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Leben und Offenbarungen der heiligen Brigitta
Offenbarung, welche die heilige Brigitta zu Rom nach dem Jubeljahre gehabt, worin ihr die Jungfrau Maria vorherverkündigt, daß sie, wann es Gott gefallen werde, nach Jerusalem und Bethlehem gehen werde. Sie verspricht ihr auch alsdann, die Weise zu zeigen, wie sie ihren gebenedeiten Sohn geboren.
Als die selige Brigitta, die Braut Christi, sich zu Rom
befand und einst dem Gebete oblag, begann sie zu betrachten, wie die heilige
Jungfrau ihren göttlichen Sohn gebar, sowie die höchste Güte Gottes,
welcher eine solche überreine Mutter sich hat erwählen wollen. Dabei ward
nun ihr Herz in solcher Liebe zur Jungfrau entzündet, daß sie bei sich
sprach: "O Du meine Frau, Königin des Himmels! mein Herz freut sich
darüber, daß der höchste Gott Dich zu seiner Mutter vorher erwählt, und
Dir solche Würden zu erteilen sich herabgelassen hat, so sehr, daß ich
lieber ewig in der Hölle gepeinigt werden wollte, als daß Du auch nur einen
Augenblick der so großen, vortrefflichen Ehre und Deiner himmlischen Würde
entbehren müßtest." - Und sie blieb so wie berauscht von
der Süßigkeit der Liebe, und von Sinnen außer sich, in einer Verzückung
innerlicher Beschauung. Die Jungfrau erschien ihr darauf und sagte zu ihr:
"Merke, meine Tochter! Ich bin die Königin des Himmels, und weil Du mich
mit so unermeßlicher Liebe liebst, deshalb verkündige ich Dir, daß Du nach
der heiligen Stadt Jerusalem pilgern wirst, wann es meinem Sohne gefallen
wird; von dort wirst Du nach Bethlehem gehen und dort will ich Dir an Ort und
Stelle die ganze Art und Weise melden, wie ich diesen meinen Sohn, Jesum
Christum, geboren habe, weil es ihm so gefallen hat."
Diese Offenbarung hat die Frau Brigitta, die Braut Christi, zu Rom gehabt. Darin ist die Rede von jenem ehrenreichen Schwerte des Schmerzes, das die Seele der seligen Jungfrau und Mutter Maria durchdrang, und welches der gerechte Simeon im Tempel vorausverkündigte.
An einem Feste der Reinigung der seligen Jungfrau Maria,
während sich die Braut Christi zu Rom befand, ward diese Frau in der Kirche
Santa Maria maggiore in ein geistliches Gesicht verzückt, und sah im Himmel,
als wenn alles zu einem großen Feste in Bereitschaft gesetzt werde. Darauf
erblickte sie wie im Tempel von wunderbarer Schönheit, und daselbst war der
verehrungswürdige Greis, der gerechte Simeon, bereit, den Knaben Jesus mit
großem Verlangen und großer Freude auf seine Arme zu nehmen. Sie sah auch
die selige Jungfrau gar ehrbar kommen und den Sohn herbeitragen, um denselben
im Tempel nach dem Gesetze des Herrn darzustellen. Darauf erblickte sie eine
unzählige Menge von Engeln und verschiedenen Ordnungen der heiligen Gottes,
heiliger Jungfrauen und Frauen, welche der seligen Jungfrau, der Mutter
Gottes, voranschritten und dieselbe mit aller Freude und Andacht umgaben. Vor
ihr ward von einem Engel ein langes und sehr breites und blutiges Schwert
hergetragen. Dasselbe bedeutete jene höchsten Schmerzen, welche Maria beim
Tode ihres geliebtesten Sohnes erlitten, die in dem Schwerte vorbedeutet
waren, und von dem der gerechte Simeon prophezeit hatte, es werde ihre Seele
durchdringen. Als nun der ganze himmlische Hof voll Freuden war, wurde der
Braut gesagt: "Siehe, wie große Ehre und Herrlichkeit an diesem Feste
der Himmelskönigin für das Schwert der Schmerzen gespendet wird, die sie
beim Leiden ihres geliebten Sohnes erduldete." - Hierauf verschwand
dieses Gesicht.
Eine Offenbarung, welche der selige Franziskus der Braut Christi, der Frau Brigitta, gezeigt, worin er dieselbe zum Essen und zum Trinken in seine Zelle einlud und ihr die geistliche Erklärung giebt, seine Zelle sei der Gehorsam gewesen. Seine Speise war, die Seelen zu Gott zu bekehren; sein Trank aber war, wenn er die Bekehrten mit allen Kräften Gott lieben und dem Gebete und anderen Tugenden mit Inbrunst obliegen sah.
Am Feste des heiligen Franziskus erschien dieser Heilige in
seiner jenseits der Tiber zu Rom gelegenen Kirche der Braut Christi und sprach
zu ihr: "Komm' in meine Zelle, um mit mir zu essen und zu trinken."
Als sie solches vernommen, rüstete sie sich sogleich zur Reise, um ihn in
Assisi zu besuchen, von wo sie nach dreitägigem Aufenthalte nach Rom
zurückzukehren sich vornahm. Sie besuchte noch einmal die Kirche, um sich und
die Ihrigen dem heiligen Franziskus zu empfehlen. Derselbe erschien ihr dort
selbst und sprach: "Sei willkommen! Ich habe Dich freilich in meine Zelle
eingeladen, um mit mir zu essen und zu trinken. Wisse aber, daß dieses Haus
nicht die Zelle ist, von welcher ich Dir gesagt habe, sondern mein Haus ist
der wahre Gehorsam, den ich immer gehalten habe, so daß ich niemals habe ohne
einen Lehrer sein mögen. Denn ich habe stets einen Priester bei mir gehabt,
dem ich in allen Geboten demütiglich gehorcht habe, und das war meine Zelle.
Thue Du nun auf ähnliche Weise, weil es Gott also gefällt. Meine Speise
aber, durch welche ich zu meiner Lust erquickt ward, war die, daß ich meine
Nächsten von den Eitelkeiten des weltlichen Lebens sehr gern abgezogen habe,
damit sie mit dem ganzen Herzen Gott dienen möchten, und alsdann verschlang
ich jene Freude wie gar süße Bissen. Mein Trank aber war die Freude, welche
ich hatte, wenn ich einige durch mich Bekehrte mit
allen Kräften Gott lieben, der Betrachtung und dem Gebete obliegen und andere
zum guten Leben unterweisen und der wahren Armut folgen sah. Siehe, meine
Tochter! dieser Trank erfreute meine Seele so, daß alles, was in der Welt
ist, mir zuwider war. Gehe also in diese meine Zelle und iß diese meine
Speise und trinke diesen Trank mit mir. Trinke denselben, auf daß Du in
Ewigkeit bei Gott erquickt werden mögest."
Folgende Offenbarung hat die Braut Christi, Frau Brigitta, in der Stadt Ortona, im Königreiche Neapel, gehabt, Christus redet mit ihr und giebt ihr zu erkennen, daß hier im Altare Überreste vom Leibe des heiligen Apostels Thomas sich befinden. An diesen und den Reliquien anderer Heiligen hat er eine süße Lust. Er achtet dieselben für einen großen Schatz auf Erden, und verheißt denen, welche dieselben mit der schuldigen Ehrerbietung verehren, großes Verdienst und großen Lohn.
Eine Person, welche im Gebete wachte, hatte das Gefühl, als
ob ihr Herz von göttlicher Liebe in Brand versetzt und gänzlich mit
geistlicher Freude erfüllt sei, wobei der Leib gleichsam an Kräften abnahm.
Darauf vernahm sie eine Stimme, welche zu ihr sprach: "Ich bin der
Schöpfer und Erlöser aller; wisse also, daß eine solche Freude, wie Du
jetzt in Deiner Seele verspürst, mein Schatz ist; denn wie geschrieben steht:
Der Geist (Wind) weht, wo er will, Du hörest wohl sein Sausen, Du weißt aber
nicht, woher er kommt, oder wohin er geht. Diesen Schatz jedoch gebe ich
meinen Freunden vielfach und auf vielfältige Weise und durch viele Gaben.
Doch will ich mit Dir von einem anderen Schatze reden, der noch nicht im
Himmel, sondern bei euch auf Erden ist. Dieser Schatz sind die Reliquien und
Leiber meiner Freunde. Denn wahrlich, die Leiber meiner Heiligen, mögen sie
nun verwest oder frisch geblieben, oder in Asche und Staub verwandelt sein
oder nicht, sind fürwahr mein Schatz. Weil die Schrift spricht: Wo Dein
Schatz ist, da ist Dein Herz! so möchtest Du fragen, auf welche Weise mein
Herz bei diesem Schatze, nämlich bei den Reliquien der Heiligen, ist? Ich
antworte Dir: Die höchste Lust meines Herzens ist, allen denen,
welche die Stätten meiner von den Päpsten heilig gesprochenen Diener und
ihrer durch Wunder verherrlichten Reliquien besuchen und ehren, ewige
Belohnungen zu erteilen nach Maßgabe ihres guten Willens, ihres Glaubens und
ihrer Beschwerden. Siehe, in dieser Weise ist mein Herz bei meinem Schatze und
deshalb will ich, daß Du für gewiß wissen magst, daß an diesem Orte mein
auserwählter Schatz ist, nämlich die Reliquien des heiligen Thomas, meines
Apostels, von denen an keinem Orte so viele, als in diesem Altare unversehrt
und unzerteilt sind. Denn als jene Stadt zerstört worden, in welcher zuerst
der Leib dieses meines Apostels niedergelegt war, ward dieser Schatz mit
meiner Zustimmung durch einige meiner Freunde in diese Stadt getragen, und in
diesem Altare beigesetzt. Jetzt aber liegt er hier wie verborgen, weil die
Fürsten dieses Reiches, ehe der Leib des Apostels hierher kam, jenen ähnlich
waren, von denen geschrieben steht: Einen Mund haben sie, und reden nicht;
Augen haben sie, und sehen nicht; Ohren haben sie, und hören nicht; Hände
haben sie, und tasten nicht; Füße haben sie, und gehen nicht u. s. w. (Psalm
CXIII.) Wie sollen denn nun auch solche, und so gegen mich, ihren Gott,
Gesinnte einem solchen Schatze die gebührende Ehre spenden? Wer also mich und
meine Freunde über alles liebt, und lieber sterben, als mich im mindesten
beleidigen will, auch den Willen und die Macht hat, mich zu ehren und anderen
zu gebieten, dieser sei, wer er wolle, er wird meinen Schatz erhöhen und
ehren, nämlich die Reliquien dieses meines Apostels, den ich erwählt und
vorauserwählt habe. Darum soll für das Gewisseste gesagt und verkündigt
werden, daß, wie die Leiber der Apostel Petrus und Paulus in Rom sind, also
auch die Reliquien meines Apostels, des heiligen Thomas, sich in Ortona
befinden." Die Braut antwortete und sprach: "O Herr! haben nicht die
Fürsten dieses Reiches Kirchen erbauen lassen und große Almosen
gespendet?" Der Herr antwortete ihr: "Sie thaten vieles und brachten
mir große Gaben von Erz dar, um mich zu besänftigen. Indessen die Almosen
vieler unter ihnen sind mir minder angenehm und lieb gewesen, weil sie sich
wider die Satzungen der heiligen Väter verehelicht haben. Und obwohl
dasjenige, was die Väter gestattet haben, gültig ist und gehalten werden
muß, soll es doch, weil ihr Wille verdorben war, und sie sich wider die
Satzungen der Kirche
auflehnten, ebendeshalb in meinem göttlichen Gerichte erörtert und gerichtet
werden."
Als Frau Brigitta nach Ortona reiste, begab es sich, daß sie mit ihrer Begleitung die ganze Nacht bei Kälte und großem Regen unter freiem Himmel zubringen mußte. Um die Morgenröte sprach Christus zu ihr: "Um dreier Ursachen willen widerfährt den Menschen Trübsal; entweder zur größeren Demut, wie der König David heimgesucht ward, oder behufs größerer Furcht und Vorsicht, wie Sarah, Abrahams Weib, welche vom Könige weggenommen ward (Genesis CXX.), oder zum Troste oder zur Ehre des Menschen. Also ist es auch euch ergangen. Denn ich habe die Gemüter derer, welche euch begegneten, angetrieben, euch am gestrigen Tage nicht weiter fortreisen zu lassen. Ihr habt aber nicht glauben wollen, darum habt ihr das gelitten, was ihr ausgestanden habt. Darum gehet nun hinein in die Stadt, mein Diener Thomas wird euch geben, was ihr begehrt."
Noch an demselben Tage erschien Christus in Ortona und
sprach: "Ich habe Dir früher gesagt, daß der heilige Thomas, mein
Apostel, mein Schatz wäre. Dies ist gewißlich wahr, denn Thomas ist fürwahr
das Licht der Welt; allein die Menschen lieben mehr die Finsternis, als das
Licht." Nun erschien auch der heilige Thomas und sprach: "Jetzt will
ich Dir den schon lange von Dir ersehnten Schatz geben." Und im
nämlichen Augenblicke sprang, ohne daß jemand denselben berührte, aus dem
Behälter der Reliquien des heiligen Thomas ein Stückchen von einem Knochen
des seligen Thomas heraus, welches die Frau mit Freuden empfing und
ehrerbietig aufbewahrte. ![]()
Die Frau Brigitta hatte die folgende Offenbarung zu Neapel infolge einer Frage des Herrn Eleazar, Sohnes der Gräfin von Ariano, welcher damals ein junger Mensch und Schüler von guter Anlage war. Er hatte auch die Braut Christi ersucht, für ihn zu beten. Als sie nun im Gebete begriffen war, erschien ihr die Jungfrau Maria, welche ihr diese Offenbarung gewährte, durch welche sie jenen gar schön in der Art unterweiset, die er im Leben beobachten soll, indem sie sagt, die Vernunft solle ein Thürsteher und die Seele ein Hüter sein, um alle Versuchungen zu vertreiben und ihnen mannhaft zu widerstehen, damit dieselben nicht in das innere Haus des Menschen eingehen.
"Dem allmächtigen Gott, von welchem alles Gute ausgeht, sei Preis und Ehre, und besonders für dasjenige, was er Euch im jugendlichen Alter erwiesen. Begehret nun von seiner Gnade, daß die Liebe, welche Ihr zu Gott habt, täglich bis zum Tode in Euch vermehrt werde. Ein mächtiger und herrlicher König baute einen Palast. In diesen setzte er seine geliebte Tochter und überwies sie der Hut eines Mannes, indem er sprach: Meine Tochter hat Todfeinde und deshalb mußt Du sie mit aller Sorgfalt hüten. Vier Stücke nun sind es, worauf Du mit fleißigem Vorbedacht und mit steter Sorge Achtung geben mußt. Erstens, daß niemand die Grundmauer des Palastes untergrabe; zweitens, daß niemand die Höhe der Mauern übersteige; drittens, daß niemand die Wände des Palastes durchbreche; viertens, daß kein Feind in die Thore eingehe. -
Mein Herr! Dieses Gleichnis ist auf geistliche Weise zu
verstehen. Ich schreibe Dir dasselbe aus göttlicher Liebe so wahr mir Gott,
der Erforscher aller Herzen, Zeuge ist. Unter dem Palaste verstehe ich Deinen
Leib, den der König des Himmels aus Erde gebildet hat. Unter der Tochter des
Königs verstehe ich Deine Seele, welche durch die Kraft des Höchsten
erschaffen worden und in Deinen Leib gesetzt ist. Durch den Hüter aber wird
die menschliche Vernunft bedeutet, welche Deine Seele nach dem Willen des
ewigen Königs behüten soll. Unter der Grundmauer ist der feste und stetige
Wille zu verstehen. Auf diesen sind alle guten Werke aufzuführen, wodurch die
Seele auf das beste verteidigt
wird. Wenn dann Dein Wille also beschaffen ist, so wirst Du Dir zu nichts
anderem zu leben verlangen, als um Gottes Willen zu befolgen, ihm alle
mögliche Ehre zu erweisen, durch Worte und Werke, mit Leib und Gut und allen
Deinen Kräften, solange Du lebst, ihm zu folgen, Deine Seele vor aller
Unreinigkeit des Fleisches zu bewahren und dieselbe ihrem Schöpfer zu
befehlen. Ach! wie wachsam mußt Du diese Grundmauer, d. i. Deinen Willen, mit
seinem Hüter, d. i. mit der Vernunft, bewachen, damit niemand mit seinen
Ränken dieselbe zum Schaden der Seele zu untergraben vermöge! Unter denen,
welche beflissen sind, diese Art Grundmauer zu untergraben, verstehe ich
diejenigen, welche zu Dir sagen: Herr! bleibe ein Laie; nimm Dir ein schönes,
edles und reiches Weib, auf daß Du Dich einer Nachkommenschaft und
Hinterlassenschaft erfreuest und von der Trübsal des Fleisches nicht mögest
beschwert werden. Andere reden vielleicht auch also: Wenn Du ein Geistlicher
werden willst, dann lerne die freien Künste zu dem Ende, daß Du ein Magister
genannt werden mögest. Mit den Gütern oder Einkünften der Kirche aber
versorge Dich, so gut Du vermagst, indem Du sie durch Bitten oder Geschenke zu
erlangen suchst; denn alsdann wirst Du weltliche Ehre von Deiner Wissenschaft
haben und von Deinen weltlichen Freunden und vielen Dienern um der Fülle
Deines Reichtumes willen gepriesen werden. Siehe, wenn Dir vielleicht jemand
dergleichen rät, dann laß ihm sofort durch Deinen Hüter, d. h. die
Vernunft, antworten und sagen, daß Du lieber alle Drangsale des Fleisches
erdulden, als die Keuschheit verlieren wollest; antworte auch, Du wollest zur
Ehre Gottes und zur Verteidigung des katholischen Glaubens und zur Tröstung
guter Menschen und Besserung der Irrenden, sowie aller derer, welche Deines
Rates und Wissens bedürfen, Wissenschaft und Kunst Dir zu eigen machen; Du
wollest auch über den Unterhalt Deines Leibes und des Dir nötigen
Hausgesindes aus eitler Ruhmsucht einen Überfluß in diesem Leben Dir nicht
verlangen. Sage auch, wofern Dir etwa die göttliche Vorsehung eine Würde
zugewendet, daß Du alles zum Nutzen der Nächsten und zur Ehre Gottes
weislich zu ordnen begehrst. Und so wird fürwahr der Hüter, d. i. die
Vernunft, diejenigen vertreiben können, welche die Grundmauer, d. h. Deinen
guten Willen, zu untergraben suchen.
Die Vernunft soll ferner emsig und sorgfältig aufmerken, daß niemand die
Höhe der Mauer übersteige. Unter dieser Höhe verstehe ich die Liebe, welche
höher als alle Tugenden ist. Sei daher auf das gewisseste überzeugt, daß
der Teufel nichts mehr begehrt, als jene Mauer zu überwinden, weshalb er
unaufhörlich, soviel er vermag, dahin trachtet, daß die weltliche Liebe und
die fleischliche Neigung sich über die göttliche Liebe erhebe. Darum, mein
Herr, sende, so oft die weltliche Liebe in Deinem Herzen den Versuch macht,
sich über die göttliche zu erheben, derselben sogleich den Hüter, d. h. die
Vernunft, mit den Geboten Gottes entgegen, und laß sie sagen, Du wollest
lieber an Seele und Leib den Tod erleiden, als dazu leben, einen so gütigen
Gott durch Wort oder That zum Zorne zu reizen; ja, daß Du weder des eigenen
Lebens, noch Deines Gutes oder Besitzes, noch der Gunst Deiner Verwandten oder
Freunde in einiger Weise schonen wollest, um Gott allein ganz zu gefallen und
denselben in allen Stücken zu ehren. Auch wollest Du Dich lieber aller
Trübsal freiwillig unterwerfen, als einem einzigen Deiner Nächsten, derselbe
sei größer oder kleiner, irgend einen Schaden, oder Ärgernis, oder Trübsal
verursachen; Du wollest vielmehr nach dem Gebote des Herrn alle Deine
Nächsten brüderlich lieben. Und wenn Du also gethan, mein Herr! so beweisest
Du, daß Du Gott mehr, als Dich selber und Deinen Nächsten wie Dich selbst
liebst. Alsdann kann auch der Hüter, d. i. die Vernunft, ohne Sorge darüber,
daß ein Feind Deiner Seele die Höhe der Mauern übersteigen möge, sich der
Ruhe überlassen. - Unter den Wänden ferner verstehe ich die vier Freuden des
himmlischen Hofes, welche der Mensch innerlich mit aufmerksamer Betrachtung
begehren muß. Die erste ist, inbrünstig begehren, im Herzen Gott in seiner
ewigen Herrlichkeit und seinem nie abnehmenden Reichtume anzuschauen, welcher
demjenigen, der denselben einmal erlangt hat, niemals genommen wird. Die
zweite ist, ohne Unterbrechung die süß tönenden Stimmen der Engel anhören
wollen, mit denen sie ohne Ende und Überdruß Gott loben und ohne Unterlaß
Gott anbeten. Die dritte ist, mit ganzem Herzen und eifrigem Verlangen zu
begehren, wie die Engel selber Gott ewig zu loben. Die vierte ist das
Verlangen, die ewigwährende Tröstung der Engel und heiligen Seelen im Himmel
zu genießen. Gleichwie nun ein
Mensch, der sich in einem Hause befindet, wohin er sich wendet, immer die
Wände um sich her stehen hat, so wird auch derjenige, wer diese vier Stücke,
nämlich: Gott in seiner Herrlichkeit anzuschauen, die Gott preisenden Engel
zu hören, Gott zugleich mit ihnen zu preisen und ihrer Tröstungen teilhaftig
zu werden, mit höchstem Verlangen begehrt, in der That, er mag sich wenden,
wohin er will, jeglichem Werke eifrig obliegen und in den festen Wänden immer
unversehrt erhalten bleiben, so daß man von ihm sagen kann, er lebe schon in
diesem Leben unter Engeln und habe Verkehr mit Gott. Ach! wie sehr verlangt
Dein Feind, o Herr! diese Wände durchzubrechen. Solche innere Tröstungen vom
Herzen hinwegzunehmen und Dein Verlangen nach anderen, ihnen entgegengesetzten
zu erregen und in Dinge zu verwickeln, welche der Seele schweren Schaden
bringen können. Deshalb muß der Hüter, d. i. die Vernunft, auf die beiden
Wege, auf denen der Feind zu nahen pflegt, fleißig achtgeben. Der erste Weg
ist das Gehör, der zweite das Gesicht. Durch das Gehör kommt er, wenn er dem
Herzen Lust eingiebt zu weltlichen Liedern und zu verschiedenen, fußtönenden
Instrumenten, zu unnützen und das Lob der eigenen Person verkündigenden
Fabeln, und je mehr sich der Mensch hierdurch in Hoffart erhebt, um so weiter
entfernt er sich von jenem demütigen Christus. Darum soll der Hüter, d. i.
die Vernunft, solcher Lust Widerstand thun und also sprechen: Wie der Teufel
alle Demut haßt, welche der heilige Geist den Herzen der Menschen eingiebt,
so hasse ich unter Gottes Beistande jegliche Pracht und Hoffart der Welt,
wodurch der böse Geist die Herzen pestartig entflammt; so hassenswürdig soll
mir dieselbe sein, wie der Gestank verwesender Leichname, an welchem
diejenigen, welche ihn mit den Nasen einziehen, alsbald ersticken. Das Gesicht
ist der zweite Weg, auf welchem der Feind seinen Angriff zu vollführen
pflegt, um die vorgedachten Wände zu durchbrechen, wozu er vielen Vorrat mit
sich bringt, nämlich allerlei Gattungen von Metall, in verschiedenen Arten
von Formen und Sachen verarbeitet, kostbare Steine, prächtige Kleider,
Herrenpaläste, Schlösser, Landgüter, Teiche, Wälder, Weinberge und viele
andere einträgliche Gegenstände; dies alles, wenn es brünstig verlangt
wird, erweist sich als eine Zerstörerin der Wände, d. h. der himmlischen
Freuden. Darum muß der Hüter,
d. i. die Vernunft, bevor noch das Herz an dergleichen Dingen Lust und Freude
zu haben angefangen hat, eilends entgegentreten und sprechen: Wenn ich von
dergleichen Besitzungen etwas in meine Gewalt bekommen werde, will ich es in
jener Lade niederlegen, wo keine Diebe und Motten zu fürchten sind, und wenn
die göttliche Gnade mir hilft, will ich nicht durch das Verlangen nach dem
Eigentume anderer meinen Gott beleidigen, noch mich durch die Begierde nach
fremdem Gut von der Gesellschaft der Diener Gottes auf irgend eine Art
trennen.
