlich zu untersuchen und hiernach
entweder anzuerkennen oder zu verwerfen, was anzunehmen oder zu verwerfen sein
möchte. In ihren unvorsichtigen Urteilen und vorschnellen Äußerungen oder
vielmehr Verleumdungen bringen sie nichts Vernünftiges vor, außer etwa, daß
der Engel des Satanas sich zuweilen in einen Engel des Lichtes verwandelt. Sie
führen auch die Beispiele einiger geistlichen Personen an, welche in
vergangener Zeit in ihren Gesichten vom Teufel getäuscht worden, ohne jener
eingedenk zu sein, welche durch göttliche Gesichte und Eingebungen von Gott
erleuchtet waren, und mittels derselben die Kirchen Gottes und andere
erleuchteten und führten. Sie verdammen vornehmlich ein-
fältige geistliche Personen, Ungelehrte und das weibliche Geschlecht als
unwissend und geringen Verstandes und Ansehens, und deshalb als unwürdig,
göttliche Gesichte oder Prophezeiungen zu empfangen, wobei sie außer acht
lassen, wie Gott der Allmächtige sowohl im Alten als im Neuen Testamente, um
seine Allmacht zu zeigen, häufig das Schwache in der Welt sich sowohl im
weiblichen, als männlichen Geschlechte auserwählt hat, um die Weisen zu
Schanden zu machen. Hat er nicht aus einem Hirten einen Propheten gemacht, und
unwissende Jünglinge mit dem Geiste der Weissagung erfüllt? Und hat er
nicht, keine Doktoren, sondern Fischer und ungebildete Leute zu Aposteln
erwählt, welche mit dem heiligen Geiste erfüllt worden sind? Waren nicht
etwa auch Maria, Aarons Schwester, Judith und Esther mit dem Geiste der
Weissagung erfüllt? Ist nicht durch das Weib Holda, die Prophetin, der König
Josias, wie er sich zu verhalten, angewiesen worden? (IV. Kön. XXII.)
Erinnerst du dich nicht, daß die Prophetin Deborah das Volk Israel regiert
hat? (Richter IV.) Haben nicht auch Samuels Mutter, Anna, Hagar und das Weib
des Manue, Samsons Mutter (ebend. XIII.), und andere Weiber des Alten
Testamentes den Geist der Weissagung gehabt? Auch im Neuen Testamente haben
Anna, Phanuel's Tochter, Elisabeth, Zacharias' Weib, und die Jungfrau Lucia
geweissagt, wie es ihre Bücher enthalten; ebenso die Sibylla Tiburtina und
die Sibylla Erythräa; viele andere außerdem, von deren Prophetien du in den
Büchern der heiligen Schrift und der Heiligen einen großen Vorrat finden
wirst. Darum ist es gefährlich, ohne weiteres geistliche Gesichte und
Personen, welche göttliche Gesichte zu haben behaupten, zu verdammen oder
anzunehmen, bevor man eine scharfe Prüfung der Beschaffenheit dieser
Personen, sowie über die Art, zu schauen, und über die Beschaffenheit des
Inhalts der Gesichte angestellt hat. Auch muß alles klar durch die göttliche
Schrift und durch die Schriften der heiligen Lehrer erhärtet werden, ob sie
von einem Geiste des Truges oder der Wahrheit eingegeben oder vermittelt
worden; denn wir haben gesehen, wie Pharao dem Moses, der ein einfältiger
Mann war, aber Gott geschaut hat, und seinem oder vielmehr Gottes Gesichten
und Worten nicht glaubte und in der Härte des Unglaubens hartnäckig
verharrte, weshalb er samt dem Volke Ägyptens elendiglich ins rote Meer
gestürzt wurde.
Auch viele andere habe ich zu meinen Zeiten gesehen, welche solche geistliche,
einfältige, unwissende Personen, sowie deren geistliche Gesichte für leer
und erdichtet, oder phantastisch gehalten haben, und ungehorsam gegen Gott
geworden sind, weshalb sie an sich und ihren Untergebenen die härtesten
Urteile Gottes, welche ihnen durch jene Personen und Gesichte vorherverkündet
waren, kläglich erfahren haben. Ein Beispiel siehe an der Zerstörung des
Königreichs Cypern, weil der Fürst, welchem, wie im XIX. Kapitel des
siebenten göttlichen Buches zu lesen, das gegenwärtige Buch geoffenbart
wurde, den Gesichten der heiligen Brigitta nicht geglaubt hat. Dagegen habe
ich aber auch andere gesehen und gehört, welche den Täuschungen geglaubt
haben, und deshalb gefährlich gefallen sind. Ein Beispiel hiervon ist im
LXVIII. Kapitel des sechsten himmlischen Buches zu ersehen, und im libr.
collat. patrum Joh. Cassians im II. Kapitel. Deshalb ist es geratener, solche
Gesichte und Personen mit reiflichem Bedachte zu prüfen, und wenn sie dann
gut, mit Überlegung und reiflich erörtert und verständig beurteilt sind,
dieselben entweder anzunehmen oder zu verwerfen. Der Apostel sagt: Prüfet die
Geister, ob sie von Gott sind. (I. Joh. IV.) Wenn dann in der Prüfung
gefunden wird, daß dieselben von Gott sind, sollen wir in Demut glauben und
durchaus gehorchen. Sind sie aber vom Teufel, so sollen wir sie als die
schlimmsten Täuschungen verachten und denselben durchaus keinen Glauben
zuwenden.
Hier wird eine Weise angegeben, die Prüfung in Bezug auf die Person, welche die Gesichte hat, anzustellen. Über die Weise, dieselben zu sehen, und die Beschaffenheit der Materie der Gesichte und Offenbarungen.
Die heiligen Väter und Doktoren der Kirche sagen, man solle
eine Person, welche Gesichte hat, auf folgende Art prüfen: Man soll fragen,
ob sie eine geistliche, oder ob sie eine weltliche, am Zeitlichen hängende
Person ist; ob sie unter der Leitung und besonderem, beständigem und
geistlichem Gehorsame eines älteren, klugen, tugendhaften, reifen,
katholischen, erfahrenen, geistlichen Vaters, oder ob sie nach eigenem
Gefallen oder Willen lebe; ferner, ob sie die
Versuchungen und Gesichte, welche sie hat, der Prüfung und dem Urteile ihres
geistlichen Vaters, oder anderer kluger, älterer, geistlicher Väter in Demut
unterwerfe und sich vor Täuschungen fürchte, oder ob sie dieselben
verheimliche und niemandes Prüfung und Urteil unterwerfe, oder ob sie sich
derselben überhebe und rühme und sich selbst hoch und andere gering achte.
Ferner muß untersucht werden, ob an der Person, welche die Gesichte schaut,
echte Tugendäußerungen des Gehorsams, der Demut und Liebe und eifrigen
Gebetes beobachtet werden, oder ob an ihr Ruhm- und Prahlsucht,
Selbstüberhebung, Hoffart und Begierde nach Menschenlob, Streben nach Ehre
und Würde und Nachlässigkeit im Gebete zu bemerken ist. Ferner, ob diese
Person bei geistlichen Männern für wahrhaft katholisch, rechtgläubig, den
geistlichen Vorgesetzten und Leitern der Kirche gehorsam, oder als verdächtig
in ihrem Glauben, ihrem Gehorsame gegen die geistlichen Vorgesetzten und
kirchlichen Obern gilt; desgleichen, ob sie im geistlichen Leben mannhaft und
in der Buße, sowie während ihrer Gesichte in der Demut seit längerer Zeit
beharrlich oder ob sie in diesen Dingen ein Neuling und Anfänger ist. Ferner,
ob die Person, welche die Gesichte hat, einen guten, natürlichen und
geistlichen Verstand, ein kluges Urteil der Vernunft und des Geistes hat, oder
ob sie oberflächlich, vorschnell und phantastisch ist. Der heilige Gregor
sagt in seinem Gespräche, daß heilige Männer zwischen Täuschungen und
wirklichen Offenbarungen mit einem innerlichen Geschmacke zu unterscheiden und
die in den Gesichten vernommenen Worte und gehabten Bilder zu beurteilen
wissen, so daß sie erkennen, was sie von einem guten Geiste empfangen, oder
von einem Truggeiste zu leiden haben. Endlich ist zu erfahren, ob eine Person
sonst noch durch wissenschaftlich gebildete und geistlich gesinnte Männer
über den Gegenstand und die Art der Visionen befragt und bewährt gefunden
ist oder nicht. Dieses nun scheint in Bezug auf die Prüfung der Person zu
genügen.
Was nun aber die Art, geistlicherweise zu sehen und zu
hören, oder das Empfangen von Offenbarungen und Gesichten anbetrifft, so
sagen die heiligen Väter und die heiligen Lehrer der Kirche, daß scharf
nachgeforscht werden solle, ob die Person, welche die Gesichte schaut und die
Worte derselben vernimmt, dieselben im Wachen, oder im Schlafe, oder im Traume
wahrnimmt; ob sie dieselben in einer
leiblichen, imaginären oder geistigen Vision, oder vielleicht in einer
übernatürlichen, intellektuellen Vision schaut, und ob während jenes
Geistesfluges, der Ekstase genannt wird, sie beim Sehen solcher Dinge einige
innerliche, übernatürliche Süßigkeit der göttlichen Liebe empfindet oder
nicht; auch ob sie alsdann jemand sieht oder hört, der mit ihr über
Geheimnisse redet, oder göttliche und geistliche Lehren zeigt oder nicht;
auch in welcher Gestalt sie solche Personen sieht; ferner, ob sie einige
Erleuchtung und Erhellung des übernatürlichen Lichtes in der Erkenntnis und
Offenbarung der göttlichen Wahrheit des geschauten Gegenstandes empfindet
oder nicht.
In Bezug auf die Beschaffenheit und Materie der Gesichte
selbst muß geprüft werden, ob jene Visionen mit der heiligen Schrift im
Einklange sind, oder ob sie davon abweichen; ferner, ob die Vision eine
tugendsame Anleitung für die menschlichen Handlungen und das Heil der Seelen
gewähre, oder ob sie zum Irrtum im katholischen Glauben verleite oder etwas
Neues und Seltsames, oder was gegen die Vernunft verstößt, enthalte oder dem
guten, tugendhaften und demütigen Wandel abwendig mache; oder ob die Gesichte
immer wahr sind, oder zuweilen lügnerisch und falsch, so zwar, daß, was sie
voraussagen, bisweilen wahr ist und bisweilen nicht; ob sie uns künftige
Ehren, oder Reichtum, oder menschliches Lob, oder in allweg nur Demütigungen
vorherverkündigen; ob sie uns verleiten, daß wir uns erheben oder vermessen
werden, und uns auf einige unserer Tugenden verlassen, oder uns demütigen;
ferner, ob sie uns zum Gehorsame auch gegen fromme, einfältige, tugendhafte,
geistliche Personen und unsere Vorgesetzten oder zum Gegenteile anmahnen.
Kurz, ich sage schließlich, daß, um eine vollkommene Prüfung in dieser
Materie vorzunehmen, acht zu geben ist sowohl auf die Person dessen, welcher
die Visionen hat, als auf die Beschaffenheit und Weise des Schauens und auf
die Beschaffenheit der Materie der Gesichte, und die Art, die Geister zu
unterscheiden, welche uns dieselben zeigen, eingeben oder darbieten, nämlich
ob sie gute oder böse Geister sind. Hierüber ist weitläufigst in den
Büchern dieser seligen Brigitta von Schweden gehandelt, namentlich im IV. und
LIV. Kapitel des ersten Buches, X. Kapitel des dritten Buches, XXIII. und CX.
Kapitel des vierten Buches, und im LII. und LXVI. Kapitel des sechsten Buches,
worin die gedachte Frau durch
Christum und die Jungfrau Maria vollständig über die Materie der
Unterscheidung der Geister und Visionen, sowie die inneren Empfindungen
belehrt worden. Denn wenn eine solche scharfe Prüfung nicht vorausgegangen,
kann man in sehr gefährliche Irrtümer verfallen, wenn man die Visionen und
Offenbarungen ohne Erörterung und wie aus dem Stegreife [sic!] annimmt oder
verwirft, man wird Falsches für Wahrheit erhalten, und das Wahre in höchst
gefährlicher Weise für falsch achten. So werden die guten und wahren
Gesichte und Einsprachen lange verworfen und nicht geglaubt werden; auch wird
man denselben nicht gehorchen, selbst wenn sie wahrhaft ausgingen vom Willen
Gottes. Falschen Vorspiegelungen dagegen wird, sowohl zum Schaden des Sehenden
als auch dessen, der ohne weiteres und ohne Erörterung zustimmt, Glauben
gewährt und gehorcht werden. Das ist häufig, sowohl im Alten als im Neuen
Testamente, der Fall gewesen, und noch heute wird ein solcher Irrtum häufig,
aus Mangel einer klugen und reiflichen Prüfung, begangen.
Es wird von der Beschaffenheit der Person und den Tugenden der seligen Brigitta, welcher das nachfolgende Buch geoffenbart worden ist, gehandelt.
Nach diesen theoretischen Betrachtungen wollen wir nun
handeln von der Beschaffenheit der Person, welcher das gegenwärtige Buch
offenbart ward. Zu wissen sei demnach, wie die durchlauchtige Frau, heiligen
Andenkens, die selige Brigitta, welche die Gesichte des gegenwärtigen Buches
und auch jenes (früheren) großen, himmlischen Buches und viel anderes im
Geiste erblickte und hörte, auch dieselben nach dem Befehle Gottes
niederschrieb, wie im CI. Kapitel des sechsten himmlischen Buches enthalten
ist, aus der Familie der gotischen Könige abstammte, und im Königreiche
Schweden, das nach Mitternacht gelegen ist, geboren war. Ihre Eltern lebten
nach adeliger Art und tugendsam. Als sie noch in der Ehe lebte, veranlaßte
sie ihren Mann zu vollkommener Enthaltsamkeit, so daß sie beide viele Jahre
ohne die Bande des Fleisches lebten. So wallfahrteten sie auch beide unter
großen Beschwerden und mit vielen Kosten und höchster Andacht zum heiligen
Jakob nach Galizien.
Nachmals kehrten sie in ihre Heimat, nach dem Königreiche Schweden, zurück.
Hier trat der Gemahl seine Himmelfahrt zum Herrn an. Sie aber, in vollkommener
Liebe der Keuschheit entzündet, übergab sich Christo völlig und
gänzlicherweise, welcher sie alsbald mit Worten liebreich als seine Braut
umfing und annahm, wie im ersten himmlischen Buche enthalten ist. Nun begann
sie deutlicher göttliche Gesichte zu haben, welche sie sogleich demütig der
Prüfung eines ihrer geistlichen Väter, eines heiligen Mannes, unterwarf,
welcher der Theologie Magister war, nämlich des Magisters Mathias aus
Schweden, Domherrn an der Kirche zu Linköping, welcher die ganze Bibel
glossierte, wie aus dem LXXXIX. Kapitel des sechsten himmlischen Buches
erhellt. Die Frau Brigitta unterbreitete diese ihre Visionen demütig auch der
Prüfung und dem Urtheile [sic!] anderer Prälaten und religiöser,
geistlicher Männer, wie aus dem LXXVIII. Kapitel des vierten himmlischen
Buches zu entnehmen ist, und noch deutlicher aus der Vorrede der ihr von Gott
offenbarten Regel des Erlösers. Nachdem nun aber die vorgedachten, in der
Wissenschaft erfahrenen, im Leben geistlich gesinnten Männer die Gesichte,
Eingebungen und Offenbarungen, welche der gedachten Frau offenbart worden,
gebilligt und sich dahin erklärt hatten, daß sie aus dem heiligen Geiste der
Wahrheit hervorgingen, nicht aber vom trügerischen Geiste der Lüge, begehrte
sie selber, dem armen Christo in der Armut zu folgen und gewissermaßen in
seine Fußstapfen zu treten, und behielt von allen ihren Gütern für sich
nichts übrig, als den einfachsten Unterhalt und ein demütiges Kleid. Und
nachdem sie so ihre übrigen Güter unter ihre Kinder und die Armen Christi
reichlich verteilt hatte, machte sie sich aus den Banden der Welt los und ging
auf das Geheiß Christi, nach Abrahams Vorbilde, aus ihrem Vaterlande und aus
ihrer Verwandtschaft hinweg, wie zu ersehen ist aus der Erzählung ihres
Lebens, und so kam sie wallfahrtend nach Rom, um dort ein bußfertiges Leben
zu führen und demütig die Schwellen der Apostel und die Reliquien anderer
Heiligen zu besuchen, bis Christus ihr ein anderes gebot. Sie hatte stets zwei
ältere, reife, tugendhafte, jungfräuliche, erfahrene geistliche Väter bei
sich, welche ihr bis zum Tode folgten. Denn es war angemessen, daß dieser
keuscheste Bräutigam, welcher seine jungfräuliche Mutter seinem
jungfräulichen Jünger empfahl, auch seine neue
Braut jungfräulichen und tugendhaften Vätern zur Leitung überwies, deren
einer ein Mönch und gar gottesfürchtiger Cistercienserprior war,
jungfräulich dem Fleische nach und gar gelehrt. Und weil die Frau, wie
vorgemeldet, die Offenbarungen nach Christi Vorschrift in ihrer gotischen
Sprache niederschrieb, so übersetzte, nach derselben Vorschrift Christi,
dieser Prior aus jener ihrer Muttersprache alle Bücher (und auch dieses
gegenwärtige), welche der Frau von Gott geoffenbart waren. Von diesem
Ordensgeistlichen ist gegen Ende der Vorrede des himmlischen Buches die Rede.
Der andere geistliche Vater unserer Frau war ein schwedischer Priester,
gleichfalls verehrungswürdig durch ein jungfräuliches, heiliges Leben,
welcher das ganze Hauswesen der Frau Brigitta leitete, und sie samt ihrer
Tochter nach Christi Vorschrift in der Grammatik und im Gesange unterrichtete,
und mit väterlichen Zurechtweisungen und tugendsamen Regeln der
Vollkommenheit auf dem Wege der Tugend ihr Führer war. Diesen Vätern
gehorchte sie in ihrem ganzen Leben, in allen Tugenden, so in Demut gehorsam,
wie ein wahrer Mönch demütig seinem Vorgesetzten zu gehorchen pflegt.
Deshalb ist sie denn zu solcher Demut, zu solchem Gehorsame und zur
vollkommenen Abtötung ihres eigenen Willens gelangt, daß, wenn sie zur
Gewinnung des Ablasses nach heiligen Stätten ging, sie stets den erwähnten
Priester, ihren geistlichen Vater, zur Gesellschaft mitnahm, aber den Blick
ihrer Augen nicht von der Erde aufzuheben wagte, wenn sie nicht zuvor hierzu
die besondere Erlaubnis ihres geistlichen Vaters erbeten und erhalten hatte.
Täglich beichtete sie zwei- oder dreimal und an jedem Sonntage empfingen sie
und ihre verehrungswürdige Tochter, welche löblich bei ihr lebte und bis zu
ihrem Tode in der Buße und in einem gar keuschen Witwenstande verharrte, den
Leib Christi höchster Andacht und Demut. Sie lebten stets in geheimen,
strengen, leiblichen Bußübungen, welche sie nicht zum eitlen Ruhme den Augen
der Menschen, sondern Gott allein in Einfalt des Herzens demütig darbrachten;
auch waren sie in Reinheit des Geistes ihren genannten beiden geistlichen
Vätern in demütiger Unterwürfigkeit und beständigem geistlichen Gehorsame
ergeben. Diesen Vätern teilte die selige Brigitta auf der Stelle die
Visionen, welche sie hatte, mit, und unterwarf alle demütig deren Urteile und
Entscheidung. Nicht allein war sie äußerlich vor den
Menschen demütig, sondern hielt sich auch innerlich vor Gott für so
unwürdig, daß sie bei häufigen Unterredungen mit Christo im Gebete sich
gleichsam darüber entsetzte und denselben gewissermaßen tadelte, daß er
sie, eine so unwürdige, sich ausersehen habe, um göttliche Gesichte zu
schauen und zu hören, und seine heiligsten Worte niederzuschreiben, wie
deutlich aus dem XV. Kapitel des himmlischen zweiten Buches ersehen werden
kann, sowie aus dem Anfange des LII. Kapitels im sechsten Buche ("da
antwortete ich" u. s. w.), auch im XVIII. Kapitel des zweiten Buches und
an vielen ähnlichen Stellen. Welche Geduld und welchen Gleichmut aber die
genannte Frau besaß, will nicht ich beantworten, sondern mag dir vielmehr die
ehrenreiche Jungfrau, die heilige Agnes, versichern, welche darüber im XXIV.
Kapitel des vierten himmlischen Buches Zeugnis ablegt, welches anfängt:
"Agnes redete zur Braut und sprach: Komm', meine Tochter, und setze Dir
die aus sieben kostbaren Edelsteinen gemachte Krone auf u." Hierüber ist
weiteres in der Legende des Lebens derselben seligen Frau Brigitta
nachzulesen. Welche glühende Liebe sie ferner zu Christo und dessen
jungfräulicher Mutter hatte, siehe im LXIII. Kapitel des vierten himmlischen
Buches, im LII. Kapitel des siebenten Buches und im I. Kapitel des siebenten
Buches, mit vielen ähnlichen Stellen. Auch ihre Nächsten liebte sie so mit
mütterlicher Teilnahme, daß sie für viele insbesondere und für alle
insgemein unzählige Gebete an Christum richtete und häufig voll Andacht
Thränen vergoß, wie aus dem XXIII. Kapitel des dritten Buches und vielen
anderen Kapiteln des himmlischen Buches erhellt. Ja, als der König von
Schweden zu einer gewissen Zeit die Unterthanen im ganzen Reiche mit großen
Auflagen belasten wollte, um eine gewisse Summe Geldes, welche er seinen
Gläubigern schuldete, zu bezahlen, sprach die selige Brigitta zum Könige:
"Herr, thut das nicht, sondern nehmt meine beiden Söhne und stellt
dieselben als Geiseln, bis Ihr werdet bezahlen können, und beleidigt nicht
Gott und Euere Unterthanen." Solches ist noch deutlicher in der Legende
ihres Lebens enthalten. Die gedachte Frau war aber mit allen anderen Tugenden
so sehr geschmückt und erfüllt, daß Christus sie auf eine wunderbare Weise
zu seiner Braut annahm und sie mit wunderbaren Tröstungen und göttlichen
Gnaden gar häufig heimsuchte, auch zu ihr sprach: "Ich habe Dich
mir zur Braut erwählt, auf daß ich Dir meine Geheimnisse zeigen möchte,
weil es mir also gefällt." Bald darauf fügte er hinzu und sprach:
"Deshalb nehme ich Dich mir zur Braut und zu meiner eigenen Lust an,
welche Gott mit einer keuschen Seele zu haben gebührt." So erhellt aus
dem II. Kapitel des ersten himmlischen Buches, nebst vielen ähnlichen
Stellen, welche Du in den dieser Frau auf göttliche Weise offenbarten
Büchern finden wirst. Niemals war sie auf diese göttlichen Gnaden selber je
stolz, sondern demütigte sich täglich, wie ich Zeuge gewesen, unter Thränen,
und erachtete sich deshalb für eine größere Schuldnerin Gottes, und
fürchtete, daß ihr deshalb ein schwereres Gericht bevorstehe. Sie hätte
lieber selbst verborgen bleiben und jenen Schatz göttlicher Offenbarungen,
zur Bewahrung ihrer Demut, verheimlichen mögen. Allein Christus nötigte sie
durch das Gebot seiner Worte mehrmals zum Schreiben und zum unerschrockenen
Aussprechen seiner göttlichen Worte gegen die Päpste, den Kaiser, gegen
Könige und Fürsten und gegen Völker, damit durch die göttlichen Worte,
nämlich des himmlischen und des gegenwärtigen Buches, die sündigen Menschen
sich zu Gott bekehren, die Guten und Gerechten aber im Guten zunehmen
möchten, was deutlich aus dem XXVII. Kapitel des siebenten himmlischen
Buches, aus dem CI. Kapitel des sechsten Buches mit vielen ähnlichen Stellen,
sowie auch aus verschiedenen Kapiteln im gegenwärtigen Buche des himmlischen
Kaisers erhellt. Wer sollte nun wohl meinen, daß ein solches Leben den
Verspottungen der bösen Geister offen gewesen, und wer wird Christum solcher
Ruchlosigkeit zeihen, daß er den nicht schütze, der auf ihn hofft und der
nicht sich, sondern ihn aus der Fülle seiner Liebe preist? Oder setzt ein
braver Bräutigam eine keusche und getreue Braut aus, damit sie von einem
Ehebrecher betrogen werden möge?
Auf welche Weise die selige Brigitta ihre Gesichte und Offenbarungen hatte.
Bereits oben habe ich denen, die es nicht wissen, einiges
über die Beschaffenheit der Person und die Tugenden der seligen Brigitta
gesagt und offenbart. Weil sich aber nun viele verwundern,
und an jener Gnade, geistliche Gesichte zu schauen und zu vernehmen, welche
der vorgedachten seligen Frau gegeben war, zweifeln, und darüber vergewissert
sein möchten, hat man mich oft nach der Art gefragt, wie sie solche Dinge
schaute und hörte, und gebeten, darüber mich im Ernste auszusprechen, und
über die reine Wahrheit deutliche Gewißheit zu geben, durch welchen Geistes
Eingebung alle jene Dinge offenbart worden. Darum werde ich nun zur Ehre
Gottes und der Jungfrau und der vorgedachten seligsten Frau, sowie zur
Entfernung des Zweifels aus den Herzen der Zweifler ihnen zuerst zeigen, wie
und auf welche Weise sie die Gesichte sah und hörte, sodann werde ich durch
die sichtende Beihilfe der heiligen Schrift beweisen, wie diese Dinge gewiß
nicht aus dem Geiste der Lüge, sondern aus dem heiligen Geiste hervorgegangen
sind. Was das erste nun anlangt, so sage ich, daß man sich über die Art, wie
sie ihre Gesichte schaute, nicht allein aus meinen, sondern auch aus den
eigenen Worten der seligen Brigitta selber überzeugen möge, welche gerade
dieses in mehreren Kapiteln ihrer Bücher ganz deutlich zu erkennen giebt,
namentlich im LXXVII. Kapitel des vierten Buches, und im LII. Kapitel des
sechsten Buches, wo sie mit Christo folgende Worte redet: "O Du liebster,
vor allen süßester Gott! Wunderbar ist allen, die es hören, was Du an mir
gethan hast! Denn wenn es Dir gefällt, schläferst Du meinen Körper ein,
jedoch nicht mit einem leiblichen Schlafe, sondern mit einer geistlichen Ruhe.
Meine Seele aber erweckst Du dann gleichsam vom Schlafe auf, um auf geistliche
Weise zu sehen, zu hören und zu empfinden. O Herr Gott! wie süß sind die
Worte Deines Mundes! Mich dünkt aber, daß, so oft ich Deines Geistes Worte
vernehme, meine Seele dieselben mit einer gewissen Empfindung
unaussprechlicher Süße in sich verschlingt, wie die lieblichste Speise,
welche zu großer Freude und unaussprechlichem Troste in das Herz meines
Leibes zu fallen scheint. Wunderbar aber scheint zu sein, daß ich, während
ich Deine Worte höre, dann beiderlei, gesättigt sowohl, als hungrig werde;
gesättigt deshalb, weil mir dann nichts anderes gefällt, als Deine Worte,
hungrig aber deshalb, weil meine Begierde danach sich stets vermehrt u. s.
w." Hiervon ist auch in der Vorrede und am Ende der Regel des Erlösers,
welche derselben Frau auf göttliche Weise geoffenbart werden, und an vielen
ähnlichen Stellen die Rede, Auch ich habe, Gott ist mein Zeuge, die gedachte
Frau mehrmals, zuweilen sitzen, zuweilen niedergeworfen, ganz im Gebete
versenkt und wie tot, den körperlichen Empfindungen entfremdet, in den
Geistesflug hingerissen gesehen, wobei sie von dem, was an dem Orte, wo sie
sich leiblich befand, vorging, nichts sah, noch hörte. Wenn sie dann wieder
zu sich zurückkam, erzählte sie mir, obwohl ich dessen unwürdig war, und
ihren beiden vorgedachten Beichtvätern die Gesichte, welche sie eben gehabt,
und die großen, verborgenen Thaten und Geheimnisse Gottes. Ihre Weise,
Gesichte zu sehen, ist auch ganz deutlich in einem Gesichte und einer geheimen
Offenbarung enthalten, welche durch die Frau Brigitta selber an den Herrn
Papst Gregor XI. übersendet worden, worin erzählt wird, wie sie, im Gebete
wachend, im Geiste verzückt war; dabei schienen alle Kräfte ihres Leibes
gleichsam abzunehmen, aber ihr Herz ward entflammt und jubelte in der Glut der
Liebe. Ihre Seele ward getröstet, und ihr Geist mit einer gewissen
göttlichen Stärke gekräftigt; auch ihr ganzes Gewissen und Verstand ward
mit geistlicher Einsicht angefüllt, wie daselbst angegeben worden. Bisweilen
empfand sie auch auf fühlbare Weise mit einem unaussprechlichen Geistesjubel
eine gewisse, sinnlich wahrnehmbare, leibliche, wunderbare Bewegung in ihrem
Herzen, wie wenn dort ein lebendiges Kind sich umwendete; diese Bewegung war
von außen sichtbar. Da sie selber ungewiß war, ob dies ein teuflischer Trug
sei, zeigte sie es ihren geistlichen Vätern, welche die Sache durch Gesicht
und Gefühl wahrnahmen, und in Staunen und Verwundern gerieten. Diesen Zweifel
haben ihr Christus und die Jungfrau Maria gar schön aufgeklärt, indem sie
sagten, jene Bewegung des Herzens sei keine Täuschung, sondern eine
göttliche Gnade und ein Wirken des heiligen Geistes, wie im XVIII. Kapitel
des zweiten Buches und im LXXXVIII. Kapitel des sechsten Buches enthalten.
Ferner magst du wissen, wie die Frau Brigitta zuweilen wachend in einer
Verzückung des Gemütes betete, und im Geiste einige Gestalten oder Bilder
erblickte; es ward ihr dann aber nicht erklärt, was das Gesehene bedeutete,
sondern sie blieb ungewiß und zweifelhaft über die Bedeutungen dieser
Gesichte, wie aus dem II. Kapitel im vierten Buche und vielen ähnlichen
Stellen zu entnehmen, namentlich unten im XXXI. Kapitel des gegenwärtigen
Buches
des himmlischen Kaisers an die Könige. Solche Gesichte wurden ihr zuweilen
nachher im Verlaufe der Zeit von Christo erklärt, wie im XXXI. Kapitel dieses
und im letzten Kapitel des vierten Buches zu ersehen ist. Zuweilen ward ihr
auch niemals eine Erklärung über die Bedeutungen jener Visionen gegeben,
sondern sie blieb bezüglich derselben immer im Zweifel, wie aus einigen
Kapiteln des himmlischen Buches zu ersehen. Zuweilen schaute sie aber wachend
Gesichte in irgend einer Gestalt, und wurden ihr fast immer in derselben
Stunde diese Gesichte von Christo, welcher redete, oder von seiner Mutter, der
Jungfrau, oder durch einen Engel oder Heiligen erklärt, und ihr dann in ihrem
Verstande auf göttliche Weise die Bedeutungen solcher Gesichte offenbart, wie
aus dem VII. Kapitel des vierten, dem XXXV. und LII. Kapitel des sechsten
Buches, auch aus dem XLVIII. Kapitel des gegenwärtigen, nachfolgend
geschriebenen Buches, samt vielen anderen ähnlichen Stellen zu entnehmen ist,
welche du im himmlischen und in diesem Buche finden wirst. Du wirst aber
fragen können, wie es möglich sein kann, daß diese selige Frau, wenn sie im
Gebete wachend in Verzückung geriet, so oft Christum und seine Mutter, die
Jungfrau, und die Engel und Heiligen habe sehen können, welche immerdar
unveränderlich und wesentlich im Himmel sich befinden, und wie sie im
nämlichen Augenblicke auch die Seelen hat peinigen sehen und sie und auch die
Teufel im Fegfeuer und in der Hölle, sowie noch in dieser Welt lebende
Personen sprechen hören? Alle diese sah sie gemeiniglich in demselben
Augenblicke miteinander und hörte sie zugleich reden. War ferner, wenn die
Frau diese Dinge schaute, ihre Seele im Leibe, oder außerhalb des Leibes? Auf
diese Frage antworte nicht ich, sondern sie, der Spiegel aller Weisheit und
Wissenschaft, die Königin des Himmels, Maria, dir sehr schön im LII. Kapitel
des sechsten Buches und in ähnlichen Stellen. Dort ist entschieden, daß
dieses mittels einer wunderbaren Erhebung und Erleuchtung des Herzens und
Verstandes der seligen Brigitta, zum großen Nutzen des ganzen Leibes der
Kirche, unter Mitwirkung und durch den Dienst des heiligen Geistes geschah.
