"Dies ist mein Leib..." - die Messe als eucharistisches Mahl

Warum die "Opferung" schon lange "Gabenbereitung" heißt. Was wird bei der Wandlung aus Wein und Brot? Vom Missverständnis der Wandlungsworte als Zauberformel. Was ist ein "Hochgebet"?

"Was isst die Maus?" Mit dieser Frage haben sich Theologen des Mittelalters lange beschäftigt. Wobei das Wörtchen "ist" jetzt mit zwei "s" zu hören ist.

Es ging nicht um die Frage, was eine Maus im Letzten sei, es ging darum, was sie zu essen bekam, wenn sie nämlich - man höre und staune - in einen Tabernakel eingedrungen war.

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Was isst die Maus?

Was isst dort also die Maus? Isst sie nun Brot oder aber den Leib Christi, das verwandelte und nun zu Leib Christi gewordene Brot?

Diese zunächst recht spaßig und vor allem auch akademisch anmutende Frage macht - wenn man sie wirklich durchdenkt - am Ende doch etwas deutlich. Es geht hier schließlich um die Frage, was wir eigentlich im Tabernakel aufbewahren. Und es geht um de Frage, was bei der Wandlung mit Brot und Wein tatsächlich geschieht.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Maus isst Brot! Schon im Mittelalter gaben die Theologen diese eindeutige Antwort auf jene Frage. Und die Begründung ist so einfach, dass sie schon wieder verblüfft: Leib und Blut Christi sind nämlich Sakrament, und Sakramente können nur Menschen empfangen.

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Was die Eucharistie nicht ist

Das muss verblüffen. Wir haben doch gelernt, dass Brot und Wein in der Messe zu Leib und Blut werden und es auch bleiben. Wieso kann die Maus jetzt wieder einfaches Brot zu sich nehmen?

Hier wird schon deutlich, dass viele Vorstellungen, die sich auch gute Katholiken, vom Sakrament der Eucharistie machen, und die sie dann gegenüber evangelischen Christen vehement als katholischen Glaubensgrundsatz verteidigen, zu einfach sind und an der Sache vorbeigehen.

Deshalb möchte ich gleich vorausschicken, was Eucharistie nicht ist. Man darf sie nämlich unter keinen Umständen mit einem Zauber verwechseln. Es geht nicht darum, dass Brot und Wein auf zauberhafte Weise in Leib und Blut verwandelt würden, so dass der Chemiker ganz erstaunt sein Reagenzglas aus der Hand fallen lassen würde, vor lauter Verwunderung, dass das, was jetzt immer noch wie Brot ausschaut, chemisch betrachtet zu Fleisch geworden wäre.

Wer Brot und Wein nach der Messe analysieren wollte, der würde nichts, aber auch gar nichts anderes feststellen, als das, was zuvor auch schon dagewesen ist.

Dies ist das große Missverständnis, dem das Sakrament immer wieder einmal ausgesetzt war. Katholiken sind keine Kannibalen, die in der Messe etwa Menschenfleisch essen würden. Und die Wandlungsworte sind dementsprechend auch keine Zauberformel, mittels derer man Brot verzaubern und zu Fleisch werden lassen könne.

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Von der Wandlung zum Hokuspokus

Dass man diese Worte so missverstanden hat, macht schon deutlich, dass aus dem Wort über das Brot, dem

"Hoc est enim corpus meum"

die Zauberformel schlechthin wurde. Das "Hoc est corpus" wurde nämlich zum "Hokuspokus" verballhornt und geistert als solches bis heute durch sämtliche Zauberstuben der großen und kleinen Magier.

Demgegenüber sprechen wir aber, was die Eucharistie angeht, von Wandlung und von Hochgebet. Wir sprechen wohlgemerkt von "Hoch-Gebet" und nicht von Hoch-Zauber. Die Wandlungsworte haben nämlich ihren Platz in einem Gebet.

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Was meint Transsubstantiation?

Was aber bedeutet dann Wandlung oder gar das komplizierte Wort von der Transsubstantiation, das viele noch aus ihrem Religionsunterricht oder der Sakramentenkatechese her kennen.

Ich versuche es ein wenig deutlich zu machen. Und ich versuche es dabei so einfach zu sagen, wie es mir möglich ist.