Unter den Thüren des gedachten Gebäudes verstehe ich alles
dem Leibe Notwendige, was er nicht zurückzuweisen vermag, nämlich: Essen,
Trinken, Schlafen und Wachen, zuweilen Leid ertragen oder Freude haben. Der
Hüter, d. i. die Vernunft, muß daher mit Sorgfalt an diesen Thüren, d. h.
über die Bedürfnisse des Leibes, wachen und mit göttlicher Furcht den
Feinden weise und anhaltend widerstehen, damit sie nicht Eingang in die Seele
finden. Wie man sich daher beim Genusse von Speise und Trank zu hüten hat,
daß der Feind, das Übermaß benützend, den Leib nicht mit Überdruß zum
Dienste Gottes erfülle, so soll man sich auch hüten, durch übermäßige
Abstinenz, welche den Leib zu allem Wirken schwächt, dem Feinde den Eingang
zu gestatten. Der Hüter, d. i. die Vernunft, muß achtgeben, daß nicht um
weltlicher Ehre oder der Gunst der Menschen halber, sei es, daß Du entweder
mit Deinen Hausgenossen allein bist, oder daß sich Gäste eingefunden haben,
zu viele Gerichte nacheinander aufgetragen werden; vielmehr thue aus
göttlicher Liebe einem jeden Gutes und viele und kostbare Speisen mögen
dabei ausgeschlossen bleiben. Sodann soll der Hüter, d. h. die Vernunft,
wachsam und aufmerksam in Betracht ziehen, daß mit dem mäßigen Genusse von
Speise und Trank auch der Schlaf zu mäßigen sei, damit der Leib die
Leichtigkeit behalte und besser geordnet sei, Gott alle Ehre zu erweisen und
die vorgeschriebenen Zeiten zur Verrichtung der Vigilien und des kirchlichen
Officiums oder zu ehrbarer Arbeit zu verwenden, weshalb der niederdrückende
Schlaf fern gehalten werden muß. Wenn aber irgendwie Beunruhigung und Mißmut
sich einstellen, so soll der Hüter, d. i. die Vernunft, von der Furcht Gottes
begleitet, schnell entgegeneilen, damit es sich nicht etwa durch Zorn oder
Ungeduld
begebe, daß Du der göttlichen Gnade entbehrest und Gott schwer wider Dich
erzürnest, oder aber, wenn Dein Herz Trost und Freude empfindet, soll der
Hüter, d. i. die Vernunft, die Furcht Gottes fester dem Herzen einprägen,
damit sie unter dem Beistande Christi und zu Deinem größeren Heile den Trost
oder die Freude mäßige."
Als Frau Brigitta in Neapel war, wurden ihr die größten Geheimnisse des Herzens des nachmaligen Kardinals Eleazar, auch etliche ihn betreffende Wunder enthüllt. Als er solches vernommen, entsetzte er sich und bekehrte sich zu einem besseren Lebenswandel.
Im Jahre 1371, im Monat Mai, am Tage des seligen Papstes und Märtyrers Urban, als die Braut Christi, die Frau Brigitta, die schon viele Jahre in Rom sich aufgehalten hatte, auch von den Wallfahrten heimgekehrt war, die im Königreiche Neapel stattfinden, sich zu angegebener Zeit im Gebete befand, erschien ihr Christus und sagte, sie solle sich bereithalten zur Wallfahrt nach Jerusalem, um das heilige Grab zu besuchen.
Als die Braut sich nach einem fortgesetzten Aufenthalte zu
Rom befand und an einem gewissen Tage beim Beten zu einer innerlichen Erhebung
gelangt war, erschien ihr Christus und sprach also: "Machet Euch bereit,
nach Jerusalem zu wallfahrten, um mein Grab und andere heilige Orte zu
besuchen, welche sich dort befinden; sobald ich es Euch sage, begebet Ihr Euch
von Rom hinweg." ![]()
Ehe die Frau Brigitta jenseits des Meeres sich begeben, fragte ein frommer Bruder des Franziskanerordens zu Rom die gedachte Frau über einen Zweifel seines Gewissens um Rat. Als die Frau sich im Gebete befand, erschien ihr die Jungfrau Maria und antwortete ihr vollständig auf gedachte Zweifel, und sagte außerdem, daß, wenn auch Päpste und Priester Sünder und wofern nur keine Ketzer sind, jene die Schlüssel der Kirche und die wahre Gewalt, zu binden und zu lösen, haben, diese aber vollständig das gesegnete Sakrament des Leibes Christi auf dem Altare bereiten und zustande bringen, wenn sie auch der himmlischen Herrlichkeit unwürdig sein sollten.
Als ich unwürdige Person zur Ehre und Danksagung des
allmächtigen Gottes und der seligen Jungfrau Maria, seiner würdigsten
Mutter, mich im Gebete befand, schien es mir, als rede die Mutter Gottes zu
mir Sünderin die folgenden Worte: "Sage jenem Bruder, meinem Freunde,
welcher mir seine Bitte durch Dich übersendet hat, daß der wahre Glaube und
die vollkommene Wahrheit darin besteht, daß, wenn eine Person auf Antrieb des
Teufels wider Gott alle Sünden begangen hätte und über dieselben nachmals
unter wahrer Reue und mit dem Willen, sich zu bessern, wahrhaft Leid empfände
und demütig mit brennender Liebe Gott um Barmherzigkeit anläge, es kein
Zweifel sei, daß der gütige und barmherzige Gott sogleich bereit sein
würde, diese Person mit großer Freude und Fröhlichkeit in seine Gnade
wieder aufzunehmen, wie ein liebreicher Vater, welcher seinen einzigen,
geliebtesten Sohn, der eben von einem höchst ärgerlichen Leben sich bekehrt
oder dem schmachvollsten Tode entgangen in, nun zu sich zurückkehren sieht.
Und fürwahr! weit lieber, als ein leiblicher Vater, verzeiht der liebreiche
Gott selber seinen Dienern alle ihre Sünden, wenn sie eifrig Buße thun und
demütig seine Barmherzigkeit ansprechen, und sich scheuen, ferner Sünden zu
begehen, auch Gottes Freundschaft mit ganzem Herzensverlangen begehren. Sage
also demselben Bruder von meiner Seite, daß ihm wegen seines guten Willens
und meines Gebetes durch Gottes Güte alle seine Sünden nachgelassen sind,
die er an allen Tagen seines Lebens begangen hat. Sage ihm auch, daß um
meines Gebetes willen die Liebe, welche er zu
Gott trägt, immer und bis zu seinem Tode gemehrt werde, und niemals gemindert
werden kann. Ferner sage ihm, wie es Gott, meinem Sohne, gefalle, daß er in
Rom bleibe, predige, denen, die darum bitten, gute Ratschläge gebe,
beichthöre und heilsame Bußen auferlege; es sei denn, daß sein geistlicher
Vorgesetzter ihn aus einem gesetzlichen, notwendigen Grunde zuweilen aus der
Stadt sende. Derselbe Bruder soll auch seine übrigen Brüder wegen ihrer
Übertretungen liebreich mit guten Worten und heilsamen Lehren, oder, wo er
die Macht hat, mit gerechtem Tadel zu dem Ende strafen, daß sie die Regel
beobachten und sich demutsvoll bessern. Deshalb lasse ich ihm wissen, daß
seine Messen, seine Lesungen und Gebete Gott angenehm und willkommen sind.
Sage ihm auch, daß, wie er sich vor jedem Überfluß der Speise, des Trankes
und Schlafes hütet, er gleicherweise sich vor übertriebener Abstinenz in
acht nehmen solle, auf daß er bei seinen Gott gewidmeten Diensten und
Arbeiten keine Schwäche erleide. Er soll keine überflüssigen, sondern
notwendige Kleider, nach der Regel des heiligen Franziskus, tragen, damit
nicht Hoffart und Begierlichkeit daraus erfolge, weil der Lohn desto
reichlicher erfolgen wird, von je geringerem Werte und Ansehen seine Kleider
sein werden. Er soll auch seinem geistlichen Vorgesetzten in allem, was dieser
ihm befehlen wird, was nicht wider Gott ist und was er als Bruder auszurichten
imstande sein wird, folgsam sein. Sage ihm ferner von meiner Seite, wie er
denen antworten soll, welche sagen, der Papst sei kein rechter Papst und es
sei nicht der wahre Leib meines Sohnes Jesu Christi, den der Priester auf dem
Altare bereitet. Diesen Ketzern soll er folgende Antwort geben: Ihr wendet
Gott den Rücken zu und deshalb sehet ihr denselben nicht; wendet ihm daher
das Angesicht zu und dann werdet ihr ihn sehen können. Der wahre und
katholische Glaube ist der, daß der Papst. welcher ohne Ketzerei ist, mag er
auch mit anderen Sünden befleckt sein, doch nie so schlecht durch diese
Sünden und seine übrigen schlechten Werke wird, daß nicht allezeit in ihm
das völlige Ansehen und die vollkommene Macht vorhanden sei, die Seelen zu
binden und zu lösen. Diese Macht hat er durch den seligen Petrus und von Gott
bekommen. Es sind viele Päpste vor dem Papste Johannes gewesen, welche in der
Hölle sind; nichtsdestoweniger sind ihre Urteile, welche sie in der
Welt gesprochen haben, gerecht und vernünftig, beständig und bei Gott
bewährt. Ähnlicherweise sage ich auch, daß alle diejenigen Priester wahre
Priester sind und wahrhaft den Leib meines Sohnes bereiten, welche keine
Ketzer sind, wenn sie auch sonst mit vielen anderen Sünden behaftet sind, und
daß sie Gott wahrhaft mit ihren Händen auf dem Altare berühren, sowie
andere Sakramente darreichen, obwohl sie ihrer Sünden und bösen Werke halber
der himmlischen Herrlichkeit bei Gott unwert sind."
Nachdem der ebengedachte Bruder die kaum erwähnte Offenbarung durch Frau Brigitta empfangen hatte, bat er sie, sie möge Gott fragen, ob Christus ein Eigentum gehabt, sowie über die Gewalt des Papstes und der Messe lesenden Priester. Als die Frau so betete, erschien ihr die Jungfrau Maria und antwortete auf alles, wie folgt.
"Sage jenem Bruder, meinem Freunde: Es ist Dir nicht
gestattet, zu wissen, ob die Seele des Papstes Johannes XXII. in der Hölle
oder im Himmel ist, weil es Dir nicht zusteht, von jenen Sünden etwas zu
wissen, welche dieser Papst mit sich nahm, als er nach seinem Tode vor das
Gericht Gottes kam. Sage ihm, daß die Dekretalen, welche dieser Papst
Johannes über das Eigentum Christi erließ und festsetzte, keinen Irrtum
gegen den katholischen Glauben, noch eine andere Ketzerei enthalten. Ich
selbst, die ich denselben wahren Gott geboren, lege Zeugnis ab, wie derselbe
Jesus Christus, mein Sohn, ein einziges Eigentum und in Besitz gehabt hat, und
dieses war jener Rock, den ich mit eigenen Händen gefertigt hatte. Dieses
bezeugt der Prophet in der Person meines Sohnes, indem er also spricht: Um
mein Kleid haben sie das Los geworfen. (Psalm XXI.) Merke wohl, wie er nicht
gesagt hat, unser Kleid, sondern mein Kleid. Du sollst auch wissen, daß, so
oft ich ihm diesen Rock zum Dienste seines heiligsten Leibes anlegte, meine
Augen alsbald sich mit Thränen füllten und mein ganzes Herz mit Trübsal und
Schmerz gepeinigt und von heftiger Bitterkeit gequält ward, und zwar deshalb,
weil ich die Art gar wohl kannte, wie inskünftige dieser Rock von meinem
Sohne ge-
schieden werden sollte, nämlich zur Zeit seines Leidens, als er selber nackt
und unschuldig von den Juden gekreuzigt ward; es ist ja dieser Rock das Kleid
gewesen, um das seine Kreuziger das Los geworfen haben. Keiner hat während
seines Lebens diesen Rock getragen, als er allein. - Wisse auch, wie alle
diejenigen vom Geiste des Teufels in der Hölle ausgeblasen sind, welche
irrtümlich behaupten, der Papst sei nicht der rechte Papst, und die Priester
seien keine wahren Priester, noch recht geweiht, und das sei nicht der rechte
Leib meines gedenedeiten Sohnes, welcher bei der Feier der Messe durch die
Priester konsekriert wird. Alle diese Ketzer, welche durch so große Bosheiten
und abscheuliche Sünden wider Gott sich vergangen, eine ungeheure Schuld
angehäuft haben und mit teuflischer Schlechtigkeit angefüllt sind, werden
auch um ihrer Ketzerei willen verdammlicherweise ausgeschlossen und verstoßen
aus der Zahl der Herde der ganzen Christenheit vor dem Gerichte der
Gerechtigkeit der göttlichen Majestät, wie Judas aus der heiligen Zahl der
Apostel, um seiner überaus argen Schuld willen, weil er Christum, meinen
Sohn, verraten, ausgeschlossen und verstoßen ward. Wisse aber, wie alle
diejenigen, welche sich bekehren wollen, von Gott Barmherzigkeit
erlangen."
Wie Christus mit der Frau Brigitta redete, als dieselbe im Gebete war, und derselben befiehlt, sie solle nun gen Jerusalem gehen, wozu er ihr körperliche Rüstigkeit und die notwendigen Geldmittel verheißt.
Der Sohn Gottes redete zur seligen Braut und sprach:
"Jetzt gehet und ziehet von Rom gen Jerusalem. Was wendest Du Dein Alter
vor? Ich bin der Schöpfer der Natur. Ich kann die Natur schwach und stark
machen, wie es mir gefällt. Ich werde mit Euch sein, werde Eueren Weg ebnen,
Euch hinführen und wieder zurückbringen nach Rom, und für Euere
Reisebedürfnisse reichere Mittel Euch verschaffen, als Ihr bisher gehabt
habet." ![]()
Die Jungfrau Maria redet mit der Braut Christi, der Frau Brigitta, und sagt, wie es durchaus Gottes Wille nicht sei, daß die Geistlichen Weiber haben, noch sich mit dem Laster des Fleisches beflecken: kein Papst dürfe die Ehe der Geistlichen zugeben, noch in der Kirche Gottes aufkommen lassen.
"Freue Dich ewiglich, Du gebenedeiter Leib Gottes, in ewiger Ehre und in stetem Siege, und in Deiner ewigen Allmacht zugleich mit Deinem Vater und dem heiligen Geiste, wie auch mit Deiner gebenedeiten hochwürdigen Mutter, samt dem ganzen herrlichen, himmlischen Hofe. Lob sei Dir auch, Du ewiger Gott, und unendlicher Dank dafür, daß Du Dich herabgelassen hast, Mensch zu werden, und daß Du gewollt hast, daß Dein verehrungswürdiger Leib auf Erden aus leiblichem Brote konsekriert und uns zum Heile unserer Seelen liebreich zu einer Speise gewährt werde!
Es begab sich, daß eine Person, da sie dem Gebete oblag,
eine Stimme vernahm, welche zu ihr sprach: O Du, welcher gegeben worden, auf
eine geistliche Weise zu hören und zu sehen, vernimm jetzt das, was ich Dir
von jenem Erzbischofe offenbaren will, welcher gesagt, daß, wenn er Papst
wäre, er allen Geistlichen und Priestern die Erlaubnis geben würde,
fleischlicherweise Ehen einzugehen, indem er dachte und meinte, daß solches
Gott angenehmer sei, als wenn die Geistlichen in solcher Ausgelassenheit
lebten, wie sie jetzt thun; denn er glaubte, daß bei solcher Verehelichung
größere fleischliche Sünden vermieden würden. Obgleich er hierin den
Willen Gottes nicht richtig verstanden, war jener Erzbischof gleichwohl ein
Freund Gottes. Nun aber will ich Dir den Willen Gottes in diesem Stücke
sagen, weil ich selber Gott geboren habe, und Du sollst es auch meinem
Bischofe zu wissen thun und also zu ihm sprechen: Dem Abraham ist die
Beschneidung lange vorher gegeben worden, ehe Moses das Gesetz erhalten hat,
und zu Abrahams Zeit ließen sich die Menschen, ein jeglicher nach seinem
Verstande und nach dem Belieben seines eigenen Willens regieren, gleichwohl
waren damals viele von ihnen Freunde Gottes. Nachdem aber dem Moses das Gesetz
gegeben worden war, war es mehr
Gottes Wille, daß die Menschen unter und nach dem Gesetze lebten, als nach
ihrer eigenen menschlichen Willkür und Einsicht. Auf ähnliche Weise verhielt
es sich mit dem gebenedeiten Leibe meines Sohnes. Denn nachdem er selbst in
der Welt dieses neue Sakrament der Eucharistie eingesetzt hatte und zum Himmel
aufgefahren war, war jenes alte Gesetz noch in Übung, nach welchem auch
christliche Priester im Ehestande lebten. Nichtsdestoweniger waren viele unter
ihnen Freunde Gottes, weil sie in einfältiger Reinheit glaubten, Gott habe
kein Mißfallen daran, daß christliche Priester Eheweiber hätten und in der
Ehe lebten, wie er solches in der alten Zeit der Juden den jüdischen
Priestern gestattete. Und also ward es von den christlichen Priestern viele
Jahre lang gehalten. Aber diese Weise und alte Gebrauch war gleichwohl im
Lichte des himmlischen Hofes etwas sehr Hassenswertes, sowie auch vor mir, die
ich seinen Leib geboren habe, welchen beweibte christliche Priester im
hochheiligen Sakramente mit ihren Händen berühren müßten. Die Juden unter
dem alten Gesetze hatten nur einen Schatten, d. h. das Bild dieses
Sakramentes, die Christen aber haben nun die Wahrheit selber, nämlich
Christum, wahren Gott und wahren Menschen, in jenem gebenedeiten und
konsekrierten Brote. Nachdem nun diese Gewohnheit eine geraume Zeit in der
christlichen Priesterschaft geherrscht hatte, gab ein damals regierender Papst
auf Eingebung des heiligen Geistes die Gott wohlgefälligere Verordnung
heraus, es sollten die christlichen Priester, welche das so heilige und
würdige Amt der Konsekration hätten, durchaus nicht in der befleckenden
ehelichen Fleischeslust leben dürfen. Und darum ist auch nach Gottes
Verordnung und Ratschluß mit Recht festgesetzt, daß die Priester, welche
nicht in Keuschheit und Enthaltsamkeit des Fleisches leben, vor Gott verflucht
und in den Bann gethan, auch wert sind, des Priesteramtes verlustig zu gehen.
Diejenigen aber, welche sich mit dem wahren Vorsatze, nicht ferner zu
sündigen, bessern, werden bei Gott Barmherzigkeit erlangen. -
Auch dieses sollst Du wissen, daß ein Papst, wenn er den
Priestern die Erlaubnis gewähren würde, eine Ehe einzugehen, von Gott durch
einen solchen Richterspruch geistlicherweise verdammt werden wird, gleichwie
ein Mensch, der sich so schwer vergangen hätte, daß man ihm nach Recht und
Gerechtigkeit die Augen leiblich
ausstechen und die Zunge samt den Lippen und die Nase mit den Ohren
abschneiden, die Hände und Füße abhauen, alles Blut seines Leibes
vergießen und seinen blutlosen Leib den Hunden und anderen wilden Tieren zum
Fraße vorwerfen würde. Ähnlich würde es fürwahr jenem Papste
geistlicherweise ergehen, der eine solche Erlaubnis zum Eingehen der Ehe wider
die Anordnung und den Willen Gottes den Priestern erteilen würde; - eben
dieser Papst würde des geistlichen Gesichtes und Gehöres, auch der
geistlichen Werke und Worte von Gott gänzlich beraubt werden, seine ganze
geistliche Weisheit würde durchaus erstarren und überdies nach seinem Tode
seine Seele zu ewiger Pein in die Hölle gestoßen werden, um daselbst
ewiglich und ohne Ende eine Speise der Teufel zu sein. Ja, wenn auch schon der
heilige Papst Gregorius dieses verordnet hätte, so würde diese Sentenz ohne
Barmherzigkeit an ihm vollzogen worden sein, wofern er es nicht vor seinem
Tode demütig widerrufen hätte."