Denn zuweilen, wenn sie in irgend einer Ekstase die Gestalt Christi oder der
Heiligen sah, wurden in einem Augenblicke dem Verstande der seligen Frau
große Dinge, nämlich Lösungen von Fragen, Offenbarungen
von Geheimnissen, Anleitungen zu tugendhaften Werken und Regeln eines heiligen
Lebens mittels Einströmung eines übernatürlichen, göttlichen Lichtes
eingegeben. Auf diese Weise hat sie gleichsam in einem Augenblicke das ganze
Buch der Fragen, welches das fünfte unter den Büchern des göttlichen Werkes
ist, und auch die Regel des Erlöserordens, die ihr geoffenbart worden,
empfangen, wie am Ende der neunundzwanzigsten Regel gesagt ist. Zuweilen
erblickte sie auch selber einen Engel mit ihren leiblichen Augen, welcher ihr
auf Befehl Gottes eine gar schöne und sehr lange Rede nach und nach mit hohem
Ernste vorsagte, welche sie selber im nämlichen Augenblicke niederschrieb. So
ward in Zeitunterbrechungen der, ganz vortreffliche englische Sermon von der
Vortrefflichkeit der Jungfrau Maria geschrieben, der in Lesungen abgeteilt
ist, die wöchentlich nächtlich von den Klosterfrauen im gedachten Orden von
der Regel des Erlösers gelesen werden müssen.
Zuweilen sah die vorerwähnte Frau Brigitta nicht allein im
Geiste, sondern mit ihren seligen, leiblichen Augen den Herrn Jesum Christum
und die Jungfrau, seine Mutter, namentlich am Ende ihres Lebens, wie unten
erhellen wird. Sie selber bezeugte dieses ihrer Tochter und ihren geistlichen
Vätern. Meistenteils aber sah sie niemand, hörte vielmehr nur die Stimme des
Sohnes Gottes oder der Jungfrau, seiner Mutter, oder irgend eines Engels oder
Heiligen, welcher zum Nutzen der Nächsten, zur Ordnung des christlichen
Lebens, zur Bekehrung der Heiden und zu Offenbarungen von Geheimnissen
wunderbare Worte zu ihr redete, wie aus allen zuvor angeführten Büchern
erhellt, deren größerer Teil also anfängt: Der Sohn redete, oder: Die
Mutter redete zur Braut u. s. w. Zuweilen wurden ihr auf diese Weise viele
zukünftige Dinge vorhergesagt, und über die Zukunft Prophezeiungen gemacht,
auch andere Dinge, welche keine Prophezeiungen waren, durch dunkle Worte
mitgeteilt, deren Bedeutung sie selber nicht wußte, sowie, ob dieselben
wörtlich oder bildlich, geistlich oder auf welche Weise zu verstehen seien.
Sie selbst verstand solche Worte häufig wörtlich, wie der selige Franziskus
that, während doch Christus oder seine Mutter, wenn sie redeten, ihre Worte
geistlicherweise verstanden wissen wollten. Solches erhellt auch aus dem XV.
und LXXV. Kapitel des vierten himmlischen Buches und LXXV. Kapitel des
gegenwärtigen Buches
des himmlischen Kaisers an die Könige, und aus vielen anderen, in den
gedachten Büchern enthaltenen Kapiteln. Zuweilen wurden mit ihr auf solche
Weise auf göttliche Art deutliche Worte geredet, deren Wahrheit und Bedeutung
ihr dann klärlich dargelegt und eröffnet ward, wie in vielen Kapiteln des
himmlischen Buches enthalten ist. Siehe hierüber auch das XLVIII. Kapitel des
unten folgenden Buches am Anfange. Wisse jedoch, wie ich Unwürdiger oft aus
ihrem Munde vernommen, daß sie in allen obgedachten Weisen der Gesichte die
höchste Süßigkeit der Liebe Gottes und unaussprechlichen göttlichen
Trostes in ihrer Seele und ihrem Herzen dergestalt empfand, daß sie es mir
durchaus nicht anders, als mit Seufzern und unter Thränen erzählen konnte.
Prüfung nach der heiligen Schrift, unter welcher Gestalt von Gesichten die Gesichte dieses Buches und andere der seligen Brigitta geoffenbarte enthalten sind.
Nachdem ich den Zweifelnden bereits über die Beschaffenheit und die Tugenden der Person der vorgedachten seligsten Frau Brigitta, nach vielen oben angezogenen Kapiteln, sowie über die verschiedenen Arten, wie die gedachte Frau die Gesichte und Offenbarungen des gegenwärtigen und der übrigen Bücher sah, hörte und empfand, wie aus obigem erhellt, zuverlässigen Bericht erstattet, würde noch übrig bleiben, über die Beschaffenheit der Materie der Gesichte und Offenbarungen selber eine Betrachtung anzustellen. Weil ich dies aber oben berührt habe, und es unten noch berührt werden wird, auch aus der vorliegenden Materie dieses Buches und anderer ihrer Bücher sich klärlich ergiebt, so will ich mich dabei nicht länger aufhalten. Dagegen bleibt mir noch übrig, zu untersuchen und aus der Schrift und den Aussprüchen der heiligen Doktoren zu beweisen, unter welcher Gestalt von Gesichten insgemein die vorbemeldeten Visionen und Offenbarungen enthalten sind.
Nun soll man erstlich wissen, wie Angustinus im siebenten
Buche über die Genesis ad litteram und Hieronymus in der Vorrede zur
Apokalypse dreierlei Hauptarten von Visionen be-
schreiben, nämlich die korporelle, die spirituelle und die intellektuelle.
Die korporelle findet statt, wenn wir ein Gesicht mit den Augen des Leibes
haben; spirituell oder imaginär wird eine Vision genannt, wenn wir schlafend
oder wachend im Geiste Bilder von Dingen erblicken, durch die etwas anderes
bedeutet wird, wie Pharao Ähren und Moses einen Dornbusch brennen sah, jener
im Schlafe, dieser wachend. Eine intellektuelle Vision findet statt, wenn wir
z. B. durch Offenbarung des heiligen Geistes im Verstande unseres Innern die
Wahrheit von Geheimnissen, wie sie ist, erfassen, wie Johannes dasjenige
schaute, was im Buche der Offenbarung erzählt worden; denn er sah nicht bloß
Bilder im Geiste, sondern erkannte auch mit seinen inneren Sinnen deren
Bedeutungen. Die erste Art der Visionen, die körperlichen, berühren unsere
Materie nicht, wenn auch einige Male die selige Brigitta die glorwürdige
Mutter Gottes und deren Sohn mit leiblichen Augen schaute. So erblickte sie z.
B., als sie noch ein junges Mädchen war, einen Altar, und darauf saß die
Mutter Gottes, welche sie rief und ihr eine Krone aufsetzte. Und ferner, als
sie bei einer Niederkunft in Gefahr schwebte, trat die Mutter Gottes zu ihr
herein, so daß alle Frauen, welche zugegen waren, dieselbe erblickten, und
berührte ihre Glieder, und sie genas sogleich, wie dies in der Legende ihres
Lebens enthalten ist. Ebenso war es, als sie vom Himmel Feuer auf den Altar
herabkommen, in der Hand des feiernden Priesters die Hostie, und in derselben
ein Lamm, und an demselben das Antlitz eines Menschen und das Lamm im Antlitze
sah. Ein anderes Mal erblickte sie in der Hand des Priesters in der Hostie ein
lebendiges Kind, welches die Umherstehenden mit dem Zeichen des Kreuzes
bezeichnete, und sprach: Ich sage euch, die ihr glaubt, denen, die nicht
glauben, werde ich ein Richter sein. Siehe hierüber das LXXXVI. Kapitel im
sechsten himmlischen Buche. Als sie bereits auf den Tod krank lag, sah sie
gleichfalls Christum, der sie leibhaftig tröstete, wie eben gemeldet worden.
Solche Visionen sind, wie zu glauben ist, von Christo dieser seiner Braut,
unter Mitwirkung des heiligen Geistes, zu deren Troste gezeigt worden, aber
nicht durch einen bösen Geist trügerisch vorgespiegelt. Und dieses erhellt
deutlich, weil der Herr Jesus Christus selber ihr den Tag ihres Todes fünf
Tage, bevor sie starb, vorher-
gesagt hatte, und ihr befahl, die Sakramente der Kirche zu empfangen, auch in
ihren eigenen und in ihres Klosters Angelegenheiten etliches, das durch ihn
offenbart worden war, durch ihre Verfügung zu ordnen. Etwas derartiges würde
ihr der Teufel am Ende ihres Lebens nicht vorgeschrieben haben, wenn das
Gesicht ein teuflisches gewesen wäre. Daß diese Vision eine von Gott
gewirkte gewesen, wird auch dadurch erwiesen, daß sie im letzten Augenblicke
ihres Lebens die heilige Kommunion und letzte Ölung in Gegenwart vieler
Personen andächtig empfing, und nach deren Empfange Christum selber mit ihren
leiblichen Augen erblickte, der sie tröstete, und in dessen Hände sie
demütig ihren Geist befahl und starb. Dies ergiebt sich aus dem letzten
Kapitel des siebenten himmlischen Buches der Legende am Ende ihres Lebens. Bei
dieser Art, Visionen zu schauen, d. h. auf leibliche Weise, halte ich mich
für jetzt nicht auf, weil die Frau Brigitta nur wenige Male die Visionen mit
leiblichen Augen erblickte. Über die zweite Art der Vision aber, über die
spirituelle oder imaginäre der Schlafenden, wollen wir nicht reden,
weil dergleichen Träume vom heiligen Gregorius im XLVIII. Kapitel des vierten
Buches der Dialoge für höchst verdächtig erachtet werden. Dasselbe ist im
XXXVIII. Kapitel des vierten himmlischen Buches gesagt, wenn auch zuweilen die
Träume wahr und gut, ja von Gott sind, wie daselbst gesagt worden.
Ebendaselbst im himmlischen Buche sollst Du auch die Art sehen, welche Du zu
beobachten hast, wenn solche Träume sich ereignen. Auf diese Weise sah auch
die selige Frau, als sie noch ein junges Mädchen war, Christum einmal, als
werde er eben gekreuzigt, und ward von Stunde an stets herzlich vom Leiden
Christi gerührt. Auch dergleichen Traumvision berührt unsere Materie nicht,
weil die Frau Brigitta fast alle Visionen während des Wachens im Gebete
schaute, und nicht während des Schlafens, wie aus vielen Kapiteln des
vorgedachten himmlischen Buches deutlich erhellt.
Dagegen komme ich nun zu der zweiten von mir genannten Art,
nämlich den spirituellen oder imaginären Gesichten der Wachenden,
welche unsere Materie berührt. Der selige Augustinus spricht im zwölften
Buche über die Genesis ad litteram also: "Wenn aber die Richtung des
Geistes gänzlich abgekehrt und hinweggerissen wird von den Sinnen des
Körpers, dann pflegt man dieses mehr
eine Ekstase zu nennen. Denn alsdann sieht man alle anwesenden Leiber auch mit
den offenen Augen nicht; auch werden durchaus die Stimmen nicht vernommen,
weil das ganze Sehvermögen des Geistes entweder mittels der spirituellen
Vision auf die Bilder körperlicher Gegenstände, oder mittels der
intellektuellen auf unkörperliche Dinge, welche durch kein Bild eines
Körpers dargestellt werden, gerichtet ist" Aus diesen Worten erhellt
deutlich, daß, wenn die gedachte Frau entschlafen in Freude und in einem
Schlafe der göttlichen Liebe, den Sinnen des Leibes entfremdet, in einem
Gesichte begriffen war, wie sie oben selber erzählt, sie dann in einer
Entzückung sich befand, welche sie über sich selber erhob. Solche
Süßigkeit und Trunkenheit der göttlichen Liebe kann der Teufel in niemandes
Herz gießen, wie unten erhellen wird, weil er, was er selber nicht hat,
andern nicht einzugießen vermag. Wenn sie aber oben und in ihren Büchern
selber sagt: Gott erwecke alsdann ihre Seele gleichsam vom Schlafe, um das
Göttliche, Himmlische, Geistliche zu sehen, zu hören und zu empfinden, und
daß sie dann Gesichte schaute und im Geiste die Stimme des Rufenden vernahm;
dann war sie, wie sich deutlich aus vorbemerktem Ausspruche Augustinus ergiebt,
mittels einer spirituellen oder imaginären Vision im Geiste verzückt, weil
sie im Geiste diese Bilder und Gestalten schaute, und die Einsprachen
solcher Gesichte hörte. Wenn sie aber, wie oben angegeben, selber sagte, daß
ihr ganzes Gewissen und Verstand in dieser Verzückung durch einen gewissen
geistlichen Verstand erfüllt und erleuchtet worden, und daß, während
Christus redete, in einem Augenblicke in ihrem Verstande vieles, wie z. B. die
ganze Regel des Erlösers und das Buch der Fragen und vieles andere durch ein
gewisses Einströmen eines übernatürlichen, intellektuellen Lichtes
eingegossen worden, stehe! dann wird uns dadurch deutlich gezeigt, daß sie
alsdann in jener Ekstase sich befunden, und daß dann ihr Inneres und ihr
Verstand durch eine übernatürliche, intellektuelle Vision auf göttliche
Weise erhellt und erleuchtet wurde. Wisse auch, wie eine solche Erleuchtung
und Erhellung des Innern der Teufel durchaus keinem eingießen kann, weil in
einer intellektuellen Vision die Seele niemals vom Teufel getäuscht werden
kann, wie unten deutlicher aus Augustinus und Thomas von Aquino erhellen wird;
und hierin stimmen alle Doktoren überein. Wenn sie auch selber spricht, daß,
wenn sie sich in diesem Geistesfluge oder in der Ekstase befindet, der Sohn
Gottes, oder die Jungfrau Maria, oder irgend ein Engel oder Heiliger mit ihr
redete, was oben im himmlischen Buche und weiter unten im gegenwärtigen fast
durchweg begriffen ist, dann erkennen wir hieraus deutlich, wie der erbarmende
Gott selber, zur heilsamen Leitung der Frau und unserer eigenen, sich
herabgelassen hat, unsere Gewissen durch die Worte seiner Lehre zu erleuchten,
und daß er über seine verborgenen Geheimnisse und über zukünftige Dinge
und andere heiligen Lehren durch seine innere, göttliche Einsprache, mittels
einer intellektuellen Vision, uns durch diese Frau hat unterweisen und
belehren wollen. Aber eine solche Einsprache unterrichtet uns der selige
Gregor im achtundzwanzigsten Buche, Capitel II, seiner Moralien ebenso
vollständig als schön mittels folgender Worte: "Deshalb soll man
wissen, daß die göttliche Einsprache in zweierlei Weise unterschieden wird;
denn entweder redet Gott durch sich selber, oder seine Worte werden durch eine
englische Kreatur an uns gerichtet. Wenn Gott durch sich selber redet, wird in
uns allein die Kraft der innerlichen Eingebung geöffnet; wenn er durch sich
selber redet, wird durch sein Wort das Herz ohne Worte und Silben gelehrt,
weil seine Kraft durch eine gewisse innerlichste Erhebung erkannt wird, woran
das Herz haftet, wenn es voll ist, und beschwert wird, wenn es leer ist, denn
es ist ein Gewicht, das jede Seele, die es erfüllt, erleichtert. Es ist ein
körperliches Licht, welches das Innere erfüllt, und wenn es erfüllt ist,
auswendig umschließt. Es ist eine Rede ohne Geräusch, weil es das Gehör
öffnet, ohne einen Klang zu haben." - Und er fügt hinzu: "Denn
daß der Geist Gottes uns gleichsam einige Worte sagt, erfolgt durch eine
geheime Kraft, welche dasjenige, was geschehen soll, ankündigt, und des
Menschen unkundigem Herzen ohne Anwendung von Geräusch und mit Ausschluß der
langsamen Rede plötzlich über verborgene Dinge Kunde eingiebt." Nachher
fährt er fort und sagt: "Gottes Rede, welche inwendig an uns ergeht,
wird mehr gesehen, als gehört; denn indem sie sich ohne die Verzögerung,
welche das Reden verursacht, kundgiebt, erleuchtet sie mit plötzlichem Lichte
das Dunkel unserer Unwissenheit." Also Gregorius. Mittels solcher
innerlichen, göttlichen Einsprache ward diese heilige Frau über das, was in
diesem und dem himmlischen Buche enthalten,
zur geistlichen Unterweisung von Kaisern, Königen, Päpsten, Prälaten und
aller Völker, sowie zur Bekehrung der Ungläubigen von ihrem zu ihr redenden
Bräutigam Christus belehrt und unterwiesen, wie aus dem ganzen himmlischen
Buche und dem gegenwärtigen erhellt. Gregorius fügt auch im vorangeführten
Kapitel hinzu, das Gott zuweilen mittels Bildern, sowie durch Engel, welche
auf eine Zeit aus der Luft körperliche Gestalt vor unseren Augen angenommen
haben, zu uns redet, wie mit Abraham, welcher nicht nur drei Männer hat
sehen, sondern auch in seine irdische Wohnung hat aufnehmen können. (Genesis
XVIII.) Er fügt hinzu und spricht: "Denn wenn die Engel, welche uns
innerliche Dinge verkündigen, nicht für eine Zeit lang aus der Luft Leiber
annähmen, würden sie gewiß unseren äußerlichen Blicken nicht
erscheinen." So weit Gregorius. Auf solche Weise hat Gott auch oft durch
einen Engel mit seiner vorgedachten Braut geredet, namentlich als er, während
sie in Rom weilte, ihr einen Engel sandte, welcher ihr den Sermon von der
Vortrefflichkeit der Jungfrau diktierte. Sie sah denselben täglich mit
leiblichen Augen, und während er diktierte, schrieb sie mit
Zeitunterbrechungen diesen Sermon, wie weiterhin erhellt. Du wirst aber fragen
können, weshalb die Worte Gottes bisweilen so dunkel von ihm gesprochen
werden, daß sie verschiedentlich ausgelegt werden können, und bisweilen
anders von dem Propheten, welcher sie hört, und von anderen Menschen, und
anders von Gott, welcher redet, verstanden werden, wie am seligen Franziskus
zu sehen, als ihm von Christo gesagt ward: Gehe hin und erneuere meine Kirche!
sowie an vielen anderen, welche die Worte, die geistlicherweise verstanden
werden sollten, materiell und wörtlich nahmen. Ich antworte nach dem, was
Augustinus im zwölften Buche über die Genesis und Thomas von Aquino in II.
2. des Titels von der Prophezeiung, und andere Doktoren sagen: daß der
Prophet nicht immer richtig versteht, was ihm in der Offenbarung gesagt und
enthüllt wird. Hierüber siehe die Auflösung, welche dieser seligen Frau die
glorwürdige Jungfrau Maria im gegenwärtigen, nachfolgend geschriebenen Buche
des himmlischen Kaisers an die Könige im Anfange des XLVIII. Kapitels giebt.
Siehe auch im XV. und LXXV. Kapitel des vierten himmlischen Buches, nebst
vielen ähnlichen. Auf diese Weise verstand die Frau Brigitta zuweilen die
Worte der Gesichte
körperlich oder buchstäblich, während Christus und seine Mutter, wenn sie
redeten, dieselben geistlich oder bildlich verstanden, wie in den
obenangeführten Stellen zu ersehen. Es ergiebt sich also aus dem
Vorhergesagten, sowie aus den vorliegenden, dieser verehrungswürdigen Frau
von Gott offenbarten Büchern überhaupt, daß sie eine ganz besondere Gnade
des Geistes der Prophezeiung mittels einer inneren Einsprache Gottes und einer
spirituellen und intellektuellen, ihr von Gott freiwillig gewährten Vision
gehabt. Denn die wahre und eigentliche Prophezeiung, Offenbarung und
Wissenschaft und Lehre werden durch die spirituelle oder imaginäre Vision von
körperlichen Gegenständen oder Zeichen bewirkt, denen dann das Einströmen
des intellektuellen oder übernatürlichen Lichtes der göttlichen Wahrheit
hinzutritt, wie aus den oben angegebenen Arten und Wahrnehmungsweisen, mittels
deren sie die Vision schaute, und aus den Worten Augustins im zwölften Buche
über die Genesis ad litteram erhellt, wo die Worte hierüber ganz klar sind,
weil die leiblichen Bilder in ihrem Geiste ausgedrückt waren, und ihr
Verständnis fast immer auf göttliche Weise im Innern offenbart ward. Ja, ich
darf dreist mit dem seligen Thomas von Aquino in II. 2. qu. 173. und anderen
Lehrern sagen, daß der Grad der Prophezeiung, womit diese selige Frau von
Gott begnadigt war, unter allen Graden der Prophezeiung am höchsten geachtet
wird, weil darin der Prophet nicht allein die Zeichen der Worte oder
Thatsachen erblickt, sondern auch wachend jemand sieht, der mit ihm spricht
oder ihm etwas auseinandersetzt, namentlich wenn der Redende oder Erklärende
in der Gestalt Gottes erscheint, weil, wie man sagt, der Prophet sich
hierdurch mehr dem geoffenbarten Grund nähert, als wenn jener Redende oder
Erklärende sich in eines Menschen Gestalt oder eines Engels Gestalt zeigte,
nach Jsaias Ausspruch im VI. Kapitel: "Ich sah den Herrn sitzen" u.
s. w. Und hauptsächlich darum, weil unter allen Schriften aller Propheten
diese Schrift der oft gedachten Frau mit einer deutlicheren Art des
Verständnisses geoffenbart worden ist, als anderen Propheten ihre Schriften.
Nikolaus de Lyra, in seiner Vorrede zum Psalter, und andere Lehrer stimmen
darin überein, daß der Grad der Prophezeiung der vorzüglichere ist, auf
welchem bei Gleichheit des übrigen das Verständnis deutlicher ist. ![]()
Beweis aus der heiligen Schrift, daß die Gesichte und Offenbarungen dieses Buches und anderer Bücher der seligen Brigitta aus dem heiligen Geiste geflossen und hervorgegangen sind, und nicht aus einem Truge des Teufels. Derselbe wird mit den sieben hier angegebenen Gründen geführt.
Nachdem nun soeben demjenigen, welcher scharf blickt,
wahrlich deutlich genug dargethan worden, unter welcher Gattung von Gesichten
das gegenwärtige und andere der seligsten Frau Brigitta geoffenbarte Bücher
begriffen, wollen wir weiter nach den Aussprüchen der Heiligen untersuchen,
ob die Visionen und Offenbarungen gegenwärtiger Bücher vom heiligen Geiste
der Wahrheit oder einem trügerischen Geiste der Lüge dargereicht sind. Nun
sage ich, daß es viele Unterscheidungen giebt, mittels deren sich deutlich
die Offenbarung oder Vision eines guten von der eines bösen Geistes sowohl
nach der Beschaffenheit der Person, welche dergleichen sieht, sowie nach den
inneren Empfindungen ihrer Seele, als auch nach der Weise zu schauen und der
Materie des Gesichts unterscheiden läßt, indem man dasjenige, wozu die
Vision uns bewegt und anleitet, einer scharfen Erörterung unterwirft. Um
dieses zu erkennen und thatsächlich zu unterscheiden, ward unsere vorgedachte
Frau, damit sie nicht betrogen würde, mehrmals und deutlich genug von Gott
gelehrt, und durch Gesichte und göttliche Unterweisungen unterrichtet, wie im
LIV. Kapitel des ersten, im XIX. Kapitel des zweiten, im X. Kapitel des
dritten himmlischen Buches enthalten ist. Siehe hierüber auch die sieben
Unterscheidungen, welche dieser Frau Brigitta, der Braut Christi, von der
Jungfrau Maria unter den Visionen des guten und bösen Geistes im XXIII. und
CX. Kapitel des vierten, im LXVIII., LXIX. und XCII. Kapitel des sechsten
Buches und vielen ähnlichen bezeichnet werden. Obwohl nun die göttliche
Gnade, welche der gedachten seligen Frau freiwillig von Gott gegeben worden,
so deutlich und kundlich offenbar ist, daß sie durch keinen Argwohn eines
trügerischen Geistes verdunkelt zu werden vermag, zumal sie schon sonst noch
im Königreiche Schweden in diesem Betracht durch Prälaten, geistliche
Männer
und Magister in der Theologie fleißig geprüft worden und obwohl durch diese
entschieden worden war, daß diese Gnade eine göttliche, wie ich oben gesagt,
vom heiligen Geiste ihr auf göttliche Weise eingegebene sei, und obschon auch
wieder zu Neapel in Gegenwart des Herrn Erzbischofs Bernhard, dreier Magister
in der Theologie und mehrerer anderer Männer vom Krieger- und
Gelehrtenstande, was ich bezeugen kann, diese Gnade anerkannt, ja selbst eine
Offenbarung, welche ihnen Brigitta mitteilte, durch einen der genannten
Magister auf Befehl der Königin und des Erzbischofs vor der gesamten hierzu
berufenen Einwohnerschaft in der Kathedralkirche veröffentlicht und feierlich
verkündigt worden war, - so will ich dessenungeachtet zu größerem
Überflusse und damit den bissigen Verleumdern und Verkleinerern Schweigen
auferlegt, und denen, welche fromme Zweifel hieran haben, volle Genüge zu
teil werde, aus den Sprüchen der Lehrer der heiligen Schrift und der heiligen
Väter beweisen, daß jene Offenbarungen der gedachten Frau von Gott zur
Unterweisung und zum Nutzen des ganzen Leibes der Kirche und zur Anleitung
aller Auserwählten eingegossen und gegeben, nicht aber von einem boshaften
Geiste trügerisch unterschoben worden sind. Und dieses beweise ich durch
sieben Zeichen und nachfolgend verzeichnete Gründe, mittels deren die Vision
des guten Geistes von einem teuflischen Truge unterschieden wird. Das erste
sicherste Zeichen, daß eine Vision von Gott sei, ist dann vorhanden, wenn die
Person, welche die Visionen schaut, wahrhaft demütig ist und unter dem
Gehorsame und der beständigen Zucht eines geistlichen Vaters, eines klugen,
älteren, tugendhaften, im geistlichen Leben erfahrenen Mannes lebt. Ferner:
wenn diese so schauende Person sich nicht vermißt, noch erhebt, noch sich
rühmt, noch nach Menschenlob trachtet, auch die Gesichte nicht verheimlicht,
sondern in wahrer Demut lebt, alle ihre Gesichte und Versuchungen sogleich
entdeckt, und demütig der Untersuchung und dem Urteile ihres geistlichen
Vaters oder anderer, älterer, geistlicher Väter unterwirft, und dann als
bewährt annimmt, was er oder sie bewähren, oder als verworfen von sich
weist, worüber sie bestimmen, daß es zu verwerfen sei. Ich behaupte, eine
solche Seele kann nicht betrogen werden. Darüber findet sich ein klarer
Ausspruch in dem Buche collat. patrum Joh. Cassiani; coll. 2., in dem Kapitel:
Et ut hanc
eandem, welches von jenem Mönche redet, welcher vom Teufel unter der Gestalt
eines Engels des Lichtes betrogen ward; sowie in derselben coIIat. im Kapitel:
Tunc Moyses; worin der Abt Moses darüber in folgenden Worten redet: "Es
kann einer durchaus nicht betrogen werden, welcher nicht nach eigenem Urteile,
sondern nach dem Beispiele der Alten lebt; auch wird der listige Feind dessen
Unwissenheit nicht zu verspotten imstande sein, der alle in seinem Herzen
entsprossenden Gedanken nicht hinter einer gefährlichen Scheu verbirgt,
sondern dieselben nach einer reiflichen Prüfung durch Ältere je verwirft
oder zuläßt; sollte ein böser Gedanke vorhanden sein, so beginnt er, sobald
er enthüllt wird, zu welken und noch ehe das Urteil der Unterscheidung
gefällt worden, macht sich die überaus garstige Schlange, wie aus einer
finsteren, unterirdischen Höhle durch die Kraft der Beicht ans Licht
hervorgezogen und gewissermaßen verhöhnt und der Schande preisgegeben, auf
und davon, weil die schädlichen Eingebungen nur so lange in uns die
Herrschaft führen, als sie im Herzen verborgen werden." So spricht jener
Moses. Siehe auch weiter im folgenden Kapitel. Da nun die mehrgedachte selige
Frau Brigitta immer unter dem besonderen Gehorsam und der Anleitung älterer
und tugendhafter geistlicher Väter lebte, auch eine gar tiefe, wahre Demut an
sich hatte, und alle ihre Gesichte und Versuchungen, auch alles andere, was
sie thun sollte, demütiglich dem Gehorsame, der Prüfung und dem Urteile der
vorgedachten und auch anderer Älterer, wie oben bemerkt ist, unterwarf, so
ist nach der vorgedachten Begriffsbestimmung des heiligen Moses und anderer
heiligen Väter der Schluß zu ziehen, daß alles, was ihr in den Büchern
geoffenbart worden, vom heiligen, nicht aber von einem teuflischen,
trügerischen Geiste ausgegangen ist. Dies ist ein deutliches und offenbares
Zeichen bei fast allen geistlich Gesinnten, sowie eine allgemeine Lehre, um
teuflischen Versuchungen, Eingebungen und Verückungen zu entgehen. Das zweite
Zeichen einer göttlichen Eingebung, durch welches die Seele nicht getäuscht
werden kann, besteht darin, wenn die Seele zu der Zeit, wo sie die Gesichte
sieht, die Empfindung hat, daß sie dann ganz erfüllt, gewissermaßen süß
berauscht und vom Feuer des Eingusses, der Süße der göttlichen Liebe, sowie
von einem gewissen Geschmacke der innerlichen Süße der Liebe Gottes
entflammt wird. Denn ich
behaupte: diese innerliche Liebe und die Süße der göttlichen Liebe, welche
der Teufel nicht hat, kann derselbe auch in die Seele niemandes eingießen.
