"Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11,25) –
Symbole und Zeichen in der Messe

Zum Aufbau und Symbolgehalt der Messe. Warum Weihrauch, Weihwasser und all diese Dinge? Woher kommen die Symbole, und was bedeuten sie? Ist Gott in der Messe gegenwärtiger als sonst? Was für eine Wirkung hat ein Sakrament? Mund- und Handkommunion. Gibt es Wichtiges und weniger Wichtiges in der Liturgie?

Vor einiger Zeit habe ich ein Bild gesehen, das – wie ich mich zu erinnern glaube – aus dem letzten Jahrhundert stammt. Das letzte Abendmahl war darauf dargestellt und zwar auf eine Art und Weise an der manche Kreise in unserer Kirche ihre wahre Freude hätten. Dargestellt war der Augenblick, als Jesus das Brot an die Apostel weiterreichte. Und er tat dies auf diesem Gemälde natürlich nicht im Sitzen, nein, er stand und die Jünger standen auch in Reih‘ und Glied hintereinander und der erste in der Reihe empfing nun, kniend, den Leib des Herrn, natürlich mit dem Mund.

Das historische Abendmahl und die Messfeier

Manche Kreise hätten ihre helle Freude an dieser Darstellung. Es gibt schließlich immer noch Gruppen in unserer Kirche, die felsenfest behaupten, dass einzig und allein die Mundkommunion – also der Empfang des Leibes Christi mit dem Mund – von Jesus Christus her gestattet und alles andere schon beinahe Teufelswerk sei.

Was würden diese Gruppen erst sagen, wenn sie mit all dem konfrontiert würden, was historische Forschung augenblicklich über das tatsächliche, historische Abendmahl herausgefunden hat oder momentan diskutiert?

Es ist schließlich ein Wunschtraum, zum Glück nur sehr kleiner Kreise, dass Jesus im Abendmahlsaal alles schon genau so gemacht habe, wie es sich dann in der späteren Messfeier als Ritus unseres Gottesdienstes niedergeschlagen hat.

Was geschah im Abendmahlssaal?

Jesus hatte mit Messfeier noch denkbar wenig am Hut. Das was er mit den Jüngern gefeiert hat, war ein jüdisches Pessachmahl, ein richtiges Abendessen mit Lammfleisch und Fruchtmus und mit Mazzoth, dem jüdischen ungesäuerten Fladenbrot, und natürlich mit Rotwein.

Das Pessachmahl ist ein stark rituelles Mahl mit Psalmengebet und langen Schriftlesungen – ein Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern nach den üblichen jüdischen Vorschriften gefeiert hat.

Viele Exegeten vermuten heute, dass – wie bei den Juden üblich – weit mehr als die dreizehn Personen, die in der Schrift erwähnt werden, an diesem Mahl teilgenommen haben. Oftmals schlossen sich mehrere Hausgemeinschaften zusammen, um den Aufwand für das Mahl zu teilen. So waren mit großer Wahrscheinlichkeit auch Kinder und Frauen anwesend. Die Atmosphäre bei diesem Mahl, dürfte von daher weit weniger feierlich und dramatisch gewesen sein, als wir sie etwa von Passionsspielen her kennen.

Die Schrift sagt uns nichts genaues darüber. Sie sagt nur, dass Jesus und die Zwölf dabei waren – dass sie allein teilgenommen hätten, sagt sie nicht.

Der biblische Bericht ist eigentlich - was das Mahl angeht – nur daran interessiert, dass Jesus neben der aufsehenerregenden Fußwaschung zwei Änderungen am üblichen Ablauf vorgenommen hat: Zu Beginn des Mahles, als das Brot geteilt und gereicht wurde, erweiterte er das dabei gesprochene Gebet um die Worte:

"Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11,24)

Und am Ende des Mahles, als der Segensbecher rundgereicht wurde, begleitete er dies mit den Worten:

"Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11,25)

Der urchristliche Gottesdienst

Dieses Brot- und Kelchwort stand fortan im Mittelpunkt, wenn Christen nach Ostern zusammenkamen, um miteinander in der Erinnerung an dieses Abschiedsmahl Jesu zusammen zu essen.

Und ich denke, man muss sich das recht einfach vorstellen: Man kam zusammen zum Essen, irgendwo in einem Haus, so wie die Juden auch heute noch ihre Mahlfeiern in regelrechten Hausgottesdiensten in der Familie begehen.