Folgendes ist der Anfang einer Offenbarung, welche die Frau Brigitta für die Frau Königin von Neapel in derselben Stadt gehabt. Andere Dinge, welche darin begriffen waren, werden nicht mit hierher gesetzt, weil es Geheimnisse sind, welche den Stand und die Person der gedachten Frau Königin betreffen.
"Ich bin Gott, der Schöpfer aller Dinge. Ich habe den
Engeln und Menschen den freien Willen gegeben, so daß die, welche meinen
Willen thun wollen, ewig bei mir bleiben, deren Gesinnung mir aber entgegen
ist, von mir getrennt werden sollen. So sind einige von den Engeln Teufel
geworden, weil sie mich weder lieben, noch mir gehorchen wollten. Als darauf
der Mensch erschaffen worden war und der Teufel meine Liebe zu demselben
erblickte, war es ihm nicht genug, mein Feind zu sein, sondern er erhob wider
mich Streit, da er Adam zur Übertretung meiner Gebote anreizte, und nachdem
er durch meine gerechte Zulassung damals über den Menschen den Sieg errang,
sind wir, ich und der Teufel, in Streit miteinander, weil ich will, daß der
Mensch nach meinem Willen
lebe, der Teufel aber trachtet danach, daß der Mensch seiner Begierlichkeit
folgen möge. In dem Augenblicke aber, wo ich mit dem Blute meines Herzens den
Himmel öffnete, ist der Teufel seines Rechtes, welches er zu haben schien,
beraubt und die Seelen, welche es würdig waren, gerettet und erlöst worden.
Von da ist es nun ein Gesetz, daß es in des Menschen Willen stehen solle,
mir, seinem Gott, zu folgen, um die ewige Krone zu erlangen, aber ewige Pein
zu haben, wenn er dem Verlangen des Teufels folgt. So also streiten ich und
der Teufel, indem wir Seelen begehren, wie Bräutigame nach ihren Bräuten;
ich verlange nach den Seelen, um ihnen ewige Freude und Ehre zu gewähren, der
Teufel aber, um ihnen ewigen Schrecken und Schmerz zu bereiten."
Folgende Offenbarung ward der Frau Brigitta zu Neapel auf Ansuchen des Herrn Bernhard, des Erzbischofs von Neapel, von Gott zu teil. Dieser hatte sie gebeten, sie möge in bezug auf etliche Zweifel, die er hatte, im Gebete zu Gott sich wenden. Christus erschien ihr und antwortete auf alle Zweifel des Erzbischofs, indem er ihr Lehren und Weisen angiebt, welche jener sowohl in der Regierung seines Hauses, als in der Regierung der Untergebenen in seinem Sprengel befolgen soll.
Christus redete zur Braut und sprach: "Sage jenem
Bischofe, daß er, wenn er in der Gerechtigkeit des göttlichen Gerichtes
bestehen will, nicht dem Wandel und den Sitten des meisten Teiles derer
nachfolgen solle, welche jetzt die Regenten der Kirche sind. Ich zwar habe den
menschlichen Leib angenommen von der Jungfrau, um mit Worten und Werken jenes
Gesetz zu erfüllen, das in der Gottheit von Ewigkeit her geordnet war, indem
ich die Pforten des Himmels mit dem Blute meines Herzens öffnen und durch
Worte und Werke den Weg also erleuchten sollte, so daß alle meines Vorbildes
sich bedienen könnten, um das ewige Leben zu verdienen. Aber wahrlich! jene
Worte, welche ich gesprochen, und die Werke, welche ich in der Welt verrichtet
habe; sind nun fast gänzlich vergessen und vernachlässigt, und dazu hat
niemand so viel mitgewirkt, als die Prälaten der Kirche, welche voll Hoffart,
Begierlichkeit und
Fäulnis leiblicher Lust sind, was alles meinen Geboten, sowie den ehrbaren
Satzungen der heiligen Kirche zuwider ist, die meine Freunde nach meiner
Himmelfahrt aus großer Andacht aufgerichtet haben. Jene lasterhaften
Prälaten der Kirche haben, mit der Bosheit des bösen Geistes erfüllt, den
Seelen der Menschen so viele schädliche Beispiele hinterlassen, daß ich von
ihnen volle Gerechtigkeit fordern muß. Ich werde das Urteil über sie
fällen, daß sie aus dem Buche des Lebens im Himmel ausgelöscht, neben
meinen Feind Luzifer in die Hölle gesetzt und in den höllischen Wohnungen
ewig gepeinigt werden. Doch sollst Du wissen, daß ich denjenigen, welche sich
vor dem Tode haben bessern und mich mit ganzem Herzen lieben und sich der
Sünden enthalten wollen, meine Barmherzigkeit zu erweisen bereit bin. Sage
ihm also als von meiner Seite folgende Worte: Mein Herr! es begiebt sich
zuweilen, daß aus einem schwarzen Ofen eine schöne Flamme ausgeht, welche
geeignet und notwendig ist, schöne Werke zu schmieden. Gleichwohl darf man
alsdann nicht den Ofen um seiner Schwärze willen loben, sondern demjenigen
gebührt Lob, Ehre und Danksagung, welcher der Künstler und Meister jener
Werke ist. Ähnlicherweise verhält sich's mit mir Unwürdigen, wenn Ihr in
meinen Ratschlägen etwas Heilsames möchtet angetroffen haben, weil Ihr
alsdann nicht mir, sondern Gott selber, welcher alles gemacht hat und macht,
auch den vollkommenen Willen hat, Gutes hervorzubringen, unendlichen Dank und
beständig gutwilligen Dienst leistet. Mein Herr! ich beginne zuerst von dem
zu reden, was vieler Seelen Heil betrifft. Ich rate Euch, wofern Ihr Gottes
Freundschaft haben wollt, daß Ihr weder selber, noch durch einen anderen
Bischof Leute zu den heiligen Weihen zulassen wollet, wenn sie nicht zuvor
durch gute Geistliche sorgfältig geprüft und im Leben und Wandel so geeignet
befunden worden, daß sie nach dem Zeugnisse weiser und wahrhaftiger Männer
solches Amt anzunehmen als würdig sich bewährt haben. Gebt auch fleißig
acht, daß alle anderen Euch untergebenen Bischöfe und die Suffraganen Eueres
Erzbistums ähnlich verfahren. Denn niemand kann glauben. wie groß der Zorn
Gottes wider jene Bischöfe ist, welche keine Sorge zu tragen, noch fleißig
zu prüfen wissen, wie diejenigen beschaffen sind, welche sie zur Würde
solcher Weihen in ihren Bistümern befördern. Thun sie es nun entweder auf
anderer Ansuchen, oder ans Nachlässigkeit und Trägheit, oder aus Furcht, so
werden sie im Gerichte Gottes hierüber strengste Rechenschaft geben müssen.
Ich rate Euch auch, daß Ihr fleißig nachfragt, wie viele und welche
bepfründete Geistliche in Eueren Sprengeln die Seelsorge haben, und daß Ihr
dieselben wenigstens einmal in jedem Jahre vor Euch bescheidet, um dann mit
ihnen sowohl über das Heil ihrer eigenen, als der Seelen ihrer Untergebenen
zu verhandeln, und wenn sie vielleicht an einem Tage nicht alle zusammenkommen
können, mögen ihnen Termine und Tage angesetzt werden, an denen sie in jedem
Jahre bei Euch besonders zusammenkommen müssen, so daß niemand unter ihnen
ein ganzes Jahr lang in irgend einer Weise sich entziehen kann, mit Euch Rates
zu pflegen. Leget ihnen da ans Herz, was für ein Leben diejenigen führen
müssen, welche ein so überaus würdiges Amt bekleiden. Ihr sollt auch
wissen, daß die Priester, welche Beischläferinnen haben und Messe lesen,
Gott so angenehm sind und so gefallen, wie die Einwohner Sodoms, welche Gott
in die Hölle versenkte, und daß, obwohl die Messe an sich immer die
nämliche ist und dieselbe Kraft und Wirksamkeit hat, doch der Friedenskuß,
welchen solche verbuhlte Priester in der Messe geben, Gott so angenehm sei,
wie der Kuß des Judas, mit dem er den Heiland Aller verriet. Bemühet Euch
daher, soviel Ihr könnt, durch Wort und That, mittels Ermahnung, Tadels,
Drohung, beständig dahin zu wirken, daß sie sich bemühen, ein keusches
Leben zu führen, vorzüglich mit Rücksicht darauf, daß sie mit einem so
überaus heiligen Sakramente umgehen und dasselbe mit ihren Händen anderen
gläubigen Christen darreichen müssen. Außerdem sollt Ihr sonach allen
höheren Geistlichen, nämlich den Prälaten und Stiftsherren, als auch dem
niederen Klerus, die Euerem Regimente unterworfen sind und Einkommen aus den
Kirchen haben, heilsame Ratschläge erteilen, daß sie in allem sich
fehlerfrei verhalten. Es soll auch niemand glauben, daß ihm zur Vermeidung
der sodomitischen Sünde irgend eine andere Art der Unzucht erlaubt oder ihm
gestattet sei, deshalb mit Weibern sich zu verunreinigen, weil ein jeglicher
Christ, welcher Verstand hat, aber so lange er lebt, des ewigen Lebens nicht
achtet, ohne Zweifel nach dem Tode die schwersten Höllenstrafen ewig
auszuhalten haben wird. - Auch in betreff Eueres Hausgesindes rate
ich Euch, daß, um die Hoffart zu vermeiden. dasselbe nicht zu zahlreich sei;
es soll vielmehr beschränkt sein nach dem Bedürfnisse Eueres Amtes und nach
dem Bedarfe Eueres Standes. Deshalb sollt Ihr die Geistlichen, welche zu
Euerem Hause gehören, wo Ihr auch sein möget, mehr um Eueres guten
Zeugnisses halber, nicht aber aus eitler Ruhmsucht oder Prachtliebe bei Euch
haben; es mögen auch lieber wenige, als viele an der Zahl sein. Von
denjenigen Geistlichen aber, welche Ihr unterhaltet, um das Chorgebet zu
verrichten, oder um zu lernen oder andere zu lehren, oder zu Schreiben, möget
Ihr so viele haben, als Euch beliebt, es ist Euch jedoch nützlich, daß Ihr,
so gut Ihr könnt, fleißig Sorge für ihre gute Lebensweise und das Heil
ihrer Seelen traget. Gebt auch acht auf Euere übrigen Diener, daß jeder
derselben sein Amt habe, und wenn Ihr deren einige entbehren könnt, sollen
sie um eitlen Ruhmes willen nicht behalten werden, damit Euer Herz sich nicht
erhebe, indem Ihr ein größeres Gesinde habt, als andere Euresgleichgen. Es
ist auch gut, wenn Euch das Gesinde, soviel Euch notwendig ist, immer am
Herzen liegt, indem Ihr dessen Wandel sorgfältig durchforscht und wie ein
rechter Hausvater dasselbe väterlich und mit guten Lehren fördert und mahnt,
daß es selber Sünden und Laster fliehen lerne und sich befleißige, über
alle Dinge Gott zu lieben; denn Gott ist es angenehmer und Euch nützlicher,
wenn Ihr durchaus keinen Hausgenossen um Euch habt, welcher heilsamen
Ratschlägen kein Gehör schenken und seine Übertretungen nicht demütig
bessern will. - In Bezug auf Euere Kleider gebe ich Euch den Rat, daß Ihr
niemals mehr als drei Paare zugleich in Besitz habt, und alles, was darüber
hinaus ist, sofort Gott darbringt. An Bettzeug und Handtüchern und Tischlaken
behaltet soviel für Euch, als Euch notwendig und nützlich ist; das übrige
aber gebt Gott. An Silbergeschirr behaltet nur soviel für Euch, als für
Euere Person und die Gäste, welche an Euerem eigenen Tische essen, hinreicht,
und das, was danach übrigt, gebt mit heiterem Gemüte Gott, weil Euer Gesinde
und die am anderen Tische sitzenden Gäste, ohne sich im mindesten schämen zu
müssen, aus zinnernem oder irdenem, hölzernem oder gläsernem Geschirr
essen. Denn der Brauch, welcher jetzt in den Häusern der Herren und Bischöfe
stattfindet, wo ein das Maß überschreitender Überfluß
an Gold und Silber gefunden wird, ist Gott, welcher sich für uns jeglicher
Armut unterwarf, zum Abscheu und für die Seelen höchst nachteilig. - Ferner
hütet Euch vor zu vielen und zu kostbaren Speisen; ingleichen haltet nicht zu
große und teure Pferde, sondern solche, die mäßig in Größe und im Preise
sind, denn solcher Pferde bedürfen diejenigen, welche sich zur Verteidigung
der Gerechtigkeit und zum Schutze des Lebens, nicht aber aus Hoffart in die
Kriegsgefahr hinauswagen. Ja, ich sage Euch, daß, so oft die Prälaten aus
Hoffart und eitler Ruhmsucht prächtige Pferde besteigen, der Teufel sich auf
ihre Herzen setzt. Ich kenne eine Person, welche kohlschwarze Teufel erblickte
welche den Prälaten und Kardinälen, sobald sie ihre prächtigen Reitpferde
bestiegen, sich auf den Nacken setzten, und wenn sie hoch zu Roße saßen und
ihre Pferde spornten, höhnischerweise und voll Freude ihre Häupter erhoben
und ihre Fersen gegen die Brust der Reiter stießen. - Noch gebe ich Euch den
Rat, daß Ihr Eueren Vikaren unter dem Eide das Versprechen abnehmet, daß sie
in der Verwaltung Eueres Amtes sich nichts gegen die Gerechtigkeit zu thun
unterstehen; thäten sie nachher das Gegenteil, so lasset sie nach der
Gerechtigkeit strafen. Wofern Ihr das so, wie gesagt worden, thut, dann möget
Ihr vertrauen, ein gutes Gewissen zu haben. - Ingleichen rate ich zum Troste
derjenigen Seelen Euerer Verstorbenen, über welche Ihr mich gefragt, ob sie
am Reinigungsorte seien oder nicht, sowie in betreff der Almosen, welche für
sie geleistet werden sollen, daß Ihr ein Jahr hindurch täglich zwei Messen
für dieselben lesen, täglich zwei Arme speisen, sowie wöchentlich einen
Gulden an Geld an die Armen verabreichen lassen sollt. Saget auch den
Pfarrgeistlichen, sie sollten ihre Pfarrkinder zu bessern suchen, ihre
offenbaren Sünden in den ihnen zukommenden Fällen zurechtweisen und wenn sie
diese nicht annehmen wollen, mit Strafen belegen. Kennet Ihr solche, welche
wider Gott und die Gerechtigkeit öffentlich sich vergehen, so sollt Ihr,
mögen sie auch noch so große Herren sein, daß Euere Strafgerechtigkeit sie
nicht erreichen kann, mit sanften und gelinden Worten sie ermahnen, daß sie
sich bessern; wollen sie nicht gehorchen, so sollt Ihr sie dem Gerichte Gottes
überlassen, welcher Eueren guten Willen ansehen wird. Man darf ja ein
sanftmütiges Lamm nicht dem Wolfe zwischen die grausamen Zähne werfen, weil
der Wolf hierdurch noch räuberischer werden wird,
doch geziemt es sich, daß man sie mit Liebe vor der Gefahr ihrer Seelen
warne, wie der Vater mit seinen Kindern thut, wenn ihm dieselben zuweilen
entgegenhandeln. Hütet Euch aber, die Strafen aus Furcht für Eueren Leib zu
unterlassen, wenn nicht etwa daraus eine Gefahr für die Seelen hervorgehen
möchte."
Die nachfolgende Offenbarung an die Braut Christi, die Frau Brgitta, begann zu Neapel sofort nach dem Tode des ritterlichen Karl, ihres Sohnes; das Gesicht dauerte mit Unterbrechungen auf der Jerusalemsfahrt fort, bis sie nach Jerusalem kam. Daselbst hat es in der Kirche des heiligen Grabes des Herrn ein Ende genommen. Es enthält in sich die Anführungen, welche in dem göttlichen Gerichte vor dem Richter Christus durch die Jungfrau Maria und durch den Engel für die Seele des gedachten Ritters vorgebracht sind, sowie dasjenige, was der Teufel wider diese Seele vorgebracht hat, und das Urteil Christi über ihre Erlösung.
Die Jungfrau Maria redete mit der seligen Brigitta und
sprach: "Ich will Dir sagen, wie ich der Seele Deines Sohnes Karl gethan,
als sie sich von ihrem Leibe schied. Ich habe gehandelt, wie ein Weib, das
einem anderen Weibe bei der Geburt beisteht, dem Kinde zu helfen, damit es
nicht im Blutflusse sterbe und im engen Durchgange, den das Kind zu nehmen
hat, nicht ersticke und die Feinde des Kindes, welche in demselben Hause sind,
dasselbe nicht töten können. In ähnlicher Weise habe ich gehandelt. Ich
stand neben Deinem Sohne Karl kurz zuvor, ehe er seinen Geist ausgab, damit er
die fleischliche Liebe nicht so im Gedächtnisse habe, daß er um derselben
willen etwas dächte oder redete, was Gott mißfällig, noch etwas
unterließe, wodurch er Gott gefalle, noch auch dasjenige, was auf irgend eine
Art dem göttlichen Willen entgegen sein könnte, zum Nachteile seiner Seele
vollbringe. Auf gleiche Weise habe ich ihm in jenem engen Durchgange, d. h.
beim Ausgange der Seele aus dem Leibe, geholfen, daß er keine so harte Pein
im Tode zu dulden habe, weil er dadurch die Beständigkeit hätte verlieren
und in Verzweiflung hätte fallen können und damit er im Tode Gott nicht
vergäße. Ich habe auch dergestalt seine Seele vor seinen
Todfeinden, d. h. vor den Teufeln, bewahrt, daß keiner von ihnen dieselbe hat
berühren können, sondern sobald sie aus dem Leibe herausgegangen, habe ich
sie in meinen Schutz und Schirm genommen. Auf dieses hin floh die ganze Schar
der Teufel, welche in ihrer Bosheit die Seele zu verschlingen und ewig zu
quälen begehrten, eilends davon und entwich. Wie aber nach Karls Tode über
dessen Seele Gericht gehalten worden, soll Dir vollständig gezeigt werden,
wenn es mir gefällig sein wird."
Nach dem Zwischenraume etlicher Tage erschien dieselbe
Jungfrau Maria der Frau Brigitta, als dieselbe im Gebete wachte, und sprach:
"Jetzt ist Dir aus göttlicher Güte verstattet, zu sehen und zu hören,
wie über die eben erwähnte Seele Gericht gehalten worden, als sie aus dem
Körper herausgegangen war. Und was damals in einem Augenblicke vor der
unbegreiflichen Majestät Gottes geschehen ist, wird Dir im Ernste
abschnittweise durch ein leibliches Gleichnis gezeigt werden, so daß es Dein
Verstand zu fassen vermag." In diesem Augenblicke erblickte sich Frau
Brigitta in einen schönen und großen Palast entrückt, und sah den Herrn
Jesum Christum auf dem Richterstuhle, wie einen Kaiser, der eine Krone trägt,
sitzen samt einem unendlichen Heere dienender Engel und Heiligen. Neben ihm
stand seine allerwürdigste Mutter und hörte dem Gerichte aufmerksam zu. Es
ward auch eine Seele erblickt, welche in großer Furcht und Zagen vor dem
Richter stand. Sie war nackt, wie ein neugeborenes Kind, und fast gänzlich
blind, so daß sie nichts sah. Im Gewissen aber erkannte sie, was im dem
Palaste gesprochen und verhandelt ward. Ein Engel aber stand zur rechten Seite
des Richters neben der Seele, und ein Teufel zu seiner Linken; aber keiner von
beiden berührte oder griff die Seele an. Endlich rief der Teufel und sprach:
"Höre, Du allmächtigster Richter, ich klage vor Dir gegen ein Weib, das
beides ist, - meine Gebieterin und Deine Mutter, die Du so lieb hast, daß Du
sie mächtig gemacht hast über Himmel und Erde und über uns höllische
Teufel; sie hat ein Unrecht gethan in betreff jener Seele, die hier steht. Der
Gerechtigkeit gemäß hätte ich diese Seele sogleich, nachdem sie aus dem
Körper hinausgegangen war, ergreifen und mit meinen Genossen vor Dein
Gericht stellen sollen. Aber siehe! da ergreift, o gerechter Richter, dieses
Weib, Deine Mutter, jene Seele, ehe sie gleichsam hinausging aus des Menschen
Munde, und trug sie unter ihrem starken Schirme vor Dein Gericht." Darauf
antwortete Maria, Gottes Mutter und Jungfrau, also: "Höre, du Teufel,
meine Antwort an. Als du erschaffen worden warest, verstandest du jene
Gerechtigkeit, die in Gott von Ewigkeit her und ohne Anfang war. Du hast auch
den freien Willen gehabt, zu thun, was dir am besten gefiele, und obwohl du
lieber erwählt hast, Gott zu hassen, denn zu lieben, so erkennst du doch
gleichwohl allezeit, was der Gerechtigkeit entsprechend geschehen muß. Ich
sage dir also, daß es vielmehr mir, als dir zukam, diese Seele Gott
darzustellen. Denn während diese Seele im Leibe war, hatte dieselbe eine
große Liebe zu mir, und hat häufig in ihrem Herzen darüber nachgedacht, wie
mich Gott gewürdigt hat, mich zu seiner Mutter zu machen, und wie er mich
über alles Erschaffene hat erhöhen wollen. Und infolge dessen begann sie
Gott mit solcher Liebe zu umfassen, daß sie in ihrem Herzen also sprach: Ich
freue mich so sehr darüber, daß Gott die Jungfrau Maria, seine Mutter, vor
allem am liebsten hat, daß es kein Geschöpf und keine leibliche Lust in der
Welt giebt, welche ich mit jener Freude vertauschen möchte; ja, ich würde
jene Freude allen irdischen Vergnügungen vorziehen, und wenn es möglich
wäre, daß sie auch nur in einem geringsten Teile von der Würde, in welcher
sie sich befindet, von Gott sich mehr entfernen könnte, so wollte ich lieber
ewig in der Tiefe der Hölle gepeinigt werden, und darum sei Gott für jene
gebenedeite Gnade und unermeßliche Herrlichkeit, welche er seiner
allerwürdigsten Mutter gewährte, unendlicher Dank gesagt und ewige
Herrlichkeit. Wohlan, o Teufel! so siehe denn nun, in welcher
Willensverfassung dieser gestorben ist und sage, was von beiden am
gerechtesten ist, daß seine Seele vor dem Gerichte Gottes in meinen Schutz,
oder daß sie in deine Hände käme, um ruchlos gepeinigt zu werden?" Der
Teufel antwortete: "Es ist nicht meines Rechtes, daß jene Seele in meine
Hände komme, welche dich, bevor das Gericht geschehen, mehr geliebt hat, als
sich. Aber obschon Du nach dem Ausspruche der Gerechtigkeit ihr jene Gnade
bereits vor dem Gerichte erwiesen hast, so wird sie doch nach dem Gerichte
durch ihre Werke in meine Hände zur Bestrafung überliefert werden müssen.