Niemand giebt, was er nicht hat. Darum muß geschlossen werden, daß, wer
solches in einer Seele wirkt, Gott ist, vornehmlich wenn dann jene Seele ganz
gestärkt und mit einer gewissen Erleuchtung eines festen Glaubens und
Gehorsams, sowie der Ehrfurcht vor dem katholischen Glauben und der heiligen
Mutter der Kirche erfüllt wird, wie im LXXVIII. Kapitel des vierten
himmlischen Buches und ähnlichen Stellen enthalten. Schön wird dieses auch
durch Hugo vom heiligen Viktor in dem einsamen Gespräche von der Seele Haft
bewiesen, wo am Ende der Abhandlung die Seele mit ihm redet und spricht:
"Dieses letzte Stück meiner Frage bitte ich, beantworte mir. Was ist
jenes Süße, das mich, wenn ich daran denke, zu berühren und so heftig und
lieblich anzuregen pflegt, daß ich gewissermaßen gänzlich mir selbst
entfremdet zu werden, und ich weiß nicht wohin gezogen zu werden anfange? Ich
verwandle mich plötzlich. Mir beginnt wohl zu werden, weit mehr, als ich zu
sagen vermag. Mein Gewissen erheitert sich und vergißt die vergangenen
Schmerzen. Der Geist frohlockt, der Verstand wird klar, das Herz hell, die
Wünsche werden fröhlich" u. s. w. Dieser Seele antwortet Hugo selber
sehr schön und spricht: "Wahrlich, dieser ist dein Geliebter, der dich
besucht, d. i. Gott" u. s. w. Dasselbe sagt auch der selige Antonius ganz
ausführlich und schön, indem er seine Jünger die guten Gesichte von den
Täuschungen unterscheiden lehrt, wie in den Lebensbeschreibungen der
Altväter im ersten Buche der Legende vom heiligen Antonius enthalten. So sagt
auch Gregorius im II. Kapitel des achtundzwanzigsten Buches der Moralien, daß,
wenn Gott durch sich selber mit der Seele redet, in uns die Kraft der
innerlichen Eingebung allein geöffnet wird, weil seine Kraft an einer
gewissen innerlichsten, süßesten Erhebung erkannt wird. Noch deutlicher ist
dieses zu ersehen aus dem LXXVIII. Kapitel des vierten, und IV. Kapitel des
siebenten himmlischen Buches, sowie in den zunächst bevor oben angezogenen
Kapiteln, nebst vielen ähnlichen. Daraus wird bewiesen, daß alles, was der
seligen Brigitta geoffenbart und in diesen Büchern enthalten ist, ihr nicht
von dem schrecklichen Betrüger, sondern vom allersüßesten Tröster
dargeboten worden,
wie aus den eben angezogenen Stellen und aus den tröstlichen Empfindungen
erhellt, welche sie zu der Zeit hatte, wo sie die Gesichte schaute und die
göttlichen Einsprachen vernahm, wie aus ihren oben angeführten Worten sich
ergiebt. - Ein drittes Zeichen, wodurch ein göttliches Gesicht von einem
Teufelstruge unterschieden und erkannt wird, ist es, wenn die Seele, welche
eine korporelle, imaginäre oder spirituelle Vision hat, das Einströmen eines
intellektuellen, übernatürlichen Lichtes und einer erkennbaren Wahrheit
empfindet, und alsdann die wahren Bedeutungen der Gesichte und Worte erkennt.
Es wird ihr alsdann deutlich das Verständnis eröffnet und die Wahrheit
dieser Materie gezeigt und geoffenbart. Dieses Einströmen eines
intellektuellen, übernatürlichen Lichtes oder Einblickes, mag nun eine
körperliche oder imaginäre Vision vorangehen oder nicht, kann niemals von
dem Teufel in einer Seele bewirkt werden, sondern nur von Gott allein, wie
Thomas von Aquino in II. 2. qu. 78 des Titels von der Prophezeiung lehrt, wo
er also spricht: "Die bösen Geister offenbaren das, was sie wissen, den
Menschen zwar nicht durch eine Erleuchtung des Verstandes, aber doch durch
irgend eine imaginäre Vision, oder auch indem sie auf sinnlich wahrnehmbare
Weise mit denselben reden, aber nicht den Verstand derselben erleuchten.
Hierin hat diese Prophezeiung ihren Mangel und ihren Unterschied von der
wahren." Augustinus spricht im XII. Buche über die Genesis ad litteram
also: "Die Seele wird durch korporelle Vision getäuscht und betrogen u.
s. w." Und dann fügt er hinzu: "In der spirituellen oder
imaginären Vision, d. h. bei körperlichen Bildern, welche im Geiste geschaut
werden, wird auch die Seele getäuscht, wenn sie in dem, was sie so sieht,
Körper zu sehen glaubt." Dann fügt er hinzu und spricht: "Aber bei
den intellektuellen Visionen wird die Seele nicht getäuscht, wenn," wie
er hinzufügt, "zukünftige Dinge geschaut werden, so daß dasjenige,
dessen Abbild für gegenwärtig gehalten wird, doch als zukünftig erkannt
wird, indem entweder dies Verständnis durch göttlichen Beistand gewirkt oder
von jemand die Bedeutung ausgelegt wird, wie es in der Apokalypse des Johannes
geschehen; denn es ist eine große Offenbarung, wenn auch derjenige, welchem
dergleichen gezeigt wird, nicht weiß, ob er aus dem Leibe gegangen ist, oder
ob er noch im Leibe, aber mit
einem den Sinnen entfremdeten Geiste diese Dinge schaut." Soweit
Augustinus. Hierbei kann aber die Frage aufgeworfen werden, welch ein
Unterschied zwischen einer Offenbarung stattfindet, welche mittels einer
Täuschung durch den Verstand des Menschen oder mittels eines Truges in der
Einbildungskraft und dem Verstande des Menschen erfolgt, und zwischen der,
welche von Gott mittels einer intellektuellen Vision gewirkt wird. Ich
antworte nach Thomas von Aquino in II. 2. der 173. Quaestio; 2. Artic., daß
die Prophezeiung oder Offenbarung, welche in Gemäßheit der Einbildung oder
des menschlichen Verstandes erfolgt, eine Folge der Kraft des intellektuellen,
natürlichen Lichtes ist. Durch die Gabe der göttlichen Weissagung aber wird
dem menschlichen Geiste etwas mitgeteilt, das hinausgeht über dasjenige, was
das natürliche Vermögen erreicht, und zwar in beiderlei Beziehung, nämlich
sowohl in Bezug auf das Urteil durch das Einströmen des intellektuellen
Lichtes, als aus die Annahme und Darstellung von Dingen, welche durch andere
Bilder erfolgt. In betreff dieses zweiten kann die von Menschen ersonnene oder
diabolische Offenbarung der göttlichen Weissagung ähnlich gefunden werden,
aber nicht in der ersteren Beziehung. Soweit Thomas von Aquino. Hieraus
erhellt, daß, wenn das übernatürliche, intellektuelle Licht in eine Seele,
dieselbe mag sich nun in einer imaginären Vision befinden oder nicht,
einströmt, es nicht vom Teufel, sondern nur von Gott kommen kann. Hieraus
ergiebt sich der deutliche Schluß, daß, wenn die mehrgedachte Frau Brigitta
in ihren Gesichten das Einströmen eines intellektuellen und übernatürlichen
Lichtes empfand, und immer jemand vorhanden war, welcher auslegte, Christus
oder seine Mutter, oder ein Engel oder Heiliger, durch welchen ihr die
Gleichnisse und die ihr bildlich eröffneten Worte erklärt und ausgelegt, ihr
auch die rechten Bedeutungen des Geschauten gezeigt wurden, wie aus ihren
Büchern erhellt. Es folgt also hieraus, daß alle jene Offenbarungen und die
Schriften jener Bücher ihr von Gott gewährt sind, welcher dergleichen zu
wirken vermögend ist, nicht aber von einem Betrüger, welchem dergleichen zu
bewirken unmöglich ist, wie oben aus Angustinus und Thomas dagethan worden.
Denn eben hierdurch unterscheidet sich das trügerische Gesicht vom
göttlichen. Und hierin stimmen alle heiligen Väter
und Lehrer überein. - Das vierte Zeichen, wodurch das Gesicht oder die
Offenbarung des guten Geistes sich von dem teuflischen Truge unterscheidet,
ist, daß der Prophet oder Seher immer das Wahre vorhersage, die katholischen
Geheimnisse und Lehren ausspricht und einen ehrbaren und tugendhaften Wandel
zeigt. Dieses sind Anzeichen, daß dergleichen von Gott ist. Denn der Teufel
sagt in seinen Trugbildern zuweilen die Wahrheit, um zu berücken, und
zuweilen Unwahres; aber der heilige Geist verkündigt allezeit Wahres und
niemals Lügenhaftes vorher. Das beweist der heilige Thomas deutlich, wenn er
oben spricht: "An etlichen Zeichen kann die Prophezeiung der Teufel von
der göttlichen Prophezeiung unterschieden werden." Daher sagt
Chrysostomus über Matthäus, daß sie im Geiste des Teufels prophezeien, wie
die Wahrsager thun. Allein der Unterschied besteht darin, daß der Teufel
zuweilen Unwahres spricht, der heilige Geist aber nie. Darum heißt es im 18.
Kapitel des Deuteronomium, Vers 21: "Wenn Du schweigend in Deinem Herzen
darauf sagen würdest: wie kann ich das Wort erkennen, das der Herr nicht
gesprochen? so sollst Du dieses Zeichen haben: Wenn das nicht geschieht, was
dieser Prophet im Namen des Herrn vorhergesagt, so hat es der Herr nicht
gesprochen." So sagt auch Augustinus im XII. Buche über die Genesis ad
litteram, daß, wenn einige, welche sich in einer Verzückung befinden, in
einer imaginären und spirituellen Vision Zeichen oder leibliche Bilder sehen,
und sie dabei der böse Geist erfaßt, er sie besessen, wahnsinnig oder zu
falschen Propheten macht. Ist es ein guter Geist so macht er sie gläubig,
daß sie verborgene Dinge reden, oder unter Hinzutritt des Verständnisses des
göttlichen Lichtes zu wahren Propheten, oder bewirkt, daß sie eine Zeit lang
dasjenige sehen oder erzählen, was durch sie geoffenbart werden soll. - Weil
nun diese selige Frau allezeit, wenn man es recht versteht, das Wahre
vorherverkündigt, und in keinem ihrer Bücher etwas Unwahres, Lügenhaftes
oder nicht Katholisches gesagt, sondern lauter Wahres, was den katholischen
Glauben bekräftigt und die Lehre der Ketzer verwirft, verkündigt, auch stets
Tugenden hat sehen lassen, wie aus diesem Buche und anderen ihr offenbarten
Büchern erhellt, so folgt klar, daß ihr das alles aus göttlicher Gnade,
nicht aber durch teuflische Täuschung eingegossen und gezeigt ist. - Das
fünfte Zeichen,
mittels dessen man unterscheidet, ob Visionen vom guten oder vom bösen Geiste
eingegeben worden, ist die Frucht oder das Werk, welche solchen Visionen oder
Offenbarungen folgen, weil dem Evangelium zufolge ein schlechter Baum keine
guten Früchte bringen kann. Denn an ihren Früchten sollet ihr sie erkennen.
(Matth. VII.) Die wahre Prophezeiung ist vermöge einer großen Erbarmung
Gottes geordnet und den Menschen zur Richtschnur der menschlichen Thätigkeit,
zur Leitung dessen, was ausgeführt werden soll, oder zur Offenbarung von
Geheimnissen wie ein gewisses göttliches Licht gegeben worden, mittels dessen
die Menschen geleitet und sowohl in der Kenntnis des Glaubens, als in allen
tugendlichen Werken unterwiesen werden sollen, je nachdem es zum Heile der
Auserwählten nützlich war. Die Prophezeiung hat sich auch stets nach der
Verschiedenartigkeit der Zeiten und Dinge verschiedenartig gestaltet, wie
Thomas in II. 2. tit. de prophetia; oder in 2. im letzten Kapitel angiebt. Im
29. Kapitel der Proverbien heißt es V. 18.: "Wenn die Weissagung
abnimmt, wird das Volk zerstreut." Wenn wir daher sehen, daß nach
solchen Gesichten oder Offenbarungen solcher Worte das Innere des Sehers
erhellt, sein Verstand und sein Gewissen erleuchtet, sein Leben geläutert und
gebessert wird, lasterhafte Menschen zu einem tugendhaften, gottesfürchtigen
Leben, vom Kriege und Hasse zum Frieden, von der Hoffart zur Demut und zum
Gehorsame, vom Bösen zum Guten bekehrt werden, und wenn dies bei vielen
Personen geschieht und lange Zeit anhält, alsdann ist es ein ganz sicheres
Zeichen, daß Gesichte und Offenbarungen, welche eine solche Frucht trieben
und hervorbrachten, nicht vom Teufel, sondern vielmehr vom heiligen Geiste
ausgegangen sind. Solches zu thun ist dem Teufel unmöglich, sondern aus
seinen Visionen oder vielmehr Trügereien geht ganz das Gegenteil hervor; denn
sie pflegen den Menschen vom katholischen Glauben, vom guten Wandel, von der
gesunden Lehre, vom Gehorsame gegen die geistlichen Vorgesetzten und die
heilige Schrift, sowie von der Unterwürfigkeit gegen die heilige Mutter
Kirche u. s. w. abwendig zu machen. Wenn nun also aus diesen Gesichten,
Offenbarungen und den in diesen Büchern der vorgedachten seligsten Frau
geoffenbarten Worten immer nur hervorgegangen, was göttlich ist, ingleichen
alle Tugend und Reinigkeit des Wandels, Bekehrung und
Besserung der Nächsten, Offenbarung der Geheimnisse, Stärkung des Glaubens,
Verdammung der Ketzer, Strafung der Laster und wahre Prophezeiung des
Künftigen, was alles aus diesem Buche, sowie aus ihren anderen Büchern und
durch allgemein und öffentlich bekannte Erfahrung unter vielen Personen und
in vielen Teilen der Welt kundlich ist, so wird notwendig der Schluß gezogen,
daß alle diese Ausflüsse Hervorgänge der überaus reinen und lauteren
Quelle des heiligen Geistes, nicht aber des finsteren, stinkenden Sumpfes der
Täuschung sind, und daß sie die Absicht haben, in dieser neuen, durch die
Finsternis der Laster verdunkelten Zeit durch heilige Lehre die Menschen in
dem, wie sie handeln sollen, zu unterrichten, auf daß sie der schrecklichen,
strengen, göttlichen Gerechtigkeit, die in diesen Büchern dargestellt
worden, entfliehen, und sich in den Schoß der Furcht und Erbarmung Gottes
flüchten möchten. - Das sechste Zeichen, daß solche Dinge von Gott und
nicht von einem boshaften Geiste sind, beweisen der Tod oder das Löbliche und
Tugendsame der Person, welche die Gesichte hat. Denn man soll wissen, daß,
wenn zuweilen einige Personen von Gesichten oder vielmehr Täuschungen unter
dem Scheine des Lichtes lange Zeit betrogen worden, indem ihnen der Teufel
vieles Wahre zeigte, um sie am Ende mit einer Lüge zu hintergehen, wir
gemeiniglich immer in den Schriften der heiligen Väter angeführt finden,
daß die also Betrogenen in irgend einem Irrtume oder bösem, jähem Tode,
oder ohne am Ende die Sakramente empfangen zu haben, vom Teufel getötet sind.
Und dieses hat Gott immer anderen offenbar machen wollen, um sie vor
ähnlichen schöngefärbten Täuschungen sich hüten zu lehren. Dagegen hat
Gott an seinen Heiligen, welche durch göttliche Heimsuchungen oder Gesichte
in ihrem Leben getröstet und erleuchtet worden waren, bei deren Tode sich
gewöhnlich wirksam erwiesen. - Nachdem er sie in ihrem Leben stets schützend
geleitet und sie mit vielen Tugenden und Wundern geschmückt hatte, hat er sie
auch bei ihrem Tode durch irgend eine besondere Gnade gleichsam wie durch ein
bewährendes Urteil wunderbar verklärt, wie an Johannes dem Evangelisten und
vielen ihm ähnlichen deutlich zu sehen ist. Also hat der gute Jesus es auch
mit seiner vorgedachten seligsten Braut gemacht. Er ist ihr mit seiner
wunderbaren, von oben her gewährten Gnade
zuvorgekommen, weil sie im geordneten Fortschritte vom Untersten zum Obersten
hinaufgestiegen ist; denn sie war erhaben durch Erniedrigung, lebendig durch
Abtötung, klug in der Einfalt, leuchtete durch jegliche Ehrbarkeit der Sitten
hervor; deshalb erhob er sie in ihrem Leben durch wunderbare, übernatürliche
Gnaden, und schmückte sie seraphischerweise mit himmlischen Gesichten und
Einsprachen zum Nutzen der Kirche. Ebenso sagte er ihr am Ende des Lebens den
Tod vorher, und zeigte sich bei ihrem Heimgange, zum Zeichen seines Beifalles,
auf tröstliche Weise ihren leiblichen Augen, und nahm ihre Seele wie eine
geliebte Braut zur himmlischen Vermählung mit süßester Umarmung auf, wie
oben gesagt worden und auch deutlich im letzten Kapitel des letzten
himmlischen Buches und in der Legende ihres Lebens zu sehen. Mit einem solchen
Siegel der Bestätigung wollte Gott selber die seiner Braut auf göttliche
Weise offenbarte Schrift dieser Bücher gewissermaßen bewähren und zum
Nutzen der Kirche und der Gläubigen dieselbe wunderbarlich besiegeln. Deshalb
erschien er ihr, der er im Leben so oft in prophetischen, spirituellen und
intellektuellen Gesichten sich gezeigt, vor ihrem Heimgange und sagte ihr
ihren Tod voraus, wobei er sich durch mehr als eine bloß prophetische,
nämlich durch eine korporelle Vision zeigte. - Das siebente Zeichen eines
guten Geistes ist die Verklärung dessen, der die Visionen hatte, nach seinem
Tode durch Wunder. Denn wer bis zu seinem Tode durch Visionen vom Teufel
betrogen wird, verdient nicht, nach seinem Tode durch göttliche Wunder
verklärt zu werden. Und weil diese würdigste Braut Christi ihrem Leben nicht
vom Teufel in ihren Gesichten betrogen worden war, hat Christus sie nach ihrem
Tode durch viele und staunenswerte Wunder verklärt, namentlich durch
Erweckung vieler Toten, Erleuchtung der Blinden, Heilung der Tauben, durch
zahllose wunderbare Herstellungen Kranker von verschiedenen Krankheiten, um
die, welche er im Leben herrlich gemacht, uns im Tode noch herrlicher zu
zeigen. Das alles ist so deutlich und offenbar, und durch gewährte Zeugnisse
sowohl im Reiche Schweden, als zu Rom, im Reiche Sicilien und vielen anderen
Teilen der Welt, wo zu ihrem Gedächtnis und ihrer Verehrung ihr von
Gläubigen gemaltes Bildnis in vielen Kirchen gefunden wird, verbreitet und
bestätigt, daß es eines weiteren Be-
weises nicht bedarf, auch solches durch keinerlei Ausflucht verheimlicht
werden kann. -
Auch das soll die Gemüter aller, welche diese von Gott gewirkten Offenbarungen lesen, zur leichteren Annahme des Glaubens und der Wahrheit bewegen, daß so viele Worte und so viele in diesen himmlischen Büchern enthaltenen Wunder, welche in diesen himmlischen Büchern mit solchem Ernste vorgetragen worden, keinen anderen Glauben predigen, als den von Christus gepredigten. Sie führen uns keinen neuen Christus, auch keinen Antichristus vor, sondern ermahnen uns, denselben, welcher für uns am Kreuze gelitten hat, zu glauben, brünstiger zu lieben und zu fürchten. Von der Wahrheit, welche in Christo ist, nehmen sie nichts hinweg, noch setzen sie etwas hinzu, vielmehr wird seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zur Förderung unseres Heiles in diesen Büchern noch deutlicher, als in anderen Büchern der Propheten auf göttliche Weise gezeigt. Denn die himmlischen Worte dieser Bücher lehren uns Gott recht fürchten, andächtig lieben und das Göttliche weislich begehren. Prüfet also, das Vorgedachte lesend, und wenn ihr es anders findet, widersprechet kühn. Vergleiche hierüber das XIV. Kapitel im zweiten himmlischen Buche am Ende. So weiche denn nun der vermessene Argwohn des trügerischen Geistes und die übermütige, böse Nachrede und der Neid des thörichten Urteils; so werde denn Raum gegeben der Herrlichkeit und Gnade Gottes, welche sich als eine um so größere zu erkennen giebt, je unglaublicher sie unserer Unwissenheit und unserem geringen Glauben vorkommt. Lasset uns daher dem Vater der Barmherzigkeit und dem Gotte des Trostes Dank sagen, daß er bei so vielem Elende der alternden Welt, mit so vielen Erbarmungen den Elenden zu Hilfe kommt, daß sie nicht in den Abgrund der Verzweiflung versinken.
Wiederholung alles Vorhergesagten.
Um nun die vorgedachte Art und Weise der an Personen, welche
Visionen und Offenbarungen schauen, anzustellenden Prüfung zu wiederholen, so
sage ich kürzlich: Wenn eine Person bei der
Prüfung demütig befunden wird, namentlich wenn sie unter dem steten
Gehorsame eines geistlichen Vaters lebt, dessen Klugheit sie alles unterwirft,
und wenn ihr Inneres, während sie unter dem Gebete in eine Verzückung
entrückt wird, eine besondere Süßigkeit der göttlichen Liebe empfindet,
auch in eine imaginäre oder eine bloß einfache, intellektuelle Vision
versetzt, das Einströmen eines übernatürlichen Lichtes göttlicher,
intellektueller Wahrheit empfindet, und ihr dann die Wahrheit dieser Materie
geoffenbart wird, sie auch in ihren Visionen allezeit die Wahrheit
vorherverkündigt, und aus diesen Visionen die Frucht der Erbauung und der
eigenen wie anderer Besserung hervorsprießt, so behaupte ich, eine solche
Person wird nicht vom Teufel getäuscht, und ihre Visionen sind nicht
trügerisch und zu verachten, sondern vielmehr durchaus göttliche, und
müssen demütiglich wie aus der Hand Gottes angenommen und geglaubt werden;
man soll ihnen gehorchen und sie vollführen, wie kürzlich aus allem
Obgesagten und aus den Aussprüchen aller Lehrer und heiligen Väter sich
ergiebt, welche über diesen Gegenstand vielfach und ausführlich reden.
Vorrede zum Buche des himmlischen Kaisers an die Könige, worin die Art und Weise seiner Entstehung angegeben und Könige und Fürsten ermahnt werden, dieses Buch andachtsvoll und demütig aus der Hand Gottes aufzunehmen und mit Herz und That diese Lehre emsig zu befolgen.
Nun wollen wir zum Gegenstande des gegenwärtigen Buches
übergehen. Da ist denn nun zu wissen, wie das nachfolgende Buch: der
himmlische Kaiser an die Könige überschrieben ist, weil es auf eine von Gott
gewirkte Weise, mittels einer spirituellen und intellektuellen Vision der mehr
belobten seligsten Frau Brigitta, ehemaligen durchlauchtigsten Prinzessin von
Nerike, im Königreiche Schweden, geoffenbart worden, welche, wie ich oben
gemeldet, aus dem erlauchten Geschlechte und Vaterlande der gotischen Könige
abstammte. Es geziemte sich, daß diejenige, welche der Kaiser Christus zu
seiner Braut annahm und als seine besondere Botin an Könige und Fürsten, wie
eine Apostolin, mit seinen Briefen und evange-
lischen Worten sendete, nicht von gemeiner und niedriger Herkunft, sondern vom
königlichen Stamme und Geschlechte war. Weil nun in dem großen Werke des
himmlischen Buches, welches wieder sieben einzelne Bücher begreift, viele
Offenbarungen, welche Könige und Kaiser angehen, eingeschlossen, auch
außerhalb desselben sehr vieles von derselben Materie im Umlaufe ist, so
haben wir, damit alle dieselbe Materie behandelnden Stellen in ein Buch
zusammengebracht werden möchten, aus dem weitläufigen Lustgarten des
vorgedachten himmlischen Buches dasjenige, was hierher gehört, ausgezogen,
und mit dem anderen im Umlaufe Befindlichen wie Blumen zur Fassung einer neuen
königlichen Krone in dieses Buch zusammengefügt und vereinigt. Selig, wer
die Worte der Prophezeiung dieses Buches liest und hört, und dasjenige
bewahrt, was darin geschrieben steht; denn die Zeit ist nahe. Wohlan denn, ihr
Kaiser und Könige und alle Königinnen und übrigen Fürsten, neiget euere
Häupter Gott, d. h. erniedrigt euere stolzen, mit Ehrgeiz und Begierde
angefüllten Herzen, und nehmet demütig diese kostbare himmlische
Königskrone aus der Hand einer so königlichen und überaus schönen Braut
Christi, da er selbst uns solche so gütig und barmherzig zugedacht hat, d. i.
diese heilige Lehre des gegenwärtigen Buches, welche darüber handelt, welche
Kleidung und an welchen Tagen die Könige die Krone tragen; ferner, was für
ein wohlgesittetes, frommes und ehrbares Leben die Könige führen, und wie
die Königinnen, ihre Frauen, sein, welche Männer die Könige zu ihren Räten
annehmen und behalten und welche sie von sich entfernen und wegjagen sollen;
wie sie ihre Kriegsleute wählen und den gemeinen Mann behandeln, wie sie ihre
Reiche regieren und das Wohl des Staates fördern, für denselben eifrige
Sorge tragen und ihn mit zarter Teilnahme behüten, und wie sie die Kreuzzüge
und Kriege wider die Ungläubigen auf kluge, gerechte und verdienstliche Weise
unternehmen sollen. Schließlich wird ihnen in diesem Buche aus dem Munde
dessen, der auf dem Throne sitzt, ein doppelschneidiges Schwert, nämlich die
schreckliche Gerechtigkeit Gottes über einige verstorbene Könige gezeigt,
deren Seelen die vorgedachte Braut Christi im göttlichen Gerichte auf eine
wunderbare und strenge Weise hat richten und verurteilt werden sehen, damit
den neueren Königen hierdurch sich zeigen möge, wie scharf
und streng jenes göttliche Schwert ist, welches, mit der einen scharfen
Schneide geschwungen, etliche an der Ehre und am Leben durch Erniedrigung und
Tod straft, andere aber mit der zweiten noch schärferen Schneide nach dem
Tode an der Seele mit schrecklicher Strafe und ewiger Verdammnis heimsucht,
damit solchergestalt alle Könige und Fürsten wissen mögen, wie bei Gott
kein Ansehen der Personen stattfindet, sie vielmehr durchaus erkennen, ein wie
strenges göttliches Gericht sie vor und nach dem Tode zu gewärtigen haben,
und wie sehr und auf welche Weise sie bei dem, was sie thun, Gott zu fürchten
haben. So schöpfet denn, ihr Könige alle, die ihr auf Erden gebietet,
hieraus Erkenntnis und Unterweisung, dienet dem Herrn in Furcht, und freuet
euch in ihm mit Zittern. Ergreifet, ich bitte euch, diese Züchtigung mit
Demut, auf daß nicht etwa der Herr zürne. Denn selig sind alle, welche, wenn
sein Zorn in kurzer Zeit entbrannt sein wird, mit reinem Herzen und gerechtem
Werke auf ihn gehofft haben, der der Könige König, der Herren Herr ist von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. ![]()
Der höchste Kaiser Christus redet durch die Braut mit den Königen und zeigt, wie er der wahre Schöpfer und König aller Dinge ist, und in der Dreieinigkeit und Einigkeit regiert. Er sagt, wie er angeordnet, daß die Welt beherrscht werde durch eine zweifache Gewalt, die geistliche und die weltliche, die vorzugsweise in den Aposteln Petrus und Paulus angedeutet worden.
Ich schaute einen großen Palast, von unbeschreiblicher
Größe, dem heiteren Himmel ähnlich. In demselben befanden sich unzählbare
Personen. Dieselben saßen auf Stühlen und waren angethan mit weißen, wie
Sonnenstrahlen glänzenden Kleidern. In dem Palaste erblickte ich einen
wunderbaren Thron, auf welchem einer saß wie ein Mensch, heller leuchtend
denn die Sonne, ein Herr von unbegreiflicher Schönheit und unermeßlicher
Macht. Sein Glanz war nicht zu begreifen nach Länge, Tiefe und Breite. Neben
dem Stuhle aber stand eine Jungfrau, welche in wunderbarem Glanze strahlte und
eine kostbare Krone auf dem Haupte
hatte. Und alle, die dabei standen, dienten dem auf dem Throne Sitzenden,
lobten ihn in Hymnen und Liedern, und ehrten die Jungfrau voll Ehrerbietung
als eine Königin der Himmel. Derjenige aber, welcher auf dem Throne saß,
sprach zu mir mit gar ehrbarer Stimme: "Ich bin der Schöpfer des Himmels
und der Erde, mit dem Vater und dem heiligen Geiste ein wahrer Gott. Denn Gott
ist der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist. Es sind nicht drei
Götter, sondern die drei Personen sind Ein Gott. Nun wirst Du aber fragen
können: Wenn drei Personen sind, warum nicht drei Götter? Ich antworte Dir,
daß Gott die Macht selbst, die Weisheit selbst, die Güte selber ist. Von ihm
ist alle Macht unter und über dem Himmel, alle Weisheit und alle Güte,
welche erdacht werden kann. Daher ist er dreifältig und Einer; dreifältig in
den Personen, Einer dem Wesen nach; denn die Macht und Weisheit ist der Vater,
von dem alles ist und der vor allem mächtig ist, nicht anderswoher, sondern
von sich selber und ewiglich. Die Macht und die Weisheit ist auch der Sohn
gleich dem Vater, nicht mächtig durch sich selber, sondern vom Vater auf
mächtige und unaussprechliche Weise gezeugt, Anfang vom Anfange und vom Vater
niemals gesondert. Die Macht und Weisheit ist auch der heilige Geist, welcher
vom Vater und Sohne ausgeht, und mit dem Vater und Sohne ewig und gleich ist
an Macht und Majestät. Es ist also Ein Gott und sind drei Personen, weil
Natur, Wirken, Willen, Herrlichkeit und Macht der Drei Eins sind. Er ist im
Wesen in der Art eins, daß dabei eine Geschiedenheit der Personen nach ihrer
Eigentümlichkeit stattfindet. Denn der Vater ist ganz im Sohne und Geiste und
der Sohn im Vater und Geiste und deren Geist in beiden in einerlei Natur der
Gottheit. Nicht wie früher und später, sondern wo unaussprechlicherweise
nichts früher, nichts später, nichts größer, nichts kleiner, als das
andere, sondern alles unaussprechlich und gleich ist. Deshalb ist denn mit
Recht geschrieben, daß Gott wunderbar und sehr preiswürdig ist. Denn die
Gottheit hat ihr Wort der Jungfrau Maria durch ihren Engel Gabriel gesendet;
nichtsdestoweniger war es ein und derselbe Gott, der da sandte und durch sich
selber gesandt ward, der da war mit dem Engel in Gabriel und vor Gabriel in
der Jungfrau. Nachdem aber das
Wort vom Engel gesprochen worden, ward das Wort in der Jungfrau Fleisch.