Um zu verstehen, was das lateinische Wort von der "transsubstantiatio" meint, ist es äußerst hilfreich, einem Hinweis nachzugehen, den der Basler Bischof Kurt Koch in seinem Buch über "Sakramente und Liturgie in unserer Zeit" wiedergibt. [Kurt Koch, Leben erspüren - Glauben feiern, Sakramente und Liturgie in unserer Zeit (Freibug - Basel - Wien 1999) 210-211]

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Zur Unterscheidung von Akzidentien und Substanz

Er weist darauf hin, dass das Wort Substanz im Mittelalter einen anderen Bedeutungshorizont hatte, als heute. Jede Sache hat nach mittelalterlicher Definition so etwas wie zwei Seiten:

Das eine ist ihr konkretes Erscheinen, ihre Größe, ihr Gewicht, die empirisch fass- und greifbaren Eigenschaften. Sie bezeichnete man mit dem Wort "Akzidentien". Das sind all die Dinge, die man mit den Sinnen wahrnehmen kann.

Damit habe ich aber ein Ding immer noch nicht erschöpfend beschrieben. Hinter all den sinnenhaft wahrnehmbaren Eigenschaften, besitzt jedes Ding noch ein allem zugrundeliegendes Wesen. Und erst dieses Wesen, das eigentlich Wesentliche, die sogenannte Substanz, machen dieses Ding, zu dem, was es wirklich ist.

Hände und Füße gehören zum Menschen, sie sind Akzidentien des Menschen. Aber selbst, wenn ich dem Menschen Hände und Füße amputiere, ändere ich nichts an seiner Substanz, er bleibt Mensch.

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Die Aussage des Konzils von Trient

Diese Begriffe benutzte nun das Konzil von Trient, um zu erklären, was in der Wandlung geschieht. Es sprach davon, dass in der Feier der Eucharistie das eigentliche Wesen von Brot und Wein in die Substanz - also das Wesen - von Leib und Blut Jesu Christi verwandelt werden. [Kurt Koch, 211, Vgl.: E. Schillebeeckx, Die eucharistische Gegenwart. Zur Diskussion über die Realpräsenz (Düsseldorf 1968)]

An den Akzidentien von Brot und Wein, an den äußeren Erscheinungsformen, ändert sich dabei nichts. Brot und Wein bleiben rein äußerlich Brot und Wein, auch wenn sie nun von ihrem Wesen her verwandelt, Blut und Leib Christi geworden sind.

Wer gleichsam einen hochoffiziellen Gewährsmann haben möchte, für den sei Josef Kardinal Ratzinger zitiert. Er formuliert das Gleiche nämlich so:

"Der Herr bemächtigt sich des Brotes und des Weins, er hebt sie gleichsam aus den Angeln ihres gewöhnlichen Seins in eine neue Ordnung hinein; auch wenn sie rein physikalisch gleich bleiben, sind sie zutiefst Anderes geworden." [Josef Kardinal Ratzinger, Eucharistie - Mitte der Kirche, Vier Predigten (München 1978) 59-60, zitiert nach Koch, 211]

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Gleich geblieben - Anderes geworden

Das ist das entscheidende Gedankenexperiment, auf das wir, wenn es um ein Verständnis der Eucharistie geht, verwiesen sind: Rein physikalisch, naturwissenschaftlich betrachtet, für unsere Sinne und unser Greifen, ist alles gleich geblieben. Für unser inneres Begreifen, vom Wesen her, sind Brot und Wein nun aber zutiefst Anderes geworden: Leib und Blut Christi nämlich, wirkliche Gegenwart des auferstandenen Herrn.

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Das Problem mit der Substanz

Dieses auf dem Hintergrund der mittelalterlichen Philosophie durchaus nachvollziehbare theologische Denken, stößt mittlerweile aber auf ein ganz großes Problem. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich der Begriff "Substanz" nämlich schier in sein krasses Gegenteil verkehrt. Unter Substanz verstehen die Menschen heute weithin nicht mehr das Wesen einer Sache, sondern ihre materielle Zusammensetzung.

Man fragt nach den Substanzen, die in einem Stoff vorhanden sind und man meint damit die einzelnen chemischen Elemente, die sich in diesem Stoff finden.

So ist es zu erklären, dass manche der sogenannten "glaubenstreuen Katholiken" unumstößlich behaupten, man müsse glauben, dass die Akzidientien von Brot und Wein chemisch verwandelt worden wären. Dies führt zu einem eucharistischen Materialismus, der nie kirchliche Lehre war, auf der anderen Seite aber als vermeintlich katholische Ansicht den ökumenischen Dialog furchtbar belastet.