und jetzt frage ich Dich, o Königin, weshalb hast Du uns Teufel alle beim
Ausfahren seiner Seele so aus der Gegenwart in seinem Leibe hinweggetrieben,
daß keiner von uns ihm einigen Schrecken verursachen, noch Furcht einflößen
konnte?" Die Jungfrau Maria antwortete: "Das habe ich um der
feurigen Liebe willen getan, welche er zu meinem Leibe getragen, und für die
Freude, welche er darüber gehabt hat, daß ich die Mutter Gottes bin. Deshalb
habe ich von meinem Sohne die Gnade erlangt, daß kein böser Geist ihm nahen
konnte, wo er immer war, und wo er jetzt ist." Hierauf redete der Teufel
zum Richter und sprach: "Ich weiß, daß Du die Gerechtigkeit und Macht
selber bist, und dem Teufel ebensowenig unrecht thust, als dem Engel. Sprich
also mir diese Seele zu; denn ich habe mit jener Wissenschaft, welche ich
gehabt, als Du mich geschaffen, alle ihre Sünden aufgeschrieben und mit jener
Bosheit, welche in mir war, als ich aus dem Himmel fiel, habe ich auch alle
ihre Sünden verwahrt. Als diese Seele zu dem Alter der Entscheidung gekommen
war, wo sie richtig erkannte, das, was sie thue, Sünde sei, da trieb ihr
eigener Wille sie mehr dazu, in weltlicher Hoffart und fleischlicher Lost zu
leben, als denselben Widerstand zu leisten." Der Engel antwortete:
"Als seine Mutter zuerst erkannte, wie sein Wille zur Sünde sich neige,
kam sie ihm alsbald mit Werken der Barmherzigkeit und mit vielem Gebete zu
Hilfe, daß Gott sich seiner erbarmen möge, und er sich nicht von dort
entferne. Diese Werke seiner Mutter erwarben ihm die Furcht Gottes, so daß
er, so oft er in eine Sünde fiel, sofort dieselbe zu beichten sich
beeilte." Der Teufel antwortete: "Ich muß seine Sünden
erzählen," und als er damit sogleich anfangen wollte, begann er zu
schreien und zu jammern, und sorgfältig in seinem Kopfe und an allen seinen
Gliedern, welche er zu haben schien nachzusuchen, und zitternd und in
höchster Verwirrung rief er: "Wehe mir Elenden! meine lange Mühe ist
umsonst, denn alles, was ich aufgeschrieben habe, sehe ich ausgelöscht und
vernichtet; ich weiß mich der Zeiten, wo er sündigte, ebensowenig zu
erinnern, als der Sünden, die ich aufgeschrieben habe." Der Engel
antwortete: "Das haben die Thränen, die langen Arbeiten und die vielen
Gebete seiner Mutter bewirkt, so daß Gott mit ihren Seufzern Mitleid hatte
und ihrem Sohne die Gnade gewährte, daß er jede begangene Sünde
bereute, und aus Liebe zu Gott eine demütige Beicht ablegte; und deshalb sind
seine Sünden in deinem Gedächtnisse vergessen und ausgelöscht." Der
Teufel antwortete und versicherte, er habe noch einen ganzen Sack voll solcher
Schriften, nach denen der in Rede stehende Ritter sich zwar vorgenommen habe,
für feine Sünden Buße zu thun, es aber später nicht gehalten habe und
deshalb, sagte er, muß ich ihn peinigen, bis er durch seine Strafe genug
gethan hat, weil er es nicht beachtete, während seines Lebens für alle
Sünden Buße zu thun. Der Engel antwortete: "So öffne den Sack und
verlange das Gericht über die Sünden, um derentwillen du ihn peinigen mußt."
Auf diese Worte schrie der Teufel wie unsinnig und sprach: "Ich bin
meiner Macht beraubt; denn es ist mir nicht allein der Sack abgenommen,
sondern auch die Sünden, mit denen er angefüllt war. Dieser Sack, welcher
alle meine Beschuldigungsgründe enthielt, war seine Trägheit, womit er Gutes
zu thun versäumt hat." Der Engel antwortete: "Dich haben die
Thränen seiner Mutter gehindert, und den Sack zerrissen und die Schrift
zerstört, weil ihre Thränen Gott gefallen haben." Der Teufel
antwortete: "Ich habe hier noch etwas vorzubringen, nämlich seine
läßlichen Sünden." Der Engel antwortete: "Er hatte aber den
Willen, sein Vaterland zu verlassen, seinen Gütern, seinen Freunden zu
entsagen, unter vielen Beschwerden die heiligen Stätten zu besuchen und alles
dieses zu thun bereits begonnen, auch sich vorbereitet, um sich der Gnade des
Ablasses würdig zu machen; er hatte auch Verlangen getragen, durch Buße
Gott, seinen Schöpfer, zu versöhnen, darum sind alle jene
Beschuldigungsgründe, welche du, wie du sagst, aufgeschrieben hast,
aufgehoben." Der Teufel antwortete: "Gleichwohl muß ich noch wegen
aller der läßlichen Sünden, welche er begangen hat, und welche durch den
Ablaß mit nichten ausgelöscht sind, auf seiner Strafe bestehen, denn es sind
deren tausendmal Tausend, die alle auf meiner Zunge geschrieben sind."
Der Engel antwortete: "Strecke die Zunge heraus und laß die Schrift
sehen." Unter großem Geheule und Geschrei antwortete der Teufel wie ein
Unsinniger, und sprach: "Wehe mir! nicht ein Wort habe ich zu sagen, denn
mir ist die Zunge an der Wurzel abgeschnitten, samt ihren Kräften." Der
Engel antwortete: "Das hat seine Mutter durch ihre ununterbrochenen
Gebete und ihre Arbeit bewirkt, weil
sie seine Seele mit ganzem Herzen liebte. Darum hat es Gott um ihrer Liebe
willen gefallen, ihm alle seine läßlichen Sünden nachzusehen, die er von
seiner Kindheit an bis zu seinem Tode begangen hat und deshalb ist es wohl
glaublich, daß deine Zunge ihre Kräfte verloren hat." Der Teufel
antwortete: "Noch eines habe ich in meinem Herzen sorgfältig aufbewahrt,
was niemand vertilgen kann; nämlich, daß er manches widerrechtlich erworben
hat, und ohne daran zu denken, es wieder zu erstatten." Der Engel
antwortete: "Dafür hat seine Mutter mit Almosen, Gebet und Werken der
Barmherzigkeit genuggethan, so daß die Strenge der Gerechtigkeit sich zur
milden Barmherzigkeit geneigt und ihm Gott einen vollkommenen Willen gegeben
hat, ohne irgend welche Schonung seiner Güter in allen Stücken nach seinem
Vermögen denen volle Genüge zu thun, denen er etwas widerrechtlich genommen
hatte und diesen Willen hat Gott für die That genommen, weil er nicht länger
leben konnte. Seine Erben müssen daher diese Genugthuung übernehmen, wie sie
können." Der Teufel antwortete: "Wenn ich also keine Macht habe,
ihn für seine Sünden zu strafen, so muß ich ihn doch deshalb züchtigen,
weil er keine guten Werke und Tugenden geübt hat, als er seine vollkommenen
Sinne und die Kräfte eines gesunden Leibes hatte, denn seine Tugenden und
guten Werke sind die Schätze, welche er nach einem solchen Reiche, nämlich
zum Reiche der Herrlichkeit Gottes, hätte mitbringen sollen. Gestatte also,
daß ich durch Pein ersetze, was ihm an tugendhaften Werken abging." Der
Engel antwortete: "Es steht geschrieben, daß dem, der da bittet,
gegeben, dem, der da beharrlich klopft, aufgethan werden wird. Höre also, du
Teufel! Seine Mutter hat mit liebevollen Gebeten und Werken des Mitleids
beharrlich an die Pforte der Barmherzigkeit mehr als dreißig Jahre lang für
ihn geklopft, und viele tausend Thränen dafür vergossen, daß Gott sich
würdigen möge, seinem Herzen den heiligen Geist einzugießen, damit dieser
ihr Sohn seine Güter, seinen Leib und seine Seele zum Dienste Gottes mit
willigem Herzen dargeben möge. So hat es auch Gott gethan, denn dieser Ritter
ist so inbrünstig geworden, daß er zu nichts anderem mehr zu leben
verlangte, als Gottes Willen zu folgen. und siehe! Gott hat nach so langen
Bitten seinen gebenedeiten Geist in sein Herz eingegossen. Die Jungfrau, die
Mutter Gottes, aber hat ihm aus ihrer Kraft alles
gegeben, was ihm an geistlichen Waffen und an Kleidern fehlte, welche jenen
Rittern gebühren, die zum höchsten Kaiser in das Himmelreich eingehen
sollen. Auch die ins Himmelreich versetzten Heiligen, welche dieser Ritter,
solange er in der Welt lebte, lieb gehabt, haben ihm aus ihren Verdiensten
Trost zugewendet. Er selbst hat einen Schatz gesammelt, wie jene Pilger,
welche täglich vergängliche Güter in ewigen Reichtum verwandeln, und weil
er selber also gethan, wird er ewige Freude und Ehre erlangen, namentlich aber
für jenes brennende Verlangen, das er gehabt hat, nach der heiligen Stadt
Jerusalem zu wallfahrten, sowie dafür, daß er inbrünstig begehrt hat, sein
Leben gern im Kampfe daran zu setzen, daß das heilige Land wieder unter die
Herrschaft der Christen zu dem Ende gebracht werden möchte, damit das
herrliche Grab Gottes in schuldiger Verehrung möge gehalten werden, wofern er
anders einem so großen Werke hätte genügen können. Darum, du Teufel, hast
du kein Recht, das durch deine Pein zu ergänzen, was er persönlich nicht
vollbracht hat." Der Teufel antwortete: "Noch besitzt er die Krone
nicht und wenn ich etwas ersinnen könnte, um seine Unvollkommenheit zu
begründen, würde ich es gern thun." Der Engel antwortete: "Es ist
gewiß, daß alle, welche sich selbst den Sieg über die Hölle verschaffen,
indem sie ihre Sünden wahrhaft bereuen, nach dem göttlichen Willen sich
freiwillig richten, und Gott mit ganzem Herzen lieben, Gottes Gnade erlangen
werden, Gott will ihnen aus der Siegeskrone seines gebenedeiten menschlichen
Leibes eine Krone geben, sobald sie nach Recht und Gerechtigkeit rein geworden
sind, und deshalb, o Teufel! kommt es dir am wenigsten zu, an seiner Krone
etwas zu bemakeln." Als der Teufel dieses hörte, schrie er, brüllte
ungeduldig und sprach: "Wehe mir, nun ist mir mein ganzes Gedächtnis
genommen worden; denn nun erinnere ich mich an nichts weiter, worin dieser
Ritter meinem Willen gefolgt ist, und was noch wunderbarer ist, ich habe sogar
den Namen vergessen, womit er in seinem Leben genannt wurde." Der Engel
antwortete: "Wisse, daß er jetzt im Himmel ein Sohn der Zähren genannt
wird." Der Teufel aber schrie laut und antwortete: "So sei verflucht
jene Schweinmutter, ja jenes Schwein seine Mutter, in deren weiten Bauch so
viel Wasser sich ergießen konnte, daß alle Räume ihres Wanstes mit ihren
Thränen angefüllt
worden sind; verflucht sei sie daher von mir und meiner ganzen
Genossenschaft." Der Engel antwortete: "Dein Fluch gereicht Gott zur
Ehre und zum Segen aller seiner Freunde." Alsdann aber redete der Richter
Christus und sprach also: "Hebe dich hinweg, du feindlicher Teufel."
Danach sprach er zur Seele: "Komm Du, o mein Erwählter!" und sofort
entfloh der Teufel. Darauf sprach die Braut, welche dieses sah, und sagte:
"O ewige und unbegreifliche Kraft, Du selber Gott und Herr, Jesus
Christus! Du gießest alle guten Gedanken, Gebete und Thränen in die Herzen.
Du verbirgst Deine gnadenreichen Gaben, und gewährst statt derselben ewiglich
herrlichen Lohn; Ehre sei Dir daher, und Dienst und Danksagung wegen alles
dessen, was Du erschaffen hast. O mein süßester Gott, Du bist mir der
allerteuerste, und mir wahrhaft teurer, als mein Leib und meine Seele."
Darauf redete auch der Engel mit derselben Braut Christi und sprach: "Du
mußt wissen, wie dieses Gesicht Dir nicht nur zu Deinem Troste von Gott
gezeigt worden ist, sondern auch deshalb, damit die Freunde Gottes erkennen
sollen, wie viel er auf seiner Freunde Gebete, Thränen und Arbeiten zu thun
sich herabläßt, wenn sie für andere liebreich bitten, mit Beharrlichkeit
und guten Willen arbeiten. Du sollst ferner wissen, wie dieser Ritter, Dein
Sohn, solche Gnade nicht erlangt hätte, wenn er nicht von Jugend auf den
Willen gehabt hätte, Gott und seine Freunde zu lieben und nach jedem Falle in
die Sünde sich wieder zu erheben."
Diese Offenbarung hatte die Frau Brigitta in der heiligen Stadt Jerusalem, als sie zum ersten Male die Kirche des heiligen Grabes betrat. Darin erklärt Christus den Ablaß und die Gnade, welche gute Pilger in der genannten Kirche haben, wenn sie in rechter Absicht und mit heiligem Vorsatze dahin kommen.
Der Sohn sprach zur Braut: "Als ihr in meine durch mein
Blut geheiligte Kirche eingegangen, seid ihr von all eueren Sünden dergestalt
rein geworden, als wäret ihr eben erst ans dem Quell der Taufe gehoben
worden. Wegen euerer Beschwerden und euerer
Andacht sind euch einige Seelen euerer Verwandten, welche am Reinigungsorte
sich befanden, heute befreit worden und in meine Herrlichkeit im Himmel
eingegangen; denn allen, welche zu dieser meiner Stätte kommen und den
vollkommenen Willen haben, sich nach bestem Gewissen zu bessern und in ihre
früheren Sünden nicht mehr zurückzufallen, werden alle früheren Sünden
gänzlich erlassen und es wird ihnen die Gnade gemehrt, damit sie im Guten
zunehmen."
Folgende Vision schaute die Braut Christi, die Frau Brigitta, zu Jerusalem in der heiligen Grabeskirche, in der Kapelle des Kalvarienberges, am Freitage nach des Herrn Himmelfahrt, wo sie, im Geiste verzückt, das ganze Leiden des Herrn im Ernste erblickte, wie hier weitläufiger enthalten ist.
Als ich mich, bitterlichst weinend, am Kalvarienberge
befand, erblickte ich meinen Herrn nackt und gegeißelt durch die Juden zur
Kreuzigung hinausführen, wobei er sorgfältig von ihnen bewacht ward. Ich sah
dann auch damals eine gewisse, in den Berg gehauene Grube, und ringsum die
Kreuziger zum Werke der Grausamkeit bereit. Der Herr aber wendete sich zu mir
und sprach: Gieb acht, in diesen Felsenspalt ward der Fuß meines Kreuzes in
der Zeit meines Leidens eingesenkt. Und sogleich sah ich, wie daselbst sein
Kreuz von den Juden befestigt und in der Felsenöffnung durch nebenbei
gesteckte und mit dem Hammer stark auf allen Seiten eingetriebene Holzpflöcke
festgemacht wurde, damit das Kreuz sicherer stände und nicht umfallen
möchte. Nachdem das Kreuz auf diese Weise nun einen festen Stand erlangt
hatte, wurden alsbald um den Stamm des Kreuzes ein hölzernes Gerüst nach Art
einer Stiege bis zu der Stelle aufgerichtet, wo seine Füße ans Kreuz
geschlagen werden sollten, damit mittels dieser Stufen sowohl er selbst als
die Kreuziger hinaufsteigen und zum Werke der Kreuzigung einen sicheren Halt
hätten. Darauf aber stiegen sie hinauf und führten ihn über diese Stufen
unter Höhnen und Schelten; er stieg freudig hinauf, wie ein Lamm, das sich
sanftmütig zum Opfern führen läßt und als er auf dem Gerüste stand,
streckte er, nicht gezwungen, sondern freiwillig seine Arme aus, öffnete
seine rechte Hand und legte dieselbe ans Kreuz.
Die grausamen Peiniger schlugen sie unmenschlich ans Kreuz, indem sie einen
Nagel an derselben Stelle hindurchtrieben, wo der Knochen am festesten war.
Alsdann zogen sie mit Gewalt, mittels eines Strickes, die linke Hand an, und
hefteten dieselbe in ähnlicher Weise an das Kreuz. Dann ward der Leib grausam
am Kreuze ausgestreckt, die Schienbeine wurden übereinandergelegt, und so
nagelten sie die beiden Füße zusammen mit zwei Nägeln fest, und zerrten
jene glorwürdigen Glieder am Kreuze auseinander, daß fast alle seine Adern
und Nerven zerrissen. Hierauf setzten sie ihm die Dornenkrone, welche sie ihm
während der Kreuzigung abgenommen, wieder auf, und drückten sie ihm aufs
geheiligte Haupt und so sehr durchstach dieselbe sein ehrwürdiges Haupt, daß
seine Augen alsbald mit herabfließendem Blute angefüllt wurden; auch seine
Ohren wurden davon verstopft, und sein Angesicht und Bart gleichsam bedeckt
und gefärbt mit jenem rosigen Blute. Alsbald nun entfernten die Kreuziger und
Kriegsknechte schnell das ganze Gerüst, das am Kreuze angebracht gewesen war,
und es blieb das Kreuz allein und ragte hoch, und mein Herr hing gekreuzigt
daran. Als ich dann von Schmerz erfüllt solche Grausamkeit erblickte, sah ich
seine Mutter in höchster Trauer am Boden liegen, zitternd und halbtot; es
tröstete sie Johannes und ihre anderen Schwestern, welche nicht weit vom
Kreuze an dessen rechter Seite standen. Dieser neue Schmerz der mitleidenden,
heiligsten Mutter war so durchbohrend für mich, daß ich denselben empfand,
wie wenn mein Herz ein scharfes Schwert von unerträglicher Bitterkeit
durchdränge. Als die schmerzensreiche Mutter endlich sich erhob, blickte sie,
am Leibe fast entseelt, auf ihren Sohn, und stand so, von ihren Schwestern
unterstützt vor Entsetzen ganz außer sich und wie tot, aber lebend, vom
Schwerte des Schmerzes durchbohrt da, und als der Sohn sie und die anderen
Freunde weinen sah, empfahl er sie mit klagender Stimme dem Johannes, und man
bemerkte an seiner Gebärde und Stimme, daß sein Herz durch das Mitleid
seiner Mutter vom scharfen Pfeile eines unermeßlichen Schmerzes durchdrungen
ward; es erschienen seine liebevollen und schönen Augen halbtot, sein Mund
stand offen und war blutig, sein Antlitz war bleich und eingefallen, ganz fahl
und mit Blut gefärbt, sein Leib war ganz bleifarbig und sehr bleich wegen des
beständig rinnenden Blutes, seine Haut und das
jungfräuliche Fleisch seines heiligsten Leibes waren so weich und zart, daß
bei einem leisen Schlage, der darauf geführt ward, auswendig ein blaues
Malzeichen blieb. Zuweilen machte er den Versuch, sich am Kreuze zu strecken,
denn der durchdringende, sehr scharfe Schmerz, den er empfand, war gar zu
bitter und bald stieg der Schmerz von seinen Gliedern und den durchbohrten
Adern zum Herzen hin, und quälte ihn grausam und mit heftiger Qual, und so
ward sein Tod durch schwere Pein und ungeheure Bitterkeit verlängert und
hinausgedehnt. Da nun rief er in der Angst des übergroßen Schmerzes und in
der Beklommenheit, nahe dem Tode schon, mit lauter und klagender Stimme zum
Vater und sprach: O Vater! warum hast Du mich verlassen? Seine Lippen waren
jetzt bleich und die Zunge voll Blut, der Leib war eingesunken und zog sich
gegen den Rücken, als wenn er in sich gar keine Eingeweide hätte, und zum
andern Male rief er in höchster Angst und Schmerz: O Vater! in Deine Hände
befehle ich meinen Geist! und jetzt ein wenig sich aufrichtend, ließ er
alsbald das Haupt sinken und gab so den Geist auf. Als seine Mutter dieses
sah, zitterte sie über und über, und war vor unermeßlicher Bitterkeit im
Begriffe, zur Erde zu sinken, wäre sie nicht von einigen Frauen gestützt
worden. Um diese Zeit zogen sich seine Hände infolge der zu großen Schwere
des Leibes ein wenig von der Stelle zurück, welche die Nägel durchbohrt
hatten und so ward der Leib gleichsam von den Nägeln gehalten, mit denen die
Füße gekreuziget waren. Die Finger, Hände und Arme aber waren jetzt weiter
ausgestreckt, als zuvor; Schultern und Rücken jedoch waren schier an das
Kreuz gedrückt. Nun endlich riefen die umherstehenden Juden höhnisch, und
sagten vielerlei wider seine Mutter. Einige sprachen: Maria! Dein Sohn ist
jetzt tot. Andere aber sprachen andere höhnische Worte; und als die Haufen
also umherstanden, kam einer in höchster Wut herbeigerannt, und stieß ihm
einen Speer so fest und heftig in die rechte Seite, daß der Speer beinahe auf
der andern Seite des Leibes wieder herausgehen wollte; und als er aus dem
Leibe zurückgezogen ward, ging sofort reichlich aus dieser Wunde mit
ungestüm ein Blutstrom hervor, das Eisen der Lanze aber und ein Teil des
Schafts kamen rot und mit Blut gefärbt aus dem Leibe zurück. Maria aber, als
sie diesen erbärmlichen Anblick hatte, zitterte unter vielen Seufzern
so sehr, daß man ihrem Antlitze und ihrer Gebärde wohl ansehen konnte, wie
ihre Seele jetzt von einem scharfen Schwerte des Schmerzes durchbohrt ward.