Dieses Wort bin ich, der ich mit Dir rede. Der Vater sandte mich in den Schoß
der Jungfrau, nicht so, daß die Engel die Anschauung und Gegenwart meiner
Gottheit entbehrt hätten, sondern ich, der Sohn, der ich beim Vater und mit
dem heiligen Geiste im Schoße der Jungfrau war, war derselbe im Himmel beim
Vater und beim heiligen Geiste im Angesichte der Engel, alles regierend, alles
erhaltend, obwohl meine Menschheit, die von mir allein angenommen worden, in
Marias Schoße ruhte. In der Gottheit und Menschheit ein Gott, verschmähe ich
es nicht, zur Erweisung meiner Liebe und zur Stärkung des heiligen,
christlichen Glaubens mit Dir zu reden, und obwohl meine Menschheit
anscheinend bei Dir ist und mit Dir redet, so entspricht es doch mehr der
Wahrheit, daß Deine Seele und Dein Verstand bei mir und in mir ist, denn mir
ist nichts unmöglich und nichts schwer im Himmel und auf Erden. Ich bin wie
ein mächtiger König, welcher mit seinem Kriegsheere vor eine Stadt rückt,
alle Plätze anfüllt und einnimmt; so erfüllt meine Gnade alle Deine Glieder
und stärkt dieselben alle. Ich bin endlich in Dir und außer Dir, und obschon
ich mit Dir rede, bin ich doch derselbe in der Herrlichkeit. Was ist mir
schwer, der ich mit meiner Macht alles erhalte, mit, meiner Weisheit alles
ordne, mit meiner Kraft alles überwinde? Ich bin mit dem Vater und dem
heiligen Geiste ohne Anfang und ohne Ende Ein Gott, und habe in der zum Heile
der Menschen angenommenen Menschheit, während die Gottheit unverletzt blieb,
wahrhaft gelitten, bin auferstanden, gen Himmel gefahren, und rede jetzt
wahrhaft mit Dir. Ich bin der wahre und höchste Kaiser und Herr. Kein Herr
ist vornehmer, als ich, keiner war vor mir und keiner wird nach mir sein;
sondern alle Herrschaft ist von mir und durch mich. Darum bin ich der wahre
Herr, und kein anderer ist wahrhaft Herr zu nennen, als ich allein; denn von
mir ist alle Macht und Herrschaft, und meiner Macht wird niemand widerstehen
können. Ich bin auch ein König der Krone. Weißt. Du wohl, meine Braut,
weshalb ich gesagt habe, König der Krone? Fürwahr, weil meine Gottheit ohne
Anfang gewesen, ist und ohne Ende sein wird, und eine Krone ohne Anfang und
ohne Ende ist, deshalb wird meine Gottheit mit einer
Krone verglichen. Wie aber in einem Reiche die Krone für den künftigen
König aufbewahrt wird, so wurde meine Gottheit für meine Menschheit
aufbewahrt, auf daß dieselbe damit gekrönt werden möchte. Ich aber habe
zwei sehr gute Diener gehabt. Einer war ein Geistlicher, der andere ein
Weltlicher; der erste war mein Apostel Petrus, welcher das Amt eines
Geistlichen bekleidete, der zweite war der Apostel Paulus, noch ein Laie. Als
Petrus, der an den Ehestand gebunden war, erkannte, daß die Ehe mit dem
Stande eines Geistlichen sich nicht vertragen könne, und erwog, wie die
rechte Ordnung seines Herzens durch Unenthaltsamkeit in Gefahr stehe, so sagte
er sich von der fleischlichen Beiwohnung in der Ehe los, obwohl dieselbe
erlaubt war, und hing mir mit vollkommenem Herzen an; Paulus aber bewahrte die
Keuschheit und behütete sie, ohne sie durch Beilager zu beflecken. Siehe nun,
welche Liebe ich beiden erwiesen habe; denn dem Petrus habe ich die Schlüssel
des Himmelreiches gegeben, damit, was er auf Erden binden und lösen möchte,
im Himmel gebunden und gelöst bleibe, dem Paulus aber gab ich, daß er dem
Petrus in Herrlichkeit und Ehre gleich würde. Und deshalb sollst Du wissen,
daß, gleichwie sie auf Erden gleich und verbunden waren, so sie jetzt im
Himmel in beständiger Herrlichkeit verbunden und verklärt sind.
Obwohl ich nur diese zwei ausdrücklich genannt habe,
verstehe ich doch unter ihnen und mit ihnen auch meine anderen Päpste und
Könige und Freunde. Denn wie ich vor Zeiten im Gesetze zu Israel allein als
mit einem Menschen redete, während ich das ganze israelitische Volk
meinte, so verstehe ich jetzt unter diesen beiden alle, die ich mit meiner
Herrlichkeit und Liebe erfüllt habe. Im Fortgange der Zeit begann das Böse
sich zu mehren und das Fleisch schwach und mehr als sonst zum Bösen geneigt
zu werden; darum habe ich für beide Stände, den Stand der Geistlichen und
Weltleute, die ich unter Petrus und Paulus verstehe, barmherzigerweise
gesorgt, und den Geistlichen erlaubt, daß sie die Kirchengüter zum Nutzen
des Leibes maßvoll besitzen wachten, auf daß sie desto inbrünstiger und
emsiger in meinem Dienste wären. Es hat mir auch gefallen, daß die Weltleute
in ihrem Ehestande nach dem Brauche der Kirche ehrbar leben möchten." ![]()
Der höchste Kaiser Christus giebt hier zuerst Anordnungen für die Könige, was für Ratgeber sie haben sollen, und erteilt ihnen zehn höchst nützliche, die Sitten betreffende Ratschläge.
"Ich bin der wahre König, und niemand ist würdig
außer mir, König genannt zu werden, weil von mir alle Ehre und Macht ist.
Ich bin es, der den ersten Engel gerichtet, welcher aus Hoffart,
Begierlichkeit und Neid fiel. Ich bin es, der Adam und Kain und die ganze Welt
richtete, indem ich um der Sünden der Menschen willen die Sündflut sandte.
Ich bin derselbe, der das israelitische Volk in die Gefangenschaft kommen
ließ und dasselbe unter Wunderzeichen aus der Gefangenschaft wunderbar
herausgeführt habe. In mir ist, war ohne Anfang und wird ohne Ende sein alle
Gerechtigkeit, und niemals wird die Gerechtigkeit bei mir gemindert, sondern
bleibt immer mehr und unwandelbar in mir. Weil nun dieser König von Schweden
Dich in Demut gefragt hat, wie er in seiner Regierung gerecht und verständig
leben soll, will ich es ihm anzeigen. Zehn Stücke muß er beobachten. Das
erste, ist, daß er diejenigen Räte von sich entferne, deren Herzen voll
Ehrgeiz und Begierde, deren Zunge doppelredig und voll Truges ist, und deren
Augen in geistlichen Dingen blödsinnig sind. Er soll dagegen solche
auswählen, welche die Gerechtigkeit nicht für Geld verkaufen, welche sich
der Lüge und des Schmeichelns schämen, welche Gott mehr lieben als das
Fleisch, und welche Barmherzigkeit haben mit dem Elende der Nächsten. Das
zweite, was ich will, ist, daß der König mit seiner Hilfe Dir Beistand
leiste zum Baue Deines Klosters, für welches ich selber Dir die Regel
diktiert habe. Das dritte ist, daß er seine Vasallen und Leute an diejenigen
Orte der Ungläubigen sende, wo der katholische Glaube und die Liebe gemehrt
werden können, denn deshalb sind seine Lehensleute in der Stadt Hamn
erschlagen worden, weil er voll Ehrgeiz nach dem Teile eines fremden
christlichen Reiches trachtete.
Das vierte ist, daß der König täglich die Tageszeiten der seligsten
Jungfrau Maria, meiner Mutter, bete; hat er nötig, daß er Recht spreche,
oder hat er andere wichtige Sachen vor, so kann er die Tageszeiten
unterlassen. Er soll auch täglich zwei Privatmessen und eine gesungene Messe
hören und täglich fünfmal an meine fünf Wunden denken, welche ich für ihn
am Kreuze ertragen. Das fünfte ist, daß er an den Vigilien der Feste der
Heiligen und meiner Mutter, welche von der heiligen Kirche vorgeschrieben
sind, faste. Am Freitage soll er in Fischen, und Samstags, wenn er will, in
Milchspeisen fasten, die vierzigtägigen Fasten aber soll er nach dem Brauche
seines Vaterlandes beobachten, jedoch soll er bei seinem Fasten beachten, daß
er sich darin mäßige und beherrsche, damit er nicht infolge ungeeigneter
Fasten oder wegen unvernünftigen Wachens oder zu langer Gebete lau in der
Ratsversammlung oder lässig im Rechtsprechen werde. Wenn ihm aber die Arbeit
zu sehr wächst, dann soll er dem Rate und der Gewalt, sowie dem Dispense der
geistlichen Vorstände meiner Kirche nachgeben. Das sechste ist, daß er jeden
zehnten Pfennig, welcher dem königlichen Schatze gebührt, unter die Armen
als Almosen austeile; will er aber aus Liebe zu mir noch anderes frommerweise
aus gewissem Anlasse als etwas übriges thun, so wird ihm ein größerer Lohn
zu teil werden. Das siebente ist, daß er alle Freitage dreizehn Arme
versammelt, denselben die Füße wäscht und eigenhändig Geld und Nahrung an
dieselben spendet, wenn er nicht etwa auf der Reise ist, um derenwillen
dergleichen unterlassen werden darf. Am Freitage soll er sich auch frei machen
von allen Geschäften, wenn er einen ruhigen Aufenthaltsort hat, und an diesem
Tage die Klagen der Unterthanen in den Gemeinden des Reiches anhören, auch
Untersuchungen anstellen über die Treue und die Verwaltung der Landvögte und
Richter des Reiches, der Lehensleute, der Steuerbeitreiber und Erheber der
Abgaben und königlichen Zölle. Das achte ist, daß der König bei seinen
Geschenken die Billigkeit beobachte, daß er, während er dem einen giebt,
gegen andere nicht geizig sei, und wenn er einem wegen seiner Verdienste und
für größere Arbeit mehr, als dem anderen geben wollte, soll er es mit
reiflicher Überlegung und Vorsicht thun, damit am Könige keine Unbilligkeit
gerügt oder Gelegenheit zum Murren gegeben
werde. Denn nichts ist an mächtigen Herren so tadelnswürdig, als
Verschwendung oder zu große Kargheit, und nichts geziemt einem Könige und
ziert ihn so, als mit Bescheidenheit herrschen und diejenigen, welche
arbeiten, mit Liebe zu belohnen. Der König wird auch seine Geschenke
Auswärtigen, welche seinem Reiche den Frieden erhielten, sowie denen, welche
Not leiden, zu teil werden lassen. Er soll dieses aber so thun, daß seine
Lehensleute und sein Hausgesinde nicht vernachlässigt oder vergessen werden.
Das neunte ist, daß er das Gesetz Gottes nicht übertrete, noch neue
Gewohnheiten wider löbliche Satzungen aufbringe, er soll auch nicht mit
Gewalt durchsetzen und richten, was ihm in den Sinn kommt, sondern alles nach
dem Gesetze Gottes und des Reiches ausrichten, weil es einem Könige nicht
ansteht, vieles zu gebieten und nichts zu thun, die Gerechtigkeit zu umgehen
und grausam zu herrschen. Das zehnte ist, daß der König durch seine Werke
sich des königlichen Namens würdig erzeige, indem er die Begierlichkeit
flieht und die Demut wahrhaft liebt. Denn um so viel als der König größer
ist, denn die übrigen, um so demütiger soll er vor Gott sein, von welchem
alle Gewalt ist; dieser wird im Gerichte vom Könige so strenge Rechenschaft
fordern, wie vom Volke und vom gemeinen Haufen."
Der höchste Kaiser Christus verordnet hier, daß die Könige vor allen eine ehrbare und edlere Kleidung zum Zeichen der Würde und des Vorzuges tragen sollen. Er sagt auch, an welchen Tagen und Festen sie die königliche Krone tragen sollen.
Der Sohn Gottes sprach: "Weil es der Mensch verachtet
hat, Gott zu gehorchen, muß er nun dem Menschen gehorchen, der seinesgleichen
ist, und weil der König von Gott bestellt wird, um gerecht zu richten und zu
herrschen, deshalb ist es recht, daß er von seinen Unterthanen geehrt und
gefürchtet werde. Damit der König sich von anderen unterscheide, ist es
notwendig, daß er vor den übrigen ein anständiges und ehrbares Kleid habe;
denn wie die Ehre des Königs die Gerechtigkeit und das Gericht ist, so ist
die Ehre des Volkes des Königs Schönheit und Ehrbarkeit. Deshalb wird dem
Könige ein ehrenvolles und ehrbares Kleid gestartet. Wenn er dasselbe trägt,
soll er über diese Erlaubnis nicht stolz werden, sondern sich demütigen,
indem er die Bürde seines Amtes betrachtet. An folgenden Tagen soll der
König seine Krone auf seinem Haupte tragen: am Tage meiner Geburt, meiner
Erscheinung, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten, der Assumption meiner
Mutter, der Jungfrau, der Kreuzeserhöhung und Allerheiligen, sowie an allen
Tagen, an denen er allgemeine Gerichtstage hält, und an denen, wo er Ritter
zu schlagen hat. Wie an den Festtagen meiner Menschheit und der Verherrlichung
meiner Heiligen das ganze himmlische Heer über meine Wohlthaten frohlockt, so
müssen sich die Gerechten auf Erden über die Gerechtigkeit des Königs,
welche durch die Krone bedeutet wird, freuen, wie sich auch der ganze
himmlische Hof über die gerechte Verwaltung eines frommen Königs
freut."
Der höchste Kaiser Christus giebt für die Könige zehn heilsame Ratschläge, nach denen sie sich und ihre Reiche beherrschen sollen.
Der Sohn Gottes redete zur Braut und sprach: "Ich habe
dem Könige zuvor einige Stufen angegeben, mittels deren er sich zum
Himmlischen erheben kann. Hält und bewahrt er dieselben, so wird er mit
solcher Leichtigkeit zum Himmel emporsteigen, wie der, welcher ein
beschauliches Leben führt. Nun aber will ich dem Könige zehn Ratschläge
geben. Der erste ist, daß er an seinem Tische nicht allein, sondern mit
einigen Unterthanen sitze, welche durch seine Gegenwart sich leiblich und
geistlich getröstet fühlen, weil er sie hierdurch von Sünden und
Unehrbarkeiten abgezogen werden. Der zweite Rat ist, daß er nach Tische etwas
verweilen und sich in ehrbarer Weise ergötzen kann, denn aus der
herablassenden Unterredung und dem häuslichen Verkehre mit den Untergebenen
erwirbt er sich Gunst und Liebe und wird die Meinungen und Gründe vieler
anhören, welche entweder zu befolgen oder zu verwerfen sind. Der dritte Rat
ist, daß er in allen seinen Urteilen und Werken barmherzig und gerecht sei,
und weder aus Freundschaft, noch falschem Mitleiden, nicht zu seinem
Privatnutzen oder
aus zeitlichem Vorteile oder Furcht davon ablasse, Gerechtigkeit zu üben;
auch soll er nicht des Zornes halber oder aus Ungeduld die Barmherzigkeit
vernachlässigen oder vergessen; denn es ziemt sich für einen König nicht,
sich vom Zorne überwinden zu lassen, noch für einen Richter, schnell zu
urteilen oder sich durch Bitten vom Wege der Gerechtigkeit abwendig machen zu
lassen. Der vierte Rat ist, daß der König die Verwaltungsämter und
Richterstellen nicht denen anvertrauen soll, von denen er weiß, daß sie
parteiisch und begehrlich sind, noch solchen, welche auf betrügliche Weise
Geld auszupressen wissen, denn solche weichen leicht von der Gerechtigkeit ab;
sondern der König soll nach solchen sich umsehen, welche von Natur gut
geartet, dem guten Vorgange ihrer Voreltern folgen, und mehr die Werke der
Gerechtigkeit, als reich zu werden, lieben. Der fünfte ist, daß der König
beständig forsche, wie Gesetz und Gerechtigkeit in seinem Reiche gehandhabt
werden, und daß er jene Übelthäter nicht ungestraft läßt, welche er zu
strafen imstande sein würde; auch soll er sich hüten, den Übertretern zu
viel Geld- und andere Bußen aufzulegen; ebenso soll er die Unschuldigen nicht
mit Arglist unterdrücken, sondern mit den Reumütigen gelinde verfahren, die
Verstockten aber härter strafen, gegen alle jedoch Gerechtigkeit und
Barmherzigkeit beobachten, und wo er eine größere Demut sieht, stelle er die
Barmherzigkeit über die Gerechtigkeit. Der sechste ist, daß der König
fortwährend seine Urteile und Werke erforscht, und hat er erkannt, daß er
aus einem leicht beweglichen, jähen Herzensantriebe geirrt hat, soll er sich
nicht schämen, zu bessern oder wieder gut zu machen, was übel gethan worden,
denn er ist nicht weiser, als David, welcher ebenfalls gefehlt hat, auch nicht
weiser, als der Prophet, welcher der Lüge geglaubt hat und vom Löwen
getötet ward. (III. Könige XIII.) Der siebente ist, er soll nicht zu hastig
im Handeln sein, sondern vor- und umsichtig, indem er das Ende dessen bedenkt,
was er vornimmt; auch soll er sich auf den Rat weiser, erfahrener und
gottesfürchtiger Männer stützen, denen er folgen und sich von ihnen nicht
fern halten soll; denn es ist ein Zeichen eines entarteten und argwöhnischen
Gemütes, bewährte Ratgeber im Verdachte zu haben, und reiflich und nüchtern
erwogene Beschlüsse von Schmeichlern und Speichelleckern umstoßen zu lassen.
Der achte Rat ist, daß er sich vor leichtfertigen
Worten und Sitten in allen Dingen auch bei Freunden und Hausgenossen hüte; er
fliehe die Schmeichler und Fuchsschwänzer wie Skorpionen, weil sie ihn in
seinen Sünden fördern und den Guten ein Ärgernis geben; denn der König
soll also beschaffen sein, daß er von den Jüngeren gefürchtet, von den
Älteren aber geehrt und von den Weisen gelobt, von den Gerechten geliebt und
von den Unterdrückten herzlich begehrt werde. Der neunte ist, daß der König
keine Gemeinschaft mit denen pflege, welche von der Kirche in den Bann gethan
sind, auch diejenigen nicht begünstige, welche Gott und dessen Gebote
verspotten, sondern er soll sie mit liebreichen Worten und Ermahnungen
unterweisen und ihnen, wenn sie sich nicht bessern, seine Strenge zeigen und
seine Wohlthaten entziehen; denn des Königs Ehre besteht darin, das
Göttliche über alles zu lieben und Gottes Ehre mit seinen Kräften zu
vermehren. Der zehnte Rat ist, daß er das Volk und die Gemeinde seines
Reiches liebe, seine Kriegsleute gut behandle und der Gutthaten der, Eltern an
den Kindern gedenke."
Der Kaiser Christus rät den Königen, sie sollen zuweilen die Beispiele der Heiligen lesen, wodurch die Herzen zu Gott angeregt werden. Er giebt einem Könige zwei sehr gute geistliche Ratgeber, auf daß er denselben gehorche, und damit andere Könige zu ähnlichem angeregt werden.
Der Sohn Gottes sprach zur Braut: "Es steht von einem
gewissen Könige geschrieben, daß, als er nicht schlafen konnte, er sich habe
die Jahrbücher oder Chronik bringen lassen. (Esther VI.) So soll auch der
König, für welchen Du bittest, weil er jung ist, sich die Werke der Heiligen
und die Vorbilder und Thaten der Starken vorlesen lassen, durch welche sein
Gemüt zu Gott erweckt werden und er lernen wird, wie er zuweilen unter den
Sorgen der Regierung mit ehrbarem Troste sich vergnügen könne. Überdies
verordne ich ihm zwei meiner Freunde, die ihm wie zwei Mütter sein sollen.
Von einem derselben wird er Milch und Brot erhalten, vom anderen aber Wein und
Arznei. Der erste wird ihm anzeigen, wie und worin er sündigt, wie er
genugthun soll für
seine Sünden, wie er in der Trübsal Trost empfangen und wie er mich, wenn
ich erzürnt bin, besänftigen kann. Vom anderen wird er Weisheit in
zweifelhaften Dingen, Lösung der Geheimnisse, Klugheit in der Regierung und
Verteidigung seines Reiches empfangen. Wird er diesen folgen, so wird er vor
Gott und den Menschen fortschreiten. Er soll aber diesen beiden nicht so
folgen, daß andere Ratgeber verachtet würden; sondern er möge nebst diesen
die Ratschläge vieler anhören und daraus mit Überlegung das Beste
erwählen."
Der Kaiser Christus lehrt die Könige, ihre ihnen untergebenen Völker lieben und die rechten Weisen zum Regieren beobachten, indem er ihnen gebietet, ungerechte und schlechte Gewohnheiten abzuschaffen.
Der Sohn Gottes sprach zur Braut: "Ich habe zuvor
gesagt, der König solle sein Volk und seine Reichsgemeinde lieben. Daß er
sie liebt, giebt er aber dann zu erkennen, wenn er bewährte Gesetze im
Gebrauche sein läßt, wenn er über die Gemeinde und das Volk keine grausamen
Beitreiber und Steuererheber walten läßt, wenn das Volk nicht mit neuen
Erfindungen und Auflagen beschwert wird, wenn er es nicht durch lästige und
ungewohnte Gastfreundschaft belastet; jedoch wird er zum Angriffe gegen die
ungläubigen beim Volke und der Reichsgemeinde bescheiden um Hilfe bitten
können, wenn er in Not ist, nur soll er sich hüten, daß diese Not keine
Gewohnheit und kein Gesetz werde. Der König soll auch bemüht sein, die dem
Heile der Seelen widrigen Gewohnheiten zu beseitigen, vorzüglich aber jenen
von alten Zeiten hergebrachten Brauch, nach welchem die Schiffe, welche in
seinem Reichsgebiete ans Gestade verschlagen werden, samt den darauf
befindlichen Waren und Gütern weggenommen werden. Ach! was für eine ruchlose
Grausamkeit ist es, die Betrübnis der Betrübten noch zu erhöhen! Denn es
ist, um den Betrübten auf den Gipfel des Schmerzes zu bringen, genug, daß er
sein Schiff verliert, ohne daß ihm auch noch sein anderes Gut entzogen zu
werden braucht. Deshalb soll der König diese und andere böse und ungerechte
Bräuche
in seinem Reiche ausrotten und er wird eine größere Gnade und Förderung vor
meinen Augen erfahren."
Gleichlautend mit Kapitel XLVIII des vierten Buches.
Gleichlautend mit dem fünften Buche nach der neunten Frage ganz
Der Kaiser Christus redet mit der Braut von einer jüngst vermählten Königin, und verkündigt dem Könige, wie dem Königreiche aus dieser Ehe kein Heil, sondern Trübsal erwachsen werde, weil sie von einem Stamme entsprossen ist, der von der Kirche verdammt worden, sich auch vor dem gesetzlichen Alter vermählt hat.
Der Sohn Gottes redete mit der Braut von einem Könige,
welcher seine Königin und einem von der Kirche verdammten Geschlechte und vor
dem gesetzlichen Alter zur Ehe genommen hatte, und sprach: "Merke auf,
meine Tochter, und wisse, daß zu jeder christlichen Ehe das Alter und die
gesetzliche Zustimmung vorhanden sein muß, was beides bei dieser Königin
fehlt, darum ist diese Ehe einem Puppen- und Kinderspiele ähnlich, weil von
den Eheleuten zeitliche Herrlichkeit, aber nicht das christliche Gesetz und
die Ehre Gottes gesucht wird, und es wird deshalb aus dieser Ehe für das
Reich Trübsal, aber kein Heil hervorgehen. Und obgleich diese neue Königin,
die Tochter von der Kirche verdammter Eltern, nicht die Missethat des Vaters
tragen wird (Ezechiel XIII.), so wird doch vom Samen dessen, der mich zum
Zorne reizt, dem Volke niemals Heil und Frucht kommen. Deshalb ermahnte Isaak
seinen Sohn er solle ein Weib aus seinem Volke nehmen, damit er nicht von
einem Volke befleckt würde, dem Gott zürnte." ![]()
Die Mutter Gottes ermahnt eine Königin von weltlichen Sitten, sie solle sich zu Gott bekehren, indem sie Gott aus sich Blätter, Blumen und Frucht der Tugenden dadurch brächte, daß sie Gutes spräche und hörte und Gott und den Nächste liebte.
Die Mutter Gottes redete zur Braut und sprach: "Sage der Königin, daß ich, die Mutter der Barmherzigkeit, sie wie einen angefressenen Apfelkern angenommen, welcher nicht schön anzusehen, sondern bitter und so häßlich von Geschmack ist, daß man denselben nicht verschlucken mag. Doch habe ich sie in ein fremdes Land verpflanzt, damit sie gute Früchte bringen möge. Wie nun die Bäume aus sich Blätter, Blumen und Früchte hervortreiben, so soll sie Blätter der Tugenden hervorbringen, indem sie gern die Worte Gottes hört, welche für die Seele nützlich und den Blättern der Bäume ähnlich sind. Sie soll auch reden, was zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten gereicht, weil sie dann schöne Blumen trägt. Ferner soll sie Gott und den Nächsten lieben, und dann hat sie die beste Frucht. Nun aber redet sie gern leichtfertige Dinge und das, womit sie die Ehre und Gunst der Welt erwerben kann, und deshalb soll sie sich zu mir wenden, indem sie meinem Sohne mit dem Gehöre, mit der Rede und dem Werke der Liebe die Frucht bringt, welche ihm am süßesten schmeckt, das ist ihre Seele, welche er vom Herzen zu besitzen verlangt."
Christus verwirft das Gelübde der ehelichen Keuschheit, das ein König und eine Königin, welche miteinander vermählt waren, ohne Rat und reifliche Überlegung gethan, damit kein größeres Übel und Nachteil daraus entstehen möge.
Ein König und eine Königin legten, nachdem sie zwei Söhne
gehabt, das Gelübde der Keuschheit und Enthaltsamkeit von einander ab. Als
die Braut aufgefordert war, sich hierüber im Gebete bei Gott zu befragen,
erschien ihr Christus und sprach: "Die Schrift
sagt: Der Mensch soll sich nicht unterfangen, zu scheiden, was Gott
zusammengefügt hat. Denn wer sollte wagen, das zu ändern, was
vernünftigerweise im Gesetze Gottes gebilligt und geheiligt worden? Indessen
kann aus einem gerechten Grunde ein fleischliches Gut zuweilen in ein
geistliches Gut verändert werden; alsdann ist es keine Ehescheidung, sondern
eine freiwillige Übereinkunft, wonach zwei nach gepflogenem Rate und
reiflicher Überlegung aus Liebe zu Gott in eine höhere Vollkommenheit
einwilligen. Aber dieser König und diese Königin haben in ein scheinbares,
keineswegs verständiges gutes Werk gewilligt, weil der eine Teil in das
Gelübde der Enthaltsamkeit im ersten Feuer und aus unklugem Eifer und
Leichtsinne, der andere Teil aber aus einigem Wohlgefallen und plötzlicher
Anregung, und um den Schmerzen zu entgehen, seine Eiwilligung gegeben hat.
Deshalb ist es sicherer und löblicher, zum früheren Gesetze der ehelichen
Verbindung zurückzukehren, damit nicht, wenn sie unklugerweise fortfahren und
die Versuchungen sich gemehrt haben, auch die Reue über den gefaßten Vorsatz
hinzutritt, woraus noch ein größeres Übel und Anlaß zum Schaden entstehen
wird; doch sollen die beiden hierin nach dem Rate weiser Männer handeln, denn
es ist keine Sünde, weislich zurückzunehmen, was unklugerweise angefangen
und unternommen worden."
Christus lehrt hier die Könige, wie sie ihre Weiber mit Klugheit tadeln sollen, und ermahnt eine fromme Königin schön, daß sie demütig und mitleidig gegen die Armen, voll Liebe, klug und bescheiden sein soll.
Der Sohn Gottes sprach zur Braut: "Wenn irgendwo eine
Ähre neben einem Herzen wäre, muß dieselbe nicht unversehens und
plötzlich, sondern allgemach und leise weggeschnitten werden. Eine Frau, wenn
sie gut ist, soll geliebt werden. Da sie aber einem nach Vollkommenheit
strebenden Manne zuweilen ein Hindernis ist, so soll der Mann, welcher durch
die Ehe an ein Weib gebunden ist, wenn er eine Gefahr sieht, zuweilen gelinde
Worte brauchen, wie ein Ermahner, zuweilen mit Mäßigung strengere, nach Art
eines Lehrers; bisweilen aber schneiden, wie ein Arzt, denn eine
Frau soll man klüglich anhören, damit sie getröstet werde, und bescheiden
und heimlich strafen, damit sie nicht verachtet werde und ehrbar unterweisen;
bisweilen aber soll man sie nicht anhören, damit die Gerechtigkeit nicht
verletzt werde. Für eine Königin geziemt sich Demut des Gemütes,
Bescheidenheit in den Werken, Vorsicht in den Geschäften, Mitleid gegen die
Armen; so ist durch die Umsicht eines Weibes David besänftigt worden (I.
Könige XXV.), daß er keine Sünde that, durch Demut ist Esther zur
Königswürde gekommen und darin verblieben, durch Hoffart und Begierlichkeit
aber ist Jezabel gestürzt worden. Maria, meine Mutter, ist wegen ihrer
Barmherzigkeit und Liebe die Mutter aller im Himmel und auf Erden geworden.
Weil denn nun die Königin, für welche Du bittest, durch Dich Rat bei mir
sucht, so antworte ihr von meiner Seite und sprich, daß sie Eingebungen und
Einflüsterungen von zwei Geistern hat, nämlich von einem guten und einem
bösen Geiste, welche ich Dir ein anderes Mal anzeigen werde."
Gleichlautend mit Kapitel IV des vierten Buches.
Christus sagte zur Braut in betreff der ebenerwähnten Königin, daß dieselbe den ihr gegebenen Rat Gottes für beschwerlich halte; deshalb kündigt er ihr an, daß, wofern sie nicht bald gehorche, ihr Leben kurz sein, sie im Gerichte eine schwere Rechenschaft abzulegen und ein schweres Ende haben wird.
Christus redete zu der Braut über die oben erwähnte
Königin und sprach: "Die Königin, von welcher ich Dir oben gesprochen,
hat durch Dich einen Rat bei mir nachgesucht, und nachdem sie den Rat, den ich
ihr erteilt, vernommen, scheint ihr derselbe sehr schwer. Darum sollst Du ihr
sagen: Es war eine Königin zur Zeit des Propheten Elias, welche ihre Ruhe
mehr liebte, als mich, welche die Worte der Wahrheit verfolgte und durch ihre
Klugheit zu bestehen vermeinte, darum geschah es, daß sie nicht nur bei allen
in eben so große Verachtung und Geringschätzung fiel, als sie zuvor in Ehren
stand, sondern auch bei ihrem Tode gestraft wurde.
(III. Könige XIX.) Deshalb sage ich, Gott, der ich der deutlicher schaue und
das Zukünftige weiß, jener Königin, daß ihre Zeit kurz ist, daß die
Rechenschaft, welche sie am Tage des Gerihtes wird geben müssen, schwer, und
ihr Ende nicht sein wird, wie ihr Anfang war, wenn sie meinen Worten nicht
gehorchen wird."
Gleichlautend mit Kapitel XVII des vierten Buches.
Christus verbietet einem Könige, daß er einen schlauen Schmeichler nicht zu seinem Ratgeber annehmen solle, weil derselbe begierlich und voll Truges ist; er bedroht den König, sofern er das Gegenteil thun würde.
Der Sohn Gottes redete zur Braut über einen schlauen,
schmeichlerischen Menschen, den ein König hoch erheben und zu seinem Rate
annehmen wollte, und sprach: "Der Mann, den Du kennst, und welchen der
König jetzt zum Ratgeber annehmen will, ist ein Wolf. Und was anderes wird er
thun, als daß er raubt, verschlingt und trügt? Darum sage ich, daß, wenn
der König meine Freundschaft zu finden sucht, er sich in acht nehmen und von
der Freundschaft und dem Verkehre mit jenem Manne zurücktreten soll. Er
gestatte ihm nicht den kleinsten Schritt Landes zu nehmen, das er von ihm
begehrt, er soll ihm weder mit Leuten, noch mit Gaben helfen, denn er hat
einen Schafspelz, aber einen unauslöschlichen Durst und das Gift des Betruges
im Herzen. Wenn aber der König seine Ratschläge vernommen und seine
Freundschaft will, und sich mit ihm verbindet, so daß er sich gänzlich auf
ihn verläßt, so wird er von mir verworfen werden, und vielen zum Sprichworte
und Gespötte sein, denn er gleicht mehr einem gekrönten Esel, als einem
Fürsten und es ist auch für ihn zu befürchtenn, daß er mit Schmerz sein
Königreich verliere. Auch jene Frau, welche mir zuvor teuer war, hat sich von
mir abgewendet und sucht vom Samen des Wolfes die Frucht der Ehe wider meinen
Willen und meine Worte. Deshalb wisse für das Gewisseste, daß sie sich ihrer
Frucht nicht freuen wird, noch wird ihr Same tiefe Wurzeln
treiben; auch werden die Einwohner sich über den Erben nicht freuen, weil der
König zum Königreiche kein Recht gehabt und der jüngere den älteren
hintergangen hat."
Christus verbietet einem Könige, die Freundschaft eines großen auswärtigen Herrn anzunehmen und denselben in sein Königreich einzuführen. Er vergleicht denselben mit einem Fuchse, weil jener ränkevoll und hoffärtig und ein Räuber der Einfältigen ist.