Und im Verlauf des Mahles brach man das Brot und gab es mit den Worten Jesu weiter. Und nach dem Mahl, entsprechend dem Ritus des Pessachfestes, reichte man den Segensbecher rund und sprach dazu das Deutewort Jesu.

Abendmahl und Sakrament der Eucharistie

Schon von Anfang an scheinen die Christen in diesem Vollzug das Bewusstsein gehabt zu haben, dass Jesus dabei auf ganz besondere Weise bei ihnen war. Natürlich erinnerten sie sich daran, dass er ihnen zugesagt hatte, immer zugegen zu sein, entsprechend dem Wort:

"Ich bin bei Euch alle Tage, bis ans Ende der Welt." (Mt 28,20)

Aber beim gemeinsamen Mahl gewann diese Nähe Christi von Anfang an noch einmal eine ganz eigene Dimension. Hier fühlte man sich ihm ganz besonders nahe. Beim Essen dieses Brotes und beim Trinken des Weines spürte man seine Gegenwart auf ganz eigene Weise.

Vermutlich darf man das eine gegen das andere eben nicht ausspielen. Gott ist uns immer nah, das ist das eine. Aber offensichtlich benötigen wir Menschen auf der anderen Seite gewisse Punkte im Leben, an denen uns diese Nähe Gottes ganz besonders bewusst gemacht wird, an denen wir sie gleichsam sinnenhaft spüren können.

Die Feier dieses Mahles ist solch ein Punkt. In Brot und Wein erfahren wir, dass Gottes Sohn uns ganz nahe ist. Unter diesen Zeichen schenkt er uns die Erfahrung seiner Gegenwart.

Wenn die Theologie davon spricht, dass Brot und Wein in der Eucharistiefeier zu Leib und Blut Christi gewandelt werden, dann geht es nicht darum, dass das Brot nun in seiner Materie verändert und zu richtigem Fleisch würde. Das Sprechen von der Wandlung meint im Letzten nichts anderes, als dass Gott uns in den Zeichen von Brot und Wein die Erfahrung seiner Gegenwart schenken möchte.

Wenn wir das Brot brechen, versichern wir uns der Gegenwart Christi.

Der Einfluss Roms

Die schlichte Feier des Brotbrechens hat sich nun in den folgenden Jahrhunderten nicht unwesentlich weiterentwickelt. Das Gedächtnismahl bekam in der Folge immer mehr den Charakter eines symbolischen Mahles.

Man aß nicht mehr richtig zu Abend, sondern verteilte das Brot nur noch zum Zeichen für das Mahl. Dabei las man weiterhin aus der Heiligen Schrift und sang Hymnen und Psalmen. Es entwickelte sich eine Feier, die unserem Gottesdienst schon recht ähnlich war.

Und sie entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte weiter. Jüdische, aber mit fortschreitender Zeit immer stärker römische Einflüsse prägten fortan den christlichen Gottesdienst.

Vor allem das Zeremoniell, das sich am römischen Kaiserhof herausgebildet hatte, und in dem der Kaiser als Herrscher des ganzen Erdkreises verehrt wurde, färbte auf die Messfeier ab.

Schon früh scheinen Christen Elemente aus dieser Kaiserliturgie in ihren Gottesdienst übernommen zu haben. Mit solchen Übernahmen protestierte man gleichsam: Nicht dem Kaiser erbringen wir diese Referenz! wir erweisen sie unserem Herrn Jesus Christus, der allein unser Herr und Gott ist und nicht der Kaiser.

Als das römische Imperium dann vollends christianisiert und das Christentum sogar Staatsreligion geworden war, wurde die christliche Liturgie dann endgültig mit Elementen des römischen Kaiserkultes ausgebaut. All die Ehrenbezeugungen, die man früher dem als Gott verehrten römischen Kaiser zukommen ließ, wurden nun auf Christus übertragen. So stammen eine Vielzahl von Elementen in unserer christlichen Liturgie ursprünglich einmal aus dem römischen Kaiserkult.

Kryrie eleison und liturgische Kleidung

Ich möchte als Beispiel nur unser "Kyrie" nennen. Wenn der Kaiser in die große Audienzhalle einzog, dann pries man seine Großtaten und die Versammlung antwortete darauf mit dem Ruf "Kyrie eleison" – "Herr, erbarme Dich!" Dieses Element hat man ganz einfach in den christlichen Gottesdienst übernommen. Der Ruf gilt jetzt nicht mehr dem Kaiser, sondern Christus, der nun als Herr der Welt unter den Menschen Einzug hält und der mit diesem alten Ruf, wie einst der Kaiser, gepriesen und geehrt wird.