Nachdem dies erfüllt war, und die zahlreichen Scharen zurückgezogen waren, nahmen einige Freunde desselben den Herrn ab, den nun seine fromme Mutter in ihren heiligsten Armen auffing, und nachdem sie sich gesetzt, gegen ihre Knie lehnte. Er war ganz verwundet, zerrissen und bleich. Seine der tiefsten Trauer hingegebene Mutter trocknete ihm mit ihren Leinen den ganzen Leib und die Wunden, schloß ihm die Augen, küßte dieselben und wickelte ihn in reine Leinwand, zuletzt geleiteten sie ihn mit schweren Klagen und Schmerzen, und legten ihn in das Grab.
Christus beklagt sich gegen die Braut über alle Fürsten der Erde und geistlichen Vorsteher der Kirche darum, daß sie die Schmerzen seines Leidens nicht im Gedächtnisse haben, noch sich derselben erinnern wollen, auch jene heiligen Stätten des gelobten Landes nicht betrachten mögen, und droht ihnen, wenn sie sich nicht bessern.
Danach redete Christus in derselben Stunde mit seiner Braut,
der seligen Brigitta, und sprach: "Das, was Du jetzt gesehen, und
anderes, was ich ausgehalten, beachten die Fürsten der Welt nicht, noch
betrachten sie die Stätten, an denen ich geboren bin und gelitten habe. Sie
sind einem Menschen ähnlich, der einen bestimmten Ort hat, wo sich wilde und
ungezähmte Tiere aufhalten; gegen diese läßt er seine Jagdhunde laufen, und
bat seine Freude am Anblicke des Laufes der Hunde und wilden Tiere. Ganz
ähnlich sehen die Fürsten der Erde und die geistlichen Vorsteher der
Kirchen, ingleichen alle weltlichen Stände begierlicher die Freuden der Welt
an, als meinen Tod und mein Leiden und meine Wunden. Darum will ich ihnen noch
einmal durch Dich meine Worte senden; ändern sie ihre Herzen nicht, und
kehren sie dieselben nicht zu mir, so werden sie mit denjenigen verdammt
werden, welche meine Kleider geteilt, und um mein Gewand das Los geworfen
haben." (Psalm XXII.) ![]()
Es folgt eine der seligen Brigitta zu Famagusta gewordene Offenbarung.
Der Sohn Gottes sprach: "Diese Stadt ist ein Gomorrha, und brennt im Feuer der Unzucht, des Überflusses und des Ehrgeizes. Darum werden ihre Gebäude einstürzen; sie wird zerstört und verwüstet werden, ihre Einwohner werden auswandern und vor Schmerz und Trübsal seufzen, und sie werden abnehmen, und ihre Schande wird in vielen Ländern namhaft werden, weil ich ihnen zürne."
Von dem Herzoge, der Mitwisser des Mordes seines Bruders war, sprach Christus: "Dieser macht sich keck mit seiner Hoffart breit, rühmt sich seiner Unenthaltsamkeit, und beachtet nicht, was er wider seinen Nächsten gethan hat; will er sich nicht demütigen, so werde ich mit ihm nach dem gemeinen Sprichworte thun: Wer zuletzt weint, weint nicht leichter, als wer zuvor weint, denn er wird keinen leichteren Tod haben, als sein Bruder, sondern wenn er sich nicht bessern wird, wird sein Tod noch schlimmer sein."
Von dem Beichtvater des Herzogs sprach Christus: "Was hat Dir jener Bruder gesagt? Nicht wahr, daß der Herzog gut ist und nicht besser leben kann, und dabei hat er seine Unenthaltsamkeit entschuldigt? Solche Leute sind keine Beichtväter, sondern Betrüger; sie gehen einher wie einfältige Schafe, aber mit mehr Wahrheit sind sie Füchse und Schmeichler; solche sind jene vorsichtigen Freunde, welche um eines geringen zeitlichen Gutes willen die einen aufnehmen, die anderen verwerfen. Wenn daher dieser Bruder im Konvente geblieben wäre, hätte er weniger gesündigt und eine mindere Strafe und eine größere Krone erhalten, nun aber wird er der Hand dessen nicht entgehen, der ihn strafen und heimsuchen wird."
Einige rieten der Frau Brigitta, die Kleider zu ändern, und
der Saracenen halber das Gesicht zu bräunen. Christus aber sprach: "Was
hat man Dir geraten? Nicht wahr, die Kleider zu ändern, und das Gesicht zu
bräunen? Soll denn ich, Gott, der ich Dir befehle, wie einer sein, der das
Zukünftige nicht weiß, oder wie ein Ohnmächtiger, der alles fürchtet? Mit
nichten. Ich bin die Weis-
heit, die Macht selber, weiß alles voraus und vermag alles. Beobachtet
deshalb die gewöhnliche Weise in euerer Kleidung und mit euerem Angesichte,
und stellt mir eueren Willen anheim; denn ich, der ich Sarah aus den Händen
derer, die sie gefangen hielten (Genesis XX.), errettet habe, werde auch euch
zu Meer und Land erhalten, und für euch sorgen, wie es euch am besten
frommt."
Über den Bischof Alfonso sprach die Mutter: "Mein Freund soll Dich lieben als eine Mutter, als eine Frau, als eine Tochter und als eine Schwester. Wie eine Mutter wegen des Alters und der Ratschläge, die er begehren soll; wie eine gebietende Frau wegen der Gnade, die Dir Gott gewährt, der durch Dich die Geheimnisse seiner Weisheit offenbart hat; wie eine Tochter, daß er Dich ehre und tröste, und für das sorge, was Dir am nützlichsten ist; wie eine Schwester, indem er Dich zu gelegener Zeit straft, Dich ermahnt und antreibt zu dem, was vollkommener ist in Worten und Beispielen. Ferner sage ihm: Er solle sein wie einer, der die besten Blumen besitzt; diese sind meine Worte, welche für die, welche sie verstehen, süßer sind, denn Honig, schärfer und durchdringender, als Pfeile, annehmbarer, als jedes Geschenk. Wer sie besitzt, muß sie vor Wind, Regen und Hitze bewahren: vor dem Winde der weltlichen Rede, vor dem Regen fleischlicher Lüste, vor der Hitze weltlicher Gunst; wer sich solcher Dinge rühmt, macht die Blumen verächatlich und zeigt sich unwürdig ihres Besitzes."
Über die Königin von Cypern sprach der Sohn: "Rate
der Königin, sie solle nicht in ihr Vaterland wiederkehren, weil ihr das
nicht frommt; sie soll vielmehr an dem Orte bleiben, wo sie hingestellt
worden, und Gott mit ganzem Herzen dienen. Zweitens soll sie nicht wieder
heiraten und den zweiten Mann nehmen, weil es Gott angenehmer ist, das
Vergangene zu beweinen und durch Reue die unnütz vergeudete Zeit zu ersetzen.
Drittens rate, daß sie ihre Unterthanen zu gegenseitiger Eintracht und Liebe
anleite, und daran arbeite, daß die guten Sitten und die Gerechtigkeit
löblich erhalten, auch das Gemeinwesen durch ungewohnte Lasten nicht
beschwert werde. Viertens, daß sie das an ihrem Gemahle verübte Böse um
Gottes willen vergesse, und sich nicht zur Rache entzünden lasse, weil ich
Richter bin und das Gericht für sie übernehmen werde. Fünftens, daß sie
ihren Sohn mit göttlicher Liebe auferziehe,
ihm gerechte Räte gebe, die frei sind von Geiz, züchtige, eingezogene und
weise Freunde bestelle, von denen er lernen maß, Gott zu fürchten, gerecht
zu regieren, sich der Elenden zu erbarmen, die Gleißner und Schmeichler wie
Gift zu fliehen, den Rat der Gerechten, ingleichen der Armen und verachteten
Demütigen zu suchen. Sechstens soll sie den abscheulichen Brauch der Weiber,
enge Kleider zu tragen, die Brüste zu entblößen und der Salben und anderer
Eitelkeiten sich zu bedienen, abstellen, weil dieses Gott ganz verhaßt ist.
Siebtens soll sie einen Beichtvater haben, welcher die Welt verläßt und die
Seelen mehr liebt, als die Geschenke, welcher den Sünden nicht nachsieht,
noch sich fürchtet, dieselben zu strafen; auch soll sie ihm in den Stücken,
welche zum Heile ihrer Seele gereichen, gehorchen wie Gott. Achtens soll sie
auf das Leben heiliger Königinnen und Frauen achtgeben, und forschen und
arbeiten, wie Gottes Ehre vermehrt werden möge. Neuntens soll sie vernünftig
sein im Geben, keine Schulden machen und das Lob der Menschen fliehen, denn
wenig oder gar nichts geben, ist Gott angenehmer, als Schulden machen und den
Nächsten betrügen."
Über die Krönung des neuen Königs sprach der Sohn Gottes
also: "Es ist eine große Bürde, König zu sein, und eine große Ehre,
aber auch mit sehr großer Frucht verbunden. Darum geziemt es sich, daß der
König reif, erfahren, vorsichtig, gerecht, arbeitsam sei; daß er lieber den
Nutzen des Nächsten schaffe, als seinem eigenen Willen folge; daher wurden
vor Zeiten die Reiche wohl regiert, wenn ein solcher zum Könige erwählt
ward, welcher zu einem gerechten Regimente die Wissenschaft, den Willen und
die Macht hatte. Jetzt giebt es keine solchen Reiche mehr; ihre Herrscher sind
Kinder und aus Thorheit und Raub sind sie zusammengesetzt. Wie ein Räuber
Weise und Zeit erforscht, wie er nachstelle, um Gewinn zu erlangen, ohne
bemerkt zu werden, so suchen jetzt die Könige nach neuen Erfindungen, wie ihr
Geschlecht in die Höhe komme, wie ihr Beutel gespickt werde, wie sie die
Unterthanen schlau beschweren können. Die Gerechtigkeit gilt ihnen etwas,
sobald sie zeitliche Güter erwerben können, aber sie lieben dieselbe nicht,
um die ewige Belohnung zu erhalten. Deshalb hat der Weise mit Recht
gesprochen: Weh dem Reiche, dessen König ein Kind ist (Ekkle. X.), welcher
ein verzärtelndes Leben führt, verzärtelnde
Schmeichler hat, und sich um den Fortschritt des Gemeinwesens nicht kümmert.
Weil aber dieser Knabe die Ungerechtigkeit seines Vaters nicht büßen wird,
deshalb soll er, wofern er vorwärtskommen und die Würde des königlichen
Namens ausfüllen will, meinen Worten gehorchen, welche ich wegen Cyperns
vorherverkündigte, und nicht dem Wandel seiner Vorgänger folgen; er soll die
Leichtfertigkeiten des Knaben ablegen, den königlichen Weg einschlagen und
solche Räte wählen, welche Furcht haben und nicht seine Gaben mehr lieben,
denn seine Seele und seine Ehre, die da hassen die Schmeichelreden und sich
nicht fürchten, die Wahrheit zu sagen, sie zu befolgen und die Übertreter zu
strafen. Außerdem wird sich weder der Knabe des Volkes, noch das Volk seines
Erwählten freuen."
Als die Frau Brigitta zu Jerusalem war und im Zweifel stand, ob sie im Kloster der Minoriten auf dem Berge Sion ober im Hospitale der Pilger in Jerusalem bleiben solle, erschien ihr, während sie betete, die Jungfrau Maria und srach zu ihr, sie solle anderen zum guten Beispiele im Hospitale bleiben.
Die Mutter sprach: "An diesem Orte, auf dem Berge Sion,
sind zwei Arten von Menschen. Einige lieben Gott von ganzem Harzen, andere
wollen zwar Gott haben, allein die Welt ist ihnen süßer, als Gott; und
darum, damit die Guten nicht geärgert werden, auch den Lauen kein Anlaß, und
den Nachkommen ein Beispiel möge gegeben werden, ist es besser, an dem für
die Pilger bestimmten Orte zu bleiben, denn mein Sohn wird Euch mit allem
versorgen, wie es ihm gefällt." ![]()
Die Frau Brigitta ward im Königreiche Cypern von der Frau Eleonora, der Königin des gedachten Reiches, gebeten, sie wolle zu Gott für ihren Sohn und für das Königreich beten. Sie ging dann hinüber nach Jerusalem. Als sie hier eines Tages im Gebete war, erschien ihr Christus und gab ihr folgende Ratschläge, welche sie an den gedachten König und an seinen Vetter, den Fürsten von Antiochien, schreiben sollte. Auch gebot er ihr, sie solle wie von ihr selbst, nicht von seiten Christi kommend schreiben.
Die Braut schreibt an den König von Cypern und den Fürsten
von Antiochien. "Der erste Rat ist, daß jeder von euch vor seinem
Beichtvater eine aufrichtige und vollständige Beicht über alles verrichte,
das er wider Gottes Willen gethan, und daß ihr sodann den gebenedeiten Leib
unseres Herrn Jesu Christi in der Furcht und Liebe Gottes empfanget. Der
zweite Rat ist, daß ihr beide in wahrer Liebe vereint seid, so daß ihr Ein
Herz seid für Gott und seine Ehre und daß ihr euer Reich beherrschet zur
Ehre Gottes und euerer Untergebenen Nutzen. Der dritte Rat ist, daß ihr beide
in wahrer Liebe auch mit eueren Unterthanen vereinigt sein sollt, und
Verzeihung und Schonung allein um des Leidens und Todes Jesu Christi willen
gegen alle übt, die mit Rat und That oder durch Begünstigung bei dem Tode
eueres Vaters, des Königs Peter, Beistand geleistet haben, und daß ihr
dieselben mit ganzem Herzen in euere Liebe zu dem Ende aufnehmt, daß Gott
euch würdig achten möge, euch in seine Barmherzigkeit aufzunehmen, und daß
er selbst euch zur Regierung des Königreiches zu seiner Ehre stärken möge.
Der vierte Rat ist, daß, weil euch die göttliche Vorsehung hingestellt hat
als Lenker des Reiches, ihr alle mögliche Sorgfalt anwenden sollt in eueren
Unterredungen und Beratungen, die ihr mit liebender Gesinnung und wirksam mit
allen Prälaten, sowohl der Kirchen als der Orden, pflegen sollet, daß sie
selber alle und ihre Unterthanen sich in allen Stücken bessern wollen, in
denen sie sich von dem heiligen Stande der früheren heiligen Väter, ihrer
Vorgänger, auf mannigfaltige Art, geistlicher- oder weltlicherweise entfernt
haben, und daß sie durch
reines Leben schnell in den früheren Stand ihrer Vorgänger sich
zurückversetzen; denn so werden nicht nur sie selber, sondern auch ihre
Untergebenen vollkommener gebessert werden, die Freundschaft Gottes erlangen
und würdig werden, daß Gott sich herablasse, den Zustand der allgemeinen
Kirche in der Heiligkeit der Tugenden barmherziglich zu erneuern. Der fünfte
Rat ist, daß ihr um der großen Liebe willen, womit Gott euere Seelen geliebt
hat, die Seelen euerer Untergebenen lieben und euerem Kriegsvolke den Rat
geben wollt, daß alle, welche in etwas Gott beleidigten, sich bald und
demütig bessern, und daß alle, die unter dem Gehorsam der römischen Kirche
stehen und zu den Jahren der Unterscheidung gelangt sind, demütig beichten,
sich mit den Nächsten, welche sie beleidigt hatten, aussöhnen und Eintracht
stiften, und wenn sie sich gebessert haben, den ehrwürdigen Leib Christi
empfangen. Nach allem dem sollen sie ein katholisches Leben führen, indem sie
treulich leben entweder im Ehestande, oder im Witwenstande, oder auch im
löblichen Stande der Jungfräulichkeit, auch alles dasjenige beobachten, was
die heilige Kirche vorschreibt, und Freunde, Hausgenossen und alle anderen,
bei welchen sie es vermögen, durch ihr gutes Vorbild, durch Worte und Werke
herzlicher Liebe dazu anleiten, ebenso zu handeln, endlich zu gelegener Zeit
mit ihren guten Ermahnungen sie stärken, denn ihr sollt auch auf das
gewisseste überzeugt sein, daß alle, welche in diesen Stücken nicht
gehorchen wollen, an Leib und Seele Schaden nehmen werden. - Der sechste Rat
ist, daß ihr euch mit allen Prälaten besprecht, sie sollen selber
nachdrücklich und häufig alle ihre Geistlichen, namentlich die Pfarrer
ermahnen, daß ein jeder von ihnen in seiner Pfarrei fleißig forsche, ob es
unter seinen Eingepfarrten welche giebt, die bei einem schamlosen Lebenswandel
in öffentlichen Sünden, in der Beleidigung Gottes, der Verachtung der
heiligen Mutterkirche beharren; und alle solche, die in ihren öffentlichen
Sünden schamlos lebend befunden werden, sollen sie mit Nachdruck ermahnen,
daß sie sich vor der Gefahr ihrer Seelen hüten, und sollen ihnen auch solche
Weisen und geistliche Mittel an die Hand geben, durch welche sie sich demütig
und pflichtschuldig zu bessern imstande sind. Sollten aber einige dieser
öffentlichen Sünder nicht demütig gehorchen wollen, dann sollen ihre
Seelsorger nicht zögern, es ihren Oberen und
Bischöfen zu melden, damit ihre verwegene Hartnäckigkeit durch die Prälaten
mit der Kirchenstrafe nach Gerechtigkeit unterdrückt und geahndet werde, und
wären die vorgedachten Bischöfe und Prälaten nicht imstande, dieselben
wegen ihrer Halsstarrigkeit und Hoffart, oder wegen ihrer weltlichen Macht
durch Strafe zu bessern, so wird euch, meine Herren, geraten, daß ihr mit
euerer mächtigen Hand den genannten Prälaten Beistand leistet, damit durch
euere bereitwillige Hilfe jene Sünder bewogen werden, sich zu bessern, und
gebessert die Barmherzigkeit Gottes erlangen."
Eine der Frau Brigitta in der heiligen Stadt Jerusalem zu teil gewordene Offenbarung in Bezug aus das Königreich Cypern und dessen Erneuerung, welche sie selber dem Herrn Könige und dem Prinzen von Antiochien übersandte, um dieselbe im ganzen Reiche zu verkündigen. Weil aber der gedachte Fürst dieser Offenbarung keinen vollkommenen Glauben beimaß, hat Frau Brigitta auf der Heimkehr von Jerusalem dieselbe in der Stadt Famagusta, am 8. Oktober, in Gegenwart des genannten Herrn Königs, der Königin, des gedachten Fürsten von Antiochien und des ganzen königlichen Rates verkündigt.