Christus redete mit der Braut und sprach: "Der König
sucht die Hilfe und Freundschaft des Fuchses. Worin besteht aber die Art des
Fuchses sonst, als sich tot zu stellen, um einfältige Vögel zu rauben und
ist er in einen Gänsestall eingedrungen, so begnügt er sich nicht, eine Gans
zu verzehren, sondern er sucht alle zu töten. So ruht jener Fuchs, wenn er
einen Teil Landes bekommt, nicht, bis er noch einen größeren erhält, und
dann wird er Zwietracht säen, weil die Einheimischen mit den Auswärtigen
sich nicht vertragen werden. Darum soll man den Verkehr mit ihm fliehen wie
das Zischen der giftigen Schlange, denn wenn ihm sein Unternehmen gelingt,
wird er das Land in Verfall bringen und den einfältigen Gänsen die Federn
ausziehen, jedoch sollen die Ratgeber des Reiches und der König sich
bemühen, daß das Geld, das man ihm wegen der Aussteuer schuldet, gezahlt
werde; denn nach dem gemeinen Sprichworte ist es besser, sich vor Schaden
hüten, als durch Schaden klug werden. Siehe, jetzt haben sie sich vom Samen
der Fuchses und der Natter ein Haupt aufgerichtet, das die Federn rupfen, aber
nicht heilen kann und das ihnen nicht zur großen Freude, noch zur Vermehrung
der Gerechtigkeit dienen wird, wen jenes Geschlecht mir nicht gefällt, und
seinen fröhlichen Anfang ein schmerzhaftes Ende verdunkeln wird." ![]()
Christus giebt einem Könige zwei sehr gute Ratgeber, welche die göttliche Liebe und den Eifer der Gerechtigkeit haben, wodurch er den Königen zeigen will, daß sie solche Räte annehmen sollen, nicht aber nachlässige und solche, welche die Welt lieben. Er erklärt auch, weshalb Gott seine Freunde den Trübsalen; dahingiebt.
Der Sohn Gottes redete mit der Braut, welche für einen
König betete, und sprach: "Wenn dieser König für die Belehrung der
Seelen arbeiten will, so bestelle ich ihm zwei Räte, welche das Reich
regieren sollen. Der erste liebt mich mehr, als sich und das Seinige; er ist
auch bereit, für mich zu sterben. Der andere hat bereits die Hörner des
Lammes
ergriffen und ist bereit, mir, aber nicht dem Fleische, sondern dem Geiste zu
gehorchen. Du wirst jedoch fragen können, weshalb ich weine Freunde den
Trübsalen aussetze. Ich antworte Dir durch ein Beispiel. Gesetzt, es sei ein
Herr, welcher einen Wald besäße, eine Einöde, welche mit einer Mauer
umgeben ist; innerhalb der Mauer befinden sich wilde Tiere, draußen aber
Schafe; die Mauer hätte jedoch viele Risse, und neben jedem Risse wären zwei
Ausweitungen und neben jeder Weitung drei verborgene Löcher. Der Herr ist nun
für seine Schafe ängstlich besorgt und spricht zu seinen Knechten: O meine
Knechte, ihr wisset, daß meine Schafe einfältig, jene wilden Tiere aber
räuberisch sind. Stellt euch daher hin und bewachet die Offnungen [sic!],
damit die wilden Tiere nicht hinausgehen aus ihrem Umkreise und den Schafen
schaden. Seid nicht verdrossen im Abeiten, nicht träge im Wachen; euere
Stimme sei wie die eines Hornes, der Stock beständig in eueren Händen, damit
die wilden Tiere, welche sich den Schafen nähern, abgeschreckt werden. Als
die Knechte ihres Herrn Befehl empfangen hatten, gehorchten sie gern. Zuletzt
berief der Herr seinen Jäger und sprach zu ihm: Gehe mit den Hunden in meinen
Wald hinaus und laß die wilden Tiere den Klang des Hornes hören, und
scheuche dieselben zurück mit Deinem Geschrei. Als die
Knechte nun den Klang des Hornes vernahmen, sprachen sie: Hört, das ist die
Stimme vom Jäger unseres Herrn. Lasset uns deshalb eilig aufstehen und nicht
furchtsam, noch nachlässig sein; unsere Hand sei nun rüstiger zum Schlagen,
die Stimme lauter im Rufe, das Auge wachsamer im Spähen, und wo wir zuvor
andere zur Verteidigung der Schafe hingestellt haben, da wollen wir uns jetzt
selbst hinstellen. Ich, Gott, bin diesem Herrn ähnlich. Die Wüste oder
Einöde ist die Welt, welche mit sehr wilden, ungebändigten Tieren
überfüllt ist, d. h. mit Menschen ohne Gesetz, ohne Liebe, ohne Gefühl für
Gott, die zu allem Bösen bereit sind. Diese Welt umgiebt die Mauer
übergroßer Vermessenheit und Hartnäckigkeit, weil die Menschen stets
fortschreitend sich verhärten. Außerhalb dieser Mauer sind meine Freunde.
Dieselben sind entbrannt in Liebe zu mir, folgen meinen Fußstapfen und suchen
meine Weide. Innerhalb der Mauer sind diejenigen, deren Begierde kein Maß
hat, welche das Geschöpf dem Schöpfer vorziehen, den Leib, aber nicht die
Seele lieben, nur nach den gegenwärtigen, jedoch nicht nach den künftigen
Gütern trachten. Die Risse in der Mauer sind: Betrug, Simonie und Bosheit,
welche weder Vater noch Sohn verschonen und bereits bei vielen herrschend
geworden sind, welche es für das höchste Glück halten, Zeitliches zu
erlangen, und um die ewige Herrlichkeit sich nicht bekümmern. Die beiden
Ausweitungen neben den Rissen sind zwei Mißbräuche ober Übel in der Welt,
von denen der erste geistlich, der andere aber leiblich ist. Der erste ist,
anderen ein Beispiel zum Sündigen durch Wort oder Werk geben, der zweite,
nämlich der leibliche, ist doppelter Art: einmal die Sünde, welche gebessert
werden muß, um der Geschenke, um Gunst und der Ehre willen oder aus
weltlicher Furcht verheimlichen; zweitens um des Vorteiles oder eines
weltlichen Gutes willen offenbare Sünden nicht strafen wollen. Unter den
drei, verborgenen Löchern verstehe drei Begierden der Bösen, dem Leben der
Nächsten zu schaden, oder ihrer Ehre Abbruch zu thun, oder ihren Gütern oder
Freunden nachteilig zu werden. Der Jäger aber bedeutet die Gerechtigkeit
Gottes, welche geoffenbart werden soll; sein Ruf soll also lauten: Gieb den
Harten Hartes, und gieb den Weichen Weiches. Die Hunde, welche ihm folgen,
sind die Männer der Ungerechtigkeit, deren Gott, obwohl
sie böse sind, sich zum Guten bedient, nicht für sie selbst, sondern für
die, welche gereinigt werden sollen, denn sie sind wie unersättliche Hunde,
welche gewöhnlich die Schafe hassen, dieselben mit den Hörnern ihrer Hoffart
stoßen, ihnen die Wolle zerreißen und sie mit den Füßen treten. Weil nun
das Reich dieses Königs eine Wüste oder ein Wald ist, in welchem er mehr
wilde und ungebändigte Tiere, denn Schafe hat, dem bestelle ich meine Freunde
zu Hütern meiner Schafe. Dieselben sind bereit, den Demütigen
Barmherzigkeit, den Verhärteten Gerechtigkeit zu erweisen, allen aber
Billigkeit zu spenden. Übrigens sollen sich diese Freunde vor jenen Hütern
in acht nehmen, welche neben den Öffnungen stehen und Sperre in den Händen
halten, dieselben aber zurückziehen, sobald die wilden feindlichen Tiere
ausbrechen und wenn sie entwischt sind, mit starkem Geschrei auf die Erde
schlagen, auf daß sie tapfer sich gehalten zu haben scheinen; das sind jene
Hüter, welche nicht die Seelen, sondern die Wolle suchen, welche Sünden
verheimlichen oder nur leichthin tadeln, um zu gefallen und vor Trägheit
schlafen, statt nach den Sünden zu forschen. Meine Freunde aber sollen sich
ernstlich bemühen, daß die Gerechtigkeit beobachtet und gehandhabt, die
Gemeinde geliebt, die Ehre Gottes gemehrt und die Gottlosen und
Widerspenstigen bestraft werden. Ob aber die Stimme meiner Gerechtigkeit in
ihren Tagen sich offenbaren wird oder nicht, ist ihnen zu wissen nicht
erlaubt, sondern sie sollen feststehen und rufen, denn ich, der Gott der
Wahrheit, werde ihnen den Lohn der Wahrheit geben."
Die Himmelskönigin erklärt weshalb sie bisweilen, wenn sie redet, wir, Christus aber, wenn er redet, ich sagt. Sie bedroht einen König schwer wofern er sich nicht von einem ungerechten Rate trennen würde. Sie ermahnt den König auch, wachsam und sorgfältig zu sein in der Liebe Gottes.
Die Mutter Gottes redete mit der Braut und sprach: "Du
wunderst Dich, weshalb ich zuweilen wir sage, wenn ich mit Dir rede. Und wenn
mein Sohn mit Dir redet, sagt er i ch. [sic!] Du sollst wissen, wie dieses
deshalb geschieht, weil, wenn mein Sohn
mit Dir spricht, er von seiten seiner Gottheit mit Dir redet, weil die
Dreifaltigkeit ein Gott ist. Wenn aber i ch [sic!] rede, so rede ich
aus der Kraft derselben Dreifaltigkeit, und das Wort der drei Personen ist Ein
und dasselbe Wort. Darum sage ich wir. Sage deshalb dem Könige, für welchen
Du jetzt betest, daß ihn die Mutter der Liebe warne und ihn vor Schande,
Schimpf und Schaden behüten wolle. Schimpf und Schande würden es sein, wenn
der Herr an seine Stelle den Diener setzen wollte, Schaden aber würde es
sein, wenn jemand einen mit Geld gefüllten Kasten gegen einen leeren oder von
geringem Werte hergeben und vertauschen wollte. So hat dieser König vor,
einen Diener des Teufels zu erhöhen, dem man gehorchen soll. Das in ohne
Zweifel eine geistliche Schande. Deshalb schwöre ich bei Jesu Christo, meinem
Sohne, daß, wofern er denselben auf den Rat weiser Männer nicht von sich
thut und einen gewöhnlichen Menschen, wie er seinem Geschlechte nach ist, aus
ihm macht, und ihm nicht über einen Heller der königlichen Einkünfte Gewalt
einräumt, so werde ich ihn vom Scheitel seines Hauptes bis zur Fußsohle
geißeln, bis er vor Schmerz rufen wird: Maria, erbarme Dich meiner, denn ich
habe Dich zum Zorne gereizt! Zweitens warne ich ihn vor Schaden, daß er nicht
so sehr seiner Ruhe pflege, um einer langen Unruhe zu verfallen, sondern
lieber emsig und fleißig in göttlicher Liebe arbeite, um jenes kostbare und
unvergängliche Gold zu erhalten."
Die Mutter Gottes sagt den Königen, sie sollen sich keinen Rat von blinden, tauben und stummen, oder an der Seele kranken Personen erteilen lassen, sondern von solchen, die an Geist und Tugenden gesund sind.
Die Mutter Gottes redete zur Braut und sprach: "Sage
dem Könige, für welchen Du bittest, daß er fünf Diener hat. Der erste ist
blind, doch ist er ein Stoff, aus welchem ein schönes Bild gemacht werden
kann. Darum soll man nicht Rat suchen bei einem Blinden, bevor er nicht sein
gutes Gesicht erhalten hat. Der zweite ist ein Tauber, weil in seine Ohren
keine göttliche Liebe eingeht. Deshalb soll man nicht von geistlichen Dingen
mit ihm
sprechen, ehe er nicht ein besseres Gehör erhalten. Der dritte Diener ist ein
Stummer, weil die göttliche Liebe nicht in seiner Seele ist, und deshalb
spricht er alles, was er redet, entweder aus Furcht vor Strafe, oder um des
Gewinnes der Welt willen, oder um zu gefallen. Der vierte Diener ist
gichtbrüchig an allen Gliedern, und deshalb ungeschickt zu jeglichem
geistlichen Werke. Der fünfte Diener ist geistlicherweise ganz aussätzig,
und darum muß man seine Gegenwart fliehen, damit andere nicht durch ihn
verunreinigt werden. Für diese fünf Diener, welche wir ihm widerraten,
verordnen wir ihm andere fünf, welche gut sehen und geistlicherweise hören,
auch ohne geistlichen Flecken sind; gehorcht er diesen, so wird er meines
Sohnes Freundschaft behalten. Ferner sage ihm, er soll in der Krone gehorsam
bleiben, sonst wird mein Sohn ihn unter die Krone rufen (ihm sein Reich
nehmen). Dieses aber werde ich Dir zu seiner Zeit auslegen."
Ein Edelmann verspottete Gott vor einem Könige, und Christus bedroht denselben König, wofern er jenen nicht strafe; denn einem Richter, welcher den Sünder um Gottes willen straft, wird eine doppelte Krone gereicht, dem aber, welcher ihm nachsieht, die Strafe verdoppelt.
Der Sohn Gottes sprach zur Braut: "Weshalb beunruhigt
es Dich, daß ich den, der mich verspottete, so geduldig ertrage? Weißt Du
nicht, daß es schwer ist ewig zu brennen? Denn wenn man verschiedene
Farbenkräuter säet, und dieselben werden vor der Zeit abgeschnitten, so
taugen sie nicht soviel zum Färben einer Sache, als wenn sie zur rechten Zeit
eingebracht werden. So müssen meine Worte, welche mit Gerechtigkeit und
Barmherzigkeit geoffenbart werden sollen, bis zur Fülle ihrer Reife wachsen;
dann werden sie der Sache, der man sie hinzufügen soll, dienlicher sein, und
meine Kraft in angemessener Weise färben. Darum soll der König sich
vorsehen, daß seine Seele nicht für die Seele dessen einstehen müsse, der
mich verspottet. Denn weil er einen Sünder um Gottes willen straft, auf daß
er nicht von Gott gestraft werde, wie Moses es gethan, erhält er eine
doppelte Krone, sowohl weil er den Willen
Gottes besänftigt, als weil er das Gericht über den Sünder mildert, damit
er nicht in Ewigkeit gestraft werde. Wer aber unterläßt, den Sünder zu
strafen, wird sich eine doppelte Strafe zuziehen, indem er seine Strafe für
die Zukunft mehrt und die Gerechtigkeit nicht übt.
Gleichlautend mit Kapitel XVIII des siebenten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XIX des siebenten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XXXI des dritten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel I des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel CIII des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel CIV des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel CV des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XCV des sechsten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XXVI des sechsten Buches. ![]()
Die Braut sah in einem Gesichte Sonne und Mond in den Abgrund fallen. Dieselben verloren ihren gewöhnlichen Schein. Sie bedeuten einen König und eine Königin, welche ihre guten Sitten in böse verkehrt hatten, weshalb auch der König sein Reich verloren hat und im Gefängnisse gestorben ist.
Als ich mich im Gebete befand, sah ich den Himmel ganz
trüb, Sonne und Mond aber in hellster Klarheit leuchten, ihr Licht breitete
sich auch über den Himmel hinaus. Als ich aufmerksam hinschaute, gewahrte
ich, wie gute und böse Engel wider Sonne und Mond stritten, sie erhielten
aber nicht eher die Oberhand, als bis ein großer und schrecklicher Drache am
Himmel aufstieg, dem Sonne und Mond ihre Macht und Klarheit abtraten. Alsbald
erblaßte die Sonne und wurde finster und der Mond entfloh hinter die Erde und
als ich auch die Erde schaute, erblickte ich dieselbe voll kriechender Tiere
und Schlangen, welche die Oberfläche der Erde abfraßen und die Menschen mit
ihren Schwänzen töteten, bis die Sonne in den Abgrund fiel und die Stätte
des Mondes nicht mehr gefunden ward. Nach Verlauf von elf Jahren hörte ich,
wie die Stimme Christi zu mir sprach: "Erinnere Dich, meine Braut, was
ich Dir in der Stadt Stockholm von jener Verwirrung am Himmel gezeigt habe.
Jetzt aber will ich Dir auslegen, was das bedeutet. Der verfinsterte Himmel,
den ich Dir gezeigt habe, ist dieses Reich Schweden, denn dieses Reich, das
wie ein himmlisches ruhig und gerecht sein sollte, wird jetzt vom Sturmwinde
der Trübsale, von Ungerechtigkeiten hin und her geworfen und durch ein
Übermaß von Abgaben zertreten. Das ist auch kein Wunder, denn der König und
die Königin, welche wie Sonne und Mond glänzten, sind schwarz geworden wie
Kohlen, weil sie ihre Sitten und ihren Willen umgewandelt haben, sie haben
auch einen Menschen von einem Natternstamme erhoben, um meine Freunde und die
Einfältigen zu Boden zu werfen. Deshalb wisse, wie dieser Drache zu Schanden
und schneller stürzen wird, als er aufgestiegen war. Meine Freunde aber, von
denen einige ein englisches Leben führen, obwohl unter ihnen auch einige wie
böse
Engel von einem wüsten Wandel sind, werden erhöht und von ihren Trübsalen
befreit werden. Die Sonne aber wird blaß werden, bis sie unter die Krone
kommt, weil sie nicht hat in der Krone bleiben wollen und es wird von ihr
gesagt werden, daß mit dem Maße ihres früheren Glanzes ihre Finsternis
gemehrt worden ist."
Christus lehrt hier die Könige eine neue und gottesfürchtige Art und Weise, Soldaten zu einem neuen Kriege herbeizuschaffen zur Bekämpfung der Ungläubigen und zur Verteidigung des heiligen Glaubens und der Kirche.
Christus sprach zur Braut und sagte unter anderm:
"Merke auf, meine Braut, und wisse, wie der Laienstand in alter Zeit wohl
geordnet war. Einige unter ihnen bauten das Land und lagen tapfer der
Bearbeitung der Äcker ob, andere trieben Schifffahrt und führten Waren in
andere Gegenden, damit die Fruchtbarkeit eines Landes dem Mangel eines anderen
zu Hilfe käme, andere lagen der Handarbeit ob und trieben verschiedene
Künste. Unter ihnen waren einige Verteidiger des Glaubens und meiner Kirche,
sogenannte Hofleute und Ritter. Diese ergriffen die Waffen, um die heilige
Kirche und den Glauben zu rächen und ihre Feinde zu bekämpfen. Unter diesen
Hofleuten erschien ein frommer Mann, ein Freund, welcher also bei sich dachte:
Ich baue nicht das Land, wie ein Ackermann; ich quäle mich nicht ab auf den
Meereswellen, wie ein Kaufmann; ich habe mich nicht auf Handarbeiten gelegt,
wie ein tüchtiger Handarbeiter. Was soll ich also thun? Oder durch welche
Werke soll ich meinen Gott versöhnen? Ich bin ja nicht stark in der Arbeit
der Kirche, mein Leib ist schwach und, weichlich, Wunden zu ertragen, meine
Hand ist lässig, die Feinde zu schlagen; mein Herz verdrossen, an das
Himmlische zu denken. Was soll ich also thun? Fürwahr, ich weiß, was ich
thun werde. Ich werde mich erheben und mit einem festen Eide unter einem
zeitlichen Fürsten verbindlich machen, daß ich mit meinen Kräften und
meinem Blute den Glauben der heiligen Kirche verteidigen werde. Als aber jener
mein Freund zu dem Fürsten oder Könige kam, sprach er: Herr, ich bin einer
von den Verteidigern der Kirche.
Wohl ist mein Leib zu weichlich, Wunden zu ertragen, meine Hand ist lässig,
zu schlagen, das Herz unbeständig, Gutes zu denken und zu wirken, der eigene
Wille gefällt mir, die Liebe zur Ruhe gestattet mir nicht, mannhaft für das
Haus Gottes zu stehen. Deshalb will ich mich jetzt durch einen öffentlichen
Eid unter dem Gehorsame der heiligen Kirche und dem Deinigen, o Fürst,
verpflichten, daß ich dieselbe alle Tage meines Lebens verteidigen will, auf
daß, wenn etwa das Herz und der Wille zum Streiten lässig sein möchte, ich
durch den Eid verpflichtet sei und gezwungen werde zum Kampfe. Ihm antwortete
der Fürst: Ich will mit Dir zum Hause des Herrn gehen und Zeuge Deines Eides
und Deines Versprechens sein. Als nun beide zu meinem Altare kamen, beugte
mein Freund das Knie vor demselben und sprach: Ich bin in meinem Fleische zu
schwach, um Wunden zu ertragen, meine Hand ist lässig zum Schlagen, darum
verspreche ich in dieser Stunde Gott und Dir, der Du das Haupt bist festiglich
mit einem Eide, indem ich mich anheischig mache, die heilige Kirche wider ihre
Feinde zu verteidigen, die Freunde Gottes zu stärken, Witwen und Waisen und
den Gläubigen Gottes wohlzuthun, niemals etwas zu unternehmen, was der Kirche
Gottes und deren Glauben entgegen ist; außerdem verpflichte ich mich, mich
Deiner Strafe zu unterwerfen, wenn ich irren sollte, damit ich, zum Gehorsame
verpflichtet, mich um so mehr vor den Sünden und eigenem Willen hüten, um so
leichter dem Willen Gottes und dem Deinigen folgen und wissen möge, daß es
für mich weil verdammlicher und verächtlicher ist, als für die übrigen,
wenn ich durch Verletzung des Gehorsams Deinen Geboten zuwiderzuhandeln mir
herausnehme. Nachdem dieses Bekenntnis vor meinem Altar abgelegt worden war,
bedachte sich der Fürst weislich und verordnete ihm ein vom Kleide anderer
Weltleute verschiedenes Kleid, zum Zeichen der Ablegung des eigenen Willens,
und damit er wissen möge, daß er einen Obern habe und demselben gehorchen
müsse. Der Fürst gab ihm auch ein Schwert in die Hand und sprach: Mit diesem
Schwerte sollst Du die Feinde Gottes vermindern und töten. Er gab gab auch
einen Schild an den Arm und sprach: Mit diesem Schilde sollst Du Dich wider
die Wurfgeschosse der Feinde verteidigen; nimm geduldig die auf Dich
abgeschleuderten an, und laß eher den Schild brechen, als daß Du
fliehest. Und so hat mein Freund vor den Ohren meines Geistlichen, welcher
gegenwärtig war, versprochen, dieses alles fest halten zu wollen und nachdem
er es versprochen, gab ihm der Geistliche meinen Leib zur Stärkung und
Kräftigung, damit er, durch meinen Leib mit mir vereinigt, sich nimmer von
mir trennen möchte. Ein solcher ist mein Freund Georg gewesen und andere
mehr. Solche sollten auch die Kriegsleute sein, welche den Namen führen um
der Würde und ihr Kleid um ihrer Thätigkeit und der Verteidigung des
heiligen Glaubens willen. Vernimm jetzt, meine Braut, was sie jetzt als meine
Feinde wider dasjenige thun, was sie als meine Freunde versprochen haben; sie
waren bereit, ihr Leben für die Gerechtigkeit hinzugeben und ihr Blut für
den heiligen Glauben zu vergießen, den Dürftigen zur Gerechtigkeit zu
verhelfen, die Bösen zu unterdrücken und zu demütigen. Nun vernimm aber,
wie sie sich abgewendet haben, denn sie finden jetzt einen größeren Gefallen
daran, in einem Kriege, den teuflischen Eingebungen folgend, für die Hoffart,
Begierlichkeit und den Neid zu sterben, als nach meinen Geboten zu leben, um
die ewige Freude zu erlangen. Allen Streitern, welche mit solchem Willen
sterben, wird vom Gerichte der göttlichen Gerechtigkeit der Sold gegeben
werden, nämlich ihren Seelen in der ewigen Vereinigung mit dem Teufel.
Diejenigen aber, welche mir dienen, sollen den Sold mit dem ganzen himmlischen
Heere ohne Ende empfangen. Diese Worte habe ich, Jesus Christus, geredet,
wahrer Gott und Mensch, Einer mit dem Vater und dem heiligen Geiste, allezeit
Gott."
Gleichlautend mit Kapitel IX des zweiten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel LXXIV des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XIII des zweiten Buches. ![]()
Gleichlautend mit Kapitel XII des zweiten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel XI des zweiten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel LXXXII des sechsten Buches.
Christus sagt hier den Königen, daß diejenigen, welche einen Feldzug unternehmen und wider die Heiden streiten wollen, dies in der rechten Absicht thun sollen, nämlich um der Liebe Gottes willen und zum Heile der Seelen, indem sie sich zuvor bessern und ihr Reich reformieren.
Ein König von Schweden bat die Braut Christi, sie möge
Gott um Rat fragen, ob es ihm gefiele, daß er mit einem Kriegsheere gegen die
Heiden zöge, wozu er sich durch ein Gelübde verbunden hatte. Als die Braut
hierüber betete, erschien ihr Christus und sprach: "Will der König
ausziehen wider die Heiden, so rate ich es, befehle es aber nicht, wen es ein
größeres Verdienst ist, nach einem Rate, als auf ein Gebot zu handeln. Dann
rate ich ihm zweierlei: Erstens, daß er ein gutes Herz und einen geschickten
Leib haben muß; ein gutes Herz, damit die Absicht seines Auszuges keine
andere sei, als um der Liebe Gottes willen und zum Heile der Seelen; einen
geschickten Leib, um im Fasten und Arbeiten vernünftig zu verfahren; zweitens
soll er trachten, daß er willige und gut eingeübte Lehens- und Kriegsleute
habe. Zunächst soll er aber in seinem Königreiche umherziehen und fleißig
forschen, wie die Gerechtigkeit bewahrt wird, wie und durch welche Männer die
Gerichte abgehalten werden und die Regierung geleitet wird, weil, wer es
unternimmt, andere zum Himmel zu senden, bei sich selber anfangen muß, indem
er die eigenen Irrtümer bessert und hiernach die Unterthanen ermahnt, durch
Tadel straft und durch tugendhafte Beispiele ihnen Anregung giebt." ![]()
Christus sagt, daß die Könige, wenn sie wider die ungläubigen ziehen wollen, dieselben zuerst mit Freundlichkeit und friedlich ermahnen sollen, sich zu bekehren. Lehnen die Ungläubigen dieses ab, so müssen Eifer und Hand wider sie in Bewegung gesetzt werden.
Christus redete mit der Braut und sprach: "Es heißt, niemand soll wider seinen Willen zum Himmelreiche gezwungen werden. Ich antworte mit der Frage, ob es, wo gute Blumen vom Unkraute verhindert werden, nicht besser sei, daß das Unkraut hinweggeschnitten werde, damit die aufwachsenden Blumen nicht verhindert werden? Deshalb sollen diejenigen, welche in die Länder der Ungläubigen ziehen, denselben zuerst den Frieden, den Glauben und die Freiheit anbieten. Nehmen die Ungläubigen die Ratschläge und Ermahnungen nicht an, dann müssen Eifer und Hand in Bewegung gesetzt werden. Allen, welche für die Liebe gestorben sein werden, werde ich, Gott, die Liebe selbst, hundertfach vergelten und auch die Ungläubigen selbst werden geringere Peinen auszuhalten haben, als wenn sie länger lebten und in Frieden stürben; denn wenn sie noch länger lebten, würden sie auch mehr sündigen. Die Liebe ist ja ein so großes Gut, daß auch nicht der geringste Gedanke ohne Vergeltung bleiben wird, geschweige ein gutes Werk."
Gleichlautend mit Kapitel III des vierten Buches.
Gleichlautend mit Kapitel VI des zweiten Buches.
Christus unterweiset die Könige, daß, wenn sie wider die Heiden ziehen, sie zwei Fahnen haben sollen, nämlich des Leidens und der Gerechtigkeit Gottes; auch sollen sie gebildete, tugendhafte, fromme Geistliche bei sich führen.
Der Sohn Gottes redete mit der Braut und sprach: "Ein
König, welcher den Gewinn der Seelen sucht und wider die Heiden
ziehen will, soll zwei Fahnen führen. Auf der ersten soll mein Leiden
abgebildet sein, welches die Barmherzigkeit bedeutet; auf der anderen das
Schwert meiner Gerechtigkeit. Wenn der König nun zu den Heiden kommt, soll er
allererst die Fahne der Barmherzigkeit aufrichten und ihnen den Frieden
anbieten. Wollen sie denselben nicht annehmen, so soll er hernach die Fahne
der Gerechtigkeit aufrichten, auf meine Güte vertrauen, aber die Menge der
Feinde nicht fürchten. Er soll auch nicht aus Kleinmut zurücktreten, noch
auf die Stimme derer hören, welche da sprechen: Lasset uns wieder umkehren,
weshalb soll man weiter arbeiten? Wenn der König sich beständig fürchtet,
vorwärts zu gehen, so unternehme und fange er das Gute nicht an, denn es ist
besser, Schweres nicht zu unternehmen, als das Angefangene nicht mit Liebe zu
verfolgen. Der König soll auch Weltgeistliche von erprobtem Leben und
Ordensgeistliche von verschiedenen Orden bei sich haben, welche die Welt
wahrhaft verachten; denn im Heidentume und unter den Heiden sind viele, welche
ihr Sektenwesen vorziehen und diese sollen die Geistlichen mit Weisheit
widerlegen und das Volk unterweisen, daß es nicht seiner Widerspenstigkeit,
seiner Lüsternheit und seines unenthaltsamen Lebens willen im Banne
sterbe."
Gleichlautend mit Kapitel XLI des sechsten Buches.
Die Mutter Gottes rät einem wider die Heiden ziehenden Könige, eine gewisse Anzahl Leute zu haben, sich auch nicht auf die von Gott erhaltenen Offenbarungen zu verlassen, sofern er selber nicht halten werde, was er Gott versprochen.
Die Mutter Gottes redete zur Braut und sprach: "Wenn
der König auszieht wider die Heiden, soll er eine auserlesene Anzahl Leute
haben, denn ich kenne seinen Auszug und seine Zurückkunft, und weiß, daß
viele mitziehen, welche wider Gott nicht weniger Aufrührer sein werden, als
diejenigen, welche mit Moses ausgezogen sind. Allein wie Moses das Volk seiner
Undankbarkeit wegen
nicht einführte in das gelobte Land, so werden unter diesem Volke erst die
noch nicht Geborenen vollziehen, was Gott vorhat. Der König verlasse sich
auch nicht darauf, daß ich gesagt habe, er sei mein Sohn und ich wolle mich
niemals von ihm entfernen, denn nur, wenn er sein mir gegebenes Versprechen
halten wird, werde ich die ihm erteilte Verheißung erfüllen, wofern er mich
aber verachtet, so mag er fürchten, wieder verachtet zu werden."
Die Jungfrau Maria gebietet durch die Braut einem Bischofe, welcher mit dem Könige in den Krieg wider die Ungläubigen zog, daß, wenn ein Teil vom Lande der Ungläubigen erobert worden, er sogleich eine Kathedralkirche errichten solle, wo die Christen geistlicherweise getröstet werden mögen.
Die Königin des Himmels redete mit der Braut und sprach:
"Der heilige Erzbischof Sigfried zog von England aus und vollzog den
Willen Gottes im Königreiche Schweden. Also soll auch der Bischof, für
welchen Du betest, und der mit dem Könige wider die Ungläubigen zieht, wenn
er unter die Heiden gekommen ist und einige ihrer Länder durch die Christen
erobert sein werden, zuerst an irgend einem anständigen, geeigneten Ort eine
Kathedralkirche errichten, damit die Christen für ihre Seelenbedürfnisse zu
derselben wie zu einer Mutter ihre Zuflucht nehmen können und dadurch in
ihrem katholischen Glauben gestärkt und geistlich getröstet werden mögen.
Und wenn der Bischof auch nur einen oder zwei Geistliche daselbst einsetzen
und unterhalten kann, soll er zufrieden sein, da mein Sohn die Macht hat,
seine Gaben zu vermehren und sein Bistum zu erweitern. Sterben aber sie oder
andere unter meinen Freunden, bevor diese Worte in Erfüllung gehen, so wird
ihnen der gute Wille für die That angerechnet werden, und sie werden Lohn
davontragen. Verlasse sich daher niemand auf langes Leben, sondern erwarte
jeglicher geduldig den Willen Gottes." ![]()
Die Mutter Gottes erzählt, wie sie ein Gefäß ist, erfüllt und erfüllend mit Gnade, und tadelt einen undankbaren König von Schweden welcher in seinem Kriege den Ratschlägen Gottes und geistlicher Männer nicht folgen wollte und gegen den Willen Gottes zurücktrat vom Kriege wider die Ungläubigen, indem er zu seiner Schande und dem Nachteile des Reiches den Rat weltlich gesinnter Männer befolgte.