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Konsequenzen für den ökumenischen Dialog

Deshalb ist es wichtig, auch in den Gesprächen vor Ort - gerade mit evangelischen Christen - darum zu wissen, dass solche platten und vereinfachenden Denkmodelle nicht nur falsch sondern auch nicht katholisch sind. Das ist wichtig, um nicht Barrieren aufzubauen, die eigentlich nie existiert haben.

Andererseits habe ich größtes Verständnis dafür, wenn auf dem Hintergrund der bisherigen Überlegungen theologisch durchschnittlich gebildete Gemeindemitglieder die Frage aufwerfen, was denn dann noch genau der Unterschied zwischen der katholischen und der evangelischen Auffassung sein soll.

Vielleicht wird sich im Verlauf der Gespräche zwischen den Kirchen ja wirklich herausstellen, dass so unterschiedlich die verschiedenen Ansichten im Grunde gar nicht sind.

Auf jeden Fall sei sowohl den theologischen Kommissionen als auch den entsprechenden Kirchenleitungen ins Stammbuch geschrieben, dass sie sich sehr beeilen sollten, und rasch gangbare Wege aufeinander zu nicht nur finden sondern auch beschreiten müssen, um mit der schon lange eingesetzt habenden Entwicklung vor Ort überhaupt noch Schritt halten zu können.

Für uns bleibt festzuhalten, dass Wandlung nichts mit Physik und Chemie und erst recht nicht mit Zauberei zu tun hat, sehr viel aber mit unserem Glauben.

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Was ist ein Hochgebet

Und das verweist uns auf die nächste Frage, die es nun zu stellen gilt, was nämlich dieses Hochgebet ist, innerhalb dessen sich Brot und Wein seiner Substanz nach in Leib und Blut Christi wandeln.

Schauen wir uns dazu die Struktur eines Hochgebetes - es gibt in der Folge der Liturgiereform übrigens ein gutes Dutzend von ihnen - einmal genauer an.

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Die Präfation

Es beginnt immer mit einem Dialog, der wieder einmal deutlich machen soll, dass es hier nicht um eine Handlung geht, die jetzt allein der Priester am Altar vollziehen würde.

Die Messe in unseren Kirchen ist die gemeinsame Feier aller Versammelten und dies wird zu Beginn des Hochgebetes auch deutlich zum Ausdruck gebracht.

Nach der wechselseitigen Zusage, dass der Herr mit uns sei, fordert der Priester mit der etwas gestelzten Formulierung "Erhebet die Herzen" dazu auf, dass wir uns jetzt ganz auf Gott hin ausrichten. Dies wird von der Gemeinde bestätigt.

Dann weist der Priester darauf hin, dass wir nun Gott danken möchten, was die Gemeinde ebenfalls etwas gestelzt, aber sehr treffend als "würdig und recht" bezeichnet.

Nun folgt der Dank in einer Ansprache an Gott, die man Präfation nennt.

Es handelt sich dabei um ein Preisgebet auf Gott, das seine Taten in Geschichte und Gegenwart in Erinnerung bringt.

Für die unterschiedlichen Anlässe und die jeweiligen Festtage gibt es eine Fülle von verschiedenen Präfationen, die meist entsprechend dem Charakter des Gottesdienstes ausgewählt werden können.

Allen gemeinsam ist, dass sie in einen gemeinsamen Lobpreis münden, dem sogenannten "Sanctus"

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Das "Sanctus"

Das "Sanctus" ist ein Lobreis, der sich aus zwei Bibelworten zusammensetzt.

Das ist einmal der Lobpreis der Engel, aus der Vision des Propheten Jesaja (Jes 6,3), in der Jesaja davon berichtet, wie die Engel vor Gott "Heilig, Heilig, Heilig" singen. Und zum anderen handelt es sich um das "Hosanna", das die Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem ausgerufen haben (Mt 21,9).

Beides zusammengenommen gilt als Verbindung des himmlischen mit dem irdischen Lobpreis und dementsprechend auch als Inbegriff des Gotteslobes überhaupt.