Es begegnete einer Person, welche wachend und im Gebete
begriffen war und während der Betrachtung in Verzückung geriet, daß sie
sich im Geiste in einen Palast von unbegreiflicher Größe und
unaussprechlicher Schönheit entrückt sah. Sie sah Jesum Christum unter
seinen Heiligen voll Majestät auf einem kaiserlichen Throne sitzen. Derselbe
öffnete seinen gebenedeiten Mund und sprach die nachfolgend
niedergeschriebenen Worte: "Ich bin in Wahrheit die höchste Liebe
selber; denn alles, was ich von Ewigkeit her gethan habe, habe ich aus Liebe
gethan, und auf ähnliche Weise geht alles, was ich thue und in der Zukunft
thun werde, gänzlich aus meiner Liebe hervor. Die Liebe ist jetzt eben so
unbgreiflich und stark in mir, als sie in der Zeit meines Leidens gewesen ist,
da ich durch meinen Tod aus übergroßer Liebe aus der Hölle alle
Auserwählten erlöst, welche dieser Erlösung und Befreiung würdig waren,
und wenn es noch möglich wäre, daß ich so oft stürbe, als
Seelen in der Hölle sind, so daß ich für eine jede derselben wieder einen
solchen Tod litte, wie ich damals für alle erlitten, so würde mein Leib noch
jetzt bereit sein, das alles mit gutem Willen und vollkommenster Liebe zu
erdulden. Wie es aber unmöglich ist, daß mein Leib wieder sterben oder
irgend einige Pein oder Trübsal leiden könnte, ebenso ist es auch
unmöglich, daß eine Seele, welche nach meinem Tode zur Hölle verdammt ist
oder verdammt werden wird, jemals daraus wieder befreit werden und die
himmlische Freude genießen wird, die meine Heiligen und Auserwählten im
herrlichen Anschauen meines Leibes genießen; sondern sie wird im ewigen Tode
Höllenstrafen empfinden, weil sie die Wohlthat meines Todes und Leidens nicht
hat genießen, noch meinem Willen folgen wollen, solange sie in der Welt
lebte. Weil übrigens über die mir widerfahrenen Beleidigungen kein anderer
Richter ist, als ich selbst, und deshalb meine Liebe, die ich den Menschen
gezeigt habe, sich bei meiner Gerechtigkeit beklagt, so steht meiner
Gerechtigkeit zu, darüber nach meinem Willen zu richten. Jetzt beklage ich
mich über die Einwohner des Königreiches Cypern, als wären sie rniteinander
Ein Mensch. Nicht über meine daselbst wohnenden Freunde, welche mich von
ganzem Herzen lieben und in allen Stücken meinem Willen folgen, beklage ich
mich, sondern über diejenigen beklage ich mich und rede sie alle wie Eine
Person an, die mich verachten, meinem Willen immer entgegen sind und mir am
meisten widerstreben, und deshalb hebe ich jetzt an, mit ihnen zu reden, wie
mit Einem. O du Volk Cyperns, mein Feind, höre und gieb fleißig acht auf
das, was ich dir sage. Ich habe dich geliebt, wie ein Vater seinen einzigen
Sohn, den er zu aller Ehre erhöhen will. Ich habe dir ein Land beschieden, in
welchem du überflüssig alle Bedürfnisse zur Unterhaltung deines Leibes
haben könntest. Ich habe dir die Wärme und das Licht des heiligen Geistes
gesendet, damit du den rechten christlichen Glauben erkennen möchtest, zu dem
du dich getreulich verpflichtet, sowie den heiligen Satzungen und dem
Gehorsame gegen die heilige Kirche demütig unterworfen hast. Ich habe dich
auch an einen Ort gesetzt, der einem getreun Diener wohl anstehen möchte,
nämlich unter meine Feinde, damit du für deine irdische Arbeit und die
leibliche Mühe deiner Kämpfe in meinem Königreiche eine köstlichere Krone
erhalten möchtest. Ich habe
dich auch lange in meinem Herzen getragen, d. h. in der Liebe meiner Gottheit,
und dich wie meinen Augapfel in allen deinen Widerwärtigkeiten und Trübsalen
bewacht. Und solange du meine Gebote gehalten und den Gehorsam und die
Satzungen der heiligen Kirche getreu beobachtet hast, sind fürwahr zahllose
Seelen des Reiches Cypern in mein Himmelreich gekommen, welche mit mir die
ewige Herrlichkeit unaufhörlich genießen werden. Weil du aber nun deinen
eigenen Willen und alles thust, was dein Herz gelüstet, ohne mich, der ich
dein Richter bin, zu fürchten, ohne mich zu lieben, der ich dein Schöpfer
bin, der ich dich auch durch meinen gar harten Tod erkauft habe, weil du mich
wie Kot und Unrat aus deinem Munde ausgeworfen hast, weil du mich von dort
hinausgeworfen hast wie einen Dieb und Räuber, während du den Teufel
zugleich mit deiner Seele in die Kammer deines Herzens eingeschlossen hast,
und weil du dich ebensowenig vor meinem Angesichte zu sündigen schämst, wie
unvernünftige Tiere, wenn sie einander beiwohnen; deshalb erfordert es die
würdige Gerechtigkeit und das gerechte Urteil, daß du von meinen Freunden
aus dem Himmel vertrieben und auf immer in die Hölle mitten unter meine
Feinde versetzt wirst. Zweifellos sollst du wissen, daß mein Vater, der in
mir ist, wie ich in ihm bin, und der heilige Geist in uns beiden, selber mir
Zeugen sind, daß nie etwas anderes, als Wahrheit aus meinem Munde gegangen
ist; darum wisse fürwahr, daß, wer so beschaffen ist, wie du es jetzt bist,
und sich nicht bessern mag, dessen Seele denselben Weg nehmen wird, den
Luzifer wegen seines Hochmutes ging, ingleichen Judas, welcher mich verkauft
hat wegen seiner Habsucht, und Zambri, welchen Phinees wegen seiner Unzucht,
da er sich wider mein Gebet mit einem Weibe versündigte, getötet hat, und
dessen Seele nach seinem Tode zur Hölle verdammt wurde. Deshalb, o Volk von
Cypern, verkündige ich dir, daß, wofern du dich nicht bekehren und bessern
wirst, ich dein Geschlecht und deine Nachkommenschaft im Reiche Cypern
dergestalt vertilge, daß ich weder des Armen, noch des Reichen verschonen
werde; denn also werde ich dein Geschlecht vertilgen, daß binnen kurzem dein
Gedächtnis aus den Herzen der Menschen dergestalt verschwinden soll, als wenn
ihr nie in der Welt geboren wäret. Nachher aber beliebt es mir, neue Bäume
in diesem Reiche Cypren anzupflanzen,
welche meine Gebote erfüllen und mich von ganzem Herzen lieben werden; doch
für gewiß sollet ihr wissen, daß ich einem jeden von euch, der sich bessern
und bekehren und zu mir mit Demut sich zurückwenden will, freudig
entgegenkommen werde, wie ein liebreicher Hirt, daß ich ihn auf meine
Schultern nehmen und selber zu meinen Schafen zurücktragen werde. Auf meinen
Schultern, sage ich, worunter ich die Wohlthat meines Leidens und Todes, den
ich mit meinem Leibe und auf meinen Schultern ausgehalten habe, verstehe,
deren jeder teilhaftig werden und bei mir im Himmelreiche ewigen Trost
genießen wird, der sich bessert. Ihr zwar, die ihr als meine Feinde in diesem
gedachten Reiche wohnet, sollet wissen, daß ihr nicht würdig waret, ein
solches Gesicht meiner göttlichen Offenbarung zu erhalten, aber einige meiner
Freunde, die in diesem Reiche leben, mir getreulich dienen und mich von ganzem
Herzen lieben, haben mich durch ihre Arbeiten, ihre Bitten und Thränen dazu
bewogen, euch durch diese gegenwärtige Offenbarung die schwere Gefahr euerer
Seelen bekannt zu machen; denn einigen meiner gedachten Freunde ist von mir
auf göttliche Weise gezeigt worden, wie zahllose Seelen aus dem erwähnten
Königreiche Cypern von der himmlischen Herrlichkeit ausgeschlossen und für
ewig zum höllischen Tode verdammt werden.
Die eben gemeldeten Worte rede ich zu den lateinischen
Christen, welche dem Gehorsam der lateinischen Kirche unterworfen sind und mir
in der Taufe den rechten katholischen Glauben gelobten, aber durch mir
widerwärtige Werke gänzlich von mir gewichen sind. Die Griechen aber, welche
wissen, daß alle Christen nur den Einen katholischen Glauben festhalten und
nur Einer Kirche, nämlich der römischen, unterthan sein müssen, und auch
nur einen einzigen allgemeinen Statthalter Christi in der Welt, nämlich den
römischen Papst, als geistlichen Hirten über sich haben sollen, sich aber
gleichwohl aus hartnäckigem Hochmute, aus Begierlichkeit, aus Mutwillen des
Fleisches, oder wegen irgend einer anderen weltlichen Sache weder dieser
römischen Kirche, noch meinem Statthalter geistlicherweise unterwerfen, noch
demütig unterstellen wollen, sind unwürdig, nach dem Tode von mir Verzeihung
oder Barmherzigkeit zu erhalten. Den anderen Griechen aber, welche zwar das
Verlangen haben, den römisch-katholischen Glauben zu umfassen,
aber nicht imstande sind, denselben kennen zu lernen, jedoch wenn sie
denselben kennen würden, den Willen haben, ihn andächtig und gern
anzunehmen, sich der römischen Kirche demütig zu unterwerfen und nach ihrem
Gewissen in dem Stande und Glauben, worin sie sich befinden, des Sündigens
enthalten und fromm leben, - allen diesen gebührt nach ihrem Tode in ihren
Peinen meine Barmherzigkeit, wenn sie vor mein Gericht gerufen werden. Die
Griechen mögen auch wissen, daß ihr Kaisertum, ihre Reiche, ihre Herrschaft
nimmer sicher, noch in ruhigem Frieden, sondern stets ihren Feinden
unterworfen sein werden, daß sie von diesen immer schwere Beschädigungen und
langwieriges Elend zu erwarten haben, bis sie mit wahrer Demut und Liebe der
Kirche und dem römischen Glauben sich andächtig unterworfen, auch mit dessen
heiligen Satzungen und Gebräuchen sich ganz in Übereinstimmung gesetzt haben
werden."
Nachdem Vorstehendes im Geiste also gesehen und vernommen worden war, entschwand das gedachte Gesicht, und die gedachte Person verblieb mit nicht geringem Schrecken und mit Verwunderung im Gebete verzückt.
Im Königreiche Cypern bat ein Minoritenbruder die Frau Brigitta, daß sie ihm raten möge, was er bei einigen Zweifeln seines Gewissens thun müsse, namentlich in Haltung der Regel seines Ordens. Als nun die Frau eines Tages in der heiligen Stadt Jerusalem sich für gedachten Bruder im Gebete befand, erschien ihr Christus und redete sie an, sprach auch vieles mit ihr vom Orden der Minoriten, und bedrohte am Ende alle Ordensgeistlichen, welche Eigentum haben, mit dem ewigen Tode.
"Unendlicher Dank, demütiger Dienst, Preis und Ehre
sei Gott in seiner Macht und ewigen Majestät, welcher ein einiger Gott in
drei Personen ist, dessen unermeßlicher Güte es gefiel, daß seine
allerwürdigste Menschheit mit einer Person redete, welche im Gebete begriffen
war, und also zu ihr sprach: Höre Du, der es gegeben worden, geistlich zu
hören und zu sehen, und behalte fleißig diese meine Worte in Deinem
Gedächtnisse. Es war ein Mensch, Franziskus mit Namen; als sich derselbe von
weltlicher Hoffart
und Begierlichkeit und von des Fleisches lasterhafter Ergötzlichkeit zum
geistlichen Leben der Reue und Vollkommenheit hingewendet hatte, erhielt er
die Gnade wahrer Reue aller seiner Sünden, und den vollkommenen Willen, sich
zu bessern, wobei er sprach: Es ist in dieser Welt nichts, das ich nicht für
die Liebe und Ehre meines Herrn Jesu Christi gern fahren lassen möchte,
nichts ist auch so hart in diesem Leben, das ich nicht voll Freuden um seiner
Liebe willen leiden möchte, indem ich zu seiner Ehre, nach den Kräften
meines Leibes und meiner Seele, alles thun möchte, was ich kann, auch alle
anderen, bei denen ich es vermag, dazu anleiten und darin bestärken will,
daß sie Gott über alles von ganzem Herzen lieben. Die Regel dieses
Franziskus, die er selber angefangen, ist nicht von seinem menschlichen
Verstande oder seiner Klugheit angegeben und zusammengesetzt worden, sondern
von mir nach meinem Willen; jedes Wort, das darin geschrieben steht, ist ihm
von meinem Geiste eingegeben, und danach hat er anderen die Regel überbracht
und dargereicht. So sind auch alle anderen Regeln, welche meine Freunde
begonnen, und selber persönlich gehalten und beobachtet, auch anderen
erfolgreich gelehrt und dargereicht haben, nicht von ihrem eigenen Verstande
und menschlicher Weisheit, sondern aus Eingebung desselben heiligen Geistes
festgestellt worden. Die Brüder dieses Franziskus, welche die Minderen
genannt werden, haben jene seine Regel jahrelang gehalten, und ganz nach
meinem Willen sehr geistlich und andächtig wohl beobachtet, worüber der
Teufel, jener alte Feind, großen Neid und Zorn hatte, mit er die gedachten
Brüder mit seinen Versuchungen und Ränken zu überwinden außer stande war.
Er suchte deshalb fleißig, einen Menschen zu finden, in welchem er seinen
bösen Geist mit des Menschen Willen vermischen möchte. Endlich fand er einen
Geistlichen, welcher bei sich also dachte: Ich möchte gern in einem Stande
sein, wo ich die Ehren der Welt und das Wohlbehagen meines Leibes haben und so
viel Geld zusammenhäufen könnte, daß mir nichts von allem, nicht bloß das
Notwendige, sondern auch das Ergötzliche abginge; ich will also in den Orden
des Franziskus eintreten und mich sehr demütig und gehorsam stellen. Und in
dieser Absicht und mit diesem Willen trat dieser Geistliche in den erwähnten
Orden; sogleich aber fuhr der Teufel in sein Herz, indem er bei sich folgende
Betrachtung anstellte: Wie Franziskus
mit seinem demütigen Gehorsame viele der Welt entziehen will, um große
Belohnungen im Himmel zu empfangen, so wird dieser mein Bruder, welcher
deshalb Widersacher heißen wird, weil er ein Gegner der Regel Francisci sein
wird, viele vom Orden des Franziskus aus der Demut zur Hoffart, aus
vernünftiger Armut zur Begierlichkeit, aus wahrem Gehorsame zur
Eigenmächtigkeit des Willens und zur Befriedigung der Sinnenlust hinreißen.
Und in solcher Eingebung des Teufels begann der vorgedachte Bruder
Widersacher, als er in den Franziskanerorden getreten war, bei sich zu denken:
Ich will mich äußerlich so demütig und so gehorsam zeigen, daß alle mich
für einen Heiligen halten werden; wenn aber die anderen Brüder fasten und
Stillschweigen halten, dann will ich mit meinen besonderen Freunden das
Gegenteil thun, und in solcher Heimlichkeit essen, trinken und mich
unterhalten, daß keiner der anderen etwas davon weiß oder merkt. Wohl darf
ich nach meiner Regel erlaubterweise kein Geld berühren, und weder Gold noch
Silber besitzen; und deshalb will ich einen besonderen Freund haben, daß er
mein Geld und mein Gold für mich verborgen bei sich habe, und ich mich
desselben nach meinem Willen bedienen möge. Ich will auch die freien Künste
und die Wissenschaft deshalb lernen, damit ich mir dadurch Ehren und Würden
im Orden erwerbe, ,wodurch ich mir Pferde, silberne Gefäße, schöne Kleider
und kostbaren Schmuck halten werde, und wenn man mich deshalb strafen will,
werde ich antworten, daß ich solches um der Ehre meines Ordens willen thue.
Könnte ich dann auch noch so viel ausrichten, daß ich ein Bischof würde,
dann würde ich wahrlich glücklich und selig wegen eines solchen Lebens sein,
weil ich dann in meiner Freiheit wäre und meinem Leibe alle Ergötzlichkeit
verschaffen könnte. Nun aber höre, was der Teufel im bemeldeten Orden des
Franziskus gethan hat. Es ist leider eine Wahrheit, daß jene Brüder in der
Welt, welche entweder im Werke, oder mit Willen und Verlangen die Regel
befolgen, welche der Teufel dem Bruder Widersacher eingab, jene Brüder an
Zahl übertreffen, welche die Regel befolgen, die ich selber den Bruder
Franziskus gelehrt habe. Obwohl nun die Brüder des Franziskus und des Bruders
Widersacher, solange dieselben aus Erden leben, vermischt sind, so werde ich
dieselben doch nach dem Tode sondern, weil ich ihr Richter bin; den Brüdern
der
Regel des heiligen Franziskus will ich zuerkennen, daß sie bei mir zugleich
mit Franziskus in ewiger Freude bleiben sollen, die aber der Regel des Bruders
Widersacher folgen, werden zu ewigen Strafen in der Tiefe der Hölle
verurteilt, wenn sie sich vor dem Tode nicht belehren und demütig bessern
wollen. Hierüber soll man sich auch nicht wundern, weil diejenigen, welche
den Weltmenschen Vorbilder der Demut und Heiligkeit sein sollten, ihnen
vielmehr verächtliche und schandbare Beispiele der Begierlichkeit und Hoffart
geben. Wollten auch diese Brüder oder überhaupt alle jene Ordensbrüder,
welchen ihre Regel Eigentum zu haben verbietet, mich mit dem, was sie
widerrechtlich besitzen, dadurch versöhnen, daß sie mir einen Teil davon
zuwenden, so sollen sie wissen, daß solche Gaben mir abscheulich und verhaßt
und einer Belohnung durchaus unwürdig sind. Es gefällt mir besser, wenn sie
die selige Armut, welche sie gelobt haben, nach ihren Regeln fleißig
beobachten, als wenn sie alles Gold und Silber und auch alle Metalle, welche
in der Welt sind, mir darbrächten. Wisse auch Du, die Du meine Worte hörst,
wie es Dir nicht erlaubt gewesen sein würde, die ebengedachte Vision zu
erfahren, wenn es nicht um eines guten Dieners willen gewesen sein würde,
welcher mich vom ganzen Herzen für jenen Minoritenbruder aufrichtig gebeten
hat, und das Verlangen aussprach, daß demselben Bruder einige nützliche
Ratschläge aus göttlicher Liebe für seine Seele gegeben werden
möchten." Nachdem dieses gesehen und gehört worden war, verschwand
dieses Gesicht.
Gesicht, welches die Frau Brigitta in Bethlehem gehabt, wo die Jungfrau Maria ihr die ganze Art ihrer Geburt, und wie sie ihren glorwürdigen Sohn geboren, erzählt, was die Jungfrau der Frau Brigitta in Rom fünfzehn Jahre zuvor, ehe sie nach Bethlehem ging, wie im ersten Kapitel dieses letzten Buches zu sehen ist, versprochen hatte.
"Als ich an des Herrn Krippe zu Bethlehem war, sah ich
eine Jungfrau; dieselbe war gesegneten Leibes, mit einem weißen Mantel und
einem feinen Rocke bekleidet, durch welchen hindurch ich von außen ihr
jungfräuliches Fleisch deutlich sah. Ihr Leib
war voll und sehr stark, denn sie war im Begriffe, niederzukommen. Bei ihr
befand sich ein gar ehrbarer Greis und beide hatten einen Ochsen und einen
Esel bei sich. Als sie in die Hölle eingetreten waren, band der Greis den
Ochsen und den Esel an die Krippe, ging hinaus und brachte der Jungfrau eine
angezündete Kerze, befestigte dieselbe an der Wand und ging wieder hinaus, um
nicht persönlich bei der Niederkunft gegenwärtig zu sein. Nun zog die
Jungfrau die Schuhe von ihren Füßen ab, that den weihen Mantel ab, mit dem
sie bedeckt war, entfernte den Schleier von ihrem Haupte, legte diese
Gegenstände neben sich nieder und blieb nur im Unterkleid; ihre überaus
schönen, wie goldenen Haare hingen ausgebreitet über ihre Schultern hinab.
Darauf zog sie zwei leinene und zwei wollene, ganz reine und feine Tücher
hervor, welche sie bei sich trug, um das neugeborene Kind damit einzuwickeln,
ingleichen zwei andere kleine Linnentücher zum Bedecken und Verbinden seines
Kopfes, und legte auch diese zum Gebrauche bei gelegener Zeit neben sich.
Nachdem alles auf diese Weise vorbereitet worden war, beugte die Jungfrau mit
großer Ehrfurcht die Kniee und begab sich ins Gebet; dabei hatte sie den
Rücken an die Krippe gelehnt, das Gesicht aber gen Morgen nach dem Himmel
aufgehoben. Mit emporgehobenen Händen, mit auf den Himmel gerichteten Augen
war sie wie in der Betrachtung verzückt und trunken von göttlicher
Süßigkeit. Als sie nun so im Gebete war, sah ich das in ihrem Schoße
ruhende Kind sich bewegen, und in einem Augenblicke, in einem Nu hatte sie
ihren Sohn geboren, von welchem ein so großes, unaussprechliches Licht und
Glanz ausging, daß die Sonne damit keinen Vergleich aushielt, noch weniger
jene leuchtende Kerze, welche der Greis aufgesteckt hatte, weil jener
göttliche Glanz den irdischen Schein der Kerzen ganz vernichtet hatte. Es
erfolgte auch die Art des Gebärens so jäh und so plötzlich, daß ich weder
bemerken, noch unterscheiden konnte, wie es zuging, oder mit welchem
Körperteile sie gebar; vielmehr sah ich sogleich das glorreiche Kind nackt
und ganz leuchtend am Boden liegen. Sein Fleisch war ganz frei von jeglicher
Makel und jeder Unreinlichkeit. Ich sah auch die Nachgeburtshaut neben
demselben liegen; sie war zusammengewickelt und gar glänzend. Auch Gesänge
der Engel von wunderbarer Lieblichkeit und großer Süße vernahm ich. Und
alsbald zog sich der Leib der
Jungfrau, welcher vor der Geburt sehr voll war, zusammen, und es erschien nun
ihr Körper von wunderbarer Schönheit und gar zart. Sobald die Jungfrau
bemerkte, daß sie geboren habe, beugte sie sogleich das Haupt, legte die
Hände zusammen, betete mit großer Ehrbarkeit und voll Ehrfurcht den Knaben
an, und sprach zu diesem: Willkommen, mein Gott, mein Herr und mein Sohn! Nun
weinte das Kind und zitterte gleichsam vor Kälte und von der Härte des
Estrichs, auf welchem es lag. Es wälzte sich ein wenig, streckte die Glieder
aus und verlangte nach Labung und dem Erweise mütterlicher Zärtlichkeit. Da
nahm die Mutter das Kind auf den Arm, und drückte dasselbe gegen ihre Brust
und erwärmte es mit großer Freude und unter zärtlichem, mütterlichem
Mitleid an Wange und Brust. Darauf setzte sie sich auf die Erde nieder, nahm
ihren Sohn auf den Schoß, und ergriff mit ihren Fingern leise seine
Nabelschnur, welche alsbald abgeschnitten ward, ohne daß Feuchtigkeit oder
Blut herabfloß, und sodann begann sie das Kind sorgfältig einzuwickeln. Erst
that sie es in die leinenen und dann in die wollenen Tücher, und band die
Beinchen und Ärmchen mit dem Wickelbande, das an die vier Enden des oberen
wollenen Tuches angenäht war, zusammen. Nachher aber wickelte und band sie um
das Köpfchen des Knäbleins jene beiden leinenen, hierzu bereit gehaltenen
Tücher und nachdem das alles vollbracht worden, trat der Greis herein, warf
sich auf die Erde nieder, beugte seine Kniee, betete das Kind an und weinte
vor Freuden.
Die Jungfrau erlitt bei der Geburt keinerlei Veränderung
durch Verfärbung oder Schwachheit. Auch nahm an ihr die leibliche Kraft nicht
ab, wie es bei anderen gebärenden Weibern zu geschehen pflegt; ausgenommen
nur, daß der schwangere Leib den früheren Zustand annahm, worin er sich
befand, ehe sie den Knaben empfing. Nun aber erhob sie sich, hielt den Knaben
auf ihren Armen, und beide zugleich, nämlich sie selbst und Joseph, legten
ihn in die Krippe, beugten ihre Kniee und beteten ihn an." ![]()
Eine Offenbarung bei der Krippe des Herrn zu Bethlehem über den nämlichen Gegenstand, wie im vorigen Kapitel.