Die Königin des Himmels erschien der Braut und sprach zu
ihr: "Höre Du, die Du Geistliches siehst und komm' mit mir zur
Unterredung mit dem heiligen Geiste. Ich bin ein erfülltes und erfüllendes
Gefäß. Denn wie ein Gefäß, das unter einem Wasserstrahle steht, mit Wasser
sich füllt, und ob auch das Wasser immer abläuft, doch immer gefüllt bleibt
durch das herabströmende Wasser, so ist meine Seele als sie erschaffen und
mit dem Leibe verbunden worden war, vom herabströmenden Wasser des heiligen
Geistes erfüllt und nachher niemals von demselben entleert worden. Wer daher
mit Demut und reinem Herzen zu mir kommt, wird vom heiligen Geiste Hilfe
erhalten. Darum kann ich wohl ein gefülltes Gefäß genannt werden, weil, als
ich in der Welt war, mein Sohn unter dem Herabströmen des heiligen Geistes in
meinen Leib gekommen ist, von mir Fleisch und Blut angenommen und in mir
gewohnt hat, bis er von mir durch eine dem Sohne Gottes geziemende Geburt das
Licht der Welt erblickt hat und als er nun geboren war und in meinen Armen
lag, da freuten sich die Engel und verkündeten Friede auf Erden. Nachher
verfiel mein Sohn schwerer Todespein, als sein Leib von Geißeln zerrissen,
seine Gebeine von Nägeln durchbohrt wurden und das Herz nach Ableben aller
Glieder zersprang; sein Tod war aber von solcher Macht, daß durch denselben
des Teufels Macht gebrochen und die Pforte des Himmels geöffnet wurden.
Deshalb vergleiche ich das Leben meines Sohnes einem Donner, dessen Ankunft
lange zuvor gehört wird, ehe der Schall herankommt, weil meines Sohnes Leiden
lange zuvor, ehe es eintrat, durch den Mund der Propheten verkündet wurde.
Nachdem aber mein Sohn gestorben war, erfolgte ein so starkes
Krachen des Donners, daß es noch lange nach seinem Leiden gehört und
verkündigt worden und viele freudig ihr Leben dafür hingaben. Jetzt aber ist
mein Sohn so vergessen und vernachlässigt, daß viele seinen Tod für nichts
achten. Einige sagen, sie wüßten nicht, ob er gewesen sei oder nicht; andere
wissen es, kümmern sich aber nicht darum; wenige aber sind, welche sich
seines Todes mit Liebe erinnern. Damit denn nun das Leiden meines Sohnes
wieder ins Gedächtnis gebracht werde, darum sind die Dir auf göttliche Weise
gegebenen Worte in die Welt gekommen; deshalb bist auch Du an diesen König
von Schweden gesandt worden, welcher in viele Sündenstricke verwickelt war.
Nachdem er sich vom Teufel losgemacht hatte, nahm ich ihn zu meinem Sohne an,
und wünsche aus ihm einen trefflichen Kämpfer für die Ehre Gottes zu
machen. Als der Teufel solches sah, ward er grimmig gegen ihn, wie vor Zeiten
gegen Moses, der ins Wasser geworfen ward und dessen Körblein Gott ans Ufer
geleite. Obwohl er eine schwere Zunge hatte, so redete er doch zu Pharao, was
Gott wollte, nachdem er nach seiner Flucht aus Ägypten zu, Könige
zurückgekehrt war. Auf ähnliche Weise hat es der Teufel mit dem Könige
gemacht. Er hat in seinem Herzen einen Sturm erregt, daß er, nachdem er
zahlreiche Streiter für sich versammelt hatte, vor Armut und Hunger vom
Kriege zurücktrat. Auf Eingebung des Teufels dachte er sich: Die Freunde
Gottes verstehen es nicht, zu kämpfen, deshalb will ich im Streit bewanderte
Männer suchen und nun schickte ihm der Teufel viele der Seinen, um ihn durch
deren Rat regieren zu lassen. Deshalb wurde dem Könige geoffenbart, welcher
Leute Rat er sich bedienen sollte und es wurde ihm geraten, daß weltliche und
Ordensgeistliche von bewährtem Wandel ihm folgen sollten und dieses ist
geschehen durch die Vorsehung des heiligen Geistes wider die Arglist des
Teufels, der wohl weiß, wie die Zeit nicht ferne ist, in welcher Gott zeigen
will, wie man seinen Streit angreifen soll; er weiß auch, daß im Heidentume
viele sind, welche groß von ihrer Seele denken, und viele, welche den
heiligen katholischen Glauben zu kennen begehren. Deshalb wünscht der Teufel,
daß, weil die Zeit der Gnade nahe ist, solche Männer zu den Heiden gesendet
werden, welche unwissend und voll Habsucht sind. Also sollen die Freunde
Gottes, Welt- und Ordensgeistliche sich bereit halten, mit geistlicher
Weisheit den im Irrtume befangenen Heiden zu entgegnen. Es ist Dir auch noch
vieles andere gesagt, das nicht sogleich vollendet werden wird, sondern die
Worte müssen bis auf die bestimmte Zeit bewahrt werden. Gott hat ja auch dem
Moses viele Dinge gezeigt, welche nicht in einer Stunde in Erfüllung gingen.
So wurde auch David lange Zeit zuvor als König gezeigt, bevor er zur Gewalt
gelangte, und deshalb sollen die Freunde Gottes geduldig ausharren und nicht
verdrossen im Arbeiten werden. Wir haben auch gesagt, daß Brüder vom Orden
des Dominikus, Franziskus und Bernadus mit dem Könige zu den Heiden ziehen
sollten, weil diese drei Orden zunächst unter die Heiden berufen werden
müssen, indem die Klöster von denen zuerst errichtet werden müssen, welche
die Welt wahrhaft verachten und keinen anderen Willen haben, als Gott zu ehren
und seine Freundschaft zu finden. Allein etliche unter den gedachten Brüdern
denken also: Wo ist das Volk, dem gepredigt werden soll? Wo sind die Stätten,
welche erbaut werden sollen? Ähnlich sprach Israel zu Moses: Wo ist das
verheißene Land? Es wäre uns besser gewesen, daß wir in Ägypten bei den
Fleischtöpfen geblieben wären, als daß wir in der Wüste durch Hunger und
Trübsal in Gefahr kommen. Gleichwohl kam Israel zur Zeit, da es mir gefiel,
in das gelobte Land, obwohl etliche murrten. Darum soll der König stets
fromme Geistliche und solche bei sich haben, welche ihm aus göttlicher Liebe
freiwillig folgen; hüten aber soll er sich vor Geistlichen, welche begierlich
sind wie die Raubvögel. Aber höre nun, was ich, die Mutter der
Barmherzigkeit, sagen will. Jener König, den ich zuerst meinen Sohn genannt,
ist jetzt ein Sohn des Ungehorsams geworden. Als er noch ein Knabe war, wurden
ihm zwei Königreiche aufbewahrt; nachdem er aber zu den Jahren des Verstandes
gekommen war, regierte er ungerecht und that alles ohne Klugheit. Gleichwohl
verfuhr Gott geduldig mit ihm und that auch geistlicherweise Gutes an ihm,
weil noch die Liebe seines Herzens Gott zugewendet war. Außerdem führe ich
ihm drei Wohlthaten ins Gedächtnis, die Gott ihm erwiesen. Es begiebt sich
häufig, daß ein Kind im Mutterleibe mit der Mutter so fest verbunden ist,
daß es in keiner Weise von ihr getrennt werden kann. Eine kluge Hebamme,
welche hierüber bei sich nachdenkt, spricht für sich: Wenn das Kind länger
im Leibe der Mutter bleibt, werden
beide sterben; werden sie aber voneinander getrennt, so kann doch, wenn die
Mutter gestorben, das Kind leben, und so geht die Hebamme daran und sondert
das Kind ab von der Mutter. Auf eine ähnliche Weise war jener König mit der
Welt, wie mit seiner Mutter, verbunden; wäre er länger mit derselben
verbunden gewesen, so würde er ohne Zweifel zur Strafe der Hölle gestorben
sein. Ich aber, die Königin des Himmels, bin zu dem Könige gegangen und habe
ihn von der Liebe der Welt gesondert. Unter dem Gange aber, den ich zum
Könige gemacht, verstehe ich den Eingang des heiligen Geistes in sein Herz,
weil überall, wo der Geist Gottes eingeht, der Vater mit dem heiligen Geiste,
und der Sohn mit dem Vater und dem Geiste eingehen, und die Mutter mit dem
Sohne, denn jeder, der Gott in seinem Herzen hat, hat auch die Mutter. und wie
es unmöglich ist, die drei Personen der Gottheit voneinander zu sondern, so
ist es unmöglich, daß, so lange das gegenwärtige Gesetz besteht, ich, die
ich die Mutter Gottes bin, von Gott getrennt werden könnte. Ich habe den Sohn
Gottes mit der Gottheit und Menschheit in mir gehabt, deshalb hat mich Gott
der Vater in seiner Gottheit, und ist der heilige Geist ein Band unserer
Liebe. Derselbe, welcher im Vater und Sohne ist, ist auch in mir, und wir
können nie getrennt werden. Auf diese Weise denn hat Gott, als ich zum
Könige gegangen, seinem Herzen Reue, seinen Augen geistliche Thränen
gegeben, welche niemand anders als durch die göttliche Gnade erhalten kann.
Zweitens führe ich dem Könige ins Gedächtnis, welche Gnade Gott seinem
Reiche erwiesen hat, da mein Sohn, welcher auf dem höchsten Throne der
erhabenen Majestät sitzt, häufig mit Dir redet, die Du in seinem
Königreiche geboren bist und ich habe dem Könige diese Gnade erworben, daß
er Gott Ehre erweise und für seine Seele Frucht bringen möchte. Ich habe ihm
auch durch Dich gezeigt, wie er sein Reich mit Weisheit regieren und das Volk
seines Reiches herzlich lieben, auch wie er sein Leben geistlich wie leiblich
zur Ehre Gottes beherrschen soll. Drittens führe ich ihm ins Gedächtnis
zurück, wie er erwählt worden, um den Heiden, wenn er gegen sie ziehen
wollte, den heiligen katholischen Glauben zu bringen. Aber höre nun, was
jener König that. Ich, die Mutter der Barmherzigkeit, habe jenen König
meinen neuen Sohn genannt, und zwar deshalb neuen, weil er
neuerlich zum heiligen Gehorsame gekommen war. Ich habe ihm durch Dich
verheißen, daß ich eine Gebieterin und Verteidigerin seines Heeres und
Reiches sein, auch im Feindesland vor ihm stehen wollte. Und also ist es
geschehen; denn in seinem Lande war, zufolge göttlicher Vorsehung, um meiner
Bitten willen Frieden und im Feindeslande war ich vor ihm, als ich seine
größten Feinde in einem Orte des Landes versammelte, um dieselben in seine
Hand zu geben. Allein nach Ablauf einer kleinen Zeit traten vor diesen König
Werkzeuge des Teufels, mit bösem Herzen und boshaftem Geiste, welche auf die
Hände der Menschen ein größeres Vertrauen setzten, als auf die Hilfe des
Schöpfers; deren Begierde auf irdischen Besitz stärker war, als den Seelen
das Heil zu verkünden; deren Zunge jener Geist zum Reden erregte, der die
Zunge des Judas erregte, um den Schöpfer zu verkaufen. Ihre Zähne sind
aufgehoben von den Fingern des Teufels, und ihre kalten Lippen mit seinem
Gifte bestrichen. Deshalb hat ihnen die göttliche Liebe nicht gemundet,
sondern sie haben die Worte der Wahrheit ausgespieen und Falschheit im Munde
gehabt. Ihren boshaften Ratschlägen gehorsam, eilte der König hinweg, so
daß er die Feinde, die dem heiligen Glauben Widerstand leisteten und die ich
an einem Orte versammelte und ihm übergeben wollte, meinen Händen entzog und
ich nun mit leerem Schoße allein blieb. Sodann hat er die Wölfe auslaufen
lassen und die Lämmer in die Hände der Schlangen überliefert, welche
bereit, die Schafe zu entführen, mit dem stärksten Gifte der Bosheit
erfüllt sind. Alles dieses ist aus den listigen Eingebungen des Teufels
hervorgegangen, weil der König, unter Verachtung der Ratschläge der Freunde
Gottes, den Ratschlägen fleischlicher Menschen gehorchte und weil er nicht
die Größe Gottes angesehen, auch an meinen Rat nicht gedacht hat, ist er,
ohne die Flucht ergreifen zu müssen, zurückgekehrt und hat die Gemeinde und
das Volk seines Königreiches belastet, ist Gott und den Menschen ungehorsam
geworden und hat das gemachte Kriegsgelübde verletzt. Aber wie eine Mutter
sich leicht mit ihrem Sohne zu versöhnen pflegt, wenn er sie um Erbarmen
bittet, also sage ich jetzt zu ihm: Mein Sohn, wende Dich zu mir, und ich
werde zu Dir zurückkehren; erhebe Dich von Deinem Falle nach dem Rate der
Freunde Gottes. Dies ist der letzte Brief, den ich an ihn schicken
werde." ![]()
Die Mutter Gottes erklärt der Braut, weshalb die Worte Gottes so dunkel geredet werden, daß sie auf verschiedene Weise ausgelegt werden können, und wann sie anders von Gott und anders von den Menschen verstanden werden. Wie sich die ganze Dreifaltigkeit der Braut auf wunderbare Weise unter der Gestalt eines Pultes und goldenen Buches und dreier Strahlen von drei verschiedenen Farben zeigte, wobei der Braut das Gesicht von der Eigentümlichkeit der Wesen der Dreifaltigkeit und dem Buche des Lebens ausgelegt wird. Und wie die Braut vor dem göttlichen Gerichtshofe des Richters das wunderbare Gericht der Seelen von drei Königen schaute, von denen einer noch lebte, der zweite zur Hölle, der dritte zum Fegfeuer verurteilt ward. Hier ist auch viel Bemerkenswertes über die löbliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes zu finden.
Die Mutter Gottes redete zur Braut und sprach: "Meine
Tochter, ich habe Dir zuvor gesagt, daß das mein letzter Brief wäre, der an
meinen Freund, den König, geschickt werden sollte. Diese Worte gelten aber
nur, soweit sie seine und meine Person betreffen. Wenn einer säße und hörte
etwas Nützliches singen, das einen Freund anginge, um es demselben wieder zu
melden, möchte es nun ein Freudenlied ober ein Brief mit heilsamem Tadel
sein, so wäre ein jeder von ihnen des Lohnes wert, nämlich sowohl der es
angegeben, als der es gesungen. Also will auch die Gerechtigkeit Gottes, indem
sie in Billigkeit richtet und in Barmherzigkeit rechtfertigt, Gerechtigkeit
und Barmherzigkeit singen. Wer also hören will, der höre, denn es ist keine
Strafepistel, sondern ein Lied der Liebe und Gerechtigkeit. Denn wenn vormals
einem ein Brief geschickt ward, enthielt derselbe einen Tadel und eine
Ermahnung, er strafte wegen der Undankbarkeit für Wohlthaten, und ermahnte
zur Änderung des Wandels. Jetzt aber singt die göttliche Gerechtigkeit ein
schönes Lied, das alle angeht. Wer dasselbe hört und durch Glauben mit der
That annimmt, wird die Frucht des Heiles und die Frucht des ewigen Lebens
finden. Du wirst aber fragen können: Weshalb werden die Worte Gottes so
unverständlich geredet, daß sie auf verschiedene Weise ausgelegt werden
können, zuweilen auch von den Menschen anders verstanden werden? Ich
antworte: Gott
ist einem Apotheker ähnlich. Gleichwie ein Apotheker, der gebrannte Wasser
macht, verschiedene Röhren hat, in welchen durch die mitwirkende Hitze die
Wasser bald auf- bald abwärts steigen, bis sie vollkommen werden, also macht
es Gott mit seinen Worten. Bisweilen steigt er auf durch die Gerechtigkeit,
zuweilen wiederum abwärts mittels der Barmherzigkeit, wie an jenem Könige
erhellte, dem der Prophet kraft der Gerechtigkeit gesagt hatte, er werde
sterben, dem aber nachmals die Barmherzigkeit mehrere Jahre zu, Leben
hinzulegte. (Isaias XXXIX.) Bisweilen auch steigt Gott durch den einfachen und
buchstäblichen Ausdruck seiner Worte herab, steigt aber wiederum auf durch
den geistlichen Verstand, wie bei David, welchem vieles, als auf Salomo
zielend gesagt, jedoch, wie es auch zu verstehen war, am Sohne Gottes erfüllt
worden ist. Bisweilen redet er auch von zukünftigen Dingen, wie von
vergangenen und berührt zugleich das Gegenwärtige und Zukünftige, weil
alles in Gott ist, das Gegenwärtige, wie das Vergangene und Zukünftige,
gleichwie ein Augenblick. Du sollst Dich auch nicht wundern, wenn Gott in
dunkeln Weisen redet, weil solches aus vierfachem Grunde geschieht: erstens,
auf daß Gott seine große Barmherzigkeit zu erkennen geben möge, damit
derjenige, welcher von der Gerechtigkeit Gottes hört, nicht an seiner
Barmherzigkeit zweifeln möge, weil, wenn der Mensch seinen Willen ändert,
Gott auch die Strenge seines Urteiles ändert. Der zweite Grund ist, damit
diejenigen, welche an die Gerechtigkeit und die Verheißungen Gottes glauben,
wegen des Glaubens und Harrens desto herrlicher mögen gekrönt werden. Dazu
kommt noch der Grund, daß, wenn man den Ratschluß Gottes zu einer gewissen
Zeit wüßte, manche wegen der vorausgewußten widrigen Zufälle sehr
beunruhigt werden, andere aus Verdruß von ihrem Verlangen und Eifer ablassen.
Schreibe ich daher an jemand einige Worte, so wird am Schlusse nicht
ausgesprochen, ob diese Worte in der That von ihm angenommen und geglaubt
werden oder nicht; es wird Dir auch das nicht erklärt, ob er dieselben
glauben und mit der That vollziehen werde oder nicht, weil Dir nicht erlaubt
ist, solches zu wissen. Der dritte Grund ist, damit niemand sich herausnehme,
die Worte Gottes leichtfertig in Erörterung zu ziehen, denn Gott ist es,
welcher den Hohen erniedrigt und aus dem Feinde einen Freund macht. Der vierte
Grund ist, daß derjenige, welcher Gelegenheit sucht zu lernen, dieselbe
finde, und die unrein sind, noch unreiner, die Guten aber offenbar
werden." - Ferner sprach die Braut: "Sodann redete der Sohn Gottes
mit mir und sprach: Spräche jemand durch ein Rohr, das drei Öffnungen hat,
und sagte demjenigen, welcher es hörte, du wirst durch diese Öffnung niemals
meine Stimme hören, so könnte er nicht getadelt werden, wenn er nachher
durch die beiden anderen Öffnungen spräche. So ist es auch jetzt mit unseren
Reden. Denn obwohl meine Mutter, die Jungfrau, gesagt hat, daß der Brief der
letzte sein sollte, der an den König geschickt wird, so ist dieses doch nur
in Bezug auf ihre Person zu verstehen. Jetzt aber sende ich, Gott, der ich in
meiner Mutter bin, wie meine Mutter in mir ist, meinen Boten an den König,
sowohl um derer willen, welche gegenwärtig leben, als derer halber, welche
noch nicht geboren sind. Von Ewigkeit her sind daher in Gott Gerechtigkeit und
Barmherzigkeit; denn von Ewigkeit her war diese Gerechtigkeit in Gott, daß
derselbe Gott, der vor Luzifer voll war von Weisheit, Güte und Macht, auch
gewollt hat, daß recht viele seiner Güte teilhaftig wären; deshalb hat er
die Engel erschaffen, von denen viele, als sie ihre Schönheit ins Auge
faßten, über Gott zu sein begehrten, weshalb sie gefallen sind und als böse
Geister unter die Füße Gottes gestürzt wurden. Gott beweist aber auch an
diesen gewissermaßen Barmherzigkeit; denn wenn der Teufel nach Gottes
Gerechtigkeit und Zulassung das Böse vollbringt, das er begehrt, so wird er
gewissermaßen durch das Gedeihen seiner Bosheit getröstet, nicht daß die
Pein des Teufels hierdurch gemildert wird, sondern wie ein Kranker, welcher
einen mächtigen Feind hat, einen Trost empfindet, wenn er den Tod desselben
vernimmt, obwohl hierdurch der Schmerz seines Leidens nicht vermindert wird,
so wird der Teufel, der von Neid gegen die Menschen entbrannt ist, sobald er
sieht, daß Gott seine strenge Gerechtigkeit walten läßt, heiter und
fröhlich und der Durst seiner Bosheit wird gleichsam beschwichtigt und kühlt
sich ab. Als dann Gott eine Minderung seines englischen Heeres sah, schuf er
zum Ersatze der Vermessenheit der Teufel den Menschen, daß er gehorsam wäre
gegen seine Gebote und Frucht brächte, bis so viele Menschen in den Himmel
hinaufgestiegen sein würden, als Engel aus dem Himmel fielen. Der Mensch ist
also
vollkommen erschaffen worden. Als er das Gebot des Lebens empfangen hatte,
richtete er sein Augenmerk nicht auf Gott, noch seine Ehre, sondern er gab der
Einflüsterung des Teufels seine Zustimmung, übertrat das Gebot und sprach:
Lasset uns essen vom Baume des Lebens, und wir werden alles wissen wie Gott.
Wohl haben sie, d. h. Adam und Eva, Gott nichts Böses gewünscht, wie der
Teufel; sie haben auch nicht über Gott sein wollen, sondern sie wollten
wissend sein wie Gott, deshalb fielen sie, aber nicht wie der Teufel; denn der
Teufel beneidete Gott, und deshalb wird sein Elend kein Ende haben; auch der
Mensch, weil er etwas anderes wollte, als er nach dem Willen Gottes wollen
sollte, hat Gerechtigkeit verdient und erfahren, jedoch mit Barmherzigkeit.
Gerechtigkeit erfahren haben jene Ureltern, als sie statt des Kleides der
Ehren Nacktheit, statt des Überflusses Hunger, Fleischeslust statt der
Jungfräulichkeit, Furcht statt der Sicherheit, Mühe statt Ruhe erlangten.
Sie haben aber auch alsbald Barmherzigkeit erlangt, nämlich ein Kleid wider
die Nacktheit, Speise wider den Hunger, Sicherheit für die gegenseitige
Verbindung zur Vermehrung der Nachkommenschaft des Geschlechtes. Adam war von
höchst ehrbarem Wandel, denn er hatte nie eine andere Frau als Eva, und lebte
mit keinem anderen Weibe, als mit ihr. Auch gegen die Tiere übte Gott
Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, und so hat Gott an dreierlei Geschöpfen
Herrliches gethan: an den Engeln, welche einen Geist haben, aber kein Fleisch;
zweitens an dem Menschen, welcher eine Seele und Fleisch hat; drittens
an den Tieren welche Fleisch haben, aber keine Seele wie der Mensch. Der Engel
hängt, weil er ein Geist ist, Gott ohne Aufhören an, und bedarf deshalb
keiner menschlichen Hilfe. Der Mensch aber kann, weil er Fleisch ist, Gott
nicht ohne Aufhören anhängen, bevor das Sterbliche vom Geiste getrennt ist.
Damit aber der Mensch bestehen möge, hat ihm zur Hilfe Gott das
unvernünftige Tier erschaffen, damit es ihm gehorche und diene zu seinem
Nutzen. Deshalb beweist Gott an diesen unvernünftigen Tieren eine große
Barmherzigkeit; denn sie schämen sich nicht ihrer Glieder, empfinden den
Schmerz des Todes nicht, bevor der Tod naht und sind mit einfacher Nahrung
zufrieden. Auch nach dem Vorübergang der Sündflut war in Gott die
Gerechtigkeit nicht ohne Barmherzigkeit. Gott hätte das Volk
Israel recht gut binnen kürzerer Zeit in das gelobte Land bringen können;
die Gerechtigkeit aber verlangte, daß die Gefäße, welche den besten Trank
enthalten sollten, zuerst bewährt und gereinigt und sodann geheiligt würden,
und siehe, wie Gott ihnen große Barmherzigkeit erwiesen hat; denn als auch
nur ein Mensch, nämlich Moses, betete, ward ihre Sünde getilgt und ihnen die
göttliche Gnade gewährt. (Exodus XXXII.) Ähnlicherweise wird auch nach
meiner Menschwerdung niemals die Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit. noch die
Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit geübt. - Darauf erscholl eine Stimme in der
Höhe, welche sprach: O Mutter der Barmherzigkeit, Mutter des ewigen Königs,
erwirke Barmherzigkeit! Denn zu Dir sind die Gebete und Thränen Deines
Dieners, des Königs, gelangt. Wir wissen, wie die Gerechtigkeit fordert, daß
seine Sünden bestraft werden, aber erwirke ihm Barmherzigkeit, daß er
bekehrt werde und Buße thue und Gott Ehre erweise. Der Geist antwortete: In
Gott ist eine vierfache Gerechtigkeit. Die erste ist, daß der, welcher
unerschaffen und ewig ist, über alles geehrt werde, weil von ihm alles ist,
in ihm alles lebt und die Gesamtheit besteht. Die zweite Gerechtigkeit ist,
daß dem, welcher immer war und ist, und welcher zur bestimmten Zeit zeitlich
geboren worden, von allen gedient und er selbst in aller Reinheit geliebt
werde. Die dritte Gerechtigkeit ist, daß der, welcher an sich
leidensunfähig, aber durch Annahme der Menschheit leidensfähig geworden ist,
und welcher nach Übernahme der Sterblichkeit dem Menschen die Unsterblichkeit
verdiente, über alles begehrt werde, was begehrt werden kann und begehrt
werden muß. Die vierte Gerechtigkeit ist, daß diejenigen, welche
unbeständig sind, die wahre Beständigkeit suchen, und diejenigen, welche in
der Finsternis sind, das Licht, d. h. den heiligen Geist, verlangen sollen,
indem sie mit Reue und Leid und mit wahrer Demut seine Hilfe anrufen. Aber von
jenem Könige, dem Diener der Mutter Gottes, für welchen jetzt Barmherzigkeit
gebeten wird, sagt die Gerechtigkeit, daß die Zeit für ihn nicht ausreicht,
würdig, wie es die Gerechtigkeit erfordert, jene Sünden zu reinigen, welche
er wider die Barmherzigkeit Gottes begangen hat; sein Leib würde auch die
Strafe nicht aushalten können, welche er für seine Sünden verdient hat.
Doch hat die Barmherzigkeit der Mutter Gottes für diesen ihren Diener
Barmherzigkeit
verdient und erwirkt, so daß er selbst hören möge, was er gethan und wie er
sich wird bessern können, wenn er vielleicht Reue empfinden und sich bekehren
will. Und sogleich, im nämlichen Augenblicke, erblickte ich am Himmel ein
Haus von wunderbarer Schönheit und Größe, und in dem Hause befand sich ein
Pult, auf welchem ein Buch lag und ich sah zwei vor dem Pulte stehen, nämlich
einen Engel und einen Teufel. Einer von ihnen, nämlich der Teufel, redete und
sprach: Mein Name ist Wehe. Dieser Engel und ich verfolgen den nämlichen
wünschenswürdigen Gegenstand, weil wir sehen, wie der mächtigste Herr
vorhat, etwas Großes aufzuführen, und deshalb arbeiten wir, der Engel an
dessen Förderung, ich an dessen Zerstörung. Es geschieht aber, daß wenn
jener wünschenswürdige Gegenstand zuweilen in meine Hände gelangt, derselbe
solche Wärme, ja Hitze hat, daß ich ihn zu halten außer stande bin; kommt
er aber zuweilen dem Engel in die Hände, ist er so kalt und schlüpfrig, daß
er ihm alsbald aus den Händen hinwegschlüpft. Als ich nun aufmerksam, mit
ganzem inneren Nachdenken hinschaute auf das Pult, reichte mein Verstand nicht
aus, dasselbe zu fassen, wie es war, meine Seele vermochte seine Schönheit
nicht zu begreifen, und meine Zunge nicht dieselbe auszudrücken. Es war
anzublicken wie ein Strahlenstrom der Sonne, welcher eine rote, eine weiße
und eine golden glänzende Farbe hatte. Die goldene Farbe ward glänzend wie
die Sonne, die weiße Farbe war wie hellleuchtender Schnee, die rote Farbe
aber wie eine rote Rose. Und jegliche Farbe ward in der anderen gesehen, denn
wenn ich die goldene Farbe anschaute, sah ich die weiße und rote Farbe darin,
und wenn ich die weiße Farbe anschaute, sah ich darin die beiden anderen
Farben. Ähnlich verhielt sich's, wenn ich die rote Farbe anblickte; so ward
eine jede in der anderen geschaut, und gleichwohl war jede gesondert von der
anderen, und für sich war keine früher oder später, keine kleiner oder
größer, als die anderen, sondern sie wurden in allem und überall als
gleiche gesehen. Und als ich aufwärts schaute, vermochte ich nicht die Länge
und Breite des Pultes zu begreifen, wenn ich aber abwärts schaute, vermochte
ich nicht die Unermeßlichkeit seiner Tiefe zu fassen, weil alles zu
betrachten unbegreiflich war. Danach aber sah ich auf dem Pulte ein Buch, das
wie das glänzendste Gold schimmerte und geöffnet
war. Seine Schrift war jedoch nicht mit Tinte geschrieben, sondern ein
jegliches Wort in dem Buche war lebendig und redete von sich selber, als wenn
jemand sagte: Thue dieses oder jenes! und als ob, sobald das Wort gesprochen
war, es auch geschehen war. Die Schrift des Buches las niemand, sondern alles,
was die Schrift enthielt, ward auf dem Pulte und in jenen Farben gesehen. Vor
jenem Pulte aber sah ich einen König stehen, welcher noch in der Welt am
Leben war; auf der linken Seite schaute ich einen anderen König, welcher
gestorben war und sich in der Hölle befand, auf der rechten Seite sah ich
einen dritten König, der schon gestorben war und sich im Fegfeuer befand. Der
noch lebende König saß gekrönt wie in einer gläsernen Kugel. Über die
Kugel hing ein dreischneidiges, schreckliches Schwert hinab, das sich in
einzelnen Augenblicken der Kugel näherte, nach Art eines Perpendikels. Zur
Rechten dieses lebenden Königs stand ein Engel, der ein goldenes Gefäß und
einen Schoß hatte, zur Linken aber stand ein Teufel, welcher eine Zange und
einen Hammer hatte. Diese beiden stritten miteinander, wessen Hand der
gläsernen Kugel näher kommen sollte, wenn sie, vom Schwerte berührt,
zerbrechen würde. Da nun vernahm ich die schreckliche Stimme jenes Teufels,
welche sprach: Wie lange wird das währen? Siehe, wir beide verfolgen einerlei
Beute, allein wir wissen nicht, wer von uns der Sieger sein wird. und sofort
redete die göttliche Gerechtigkeit mit mir und sprach: Das, was Dir gezeigt
wird, ist nicht körperlich, sondern geistlich; weder der Engel noch der
Teufel sind leiblich, sondern sie erscheinen nur, weil Du Geistliches nicht
anders als durch körperliche Bilder einzusehen vermagst. Der lebende König
erscheint Dir darum in der gläsernen Kugel, weil sein Leben nur ein
zerbrechliches Glas ist, das im einem Augenblicke sein Ende nehmen kann. Das
dreischneidige Schwert ist der Tod, der, wenn er kömmt, dreierlei wirkt: er
entkräftet den Leib, wandelt das Gewissen und scheidet wie ein Schwert die
Seele vom Fleische. Daß man Engel und Teufel über die gläserne Kugel
streiten sieht, das bedeutet, daß jeder von ihnen des Königs Seele zu haben
begehrt, und diese wird demjenigen zuerkannt, dessen Ratschlägen sie am
meisten gehorcht haben wird; daß der Engel ein Gefäß und einen Schoß hat,
das bedeutet, wie das Kind im Schoße der Mutter ruht, also der Engel
sich bemüht, daß die Seele Gott wie in einem Gefäße dargebracht werde und
im Schoße des ewigen Trostes ruhen solle; daß aber der Teufel eine Zange und
einen Hammer hat, das bedeutet, daß der böse Geist die Seele mit der Zange
der schlimmen Neigung an sich zieht, und sie mit dem Hammer, d. h. mit der
Einwilligung in die Sünde und deren Vollbringung, zermalmt; daß die
gläserne Kugel bisweilen über die Maßen heiß und zuweilen ganz schlüpfrig
und kalt ist, das bedeutet des Königs Unbeständigkeit. In Versuchung
geraten, denkt und spricht er bei sich also: Obwohl ich weiß, daß ich Gott
beleidige, wenn ich jetzt das Vorhaben meines Herzens erfülle, werde ich doch
dieses Mal mein Vorhaben durch die That vollbringen, weil ich mich für jetzt
dieser That nicht entziehen kann, und so sündigt er mit Wissen wider seinen
Gott, und kommt, weil er wissentlich sündigt, in die Hände des Teufels;
danach greift der König zur Beicht und Reue, entgeht wiederum den Händen des
Teufels und kommt in die Gewalt des guten Engels. Wenn nun dieser König seine
Unbeständigkeit nicht aufgiebt, steht es gefährlich um ihn, den er steht auf
einem schwankenden Grunde.