Auch die Messgewänder, die wir heute kennen, haben ihren Ursprung im römischen Hofzeremoniell. So sahen nämlich die Gewänder der römischen Hofbeamten aus. Sie wurden ganz einfach in den christlichen Gottesdienst übernommen.

Gottesdienstliches Feiern hat sich zu allen Zeiten verändert

Es ist nicht unwichtig, um solche Zusammenhänge zu wissen, denn sonst könnte man leicht in falscher fundamentalistischer Manier auf die Idee kommen, dass alles, was wir im Gottesdienst praktizieren, von Anfang an von Jesus her genau so gewollt war und dass sich deshalb auch absolut nichts ändern dürfe. Das gemeinsame Gottesdienstfeiern hat sich aber zu allen Zeiten immer wieder verändert und jede Zeit hat ihren wertvollen Beitrag geleistet, genauso wie auch unsere Zeit ihren Beitrag zu leisten hat.

Wenn das miteinander Feiern sich erst langsam entwickelt hat, dann heißt das ja in keinster Weise, dass dadurch irgendetwas verfälscht worden wäre. Symbole und Zeichen, die recht verstanden werden, haben ihre Bedeutung, ganz unabhängig davon, ob sie von Anfang an in Gebrauch waren oder erst im Laufe der Zeit dazugewachsen sind.

Vom Sinn und Unsinn unserer Symbole und Zeichen

Ich muss sie lediglich verstehen und ihre Bedeutung kennen, dann werden die einzelnen Elemente, egal ob sie anderen Anlässen entlehnt oder ursprünglich ganz einfach praktische Bedeutung hatten, zu einem Schatz, der unsere Liturgie zu einem Fest für alle Sinne macht. Nicht umsonst sagt man unseren Gottesdiensten nach, dass sie sehr viel stärker das Gefühl anregen und fürs Herz sind, als bei anderen Konfessionen.

Versteht man die Zeichen jedoch nicht, dann sind sie sehr stark in der Gefahr, zu einem geistlosen Ritus zu werden, der auf Dauer tot und abstoßend wird.

Weihwasser

Schauen wir uns deshalb ein paar dieser Zeichen und Symbole noch ein wenig genauer an. Einem von ihnen begegnen Sie schon, wenn Sie die Kirche betreten: Dort steht das Gefäß mit dem Weihwasser.

Weihwasser am Eingang der Kirche hängt sicher ursprünglich einmal mit den rituellen Waschungen zusammen, die es in fast allen Kulten gibt.

Im Christentum, und ganz besonders an den Türen unserer Kirchen hat es dann aber eine etwas andere Bedeutung erhalten. Weihwasser zu nehmen, ist nun nicht mehr eine Waschung, es ist vielmehr Erinnerung – Erinnerung daran, dass wir getauft sind. Und wenn wir uns mit diesem Wasser bekreuzigen, dann will uns das daran erinnern, dass wir "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" getauft wurden.

Kerzen

Und wenn wir in der Kirche Kerzen anzünden dann hatte das früher sicher zuerst einmal eine ganz praktische Funktion: Ohne Licht kann man in einem Raum nichts sehen.

Aber die Eigenart der Kerze ist recht bald zu einem Symbol geworden, einem Symbol für Christus. Die Kerze schmilzt nämlich ihr eigenes Wachs, um für uns Licht sein zu können, sie verzehrt sich dabei selbst, so wie Christus sich selbst hingegeben hat, um für uns der Erlöser zu sein. Deshalb werden noch heute, trotz des elektrischen Lichtes, bei jedem Gottesdienst Kerzen angezündet.

Weihrauch

Auch der Weihrauch hatte einerseits eine ganz praktische Bedeutung: Bei großen Gottesdiensten, etwa bei den Pilgergottesdiensten in Santiago di Compostela – manche von Ihnen werden das riesige Weihrauchfass dort kennen – waren die Kirchen übervoll und die Luft vom Schweiß der Menschen angefüllt. Weihrauch diente dann ganz einfach dazu, den Geruch im Raum zu verbessern.