Nachmals erschien mir am nämlichen Orte die Jungfrau Maria wiederum und sprach: "Meine Tochter! es ist schon lange her, daß ich Dir zu Rom verhieß, ich würde Dir hier zu Bethlehem die Art zeigen, wie ich geboren. Und obwohl ich Dir in Neapel hierüber einiges gezeigt habe, namentlich in welcher Stellung ich mich befunden, als ich meinen Sohn gebar, so magst Du doch als gewiß wissen, daß ich in jener Stellung geboren habe, wie Du es jetzt gesehen, nämlich auf den Knieen liegend und allein im Stalle betend. Ich habe ihn unter so großer Freude und Seelenjubel geboren, daß ich keinerlei Beschwerde und keinen Schmerz fühlte, als er meinen Leib verließ. Ich wickelte ihn aber sogleich in reine Tücher, die ich lange zuvor zubereitet hatte. Als Joseph solches sah, verwunderte er sich unter großer Freude und Fröhlichkeit darüber, daß ich so ohne Beistand geboren hatte. Weil aber die große Menge von Leuten wegen ihrer Aufschreibung in Bethlehem viel beschäftigt war, deshalb hatten sie ihre Aufmerksamkeit hierauf gerichtet, so daß die Wunder Gottes unter ihnen keine Verbreitung finden konnten. Obwohl es Menschen giebt, welche nach ihrem Verstande die Behauptung wagen, mein Sohn sei auf die gewöhnliche Weise geboren, so ist es doch volle Wahrheit und ohne Zweifel, daß er so geboren worden, wie ich Dir, damit Du es wissest, anderwärts gesagt habe und wie Du jetzt gesehen hast."
Folgende Offenbarung geschah derselben Frau an der Krippe des Herrn zu Bethlehem, wie die Hirten zu dieser Krippe kamen, um den Herrn anzubeten.
"Ich habe auch an demselben Orte gesehen, wie die
Jungfrau Maria und Joseph den Knaben in der Krippe anbeteten, und wie die
Hirten und die, welche bei einer Herde wachten, herbeikamen.
um das Kind zu sehen und anzubeten. Als sie dasselbe erblickt hatten, wollten
sie zuerst erforschen, ob es eine weibliche oder männliche Geburt sei, obwohl
die Engel ihnen verkündet hatten, daß der Erlöser der Welt geboren worden,
und nichts von einer Erlöserin gesagt hatten. Da zeigte ihnen die
jungfräuliche Mutter das Geschlecht des Kindes, das sie alsbald mit großer
Ehrerbietung und Freude anbeteten, und sodann heimkehrten, indem sie Gott in
allem, was sie gehört und gesehen hatten, lobten und priesen."
Folgende Offenbarung hatte die Braut zu Bethlehem in der Kapelle, worin Christus geboren worden. Die Jungfrau Maria erzählt ihr dort, wie die drei weisen Könige ihren Sohn angebetet.
Die nämliche Mutter des Herrn sagte mir auch: "Meine Tochter! wisse, daß, als die drei weisen Könige in den Stall kamen, um meinen Sohn anzubeten, ich deren Ankunft wohl zuvor gewußt habe. Und als sie hereinkamen und denselben anbeteten, hüpfte mein Sohn fröhlich auf, und hatte ein von Freude ganz erheitertes Gesicht. Auch ich freute mich gar sehr und war fröhlich, voll wunderbaren Freudenjubels in meinem Herzen. Ich gab fleißig acht auf ihre Worte und ihr Benehmen und behielt und überlegte alles in meinem Herzen." (Lukas II, 19.)
Die Mutter Gottes redet mit der Frau Brigitta, erzählt derselben einiges von ihrer und ihres Sohnes Demut, und sagt, daß, wie ihr Sohn und sie damals, als sie in der Welt waren, demütig waren, so sie auch jetzt demütig sind, obwohl sie sich im Himmel befinden.
Die Mutter Gottes sprach: "Dieselbe Demut ist noch
jetzt in meinem Sohne bei der Macht seiner Gottheit, wie sie war, als er in
die Krippe gelegt ward, wo er, zwischen zwei Tieren liegend, obwohl er
vermöge seiner Gottheit alles wußte, doch in seiner Menschheit nichts
redete. So hört er auch jetzt, zur Rechten des
Vaters sitzend, alle, welche mit Liebe zu ihm reden, und antwortet durch
Eingebungen des heiligen Geistes einigen mit Worten und Gedanken, mit anderen
spricht er gleichsam von Mund zu Mund, wie es ihm gefällt. Ebenso bin ich,
seine Mutter, noch so demütig an meinem Leibe, welcher über alles, das
erschaffen worden, erhöht ist, wie ich es damals gewesen, als ich mit Joseph
vermählt war. Doch sollst Du für ganz gewiß wissen, wie Joseph, ehe er sich
mit mir verlobte, im heiligen Geiste erkannte, daß ich meine
Jungfräulichkeit Gott geweiht, und unbefleckt in Gedanken, Worten und Werken
war. Er verlobte sich in der Absicht mit mir, um mir zu dienen und mich zu
seiner Gebieterin, nicht aber zur Ehegenossin zu haben. - Auch ich erkannte im
heiligen Geiste aufs gewisseste, daß meine Jungfräulichkeit beständig
unverletzt bleiben würde, obschon ich nach Gottes geheimem Ratschlusse einem
Manne verlobt ward.
Als ich aber dem Boten Gottes meine Einwilligung gegeben,
und Joseph sah, wie in Kraft des heiligen Geistes der Umfang meines Leibes
zunahm, erschrak er heftig, nicht weil er wider mich einen bösen Argwohn
gefaßt, sondern sich der Worte der Propheten erinnerte, welche vorher
verkündigt hatten, der Sohn Gottes werde von einer Jungfrau geboren werden,
und er sich unwürdig erachtete, einer solchen Mutter zu dienen, bis ein Engel
ihm im Traume gebot, er solle sich nicht fürchten, sondern mir mit Liebe
dienen. Vom Reichtume behielten Joseph und ich nichts für uns, als das zum
Leben Notwendige zur Ehre Gottes; das übrige gaben wir dahin um der Liebe
Gottes willen. Als aber die Stunde der Geburt meines Sohnes nahte, die ich gar
wohl voraus wußte, kam ich, wie Gott es vorher gewußt, nach Bethlehem, und
nahm das reinste Kleid, sowie Tüchlein für meinen Sohn mit mir, die vorher
noch niemand im Gebrauche gehabt hatte. In dieselben wickelte ich den, welcher
von mir in aller Reinigkeit geboren worden war, und obwohl von Ewigkeit her
vorhergesehen worden, daß ich auf dem höchsten Ehrenstuhle über allen
Geschöpfen und über allen Menschen sitzen solle, habe ich in meiner Demut
doch nicht verschmäht, dasjenige zuzubereiten und aufzutragen, was Joseph und
ich bedurften. In ähnlicher Weise war mein Sohn Joseph und mir unterthan. Wie
ich also in der Welt demütig und Gott und Joseph allein bekannt war, so sitze
ich nun auch jetzt demütig auf dem er-
habensten Thron, und bin bereit, Gott die vernünftigen Gebete aller
darzubringen. Einigen antworte ich durch göttliche Eingebungen, anderen in
geheimer Weise, wie es Gottes Wohlgefallen ist."
Als die Frau Brigitta willens war, von Jerusalem wieder nach Rom zurückzukehren, ging sie am Geburtstage der Jungfrau Maria, ihr Grab und andere heilige Orte, welche dort nahe bei Jerusalem sind, zu besuchen. Da sie am gedachten Grabe im Gebete begriffen war, erschien ihr die Jungfrau Maria und gab ihr Nachricht über die Zeit ihres Todes und ihrer Aufnahme in den Himmel; bezeugte auch, daß dieses ihr eigenes Grab sei
Als ich im Thale Josaphat war und am Grabe der glorwürdigen Jungfrau betete, erschien mir diese Jungfrau, schimmernd in überaus hellem Glanze, und sprach: "Merk' auf, meine Tochter! Nachdem mein Sohn gen Himmel aufgefahren war, lebte ich in der Welt noch fünfzehn Jahre und so viele Zeit darüber, wie man vom Feste der Himmelfahrt meines Sohnes bis zu meiner Himmelfahrt zählt. Nachdem ich fünfzehn Tage tot in diesem Grabe gelegen, bin ich mit unendlicher Ehre und Freude in den Himmel aufgenommen worden. Meine Kleider aber, mit denen ich begraben worden, blieben damals in diesem Grabe zurück; dafür bin ich mit solchen Kleidern bekleidet worden, mit welchen mein Sohn und mein Herr Jesus Christus bekleidet ist. Wisse auch, daß kein menschlicher Leib im Himmel ist, als der verherrlichte Leib meines Sohnes und mein Leib.
Nun ziehet wieder heim in die Länder der Christen, bessert
euer Leben immer mehr und mehr und lebt fortan mit höchster Vorsicht und
Aufmerksamkeit, nachdem ihr diese heiligen Stätten besucht habt, wo mein Sohn
und ich leiblich gelebt haben, und gestorben und begraben sind." ![]()
Als Frau Brigitta auf ihrer Heimkehr von Jerusalem durch die Stadt Neapel reiste, ward sie von der Frau Königin und dem Erzbischofe der gedachten Stadt angegangen, Gott für die Einwohner derselben Stadt zu bitten. Christus redet mit ihr und klagt die gedachten Einwohner mehrerer Sünden an, zeigt ihnen auch die Art, wie die Sünder sich mit ihm wieder versöhnen sollen, indem er ihnen Barmherzigkeit verheißt, wofern sie sich versöhnen und bessern. Er bedroht sie aber auch mit der Strenge der Gerechtigkeit, wofern sie sich nicht bessern und in der Sünde verharren. Diese Offenbarung machte die Frau Brigitta im Beisein des gedachten Herrn Erzbischofs Bernhard, dreier Magister in der Theologie und zweier Doktoren des kanonischen und bürgerlichen Rechtes, sowie einiger Civil- und Militärpersonen der genannten Stadt bekannt.
Eine Person wachte im Gebete und lag der Betrachtung ob; sie
ward in eine innere Erhebung hingerissen. Da erschien ihr Jesus Christus und
sprach also: "Höre Du, der es gegeben worden, Geistliches zu hören und
zu sehen, merke fleißig auf und behalte in Deinem Herzen, was Du jetzt hören
wirst. Du wirst dasselbe in meinem Namen der Bevölkerung ankündigen. Rede es
aber nicht, um Dir Ehre oder menschliches Lob zu erwerben, verschweige es
jedoch auch nicht aus irgend einer Furcht vor menschlicher Schmach oder
Verachtung, weil Dir dieses nicht nur Deinetwegen, sondern auch um der Bitten
meiner Freunde willen gezeigt wird, was Du nun hören sollst. Einige meiner
auserwählten Freunde in der Stadt Neapel haben mir viele Jahre hindurch mit
ihren Bitten angelegen, und mich von ganzem Herzen gebeten, und durch ihre
Arbeiten für meine Feinde, die in derselben Stadt wohnen, dahin getrachtet,
daß ich ihnen eine Gnade erweisen möchte, durch welche sie von ihren Sünden
und Mißbräuchen abgezogen und zu ihrem Heile zurückgerufen werden möchten.
Ihren Gebeten mich neigend, gebe ich Dir jetzt diese meine Worte. Deshalb
höre Du aufmerksam auf das, was ich Dir sage. Ich bin der Schöpfer und Herr
aller Dinge, sowohl des Teufels, als aller Engel, niemand wird meinem Gerichte
entgehen. Der Teufel aber hat dreifältig gegen mich gesündigt, nämlich
durch Hoffart, durch Neid und Vermessenheit, d. i. durch die Liebe
des eigenen Willens. So hoffärtig ist er gewesen, daß er als Gott über mich
sein wollte, und ich ihm unterthan sein sollte. Er hatte auch solchen Neid auf
mich, daß er, wofern es möglich gewesen wäre, mich gern getötet haben
würde, um selber Herr zu sein und auf meinem Throne zu sitzen, denn so lieb
war ihm sein Wille, daß er nach meinem Willen nichts fragte, wofern er nur
seinen Willen vollziehen konnte; deshalb stürzte er aus dem Himmel, und wurde
aus einem Engel der Teufel in der Tiefe der Hölle. Als ich hiernach seine
Bosheit und den großen Neid erkannte, den er wider die Menschen hatte,
offenbarte ich meinen Willen und gab den Menschen meine Gebote, so daß sie,
wenn sie dieselben hielten, mir gefallen, dem Teufel aber mißfallen konnten.
Dann kam ich um der Liebe willen, welche ich zu den Menschen habe, in die Welt
und nahm mein Fleisch von der Jungfrau an, lehrte sie auch in Person durch
Wort und Werk den wahren Weg der Gottesverehrung und öffnete, ihnen
vollkommene Liebe und Zuneigung zu beweisen, den Himmel mit meinem eigenen
Blute. Was thun mir aber jene Menschen jetzt, welche meine Feinde sind? In
Wahrheit verachten sie meine Gebote, werfen mich wie ein abscheuliches Gift
aus ihrem Herzen hinaus, speien mich aus ihrem Munde weg wie einen stinkenden
Gegenstand und haben einen Abscheu vor meinem Anblicke, wie vor einem
Aussätzigen, der einen üblen Geruch verbreitet. Den Teufel und seine Werke
aber umfassen sie mit ihrem ganzen Thun und Empfinden, ihn führen sie ein in
ihre Herzen, thun mit Lust und Freude seinen Willen, und folgen seinen bösen
Eingebungen. Deshalb wird es ihnen durch mein gerechtes Gericht in der Hölle
mit dem Teufel ewig und ohne Ende vergolten werden; für die Hoffart, der sie
ergeben sind, werden sie Scham und ewige Schande haben, so daß Engel und
Teufel von ihnen sagen werden: Sie sind bis obenan mit Schande erfüllt; für
ihre unersättliche Begierlichkeit aber wird jeder Teufel der Hölle sie mit
seinem tödlichen Gifte dergestalt anfüllen, daß in ihren Seelen keine
Stelle sein wird, die nicht angefüllt wäre mit teuflischem Gifte; für die
Unkeuschheit, in welcher sie brennen wie unvernünftige Tiere, wird ihnen
niemals verstattet werden, mein Antlitz zu sehen, sondern sie werden von mir
abgesondert und dazu auch ihrer zügellosen Wollust beraubt werden. Übrigens
sollst Du wissen, daß, wie alle Todsünden sehr
schwer sind, so auch die läßliche Sünde, wenn der Mensch mit dem Willen,
darin zu verharren, sich daran ergötzt, eine Todsünde wird. Deshalb sollst
Du erfahren, wie zwei Sünden jetzt in Übung sind, welche ich Dir jetzt
nenne, die andere Sünden mit sich ziehen, welche zwar alle wie läßliche
erscheinen; weil aber die Menschen ein Gefallen daran finden, in denselben mit
Lust zu verharren, so werden sie zu Todsünden; noch viele andere abscheuliche
Sünden begehen die Leute in der Stadt Neapel, die ich Dir nicht nennen will.
Von jenen beiden Sünden nenne ich Dir als die erste, daß das Angesicht des
vernünftigen menschlichen Geschöpfes mit verschiedenen Farben angestrichen
wird, mit denen man die unempfindlichen Götzenbilder und die Bildsäulen der
Abgötter anstreicht, um von anderen als schöner angesehen zu werden, als ich
sie gemacht habe. Die zweite Sünde ist, daß durch unehrbare Kleidertrachten,
deren die Leute sich bedienen, die Körper der Männer und Weiber ihrem
natürlichen Zustande entgegen entstellt werden, was sie aus Hoffart thun,
damit sie leiblich schöner und üppiger erscheinen, als ich, Gott, sie
erschaffen habe, und damit auch diejenigen, welche solches sehen, alsbald zur
Fleischeslust gereizt und entflammt werden mögen. Darum sei aufs gewisseste
überzeugt, daß, wie oft sie ihr Angesicht mit Schminke und fremder Farbe
bestreichen, so oft die Kraft des heiligen Geistes sich ihnen vermindert und
der Teufel sich ihnen nähert; daß, wie oft sie mit unanständigen und
ordnungswidrigen Kleidern sich schmücken und ihre Leiber entstellen, ebenso
oft der Schmuck der Seele sich mindert, des Teufels Macht aber sich vermehrt.
O ihr, meine Feinde, die ihr dergleichen und andere, meinem willen
zuwiderlaufende Sünden mit unverschämter Stirne begehet, weshalb, seid ihr
gegen meine Leiden so gleichgültig, und gebt in eueren Herzen nicht acht, wie
ich nackt an der Säule gebunden stand und mit harten Geißeln grausam
geschlagen ward? Wie stand ich nackt da und rief vom Kreuze herab, mit Wunden
bedeckt und mit Blut gekleidet! Und wenn ihr euere Gesichter bemalt und
salbet, halb blicket ihr nicht mein Antlitz an, wie dasselbe mit Blut bedeckt
gewesen? Warum habt ihr nicht acht auf meine Augen, wie dieselben sich
verfinsterten mit Blut und Thränen und meine Augenlider erbleichten? Weshalb
richtet ihr euere Blicke nicht auch auf meinen Mund und meine Ohren, und
schauet nicht an meinen
Bart, wie sehr er entfärbt und mit Blut befleckt war, und warum sehet ihr
nicht meine übrigen Glieder an, welche durch verschiedene Peinen unmenschlich
verwundet waren? Und wie bleich hing ich euretwegen tot am Kreuze und ward
dort von allen verspottet, verworfen und zu dem Ende verachtet, auf daß ihr
bei solcher Erinnerung und aufmerksamem Gedächtnis mich, eueren Gott, lieben,
und so des Teufels Fallstricken, mit denen ihr grausam gebunden seid, entgehen
möchtet! Allein das alles ist in eueren Augen und Herzen vergessen und
vernachlässigt; darum thut ihr wie die feilen Dirnen, welche die Wollust und
Fleischeslust, aber nicht die Erzeugung lieben; denn wenn sie fühlen, daß
ein Kind in ihrem Leibe lebt, treiben sie es alsbald mit Kräutern und anderen
Mitteln ab, um die fleischliche Lust und das abscheuliche Vergnügen nicht
entbehren zu müssen und beständig der Unzucht und des stinkenden
fleischlichen Beischlafes pflegen zu können. Also thut auch ihr. Denn ich,
euer Schöpfer und Erlöser, suche alle heim mit meiner Gnade und klopfe an,
nämlich an euere Herzen, weil ich alle liebe. Wenn ihr bisweilen ein Klopfen
der Einsprechung meines Geistes in eueren Herzen vernehmet und Reue empfindet,
oder wenn ihr beim Hören meiner Worte einigen guten Willen fasset, so sucht
ihr dieses sogleich wie einen Abortus geistlicherweise abzutreiben, indem ihr
z. B. euere Sünden entschuldigt und euch darin verdammlicherweise zu beharren
belustigt. So thut ihr des Teufels Willen, indem ihr ihn in euere Herzen
schließt und mich so auf verächtliche Weise austreibt, und deshalb seid ihr
ohne mich und ich bin nicht bei euch, auch in mir seid ihr nicht, sondern im
Teufel, weil ihr dem Willen und den Eingebungen desselben gehorcht. -
Wie ich aber mein Gericht erzählt, will ich nun auch meine
Barmherzigkeit melden. Meine Barmherzigkeit besteht darin, daß keinem meiner
Feinde, er sei ein auch noch so großer und häufiger Sünder, meine
Barmherzigkeit verweigert wird, wenn er um dieselbe mit demütigem und
vollkommenem Herzen bittet. Es müssen aber meine Feinde drei Stücke
beobachten, wenn sie sich meine Gnade und Freundschaft wieder erwerben wollen.
Das erste ist, daß sie Buße thun und von ganzem Herzen Reue und Leid
darüber empfinden, daß sie mich, ihren Schöpfer und Erlöser, beleidigt
haben; das zweite ist eine aufrichtige, demütige und häufige Beicht,
welche sie vor ihrem Beichtvater ablegen und so alle ihre Sünden bessern
sollen, indem sie nach dem verständigen Rate desselben Beichtigers Buße thun
und Genugthuung leisten; alsdann werde ich ihnen nahen und der Teufel wird
sich von ihnen entfernen. Das dritte ist, daß, nachdem sie dieses mit Andacht
und vollkommener Liebe verrichtet haben, sie in der Kommunion meinen Leib
nehmen und empfangen, auch dabei den Willen haben, niemals in die früheren
Sünden zurückzufallen und im Guten zu verharren bis ans Ende. Wer immer auf
diese Weise sich gebessert hat, dem will ich sogleich entgegenkommen, wie ein
liebreicher Vater seinem verlorenen Sohne, und ich werde mehr Freude haben,
ihn zu Gnaden aufzunehmen, als er selbst wird bitten und denken können, und
dann werde ich in ihm sein und er wird in mir sein und mit mir in Ewigkeit
leben und sich freuen. Wer aber in seinen Sünden und in seiner Bosheit
verharrt, über den wird zweifellos meine Gerechtigkeit kommen. Denn wie ein
Fischer thut, wenn er die Fische im Wasser in ihrer Lust und Fröhlichkeit
spielen sieht, daß er die Angel ins Meer wirft und die Fische fängt, und
nicht alle zugleich, sondern nacheinander und allgemach einen um den anderen
herauszieht und sie demnächst in den Tod schickt, bis er alle verzehrt hat,
so will auch ich mit meinen Feinden, welche in der Sünde verharren,
verfahren. Ich werde sie allmählich herausnehmen aus dem weltlichen Leben
dieser Zeit, in welchem sie sich fleischlich und zeitlich ergötzen, und zwar
in der Stunde, wo sie es selbst nicht geglaubt haben und in größtem
Vergnügen leben. Alsdann werde ich sie hinwegreißen von dem ewigen Leben und
sie in den ewigen Tod schicken, wo sie deshalb nimmer mein Antlitz sehen
werden, weil sie mehr geliebt haben, ihren ungeordneten und verderbten Willen
zu thun und zu erfüllen, als meine Gebote und meinen Willen zu
vollziehen."
Nachdem dieses vernommen worden war, verschwand die Vision. ![]()
Eine Offenbarung der Jungfrau Maria, welche die Frau Brigitta in der Stadt Neapel hatte, und welche sie an den Herrn Bernhard, den Erzbischof von Neapel, sandte. Diese Offenbarung straft diejenigen, welche ihre ungläubigen Knechte oder Sklaven, die sich neuerlich zum Glauben bekehrt haben, nicht in demselben katholischen Glauben und christlichen Gesetze unterweisen. Die Jungfrau Maria schilt auch die Herren, welche ihre Knechte übel behandeln und über die Maßen hart halten. Sie bedroht auch mit harter Strafe die Zauberer und Wahrsager und diejenigen, welche dieselben unterhalten und ihnen Glauben beimessen.