Dann sah ich zur linken Seite des Pultes jenen anderen toten
König, welcher zur Hölle verdammt war; er war angethan mit königlichen
Kleidern und saß auf einem Throne. Er war tot und blaß und gar schrecklich.
Vor seinem Antlitze war ein Rad, das am äußersten Rande vier Linien hatte.
Das Rad drehte sich nach dem Atem des Königs, und jede Linie ging, je nach
dem Willen des Königs, abwärts oder aufwärts; denn die Bewegung des Rades
war in der Gewalt des Königs. Drei von jenen Linien hatten eine Schrift, aber
auf der vierten stand nichts geschrieben. Ich erblickte auch auf der rechten
Seite des Königs einen am Pulte dienenden Engel in der Gestalt eines schönen
Menschen mit leeren Händen; zur linken Seite des Königs zeigte sich ein
Teufel, dessen Kopf demjenigen eines Hundes ähnlich erschien; sein Bauch war
unersättlich und der Nabel, aus welchem in allen Farben gefärbtes Gift
sprudelte, war offen. An jedem Fuße hatte er drei große, starke, scharfe
Krallen. Darauf sprach einer, im höchsten Glanze wie die Sonne leuchtend, und
vor Glanz wunderbar anzusehen, zu mir: Siehe, wie dieser König so elend ist!
Sein Gewissen wird Dir jetzt offenbar werden, wie er war bei seiner Re-
gierung und wie er starb; wie aber sein Gewissen vor der Regierung gewesen,
gebührt Dir zu wissen nicht; wisse jedoch, wie nicht seine Seele, sondern
sein Gewissen vor Deinen Augen ist und weil die Seele und der Teufel nicht
leibliche, sondern geistige Wesen sind, werden Dir die teuflischen
Versuchungen und Strafen durch körperliche Bilder gezeigt. Sofort begann der
tote König zu reden, nicht mit dem Munde, sondern gleichsam aus dem Gehirne,
und sprach also: O ihr, meine Ratgeber, meine Absicht war, alles, was der
Krone meines Reiches untergeben ist, festzuhalten und zu behüten, und zu
arbeiten, daß dasjenige, was überkommen ist, vermehrt, aber nicht gemindert
werde. Auf welche Art jedoch dasjenige, was ich habe, erworben worden, was
geht es mich an, danach zu fragen? Denn mir genügt, wenn ich das Erhaltene zu
schützen und zu vermehren imstande bin. Nun rief der Teufel und sprach:
Siehe, welch ein Loch! was soll mein Haken thun? Die Gerechtigkeit antwortete
aus dem Buche, das auf dem Pulte lag, und sprach zu dem Teufel: "Stecke
den Haken in das Loch hinein und ziehe nach dir hin." Sofort, nachdem das
Wort der Gerechtigkeit gesprochen war, wurde der Haken eingesetzt, allein
sogleich im nämlichen Augenblicke kam vor den König der Hammer, nämlich der
Barmherzigkeit, mit welchem der König, wenn er in allem nach der Wahrheit
gesucht und fruchtbar den Willen geändert hätte, den Haken hätte
hinwegschlagen können. Weiter redete der König und sprach: O ihr, meine
Räte und meine Männer, ihr habt mich zum Herrn angenommen, und ich euch zu
Räten; deshalb gebe ich euch zu wissen, daß ein Mann im Königreiche ist,
welcher ein Verräter an meiner Ehre, an meinem Leben, ein Verfolger der
Regierung, ein Feind des Friedens und der Gemeinde der Völker des Reiches
ist. Wenn also ein solcher Mann geduldet und gelitten wird, wird der Staat
Schaden leiden, die Zwietracht wachsen und werden die inneren Übel im Reiche
vermehrt werden. So sagte ich, und es glaubten mir die Gelehrten und
Ungelehrten, die Mächtigen und das gemeine Volk in den vorgedachten Worten,
welche ich zu ihnen sprach, so weit, daß jener Mann, den ich wegen
Verräterei verleumdete, sehr großen Schaden und Schande erlitten hat und das
Urteil der Verbannung über ihn ausgesprochen wurde. Gleichwohl wußte mein
Gewissen recht gut, was in dieser Angelegenheit die Wahrheit war,
und wie ich aus Herrschsucht und aus Furcht, mein Reich zu verlieren, aus
Ehrbegierde und damit das Reich bei mir und bei meinen Erben bleibe, wider ihn
geredet habe. Obschon ich also die Wahrheit wußte, und auf welche Weise das
Reich erobert worden und wie jenem Manne unrecht geschah, und weil ich erwog,
daß alle Schande und aller Schaden mich treffen würde, wenn ich die Wahrheit
bekennen und ihn zu Gnaden aufnehmen würde - so habe ich mir in meinem Sinne
fest vorgenommen, lieber zu sterben, als die Wahrheit zu sagen und meine Worte
und ungerechten Werke zu widerrufen. Der Teufel antwortete nun: O Richter,
siehe, wie dieser König mir die Zunge darreicht. Die göttliche Gerechtigkeit
antwortete: Lege die Schlinge an. Als der Teufel solches gethan, hing alsbald
vor dem Munde des Königs ein scharfes Eisen, womit er, wofern er gewollt, die
Schlinge hätte zerschneiden und verkürzen können. Weiter redete der
gedachte König und sprach: O ihr, meine Räte, ich habe die Geistlichen und
die Gelehrten über den Zustand des Reiches um Rat gefragt; dieselben sagen
mir, daß, wofern ich das Königreich den Händen anderer überantworten
würde, ich vielen zum Nachteil und ein Verräter des Lebens und der Güter,
auch ein Verletzer der Gerechtigkeit und Gesetze werden würde. Und deshalb,
damit ich das Königreich für mich behalten, auch dasselbe vor den Angreifern
verteidigen könne, müssen wir etwas Neues ersinnen, und weil die alten
Staatseinkünfte nicht ausreichen, das Reich zu regieren und zu verteidigen,
darum habe ich neue, betrügliche Auflagen an Steuern und Abgaben ersonnen,
die ich dem Reiche, zum Schaden vieler Bürger des Reiches und auch
schuldloser Reisenden und Kaufleute, auferlegen will. In diesen Erfindungen
habe ich mir bis zum Tode zu verharren vorgenommen, obwohl mein Gewissen mir
gesagt hat, daß dieses wider Gott und alle Gerechtigkeit und öffentliche
Ehrbarkeit wäre. Nun rief der Teufel und sprach: O siehe, Richter, dieser
König hat seine beiden Hände unter mein Wassergefäß gelegt. Was soll ich
da nun thun? Die Gerechtigkeit antwortete aus dem Buche: Gieße dein Gift
über dieselben. Als das Gift vom Teufel ausgegossen worden war, kam sogleich
ein Salbengefäß vor den König, womit der König jenes Gift alsbald hätte
wirkungslos machen können. Der Teufel schrie nun laut und sprach: Siehe,
welche Wunder ich schaue,
die ich nicht ergründen kann! Mein Haken ist dem Könige in das Herz
geschlagen, auch ist ihm sogleich ein Hammer dargeboten und in den Schoß
gelegt. Ferner ist ihm mein Strick an den Mund gebracht, und es wird ihm ein
gar scharfes Eisen gereicht. Auch mein Gift ist über seine Hände gegossen
und nun wird ihm ein Salbengefäß angeboten. Die Gerechtigkeit antwortete aus
dem Buche, das auf dem Pulte lag, und sprach: Alles hat seine Zeit, und die
Barmherzigkeit und Gerechtigkeit werden einander begegnen. -
Hierauf redete die Mutter Gottes zu mir und sprach:
"Komm', meine Tochter! und siehe und vernimm, was der gute und was der
böse Geist der Seele eingeben. Ein jeder Mensch hat Eingebungen und
Heimsuchungen, bisweilen vom guten Geiste und bisweilen vom bösen; auch ist
niemand, der nicht von Gott besucht wird, solange er lebt. - und sogleich
erschien der verstorbene König wieder, dem, während er lebte, der gute Geist
also in die Seele eingesprochen hatte: O Freund, Du bist verpflichtet, Gott
mit allen Kräften zu dienen, weil er Dir Leben, Gewissen, Verstand,
Gesundheit und Ehre gegeben; über dieses duldet er Dich in Deinen Sünden.
Das Gewissen des Königs antwortete, indem es in einem Bilde sprach: Es ist
wahr, daß ich verpflichtet bin, Gott zu dienen, durch dessen Macht ich
erschaffen und erlöst bin, durch dessen Barmherzigkeit ich lebe und bestehe.
Der böse Geist dagegen gab demselben Könige ein: Bruder, sprach er, ich
erteile Dir einen guten Rat, mache es wie einer, welcher Äpfel schält.
Derselbe wirft den Unrat und die Schale hinweg, das Innere und Nützlichere
aber behält er für sich. Ähnlich sollst auch Du es machen; denn Gott ist
demütig, barmherzig, geduldig und bedarf nichts. Gieb also von Deinen
Gütern, was Du bequem wirst entbehren können; was begehrenswerter und Dir
nützlicher, das behalte für Dich; thue auch, was Dich dem Fleische nach
gelüstet, weil Du Dich leicht wieder bessern kannst, was Dich nicht
gelüstet, zu thun, auch wenn Du es zu thun verpflichtet bist, das unterlaß
und gieb an dessen statt Almosen, weil dadurch gar viele erfreut werden
können. Das Gewissen des Königs antwortete: Das ist ein heilsamer Rat. Ich
werde also einiges von dem Meinigen geben, wovon ich keinen Schaden habe, was
aber Gott für sehr groß achtet, das übrige jedoch werde ich zu eigenem
Gebrauche und um die Freundschaft
vieler zu erwerben, aufbewahren. - Hierauf redete wieder der Engel, welcher
dem Könige zum Schutz gegeben war, durch Eingebungen, indem er zum Könige
sprach: O Freund, gedenke, daß Du sterblich bist und schnell sterben wirst.
Bedenke auch, daß dieses Leben kurz ist, und Gott ein gerechter und
geduldiger Richter ist, welcher alle Deine Gedanken und Reden und Deine Werke
vom Anfange Deines Verstandesalters bis zu Ende prüft. Er beurteilt auch alle
Deine Neigungen und Absichten, und läßt nichts unerörtert; deshalb
gebrauche Deine Zeit und Deine Kräfte auf eine vernünftige Weise. Regiere
Deine Glieder zum Nutzen Deiner Seele, lebe eingezogen und thue nicht nach dem
Verlangen Deines Fleisches in den Lüsten, denn diejenigen, welche nach dem
Fleische und nach ihren Gelüsten leben, kommen nicht in das Vaterland zu
Gott. Der teuflische Geist dagegen riet dem Könige durch seine Eingebungen
und sprach: O Bruder, wenn Du über alle Stunden und Augenblicke Gott Rechnung
ablegen sollst, wann sollst Du dann fröhlich sein? Aber höre meinen Rat,
Gott ist barmherzig und wird leicht besänftigt, er hätte Dich nicht erlöst,
wenn er Dich verderben wollte, und die Schrift sagt, daß alle Sünden um der
Reue willen verziehen werden. Mache es also, wie ein schlauer Mensch gethan;
derselbe sollte einem Gläubiger zwanzig Pfunde Goldes zahlen; und da er
nichts hatte, womit er bezahlen konnte, ging er zu einem Freunde, sich Rat zu
holen. Dieser riet ihm, zwanzig Pfunde Kupfer zu nehmen, dieselben mit einem
Pfunde Goldes zu vergolden, und mit diesem vergoldeten Kupfer den Gläubiger
zu bezahlen. Jener that nach dem ihm erteilten Rate, zahlte dem Gläubiger die
zwanzig Pfunde mit Gold überzogenen Kupfers, und behielt neunzehn Pfunde
reinen Goldes für sich. Also thue auch Du und verwende neunzehn Stunden Zeit
zu Deiner Lust, Deinem Vergnügen und Deiner Freude; eine Stunde Zeit reicht
für Dich aus, zu trauern und Reue zu fühlen. Thue deshalb keck vor und nach
der Beichte, was Dich erfreut; denn wie das mit Golde überzogene Kupfer
gänzlich Gold zu sein schien, so werden auch die Werke der Sünde, welche
durch das Kupfer bedeutet werden, durch die Reue vergoldet und getilgt, auch
alle Deine Werke wie Gold glänzen. Das Gewissen des Königs antwortete
sodann: Dieser Rat scheint angenehm und vernünftig, weil ich, indem ich also
thue, alle Zeit zu meiner
Freude verwenden kann. Dagegen redete wieder der gute Engel durch seine
Eingebungen zum Könige: O Freund, gedenke zuerst, mit welcher Meisterschaft
Dich Gott aus dem Schoße Deiner Mutter herausgeführt, zweitens bedenke, mit
welcher Langmut Gott Dich leben läßt, drittens bedenke, mit welcher
Bitterkeit er Dich vom ewigen Tode erlöst hat. Auf der anderen Seite dagegen
blies der Teufel dem Könige ein und sprach: O Bruder, wenn Gott Dich aus dem
engen Leibe Deiner Mutter hinausgeführt hat in die Weite der Welt, so bedenke
auch, daß er Dich wiederum aus der Welt mittels eines harten Todes
hinausführen wird. Und wenn Gott Dich lange leben läßt, bedenke auch, daß
Du in diesem Leben viel Ungemach und Trübsal wider Deinen Willen hast. Wenn
Gott Dich mit seinem harten Tode erlöst hat, wer hat ihn dazu genötigt, denn
Du hast ihn nicht gebeten? Nun aber antwortete der König, wie als wenn er
inwendig in seinem Gewissen redete: Es ist wahr, was du mir eingiebst, denn es
schmerzt mich mehr, daß ich sterben muß, als daß ich aus meiner Mutter
Schoß geboren bin. Es ist auch schwerer für mich, die Widerwärtigkeiten der
Welt und meines Gemütes als irgend etwas anderes zu ertragen; deshalb möchte
ich, wofern mir die Wahl gegeben würde, lieber ohne Trübsal in der Welt
leben und in ihrem Troste verbleiben, als mich von der Welt trennen. Ich
wünsche auch lieber ein immerwährendes Leben in der Welt mit weltlichem
Glücke zu haben, als daß mich Christus mit seinem eigenen Blute erlöst
hätte. Ich würde kein Verlangen haben, im Himmel zu sein, wenn ich die Welt
nach meinem Wunsche auf Erden haben könnte. Nun hörte ich vom Pulte her ein
Wort, das also sprach: Nimm vom Könige das Salbengefäß hinweg, er hat wider
Gott den Vater gesündigt. Gott der Vater, welcher auf ewige Weise im Sohne
und heiligen Geiste ist, gab das wahre und rechte Gesetz durch Moses, dieser
König aber hat ein Gesetz aufgerichtet, das widerwärtig und verkehrt ist.
Weil er jedoch einiges Gute, wenn auch nicht in guter Absicht, gethan, wird
ihm verstattet, sein Reich für seine Lebenstage zu besitzen, damit er auf
diese Weise in der Welt belohnt werde. Zum anderen Male sprach das Wort vom
Pulte: Nimm das scharfe Eisen vor den Augen des Königs hinweg, denn er hat
wider den Sohn Gottes gesündigt, der gesagt hat im Evangelium, daß über
den-
jenigen ein Gericht ohne Barmherzigkeit ergehen wird, der keine Barmherzigkeit
geübt hat. Jener König hat aber an den wider Recht und Gerechtigkeit
Betrübten keine Barmherzigkeit üben, noch seinen Irrtum bessern, noch auch
seinen verkehrten Willen ändern wollen. Um einiges Guten willen aber, das er
gethan, soll ihm zum Lohne gegeben werden, daß er die Worte der Weisheit im
Munde habe und von gar vielen für weise gehalten werde. Zum dritten Male
redete das Wort der Gerechtigkeit und sprach: Nehmt vom Könige den Hammer
weg, weil er wider den heiligen Geist gesündigt hat. Der heilige Geist
verzeiht allen Büßenden die Sünden; dieser König aber hat bis an sein Ende
in seiner Sünde zu verharren sich vorgenommen. Gleichwohl soll ihm, weil er
einiges Gute gethan, das gegeben werden, was er am heißesten für seines
Leibes Lust begehrt, nämlich das Weib, das er zur Ehe begehrt, die Lust
seiner Augen, auch daß er ein schönes und wünschenswürdiges Ende des
Lebens nach der Welt erlange. - Als demnächst die letzte Zeit vor des Königs
Ende nahte, rief der Teufel und sprach: Siehe, das Salbengefäß ist
hinweggenommen; darum will ich ihm jetzt die Hände schwer machen, damit er
keine fruchtbaren Werke vollbringt. Und sofort, nachdem des Teufels Wort
ausgesprochen war, ward der König der Stärke und Gesundheit beraubt. Alsdann
rief augenblicklich der Teufel: Siehe, das scharfe Eisen ist hinweggenommen,
darum will ich meine Schlinge anziehen, und sofort ward der König der Sprache
beraubt. Und sobald er der Sprache beraubt war, redete die Gerechtigkeit mit
dem guten Engel, welcher dem Könige zum Schutze gegeben war, und sprach:
Siehe nach dem Rade und betrachte, welche Linie aufwärts zieht, und lies die
Schrift derselben. Und siehe, die vierte Linie zog aufwärts; es war an ihr
aber nichts beschrieben, sondern sie war wie ein glattes Rad. Darauf
antwortete die Gerechtigkeit und sprach: Weil diese Seele geliebt hat, was
leer ist, so fahre sie nun hin zum Liebhaber ihres Lohnes, und sofort war des
Königs Seele gesondert von ihrem Leibe. Und nachdem die Seele hinausgegangen
war, rief der Teufel alsbald und sprach: Jetzt will ich diesem Könige das
Herz zerreißen, weil ich seine Seele besitze. Und alsdann sah ich, wie der
König gänzlich verändert ward vom Scheitel seines Hauptes bis zur Sohle und
sein Anblick war schrecklich, wie der eines geschundenen Tieres.
Seine Augen waren ausgerissen und sein Fleisch gleichsam gänzlich
zusammengekugelt und seine Stimme ließ sich also vernehmen: Weh mir, daß ich
blind geworden bin, wie ein Hündlein, in der Blindheit geboren, den
Hintertheil der Mutter sucht, weil ich um meiner Undankbarkeit halber die
Brust meiner Mutter nicht sah! Weh mir, daß ich in meiner Blindheit sehe, wie
ich nimmer Gott schauen werde, weil mein Gewissen jetzt erkennt, wohin ich
gefallen bin, und was ich hätte thun sollen, aber nicht gethan habe! Weh mir
auch, daß ich, nach Gottes Vorsehung in der Welt geboren und in der Taufe
wiedergeboren, Gott vergessen und vernachlässigt habe! Und weil ich nicht
habe von der Milch der göttlichen Süße trinken wollen, so gleiche ich jetzt
mehr einem blinden Hunde, als einem sehenden Kinde. Aber jetzt werde ich noch,
obwohl ich ein König bin, wider meinen Willen genötigt, die Wahrheit zu
sagen; denn ich war wie mit drei Stricken gebunden und verpflichtet, Gott zu
dienen, nämlich um der Taufe, der Ehe und der Krone des Reiches halber. Die
erste habe ich verachtet, als ich meine Neigung den Eitelkeiten der Welt
zugewendet, die zweite habe ich außer acht gelassen, als ich ein fremdes
Eheweib begehrte, die dritte habe ich gering geschätzt, als ich auf irdische
Gewalt stolz ward und an die himmlische Macht nicht dachte. Darum, obwohl ich
nun blind bin, erkenne ich doch in meinem Gewissen, daß ich wegen Verachtung
der Taufe an den Haß des Teufels gebunden werde, daß ich wegen der
ungeordneten Regung des Fleisches die Lust des Teufels leiden und daß ich
wegen meiner Hoffart an die Füße des Teufels gebunden sein muß. Da
antwortete der Teufel: O Bruder, jetzt ist es Zeit, daß ich rede und mit
Reden wirke. Komm' daher zu mir nicht mit Liebe, sondern mit Haß. Ich war
unter den Engeln der schönste, Du aber bist ein sterblicher Mensch. Der
allmächtige Gott gab mir den freien Willen, weil ich denselben aber zu
unordentlichen Regungen verwendete, um über Gott zu sein und Gott lieber
hassen, als lieben wollte, deshalb bin ich gefallen, wie einer, welcher das
Haupt unten, die Füße aber oben hat. Du jedoch bist, wie auch jeder andere
Mensch, nach meinem Falle erschaffen, und hast ein besonderes Vorrecht vor mir
erhalten, nämlich, daß Du durch das Blut des Sohnes Gottes erlöst worden,
ich aber nicht. Weil Du also die Liebe Gottes verachtet hast, deshalb wende
Dein Haupt
meinen Füßen zu, und ich will Deine Füße in meinen Mund nehmen, und so
wollen wir verbunden bleiben wie diejenigen, von denen einer ein Schwert im
Herzen des anderen hat, der andere aber ein Messer in den Eingeweiden des
ersteren. Stichst Du mich deshalb mit Deinem Zorne, so will ich Dich mit
meiner Bosheit stechen. Und weil ich ein Haupt, d. h. Verstand gehabt, Gott zu
ehren, wenn ich gewollt hätte, Du aber Füße, d. h. Stärke gehabt hast, zu
Gott zu gehen, jedoch nicht gewollt hast, deshalb wird mein erschreckliches
Haupt auch Deine kalten Füße verzehren. Du wirst unaufhörlich verschlungen,
aber nicht verzehrt werden, ja, Du wirst hierzu immerdar erneuert werden. Wir
wollen uns auch mit drei Stricken zusammenbinden. Der erste Strick sei um die
Mitte, womit mein Nabel mit dem Deinigen verbunden wird, damit, wenn ich atme,
Du mein Gift in Dich ziehest; wenn Du aber atmest, ich Deine Eingeweide in
mich ziehe. Und mit Recht, denn Du hast mehr Dich selber, als Deinen Erlöser
geliebt, wie auch ich mich selbst mehr geliebt habe, als meinen Schöpfer. Mit
dem zweiten Stricke wollen wir Dein Haupt und meine Füße, mit dem dritten
mein Haupt unc Deine Füße zusammenfügen. Hierauf sah ich, wie der Teufel
drei scharfe Krallen an jedem Fuße hatte. Er sprach zum Könige: Weil Du,
Bruder, Augen gehabt hast, den Weg des Lebens zu sehen, und ein Gewissen, um
das Gute und Böse zu unterscheiden, deshalb werden zwei meiner Krallen in
Deine Augen eindringen und sie durchbohren, die dritte Kralle aber werde ich
einschlagen in Dein Gehirn. Dadurch wirst Du so zusammengedrückt werden, daß
Du Dich gänzlich unter meinen Füßen befindest, während Du doch zu dem Ende
erschaffen worden, daß Du mein Herr seiest, und ich der Schemel Deiner
Füße. Auch zwei Ohren hast Du empfangen, um den Weg des Lebens zu vernehmen,
und einen Mund, um der Seele Nützliches zu reden. Weil Du aber verachtet
hast, das Heil Deiner Seele zu hören und zu reden, werden zwei Krallen meines
anderen Fußes in Deine Ohren eindringen, und die dritte wird in Deinen Mund
fahren. Damit wirst Du so gepeinigt werden, daß Dir alles bitter sein wird,
was Dir früher, als Du Gott beleidigtest, süß zu sein schien. Nachdem
solches gesprochen worden, wurden alsbald auf die vorbemeldete Weise Haupt,
Füße und Nabel des Königs mit dem
Haupte, den Füßen und dem Nabel des Teufels verbunden; und so
zusammengebunden fuhren beide in den Abgrund hinab. Und dann hörte ich eine
Stimme, welche sprach: Ach! ach! was hat nun der König von allem feinem
Reichtume? Wahrlich nichts als Schaden. Was aber von seiner Ehre? Fürwahr
nichts als Schande. Was aber von der Begehrlichkeit, womit er um das
Königreich geworben hat? Wahrlich nichts als Pein. Denn er ist gesalbt worden
mit dem heiligen Öle, geweiht mit heiligen Worten, gekrönt mit der
Königskrone, damit er die Worte und Thaten Gottes ehren, er auch das Volk
Gottes verteidigen und regieren möge. Er sollte auch wissen, daß er immer
unter den Füßen Gottes und daß Gott sein Vergelter sei. Weil er aber
verachtet hat, unter den Füßen Gottes zu sein, deshalb ist er jetzt unter
den Füßen des Teufels, und weil er seine Zeit nicht mit fruchtbaren Werken,
während er gekonnt hätte, hat auslösen mögen, so wird er fortan keine
fruchtbare Zeit mehr haben. - Danach aber sprach die Gerechtigkeit aus dem
Buche, welches auf dem Pulte war, und sagte zu mir: Alles, was Dir so in der
Aufeinanderfolge gezeigt worden, ist vor Gott ein Augenblick, weil Du aber
leiblich bist, ist es nötig, daß die geistlichen Erkenntnisse Dir durch
körperliche Gleichnisse aufgeschlossen werden. Was daher der König, der
Engel und der Teufel, wie Dir schien, gegenseitig miteinander redeten, ist
nichts anderes, als die Eingebungen und Eingießungen des guten und bösen
Geistes, welche in der Seele des Königs entweder durch sich selber oder durch
seine Räte und ihre Freunde entstanden. Wenn aber der Teufel rief: Es ist
durchbohrt, während der König sagte, er wolle alles behalten, was der Krone
unterworfen sei, auf welche Weise dasselbe auch erworben sein möchte, und
wollte sich auch nicht kümmern um die Gerechtigkeit seines Besitzes, - so ist
dieses so zu verstehen, daß das Gewissen des Königs mit des Teufels Eisen,
d. h. mittels der Verhärtung durch die Sünde durchbohrt worden, weil er
nicht nachforschen, noch erfahren wollte, was mit Recht zum Reiche gehörte
und was mit Unrecht, und weil er nicht besorgt gewesen, zu prüfen, welches
Recht er selbst zum Reiche hatte. Der Haken des Teufels aber wurde dem Könige
in die Seele gestoßen, als die Versuchung des Teufels in der Seele des
Königs dergestalt überhand genommen, daß er in seiner Ungerechtigkeit bis
an den Tod
hat verharren wollen. Daß aber nach dem Haken der Hammer in des Königs
Schoß kam, bedeutet die Zeit der Reue, welche dem Könige gewährt worden;
denn hätte der König solchen Gedanken gefaßt und gesprochen: Ich will nicht
ferner wissentlich das übel Erworbene behalten, deshalb will ich mich fortan
bessern! so würde der Haken der Gerechtigkeit sogleich durch den Hammer der
Reue vernichtet worden und der König auf einen guten Weg und zu einem guten
Leben gekommen sein. Wenn aber der Teufel gerufen: Siehe, der König reicht
mir seine Zunge, und wenn alsbald ein Strick daran gelegt ward, als der König
dem Menschen, den er in üblen Ruf gebracht, keine Gnade erweisen wollte, so
ist dieses also zu verstehen: Wer seinen Nächsten wissentlich tadelt und
schlecht macht, um seinen eigenen Ruf auszubreiten, der wird vom teuflischen
Geiste regiert und soll wie ein Dieb mit einem Stricke gebunden werden. Daß
aber nach dem Stricke dem Könige ein scharfes Eisen vorgehalten wurde,
bedeutet, daß ihm Zeit gegeben wurde, seinen bösen Willen zu bessern und zu
tugendhaften Werken anzuwenden, denn wenn der Mensch mit gutem Willen und
durch Besserung seine Schuld gutmacht, dann ist ein solcher Wille wie ein
überaus scharfes Eisen, womit des Teufels Strick zerschnitten und die
Verzeihung der Sünden erlangt wird; hätte der König seinen Willen geändert
und jenem beleidigten und in üblen Ruf gebrachten Menschen Gnade erwiesen, so
würde sofort der Strick des Teufels durchschnitten worden sein; weil er aber
seinen Willen durch seinen bösen Vorsatz noch befestigte, so ist es die
Gerechtigkeit Gottes gewesen, daß er noch mehr verhärtete. Zum dritten hast
Du gesehen, daß, weil der König im Königreiche neue Steuern auflegen und
beitreiben wollte, Gift über seine Hände gegossen ward. Dieses bedeutet,
daß des Königs Werke von einem teuflischen Geiste und bösen Eingebungen
regiert wurden, denn wie das Gift im Leibe Unruhe und Erkältung erzeugt, so
ward der König von boshaften Gedanken und Eingebungen beunruhigt und geplagt,
nämlich Mittel zu suchen, wie er den Besitz und die Güter anderer und das
Gold der Reisenden erlangen möchte; denn wenn die Reisenden in dem Glauben
eingeschlafen waren, ihr Gold befinde sich in ihrem eigenen Beutel, so fanden
sie, wenn sie erwachten, daß es in der Gewalt des Königs war. Das
Salbengefäß aber, daß dem Könige gegen das Gift gereicht
wurde, bedeutet das Blut Jesu Christi gegen jegliche Krankheit. Hätte der
König seine Werke in die Betrachtung des Blutes Jesu Christi eingetaucht,
Gott um Hilfe gebeten und gesprochen: O Herr Gott, der Du mich erschaffen und
erlöst hast, ich weiß, daß ich durch Deine Zulassung zum Reiche und zur
Krone gelangt bin, streite deshalb wider die Feinde, welche mich angreifen,
und bezahle meine Schulden, weil die Mittel des Reiches nicht auslangen, so
hätte ich ohne Zweifel seine Werke gethan und seine Last zum Ertragen leicht
gemacht. Weil er aber fremdes Gut begehrt und für gerecht hat angesehen
werden wollen, wo er sein Unrecht kannte, so regierte der Teufel sein Herz und
riet ihm, wider die Satzungen der Kirche zu handeln, Kriege anzustiften und
Unschuldige zu betrügen, bis die Gerechtigkeit der göttlichen Majestät
über ihn Gericht und Gerechtigkeit gerufen. Das Rad aber, welches sich nach
dem Atem des Königs bewegte, bedeutet des Königs Gewissen, das nach Art
eines Rades sich bald zur Freude, bald zur Traurigkeit bewegte. Die vier
Linien jedoch, welche am Rade waren, bedeuten den vierfachen Willen, den jeder
Mensch haben soll, nämlich den vollkommenen, starken, rechten und
vernünftigen Willen. Der vollkommene Wille ist, Gott lieben und ihn über
alles haben wollen, und dieser muß auf der ersten, höchsten Linie sein. Der
zweite Wille ist, dem Nächsten um Gottes willen immer Gutes zu thun, wie sich
selber. Dieser Wille aber muß stark sein, damit er nicht durch Haß oder Geiz
gebrochen werde. Der dritte Wille besteht darin, sich von fleischlichen
Begierden enthalten wollen und das Ewige begehren. Und dieser Wille soll recht
sein, wodurch man nicht den Menschen, sondern Gott gefalle. Derselbe soll auf
der dritten Linie geschrieben stehen. Der vierte Wille aber ist, die Welt
nicht anders, als auf vernünftige Weise und allein, soweit es notwendig ist,
zu besitzen. Als nun das Rad umgedreht worden, zeigte sich auf der Linie,
welche obenauf kam, daß der König unter Verachtung der Liebe Gottes die
Vergnügungen der Welt geliebt. Auf der zweiten Linie stand geschrieben, daß
seine Liebe nach den Ehren und den Menschen der Welt gestanden. Auf der
dritten Linie stand die Liebe geschrieben, welche er auf eine ungeordnete
Weise zu dem Besitze und Reichtume der Welt hatte. Auf der vierten Linie aber
stand nichts geschrieben, sondern statt daß darauf die Liebe Gottes über
alles hätte geschrieben
stehen sollen, war alles leer. Die Leerheit der vierten Linie bedeutet den
Mangel der Liebe und der Furcht Gottes; denn durch die Furcht wird Gott in die
Seele gezogen, und durch die Liebe Gott in einer guten Seele befestigt. Wenn
auch der Mensch in seinem Leben niemals Gott geliebt, nun aber, seinem letzten
Augenblicke nahe geführt, von ganzem Herzen gesprochen hätte: O Gott! es
reut mich von ganzem Herzen, wider Dich gesündigt zu haben, gieb mir Deine
Liebe und ich will mich hinfort bessern, so würde ein solcher Mensch der
Liebe nicht zur Hölle fahren. Weil also der König den nicht geliebt, den er
hätte lieben sollen, darum hat er nun den Lohn seiner Liebe. -
Danach sah ich jenen anderen König zur rechten Seite der
Gerechtigkeit, welcher im Fegfeuer war. Derselbe war ähnlich einem eben
geborenen Knaben, welcher sich weiter nicht zu regen vermag, als daß er nur
die Augen aufhebt. Auf der linken Seite des Königs stand, wie ich sah, ein
Teufel, dessen Haupt einem Blasebalge mit einer langen Röhre ähnlich sah.