Andererseits hatte der Weihrauch sehr früh schon symbolische Bedeutung. Der aufsteigende Rauch erinnert nämlich an das Psalmwort:

"Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf." (Ps 141,2)

Die Himmelsrichtung

Alles im Gottesdienst erhielt seine zeichenhafte Bedeutung. So war beispielsweise jeder Kirchenraum ursprünglich nach Osten, zur aufgehenden Sonne hin ausgerichtet. Schon durch den Bau  wurde dadurch deutlich, daß der Mensch sich hier nach Osten, nach dem Orient ausrichtet, neue Orientierung für sein Leben erfährt.

Vom Knien und Stehen

Aber auch die verschiedenen Körperhaltungen beim Beten sprechen Bände. Die Grundhaltung des Christen im Gottesdienst ist nämlich – nein, nicht das Knien. Die Grundhaltung ist das Stehen.

In der römischen Kaiserliturgie hatte man natürlich zu knien. Auch in den anderen Kulten konnten sich die Menschen Gott nur auf Knien nähern. Vor der Gottheit oder vor dem Kaiser stehen zu dürfen, war eine Auszeichnung, die nur wenigen zuteil wurde.

Die Christen aber dürfen vor ihrem Gott stehen; ein Umstand, der die Würde des einzelnen Menschen und seine Bedeutung vor Gott ungemein betont. Im zweiten Hochgebet, das auf dem ältesten Hochgebet unserer Kirche beruht, und auf das 3. Jahrhundert zurückgeht, heißt es deshalb unmittelbar nach der Wandlung:

"Wir danken dir, Herr unser Gott, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen!"

Leider haben unsere Gemeinden die Empfehlung der Liturgiereform weithin nicht mitgemacht, nämlich nur noch zu den eigentlichen Wandlungsworten zu knien und ansonsten zu stehen. So kommt es zu der Ironie des Schicksals, dass meistens ausgerechnet zu diesen Worten, die alle meinen, bis auf den Priester alle auf den Knien liegen. Und dabei geht es gerade hier darum, dass eigentlich alle hier dazu berufen sind, vor unserem Gott zu stehen und ihm zu dienen – alle und nicht nur die Priester.

Die liturgischen Farben

Werfen wir noch einen Blick auf die verschiedenen Farben, die uns im Gottesdienst begegnen. Auch sie haben selbstverständlich ihre Bedeutung.

Hierbei müssen wir uns daran erinnern, wie schwer es in der Antike war, Stoffe zu färben. Deshalb waren farbige Stoffe auch so ungeheuer teuer. Die Amtstracht im römischen Reich wurde zum Beispiel mittels des Sekrets der Purpurschnecke gefärbt. Von diesem Brauch her sind all unsere liturgischen Farben deshalb im Grunde auch Purpurfarben.

Wenn man Purpur nämlich mit Naturfarben mischte, dann ergab dies einen grünen Ton. Er stellt noch die günstigste Purpurfarbe dar und von daher verwendet man eben im Jahreskreis, wenn nichts besonderes war, noch bis heute die grüne Farbe.

Nimmt man nur Purpurschnecken, dann erhält man rot. Von der Farbassoziation zu Blut her bietet sich diese Farbe schon für Märtyrerfeste und auch für das Pfingstfest mit seinen roten Feuerzungen an.

Wenn man noch mehr Purpurschnecken zum Färben verwendet, dann erhält man das satte Violett. Und diese Farbe wurde schon früh für die beiden wertvollen Vorbereitungszeiten, die Advents- und die österliche Bußzeit verwendet.

Nur der Einsatz von fast unendlich vielen Purpurschnecken ergibt nun einen Farbton, der annähernd schwarz entspricht; die Farbe, die man am Schwersten herstellen konnte. Sie war so kostbar, dass lediglich ein Mann im römischen Imperium ein wirklich schwarzes Gewand hatte. und das war der Kaiser – und er trug es auch nur einmal im Jahr. Von daher klar, dass "schwarz" sich in fast allen Kulturen zur Festtagsfarbe, zur wertvollsten Farbe entwickelt hat.

Und ausgerechnet diese Farbe, holt die Liturgie zur Beerdigung hervor, die Festtagsfarbe. Das Trauergewand bestand überall sonst aus ungefärbtem, einfachem Stoff. Wenn die Christen bei der Beerdigung die schwarzen Gewänder hervorholen, dann einzig und allein, um damit zum Ausdruck zu bringen, daß trotz des Schmerzes für den Christen auch im Tod nicht die Trostlosigkeit obsiegt.