Die Frau Brigitta schreibt an den Herrn Bernhard, den
Erzbischof von Neapel, und sagt: "Ehrwürdiger Vater und Herr! Als die
Person, welche Euch wohl bekannt ist, im Gebete begriffen war, ward sie in
eine Betrachtung verzückt. Es erschien ihr die Jungfrau Maria und sprach zu
ihr also: Ich, die ich mit Dir rede, bin die Königin des Himmels. Ich bin wie
ein Gärtner dieser Welt; denn wie ein Gärtner, wenn er einen starken Wind
sich erheben sieht, der den jungen Pflanzen und Bäumen seines Gartens
verderblich ist, sogleich eilends herbeikommt und, soviel er kann, dieselben
befestigt und an starke Stützen festbindet, und also denselben nach seinem
Vermögen in verschiedener Weise zu Hilfe kömmt, damit sie nicht durch den
heranstürmenden Wind zerbrochen und elendiglich entwurzelt werden; so thue
ich, die Mutter der Barmherzigkeit, in meinem Garten dieser Welt. Wenn ich die
gefährlichen Winde der Versuchungen und boshaften Eingebungen des Teufels in
die Herzen der Menschen wehen sehe, so eile ich sogleich zu meinem Herrn und
Gott, meinem Sohne Jesu Christo, um ihnen mit meinen Gebeten zu helfen und von
ihm zu erlangen, daß er in ihre Herzen einige heilige Eingebungen des
heiligen Geistes sende, auf welche gestützt und durch welche heilsam
gestärkt, sie unverletzt vom teuflischen Winde der Versuchungen geistlich
geschützt werden, damit der Teufel nicht die Obergewalt über die Menschen
erhalte, ihre Seelen verderbe und sie nach seinem bösen Wunsche verdammlich
ausreiße. Wenn nun die Menschen meine gedachte Unterstützung und Hilfe mit
Demut des Herzens
und Vollziehung der That annehmen, werden sie alsbald gesichert vor dem
teuflischen Anlauft der Versuchungen, bleiben fest im Stande der Gnaden und
bringen Gott und mir zu gelegener Zeit die Frucht der Süßigkeit. Diejenigen
aber, welche die geistliche Hilfe meines Sohnes und die meinige verachten und
sich durch Einwilligung und im Werke vor dem Winde der Versuchungen des
Teufels beugen, werden mit der Wurzel aus dem Stande der Gnade herausgerissen
und vom Teufel samt ihren unerlaubten Begierden und Werken bis in die tiefen,
ewigen Peinen und Finsternis der Hölle hinabgestürzt. Nun aber wisse, daß
in der Stadt Neapel verschiedene und viele entsetzliche, heimliche Sünden
begangen werden, von welchen ich jetzt nicht reden will, sondern ich will nur
von zwei Arten offenbarer Sünden reden, welche meinem Sohne und mir und dem
ganzen himmlischen Hofe gar sehr mißfallen. Die erste ist, daß viele in
dieser Stadt Heiden und Ungläubige zu ihrer Bedienung käuflich an sich
bringen, daß aber einige der Herren sich nicht darum kümmern, daß dieselben
getauft und zum christlichen Glauben bekehrt werden. Wenn auch einige unter
ihnen getauft werden, kümmern sich ihre Herren nach der Taufe ebensowenig um
ihre Unterweisung und Unterricht im christlichen Glauben oder um Anleitung zum
Empfange der kirchlichen Sakramente, als vor ihrer Taufe und Bekehrung. und so
kommt es, daß diese belehrten Diener nach Annahme des Glaubens viele Sünden
begehen und nicht wissen, wie sie nach denselben sich der Sakramente der Buße
und der heiligen Kommunion bedienen und in den Stand der Gnade und der
Versöhnung mit Gott zurückkehren können. Ferner halten einige ihre Mägde
oder Sklavinnen in solcher Verachtung und Schmach, als wenn sie Hunde wären,
verkaufen dieselben und, was noch ärger ist, bringen sie häufig in
Freudenhäusern unter, um das Geld der Schande und des Fluches zu gewinnen;
andere aber halten dieselben in ihren Häusern als Beischläferinnen für sich
und auch für andere, - ruht verabscheuungwürdig und Gott, mir und dem ganzen
himmlischen Heere verhaßt; wieder andere Herren beschweren und erbittern ihre
Diener so sehr mit Schmähworten und Schlägen, daß manche derselben in den
Zustand der Verzweiflung geraten und den Willen fassen, sich selbst zu töten.
Diese Sünden und Vernachlässigungen mißfallen Gott und dem
ganzen himmlischen Hofe, weil Gott auch diese dienenden Menschen liebt, der
sie erschaffen hat und in die Welt gekommen ist, um alle zu erlösen, wobei er
sein Fleisch von mir annahm, und Leiden und Tod am Kreuze erduldete. Wenn sie
aber solche Heiden und Ungläubige in der Absicht kaufen, um sie zu Christen
zu machen, oder mit dem Willen, sie im christlichen Glauben und in den
Tugenden zu unterweisen und zu unterrichten, oder mit der Absicht, ihnen bei
Lebzeiten oder beim Tode die Freiheit zu geben, so daß sie an den Erben nicht
übergehen, so sollst Du wissen, daß solche Herren dadurch sich ein großes
Verdienst erwerben und angenehm vor Gott sind. Für ganz gewiß aber sei
überzeugt, daß diejenigen, welche das Gegenteil thun, von Gott schwer werden
gestraft werden. Die zweite Art der Sünde besteht darin, daß viele Männer
und Frauen böse Zauberer und Wahrsager bei sich haben und dieselben um Rat
fragen und aus mancherlei anderen sündhaften Absichten, sowie sie denn
bisweilen von ihnen verlangen, daß sie Schwarzkünste zu dem Ende vornehmen,
damit sie empfangen und Kinder zur Welt bringen können, oder damit sie von
Männern oder Weibern, oder auch von ihren zeitlichen Herren geliebt werden
und ihre Zuneigung erwerben. Andere aber fordern von diesen verfluchten
unholden die Wissenschaft zukünftiger Dinge, andere begehren von ihnen, daß
sie ihnen mittels ihrer Zauberei Gesundheit in ihren Krankheiten verschaffen.
Diese alle, sowohl diejenigen, welche solche Hexenmeister, Zauberer und
Schwarzkünstler in ihren Familien oder auf ihre Kosten halten, als auch die,
welche von solchen Rat und teuflische Mittel begehren, als auch die
Schwarzkünstler selbst, welche obengedachte Dinge versprechen, sind vor Gott
verflucht und verhaßt, und es wird, solange sie in solchem Zustande und
Vorsatze beharren, niemals eine Eingebung oder Gnade des heiligen Geistes in
ihre Herzen hinabsteigen oder eingehen. Diejenigen aber, welche Buße thun und
sich demütig mit dem wahren Vorsatze bessern, nicht wieder rückfällig zu
werden, werden bei meinem Sohne Erbarmen und Gnade erlangen." Nachdem
dieses vernommen werden war, verschwand das Gesicht. ![]()
Ein Bischof, welcher für die heilige römische Kirche die Mark Antona verwaltete und von seinem Gewissen beunruhigt ward, weil er um des besagten Amtes in der Mark willen, wo er residierte, abwesend und zu lange aus seinem Sprengel entfernt war, und so auf die ihm anvertrauten Schafe in seiner Diöcese nicht achthaben konnte, fragte die heilige Brigitta in seinem Zweifel, ob es Gott besser gefallen möchte, wenn er zur Abwartung seines Amtes in der Mark residierte, oder wenn er zurückkehrte, um in seinem Sprengel die ihm anvertrauten Schafe zu regieren. Als nun die vorgedachte Frau infolge dieses Ansuchens für den vorgedachten Bischof betete, erschien ihr Christus und sprach zu ihr die nachfolgend verzeichneten Worte.
"Gebenedeit sei Gott in Ewigkeit um alles seines Guten
willen! Amen. Mein ehrwürdiger Herr und Vater! Einen demütigen Gruß zuvor.
Ihr habt mir in Demut geschrieben, ich, eine Euch unbekannte Frau, solle Gott
demütig für Euch bitten. Hierauf antworte und sage ich Euch bei der Wahrheit
in meinem Gewissen, daß ich solches zu thun eine unzulängliche Sünderin und
leider unwürdig bin. Ihr habt mir auch geschrieben, ich solle Euch zum Heile
Euerer Seele einige geistliche Ratschläge schreiben. Und deshalb hat Gott
Eueren Glauben und Euere Demut angesehen, und Eueren Wünschen und Euerem
Glauben in liebreicher, väterlicher Weise genügen wollen, da er nicht meiner
Sünden, sondern des herzlichen Verlangens des demutsvoll Bittenden geachtet
hat. Denn als ich unwürdige Sünderin am vorigen Tage in dieser Sache für
Euch zu meinem Herrn Jesu Christo betete, erschien er selber mir im Geiste,
redete durch ein Gleichnis mit mir und sprach: O Du, der gegeben worden,
Geistliches zu sehen, merke jetzt auf und wisse für gewiß, daß alle
Bischöfe und Äbte und auch die übrigen Vorsteher der Kirchen und
bepfründete Seelsorger, welche unter Verlassung ihrer Kirchen und meiner
ihnen anvertrauten Schafe andere Ämter und Verwaltungen in der Absicht und
mit dem Willen übernehmen und behalten, daß sie in diesen Stellungen höher
von den Menschen geehrt und zu einer höheren Staffel der Welt erhöht und
erhoben werden mögen, wenn sie auch bei diesen Verwaltungen nichts stehlen
und rauben, noch sonst irgend eine andere Ungerechtig-
keit begehen, nichtsdestoweniger aber, weil sie sich dieser Ämter und Ehren
selbst rühmen und ihre Freude daran haben, und deshalb meine Schafe und ihre
Kirchen im Stiche lassen, vor mir, wenn sie also thun, Schweinen gleich sind,
denen man bischöflichen und priesterlichen Schmuck umgethan hat, als ob man
mittels eines Gleichnisses also spräche: Ein großer Herr hatte seine Freunde
zu einem Nachtmahle geladen. Zur Zeit des Nachtmahles gingen seine Schweine
also bekleidet hinein in den Palast vor jenen Herrn und vor die, welche zu
Tische saßen. Als ihnen nun der Herr von jenen köstlichen Speisen seines
Tisches geben wollte, erhoben sie ein abscheuliches Grunzen und weigerten
sich, jene kostbaren Speisen zu essen, sondern begehrten begierig nach
gewohnter Art ihr Schweinefutter. Als nun der Herr dieses sah und erkannte,
empfand er einen Abscheu vor ihrem verächtlichen, unreinen Wesen, und sprach
sogleich zu seinen Dienern in großem Unwillen und Zorn: Treibt sie hinaus aus
meinem Palaste, werft sie zur Thüre hinaus, damit sie an dem Schweinefutter,
dessen sie würdig sind, sich erquicken und sättigen mögen; denn sie wollen
nicht von den Speisen essen, welche für meine Freunde bereitet worden, und
sind dessen auch nicht wert.
Hieraus habe ich, ehrwürdiger Vater und Herr! im Geiste
erkannt, daß Ihr also thun sollet, nämlich in Euerem Gewissen entscheiden,
ob jene Schafe Christi, d. i. Eueres Bistums, die Euch anvertraut worden, in
Euerer Abwesenheit gut und geistlich regiert werden oder nicht. Werden sie nun
so gut wie es sich geistlicherweise in Euerer Abwesenheit geziemt, zum Nutzen
und Vorteile der Seelen selbst regiert, und bemerkt Ihr außerdem, daß Ihr in
der Regierung der Mark Gott eine größere Ehre und den Nutzen der Seelen
schaffen könnt, als in Euerem Bistume, dann sage ich, könnt Ihr im Amte der
Verwaltung der Mark recht wohl und erlaubterweise nach dem Willen Gottes
bleiben, wofern Euch nur nicht das Verlangen nach Ehre oder der eitle Ruhm des
Amtes dort zu bleiben verleitet. Wenn aber Euer Gewissen Euch das Gegenteil
sagt, dann rate ich Euch, daß Ihr die Verwaltung der Mark aufgebt,
zurückkehrt und persönlich an Euerer Kirche und in dem Euch übertragenen
Bistume residiert, um Euere, oder vielmehr, Christi Euch besonders anvertraute
Schafe zu regieren, und dieselben
mit Wort, Beispiel und Werk nicht nachlässig und fehlerhaft, wie ein böser
Mietling, sondern sorgfältig und tugendsam als wahrer und guter Hirt zu
weiden. Verzeiht mir, Herr, daß ich Euch solches schreibe, da ich ein
unwissendes Weib, eine unwürdige Sünderin bin; ich bitte jenen unseren
wahren und guten Hirten, welcher sich herabgelassen hat, für seine Schafe zu
sterben, daß er Euch die Gnade des heiligen Geistes gewähre, mittels deren
Ihr seine Schafe würdiglich regieren und bis zum Tode immer seinen
glorwürdigen, heiligsten Willen thun möget."
Der Richter beklagt sich bei der Braut über alle Sünden in allen Ständen und Verhältnissen, indem er ihr die Wohlthaten erzählt, welche er ihnen erwiesen, und ihre Undankbarkeit erzählt. Er droht ihnen auch mit dem Urteile seines schrecklichen Zornes, ermahnt sie jedoch, sich zu ihm zu bekehren, worauf er sie wie ein Vater mit Barmherzigkeit aufnehmen wird.
Ich erblickte einen großen Palast, der dem heiteren Himmel
ähnlich war. In demselben befand sich die Menge der himmlischen Heerscharen,
zahllos wie die Sonnenstäubchen und glänzend wie die Strahlen der Sonne. Im
Palaste saß auf einem wunderbaren Throne wie die Person eines Mannes von
unbegreiflicher Schönheit, ein Herr von unermeßlicher Macht; seine Kleider
waren wunderbar, von unaussprechlicher Klarheit. Und eine Jungfrau stand vor
dem, welcher auf dem Throne saß. Dieselbe war heller leuchtend, als die
Sonne, und das umstehende himmlische Heer ehrte sie auf ehrerbietige Weise wie
eine Königin des Himmels. Derjenige aber, welcher auf dem Throne saß,
öffnete seinen Mund und sprach: "Höret, ihr alle meine Freunde, welche
ihr in der Welt lebt, denn zu meinen Freunden, welche meinen Willen befolgen,
rede ich nicht. Höret, alle Geistliche, Erzbischöfe und Bischöfe und alle
auf niedrigern Stufen der Kirche. Höret, ihr Religiosen [sic!] alle, wes
Ordens ihr sein möget. Höret, ihr Könige, ihr Fürsten und Richter der
Erde, und alle, die ihr dienet. Höret, ihr Weiber, Königinnen und
Prinzessinnen, alle ihr Gebieterinnen und Mägde und ihr alle, von welcherlei
Stufe und Stande ihr auch sein möget, Große und Kleine, die ihr die
Welt bewohnt, diese Worte, die ich selber, der ich euch erschaffen habe, jetzt
zu euch spreche. Ich beklage mich, daß ihr abgefallen seid von mir, und dem
Teufel, meinem Feinde, gehuldigt habt. Ihr habt meine Gebote verlassen, folget
dem Willen des Teufels und gehorchet seinen Eingebungen; ihr beachtet nicht,
daß ich, der unwandelbare, ewige Gott, euer Schöpfer, vom Himmel zur
Jungfrau herabgestiegen bin, von ihr mein Fleisch angenommen und unter euch
gewandelt habe. Ich habe durch mich selber euch den Weg eröffnet, und die
Ratschläge gezeigt, mittels deren ihr zum Himmel gehen sollet. Ich bin
entblößt, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und so stark am Kreuze
ausgestreckt worden, daß fast alle Nerven und Gelenke meines Leibes
auseinandergingen. Ich hörte alle Schmachreden und habe den verächtlichsten
Tod und bittersten Schmerz des Herzens für euer Heil erduldet. Das alles,
meine Feinde, beachtet ihr nicht, denn ihr seid betrogen und traget die
betrügliche Lieblichkeit des Joches und der Last des Teufels, und wisset und
empfindet es nicht, bevor der Schmerz über die endlose Bürde herantritt. Und
auch das ist euch noch nicht genug, sondern euere Hoffart ist so groß, daß,
wenn ihr euch über mich erheben könntet, ihr es gern thun würdet. Euere
Fleischeslust ist so groß, daß ihr lieber mich entbehren, als euere
ungeordnete Lust fahren lassen wollet. Überdies ist euere Begierlichkeit
unersättlich, wie ein durchlöcherter Sack, weil nichts ist, das euere
Begierde sättigen kann. Deshalb schwöre ich bei meiner Gottheit, daß, wenn
ihr in dem Stande, worin ihr euch befindet, dahinsterbet, ihr niemals mein
Angesicht schauen werdet, sondern um euerer Hoffart willen werdet ihr so tief
in die Hölle versenkt werden, daß alle Teufel über euch kommen und euch
untröstlich peinigen werden, für euere Unkeuschheit aber werdet ihr mit
entsetzlichem, teuflischem Gifte angefüllt, für euere Begierlichkeit werdet
ihr mit Schmerz und Beklemmung erfüllt und alles Übels teilhaftig werden,
das in der Hölle ist. O ihr verabscheuungswürdigen, undankbaren, entarteten
Feinde! Ich erscheine euch, wie ein im Winter gestorbener Wurm, deshalb thut
ihr, was ihr wollt, und fühlt euch glücklich; darum will ich mich im Sommer
erheben, und dann werdet ihr schweigen und meiner Hand nicht entfliehen.
Gleichwohl aber, ihr Feinde, die ich euch mit meinem Blute losgekauft habe,
suche ich auch euere Seelen; darum kehret euch wieder
zu mir mit Demut, und ich will euch mit Freuden wie meine Kinder aufnehmen.
Schüttelt das schwere Joch des Teufels von euch ab, und erinnert euch meiner
Liebe, und ihr werdet in euerem Gewissen schauen, wie süß und sanftmütig
ich bin."
Christus redet in Rom mit seiner Braut, der Frau Brigitta, und sagt ihr den Tag und die Art ihres Todes voraus. Er befiehlt, was sie mit den Büchern ihrer Offenbarungen thun soll. Er sagt auch, daß viele in der Welt sein werden, welche dieselben, wann es ihm gefällt, mit Andacht aufnehmen werden. Diese werden seine Gnade erlangen. Der Herr giebt auch Anordnungen über den Leichnam seiner Braut an, und wo derselbe begraben werden soll.
Fünf Tage vor dem Tode der oft gedachten Braut Christi, der Frau Brigitta, begab es sich, daß ihr unser Herr Jesus Christus vor dem Altare, welcher sich in ihrem Zimmer befand, erschien. Er zeigte ihr ein fröhliches Angesicht und sprach: "Ich habe Dir gethan, wie ein Bräutigam zu thun pflegt, welcher sich vor seiner Braut verbirgt, um desto feuriger von ihr verlangt zu werden. So habe ich Dich in dieser Zeit nicht mit Tröstungen heimgesucht, weil es die Zeit Deiner Prüfung war. Weil Du nun bewährt bist, komme her und mache Dich fertig, denn nun ist die Zeit, daß erfüllt werde, was ich Dir verheißen hatte, nämlich daß Du vor meinem Altare als Klosterfrau eingekleidet und geweiht, und von nun an nicht allein für meine Braut, sondern auch für eine Klosterfrau und Mutter in Wadstena gehalten wirst. Doch sollst Du wissen, daß Du Deinen Leib hier in Rom ablegen wirst, bis derselbe an die ihm zubereitete Stätte kommen wird, weil es mir gefällt, Dich Deiner Mühen zu entheben und Deinen Willen für die That zu nehmen." Darauf wandte er sich gegen Rom hin und sprach wie klagend: "O mein Rom! o mein Rom! der Papst verachtet dich und merkt nicht auf meine Worte, sondern nimmt das Zweifelhafte für das Gewisse. Deshalb wird er nicht mehr meinen Lockruf hören, weil er die Zeit meiner Barmherzigkeit nach seiner Willkür berechnet."
Darauf sprach er zur Braut: "Du aber sage dem Prior, er
solle alle diese Worte, alle Offenbarungen den Brüdern und meinem Bischofe
übergeben, welchem ich den Eifer meines Geistes gewähren und mit meiner
Gnade erfüllen werde. Wisse auch, daß, wann es mir gefallen wird, Menschen
kommen werden, welche mit Süßigkeit und Freude diese Worte der himmlischen
Offenbarungen, die Dir bisher geworden sind, aufnehmen werden. Auch wird alles
erfüllt werden, was Dir gesagt worden. Und obwohl vielen meine Gnade wegen
ihrer Undankbarkeit entzogen worden, werden doch andere kommen, welche sich an
ihrer statt erheben und meine Gnade erlangen werden. -
Unter die letzten Worte aller Offenbarungen, welche Dir geworden sind, soll jene gemeinsame, allgemeine Offenbarung gesetzt werden, die ich Dir zu Neapel mitgeteilt habe, weil mein Gericht über alle Völker, welche in Demut zu mir zurückkehren, wie Dir gezeigt worden ist, erfüllt werden wird. -
Von diesem und vielem anderem, das hier nicht geschrieben wird, aber gesagt worden, machte die gedachte Braut Christi gegen einige um sie befindliche Personen Mitteilung, welche sie, wie sie sagte, vor ihrem Tode vor Gott gesehen hatte. Nachdem dieses vernommen worden, setzte der Herr hinzu und sprach: "Am fünften Tage in der Frühe, wenn Du die Sakramente empfangen haben wirst, berufe die Personen, eine nach der anderen, die bei Dir sind, und welche ich Dir eben genannt habe, zu Dir, und sage ihnen, was sie thun sollen, und so wirst Du unter ihren Worten und Händen zu Deinem Kloster, das ist, in meine Freude kommen, und Dein Leib wird beigesetzt werden in Wadstena."
Als hierauf der fünfte Tag herangekommen war, erschien ihr
Christus wiederum um die Zeit der Morgenröte und tröstete sie. Nachdem die
Messe gelesen war und sie die Sakramente mit großer Andacht und Ehrfurcht
empfangen hatte, gab sie unter den Händen der vorgedachten Personen ihren
Geist auf. ![]()
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