Seine Arme waren wie zwei Schlangen, seine Kniee wie eine Presse, seine Füße
wie ein langer Haken. Zur Rechten des Königs stand ein sehr schöner Engel,
zum Helfen bereit. Dann hörte ich eine Stimme, welche sprach: Dieser König
zeigt sich jetzt in der Gestalt, wie seine Seele beschaffen war, als sie aus
dem Leibe fuhr. Und sogleich schrie der Teufel wider das Buch, welches auf dem
Pulte lag, und sprach: Hier schauet man Wunder. Denn dieser Engel und ich
warteten auf dieses Knaben Geburt, er in seiner Reinheit, ich mit aller meiner
Unreinigkeit. Als nun der Knabe nicht zum Fleische, sondern vom Fleische
geboren worden, erschien an ihm die Unreinigkeit; der Engel entsetzte sich vor
derselben und vermochte nicht, den Knaben anzurühren; ich aber berühre ihn,
weil er in meine Hände gefallen ist, weiß jedoch nicht, wohin ich ihn
führen soll, denn meine verfinsterten Augen sehen ihn vor dem Glanze einer
gewissen Klarheit nicht, welche aus seinem Herzen hervordringt. Der Engel aber
sieht ihn, weiß auch, wohin er ihn führen wird, vermag jedoch nicht, ihn
anzurühren. Deshalb schlichte Du, weil Du ein gerechter Richter bist, unseren
Streit. Das Wort antwortete aus dem Buche und sprach: Du, der du redest,
sprich, aus welchem Grunde ist diese Seele des Königs in deine Hände
gefallen? Der Teufel antwortete: Du,
der Du die Gerechtigkeit selber bist, hast gesagt, niemand gehe ein in den
Himmel, der nicht erstattet hat, was er zuvor ungerechterweise an sich
genommen. Diese Seele aber ist mit ungerecht Erworbenem gänzlich besteckt, so
daß alle Adern, alles Mark und Fleisch, sowie ihr Blut von widerrechtlich
erworbener Speise genährt und aufgewachsen ist. Zweitens hast Du gesagt, es
dürften keine Schätze gesammelt werden, welche Motten und Rost verzehren,
sondern die in Ewigkeit bleiben. In dieser Seele aber war die Stätte leer, an
welcher der himmlische Schatz aufbewahrt werden mußte; derjenige Schatz
jedoch angefüllt, wo die Würmer und Frösche ernährt wurden. Drittens hast
Du gesagt, der Nächste müsse um Gottes willen geliebt werden. Allein diese
Seele liebte den Leib mehr als Gott, und kümmerte sich nicht um die Liebe des
Nächsten, denn solange sie im Fleische wohnte, getröstete sie ich des Raubes
der Güter ihres Nächsten, verwundete die Herzen ihrer Untergebenen und
achtete nicht auf den Schaden anderer, wenn sie nur selber Überfluß hatte.
Sie that ferner alles, was ihr gefiel, und gebot, was sie wollte, kümmerte
sich auch wenig um die Billigkeit. Das also sind die Hauptursachen, denen
unzählige andere folgten. Da aber antwortete das Wort aus dem Buche der
Gerechtigkeit und sprach zum Engel: Schutzengel der Seele, der du im Lichte
bist und das Licht schauest, was für ein Recht hast du an dieser Seele oder
welche Tugend hast du hervorzuheben, um ihr zu helfen? Der Engel antwortete:
Sie hat den heiligen Glauben gehabt und geglaubt und gehofft, alle Sünde
werde durch die Reue und Buße ausgetilgt. Sie hat auch Dich, ihren Gott,
gefürchtet, obwohl weniger, als sie gesollt hätte. Abermals redete die
Gerechtigkeit aus dem Buche und sprach: O du mein Engel, dir wird jetzt
verstattet, die Seele zu berühren, und dir, Teufel, zugestanden, das Licht
der Seele zu schauen. Forschet also beide, was diese Seele geliebt bat, als
sie im Leibe lebte und alle Glieder gesund hatte. Beide, der Engel und der
Teufel, antworteten: Sie hat die Menschen und den Reichtum geliebt. Sodann
sprach die Gerechtigkeit aus dem Buche: Was liebte sie, da sie von der Angst
des Todes gedrängt ward? Beide antworteten: Sich selber hat sie geliebt, denn
sie war mehr um die Schwachheit des Fleisches und die Trübsal des Herzens
bekümmert, als um das Leiden ihres Erlösers. Ferner
redete die Gerechtigkeit zu ihnen: Suchet weiter, was sie im letzten
Augenblicke ihres Lebens geliebt und gedacht hat, als sie noch ein gesundes
Gewissen und Verstand in sich hatte. Der Engel antwortete allein: Die Seele
hat also gedacht: Weh mir, daß ich gar verwegen gegen meinen Erlöser gewesen
bin! ach! daß ich doch Zeit hätte, worin ich meinem Gott für seine
Wohlthaten danken könnte; denn daß ich wider Gott gesündigt habe, ängstigt
mich mehr, als der Schmerz meines Fleisches, und wenn ich auch den Himmel
nicht erlangen sollte, möchte ich doch meinem Gott dienen. Die Gerechtigkeit
aus dem Buche antwortete und sprach: Weil du, Teufel, die Seele wegen der
Helle ihres Glanzes nicht sehen, du Engel aber wegen ihrer Unreinigkeit sie
nicht berühren kannst, deshalb ist es recht, daß du, Teufel, dieselbe
reinigst. Du, Engel, tröste sie, bis sie zum Glanze der Herrlichkeit
eingeführt wird. Dir aber, Seele, wird gestattet, den Engel anzublicken und
von ihm Trost zu empfangen. Du wirst des Blutes Christi und der Gebete seiner
Mutter und der Kirche teilhaftig werden. Nachdem dieses vernommen worden,
sprach der Teufel zur Seele: Weil Du, mit übel erworbener Speise und
unrechtem Gute erfüllt, in meine Hände gelangt bist, werde ich Dich mittels
meiner Presse entleeren. Nun legte der Teufel des Königs Hirn zwischen seine
Kniee, welche einer Presse glichen, und drückte dasselbe der Länge und
Breite nach fest zusammen, bis das ganze Mark so dünn war, als ein Blatt am
Baume. Zum anderen sprach der Teufel zur Seele: Weil die Stätte, wo die
Tugenden sein sollten, leer ist, deshalb will ich dieselbe ausfüllen. Nun
setzte er eine Röhre, wie einen Blasebalg an den Mund des Königs, blies
stark hinein und füllte ihn mächtig mit entsetzlichem Winde, dergestalt,
daß alle Adern und Nerven des Königs jämmerlich zerrissen. Zum dritten
sprach der Teufel zur Seele des Königs: Weil Du wider Deine Unterthanen,
welche Dir wie Deine Kinder hätten sein müssen, gottlos und unbarmherzig
gewesen bist, so werden Dich meine Arme ergreifen und drücken; denn gleichwie
Du Deine Unterthanen gestochen, so werden meine Arme, den Schlangen ähnlich,
Dich zu dem höchsten Schmerze und Entsetzen zerfleischen. Als nach diesen
drei Peinen, nämlich der Presse, des Blasebalgs und der Schlangen, der Teufel
die Peinen noch verstärken und wieder mit der ersten beginnen wollte, sah ich
![]()
[Die Seiten 385-400 fehlen in vorliegender Ausgabe.
Christus erklärt der Braut, weshalb Gott das Volk Israel in der Wüste, nicht aber in Ägypten geschlagen. Von der Bewährung Mosis. Er straft einen König mit einer Drohung, weil er mit den Unterthanen kein Mitleid trug und sich durch schlechte Ratgeber leiten ließ. Er soll sich auch nicht darauf verlassen, daß er ihn zuvor seinen Freund genannt hatte.
Gleichlautend mit Kapitel XLV des vierten Buches.
Der Kaiser Christus schreibt an den Kaiser von Deutschland, und eröffnet demselben, wie er mit eigenem Munde vieles von der Braut geredet, das im himmlischen Buche geschrieben worden. Ingleichen befiehlt er ihm, er solle es ansehen und prüfen, auch mit dem Papste sich bemühen, die Regel zu bestätigen, welche er selber der Braut angegeben hat.
Christus rät einem Könige, welcher gegen die Ratschläge der Jungfrau Maria ungehorsam gewesen war, daß er zum Papste gehen und von ihm Absolution für gewisse, hier angegebene schwere Sünden begehre, und die Sünden weder verheimliche, noch entschuldige, sondern sich mit ganzem Herzen demütige, weil die größten Sünden durch den Papst nachgelassen werden müssen.
Christus rät durch die Braut dem obenerwähnten Könige, er solle nicht mit Pomp, noch mit zahlreichem Gesinde oder unter verschwenderischer Austeilung von Gaben, um in den Ländern gepriesen zu werden, sondern demütig, weislich, mit notdürftigem, ehrbahrem, frommem Gefolge zum Papste ziehen.
[fehlt in dieser Ausgabe]
Christus ermahnt die Könige durch die Braut, sie sollen sich der Sünde entledigen und nach dem Beispiele des Engels, welcher zur Reise aufgeschürzt dem Tobias erschienenen, sich mit dem Gürtel, d. h. mit dem Inbegriffe guter Werke und Worte, gürten, bevor sie aus der Welt gehen, und sollen keine kurz abgeschnittenen, sondern ehrbare Kleider tragen und ein bescheidenes Benehmen an den Tag legen.
Christus tröstet die Braut und sagt ihr, sie solle Gottes Worte, die ihr geoffenbart worden, nicht verschweigen, wenn schon sie darüber gescholten werde. Sie soll aber dieselben auch nicht um des Lobe der Menschen willen reden. Sie soll aber dieselben auch nicht um des Lobes der Menschen willen reden, denn diejenigen, welchen göttliche Ratschläge gegeben werden, werden, wenn sie denselben folgen, die verheißene Barmherzigkeit erlangen, aber der Gerechtigkeit verfallen, wenn sie dieselben verachten.
Gott der Vater erklärt und zeigt der Braut der
Reihenfolge nach den schrecklichen Verlauf des göttlichen Gerichtes, welches
wider einen noch lebenden undankbaren König gehalten ward, der ungehorsam war
wider die göttlichen Ratschläge. Und wie die Braut auf dem Altare der
göttlichen Majestät im Himmel ein Lamm und an demselben ein menschliches
Antlitz erblickte, und im nämlichen Augenblicke dasselbe in der hand eines
Priesters sah, der in der Welt die messe feierte, und wie die Diener und
Unterthanen der Könige, welche in der Welt, in der Hölle und im Fegfeuer
geplagt werden, sich vor Gott schwer über diese Könige und ihre Fürsten
beklagten, und alle Heiligen über sie um Gerechtigkeit abbaten. ![]()
[Die Seiten 385-400 fehlen in vorliegender Ausgabe.
mit der That vollzogen worden, sowie gar vielen anderen
Sünden kann man beweisen und wissen, ob der König Deinen oder meinen
Ratschlägen gefolgt ist. - Alsdann aber redete die Gerechtigkeit, antwortete
und sprach: Weil der König die Tugend gehaßt und die Wahrheit verachtet hat,
deshalb kommt es Dir zu, durch Deine Bosheit die Bosheit des Königs zu
vermehren, und ich muß ihm nach der Gerechtigkeit einiges von dem Guten, das
ihm aus Gnaden gegeben worden, mindern. Der Teufel antwortete: Ich, o Richter,
werde dem Könige meine Geschenke mehren und vervielfältigen; ich will ihn
also mit Nachlässigkeit erfüllen, auf daß er die Werke Gottes in seinem
Herzen nicht ansehe, noch über die Werke und Vorbilder Deiner Freunde
nachdenke. Die Gerechtigkeit antwortete: und ich werde ihm die Eingebungen
meines heiligen Geistes mindern, und ihm die früheren guten Erinnerungen und
Tröstungen entziehen. Darauf sprach der Teufel: Ich werde ihm die Kühnheit
einflößen, Todsünden und läßliche Sünden ohne Scham und Scheu zu denken
und zu begehen. Darauf antwortete die Gerechtigkeit: Ich will ihm Vernunft-
und Unterscheidungsgabe mindern, damit er den Lohn und die Gerichte, die Tod-
und läßlichen Sünden nicht unterscheide und ergrüde. und der Teufel
sprach: Ich will ihm Furcht einflößen, damit er nicht wage, zu reden, oder
wider die Feinde Gottes Gerechtigkeit zu üben. Die Gerechtigkeit antwortete:
Ich werde ihm den Verstand und die Wissenschaft dessen, was er zu thun hat,
mindern, daß er einem Narren und Possenreißer in Worten und Werken
ähnlicher steht, als einem weisen Menschen. Darauf sprach der Teufel: Ich
will Angst und Trübsal des Herzens über ihn bringen, wenn er in seinen
Unternehmungen nach seinem Willen kein Glück hat. Die Gerechtigkeit
erwiderte: Ich will ihm die geistlichen Tröstungen mindern, die er ehemals
durch seine Gebete und Thaten empfing. Der Teufel aber sprach: Ich will ihm
Schlauheit verleihen, in Erfindung von Betrug und Überlistung derjenigen, auf
deren Verderben er ausgeht. Die Gerechtigkeit antwortete: Ich will ihm den
Verstand so vermindern, daß er nicht acht haben soll auf seine eigene Ehre,
noch auf seinen Vorteil. Der Teufel sprach: Ich will ihn innerlich in eine
solch freudige Aufregung versetzen, daß er sich freue über die Gefahr seiner
Seele, seiner Schande und seines
Schadens, da er doch, wenn er wollte, in allen Dingen Glück haben könnte.
Die Gerechtigkeit antwortete: Ich werde ihm die Vorsicht und Überlegung
mindern, welche die Weisen in ihren Worten und Thaten haben. Darauf sprach der
Teufel: Ich will über ihm eine weibische Vermessenheit und ungebührliche
Furcht und solche Mainieren beibringen, daß er eher einem Lotterbuben, als
einem gekrönten Könige gleich sein soll. Die Gerechtigkeit antwortete nun:
Eines solchen Gerichtes ist derjenige wert, welcher sich von Gott trennt; er
muß von seinen Freunden verachtet, von dem Volke seiner Gemeinde gehaßt, und
von den Feinden Gottes vertrieben werden, weil er die Gaben der göttlichen
Liebe, sowohl die geistlichen als die leiblichen, gemißbraucht hat. Abermals
sprach die Wahrheit: Das ist nun gezeigt worden nicht in Rücksicht auf das,
was der König verdient hat, weil seine Seele noch nicht gerichtet ist,
sondern sie wird im letzten Augenblicke ihrer Abberufung zu richten sein. Nach
diesen Worten sah ich, wie jene drei, nämlich die Kraft, die Wahrheit und die
Gerechtigkeit, dem Richter ähnlich waren, welcher zuvor geredet harte; und
darauf vernahm ich eine Stimme wie eines Herolds, welche also sprach: O ihr
Himmel mit, mit allen Planeten, schweiget still; und ihr Teufel alle, die ihr
in der Finsternis seid, höret; und ihr anderen alle, die ihr im Finstern
seid, höret, weil der höchste Kaiser sich anschickt, über die Fürsten der
Erde Gericht zu halten. Und alsbald war das, was ich sah nicht leiblich,
sondern geistlich. Und meine geistlichen Augen wurden geöffnet, um zu hören
und zu sehen. Und alsdann sah ich Abraham kommen mit allen Heiligen, die aus
seinem Geschlechte geboren waren. Es kamen auch alle Patriarchen und
Propheten. Dann sah ich die vier Evangelisten, deren Gestalt den vier lebenden
Wesen, wie dieselben auf den Gemälden abgebildet werden, ähnlich war:
dieselben erschienen nun aber als Lebende, nicht tot. Nach diesen erblickte
ich zwölf Stühle, und auf denselben die zwölf Apostel, welche die kommende
Macht erwarteten. Dann kamen Adamm und Eva mit den Märtyrern und Bekennern,
und allen anderen von ihnen abstammenden Heiligen. Die Menschheit Christi aber
zeigte sich noch nicht, doch auch der Leib seiner gebenedeiten Mutter, sondern
alle warteten, daß sie kommen würden. Auch die Erde und das Wasser schienen
sich bis zu den Himmeln zu erheben, und alles, was
darin war, demütigte und beugte sich mit Ehrerbietung vor der Macht. Hierauf
aber schaute ich einen Altar, welcher auf dem Sitze der Majestät war, auch
einen Becher mit Wasser und Wein, und ein Brot in Gestalt einer auf dem Altare
geopferten Hostie. Und sodann sah ich, wie in einer Kirche in der Welt ein
Priester, mit den priesterlichen Gewändern angethan, eine Messe begann. Als
dieser, nachdem alles, was zur Messe gehört, vollbracht worden, zu den Worten
gelangt war, mit denen er das Brot konsekrierte, sah ich, wie gleichsam die
Sonne und der Mond und die Sterne mit den Planeten, und alle Himmel mit ihren
Umläufen und Bewegungen in Wechselstimmen süßklingende Töne hören ließen
und überall melodischer Gesang sich vernehmen ließ. Es wurden auch zahllose
Arten von Musikern sichtbar, deren gar süße Töne zu fassen und in Worten
wiederzugeben unmöglich ist. Diejenigen aber, welche im Lichte waren,
schauten den Priester an und neigten sich mit Ehrerbietung und Ehren vor der
Macht; die aber in der Finsternis waren, fühlten Entsetzen und Furcht.
Nachdem von dem Priester die Worte Gottes über das Brot gesprochen waren,
schien es mir, als befände sich das nämliche Brot in drei Gestalten auf dem
Stuhle der Herrlichkeit, wobei es nichtsdestoweniger in den Händen des
Priesters blieb. Und das Brot ward ein lebendiges Lamm, und an dem Lamme
zeigte sich ein Menschenantlitz und eine brennende Flamme innerhalb und
außerhalb des Lammes und Angesichtes. Und wenn ich meinen Blick eifrig auf
das Anschauen des Antlitzes richtete, sah ich das Lamm in demselben; blickte
ich aber das Lamm an, so sah ich das Antlitz in demselben. Eine Jungfrau saß
neben dem Lamme, das eine Krone trug und alle Engel dienten ihnen. Es waren
ihrer eine solche Menge wie Stäubchen in der Sonne, und von dem Lamme ging
ein wunderbarer Glanz aus. Es war auch eine solche Menge heiliger Seelen
gegenwärtig, deren Länge, Breite, Höhe und Tiefe mein Blick nicht zu
ermessen vermochte. Einige Stellen, welche noch zur Ehre Gottes angefüllt
werden müssen, sah ich leer. Und dann vernahm ich von der Erde eine Stimme
von zahllosen Tausenden, welche riefen und sprachen: O Gott, gerechter
Richter, halte Gericht über unsere Könige und Fürsten, und siehe an das
Vergießen unseres Blutes und die Schmerzen und Thränen der Ehefrauen und
unserer Söhne. Schaue an
unsere Hungersnot und unsere Schmach, unsere Wunden und Einkerkerungen, das
Abbrennen unserer Häuser und die Gewaltthätigkeiten und die Schmach der
Mädchen und Weiber. Siehe an das Unrecht der Kirchen und des ganzen Klerus,
und schaue die trügerischen Versprechungen der Fürsten und Könige, und die
Verrätereien und Erpressungen, welche sie mit Zorn und Gewaltthat beitreiben,
weil sie sich nicht um uns kümmern; wie viele Tausende müssen sterben, um
ihre Herrschsucht zu befriedigen. Danach riefen aus der Hölle wie zahllose
Tausende und sprachen: O Richter! wir wissen, daß Du der Schöpfer aller
Dinge bist. Richte daher über die Herren, denen wir auf der Erde gedient,
weil sie uns recht tief in die Hölle versenkt haben. Und obwohl wie Dir
Böses wünschen, so treibt uns doch die Gerechtigkeit, daß wir uns beklagen
und die Wahrheit sagen. Unsere irdische Herren haben uns ohne Liebe geliebt,
weil sie sich um unsere Seelen nicht mehr kümmerten, als um Hunde. Diesen
unseren Herren war es gleichgültig, ob wir Dich, den Schöpfer aller Dinge,
liebten oder nicht; sie begehrten, daß wir sie liebten, daß wir ihnen dienen
sollten. Deshalb sind sie des Himmels nicht wert, weil sie sich nicht um Dich
bekümmern; sie verdienen die Hölle, wenn ihnen nicht Deine Gnade zu Hilfe
kommt, weil sie uns in das Verderben gestürzt haben. Darum möchten wir noch
Schwereres leiden, als wir leiden, damit nur ihre Pein kein Ende nähme.
Danach redeten die im Fegfeuer sich Befindenden in ähnlicher Weise und
riefen: O Richter, wir wurden um der Reue und des guten Willens halber, die
wir am Ende unseres Lebens hatten, zum Fegfeuer verurteilt. Und deshalb
beklagen wir uns über die Herren, welche noch auf der Erde leben. Denn
dieselben hätten uns mit Worten und ihrem Tadel leiten und ermahnen, auch mit
heilsamen Ratschlägen und Vorbildern belehren sollen; allein sie haben uns
mehr zu bösen Werken und Sünden gestärkt und gereizt, und deshalb ist um
ihrer willen unsere Strafe schwerer und die Zeit der Strafe länger, und
unsere Schande und Trübsal größer. -
Hierauf redete Abraham samt allen Patriarchen und sprach: O
Herr! unter allem, was wünschenswert war, haben wir uns gesehnt, daß Dein
Sohn, welcher jetzt von den Fürsten der Erde verachtet wird, aus unserer
Nachkommenschaft geboren werden möge,
darum begehren wir Dein Gericht über sie, weil sie auf Deine Barmherzigkeit
nicht acht haben, noch Dein Gericht fürchten. Und darauf redeten die
Propheten und sprachen: Wir haben von der Ankunft des Sohnes Gottes geweissagt
und gesprochen, daß er zur Befreiung seines Volkes von einer Jungfrau geboren
werden, Verrat leiden, gefangen genommen, gegeißelt, mit Dornen gekrönt
werden und endlich am Kreuze sterben würde, damit der Himmel geöffnet und
die Sünde getilgt werde. Nachdem nun erfüllt worden, was wir gesagt haben,
so bitten wir um ein Gericht über die Fürsten der Erde, welche Deinen Sohn
verachten, der aus Liebe für sie gestorben ist. Auch die Evangelisten
sprachen nun und sagten: Wir sind Zeugen, daß Dein Sohn alles, was
vorhergesagt worden, an sich selber erfüllt hat. Auch die Apostel redeten und
sprachen: Wir sind Richter, deshalb gebührt uns, nach der Wahrheit zu
richten. Und darum verurteilen wir diejenigen, welche den Leib Gottes und
seine Gebote verachten, zum Verderben.
Nach diesen aber sprach die Jungfrau, welche neben dem Lamme
saß: O süßester Herr! erbarme Dich ihrer. Der Richter sprach zu ihr: Es ist
nicht recht, Dir etwas abzuschlagen, denn diejenigen, welche von der Sünde
ablassen und würdige Buße thun, werden Barmherzigkeit finden, und ich werde
das Gericht von ihnen abwenden. Darauf sah ich, wie das Antlitz, das am Lamme
sichtbar war, zum Könige redete und sprach: Ich habe große Gnade an Dir
gethan; denn ich habe Dir meinen Willen gezeigt, wie Du Dich in Deiner
Regierung verhalten und Dich selber ehrbar und verständig betragen solltest.
Ich habe Dich auch wie eine Mutter mit süßen Worten der Liebe angelockt, und
wie ein liebreicher Vater durch Ermahnungen geschreckt. Du aber hast, dem
Teufel gehorsam, mich von Dir geworfen, wie eine Mutter eine frühzeitige
Geburt von sich wirft, welche sie nicht für würdig hält, sie zu berühren,
noch deren Munde ihre Brust zu reichen. Deshalb wird alles Gute, das Dir
versprochen worden, von Dir hinweggenommen und einem Deiner Nachkommen
hinzugelegt werden. Danach aber redete die Jungfrau, welche neben dem Lamme
saß, zu mir und sprach: Ich will Dir anzeigen, wie Dir die Einsicht in die
geistlichen Gesichte gegeben worden. Denn die Heiligen Gottes haben den
heiligen Geist auf verschiedene Art empfangen. Einige unter
ihnen haben die Zeit vorausgewußt, wo dasjenige geschehen würde, das ihnen
gezeigt ward, wie die Propheten. Andere Heilige wußten im Geiste das, was sie
den Personen, die zu ihnen kamen, antworten sollten, wenn sie etwas von ihnen
gefragt wurden. Andere aber wußten, ob diejenigen, welche entfernt von ihnen
sich befanden, lebendig oder tot waren. Einige wußten auch vorher, welches
Ende und welchen Ausgang eine Schlacht haben werde, bevor die Streitenden sich
in den Kampf begaben. Dir ist aber nichts anderes zu wissen erlaubt, denn als
geistliche Dinge zu hören und zu sehen, auch das, was Du siehst, zu schreiben
und es den Personen zu melden, an welche es Dir zu bestellen, befohlen wird.
Es ist Dir auch nicht verstattet, zu wissen, ob diejenigen, an welche Dir zu
schreiben geboten wird, lebendig oder tot sind, oder ob sie den Ratschlägen
Deiner Briefe oder Deiner Gesichte, weiche Dir auf göttliche Weise gegeben
worden, folgen werden oder nicht. Aber obwohl jener König meine Worte
verachtet hat, wird doch ohne Zweifel ein anderer kommen, welcher sie mit
Achtung und Ehre annehmen und sich ihrer zu seinem Heile bedienen wird."
Die Mutter Gottes sagt der Braut, daß um dreier Sünden willen die Strafe Gottes über das Reich gekommen. Deshalb kann Gott durch dreierlei anderes Gute versöhnt werden. Erstens, daß die Leute die wahre Demut und Ehrbarkeit in der Kleidung annehmen; zweitens durch gewisse Almosen; drittens durch Prozessionen und die hier angegebenen Messen.
Die Mutter Gottes redete mit der Braut und sprach: "Um
dreier Sünden willen kam die Strafe über das Reich, nämlich wegen der
Hoffart, der Unenthaltsamkeit und Begierlichkeit. Und deshalb kann Gott durch
dreierlei besänftigt werden, damit die Zeit der Strafe verkürzt werde. Das
erste ist, daß alle die wahre Demut in den Kleidern zu erkennen geben, indem
sie bescheidene, nicht zu lange Kleider nach Art der Weiber haben, noch auch
zu enge, wie die Possenreißer, oder zerschnittene, zerrissene und schadhafte,
eitle und unnütze Kleider; denn dergleichen mißfällt Gott. Ferner sollen
sie ihre Leiber so ehrbar halten, daß dieselben nicht
voller erscheinen, als wie sie Gott erschaffen hat; noch um des Prunkes willen
weder kleiner noch höher erscheinen mittels Bändern und Schleifen und
ähnlichen Kunstgriffen, sondern alles soll zum Nutzen und zur Ehre Gottes
sein. Auch die Weiber sollen die Kleider der Pracht ablegen, welche sie aus
Hoffart und eitelm Ruhme sich zugelegt haben, weil der Teufel den Weibern,
welche die alten und löblichen Sitten ihres Vaterlandes verachten, einen
neuen Mißbrauch, unschicklichen Zierrat für Haupt, Füße und die übrigen
Glieder vorgeschrieben hat, um die Unkeuschheit zu erwecken und Gott zu
erzürnen Das zweite ist, daß man mit fröhlichem Gemüte Almosen gebe. Das
dritte ist, daß jeder Pfarrer einmal im Monate das ganze Jahr hindurch eine
Messe von der heiligen Dreifaltigkeit lese, wozu all sein Volk zusammenkommen,
beichten, Buße thun, sowie an diesem Tage fasten soll, indem es anhaltend
betet und fleht, daß die Sünden mögen vergeben werden, und der Zorn Gottes
sich besänftige. Ähnlicherweise sollen die Bischöfe in jedem Monat entweder
selbst in ihren Kathedralkirchen feierliche Prozessionen vornehmen oder
vornehmen lassen, die Messe von der heiligen Dreifaltigkeit feiern, die Armen
versammeln und denselben demütig die Füße waschen."
Gleichlautend mit Kapitel XXX des siebenten Buches.
Von einem unwürdigen Könige und seinem Gerichte.
Der Sohn Gottes sprach: "Weil jener König nicht sucht u. s. w." Siehe die XXVII. Offenbarung in den Extravaganten.
Von sechs ungerechten Königen.
Der Sohn Gottes sprach: "Ich habe Dir zuvor fünf
Könige gezeigt." Siehe das weitere im LXXVIII. Kapitel der
Extravaganten. ![]()
Ein König ward ermahnt, er solle sich bessern, sonst werde er seines Reiches beraubt.
Die Mutter Gottes redete zur Braut Christi und sprach: "Ich bin jene, zu welcher der Engel u." Den Verfolg siehe im LXXX. Kapitel der Extravaganten.
[Es folgt das Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes auf den Seiten 409-438 (hier jeweils vor die einzelnen Bücher gestellt) und drei Seiten Werbung auf den Seiten 439-440. Der vierte Band der Buchausgabe beginnt mit den Seiten:]
Sammlung der vorzüglichsten mystischen Schriften aller katholischen Völker
Leben und Offenbarungen der heiligen Brigitta.
Regensburg.
Regensburg. Verlags-Anstalt vorm. G. J. Manz.
1888. ![]()
Buchdruckerei der Verlags-Anstalt vorm. G. J.
Manz in Regensburg. ![]()
Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal,
Tel.: +49 (07251) 9761-0, Fax: +49 (07251) 9761-12, e-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.
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