Jetzt gibt es eigentlich nur noch eine Farbe, die noch kostbarer ist, und diese Farbe ist schon keine Farbe mehr, es ist das Metall Gold. Und die goldbestickten Gewänder oder der mit Goldfäden durchwirkte Stoff ziert nun die Festzeiten Weihnachten, Ostern oder auch die Christus- und Heiligenfeste des Jahreskreises.

Der Ablauf des Gottesdienstes als Symbol

So hat jedes Element in der Liturgie eine zeichenhafte Bedeutung, und auch der Gottesdienstablauf an sich ist ein einziges großes symbolisches Geschehen.

Schon wenn sich zu Beginn der Feier die Prozession in Bewegung setzt, dann erinnert das an das ganze Volk Gottes, das unterwegs ist, in dem jeder unterschiedliche Dienste und Aufgaben hat, das von Christus, symbolisiert durch die Kerzen, begleitet wird und in dem er in seinem Wort, dem mitgetragenen Evangelienbuch, anwesend ist. Das Kreuz, das vorausgetragen wird, ist Zeichen dafür, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen müssen und der Weg selbst, den wir zurücklegen, ein Kreuzweg ist. Es ist aber auch Zeichen dafür, dass Christus am Kreuz für uns alle bereits den Sieg davongetragen hat und eigentlich gar nichts mehr schief gehen kann.

Und dann erreicht die Prozession den Altar und lagert dort. So wie wir auf unserem Weg durch den Alltag jetzt im Gottesdienst ausruhen wollen, um Kraft zu schöpfen für den nächsten Abschnitt des Weges. Und dazu hören wir zunächst auf Gottes Wort, das uns Orientierung geben will und dann halten wir Mahl, der Tisch wird gedeckt, das Mahl wird zubereitet, wir erinnern uns an die Deuteworte Jesu, der uns zugesagt hat, dass er sich uns in diesem Mahl ganz schenkt. Wir sprechen das Tischgebet, das Vater unser, und wir essen dann gemeinsam, so gut das in unseren Kirchenräumen eben geht.

Und dann brechen wir zunächst symbolisch in der Prozession von Ministranten und Zelebranten und danach ganz real wieder auf zu unserem nächsten Wegabschnitt als wanderndes Gottesvolk in unserem Alltag.

Gottesdienst als "Freude vor Jahwe" – Hilfe zum Leben

Nichts davon hat Jesus so vorgeschrieben! Jesus hat kein Messbuch verfasst. Alles ist in sich schlüssig und sinnvoll. Manches mehr, manches weniger. Manches wird sich auf Zukunft hin ändern, einiges in seinem Bedeutungsgehalt neu erkannt wieder anderes im Laufe der Zeit aus der Übung kommen.

Wichtig ist, dass wir diese Symbole als das nehmen, was sie sind, als Zeichen, die uns beim Verstehen und mitvollziehen des Geheimnisses, das wir feiern, hilfreich sein wollen. Sie sind keine wesenlose Riten, die es einfach zu vollziehen gilt, koste es was es wolle. Sie sind aber auch keine Nebensächlichkeiten. Wichtig ist, dass sie uns helfen wollen, und das muss bei allem deshalb auch deutlich werden.

Und wenn es für jemanden hilfreicher sein sollte, in einer Situation sich eben hinzusetzen und nicht zu stehen, dann soll er es halt in Gottes Namen tun.

Und wenn für jemanden die Mundkommunion das angemessenere ist, dann soll er das Sakrament eben auf diese Weise empfangen.

Aber niemand soll auf der anderen Seite diejenigen verteufeln, die sich eben eher im Zeichen der Handkommunion wiederfinden.

Auch für unsere Liturgie gilt, was in allen Bereichen unseres Glaubenslebens Richtschnur sein kann: Soviel Gemeinsamkeit wie möglich, aber soviel Freiheit und Individualität wie für die einzelnen nötig. Dann kann Gottesdienst zu feiern dem einzelnen wirklich gut tun.

Denn genau das soll es auch tun. Gott braucht diese Feier nicht. Sie ist ein Geschenk an uns, eine Feier, die uns stärken, die uns hilfreich sein soll.

Und wenn wir so miteinander Gottesdienst feiern, dass diese Feier zu einer Hilfe für unser Leben wird, dass wir immer deutlicher spüren, es würde uns ohne sie ungeheuer viel fehlen, vielleicht werden unsere Gottesdienste dann auch wieder einladender – einladender für all die, die unser miteinander Feiern eigentlich gar nicht vermissen.

(Dr. Jörg Sieger)

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