Von daher ist verständlich, dass das Messbuch an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass das "Sanctus" nur durch ein Lied ersetzt werden darf, das mit dem dreimaligen Heilig-Ruf beginnt und dem Inhalt des "Sanctus" entspricht. Das ist eine Vorschrift, die im Prinzip völlig richtig ist...

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Die "Epiklese"

Nach dem gemeinsamen "Sanctus", das meistens gesungen wird, folgt nun in der Regel eine Überleitung, die zur sogenannten "Epiklese" führt.

Dieser meist völlig übersehene Teil bedeutet soviel wie "Herabrufung des Heiligen Geistes" und ist einer der wichtigsten im Hochgebet überhaupt.

Ich zitiere ihn in der Form, wie er uns im zweiten Hochgebet begegnet:

"Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohns, unseres Herrn Jesus Christus."

In diesen Worten wird ganz deutlich, dass es hier um ein Gebet geht, und dass kein anderer wirklich handelt als Gott selbst.

Sein Geist ist es, der uns in Brot und Wein seine Gegenwart schenkt. Nicht das gemeinsame Tun der Menschen, und auch nicht irgend ein Tun des Priesters - aus welcher Vollmacht auch immer - "machen" aus Brot und Wein Leib und Blut sondern einzig und allein Gottes Geist.

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Wandlung

Nun folgt der Bericht vom Abendmahl mit den sogenannten Wandlungsworten gefolgt vom Zuruf der Gemeinde, der noch einmal deutlich machen soll, dass es sich um ein gemeinsames Gebet aller Mitfeiernden handelt und eine "wirkliche Mitträgerschaft der liturgischen Handlungen durch alle Gläubigen" vorliegt, wie Kurt Koch betont.

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Gedächtnis - Darbringung - Bitte

Danach folgt ein sogenanntes "Anamnesegebet", ein Erinnerungsgebet, in dem der Priester deutlich macht, dass wir hier das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Christi feiern.

Dieses mündet in die Darbringungsformel; dass wir in dieser Feier nämlich "das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles darbringen", und die Bitte dass "Gott uns Anteil an Christi Leib und Blut" schenken möge.

Es folgen nun noch Bitten für die Lebenden und Verstorbenen, bevor das Hochgebet im abschließenden Lobpreis "Denn durch ihn und mit ihm und in ihm, ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit" endet, dem alle im gemeinsamen "Amen" beipflichten.

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Mehr als nur Wandlungsworte

All dies macht hoffentlich schon deutlich, dass es bei der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi um weit mehr geht, als um ein das Sprechen von Wandlungsworten, bei dem sich die Gaben, gleichsam mechanisch in das Sakrament verwandeln würden.

Und deshalb ist es auch ganz wichtig, das Klingeln der Ministranten nach den Wandlungsworten nicht so misszuverstehen, als dass genau jetzt der Herr Jesus gleichsam ins Brot hineingeschlüpft wäre. Das nämlich wäre eine Verkürzung, die nicht zulässig ist, um dem Geheimnis der Eucharistie wirklich gerecht zu werden.

Das Hochgebet ist eine Einheit und im Vollzug dieses gemeinsamen Gebetes der ganzen Gemeinde schenkt uns Gott die Gewissheit voll und ganz, leibhaft, gegenwärtig zu sein.

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Und wo bleibt das Opfer?

Ich habe jetzt immer von Hochgebet gesprochen, von der Eucharistie, wo aber bleibt nun das Opfer, und was ist mit dem Mahl? Das sind durchaus berechtigte Fragen, wenn sie keinen polemischen Unterton beinhalten.

Es ist nämlich schon fast tragisch wie sich einzelne Gruppen in der Kirche seit Jahrzehnten die Begriffe Mahl und Opfer gleichsam um die Ohren schlagen, um damit herauszustreichen, dass der jeweils andere eine völlig falsche Auffassung von der Messe habe.

Wichtig ist hier die Feststellung, dass die Messe kein Opfer im eigentlichen Sinne des Wortes ist. In der Messe opfert niemand etwas. Gott hat sich selbst in Jesus Christus für uns zum Opfer hingegeben. Und dieses Opfer Christi ist das Opfer schlechthin, das alle übrigen Opfer ein für alle Mal überflüssig macht.

Wenn wir Messe dennoch als Opferfeier bezeichnen, dann deshalb, weil wir in ihr dieses ein für alle Mal von Jesus selbst dargebrachte Opfer feiern und dieses Opfer Jesu, im Sakrament der Eucharistie wieder gegenwärtig wird.

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Warum die Gabenbereitung nicht mehr Opferung heißt

Dieser Gedanke ist recht komplex und sicher nicht einfach nachzuvollziehen. Und immer wieder schleicht sich die Vorstellung, als würde das, was Jesus für uns getan hat, vielleicht doch nicht ganz ausreichen und wir müssten im Interesse unserer Anliegen Gott halt doch noch irgendwie ein Opfer darbringen in die Köpfe der Menschen ein.

So wird die Darbringung von Brot und Wein und anderen Gaben, wie beispielsweise der Geldkollekte, zu Beginn der Eucharistiefeier schließlich auch heute noch verschiedentlich mit dem früher weithin üblichen Begriff der "Opferung" umschrieben.

Das ist nicht nur problematisch. Solchen Vorstellungen gilt es sogar zu wehren. Nicht umsonst hat die Liturgiereform schließlich die schwierige Bezeichnung von der "Opferung" vermieden. Schon mit diesem Begriff wird nämlich suggeriert, dass wir diese Gaben Gott nun gleichsam als unser Opfer darbringen würden.

Verschärft wird diese Fehldeutung noch durch manchen Begleitgesang, der sich auch heute noch in unserem Gotteslob tummelt. Wenn es heißt: "Das Opfer will bereitet sein", oder "Wir opfern dir die Gaben, das Brot und auch den Wein ..." dann ist der irrigen Vorstellung, dass wir Menschen Gott hier unsere Gaben als Opfer darbringen würden, schon beinahe Tür und Tor geöffnet.

Demgegenüber betont das Messbuch, dass an dieser Stelle die Gaben bereitet werden, es spricht von einen Gabenbereitung und zwar für die Feier des Opfers Christi, jenes Opfers, das er ein für alle Mal für uns dargebracht hat.

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Ein elementarer Mehrklang

Im Blick auf Christi Opfer ist die Messe eine Opferfeier, im Blick auf ihren Ursprung am Abend vor seinem Tod und ihre konkrete Form ist sie ein Mahl, das Herrenmahl, von dem die Schrift spricht.

Im übrigen ist jeder ausgrenzende Streit darüber, welche Bezeichnung nun genau die richtige sei, ob nun Mahl oder Opfer oder was auch immer, von der verkehrten Auffassung geprägt, als wäre eine Bezeichnung allein zutreffend. Kein Begriff reicht vermutlich aus, um das Ganze der Messe auf den Punkt zu bringen.

So versucht Kurt Koch das Herrenmahl von einer ganz anderen Seite her gleich mit drei Begriffen - einem elementaren Dreiklang, wie er sagt [Kurt Koch, 223-224] - zu umfassen.

Das Herrenmahl sei erstens Eucharistie, nämlich vertikale Gemeinschaft der Glaubenden mit Tod und Auferweckung Jesu Christi, zweitens Abendmahl, nämlich horizontale Gemeinschaft der Glaubensgeschwisterlichkeit unter den christlichen Zeitgenossen, und drittens Kommunion, nämlich diagonale Gemeinschaft mit den Heiligen aller Zeiten und aller Orte.

Vielleicht kommt solch ein Versuch der Wahrheit der Messe noch am nächsten.

Blicken wir abschließend auf zwei Thesen.

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These 1

Während des Hochgebetes läuten bei uns die Glocken. Damit unterstreichen wir die Bedeutung des Geschehens nach außen hin. Aber warum läuten unsere Glocken nur während des Hochgebetes, warum nicht auch während des Evangeliums?

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These 2

Der abschließende Lobpreis des Hochgebetes gehört im Prinzip zu den Präsidialgebeten und wird nur vom Priester gesprochen. Durch das gemeinsame Amen am Ende wird zum Ausdruck gebracht, dass das Hochgebet gemeinsames Gebet der ganzen Gemeinde ist.

Zu diskutieren wäre, ob nicht ein gemeinsames Sprechen, des abschließenden Lobpreises diesen Charakter noch einmal unterstreichen würde.

Und was könnte falsch daran sein, wenn wir alle einstimmen in die Preisung, dass durch ihn und mit ihm und in ihm alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und Ewigkeit ist und es bekräftigen mit dem gemeinsamen "Amen".

(Dr. Jörg Sieger)

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letzte Änderung: 1. Juni 2002